Anzeichen für Kindesmißbrauch

 

 

"Kindesmißbrauch zur Sprache zu bringen ist stärker tabuisiert als der Kindesmißbrauch an sich." (Maria Sauzier, M.D.)

 

 

Hinweis: Bitte lesen Sie auch den Aufsatz „ISKCON – Die dysfunktionale Organisation“ von Nori Muster

 

Wesensmerkmale von Familien, die Kindesmißhandlung und Kindesmißbrauch tolerieren

Anmerkung der Herausgeberin: Diese Materialien wurden entwickelt von David L. Calof, dem Autor des Buches "Multiple Personality and Dissociation : Understanding Incest, Abuse, and Mpd." [Multiple Persönlichkeiten und die Zerstörung der Persönlichkeit: Zum Verständnis von Inzest, Mißbrauch und multipler Persönlichkeit als seelischer Erkrankung "

Dieses englischsprachige Buch wird nicht mehr verlegt, aber auf Amazon.com können Sie nach gebrauchten Exemplaren suchen. (Antwort innerhalb von zwei Wochen).

  1. Häufig andere Formen des Mißbrauchs [Sexueller Mißbrauch innerhalb der Familie hat häufig dort einen Nährboden, wo schon andere Formen von Mißbrauch vorliegen]
  2. Falschheit, Täuschungen, "offene Geheimnisse" [Die Familie verheimlicht beschämende Geheimnisse, wie z. B. Kindesmißbrauch]
  3. Strenge und strikte Autorität
  4. Es wird blinder, absoluter Gehorsam abverlangt.
  5. Die "Rollenverteilung" ist schlecht ausdefiniert. [Den Kindern wird innerhalb der Familie die Rolle eines Erwachsenen abverlangt; dadurch wird die kindliche Bindung an die Eltern zerstört]
  6. Bindungen innerhalb der Familie sind schwach [Die Privatsphäre, die Rechte und die Individualität des anderen werden mißachtet.]
  7. Die Eltern waren in den Familien, aus denen sie kommen, schlecht ausdifferenziert [Die Eltern erlangen niemals wirklich die Reife eines Erwachsenen, die erforderlich ist, um gute Eltern zu sein.]
  8. Problematische Ehe oder problematische Scheidung.
  9. Die Kinder dürfen niemals wirklich Kinder sein. [Man erwartet von ihnen das Verhalten und die Rolle eines Erwachsenen, bevor sie alt genug dafür sind.]
  10. In vielen Fällen häufige Umzüge, häufige Veränderungen der Lebenssituation, sehr schwere Belastungen. [Das Umfeld für Kindesmißbrauch sind häufig chaotische Verhältnisse, die von Instabilität beherrscht werden]
  11. Kaum Berührungen und Zärtlichkeit [Anders als in normalen Familien schenken in Familien, in denen Kindesmißbrauch auftritt, die Eltern den Kindern kaum Berührungen, umarmen sie nicht, kosen sie nicht, knuddeln sie nicht]
  12. Häufig religiöse Bemäntelung als Kompensierung [Täter von Kindesmißbrauch verbergen sich häufig hinter einer Maskerade zur Schau gestellter Frömmigkeit]

 

Wesensmerkmale "funktionierender" Familien

  1. Die Individualität des Einzelnen wird respektiert.
  2. Die Unterschiedlichkeit der Einzelnen wird beachtet.
  3. Die "Rollenverteilung" und die Bindungen zwischen den Familienmitgliedern sind klar definiert [Eine Bindung kann nicht gleichzeitig "elterlich" und "ehelich" sein]
  4. Die Problemlösung erfolgt offen; verschiedene Ansichten gelten als etwas Gutes
  5. Man redet freundlich und verständnisvoll miteinander.
  6. Starke eheliche Bindung zwischen den Eltern.
  7. Starke Bindung an Menschen außerhalb der Familie [Die Familie ist eingebunden in die Großfamilie oder eine größere Gemeinschaft, z. B. religiöse Gemeinde]
  8. Humor, Spiele, Lachen
  9. Gemeinsame Werte

 

Formen von Kindesmißhandlung und Kindesmißbrauch

 

Vernachlässigung

Die Grundbedürfnisse des Kindes werden nicht erfüllt. Vorliegender Mißbrauch in seelischer, körperlicher, sexueller oder religiöser Hinsicht wird ignoriert.

 

Vernachlässigung in körperlicher Hinsicht liegt vor,

        Wenn das Kind medizinische Versorgung nicht oder nicht rechtzeitig erhält,

        Wenn das Kind im Stich gelassen oder aus dem Elternhause verjagt wird, oder wenn ein "Ausreißer" nicht mehr nach Hause zurückkehren darf.

