8. Monatsbericht aus Togo

 

   Reise nach Afrika

 

Wie schon erwähnt, geht dieser Bericht über Ghana.

Obwohl Ghana direktes Nachbarland von Togo ist, kann man diese beiden Länder in keinster Weise miteinander vergleichen. Im Vergleich zu Togo ist Ghana ein sehr reiches Land; würde man Togo mit Osteuropa vergleichen, währe Ghana auf jeden Fall irgendwo in den USA!

 

Während es in Togo sozusagen keine Industrie gibt und absolut alles (selbst das Klopapier!) aus den Nachbarländern oder der EU importiert wird, blüht hier die Wirtschaft regelrecht auf; überall sieht man Firmen, Unternehmen…, überall wird gebaut, ob Häuser, Hotels, Brücken, Strassen oder Abflüsse… Das Land, besonders im südlichen Teil, ist eine reine Bausstelle. Beinahe überall im Land gibt es Strom, geteerte Strassen und Beleuchtung in allen “Siedlungen”.  In den Städten sind die Strassen meist zwei und dreispurig pro Richtung, alles steht voller Ampeln, sogar Fußgängerampeln mit Gebrauchsanweisungen, Gehwege, Zebrastreifen, verschlossene Abflüsse, es gibt Einkaufscenter und alle paar Meter stehen schnurlose Telefone, mit denen man in die ganze Welt telefonieren kann, oder es gibt staatliche Kartentelefone, bei denen man die Sprache ändern kann.

Alle jetzt noch freien Stellen sind dann mit Werbung regelrecht vollgepflastert, angefangen bei Kaaba, Kaffee bis hin zu Badewannen, Handys (u.a. für über eineinhalb Millionen Cedis!), Computer Pentium IIII, Fluggesellschaften, die sechs mal pro Woche wo auch immer hinfliegen, die neusten 4x4 Jeeps, …   einfach krank!!

 

Alles ist beleuchtet, ob Taxis, Werbeschilder, Häuser oder Gedenkstätten… Wäre nicht überall das typisch afrikanische Durcheinander, die riesigen Märkte, die Straßenverkäufer, so mancher “Müllfluss” oder das Treiben an den “Bushaltestellen”, würde man sich wie in Südeuropa vorkommen, gerade was Accra, die Hauptstadt Ghanas, betrifft.

 

Kommt man von Togo nach Ghana, fallen einem so viele unnötige Sachen auf, die (hier!) einfach keiner braucht oder die sogar sehr unangebracht sind, wie z. B. die Flug-, Auto- oder Computerwerbung…!

Während die einen ihr Leben lang von den angebotenen Waren träumen können und sogar täglich um ihr Überleben “kämpfen” müssen, führt sich die doch sehr breite Oberschicht schlimmer auf, wie jeder Prolo/Bonze in Deutschland! Die Spalte zwischen arm und reich ist verdammt groß!

 

Was in Ghana noch sofort auffällt, ist der Tourismus: überall im Land sieht man Weiße aus allen Teilen der Welt, oftmals auch Volontäre. Ghana ist touristisch sehr gut erschlossen; immer gibt es irgendwo etwas zu sehen, was dann nicht selten schon aus zig Kilometern Entfernung angeschrieben ist, mit Verweisen für Hotels, Unterkünfte, Organisationen mit Führern… Man bekommt beinahe alles aufgezwungen!

Wenn man in Togo etwas besichtigen will; muss man sich das erstmal selber suchen, man kann teilweise froh sein, wenn einem jemand den Weg erklären kann. Dann fährt man dahin und gibt vielleicht vor Ort einem Dorfbewohner (die Leute in Togo sind meiner Meinung nach noch viel offener, netter und hilfsbereiter! Das liegt vielleicht daran, dass sie viel ärmer sind und jede Möglichkeit an Geld … zu kommen nutzen müssen.) etwas dafür, dass er einen hinführt und etwas darüber erzählt.

In Ghana muss man von vorneherein erstmal überall Eintritt zahlen, wer nicht zahlt, darf nichteinmal schauen.

  

Wie auch immer, Ghana gefällt mir nicht, obwohl es wirklich ein sehr sehr schönes Land ist! Irgendwie ist mir alles zu “entwickelt” (bei der Entwicklung wurden leider zu viele Schritte übersprungen!), zu (pseudo-) modern und (möchtegern-) organisiert!  Es ist einfach zu viel Europa da, wo es nicht hinpasst oder hingehört!

