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Rishi des Himalaya von Vincent J. Daczynski (Deutsche Übersetzung von Andreas und Waltraud Binder)
Im Dezember 1988 kehrte ich nach
Indien zurück, um wieder auf den Pfad zu gehen, auf dem ich ungefähr 20
Jahre vorher gereist bin, als ich eine Pilgerreise nach Rishikesh machte,
um an meiner spirituellen Entwicklung zu arbeiten. Ich versuchte, diese
kurze Zeit in meinem Leben noch einmal zu leben, als ich damit gesegnet
war, ein geheimes Indien zu finden.
Im Frühling 1969 hatte ich das enorme Glück einen Trainingskurs mit einem Gottverwirklichten Heiligen zu besuchen, seine Heiligkeit, Maharishi Mahesh Yogi, es war eine der großartigsten Erfahrungen meines Lebens. Während dieser Zeit hatte ich auch das Glück, Sri Tat Wale Baba zu treffen, als er kam um unserer Gruppe in der Akademie von Maharishi eine Vorlesung zu geben. Danach jedoch ist Tat Wale Baba in den
Mahasamadhi gegangen und Maharishi hat seinen Ashram in die friedlichen ,
abgelegenen Felder von Noida verlegt. Deshalb war es für mich nicht
möglich, die Vergangenheit zu erfahren. Nichtsdestotrotz gab meine
Rückkehr nach Indien mir den Anstoß, das Leben von Sri Tat Wale Baba zu
dokumentieren, eines der größten Yogis Indiens.
Als ich am
Mittwochnachmittag in Delhi ankam, am 14.12., bestellte ich ein Taxi, um
mich zum Hotel Ranshit bringen zu lassen, dem gleichen Hotel, wo ich vor
vielen Jahren über Nacht geblieben bin. Wie hatten sich in 20 Jahren die
Dinge verändert. Und Delhi war einen langen Weg in Richtung der
Verwestlichung gegangen. Nach der Nachtruhe buchte ich den Rishikesh-Bus
nach Norden am Interstate Bus-Terminal. Nach ein paar Stunden war ich in
Rishikesh und erfuhr das spirituelle Klima meiner nostalgischen
Erinnerung. Es dauerte nicht lange bis ich meinen Weg über die Lakshman
Juhla fand, die den Gangesfluß überquert und dann ungefähr 1 km hinter die
Kailashanand Mission ging, in den Dschungel der Fußhügel zu dem
abgeschlossenen Retreat des Tat Wale Baba Ashrams.
Dort traf ich Swami Shankardasji, den geliebten Schüler, der den größten Teil seines Lebens im hingegebenen Dienst an seinen Guru verbracht hat und der als Schützer des Ashrams in seinem beständigen Dienst bleibt. Ich stellte mich selbst vor und erklärte, wie meine Begegnung mit Tat Wale Baba vor Jahren einen tiefen Eindruck in mir hinterlassen hatte. Ich fragte den Swami, ob ich ihn interviewen könne, weil ich darauf gespannt war, jedes Detail aus dem Leben von Tat Wale Baba zu hören. Swami Shankardasji war einverstanden. Da keine anderen Besucher da waren, war es eine gute Gelegenheit für uns zu reden. Der Swami begann zu erklären, daß aufgrund Tat Wale Baba zurückgezogener Natur und seiner Weigerung viel über sich zu erzählen, wenig über seine Vergangenheit bekannt ist. Swami Shankardasji, teilte die folgenden groben Informationen mit mir.
Tat Wale Baba wurde von spirituellen
Eltern geboren, die Bauern der Mittelschicht in Punjab Indien, waren. Das
exakte Datum von Tat Wale Baba Geburt ist nicht bekannt. Seine Geburt wird
auf ungefähr 1890 geschätzt. Tat Wale Baba bekam nur wenig formale
Ausbildung und verbrachte den größten Teil seiner Kindheit damit, seinen
Eltern bei der Landwirtschaft zu helfen. Ungefähr im Alter von 9 Jahren
führte Tat Wale Baba innere, spirituelle Natur dazu, mit dem Meditieren zu
beginnen. Dies tat er immer eifrig wenn die Zeit es zuließ. Als er ein
Teenager wurde, bekam Tat Wale Baba einen mesomor-phischen Körperbau.
Wegen seiner körperlichen Stärke ermutigten ihn seine Freunde, sich der
Armee anzuschließen, was er auch tat. Er mochte das militärische Leben
nicht. Deshalb verließ er die Armee nach nur 2 Monaten Militärdienst.
Direkt von der Armee aus suchte er das abgeschiedene Sadhu-Leben für sich
selbst. Seine Suche nach einem Guru, der ihn führen sollte, erfüllte sich,
als er Sri Jaganath Dasji in Ayodhya traf, dem Königreich von Rama. Dieser
Guru nannte ihn Sri Mahavir Dash Ji. Als Tat Wale Baba jedoch später
begann Jute zu tragen, nannten ihn die Leute Tat Wale Baba, was bedeutet,
einer, der Jute trägt.
Tat Wale Baba lebte in dem Ashram mit seinem Guru für ungefähr 3 Monate und wurde während dieser Zeit in den Raja-Yoga eingeweiht. Das Leben in diesem Ashram war jedoch zu hektisch für die ernste Meditation, die Tat Wale Baba suchte. Es gab zu viele Schüler und Kühe, die herumliefen, und der allgemeine Lärm eines aktiven Ashrams verursachte ihm zuviel Störung. Darum verließ Tat Wale Baba den Wohnort seines Gurus, um sich einen abgeschiedeneren Rückzugsort zu suchen. Nach ein paar Monaten der Suche, kam er in Rishikesh an, wo seine Eltern oft im Swarg Ashram zur Meditation waren. Er dachte, dies könne auch für seine Meditation ein idealer Ort sein. Er fand jedoch wie zuvor zu viele Störungen durch die vielen Besucher dieses Ashrams. Nach einer nur kurzen Zeit suchte er erneut einen abgeschiedenen Rückzugsort und ging zur Ganesh-Gufa, Lakshman Juhla. Dort fand er die friedvolle Umgebung, die er benötigte. Es war jedoch hart, an diesem Ort zu leben. Es war nicht leicht Feuerholz zu bekommen um zu heizen und zu kochen. Andere wesentliche Dinge wie Nahrung und Wasser waren nicht einfach zu erhalten. Die Zeit und die Anstrengung die er brauchte um sich selbst zu erhalten, störten seine langen Zeiten von tiefer Meditation.
