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Diese Webseite enthält einige ausgewählte Verse aus dem Buch "Bhagavad-Gita" in verschiedenen Übersetzungen zum Vergleich. Die Bhagavad-Gita, ein Dialog zwischen dem Bogenschützen Arjuna und seinem göttlichen Wagenlenker Krishna, ist ein heiliger Text des Hinduismus und in der Übersetzung / Kommentierung von Prabhupada die Grundlage des Glaubens der Anhänger von ISKCON.
Vers 04.08
Vers 9.29
Vers 17.01
18.69 f.
18.69 f. (II)
18.69 f. (III)
Kommentar zu den Versen: Prabhupada leitet die Existenzberechtigung "seiner" Bhagavad-Gita daraus ab, daß sie die Bhagavad-Gita so darstelle, "wie sie (wirklich) ist", daß alle anderen Übersetzungen dieses sakralen Textes eben "nicht wirklich die Bhagavad-Gita seien". "Natürlich gibt es in Amerika viele englische Ausgaben der Bhagavad-Gita, doch keine, die ich bisher gesehen habe – nicht nur in Amerika, sondern auch in Indien -, kann man strenggenommen als autoritativ bezeichnen, denn in fast jeder Ausgabe hat der Kommentator seine persönlichen Ansichten zum Ausdruck gebracht, ohne dabei dem Geist der Bhagavad-Gita, wie sie ist, nahezukommen." (Prabhupada, Bhagavad-Gita Wie Sie Ist, 1987, S. 3) Ziel dieser Betrachtungen ist nicht, irgendeine Form von Weltanschauung (ab-) zuurteilen, aber wer ein derartig pauschales Urteil über durchweg alle anderen Übersetzungen trifft (von denen es im englischsprachigen Raum ca. 200 gibt und im deutschsprachigen Raum immerhin ca. 30 !), muß sich doch die Frage gefallen lassen, ob der harte Vorwurf, den er anderen Übersetzern macht, nicht letzten Endes auf ihn selbst zutreffen kann. Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage ergibt sich für mich zumindest linguistisch ein Riesenproblem. Ich beherrsche kein Sanskrit. Bloßes Ablesen von Transliterationen kann echte Sanskrit-Kenntnisse nicht ersetzen, da der Lesende nicht wirklich verstehen kann, was er da eigentlich liest. Auf die Frage, was denn nun die "richtige" Übersetzung sei, kann ich somit wenig Sinnvolles sagen. Es ist jedoch möglich, Prabhupadas Version neben die Fassungen der geschmähten anderen Übersetzer zu stellen, aufzuzeigen, wo Unterschiede vorliegen und sich Gedanken darüber zu machen, was die Gründe für derartige Unterschiede sein könnten. Als Alternative habe ich deshalb verschiedene Übersetzungen ausgewählter Verse der Bhagavad-Gita nebeneinandergestellt. Zum Thema "Übersetzung" ist zunächst zu sagen, daß es nicht wirklich möglich ist, einen Text "vollständig" in eine andere Sprache zu übersetzen, da Worten in der anderen Sprache häufig eine andere Bedeutung beigelegt wird. Somit erhält jede Übersetzung durch die Persönlichkeit und die Absichten des Übersetzers eine persönliche Färbung, die insbesondere im Bereich weltanschaulicher Literatur große Bedeutung gewinnen kann. Beispielsweise bedeutet im Hebräischen das Wort für "junge Frau" und "Jungfrau" dasselbe. Somit würde möglicherweise ein Katholik übersetzen, daß "eine Jungfrau einen Sohn gebärt", wohingegen bei einem Lutheraner eine "junge Frau einen Sohn gebärt" - ersterer in der Absicht, die unbefleckte Empfängnis zu "beweisen", letzterer, um sie abzustreiten. Wer die Bhagavad-Gita von Prabhupada aufschlägt, stellt sehr schnell fest, daß es sich – trotz der Behauptung, die Bhagavad-Gita "wie sie ist" zu präsentieren, durchaus nicht um eine Ausgabe handelt, welche die Lehren und die Weltanschauung(en) der Bhagavad-Gita, geschweige denn den Wortlaut, zum alleinigen Maßstab nimmt. Das Buch eröffnet mit Gebeten; es ist eine Ausgabe getragen von einer tiefen Frömmigkeit, von der Hingabe zu einer bestimmten "Religion", zu ganz bestimmten "Gottheiten" und Heiligen und dem Bestreben, diese Frömmigkeit an andere weiterzutragen. "... und selbst wenn nur ein einziger Mensch ein reiner Geweihter des Herrn wird, werden wir unsere Bemühungen als erfolgreich betrachten." (Prabhupada, BG-WSI, S. xviii) Dieses Ziel ist