Wobei man sich natürlich für Ghana freuen muss, dass es das Land soweit geschafft hat: Ghana gehört zu den am meisten entwickelten und sichersten Ländern in Westafrika!

 

 

Da der Bericht kein Vergleich zwischen Togo und Ghana sein soll, habe nicht ich, sondern meine Mutter, welche mich vor einigen Wochen hier besucht hat und noch keinen Vergleich zu den Nachbarländern hat, den Bericht geschrieben.

Sie hat ihre Eindrücke zusammen mit einem kleinen Reisebericht über unseren gemeinsamen Rundtripp durch Ghana aufgeschrieben…

 

 

 

Aufzeichnung meiner Reise nach Afrika

 

14 Tage Aufenthalt in Ghana, vom 15.05 – 30.05.2005

 

 

Eigentlich sollte es ein Besuch in Togo werden, wo Michael bereits 7 Monate seinen ADiA ausübt. Aber da er kurz vorher wegen politischer Unruhen nach Ghana fliehen musste, buchte ich um und kam am 15/05/05 um 19.00 Uhr in Accra mit der Fluggesellschaft KLM an. Weil die Lage in Togo noch nicht stabil genug für eine Rückkehr ist und er noch etwas Urlaub hat, machten wir zusammen eine Rundreise durch Ghana.

Ich möchte in meinem Bericht weniger auf die Reiseroute, sondern mehr auf Land und Leute eingehen.

 

Ankunft

Nach ca. 7 Stunden Flugzeit über Amsterdam nach Accra landete das Flugzeug bei völliger Dunkelheit. Man sah  schon beim Anflug  des Flughafens die vielen Lichter der Millionenstadt.

Als sich die Türen öffneten, betrat man eine andere Welt. Die Luft war warm und roch nach feuchter Erde. Draußen vor der Abfertigung waren Hunderte Menschen, die entweder jemand abholten, einfach neugierig waren oder wie die Taxifahrer aufdringlich ihren Dienst anboten.

Michael hatte mich natürlich schon längst gesehen und rief: „Lauf einfach durch, hör nicht hin, erstmal hier weg“. Einige hundert Meter weg besorgte er ein Taxi, das uns zum Hotel brachte.

Nachdem wir das Gepäck im Hotel abgestellt hatten, gingen wir noch etwas durch die Straßen. Das ganze Treiben erinnerte mich etwas an Städte in Südeuropa. Beim Gehen musste ich immer sehr auf meine Füße achten, um nicht in einen der zum Teil offenen Rinnsteine  - mindestens 1 m tief - beiderseits der Straßen zu treten.

 

Unsere Reise beginnt

Am nächsten Morgen brachten wir das Gepäck , das wir für die Rundreise nicht benötigten, in das 120 km entfernte     * Big Ada. Dort leisten 2 Deutsche von Michaels Organisation in Kassel auch ihren Zivildienst. Um dort hinzukommen, brauchten wir ein Fahrzeug, das man Tro-Tro nennt.

Ein Tro-Tro ist ein Kleinbus, meistens Toyota, Suzuki, Mercedes mit Dachgepäckträger, in den 25 – 35 Personen mit Gepäck passen. Für jede Richtung, die aus der Stadt führt, gibt es verschiedene Stationen, wo Taxis und Kleinbusse warten. Die Fahrzeuge  sind alle Gebrauchtwagen, die aus Europa eingeführt wurden und hier gefahren werden, bis sie zusammenbrechen.

Unsere „Station“ war gleichzeitig auch Markt. Zuerst wird der Preis für die Fahrt und Gepäck ausgehandelt. Von Weißen verlangen sie immer erst das Doppelte, aber Michael kennt sich mittlerweile aus. Er handelt immer noch, wenn ich schon längst aufgegeben hätte. Nun können wir einsteigen. Aber wir müssen noch warten, bis der Bus voll besetzt ist, das heißt auch die Notsitze/Hilfssitze in der Mitte. Bis es soweit war, konnte ich das bunte Treiben ausgiebig beobachten.

Neben uns waren dicht aneinander gedrängt Lastwagen, Kleinbusse, Taxis und Marktstände. Es wurden Waren hoch aufgetürmt auf die Dächer der Fahrzeuge verladen. Ein wuselndes Durcheinander von Menschen, Waren und Ziegen. Die Ziegen fressen alle pflanzlichen Abfälle, die auf so einem Platz heruntergeworfen werden. Es gibt unzählige mobile Händler, die ihre Waren feilbieten. Da die Fenster der Fahrzeuge wegen der Hitze immer geöffnet sind, kann man vom Bus aus bequem alles kaufen was man braucht.