Tagelang saß Tat Wale Baba in der Nähe des Ganges-Flusses und fragte sich, wo er einen Ort finden würde, der seinen Zweck vollständig erfüllen würde. Er wurde intuitiv oder vielleicht göttlich zum Manikut-Berg geführt. Dort kam er zu einem alten Mann mit sehr langem Gata (Haar), der in einer Höhle lebt. Tat Wale Baba näherte sich dem Mann, der in einlud sich zu setzen und zu sprechen. Ihr Gespräch dauerte mehrere Stunden. Am Schluß ihres Gespräches ging der alte Mann und sagte, daß seine Zeit vorüber sei und daß er in den Himalaya gehen würde um Mahasamadhi anzunehmen. Er ließ Tat Wale Baba die Höhle besetzen.
Die Höhle war ideal für Tat Wale Baba. Sie hatte nur eine kleine Öffnung, die vom vorübergehenden Pfad kaum sichtbar war. Wenn die Öffnung von innen mit einem Felsen verschlossen wurde, war sie vollständig abgeschieden. Die Höhle war auch in bequemer Nähe zu einer Quelle mit frischem Wasser. Und ihre Lage, ungefähr 1 km vom Swarg Ashram, machte es für Tat Wale Baba einfach, dorthin zu gehen, um sein Essen zu bekommen. Nach einiger Zeit jedoch fühlte Tat Wale Baba, daß die täglichen Ausflüge zum Ashram, um Nahrung zu bekommen, zu störend für ihn waren. Darum entschied er sich, im umgebenden Wald nach Nahrung zu suchen, wo er Kandamulo-Blätter und Wurzeln fand und Früchte, die ihn erhielten. Er suchte nur gelegentlich nach Nahrung und sammelte einen genügenden Vorrat, der ihm für einige Tage reichte. Er aß nur sehr sparsam in dieser zurückgezogenen Zeit langer Stille. Tat Wale Baba regelmäßiger Tagesplan zu meditieren war von 2.00 Uhr morgens bis 10.00 Uhr morgens. Von 10.00 bis mittags aß er und ruhte aus. Dann von mittags bis 4.00 nachmittags meditierte er wieder. Er machte Übungen für 2 Stunden bis ca. 18.00 Uhr. Als Übung machte er gewöhnlich lange Märsche von ungefähr 10 km, sammelte Feuerholz und arbeitete hart, um die Ausmaße seiner Höhle zu vergrößern. Er machte nur wenige Asanas. Statt dessen zog er es vor zu meditieren.
Leute, die in den Wald kamen, um Blätter und Stöcke zu suchen, die sie in Rishikesh verkaufen wollten, trafen manchmal Tat Wale Baba, der aus seiner Höhle herauskam. Bald verbreitete sich die Nachricht, daß ein Yogi lange Zeit in der Stille in einer Höhle verbrachte. Als Ergebnis begannen Pilger zu hunderten zu kommen und zu versuchen Tat Wale Baba zu besuchen. Wegen dieser Anforderung an seine Zeit, veränderte er seinen Tagesplan, um den Besuchern zu erlauben ihn zu sehen. Er stellte ein Schild auf das besagte, daß er mit den Besuchern von 10.00 Uhr morgens bis mittags sprechen würde und dann von 16.00 bis 18.oo Uhr. Den Rest der Zeit blieb er in seiner Höhle oder er machte seine Arbeiten und Übungen.
Ich führte mein Interview mit
Shankardasji weiter. „Ich habe ein Gerücht gehört, daß Tat Wale Baba eine
riesige Kobra als Haustier hatte. War das wahr?“
„Ja. Die Schlange war zweimal so lang“, sagte der Swami als er die Hände ganz zu den Seiten seines Körpers ausstreckte. „Dies würde eine 12 Fuß lange Schlange bedeuten“, bestätigte ich. „Ja, und sie war so dick“. Um dies zu zeigen, legte der Swami die Fingerspitzen beider Hände zusammen und bildete so einen Kreis von 6 Inch Durchmesser. „Mein Guru fütterte sie mit Milch. Die Schlange kam und nahm Milch aus der Tasse. Sie blieb gerne in der Höhle, wo mein Guru meditierte. Aber wenn mein Guru in die Höhle ging, verließ sie die Schlange. Sie kam durch einen Spalte herunter und tauchte in einem Loch auf, das hier war.“ Während er im Hauptraum des Ashrams stand, ungefähr 20 Fuß unter Tat Wale Baba Höhle, zeigte der Swami wo das Ausgangsloch war. „Die Schlange ruhte innerhalb des Spaltes und ihr Kopf schaute ungefähr einen Fuß aus dem Loch heraus. Mein Guru hat dann das Loch verschlossen, weil die Leute, die kamen um ihn zu sehen, durch den Anblick der Schlange erschreckt wurden.“ „Gibt es die Schlange noch hier.?“ „Ja“, fuhr der Swami fort. „Es sind jetzt zwei. Ich denke, ein Männchen und ein Weibchen. Ich höre das Rascheln, wenn sie über dem Ashram spielen. Dann kommen sie herunter. Sie machen mir viel Ärger. Manchmal, wenn ich nach dem Meditieren meine Augen öffne, springe ich weg, wenn ich eine Schlange sehe, die sich nur ein paar Zentimeter vor meinen Füßen ausruhte. Ich weiß niemals, wo die Schlangen sind. Sie kommen in den Ashram und verlassen ihn wie es ihnen gefällt. Es gibt viele Spalten und Öffnungen, durch die sie hereinkommen können. „Nehmen sie jemals eine Angriffshaltung ein.?“ „Nein, sie sind freundlich. Aber ich halte mich fern von ihnen, um einen Fehler zu vermeiden.“ „Wo sind sie jetzt?“ „Im Winterschlaf. Wenn das Wetter erst wieder warm ist, kommen sie oft hierher.“ „Es gibt eine Geschichte, die besagt, daß Tat Wale Baba den König der Kobras getroffen hat und ihn bat ihm zu versichern, daß keine Kobra irgend jemanden Schaden zufügen würde. Ist das irgend etwas Wahres dran“, fragte ich. „Ja, und ich weiß von niemandem der in diesem Gebiet von einer Schlange gebissen wurde“, sagte der Swami zuversichtlich.