ein äußerst ehrenwertes, aber es hat nicht viel zu tun mit einer Annäherung an den Geist der Bhagavad-Gita ohne die Einflechtung persönlicher Ansichten. Eine der Kernthesen der Bhagavad-Gita ist, daß das Höhere Selbst (des Menschen) mit der Gottnatur eins werden kann. Nach Prabhupada und den Lehren, die er vertritt, ist jedoch genau dies nicht möglich. Die drei "neutralen" Übersetzungen bringen übereinstimmend "sie (die Seelen) sind in mir". Prabhupada bringt dies auch, fügt jedoch das Wort "Freund" ein. Ausweislich Prabhupadas Wort-für-Wort-Übersetzung (BG-WSI, 1987, S. 461) kommt jedoch genau dieses Wort in dem Sanskritvers nicht vor! Prabhupada : ... jeder, der mir in Hingabe dient, ist Mein Freund, ist in mir, und auch ich bin Sein Freund.Schroeder: ... doch die liebend mich verehren, die sind in mir, in ihnen ich. Hartmann: Doch, die mich wahrhaft lieben, lieb ich wieder; sie sind in mir, und ich in ihnen. Sir Edwin Arnold: But them that worship Me with love, I love; They are in Me, and I in them! In Zusammenhang mit dieser Vorstellung, daß Gott und das Selbst einander immer gegenüberstehen und immer voneinander verschieden sind, steht auch die Vorstellung, ob Krishna immer eine Person ist, oder ob er manchmal manifestiert und manchmal unmanifestiert ist. Die drei "neutralen" Übersetzungen bringen übereinstimmend zum Ausdruck, daß Krishna, in seiner Göttlichkeit "ungeboren", zunächst gestaltlos ist und dann beim Herabstieg in die materielle Welt auf irgendeine Weise eine (fleischliche) Gestalt annimmt. Er "entsteht" (Schroeder), er "wird aufs neue geboren" (Hartmann), er "erhebt sich und nimmt eine sichtbare Gestalt an und wandelt als Mensch mit Menschen" (Sir Edwin Arnold). Die Vorstellung von Avataren ist eine faszinierende Möglichkeit, "fremde" Götter (neuerdings auch Jesus) zu integrieren. Indem der "fremde" Gott als Verkörperung des eigenen gesehen wird, wird die Göttlichkeit des "fre1mden" Gottes anerkannt und ein Klima für gegenseitige Akzeptanz und Toleranz geschaffen – die sprichwörtliche (religiöse) "Toleranz des Hinduismus". Die Formel der Rückführung der verschiedenen Religionen auf den Einzigen Gott, der Grundtenor der Bhagavad-Gita, überwindet nicht nur vielfach Grenzen von "Konfessionen" innerhalb der hinduistischen Religion, sondern könnte auch ein Potential zur Versöhnung aller Religionen in sich bergen. Nach der von Prabhupada vertretenen Lehre bleibt die göttliche Gestalt immer unverändert und dieselbe, nämlich die von "Krishna". Die Schwierigkeiten hierbei liegen auf der Hand. Die ausschließliche Fixierung auf die Krishna-Gestalt verdrängt die Gestalten anderer hinduistischer Götter, anders lehrender Mystiker und selbst der "eigenen" Avatare (Krishna in "anderer" Gestalt). Das Mantra der Bewegung lautet bekanntlich "Hare Krishna ... Hare Rama", aber versuchen Sie einmal, unter orthodoxen ISKCON-Anhängern einen Verehrer des Gottes Rama aufzutreiben. Sie werden schwerlich einen finden. Prabhupada : Um die Frommen zu erretten und die Gottlosen zu vernichten und um die Prinzipien der Religion wiedereinzuführen, erscheine Ich Zeitalter nach Zeitalter.Schroeder: Zum Schutz der guten Menschen hier und zu der Bösen Untergang, die Frömmigkeit zu fest’gen neu, entsteh‘ in jedem Alter ich.Hartmann: So oft der Menschen Sinn für Recht und Wahrheit verschwinden will, und Ungerechtigkeit ihr Haupt erhebt, werd ICH aufs neu' geboren, zur rechten Zeit.Sir Edwin Arnold: ... I rise, from age to age, and take Visible shape and move a man with men, succouring the good, thrusting the evil back, and setting Virtue on her seat again.Wenn nun das Gottesbild einzementiert und genormt wird, sieht es in der Glaubenswelt mitunter nicht gut aus. Die Bhagavad-Gita stellt die Stärke des Glaubens über die rituelle "Richtigkeit" von äußeren Handlungen. Wichtig ist, wie es "im Herzen" aussieht. Prabhupada scheint diese Wertvorstellung der Bhagavad-Gita und damit seines