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Ein Licht in der Dunkelheit?

Zeitsprung:

Die stille Sehnsucht eines menschlichen Wesens!

In den dunklen Tagen des Winters fangen viele Kinderherzen an zu träumen und sehnen sich nach dem Weihnachtsfest. Den Erwachsenen ist diese Zeit als Stress bekannt. Doch sehen wir alle an dem Wesentlichen vorbei?

Ein rauer Winterabend, und doch ist das Kirchengebäude gefüllt. Jeder aus dem Ort will sich an diesem Adventssonntag zeigen. Ist doch ein gemeinschaftliches Singen angesagt.

Ob auch die Familien ... von der anderen Ecke erscheinen? Hat Frau ... wieder ein neues Kostüm an? Oh, ist die Frisur von Frau ... neu? Der Herr ... kann sich wohl auch nichts neues mehr leisten, oder?

So ist es auch an diesem Abend. Jeder will gesehen werden und den anderen sehen. In einer Ecke der letzten Sitzreihe ganz hinten sitzt ein Mädchen und hält mit ihren kleinen Händen eines der verteilten Kerzenlichter in der Hand. Am liebsten würde es ihrer Mutter sagen, wie schön das Lichtlein flackern kann, aber es traut sich nicht.

Stumm schaut sie in die helle Flamme die mit allen anderen Kerzen zusammen die sonst so düstere Kirche erhellt.

Wie schön warm das ist.

Gemeinsam mit dem Kinderchor stimmen alle ein Lied an. Leise rieselt der Schnee. Denn draußen hatte es die letzten Tage tatsächlich geschneit. Dieses Lied ist auch dem Mädchen bekannt. Es würde ja gerne bei den anderen Kindern mitsingen, wenn es nicht so viel Angst hätte. Angst, wieder abgelehnt zu werden.

Wieder so, wie in der Schule auch, verspottet zu werden, weil andere Kinder die Kleidung als ihre abgetragene erkannten. Oder ausgestoßen, weil kaum mal Zeit zum Spielen ist.

Doch jetzt hat sie keine Angst. Bald ist es so weit. Hoffentlich sind die anderen dann auch mal stolz auf mich! Der große Zeitpunkt. Das einzige, was dem Mädchen Freude macht. Es hält die Kerze in der Hand und singt die letzten Töne des Weihnachtsliedes.

Der Priester und die Gemeindereferendarin erzählen jeweils eine Weihnachtsgeschichte und dann stellt sich die Schulklasse des Mädchens auf. Auch sie gesellt sich dazu. Lächelnd. So kennen die anderen sie gar nicht.

Die ersten Töne der Kirchenorgel erklingen und stimmen die Melodie von einem weiteren Weihnachtslied an. Die Mitschüler sind still und das Mädchen wartet auf seinen Einsatz. Da, der passende Ton.

Die ersten Töne erklingen melodisch aus ihrer doch so hellen kleinen Kinderstimme. Wie ein kleiner Engel steht sie mit ihrem mittellangen Haar und dem alten Mantel da und singt mit geschlossenen Augen das Lied, das in der Schule zusammen mit den anderen gesungen worden ist.

Sie weiß, dass die anderen neidisch sind. Denn deren Augen verraten es sehr. Sie wissen nicht, wie die sonst so stille Kleine in sich gezogene auf einmal vor so vielen Menschen so aus sich rausgehen kann. Dabei so sicher und klar singen kann und dabei noch nicht einmal auf das Textblatt schaut. Wie macht sie das?

Der letzte Ton verhallt noch und die Kleine öffnet langsam wieder die Augen. Die Umgebung allmählich wieder wahrnehmend spürt sie die Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird und strahlt mit ihrem Lächeln eine Freude aus, die viele noch nie zuvor erlebt haben.

Doch das Programm geht weiter, die Schüler verlassen den Altarbereich und gehen auf ihre Plätze zu ihren Eltern zurück. So wendet sich auch das Mädchen ihrem Platz in der Ecke zu. Einsam setzt sie sich auf die Bank, mit der Kerze in der Hand, und schaut wieder in die Flamme.

Wie warm ist ihr nun ums Herz geworden. Sie schaut in die Flamme und dankt dem Herrn, dass es diese schöne Zeit gibt, in der sie auch einmal Aufmerksamkeit von anderen bekommt.

Nach einer Stunde ist das Programm zuende und die Menschen verlassen das große Gebäude. Die Kleine bleibt noch ein wenig auf ihrem Platz in der hinteren Ecke und hofft, nicht beachtet von den anderen zu werden.

Die Menschen wandern redend nach Hause mit dem Inhalt der Unterhaltung, auf die Kleidung und die Klatschgeschichten des Ortes gerichtet.

Und die Kleine sitzt noch auf der Bank, löscht mit traurigem Blick das Lichtlein und macht sich auf den Heimweg.

Dort angekommen erwartet sie wieder der wütende Blick des Stiefvaters und die strafenden Augen der vom Schlaf erwachten Mutter.

Sie wollte ihnen erzählen, wie schön es war, sie wollte, dass sie Stolz auf sie wären, doch die vergessene Wäsche in der Waschmaschine trübt alle warmen Gedanken.

Die Arbeit wartet. Doch die Erinnerung an dieses eine Licht und diesen warmen bewundernden Moment lassen dem Mädchen die Hoffnung, dass es irgendwann einmal besser werden wird!

In Erinnerung an die Adventszeit als ich acht Jahre jung war.

Zeitsprung Ende

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