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Bio Name: Noxima Bohéme
Geburtstag: 05. Oktober 1982
Lebenslauf: Im Jahr 1982 gab es zwei Sachen, die meiner Mutter das Leben versaut haben: Helmut Kohl wurde Bundeskanzler und ich geboren. Damit hatte meine Mutter sich einen Haufen Arbeit aufgehalst, denn sie musste eine phantasievolle, quengelige, ständig Hunger habende und über alles bekannte hinausgehende neugierige kleine Kröte unter Kontrolle halten. Ich denke, sie hat es ganz gut gemeistert. Meine erste Erinnerung ist ein dicker Mann, der bei uns in der Küche auf einem Stuhl sitzt. Er hat eine dunkle Hose an, ein Holzfällerhemd mit einer ledernen Weste darüber. Bis heute konnte mir keiner sagen, wer dieser Mensch war oder ist. Lässt das auf leicht gestörte Nervenverbindungen in der Großhirn-Region schließen? Man weiß es nicht. Als sogenanntes "Kann-Kind" wurde ich mit sechs Jahren eingeschult und setzte mit dem ersten Schritt in die Grundschule auch gleich den ersten Schritt in ein Leben voller Schikane. Es war Sommer 89, das Jahrzehnt sah seinem Ende genauso entgegen wie die DDR. Von dem Mauerfall bekam ich nichts mit. Zumindest kann ich mich in keinster Weise daran erinnern. Drei Jahre später zogen meine Eltern mit mir im Gepäck nach Stelingen. Dieses Dorf bei Garbsen hatte alles zu bieten, was ein Stadtkind am ehesten nicht brauchte. Das höchste Haus hatte drei Stockwerke und als völlig vereinsamter kleiner Mensch sah ich keinem guten Leben entgegen. Was mir übrig blieb war das Geschwisterpaar aus der Nachbarschaft und ein Sandkasten vor unserem Haus. Nachdem ich ein Jahr pendeln hinter mir hatte, wechselte ich zur Orientierungsstufe in Berenbostel. Die damals in einer Art Plattenbau untergebrachte Schule bescherte mir neue Bekanntschaften, auf die ich rückblickend aber hätte verzichten können. Nachdem zwei Jahre Orientierungsstufe vorbei waren und meine Klassenlehrerin mich mit der Empfehlung, das Gymnasium zu besuchen verabschiedet hatte, machte ich genau das, was ein fauler Mensch macht: Ich ging auf die Realschule. Wozu Abitur? sagte ich mir, ich hatte eh keine Ahnung, was ich werden wollte. Dann begann die Zeit, die mir im Leben eigentlich am wenigsten brachte. Ich verschwendete meine Zeit damit, in der Realschule völlig unterfordert zu sein. Das einzige Fach, in dem ich mich wirklich absolut ungeschickt anstellte, war der Werkunterricht. In einer Arbeitsgemeinschaft versuchte ich, dieses Handicap aus der Welt zu schaffen, es galang mir jedoch nicht. Das Thema "Wir bauen eine römische Steinschleuder" überforderte mich dermaßen, dass ich mich kurzerhand dazu entschied, lieber in die Bücherei zu gehen.
Sogar der Sportunterricht machte mir Spaß, ich war selten schlechter als Note 2, konnte meine Erfahrungen aus dem Turn- und Leichtathletik-Verein gut einbringen. Lediglich Ballsportarten ließen mich in regelmäßigen Abständen verzeweifeln, genauso wie das Schwimmen. Stets war ich der letzte, der in eine Mannschaft gewählt wurde, ließ mir diese Schmach aber nicht anmerken. Meine besten Freunde in dieser Zeit waren stets die Mädels, denen ich mich beim Schwimmen regelmäßig anschloss, wenn sie die Ausrede benutzten, sie würden auf der roten Welle surfen. Das kam mir immer sehr gelegen und schon hatte ich Kopfschmerzen, Übelkeit oder was auch immer. Ich muss damals im Vergleich zu den anderen Jungs schon recht feminin gewirkt haben, denn sie betitelten mich nicht selten als Schwuchtel oder ähnliches. Was weder ich noch sie damals wussten: sie hatten recht. Das merkte ich erst allmählich, als mir bewusst wurde, dass ich beim Sport immer auf die Kerle in ihren Sporthosen geachtet habe und so war ich stets der letzte, der die Umkleide verließ. Allmählich gingen die vier Jahre Realschule dahin und ich hatte immer noch keinen blassen Schimmer, was ich werden wollte. Was blieb mir übrig? Ich ging zum Arbeitsamt um mich über meine Möglichkeiten aufklären zu lassen. Die für mich zuständige Berufsberaterin machte einen "Ich-kriege-deine-Interessen-schon-irgendwie-aus-dir-raus-Test", wertete ihn aus und bekam bei dem Ergebnis den Mund nicht mehr zu. Angeblich hatte ich für meine Altersgruppe das beste Ergebnis erzielt, das sie je gesehen hat. Wahrheit oder psychologischer Trick? Man weiß es nicht. Ihre Empfehlung: Ich sollte das Fachgymnasium für Wirtschaft besuchen, denn dort könnte ich das Abitur nachholen. Gesagt, getan. was die gute Frau nicht berücksichtigt hatte war die Tatsache, dass ich mich keinen Deut für Wirtschaft interessierte. Nachdem ich die ersten zwei Monate mit Fächern wie Rechnungswesen und Betriebs- und Volkswirtschaftslehre herumgeschlagen hatte, wusste ich, das die Dame ein Griff ins Klo war. So kam, was kommen musste: Ich wiederholte die elfte Klasse. Inzwischen wurde mir klarer, was ich werden wollte. ich hatte großen Spaß an einem Fach, was bedauerlicherweise an der Schule nicht angeboten wurde: Erdkunde. Ich liebte es noch immer, mich in Atlanten zu vertiefen, Reisführer zu lesen oder Sendungen wie Voxtours zu sehen. Beim zweiten Anlauf schaffte ich die elfte Klasse, hätte auf dem Wirtschaftsgymnasium weitermachen können, entschied mich aber für eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann bei einem Reiseveranstalter. So brachte mir die Wirtschaftsschule nämlich doch etwas: Ich hatte zwei Jahre lang Spanisch gelernt, konnte dadurch zumindest die grundsätzlichen Vokabeln, außerdem verbesserte sich durch zwei wirklich gute Lehrerinnen meine Kenntnisse in Englisch und im Fach Deutsch. Inzwischen wohne ich wieder in Hannover, zwar nicht in der Stadt aber am äußeren Rand und kann mich so wieder als "Hannoveraner" bezeichnen. |
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