Jahre zuvor hatte ich ein Gerücht
gehört, daß zwei Deutsche die Tat Wale Baba besuchten ihn über die
Hierarchie befragten, die das Universum beherrscht. Um die Frage zu
beantworten, schlug Tat Wale Baba seine Hände zusammen, und als er sie
weit voneinander trennte, erschien eine Vision der himmlischen Hierarchie
zwischen seinen ausgestreckten Händen. Erschrocken über die Art der
Antwort, rannten die beiden Deutschen schreiend den Berg hinunter. Weil
ich diese Geschichte aus zweiter Hand gehört hatte, wollte ich sie
bestätigt haben. Darum fragte ich Swami Shankardasji direkt „Kannst Du mir
von einigen Wundern erzählen, die Tat Wale Baba vollführt hat?“
Swami
Shankardasji, der dem Beispiel seines Gurus folgte und niemals schlecht
über jemanden sprach, bat mich, den Mörder von Tat Wale Baba nicht zu
beschreiben oder die anderen Straftaten zu erwähnen, für die dieser Mörder
verurteilt wurde Er würde mir nur das Minimum an Tatsachen geben, das
einfach nötig war, um den Tod seines Gurus zu erklären. Dies war
tatsächlich eine edle Geste, wenn man die Schwere dieses Ereignisses
bedenkt, und die Möglichkeit dieses Buches, es allen zu erzählen.
Der Swami antwortete „Ich war krank, so krank wie ich niemals zuvor in meinem ganzen Leben gewesen war. Ich dachte ich müßte sterben. Ich hatte schlimme Kopfschmerzen. Ich fühlte mich, als würden Nägel in jede Seite meines Kopfes geschlagen,“ erklärte der Swami, während er seine geschlossenen Fäuste gegen unsichtbare Nägel in seinen Schläfen schlug. „Mein Kopf und mein Körper waren wie Feuer,“ fuhr er fort. „Ich war zu krank, um auch nur zur Toilette zu gehen,“ sagte er lächelnd und über seine eigenen Worte etwas beschämt. „Ich wand mich in meinem Bett. Dann, ungefähr um 4 Uhr morgens, erinnere ich mich, daß ich aufgeweckt wurde, durch Tat Wale Baba, der an meinem Bett stand. Und irgendwie saß ich plötzlich auf der Bettkante vor ihm.“ „Mein Guru hielt eine Tasse an meine Stirn,“ fuhr der Swami fort zu erklären, als er mit seiner rechten Hand zeigte, wie die Tasse mit ihrem Rand genau zwischen seine Augenbrauen gehalten wurde. „Eine weiße Flüssigkeit kam aus meinem Kopf und füllte die Tasse. Mein Guru gab die Tasse einer anderen Person, die bei ihm war. Ich sah die andere Person nicht, die zu meiner linken war, da meine Augen auf meinen Guru gerichtet waren. Und noch einmal hielt mein Guru die Tasse an meinen Kopf, wie zuvor. Weiße Flüssigkeit kam heraus, wie Milch. Wieder gab er die Tasse der Person. Dann hielt er die Tasse wieder an meinen Kopf.“ Während er aufgeregt sprach, als sei das Ereignis erst in der Nacht zuvor geschehen, zeigte Swami, wie Tat Wale Baba die Tasse seinem Helfer gegeben hatte, indem er die Hand ausstreckte. „Viermal hat mein Guru dies getan,“ sagte er. „Ich fühlte mich, als seien mehr als meine Sünden und mein Karma fort genommen worden. Mein Guru schlug dann ein paar mal mit seiner Hand auf meine Stirn. Das nächste was ich weiß ist, daß ich auf den Rücken meines Gurus blickte, als er den Raum verließ. Aber meine Tür klemmte, so daß sie nicht mehr als vier Inches geöffnet werden konnte. Und dennoch ging er ganz einfach hindurch.“ „Wie konnte er herein kommen und hinaus gehen?“ Der Swami fragte rhetorisch, mehr um mich zu testen als um seine Überraschung zu zeigen – er wußte sehr gut über Siddhis (übermenschliche Kräfte) Bescheid, die verwirklichte Yogis besitzen, und wodurch sie durch ihren Willen durch Wände gehen können. Der Swami fuhr fort. „Dann erkannte ich, daß ich geheilt war. Seit diesem Tag bin ich nie mehr krank gewesen. Ich hatte nicht einmal mehr Kopfschmerzen.“ Swami Shankardasji machte eine Pause und dachte eine Weile lang nach. „Dieser Vorfall ereignete sich im August oder September 1974, kurz bevor mein Guru Mahasamadhi annahm.“ Neugierig geworden durch diese Erzählung fragte ich „Gibt es noch weitere Wunder, die Tat Wale Baba geleistet hat?“ „Ja,“ antwortete der Swami. „Es gab drei Paare, die keine Kinder haben konnten. Jedes Paar kam, um Tat Wale Baba zu sehen, und aufgrund der Segnung des Gurus wurde jedem ein Kind geboren. Ein Paar war aus dem Punjab, das andere aus Delhi und das andere aus Hiriyana. Dies passierte in einer Zeit von mehreren Jahren.