![]()
5. FIEBERKRAMPF - Infos für Ärzte
von Eltern: #Spezialthermometer
Da der Temperaturanstieg bedeutend ist, muß ständig Körpertemperatur gemessen werden. Ständiges Temperaturmessen ist mit hohem Arbeitsaufwand verbunden und belasten besonders in der Nacht das Kind und die Eltern/ das Personal. Der Einsatz eines ständig messenden Gerätes (FIEBERKRAMPFTHERMOMETERS), das ein Signal bei zu schnellem Anstieg gibt, ist sinnvoll.
5.2.Arztinfo von 1991
DER ALLGEMEINARZT 1/1991
"Fieberkrämpfe" bei Kindern
Diagnostik , Therapie und Prognosen Franz Staudt
Fieber- und Infektkrämpfe sind das häufigste neurologische Krankheitsbild im Kindesalter (2,5,6,) .Sie werden bei 2 - 5 % aller Kinder beobachtet. Trotzdem ist der diagnostische und therapeutische Zugang zu diesem Problem sehr vielgestaltig .
Bezüglich der Therapie und Prophylaxe haben sich in jüngster Zeit einige neue Gesichtspunkte ergeben , auf die, zusammen mit den üblichen Fragen zu diesem Thema , eingegangen werden soll .
Folgende Fragen werden behandelt :
- Was ist ein Fieberkrampf ?
- Welche Risiken bedrohen ein Kind mit Fieberkrampf ?
- Welche therapeutischen und prophylaktischen Maßnahmen gibt es ?
- Welche diagnostischen Maßnahmen sind sinnvoll ?
- Was soll bei Impfungen von Kindern mit Fieberkrampf - Anamnese beachtet werden ?
- Welche Informationen sollen den Eltern und sonstigen Personen gegeben werden ?
Fieberkrämpfe werden auch Infektkrämpfe , Initialkrämpfe, auf englisch : febrile convulsion, volkstümlich: Zahnkrämpfe, Gichter, Freisen genannt .
Ein Fieberkrampf ist ein zerebraler Anfall, der im Säuglings- und Kleinkindalter ( normalerweise zwischen 3 Monaten und 5 Jahren ) nur bei Fieber auftritt . Fieberkrämpfe sind Gelegenheitskrämpfe. Für die richtige Einordnung muß man sie von der Epilepsie unterscheiden . Diese ist durch wiederholt auftretende Anfälle ohne Fieber charakterisiert ( Häufigkeit 3 - 4 % ) . Krampfanfälle mit Fieber von Kindern , die vorher einen afebrilen Krampfanfall durchgemacht haben , sind daher nicht eingeschlossen . Auch darf kein Zusammenhang zu einer intrakraniellen Infektion oder zu einem sonstigen intrakraniellen Prozeß bestehen .
Welche Risiken bedrohen ein Kind mit Fieberkrampf ?
Der Anfall selbst ist für die Angehörigen ein erschreckendes, angsterregendes Ereignis, das in aller Regel als akute Lebensbedrohung für das Kind erlebt wird . Normalerweise werden keine Folgeschäden nach einen Fieberkrampf beobachtet . Es besteht nur eine geringe Verletzungsgefahr . Ohne Prophylaxe kommt es bei etwa 30 - 40 % der Kinder zu einem zweiten Fieberkrampf . Das Auftreten eines zweiten oder weiteren Fieberkrampfes bedeutet für sich allein kein wesentliches Risiko für die Entwicklung einer Epilepsie oder einer durch den Fieberkrampf selbst bedingten Hirnschädigung . Nur ein kleiner Prozentsatz der Kinder , die einen Fieberkrampf durchgemacht haben , wird Anfälle ohne Fieber , also eine Epilepsie im engeren Sinne , entwickeln .Es ist dann anzunehmen , daß es sich nicht um einen Fieberkrampf gehandelt hat , sondern bereits um den ersten Anfall einer Epilepsie . Eindeutige Kriterien unterscheiden Kinder mit einem hohen Risiko von denen mit einem niedrigen Risiko .
Die Gruppe mit hohem Risiko , für die eine Entwicklung in eine Epilepsie bei etwa 15 % der Kinder angegeben wurde , ist dadurch charakterisiert , daß mindestens zwei der folgenden Risikofaktoren vorliegen :
nichtfebrile Anfälle in der Familie,
abnormer neurologischer Status oder abnorme Entwicklung vor dem ersten Fieberkrampf ,
komplizierter Fieberkrampf :lange andauernder Anfall ( mehr als 15 Minuten ), fokale Symptome, postiktuale EEG- Veränderungen , solche Anfälle , die sich innerhalb von 24 Std. wiederholen .Nur 2 - 3 % der Kinder die keinen oder nur einen der genannten Risikofaktoren aufweisen , werden anschließend eine Epilepsie entwickeln . Todesfälle oder bleibende motorische und geistige Störungen als Folge des Anfalls sind nicht zu erwarten . Bei Kindern mit Fieberkrampf werden gelegentlich neurologische Ausfälle wie geistige Retardierung, statomotorische Entwicklungsverzögerung und/oder sensomotorische Ausfälle beobachtet . In der Regel bestehen diese ZNS- Anfälle bereits vor dem Fieberkrampf . Das Auftreten von komplizierten Fieberkrämpfen weist auf eine bereits bestehende Hirnschädigung hin .
