Dumme
Fragen ...
hier:
betreffend das "Positionspapier der Madhva-Religion
zur ISKCON", eine weitere der zahllosen Stimmen zu dem
interessanten und komplexen Thema "Ist die
ISKCON hinduistisch?"
Anfrage
an dvaita.org vom 2. Juni 2004
Sehr
geehrte Damen und Herren,
...
ich bin fasziniert von der auf Ihrer Webseite gemachten Behauptung, daß
die Lehren der ISKCON nicht mit dem Hinduismus übereinstimmend seien.
Intuitiv fühle ich, daß dies zutrifft, aber ich weiß nicht, wie ich es
anderen erklären könnte. Ich habe mir Ihre Webseite angesehen, aber da
ich nicht im hinduistischen Glauben erzogen wurde, fällt es mir
wirklich sehr schwer, dies nachzuvollziehen. Ich würde es sehr zu
schätzen wissen, wenn Sie mir Ihre Thesen so erklären würden, daß sie
auch für "Christen" nachvollziehbar sind.
Mit
freundlichen Grüßen
Yvonne
(krishnaplaza[at]yahoo.de)
Stellungnahme
von dvaita.org vom 3. Juni 2004
Hallo,
Danke
für deine Email. Ich glaube nicht, daß wir gesagt haben, daß die ISKCON
mit dem Hinduismus nicht übereinstimme. Der Hinduismus an sich ist eher
lose definiert, umfaßt sehr viele Dinge, hat für sehr viele Leute
verschiedene Bedeutungen, und so ist es nicht unvernünftig, daß der
Hinduismus auch Philosophen und Traditionen im Stile der ISKCON umfaßt.
Unser
Streit mit der ISKCON ergibt sich vielmehr aus der Behauptung der
ISKCON, daß sie hervorgegangen sei aus der Tradition und den Lehren des
Madhva [hinduistischer Heiliger, in dessen
"Schülernachfolge" sich Prabhupada sieht] oder mit diesen
übereinstimme. Während man sich äußerlich auf Madhva
beruft, ein Lippenbekenntnis zu Madhva
ablegt (hauptsächlich durch die Berufung auf gewisse überlieferte
religiöse Texte), bestehen doch zwischen der Doktrin des Madhva und den Lehren der ISKCON in Wirklichkeit
erhebliche Differenzen.
Ich
glaube nicht, daß dies für einen Christen oder für sonst irgend jemanden besonders schwer zu verstehen
ist. Wenn ich beispielsweise einen neuen Orden gründen und ein
äußerliches Bekenntnis zum Katholizismus ablegen würde, währenddessen
ich Dinge predige, die den grundlegenden Lehren der
römisch-katholischen Kirche widersprechen, so würden die Menschen daran
Anstoß nehmen, wenn ich anschließend behaupten wollte, ich und mein
Orden seien katholisch.
Während
es fraglos das grundlegende Recht eines jeden ist, denjenigen
spirituellen Pfad zu wählen, der ihm zusagt, ist es keinesfalls
korrekt, zu behaupten, daß man einer Tradition angehöre, der man an
vielfacher Stelle grundlegend
widerspricht. Orden, die beispielsweise in der katholischen Tradition
stehen - wie etwa die Jesuiten und die Franziskaner - verhalten sich
nicht auf eine derartig ketzerische Weise.
Hochachtungsvoll,
Shrisha Rao (support[at]dvaita.net)
Die Frage ist nicht, ob wir Extremisten sein werden,
sondern welche Art von Extremisten wir sein werden.
(Martin Luther King Jr.)