Von Krankheiten, Viehseuchen, Brandfällen, Erdbeben und Unwettern

Auch unsere Vorfahren hatten sich so gut wie die heutige Gesellschaft mit allerlei Widerwärtigem herumzuschlagen. Das veranschaulicht die nachstehende Aufzählung der verschiedensten, oft recht bösartigen Ereignisse in unserm Dorf und seiner nächsten Umgebung zur Genüge .

Zwischen 1676 und 1782 ist eine recht grosse Sterblichkeit (auch unter Kleinkindern) zu beobachten, die jährlich bei beständig 30 und mehr Personen liegt. Die Todesursachen waren manigfaltige; neben der Pest traten damals gerne auf: Pocken, Typhus, Ruhr, Auszehrung, Kindbettfieber. Sicherlich fehlte auch weitgehend die ärztliche Betreuung in den abgelegenen Orten der Landschaft. So starben im Jahre 1706 (Zeit des Kirchenbaues) 41, Anno 1707 und 1759 gar je 42 Dorfgenossen. Um der Einschleppung solcher Epidemien entgegenzuwirken waren unsere Behörden oft zu drastischen Massnahmen genötigt; so zum Beispiel im Jahre 1720: «Bey Anlass der Marsilianischen Pest ward an diesem Gränzort nächst by dem Eichwald vor dem Dorf ein Quarantäne-Schopf erbauwet, ein Mörser dabey aufgepflanzet und eine Wache dazu gesetzet, auch alle dahin gebrachten Waaren ausgelegt und gereinigt.»

Auch die Maul- und Klauenseuche trat schon früh auf. Anno 1754/55 herrschte im Dorf ein wahrer Seuchenzug. Hier die Notizen darüber:

«1754, 1. September: Der Pfarrer frägt nach einer Viehseuche ze Keiserstuel; sie ist aber schon im Dorf, niemand tut etwas.

24. November: Auf Antrag des Pfarrers wird ein Gemeindevieharzt bestellt, ein Dörflinger aus Unteralpfen im Schwarzwald.

3. Dezember: Gemeindeversammlung wegen Lohn desselben; 1 fl für die kranke Kuh.

1755, 5. Januar: Seuche nimmt zu; Abordnung des Sanitätsrates kommt (das ist die obrigkeitliche Kommission < für Wohlfahrtspflege und Sanitätsmandate >, auch Epidemie- und Seuchenpolizei aus Zürich). Dörflinger gewinnt ihr Vertrauen.

26. Januar: Zwei Stillständer wollen den Vieharzt nicht in ihren Stall lassen, müssen aber!

2. Februar: Schreiben des Sanitätsrates, man solle dem Vieharzt einen hiesigen in die Lehre geben, um 4 Ducaten.

16. Februar: Der hiesige Vieharzt (Rudolf Willy) besitzt nun die «Wissenschaft»; der Meister erhält 5 Ducaten und wird entlassen. (So rasch wird wohl nicht grad wieder einer Vieharzt!)

2. März: Verbot der Gemeindeversammlung, das Vieh zu den Brunnen zu führen und auf allgemeinen Weiden zu weiden.

20. April: Wiederholung des Verbotes bey Gefängnisstrafe für die Renitenten.

24. April: Bittschreiben des Pfarrers für die geschädigte Gemeinde; die <gnädigen Herren> (zu Zürich) geben 300 fl.

Mai 1755: Rodel der Unterstützungen, 5 bis 24 fl. pro Vieheinheit. Verteilen des Geldes durch Pfarrer, jedem geheim(!).

6. Juli: Noch eine Kuh gefallen, entschädigt mit 14 Pfund.»

Damit enden die Aufzeichungen über diesen Seuchenzug in unserm Dorfe. Aber schon 1763 schreibt Pfarrer Hartmann Escher nochmals über eine solche drohende Gefahr: «Es regiert in vielen Gemeinden der Zürich-Gebiethe z. Zeit nochmals eine Krankheit unter Pferden und Horn-Vieh, welche der Zungenkrebs genannt wurde, davon aber, Gott sey gedanket, bis dazu unsere Gemeinde bewahrt gewesen.»

 

Dafür aber erzählen die alten Stillstandsbücher und Kirchturmdokumente von Feuersbrünsten, Erdbeben und Hagelwettern. Davon nur einige der bedeutendsten Vorfälle:

1658: «Als man zalt den 2. tag Juli ist ein gross brand allhier in wyach entstanden, in Kälen; dass ess 10 firsten gekostet, darinnen 95 personen gewäsen, in selbigem Jahr hat dass volk widerumb gebauwen und sind 4 hüser ufgestelt worden.»

1662: «sind drei firsten verbrunnen.»

1749: «verbrannten 8 Häuser, infolge Verwahrlosung beim backen.»

1766: «am 20. April verbrannten 70 Jucharten Wald (vielleicht im sogenannten Brandhau?)

1786: «verbrannten 4 Häuser; die Geschädigten wurden durch eine in der Stadt gesammelte Steuer von 2325 fl entschädigt.»