“ Ein weiteres Ereignis, das mir von Swami Shankardasji erzählt wurde, beinhaltete eine Wunderheilung, die von Tat Wale Baba ausgeführt wurde. „Ich denke sein Name war Wilkins (der Autor verwendet nicht den richtigen Namen)“, erinnerte sich der Swami. „Er war Kanadier. Er war sehr krank, und war bei vielen Ärzten. Aber keiner konnte ihm helfen. Eines Tages hat Wilkins durch Glück in einem Buch über Tat Wale Baba gelesen. Und in dem Buch gab es ein Bild von Tat Wale Baba. Dann hatte der Kanadier eines Tages einen Traum von Tat Wale Baba, der Jute trug. Tat Wale Baba sagte ihm, daß er ein bestimmtes Medikament nehmen sollte. Der Kanadier ging und kaufte das Medikament und nahm es. Nach zwei Tagen war sein Magen sauber. Nach einem Monat war der Kanadier vollständig geheilt. „Danach,“ fuhr der Swami fort, „machte sich der Kanadier auf die Suche nach Tat Wale Baba. Schließlich folgte er ihm bis zu diesem Ashram, aber Tat Wale Baba war tot. Der Kanadier blieb einen Monat lang hier und meditierte. Eines Tages hatte er, während er meditierte, eine Vision von Tat Wale Baba, der sagte, daß er zu spät gekommen sei. Dies geschah 1977 oder 1978...“ Swami Shankardasji blickte in die Weite als er sein Gedächtnis auffrischte, dann bestätigte er, „Es war 1977.“ Nach dieser Geschichte bot mir Swami Shankardasji Tee an. Ich nahm dankbar an. Jetzt fing die Sonne an unterzugehen und eine friedvolle Abendstimmung bedeckte die Waldeinsiedelei. Als ich meinen Tee schlürfte fragte ich mich, warum ein so bemerkenswerter Yogi den tragischen Tod treffen mußte, wie er es tat.
Im zweiten Dezember 1974 wurde Sri
Tat Wale Baba, als er um vier Uhr morgens sein Bad nehmen wollte, durch
einen verrückten Revolvermenschen ermordet. Ich hatte bald danach von
einem Freund von dem Ereignis gehört. Ich fragte mich über die Tatsachen
die dieses Verbrechen umgaben, und warum jemand Tat Wale Baba töten
wollte. Ich hatte verschiedene Geschichten gehört, aber keine hatte mich
zufrieden gestellt. Mein Besuch bei Swami Shankardasji bot mir die
Gelegenheit für eine genaue Erzählung.
„Was passierte mit Tat Wale Baba?“ fragte ich ein wenig vorsichtig, weil ich spürte, daß ich mich einem empfindlichen Thema nähern könnte. Aber Swami Shankardasji war meinen Fragen gegenüber offen. „Er wurde von einem Mann getötet, der dort in den Bergen lebte, sagte der Swami als er mit seinem Finger sanft einen Hinweis auf die Richtung gab. Dann schockierte mich der Swami als er sagte, "„er lebt immer noch hier, ganz nahe.“ Mein Mund starte offen vor erschrockenem Unglauben. Ich fragte mich, ob ich richtig verstanden hatte. „Wie ist das möglich? Weiß die Polizei nicht, was er getan hat?“. „Oh ja! Die Polizei hat ein Geständnis von ihm. Der Mann war ein Jahr im Gefängnis, dann bezahlte er Bail (meine Betonung) und ist jetzt wieder draußen.“ Ich hatte immer noch Schwierigkeiten zu glauben, daß ein verurteilter Mörder eines großen Yogis in einem spirituellen Land, das die Träger der Weisheit verehrte, seinen Weg in die Freiheit erkaufen konnte und in der Nähe des gleichen Berges leben konnte, wo er seine böse Tat verübt hatte. „Was für ein Hohn!“ dachte ich. Der Swami fuhr fort „Dieser Mann hatte noch eine Begegnung mit der Polizei, aber nach ein paar Monaten im Gefängnis, kam er wieder auf Bewährung frei.“ Swami Shankardasji brachte Zeitungsausschnitte heraus, die er gesammelt hatte, weil sie die Tötung von Tat Wale Baba berichteten und weitere Straftaten dieses abtrünnigen Mörders. „Am letzten 14. Dezember ist er wieder aus dem Gefängnis heraus gekommen“, sagte der Swami, „Es war zum 3. Mal. Und er macht den Leuten hier immer noch Probleme“. Ich konnte jetzt verstehen,
warum es sich Swami Shankardasji zur Gewohnheit machte, die Ashramtür zu
verriegeln. Es war schwer sich vorzustellen, daß man sich gegen Angriffe
von anderen verteidigen mußte, während man bei einem spirituellen Retreat
in einer Höhle war, die in den Dschungel des Himalayas über einer heiligen
Stadt verborgen liegt. Die Kobras jedoch waren freundlich! Sei es wie es
mag.
