



Ägyptisches Museum, Kairo, Büste der Nofretete, unvollendet. Dieses Stück favorisiere ich persönlich klar vor der berühmteren Ausgabe in Berlin. Ich vermute hinter dieser Plastik ein ganz reales Porträt und sehe, wenn ich dieser Büste in das Gesicht sehe, sie selbst. Wahrscheinlich aber war das gedachte Endprodukt keineswegs “nur” eine Büste, sonder sie war ganz sicherlich einer der Bestandteile für eine Kompositstatue. Dieser Statuentypus war eine Besonderheit Ägyptens, und noch Herodot sah etliche von ihnen. Sie wurden aus Einzelteilen verschiedenster Materialien zusammengesetzt und boten so auch die Option, den tagespolitischen Veränderungen nachzukommen. Wurde etwa aus einer Prinzessin eine Königin, so entfernte man aus der Statue nur vorübergehend den Kopf, modifizierte die Kopfbedeckung und setzte das sonst unverändert gebliebene Stück wieder zusammen.
Kairo, Ibn-Tulun-Moschee. Zur Zeit unseres Besuches war es dort wunderbar still, leer, und so hatten wir Zeit und Muße, die Klarheit der Architektur völlig zu genießen. Die Arkadengänge zeigten uns ein wundervolles Lichtspiel und immer wieder fiel im Vergleich zu christlichen Sakralbauten das Fehlen jedes Bildes angenehm auf. Dieser Ort, diese Moschee ist still; sie fordert zur Hinwendung an das innere Selbst auf und kokettiert nicht mit Trivialitäten von Darstellungen. Die Moschee ist historisch von großem Interesse, zählt sie doch zu den ältesten Nordafrikas und weist mit ihrem besonderen Minarett eine Seltenheit auf.
Ägyptisches Museum, Kairo, Statuette der Selket. Vielen gilt diese Figur als das absolut beste und schönste Kunstwerk, daß je von Menschenhand geschaffen wurde. Es zählt sicherlich zur engsten Auswahl. Man findet sie in Myriaden von Kopien und Repliken, sie selbst im Kontext der zu ihr gehörigen Stücke zu sehen, ist eine Pflicht. Sie ist mehr als nur Kunst. Sie ist die Verbindungsstelle zwischen Amarna und Theben, zwischen zwei Kunstströmungen, die sich letztlich in dieser wunderschönen Synthese wiederfanden. Der Verzicht auf das Unwesentliche und die Hinwendung zu den stimmigen Proportionen, den Andeutungen und zur Aussage.
