Motivationen für Westafrika
Interesse an fremden Kulturen
Als ich vor vier Jahren bei einem Austauschprogramm in die USA teilgenommen habe und so erste größere Auslandserfahrungen gesammelt habe, wurde mein Interesse für fremde Länder, Menschen und deren Kulturen geweckt. Ich wohnte in einer amerikanischen Gastfamilie, wo ich viel über die Kultur, die Sprache und das Land erfuhr, weit mehr als in der Schule oder aus Büchern und Zeitschriften.
In den folgenden Jahren führte mich mein Interesse auf diversen Reisen durch das europäische Ausland, wo ich mehr über unsere Nachbarländer erfahren habe und mir selber ein Bild über diese machen konnte. Da ich noch mehr über andere Lebensweisen erfahren wollte, habe ich beschlossen, die Chance des „Anderen Dienst im Ausland“ zu nutzen, und so ein Jahr im Ausland zu leben und zu arbeiten und dabei noch einen sinnvollen Dienst zu leisten, sowohl für die Menschen vor Ort, für das Land aber auch für mich selbst.
Lust auf einfaches Leben
Da ich die europäische Kultur mittlerweile recht gut kenne und ich den Verhaltensweisen in einigen Bereichen nicht ganz zustimmen kann, möchte ich lieber in einem außereuropäischen Land arbeiten. Ich kann zum Beispiel dem Umgang der europäischen Konsumgesellschaft mit Waren und Gütern nicht zustimmen, während woanders auf der Welt Menschen Notstand leiden. Ich möchte lieber in ein ärmeres Land unter einfacheren Bedingungen leben und die Lebensweisen der Menschen kennen lernen, die ihren Alltag selber und größtenteils ohne technische Hilfsmittel unter einfachen Bedingungen meistern. Aus diesem Grund habe ich mich für ein weniger entwickeltes Land entschieden.
Ich denke, dass ich dort auch mehr als zu Hause erreichen kann, wo es vergleichsweise ohnehin schon genug Hilfsmittel und Organisationen gibt; ich würde mir bei meiner Arbeit sinnvoller vorkommen, als in einer Einrichtung in Deutschland.
Ich denke, dass in einem weniger entwickelten Land nicht alles als so selbstverständlich und „normal“ angesehen wird, wie hier, sondern dass Leistungen und Dinge noch wirklich anerkannt werden. Ich denke, dass die Menschen dankbarer sind und schon Kleinigkeiten zu schätzen wissen. Weil Afrika ein sehr armer und hilfsbedürftiger Kontinent ist und für mich sehr interessant, vielfältig und unbekannt, wollte ich dort meinen ADiA ableisten.
Erlernen einer Sprache
Weiter wollte ich meinen ADiA im westlichen, französischen Teil Afrikas ableisten, da mich die französische Sprache sehr interessiert. Ich finde es gut, dass in der Schule Sprachen unterrichtet werden, allerdings kann man das Lernen in der Schule nicht im Geringsten mit dem Erlernen vor Ort vergleichen. Ich werde mein Wissen praktisch anwenden und auf diesem Wege die Sprache richtig erlernen. In meinen Augen sind Sprachen der Grundstein für ein gemeinsames friedliches Zusammenleben und für eine gute Völkerverständigung.
Leben als Minderheit
Als nächstes habe ich mir schon oft die Frage gestellt, wie das Leben für Minderheiten in einem fremden Land und einer komplett unbekannten Kultur sein muss. Nun möchte ich auf längerer Zeit hin die Erfahrung sammeln und am eigenen Körper die Schwierigkeiten erfahren, die viele Menschen täglich durchmachen müssen. Ich möchte für ein Jahr nach Afrika, um die Reaktionen mir gegenüber als einzigem Weißen unter lauter Farbigen kennen zu lernen, das Verhalten mir gegenüber bezüglich anderer Sprache oder Benehmen feststellen und vor allem wissen, wie man sich selber dabei fühlt, wenn man immer und überall auffällt und ständig andere über einen reden.
Ich denke, dass es sehr hart sein wird, für ein Jahr lang seine Heimat, seine Familie und Freunde zu verlassen und in einem komplett fremden Land zu leben, ohne genau zu wissen, was auf einen zukommt. Ich glaube, dass es in allen Bereichen eine enorme Umstellung für mich sein wird und ich mich sehr anpassen und ändern muss, um überhaupt Anschluss an die einheimischen Menschen zu finden. Ich werde sehr auf mich selbst gestellt sein und ich werde schon bald an Grenzen stoßen, aber ich glaube, dass all das die Erfahrungen wert sind, die ich bei diesem Aufenthalt sammeln werde. Der Aufenthalt wird die Selbstentwicklung enorm beeinflussen und zu mehr Selbstständigkeit führen, aber auch zu mehr Akzeptanz und Toleranz beitragen.
Ich denke, dass ich durch dieses Jahr mehr praktische Lebenserfahrung sammeln kann und mehr als sonst irgendwann lernen werde, was im Leben wirklich zählt.