„Warum hat er es getan?“ fuhr ich mit meiner Befragung fort. „Dieser Mann war verrückt vor Eifersucht. Er stellte sich selbst als großen Heiligen dar und wollte, daß die Leute zu seinem Ashram kommen. Aber nur wenige kamen um ihn zu sehen. Er bemerkte, daß Leute aus der ganzen Welt kamen, um meinen Guru zu besuchen. Er dachte, daß die Leute kommen würden um ihn zu sehen, wenn er meinen Guru getötet hatte.“ Nach einer kurzen Pause, um ein wenig
nachzudenken, sagte Swami Shankardasji. „Mein Guru hat mir zweimal gesagt,
daß er erschossen würde, aber ich habe nicht einmal eine sec. daran
gedacht. Vielleicht konnte mein Geist nicht akzeptieren, was mir gesagt
wurde. Aber nachdem mein Guru erschossen wurde, habe ich mich klar an
seine Worte an mich erinnert. Er sagte daß ein Schurke, der sehr
eifersüchtig auf ihn war, und der im Wald in der Nähe lebte, sich
heranschleichen und ihn von hinten erschießen würde. Mein Guru sagte mir
dies am 22. Juni 1971, einige Jahre bevor er Samadhi annahm. Und auch zwei
Tage bevor er erschossen wurde, erinnerte mich mein Guru an diese
Vorhersage. Zu dieser Zeit waren auch noch zwei weitere Schüler
anwesend.“
Die Sonne war untergegangen und ohne
die elektrischen Lampen des Swamis hätte ich nicht einmal die Hand vor
Augen sehen können. In Übereinstimmung mit der traditionellen indischen
Sitte lud mich der Swami ein, über Nacht zu bleiben. Ich nahm bereitwillig
an. Bald wurde die Dunkelheit der Nacht von einer kühlenden Brise
begleitet, die durch die Risse der Hütte kam, und die Blätter auf dem
Betonboden herum wirbeln ließ. Ungefähr um 20 Uhr bereitete mir der Swami
eine Bettstatt aus Tüchern und ich rollte mich für die Nacht ein. Weil ich
es nicht gewohnt war, so früh schlafen zu gehen, lag ich wach und
erinnerte mich an die Zeit vor zwanzig Jahren, als ich Tat Wale Baba
getroffen hatte.
Das war der 30. März 1969. Ich war im Ashram von Maharishi Mahesh Yogi und besuchte einen Kurs um ein Lehrer des Programms der Transzendentalen Meditation zu werden. Der Ashram lag auf einem Hügel über dem Ganges, nur ungefähr einen Kilometer unter dem Zufluchtsort von Tat Wale Baba. Es waren noch 120 weitere Leute aus allen Teilen der Welt da, die auch das Training im Ashram besuchten. Maharishi Mahesh Yogi hatte „den weisen Mann der Berge“ eingeladen, Tat Wale Baba, um uns an diesem Nachmittag zu besuchen. Am frühen morgen warteten wir alle gespannt auf die Ankunft unseres Gastes. Zur verabredeten Zeit
gingen mehrere ockerfarben gekleidete Männer auf dem Weg zur
Vorlesungshalle. Zusammen mit ihnen war Maharishi Mahesh Yogi, der von Tat
Wale Baba begleitet wurde, einem muskulösen Adonis von goldbrauner
Hautfarbe. Es waren auch einige Kursteilnehmer in der Begleitung. Tat Wale
Babas Merkmale waren sehr wie die eines Indianers. Er war nackt außer
einem ockerfarbenen Leinen, das von einer Messingkette um seiner Hüfte
gehalten wurde. Sein schwarzes, geflochtenes Haar floß seinen Rücken
hinunter und war so lang, daß es, wenn es nicht von einem Helfer getragen
würde, auf dem Boden geschleift hätte. Die unirdische Schönheit dieses
Mannes wurde von keinem Menschen übertroffen, den ich jemals gesehen
hatte. Ich kann ihn am besten mit den gottähnlichen Menschen der
Mythologie vergleichen. Tat Wale Baba wurde auch Mahavir Dash genannt, was
„Hanuman, Diener von Rama“ bedeutet.
Er schien nicht viel älter als dreißig zu sein, und doch sagte man, er sei ungefähr achtzig Jahre alt. Es ging eine strahlende Aura von ihm aus, als er seine majestätische Haltung mit gekreuzten Beinen auf einer kleinen Plattform einnahm, die mit einem Hirschfell bedeckt war. Maharishi und die anderen nahmen ihre Plätze ein und wir alle warteten gespannt auf die Rede von Tat Wale Baba. Für eine Weile saß Tat Wale Baba mit dem Blick nach unten, praktisch gleichgültig unserer Gegenwart gegenüber. Ich war gerade aufgestanden und durch die Zuhörerschaft gegangen, um einen besseren Winkel für meine Kamera zu bekommen, als von Tat Wale Baba plötzlich ein langgezogenes AAAaauuuummmm erklang. Ich erstarrte mitten im Schritt, als der Widerhall mich erfaßte. Ich war bewegungslos und atemlos, kurzfristig in tiefer transzendentaler Stille aufgelöst. Erst nach Abschluß der Intonation wachte ich aus meiner Trance auf und beendete meinen Schritt. Ich war jedoch zu ehrfürchtig, durch die Erfahrung, um weitere Bilder zu machen, und setzte mich einfach hin um zu hören, was dieser große Rishi zu sagen hatte. Tat Wale Baba begann seine Rede in einfachem, kräftigen Hindi und Maharishi Mahesh Yogi übersetzte.