Gottes nicht zu teilen, denn er wertet die Frömmigkeit "nicht-parteigemäßer" Anhänger schlichtweg ab. Prabhupada : Arjuna fragte: O Krishna, in welcher Lage befinden sich diejenigen, die die Prinzipien der Schriften nicht befolgen, sondern nach ihrer eigenen Vorstellung Verehrung ausführen? ...Schroeder: Doch die nicht achten das Gesetz, doch gläubig Opfer bringen dar, Auf welchem Boden stehen die?...Hartmann: Was ist, o Herr, der Zustand jener Menschen, die Gutes tun und treu im Glauben sind, allein sich nicht um Vorgeschriebenes kümmern?Sir Edwin Arnold: Arjuna. If men forsake the holy ordinance, heedless of Shastras, yet keep faith at heart, and worship, what shall be the state of those ...Wenn nun die Erlösung nur denen gewiß ist, die ihre Glaubenswelt nach intoleranten Vorstellungen aufbauen, so verwundert es nicht, daß die Bhagavad-Gita letzten Endes nur ISKCON-Mitgliedern bestimmt ist. Prabhupada : Demjenigen, der dieses höchste Geheimnis den Gottgeweihten erklärt ...Das klingt auf den ersten Blick ganz harmlos, aber wie viele "Sekten" (sorry) hat ISKCON eine "Geheimsprache", und nach dieser sind "Gottgeweihte" nur ISKCON-Anhänger. Prabhupada bringt das auch selbst zum Ausdruck: "... die Bhagavad-Gita ist nur für die Gottgeweihten bestimmt. Aber manchmal kommt es vor, daß ein Geweihter des Herrn eine öffentliche Vorlesung hält, und bei einer solchen Vorlesungen kann man nicht erwarten, daß alle Zuhörer Gottgeweihte sind. Warum halten sie dann öffentliche Vorlesungen? Wie in diesem Vers erklärt wird, ist zwar nicht jeder ein Gottgeweihter, aber trotzdem gibt es viele Menschen, die Krishna nicht beneiden. Sie glauben an ihn als die höchste Persönlichkeit Gottes. Wenn solche Menschen von einem echten Gottgeweihten über den Herrn hören, ist das Ergebnis, daß sie sogleich von allen sündhaften Reaktionen frei werden..." (Prabhupada, BG-WSI, 1987, S. 797). Inwieweit sich das mit anderen Übersetzungen der Bhagavad-Gita verträgt, kann jeder selbst nachprüfen. Wenn aber die innere Stimmung des Verehrers von solcher Bedeutung ist, daß Sir Edwin Arnold poetisch von "lovers" spricht, können die Anforderungen an die rituelle Reinheit des Bhagavad-Gita-Lesers jedoch nicht unerreichbar hoch sein. Schroeder : Wer dieses geheimnisvolle Wort meinen Verehrern weitergibt ...Hartmann: Wer aber dieses heilige Geheimnis, das heiligste von allen, jene lehrt, die MICH verehren wollen ...Sir Edwin Arnold: Of My lovers, one shall teach / this divinest, wisest speech ... Erwähnenswert erscheint mir in diesem Zusammenhang noch das übermäßig häufige Auftauchen des Wortes "Dienst / Diener" in Prabhupadas Übersetzung des Hinduklassikers. Es findet sich in dieser auffälligen Häufigkeit in keiner anderen Übersetzung, die ich in der Hand hatte. Aber vielleicht liegt dahin die besondere Eigenart der Lehre Prabhupadas, die den "Nicht-Gottgeweihten" ewig verborgen bleibt: Daß Gnade etwas ist, das man sich hart erarbeiten muß. In seiner Übersetzung der Bhagavad-Gita, "Das Hohe Lied enthaltend die Lehre der Unsterblichkeit" formuliert Franz Hartmann sehr schön: "Es gibt dreierlei Arten von Glauben oder Gottesverehrung: den äußeren, den inneren und den geistigen Glauben. Der äußere Glaube sucht sein Heil in äußeren Dingen und in kirchlichem Ritus; er ist ein Fürwahrhalten gewisser Meinungen. Der innere Glaube sucht sein Heil bei einem von seinem eigenen Wesen verschiedenen Gotte zu erlangen. Der Geistige Glaube steht fest im Selbstbewußtsein der eigenen Göttlichen Kraft." Zulässig und wertvoll sind alle drei Arten des Glaubens; seltsam erschiene es jedoch, wenn das Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite das Hohelied auf den Glauben an das Göttliche in uns singt, als Kronzeuge dafür dienen soll, dieses Vertrauen in das Höhere in uns selbst auf einem selbstgebauten Altar von Ritualismus und bloßer Gottesfürchtigkeit zu opfern.
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