Geschichten
Hochzeit auf der Bravo...
Zurück
home

Exia

(Aus der Sicht der Mutter)

Manchmal denk ich daran wie es ohne sie war, die Ruhe strahlte aus mir heraus. Er und ich verstanden uns blendend, nie gab es Streit, Als sie dann kam, war Hektik ein großes Wort, Windeln wechseln und alles was zu einem Kind dazugehörte wurden wir bald leid und als sie dann größer wurde fing es an außer Kontrolle zu geraten. Exia war nie ein ruhiges Wesen. Und was die Schule angeht, das sollte man lieber vergessen. Eigentlich sind wir ja selbst Schuld daran, ich weiß noch genau wie es anfing.

Eines Morgens, ich musste eigentlich schon längst auf dem Weg zur Arbeit sein da rief mich ihr Lehrer an und fragte nach, wie lange Exia denn noch krank sein würde weil sie doch schon seit zwei Wochen nicht zur Schule gekommen war. Ich fragte erstaunt nach was er damit meinen würde weil sie doch Tag, täglich pünktlich aus dem Haus gegangen war und dieses wunderte mich sichtlich. Er sagte das dass nicht ungewöhnlich sei da häufig Kinder von denen die Eltern beide Arbeiten zu einer Gruppe Straßenkids gehörten und öfters auch die Schule schwänzen würden und das er sogar schon mit so etwas gerechnet habe.

Als ich dann am Nachmittag meine Tochter zur Rede stellen wollte kam, es mir so vor als wenn sie mir kein bisschen zuhören tat. Na gut, wir haben uns bisher noch nie um sie gekümmert, egal ob sie etwas brauchte oder nicht. Nun, wie ich schon sagte sie schenkte meinen Worten keine Beachtung. Ich war darüber sehr verwundert so als wolle ich sagen was hat denn mein armes Kind, das es mir nicht zuhört doch wenn ich heute darüber nachdenke, wird mir klar das meine Verwunderung fehl am Platze war. Nachdem ich halt meine Rede gehalten hatte kam aus ihr nur ein War das alles? raus. Ich konnte darauf nichts antworten und so gang sie halt.

Am nächsten Tag brachte ich sie persönlich zur Schule und glaubte sie würde jetzt dem Unterricht beiwohnen aber ich hatte mich in diesem Punkt gewaltig getäuscht. Exia war über die Schulmauer gesprungen durchs Gebüsch gedüst und ab zu den Kids. Am Abend rief mich ihr Lehrer an und fragte mich ob ich Exia denn nicht mal persönlich zur Schule bringen wolle aber da dachte ich nur was will der eigentlich, das habe ich schon versucht und so zeigte ich sogar eine Trotzreaktion und legte ohne ein Wort zu ihm zu sagen einfach auf, über den Grund meines Handelns muss ich heute noch nachdenken. Nun als Exia dann spät nach Hause kam, war ausnahmsweise auch ihr Vater da, was mich irgendwie reizte. Wir hatten uns schon lange nicht mehr ein Wörtchen zu sagen aber erst seit dem Exia da war! Und so stritten wir uns vor ihr. Das war ein großer Fehler, da sie einfach nur abhaute. Sie tauchte auch am Abend nicht wieder auf.

Erst später erzählte man mir das sich die Kids eine Family nannten. Sie übernachteten in einer Scheune, wo ihr dann die kleine Lisa ihr Leiden erzählte, ihre Eltern leben nicht mehr und aus diesem Grund beneidet sie Exia. Der Boss, ein Drogendealer so um die 26 Jahre ließt sich von den Kindern, der Jüngste war grad 6 geworden, Vater nennen und wurde wie ein Gott verehrt. Die meisten dieser Kids waren auch abhängig. In dem Punkt war Exia aber allen überlegen, sie wusste das Drogen keine Probleme lösen. Was sie aber nicht wusste das sie vor ihrem Problem ewig davon läuft, und das ist auch ein Fehler. Das habe ich aber auch erst zu spät eingesehen. Und in dieser Scheinfamilie fühlte sie sich frei und geborgen, so sah es auf jeden Fall aus. Das sie doch einen Schmerz verspürte sah man ihr nicht an.

Dann stand es in der Zeitung: Junge Drogentote, die Freundin eines Dealers. Da bekam ich auf einmal Angst um mein Kind, das fand ich schon bemerkenswert, da ich bisher nur einen Groll auf ihr spürte. Es kam wahrscheinlich daher das ich älter geworden bin und dadurch etwas vernünftiger. Doch liebe war es immer noch nicht. Wie grob es auch klingen mag, es war nun einmal so. Nun, ich kann nur erzählen, was ich weiß, so hat man mir erzählt das es in dieser angeblichen Familie neu ausgewählt wurde, die, die am besten tanzte und am besten aussah wurde zur neuen Freundin gewählt. Und war er eine mal uninteressant geworden, gab er ihr eine zu hohe Dosis. Doch nun, dieses eine mal, hatte er sich die verkehrte ausgesucht Exia.

Sie war stolz darauf einen Freund zu haben, doch eines Tages zeigte er sein wahres Gesicht. Aber Exia war stärker als er, in Kraft so wie in Klugheit. Er bot ihr Wein an mit einer Droge, doch sie nahm nicht an. Dann belauschte sie ihn als er mit einem Typen sprach. Sie sprachen von Mord und illegale Drogen. Exia lief zu den anderen Kids und warnte diese. Alle wussten das Exia bisher noch nie gelogen hatte, doch hatten sie Zweifel, bis wieder einer starb. Die Polizei stellte aber fest das es nicht die Droge war sondern das der Junge ermordet wurde warum fand man schnell heraus, er hatte sein Geld nicht zahlen können.

Nun glaubten die Kids ihr und sie schmiedeten einen Plan. Sie wollten den Boss bei einer seiner nächsten Taten fassen. Es wurde ein schwieriges Projekt und ohne eine Hilfe hätten sie es nicht geschafft. Zufällig war ich der Sache auf die Schliche gekommen und habe im letzten Moment die Polizei gerufen. Der Boss zog eine Waffe und zielt auf Exia, warum ich es tat wusste ich nicht, doch ich stellte mich dazwischen. Die Kids waren erstarrt und als die Polizei kam legte der Boss seine Waffe nieder, er wusste das es keinen Ausweg mehr gab. Die Polizei räumte auf und fand bald heraus das es nicht nur ein Mord war sondern mehr.

Exia und ich sahen uns nicht an. Dann waren nur noch wir an diesem grausigen Ort, den die Kids schon einmal Heimat nannten. Sie fing an und sprach Mum, es tut mir leid, du hattest recht, die Schule ist besser als auf der Straße zu stehen. Doch ich fühlte auch Schuld: Exia, es ist doch auch meine Schuld, ich hätte mich um dich kümmern sollen, meine Güte, auch wenn du nicht gerade unser Traumkind warst, wir hätten dir beide Gute Eltern sein sollen. Es ist doch so normal das du nicht weißt das jemand dich gern hat.

Heute weiß ich es, sollte ich jemals wieder ein Kind bekommen so werde ich es besser behandeln und versuchen eine gute Mutter zu werden. Was ich dazusagen muss, ihr Vater und ich vertrugen uns wieder, und Exia bestand sogar das Abitur.

1