Maharishi Yogi unterbrach: „Was er jetzt sagt ist sehr wichtig!“
Das was allgegenwärtig ist muß nicht gesucht werden. Es ist schon da. Fang an zu sein. Das, was allgegenwärtig ist, muß nicht gesucht werden; nur unser Bewußtsein muß auf diese Stufe gebracht werden und der Segen ist da. Du mußt ihn nicht suchen. Verstanden? Bis wir in diesen allgegenwärtigen Segen gelangen, wird sich keine Zufriedenheit einstellen. Wenn sie kommen würde, wäre sie schon jetzt gekommen, auf so vielen Straßen in der Welt. Aber sie ist nicht gekommen. Darum ist das, was das Selbst ist, dein eigenes Sein. Du mußt nicht im Außen schauen. Und es ist unabhängig von irgendwelchen religiösen Überzeugungen und Glauben; Christen oder Mormonen oder Hindus. Dieses Sein ist das Wissen selbst. Du mußt nur erkennen. All die verschiedenen Manifestationen von Glück, die wir in der Welt erfahren, sind auch die Manifestationen des gleichen ewigen Seins, das unser Selbst ist. Wenn wir des Selbst bewußt sind, wenn wir es kennen, dann ist es gut. Ansonsten müssen wir sein. Und darum ist es notwendig, unser Bewußtsein tief in uns selbst zu bringen. So tief wir unser Bewußtsein zum Selbst bringen können, so intensiv können wir das wahrnehmen, was in unserem alltäglichen Leben allgegenwärtig ist. Wenn wir dieses Selbst erkannt haben, werden wir ewig zufrieden sein; während wir in der Welt bleiben, werden wir Zufriedenheit leben. Und es ist keine Frage davon uns von der Welt zu lösen. Wir müssen es nur erkennen, und wenn wir es erkannt haben, werden alle unterschiedlichen Manifestationen in der Welt als Manifestationen von dem erkannt. Wir müssen uns selbst nicht lösen. Es ist nur die Frage, unser Bewußtsein in dieses Gebiet zu bringen, und es zu sein und zu leben. Der Rede Tat Wale Baba folgte eine
Gelegenheit Fragen zu stellen.
Da jede Frage auf Englisch gestellt wurde, übersetzte Maharishi Mahesh Yogi in Hindi und übersetzte dann die Antworten von Tat Wale Baba.
Schüler: „Kann er uns etwas über seinen Meister sagen, und die Tradition der er folgt?“ Schüler: „Kann er uns etwas über die Liebe sagen die aus dem eigenen Herzen fließt wenn dieser Zustand einmal erreicht ist?“Tat Wale Baba schloß seine Augen und wir alle meditierten für ungefähr 20 min.. Dann wurde die Möglichkeit mehr Fragen zu stellen wieder aufgenommen.
Schüler: „Was siehst Du als die Zukunft für die Welt?“Als ich warm in meinen Schlafsack eingehüllt lag und meine Erinnerungen durchsah, konnte ich es kaum glauben, daß 20 Jahre vergangen waren, seit ich diese einfachen Wahrheiten gehört hatte, die Tat Wale Baba gesprochen hatte. Nach ungefähr 2 Stunden nostalgischen Träumens glitt ich in einen tiefen Schlaf.
Ich wurde aus meinem Schlaf früh am
Morgen des folgenden Tages aufgeweckt durch das Balzen zweier kleiner
nächtlicher Geschöpfe, die einen Weg in das Ashramzimmer gefunden hatten.
Es war zu dunkel um etwas zu sehen. Aber weil ich hellwach war, entschloß
ich mich, zum Grab von Tat Wale Baba zu gehen. Ich kroch langsam den Flur
entlang in Richtung der Öffnung der angrenzenden Höhle wo das Grab war.
Als ich die Höhle betrat fühlte ich eine enorme mystische Kraft, die von
Tat Wale Baba‘S Grab ausging. Die Kraft war so intensiv, es war so wie die
Kraft von Energie, die man erfahren würde, wenn man sich einem glühenden
Hochofen nähern würde. Ich nahm meinen Platz in der Höhle ein, in einer
Sitzhaltung vor dem Grab. Ich meditierte während die mystische Energie
stark in mich eindrang und nahm ihren Einfluß in mich auf. Ich fiel
schnell in einen tiefen, sehr tiefen Zustand der Meditation. Mein Rücken
blieb aufrecht, obwohl er durch nichts gestützt wurde. Ich saß
bewegungslos, als sei ich in einer statuenähnliche Haltung durch diese
unsichtbare Kraft eingefroren worden. 5 Stunden vergingen als sei es nur
eine halbe Stunde. Ich war mir bewußt, daß die Dämmerung begann und das
Swami Shankardasji aufstand und sich um seine Morgenpflichten und
Meditation kümmerte. Und dennoch blieb ich in tiefer Trance. Überwältigt
von dem profunden inneren Frieden dieser Meditationserfahrung.
Ungefähr um 8 Uhr morgens kam ich aus meiner Meditation heraus, gerade, als Swami Shankardasji im angrenzenden Raum mit der Übung seiner Asanas begann. Ich beobachtete den Swami wie er seine Routine verrichtete. Er war ein Meister. Sein Gleichgewicht war vollkommen, als er sich von einer komplexen Haltung in die andere bewegte. Während ich zusah,
bewunderte ich Swami Shankardasji für diesen Lebensstil. Als Jugend-
licher hatte ich ein entsagendes Leben als Yogi an einem Rückzugsort in
den Bergen er- wogen, entfernt vom schnellebigen Rattenwettlauf in der
Welt materieller Wünsche. Hier war ein Mann, der das Leben eines Yogis
lebte, der spirtituellen Entwicklung hingegeben. Ich beobachtete jede
seiner Bewegungen und erfuhr an seiner Stelle sein Leben. Sein Leben war
sehr einfach. Es gab keinen Strom oder Gas, um künstliche Hitze oder Licht
zu liefern. An einer kleinen Feuerstelle entzündetes Holz lieferte Feuer
zum Kochen. Die Toilette wurde im Wald verrichtet. Ein ganzjähriger
Wasserfall lieferte tägliche eine erfrischende Dusche. Eine Leitung von
diesem Wasserfall fing einen ausreichenden Fluß und Druck von Wasser auf
um am Tor des Ashrams einen ständig fließenden Brunnen zu geben. Die Diät
des Swamis war so einfach wie sein Lebensstil. Manchmal aß er die Blätter,
Wurzeln und Früchte, die vom umgebenden Wald geliefert wurden. Meistens
bereitete er einfache vegetarische Gerichte aus Gemüse und Getreide zu. Er
aß sparsam und nahm ein oder zwei leichte Mahlzeiten täglich zu sich. Und
dennoch hatte er eine starke, muskulöse Figur. Sein Leben war unbehindert
durch solche weltlichen Nichtigkeiten wie Automobile, Fernseher, VCR und
die große Anzahl von Konsumgütern, ohne die die westliche Welt einfach
nicht auskommen kann. Swami war mit dem Wenigen zufrieden was er hatte.