        Ungenügende elterliche Aufsicht.

 

Vernachlässigung in schulischer Hinsicht,

        Wenn dauerndes "Schuleschwänzen" geduldet wird;

        Wenn ein schulpflichtiges Kind nicht bei der Schule angemeldet wird;

        Wenn auf besondere Bedürfnisse der Kinder bei ihrer Schulbildung keine Rücksicht genommen wird;

        Anmeldung der Kinder bei einer unzureichenden Schule, die keine Schulgenehmigung aufweist und dem Kind keine angemessene Bildung vermitteln kann (= Sektenschule)

 

Vernachlässigung von Grundbedürfnissen

        Keine anständige Kleidung (keine Mäntel, keine Schuhe im Winter)

        Kein nahrhaftes, gesundes Essen

        Dem Kind wird keine Zeit zum Spielen gewährt, keine gemeinsame Zeit mit den Eltern

        Kein richtiges Wohnquartier, kein persönlicher Besitz, kein Bett, kein richtiges Bettzeug

 

Seelische Mißhandlung

        Grausame oder erniedrigende Bestrafungen

        Beschimpfungen

        Kinder dem Anblick von Gewalt aussetzen (Gewalt in der Ehe; der Anblick, wenn andere Kinder gefoltert oder vergewaltigt werden)

        Wenn dem Kind gestattet wird, Drogen oder Alkohol zu konsumieren

        Keine Rücksicht auf die seelischen Bedürfnisse des Kindes

 

Körperliche Mißhandlung

Jede Körperverletzung durch Stoßen, Schlagen, Treten, Beißen, Verbrennen, Schläge mit einem Gegenstand etc., und jegliche körperliche Züchtigung außer "dem leichten Klaps auf den Hintern". In manchen Ländern sind sogar "Klapse" gesetzwidrig.

Klicken Sie hier für den englischen Aufsatz "Zehn Gründe, warum Sie ihre Kinder nicht schlagen sollten" ["Ten Reasons Not To Hit Your Kids"] von Jan Hunt, M. Sc., dem Direktor des Projektes "Natürliche Kindheit" ("Natural Child Project")

 

Sexueller Mißbrauch

        Sexuelle Berührungen

        Vergewaltigung oder Vergewaltigungsversuch

        Wenn Kinder dem Anblick von Pornographie oder sexueller Aktivität ausgesetzt werden

        Kinder heimlich im Badezimmer oder in ihrem Schlafzimmer beobachten

        Kinder dazu zu bringen, daß sie sich entblößen oder auf eine Weise posieren oder handeln, die auf das Geschlechtliche gerichtet ist

        Kinder unter Druck setzen, damit sie geschlechtliche Handlungen ausführen

        Geschlechtsbezogene Einschüchterung

 

Mißbrauch mit Bezug auf die Religion

Die Verwendung religiöser Praktiken, um Kinder zu bestrafen

Kinder zur Teilnahme an gottesdienstliches Handlungen zu zwingen

Gott oder religiöses Gedankengut benutzen, um Kindern Angst einzujagen

 

 

Flashbacks

Flashbacks (blitzartig auftauchende Erinnerungen) gehören zu den am längsten anhaltenden und beängstigendsten Folgen von Mißhandlung im Kindesalter. Sie erleiden einen Flashback, wenn Sie ein lange zurückliegendes Ereignis plötzlich unter einem anderen Blickwinkel sehen. Wenn Sie zurückschauen, sehen Sie etwas, das Ihnen vorher nie aufgefallen ist. Vielleicht wird Ihnen zum ersten Mal bewußt, daß Sie Mißbrauch erlitten haben, und daß Sie dies nicht verdient hatten. Vielleicht wird Ihnen zum ersten Mal bewußt, wie sehr es Ihnen Schmerz bereitete und wie stark Sie verletzt worden sind.

Flashbacks sind ein Zeichen für Heilung. Sie treten auf, wenn Sie nach Wegen suchen, das Vergangene zu verarbeiten. Sich mit einem Flashback auseinanderzusetzen, kann jedoch sehr schwierig sein. Ein Flashback kann Sie mit der Gewalt einer Meereswoge treffen; hochkommende Gefühle können so stark sein, dass sie u. U. zu Psychosen, Depressionen oder Panikattacken führen.

Das Flashback-Stadium ist nur ein vorübergehender Zustand; Sie sollten während dieser Zeit die Begleitung eines erfahrenen Spezialisten haben, der sich mit der Behandlung von Missbrauchsfolgen auskennt. Wenn Sie sich der Sache stellen, werden Sie eine Besserung erleben und Sie werden lernen, mit den Erinnerungen umzugehen. Bitte suchen Sie einen Psychotherapeuten auf, wenn Sie merken, dass Flashbacks bei Ihnen auftreten, ganz besonders, wenn Sie Selbstmordwünsche in sich spüren, stark zu Selbstmitleid neigen bzw. wenn Sie wissen oder vermuten, dass Sie psychisch krank sind.