Der damalige Pfarrer, Johann Irminger, hatte eine entsprechende Bittschrift an den Obervogt des Neuamtes gerichtet und im Staatsarchiv liegt eine genaue «Steuertabelle für die Brandgeschädigten... zu Weyach». Eben daselbst fand ich auch eine Vorschrift über die «Feuerschau Weyach»; sie stammt sogar schon aus dem Jahre 1596 und lautet:

« ... die geschwornen sollen jährlich im dorf von einem Haus zum andern umbhin gahn, die öfen, herdstätt und andern Orth, allda man Feuert, besichtigen ... »

Für solche, deren Feuerstätten nicht in guter Verfassung befunden werden, konnte sogar von diesen Geschworenen eine Busse bis auf «10 pfund Pfenning» ausgesprochen werden.

1805: «am 16. November verbrannte ein Doppelwohnhaus, gehörend Caspar meyerhofer Wagnerjoglis und Heinrich Schneider, Halauer.» - Schaden bei Meyerhofer 662 Thaler, bei Schneider 730 Thaler 12 batzen.»

Dieser vielen Feuersbrünste wegen, offenbar auch andernorts, wurde durch ein Gesetz am 16. Dezember 1808 die obligatorische «Brandversicherungs-Anstalt für die Häuser und Gebäude im Kanton Zürich» gegründet. So waren in der Folgezeit dann Brandgeschädigte nicht mehr auf das Wohlwollen der Stadt oder Gemeinden angewiesen, sondern erhielten nun Vergütungen aus dieser Anstalt; zum Beispiel

1810: «am 16. März verbrannten 2 Häuser, für welche 1300 Gulden vergütet wurden.»

1824: «am 31. Dezember wieder 2 Wohnhäuser, Vergütung 1500fl.»

1831: «am 27. Dezember mittags 1/2 2 Uhr entstand in einem mit Stroh gedeckten Haus im Oberdorf Feuer; dasselbe wurde ganz eingeäschert; Vergütung 1900 fl.» (Besitzer waren Jakob und Johann Näf sowie Erhard und Ruth Bombeli).

In diesen «feurigen» Zusammenhang passen sicher auch folgende Episoden:

1755, 5. September: «Ersetzung der unbrauchbaren Feuerspritze (Lieferant ein Bleuler von Uster).
1759, 20. April: «Rohre der Feuerspritze gestohlen; in der Stille nachforschen.»
1761, 1. Februar: «Beschluss, der Lieferant solle die wieder unbrauchbare Feuerspritze durch eine bessere ersetzen.»
1763, 6. Februar: «Der Dieb der Feuerspritzenrohre (von 1759!) vorgestellt.»

Nur vier der ärgsten Gewitter und Hagelwetter, die unsere Gegend heimsuchten, seien hier erwähnt:

1764: «am 28. Juni schlug ein Hagelwetter auf dem Rafzerfeld, zu Weyach und Niederweningen ... die Feldfrüchte fast alle nieder.»

1820: «am 17. Heumonat entleerten sich über einen grossen Teil des Kantons, besonders aber über der Gegend von Glattfelden, Weyach und Eglisau sehr heftige Gewitter, wobey der meiste Roggen und auch ein Teil des Korns sehr beschädigt wurden; die mit verschiedenen Sommerfrüchten angepflanzte Brachzelg gegen den Hard fast ganz verheert und sogar Frucht- und andere Bäume zerrissen.»

1838: «vom 29. Mai bis 1. Brachmonat waren vier Gewitter, von denen das am 31. Mai die nordwestliche Grenzgegend mit einem der verderblichsten Schlossengewitter heimsuchte. Die junge Saat stand total zernichtet; Bäume und Reben kahl und aufs schrecklichste beschädigt da; keine Fensterscheibe an der untern Seite der Kirche blieb verschont. Am darauffolgenden Tage konnte man noch 5 /4 zöllige Hagelkörner aufschöpfen; 17 Eichen wurden von des Sturmes Gewalt umgerissen; Schaden auf 2300 fl geschätzt.»

1854: «Den 23. Augsten ward die Gemeinde von einem starken Hagelwetter heimgesucht, das jedoch, da die Ernte glücklich eingebracht, nur an Bäumen und im Rebgelände Schaden verursachte, so dass wohl selten noch eine Zeit erlebt worden, in welcher ein so allgemeiner Mangel an Getränk vorherrschte.» (Die armen durstigen Weiacher, samt Pfarrherr!)

1650: «Den 11. tag herbstmonat zwischen mittags drei und vier Uhr, dann wieder den 15. tag wintermonat nachmittags und nochmals auf den 20. tag desselben Monats hat es geerdbidmet.»

1855: «Am 25. Juli wurde nachmittags 1 Uhr 05 Minuten ein so starkes Erdbeben verspürt, dass die Arbeiter von den Gerüsten sich begaben (Kirchturm-Renovation), die Dielen krachten, was an den Wänden hing, sich hin und her bewegte und alles Volk erstaunt zusammenlief. «Am 26. vormittags und am 28. während des Mittagläutens wiederholten sich dieselben Erschütterungen.»

1706: Noch eine Sonnenfinsternis sei erwähnt, nämlich am 12. Mai (Kirchenbau) war «morgen umb 9 uhr ein so gross sonnenfinsternus gewesen, dass man die Sternen sehen können und die Maurer wegen Dünkle ab dem gerüst müessen.»

 

1