Obwohl er nur wenig materiellen Komfort hatte, war er voller Mitgefühl und
Liebe, wenn er sich um den Ashram seines verstorbenen Gurus kümmerte.
Nachdem Swami Shankardasji seine Morgenroutine beendet hatte, gab es Zeit und Möglichkeit für uns um noch etwas weiter zu sprechen. Ich nahm die Richtung der Fragen wieder auf, der ich am Tag zuvor gefolgt war. „Wie alt war Tat Wale Baba? War er wirklich so alt wie man von ihm sagt?“ „Es ist schwer zu sagen,“ antwortete der Swami, “weil keine bekannten Aufzeichnungen existieren und Tat Wale Baba aufhörte zu altern, nachdem er ungefähr 35 Jahre alt war. Der Swami fuhr fort „ein Mann der in der Grundschule ein Klassenkamerad von Tat Wale Baba war und der Tat Wale Baba später im Leben gesehen hatte, sagte, daß Tat Wale Baba aufgehört habe zu altern. Der Mann starb vor kurzem, und er war ungefähr 95 Jahre alt. Indem ich annahm, daß Tat Wale Baba gleich alt wie sein Klassenkamerad war, schätzte ich, daß Tat Wale Baba Geburtsjahr ungefähr 1890 sein mußte. „Dies würde festlegen, daß Tat Wale Baba ungefähr 85 Jahre alt war als er getötet wurde,“, sagte ich, und schaute nach einer Bestätigung vom Swami. „Das ist ungefähr richtig“, sagte er. „Wie hast du Tat Wale Baba getroffen?“ Der Swami strahlte, als er diesen wertvollen Moment in seinem Leben erinnerte. „Ich war sieben Jahre alt, als ich mein Zuhause für die Suche nach Lord Shiva verließ. Ich wanderte durch ganz Indien und schließlich sagte mir ein Yogi, ich solle in den Himalayabergen Tapasia üben, dann würde ich vielleicht Gott finden. Also ging ich 1965 nach Rishikesh und blieb im Swarg Ashram. Dort las ich in einem Buch, daß es ohne einen Guru nicht möglich sei Moksha (Befreiung) und Erkenntnis des Brahman zu bekommen. Meine Suche nach meinem Guru wurde intensiver. Ich ging zum Berg Manikut um Tapasia zu üben und hoffte immer noch Lord Shiva zu finden. Als ich den Berg hinauf kam, sah ich Tat Wale Baba auf einem Stein vor seiner Höhle sitzen. Für mich sah er wie Lord Shiva aus. Als ich ihn sah, fingen mein Herz und mein Körper zu zittern an und ich wurde sehr ängstlich. Ich rannte weg in den Wald und suchte Zuflucht unter einem Baum bis zum Abend, als ich in den Swarg Ashram zurückkehrte. Die nächsten 3 Tage saß ich in der Nähe der Ganga. Ich laß die Gita und fastete und trank nur Gangeswasser. Ich betete zu Gott um Führung. Ich kehrte zu Tat Wale Baba‘S Höhle zurück. Ich hatte keine Angst mehr. Wir schauten einander gleichzeitig an. Er lächelte mich an und ich fühlte mich ihm gleich nahe. Also blieb ich und ich bin seitdem bei ihm geblieben.“ Swami stand auf und griff nach einem Ordner aus dem er ein Fotoalbum herauszog. Er zeigte mir seine Fotosammlung. „Ich stelle ein Buch mit Fotos zusammen, so daß Besucher eine Geschichte von Tat Wale Baba‘S Leben sehen können.“ Von dieser Aussage aus führte eine Idee zur nächsten und der Impuls zum Schreiben dieses Buches wurde geboren. Swami Shankardasji und ich unterhielten uns noch für einige Stunden mehr.“ Normalerweise spreche ich nicht so viel“, sagte er. Weil mir jedoch meine Zeit schnell davon lief, mußte ich nach mehr Informationen drängen. „Machte Tat Wale Baba Asanas?“ fragte ich. „Normalerweise nicht. Er zog lange Meditationen den Asanas vor.“, sagte der Swami. „Lehrte er irgendwelche Techniken?“ „Ja,“ sagte der Swami. „Nachdem ich 2 Monate lang in Tat Wale Baba Dienst war, gab er mir Initiation und lehrte mich einige Meditationstechniken. Er lehrte unterschiedliche Techniken für Sadhus, unterschiedliche Techniken für Yogis und unterschiedliche Techniken für allgemeine Menschen. Er gab auch allgemeines Wissen. Als ihn z. B. einmal ein Besucher fragte, wie der Geist zu kontrollieren sei, sagte er, daß du die Begierden nicht anhalten kannst, weil das so ist, als wollte man den Ganges anhalten. Er sagte, man solle den Geist fließen lassen. Aber wo auch immer der Geist hin geht, dort sollst du auch deinen Gott sehen, deinen persönlichen Gott. Auf diese Weise kommt dein Geist automatisch wieder zurück zur Konzentration auf das Ziel, auf Gott.“ „Tat Wale Baba sagte, wenn du
arbeitest, solltest du alles im Namen Gottes machen, alles für Gott
machen,“ fuhr der Swami fort. „Hilf niemanden um der Früchte willen, nur
als Dienst an Gott. Dann wird Gott dir das was gut für dich ist, selbst
geben. So werden die Leute wie die Kinder einer Katze werden – was immer
ein Kätzchen braucht, wird die Katzenmutter ihm sofort geben. Ansonsten
werden sie wie Affenbabies sein, deren Mutter herum rennt und springt und
das Baby muß warten oder ihr hinterher jagen um ernährt zu werden.“
Der Swami fügte dann hinzu „Tat Wale Baba riet den Leuten, ihre Aufmerksamkeit auf ihren Guru oder Gott zu lenken – sowie Jesus, Rama, Krishna – während sie Handlungen ausüben. Indem sie dies tun, werden sie das Ideal Gottes oder des Gurus durch ihre Handlungen erreichen.“ „Hatte Tat Wale Baba Schüler?“ Der Swami antwortete: „Zur Zeit seines Todes hatte er nur 11 Schüler. Aber er hatte Tausende von Devotees sowohl in Indien als auch in der ganzen Welt. Jedes Jahr kommen am 2. Dezember, dem Tag, an dem mein Guru Samadhi nahm, hierher in Erinnerung an ihn.“ Obwohl Hunderte von Menschen jährlich kommen und Tausende auf der ganzen Welt ihn lieben, bleibt nur Swami Shankarsasji als der einzige Fürsorger des Tat Wale Baba-Ashrams. In der abgeschiedenen Dschungeldecke des Himalayas verborgen, bleibt er in kontinuierlichem Dienst hingegeben und hält die Tradition seines Gurus aufrecht.