Wenn Sie das Gefühl haben, Sie kommen auch ohne Psychotherapie aus, kaufen Sie sich wenigstens ein geeignetes Selbsthilfebuch über die Behandlung von Mißbrauchsfolgen. Auf meiner Webseite finden Sie geeignete Bücher in englischer Sprache (Klicken Sie hier)

Wenn Sie keine Hilfe in Anspruch nehmen wollen, besteht eine gewisse Gefahr, daß Flashbacks zum Dauerzustand werden, und daß Sie Ihre Mißbrauchsgeschichte bei allen möglichen Leuten anbringen werden, die nicht in der Lage sind, Ihnen zu helfen. Es ist denkbar, daß Sie sich daran gewöhnen könnten, dauerhaft in der Rolle des Opfers verharren; dies würde Ihre Chancen für eine vollkommene seelische Gesundung erheblich verschlechtern. Es ist möglich, "die Sache ein für allemal hinter sich zu bringen", aber dazu werden Sie Hilfe benötigen. Versuchen Sie Ihre Flashbacks zu begreifen als ein Anzeichen für einen seelischen Selbstheilungsprozeß.

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Häufige Probleme von Mißbrauchsopfern

Aus dem englischsprachigen Buch "Betrayal of Innocence" [Verrat an der Unschuld] von Susan Forward und Craig Buck

Nicht jeder der Menschen, die im Kindesalter Opfer sexueller Gewalt wurden, zeigt jedes Symptom auf gleiche Weise. Die Liste ist nicht vollständig; doch männliche Mißbrauchsopfer berichteten u. a. über die folgenden Probleme:

  • Angst und/oder Verwirrung; Panikattacken, Angstzustände und Phobien
  • Depressionen - Selbstmordversuche oder Selbstmordgedanken
  • Geringe Selbstachtung - das Gefühl, man sei "befleckt", innerlich zerbrochen oder minderwertig
  • Scham- und Schuldgefühle
  • Mangelndes Vertrauen in sich selbst oder in andere
  • Angst vor Gefühlen - das zwanghafte Gefühl, sich selbst oder die anderen kontrollieren zu müssen, zwanghaftes "Bemuttern" anderer
  • Alpträume, Flashbacks - verstörende Erinnerungen
  • Schlaflosigkeit oder Schlafstörungen
  • Amnesie - Gedächtnisverlust; Teile der Erinnerung an die Kindheit ausgelöscht
  • Gewalttätigkeit oder Furcht vor Gewalt
  • Unbehagen, berührt zu werden
  • Zwanghafte sexuelle Betätigung
  • Sexuelle Probleme
  • Übermäßige Vorsicht - extreme Schreckhaftigkeit
  • Kontaktarmut - Gefühl der Isolation und Einsamkeit
  • Unfähigkeit, Beziehungen aufrechtzuerhalten und/ oder Eingehen einer gestörten Beziehung, in der die mißbrauchte Person in die Rolle des "Opfers" zurückfällt
  • Streben nach Perfektionismus ODER mangelhafte, unzureichende Leistungsfähigkeit, "Nicht-Ausgelastetsein" � das Gefühl, im Berufsleben "jemand zu sein, der anderen etwas vormacht"
  • Im Erwachsenenleben selbst Mißbrauch begehen ODER jemand zu werden, der für andere eine übermäßige Beschützerrolle einnimmt
  • Als Erwachsener anderen Formen des Mißbrauchs zum Opfer fallen (z. B. gestörte Beziehung, destruktiver Kult)
  • Spaltung der Persönlichkeit (Schizophrenie) oder Ausbildung mehrerer, voneinander völlig verschiedener Persönlichkeiten im selben Körper (Multiple Persönlichkeit) � oder das Gefühl, "als würde man"
  • Sucht (Abhängigkeit von Alkohol, Drogen etc.)
  • Eßstörungen [z. B. Magersucht (Anorexie), Freßsucht, Freß-Brech-Sucht (Bulimie)]
  • Unrealistische, negative Selbstwahrnehmung - das Gefühl, "nicht in diesen Körper zu gehören"
  • Das Gefühl, ein ängstliches kleines Kind zu sein
  • Übermäßige Fixierung auf das Aussehen

 

 

Eine Botschaft an Jugendliche, die Opfer sexueller Gewalt sind

Du hast ein Recht auf Schutz vor Berührungen, die du nicht willst, insbesondere an den Stellen, wo deine Unterwäsche sitzt. Diese Stellen sind tabu. Wenn dich jemand an diesen Stellen anfaßt, sag es deinen Eltern, einen Lehrer, einem Erzieher oder jemandem, zu dem du Vertrauen hast. Du mußt wissen, jeder Kindesmißbrauch muß bei der Polizei angezeigt werden. Du magst Angst haben vor dem, was passiert, wenn du den Täter anzeigst, aber du mußt verstehen, dies ist Mißbrauch und du ein Opfer. Was du jetzt durchmachst, wird dich für den Rest deines Lebens verfolgen, es sei denn, du tust jetzt etwas, um es zu stoppen.