Das Risiko, eine Epilepsie zu entwickeln, hängt zudem vom Alter ab. Bei Kindern, die ihren ersten Fieberkrampf im Alter unter 2 und über 4 Jahren durchmachen, liegt es zwischen 8 und 12,5 % , während die Risikorate im Alter von 2 bis 4 Jahren nur 1,1 % beträgt . Für die Prognose eines Fieberkrampfes bezüglich der Entwicklung einer Epilepsie ist das Bestehen neurologischer Ausfälle bereits vor dem Auftreten eines Fieberkrampfes wichtig . Bei diesen Kindern steigt das Risiko erheblich . So haben die Anamnese , der klinische Befund und die Anfallsbeschreibung für die prognostische Beurteilung und damit für die Beratung der Eltern eine besondere Bedeutung .Das Risiko, später afibrile Anfälle, also eine Epilepsie zu entwickeln, steigt mit zunehmender Dauer des Anfalls. Daher ist die optimale Therapie im akuten Anfall besonders wichtig . Ein Anfall, der nicht innerhalb von Minuten auf eine antikonvulsive Therapie hin sistiert, stellt einen echten Notfall dar .
Wie behandeln ? (ACHTUNG VON 1991!)
Zunächst soll man Ruhe bewahren, die Kleidung des Kindes lockern und es in eine flache Seitenlage bringen . Besonders wichtig ist eine genaue Beobachtung des Anfalls . Auf keinen Fall sollen, in der Vorstellung einen Zungenbiß zu verhindern, Gegenstände in den Mund gesteckt werden . In der Regel dauert der Anfall nur 1 bis 3 Minuten und limitiert sich von selbst .Einen besonderen Fortschritt stellt die Anwendung der Diazepam- Desitin rectal tubes ( Säuglinge =5 mg, Klein- und Schulkinder = 10 mg ) dar, die die früher üblichen Chloralhydrat- Rektiolen weitgehend abgelöst haben . Ihre Wirkung kommt fast einer intravenösen Diazepam- Gabe gleich . Falls diese Maßnahme wirkungslos ist, soll sie nach etwa 5 Minuten wiederholt werden .
Auch dem Laien ermöglichen sie eine zuverlässige antikonvulsive Therapie, und sie sollten daher den Eltern prophylaktisch an die Hand gegeben werden . Eine Therapie mit Suppositorien ist wegen der langsamen Resorption nicht ausreichend. Falls ein Anfall durch die Gabe eines Diazepam-Klistiers nicht sistiert, kann die Medikation bedenkenlos wiederholt werden . Nur selten wird eine weitereTherapie notwendig . Dem Notarzt empfiehlt sich dann die i.v.- Gabe von Clonazepam ( Rivotril : Säuglinge 0,5 mg, Kleinkinder 0,5- 1,0 mg, Schulkinder 1,0 mg ) . Bei Fieber haben sich intermittierende physikalische Maßnahmen wie kühle Umschläge auf die Stirn und Extremitäten bewährt . Das Kind soll nicht zu warm zugedeckt werden. - Eventuell kommt die Gabe von Acesylsalicylsäure p.o. in Frage (10 mg/ kg /Dosis alle 4-6 Std. ) .
Welche Prophylaxe ? (ACHTUNG VON 1991!)
Früher war die Dauerprophylaxe ( =Langzeitbehandlung mit Antikonvulsiva ) eine anerkannte Methode zur Reduktion der Häufigkeit von Fieberkrämpfen . Das Medikament der ersten Wahl war Phenobarbital . Die Dosis (3-5 mg/kg KG ) sollte einen Blutspiegel im unteren therapeutischen Bereich ( etwa 15 g/ml ) erreichen .Wegen unerwünschter Nebenwirkungen - vor allem Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, Störungen des Schlaf- Wach- Rhythmus und Störungen kognitiver Leistungen- mußte bei etwa 25 % der Kinder die Therapie wieder abgesetzt werden . Auch Natrium- Valproat ist wirksam .Allerdings können in sehr seltenen Fällen lebensgefährliche Leberschädigungen nicht sicher vermieden werden, weswegen in der Regel dieses Medikament für diese Indikation nicht mehr empfohlen wird . Für die Überlegung zur Einleitung einer Dauerprophylaxe ist es wichtig zu wissen, daß damit der spätere Übergang in eine Epilepsie nicht verhindert werden kann .