„Wir haben seit über 24 Stunden
nichts gegessen,“ erkannte Swami Shankardasji, als unser Gespräch bis in
den Nachmittag hinein dauerte. „Laß uns jetzt unsere Mahlzeit nehmen und
später weiter sprechen,“ schlug er vor.
Ich stimmte zu und der Swami ging in den benachbarten Raum, um das Abendessen zuzubereiten. Er kam nach einer Weile zurück mit einem Berg von Aloo Gobi (Kauliblumen und Kartoffeln mit Gewürzen) auf einem großen Tablett. Er gab mir das Tablett, stand in der Nähe und wartete, daß ich essen würde. Als ich bemerkte, daß er selbst kein Tablett hatte fragte ich: „Ißt Du nicht?“ „Doch,“ sagte er „aber zuerst möchte ich sicher sein, daß du mit deiner Mahlzeit zufrieden bist. Ist es richtig für dich gewürzt? Möchtest du etwas mehr Salz?“ „Nein, es ist gut,“ sagte ich immer noch verwundert, weil er kein Essen für sich selbst hatte. Nachdem der Swami sicher war, daß ich mit seinen kulinarischen Fähigkeiten zufrieden war, verließ er den Raum, um in der Küche alleine zu essen. Da erkannte ich, daß Swami Shankardasji es vorzog alleine zu essen. Ich dachte eine Weile darüber nach und fragte mich, wie viele Verdauungs- und Magen-Darm-Probleme gelöst oder verhindert werden könnten, wenn jeder alleine essen würde – ohne zu streiten und sich zu zanken, während man ißt. Ohne Nahrung herunter zu schlingen, um das Wort in einem Gespräch an sich zu reißen. Ich schlußfolgerte, daß Stille während der Essenszeiten einen positiven Einfluß auf die Gesundheit haben muß. Nach ungefähr einer halben Stunden, kam Swami Shankardasji zurück und bot mir Nachschlag an, aber ich war satt und mehr darum bemüht, zu unserem Gespräch zurückzukommen, das wir nach einer kurzen Zeit des Abwaschens wieder aufnahmen. „Erzähl mir etwas mehr über Tat Wale Baba,“ bat ich und hoffte, daß meine breite Frage neue Informationen ans Licht bringen würde. Swami Shankardasji dachte
eine Weile nach, dann antwortete er: „Es war Tat Wale Baba Wunsch, die
Menschheit und alle Religionen für Frieden in der Welt zusammenzubringen.
Er sah diesen Ort hier als das zukünftige Zentrum der Welt voraus, von wo
aus er die Leute lenken würde und neue Botschaften zum Nutzen der Welt
geben würde. Unglücklicherweise war seine Arbeit nicht beendet, als er uns
plötzlich verließ. Er war dabei, mehr Höhlen für die Meditation zu bauen“.
Nach einer langen Pause des Nachdenkens fuhr der Swami fort: „Dieser Platz
ist ganz besonders. Gemäß der Shiva-Puranas war es in diesem Gebiet, wo
Lord Shiva mit seinem Gefolge von Göttern und Weisen zu einer Rast
anhielt, während er auf dem Weg war, Sati in Hardwar zu heiraten. Es gibt
eine Spekulation unter einigen Swamis, daß die von Tat Wale Baba benutzte
Höhle die Bhut Nath Gufa ist (Höhle von Shiva). Swami Shankardasji erklärte: „Einige Leute, die hierher kommen, werden verrückt. Sie sagen, sie können es nicht aushalten und rennen raus.“ Ich antwortete mit meiner Theorie: „Ich denke es ist die Kraft, die hohe Schwingung hier. Dies bringt sie dazu, sich so unbequem zu fühlen, daß sie wegrennen wollen.“ „Kann sein,“ sagte der Swami. Es wurde spät und ich mußte einige Bilder machen, bevor die Dämmerung anfing. Swami Shankardasji brachte mich hinaus und stellte mich zweien seiner Faunafreunden vor; Mayurs (Pfauen) mit ihren prächtigen leuchtend blauen und grünen Federn. Er fütterte sie mit Brotstücken während ich Fotos machte von dieser zarten Begegnung zwischen dem Swami und diesen normal sehr scheuen Vögeln. Dann nahm mich Swami Shankardasji mit zu einem Spaziergang über das Gelände des Ashrams und zeigte mir eine Reihe erodierter Höhlen, die er ausbauen möchte und die vom Unterholz des Waldes verborgen waren. In einer der kleineren
Höhlen war ein Shivalingam, der den Ort des Sri Tat Wale Baba-Ashrams als
Bhut Nath Gufa kennzeichnete. http://www.yogiphotos.com/index.html |