Eine andere Form des Mißbrauchs ist sexuelle Belästigung. Wenn jemand dir gegenüber anstößige Bemerkungen macht, dir anstößige Bilder zeigt, sich die Hose aufmacht oder dich zwingt bei sexuellen Handlungen zuzugucken, dann ist das sexueller Mißbrauch. Bitte erzähle dies einem Erwachsenen, dem du vertraust. Wenn du keine Hilfe bekommst, erzähle es anderen Erwachsenen. Sie werden etwas dagegen tun, damit es aufhört.

Vielleicht möchtest du auch der Person, die dich mißbraucht, ins Gesicht sagen, daß du diese Mißhandlung nicht mehr ertragen wirst. Aber bedenke: Wenn du dies einem Mißbrauchstäter ins Gesicht sagst, wird er oder sie dich vielleicht schlagen. Wenn deine Lage so ernst ist, bitte suche jemanden, der dir hilft. Wenn du niemanden hast, dem du dich anvertrauen kannst, suche

die Nummer des nächsten Krankenhauses oder der nächsten Kirche aus dem Telefonbuch. Rufe dort an und erzähle ihnen, wo du wohnst und was man dir antut. Versuch immer wieder, jemandem zu erzählen, was mit dir passiert, bis man sich um dich kümmert. Suche auch nach Hilfe durch einen Psychologen. Das ist der beste Weg. Der Mißbrauch oder die Anzeige des Mißbrauchs, daran bist niemals du schuldig, also gib nicht dir selbst die Schuld.

90 Prozent der Leute auf der Welt sind gegen Kindesmißbrauch, aber sie wissen nicht, wie sie ihn erkennen oder was sie dagegen tun können. Wenn deine Geschichte jemand erfährt, der weiß, was zu tun ist, dann wirst du Hilfe bekommen.

 

Deutschsprachige Ressourcen

 

Englischsprachige Ressourcen:

  • Auflistung aller Informationen, die innerhalb Nori Musters Webseite über Kindesmißbrauch verfügbar sind (hier)
  • Klicken Sie hier, um etwas zu lernen über gesunde Beziehungen und über die Bedeutung von Aufrichtigkeit
  • Vergebung: Wann ist es angemessen, einem Täter zu vergeben?
  • Für den "Steamboats Workshop für gute Eltern", klicken Sie hier
  • Klicken Sie hier für die "Friedensgebet-Erklärung gegen Kindesmißbrauch" (Pray for Peace Declaration Against Child Abuse)

Nach Ansicht von Murray Straus, einem hochgeachteten amerikanischen Autor von Büchern über Gewalt in der Familie, kann und sollte das "Verhauen" vollständig aufgegeben werden für ein besseres Wohlergehen der Kinder. "Klapse" sind eine anachronistische Methode der Bestrafung; es gibt Dutzende Trainingsprogramme für Eltern und Erzieher, in denen gelehrt wird, wie man Kinder maßregelt, ohne dabei Gewalt anzuwenden. Bei den "Anonymen Eltern" und vergleichbaren Gruppen kann man lernen, wie man Kinder ohne Gewalt erzieht.

Um mehr über die Arbeit von Dr. Murray Straus zu erfahren, besuchen Sie bitte das "Labor für Familienforschung" (Family Research Lab)

  • "Zehn Gründe, warum Sie Ihre Kinder nicht schlagen sollten" (Ten Reasons Not To Hit Your Kids) von Jan Hunt, M. Sc., dem Direktor des "Natural Child Project"
  • "Verrat an der Unschuld - Inzest und seine verheerenden Folgen" (Betrayal of Innocence: Incest and Its Devastation) von Susan Forward und Craig Buck
  • "Handbuch für Aussteiger aus destruktiven Kulten" (A Cult Survivor's Handbook) von Nori Muster (Deadlink)
  • Für weitere englischsprachige Bücher besuchen Sie bitte den "Buchladen für Mißbrauchsopfer" auf Steamboats.com

 Übersetzung: Y. J. 2004

 

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