In den letzten Jahren hat sich neben den üblichen physikalischen und Medikamenten antipyretischen Maßnahmen als prophylaktische Maßnahme die intermittierende Diazepam- Gabe durchgesetzt .Dabei werden, solange die Körpertemperatur über 38° liegt, Diazepam- Suppossitorien, 0,5 mg/ kgKG ( Valium- Suppositorien 5 mg/ 10 mg ) alle 6 Std. verabreicht .Als Nebenwirkung tritt dabei eine Sedierung auf, die bei einem fiebernden Kind ohnedies erwünscht ist .
Welche diagnostischen Maßnahmen sind sinnvoll ? (ACHTUNG VON 1991!)
Im Zweifelsfall, immer wenn eine ZNS- Infektion nicht sicher ausgeschlossen werden kann, ist eine stationäre Einweisung zu empfehlen . Meistens bedeutet diese Maßnahme für die verängstigten Eltern eine Beruhigung .
Zunächst muß die Ursache der fieberhaften Erkrankung gefunden werden .Dazu sind eine genaue Anamnese, ein genauer interner und neurologischer Status und eventuell auch ein Blutbild notwendig . Gegebenenfalls muß eine Lumbalpunktion gemacht werden . Während sie bei Kindern im ersten Lebensjahr wegen der oft nur diskreten Hinweise auf eine Meningitis in der Regel durchgeführt werden sollte, ist sie bei größeren Kindern nur erforderlich, wenn die üblichen meningealen Zeichen vorliegen .An eine Herpes - Enzephalitis ist zu denken, wenn sich der Zustand des Kindes nach einem fokalen "Fieberkrampf " weiter verschlechtert .Diese Differentialdiagnose wurde deswegen wichtig, da seit kurzem mit Acyclovir ein antiviral wirksames Medikament zur Verfügung steht .Der Therapieerfolg hängt aber vom sehr frühzeitigen Beginn der Behandlung ab .
Bei unkomplizierten Fieberkrämpfen sind in der Regel Röntgenaufnahmen des Schädels und weitere bildgebende Methoden wie Computertomographie oder Magnetresonanztomographie nicht notwendig . Kontroverse Meinungen bestehen zum Elektroenzephalogramm .Ein abnormes EEG - so ist allgemein akzeptiert - hat für die Entwicklung einer Epilepsie bei Patienten mit Fieberkrämpfen nur einen begrenzten prognostischen Wert . Bei vielen Kindern kann man hypersynchrone Potentiale oder eine Photosensibilität beobachten, ohne daß ein Zusammenhang zu etwa erneut auftretenden Krämpfen gefunden werden konnte .Trotzdem sollte die Bedeutung des EEG nicht unterschätzt werden .Wenn in den ersten Stunden nach einem Anfall ein Herdbefund besteht, hat dies die gleiche Bedeutung, als wenn der Anfall selbst fokal gewesen wäre .Bei Fortbestand des Herdbefundes im EEG ist es wahrscheinlich, daß es sich nicht nur um einen banalen Fieberkrampf gehandelt hat .Parietale monomorphe thetarhythmen, die über die postkonvulsive Episode hinaus stehen, vor allem, wenn sie zusammen mit Spikewave- Komplexen auftreten, sind eher ungünstig zu werten .
Was soll bei Impfungen von Kindern mit einer Anamnese für Fieberkrämpfe beachtet werden?
Viele Impfungen können Fieber hervorrufen, und viele werden in einem Alter durchgeführt, in dem auch Fieberkrämpfe auftreten können . Es ist daher ratsam, diesen Aspekt mit Eltern zu besprechen, wenn ein Kind bereits einen Fieberkrampf durchgemacht hat oder wenn eine entsprechende Familienanamnese besteht .
Der Vorteil des Impfschutzes gegen die entsprechenden Erkrankungen soll gegenüber dem erhöhten Anfallsrisiko abgewogen werden .Die Gabe eines Antipyretikums am ersten und zweiten Tag nach einer DPT- Impfung und am siebten Tag bis zehnten Tag nach einer Masern- Impfung wird empfohlen .
Welche Informationen sollen den Eltern und sonstigen Personen gegeben werden ?
In der eigenen Klinik hat sich die Verwendung eines Merkblattes als sehr vorteilhaft herausgestellt .Dieses kann aber das einfühlsame Gespräch mit den Eltern nicht ersetzen .
Literatur und Merkblatt über Redaktion " DER ALLGEMEINARZT " 1/1991
Priv. - Doz. Dr. med. Franz Staudt Kinderklinik Ritterorden 8390 Passau
![]()
Zuletzt bearbeitet: am 06.03.2007 webmaster