Die Frauen bieten in großen, flachen Körben oder Schüsseln, die sie auf dem Kopf tragen, z. B. Beutelwasser, Fruchtbällchen (Krapfen), Fisch, Muscheln, Schnecken, Fleischspieße, Koliko (frittierter Yams), Speiseeis, Weißbrot, Orangen, Melonen, Bananen, Eier gesalzen, Maiskolben und Tomaten an.

Andere Händler bieten feil: Papiertaschentücher, WC – Papier, Kleider Hüte, Schuhe, CDs, Seife, Zahnpasta, Handys, Videokassetten, Uhren, Sonnenbrillen, Schminke, Schmuck, DVDs ........

Dies alles wurde an diesem Morgen an unserem Transporter vorbei getragen.

Da wir noch nicht gefrühstückt hatten versorgten wir uns mit Beutelwasser und kleinen Krapfen.

Dann ging die Fahrt endlich los.

 

In Afrika haben alle Menschen sehr viel Zeit, nur die Taxi- und Tro- Tro – Fahrer nicht. Das konnte ich an diesem Tag noch zur Genüge erleben.

Jedes Tro – Tro hat einen “mate“ = Laufbursche. Er hilft zuerst dem Fahrer beim Laden, dann winkt er ihn aus der Enge des Marktes heraus. Währen der Fahrt, wenn wieder Plätze frei geworden sind, sorgt er durch Hinauslehnen und den Zielort schreiend für neue Kunden. Die Fahrer fahren sehr aggressiv, alles, was sich am Straßenrand bewegt, wird angehupt. Bei Dunkelheit setzen sie noch eins drauf: Bei jedem entgegenkommenden Auto setzen sie den Blinker links und schalten das Fernlicht ein. In diesem Moment ist man dann total geblendet. Man kann of kaum erkennen, was sich noch so alles auf der Straße befindet. So z. B. Eselskarren, Fahrräder, Fußgänger, Ziegen Hühner und plötzlich taucht dann noch eine Auto ohne Licht in der Dunkelheit auf. Fahren bei Nacht artet in ein Abenteuer aus und man ist froh, wenn man am Ziel ist.

 

Nachdem wir unsere Rucksäcke umgepackt hatten, mussten wir die gleiche Strecke (120 km)  nach Accra zurückfahren, weil unser nächstes  Ziel in der anderen Richtung lag. Also setzten wir uns an den Straßenrand, bis uns wieder ein Tro- Tro mitnahm. Diesmal hatten wir auch schon die 1. Panne. Ein Reifen musste gewechselt werden. Alle stiegen ohne Murren aus, suchten irgendwo Schatten, bis es wieder weiter ging. Auch musste der „mate“ die Seitentür an der er saß, festhalten, dass sie nicht heraus fiel. In Accra zurück, mussten wir ein Tro- Tro Richtung Westen suchen. Unser Ziel war  * Cape Coast, am Meer, einer der Haupthandelspunkte vergangener Zeiten an der Goldküste.

Dort besichtigten wir eine der wichtigsten Sklavenburgen, die es im Süden Ghanas, entlang der Küste gibt. In den Sklavenburgen wurden die aus Westafrika eingefangenen Sklaven zusammen getrieben und in unterirdischen Kerkern unter unmenschlichen Bedingungen bis  zu ihrem Abtransport nach Mittelamerika gefangen gehalten. Es gab getrennte Männer und Frauenkerker.

Anschließend fuhren wir weiter nach         * Elmina Castel, wo noch eine der Sklavenburgen steht. Da Cape Coast und Elmina direkt am Meer liegen, konnten wir auch das Treiben in den Fischervierteln erleben, was „Afrika – pur“ bedeutet.

Auf engstem Raum leben viele Familien in Hütten dicht gedrängt. Die Männer sind mit Bootsbau, Fischen, Netze reparieren beschäftigt. Die Frauen verarbeiten den frisch gefangenen Fisch wie: rösten, räuchern auf runden  Tonöfen oder sonnentrocknen. Die zubereiteten Fische werden in Kopfläden oder auf dem Markt angeboten. Inmitten des Treibens gibt es noch die vielen Kinder, jede Menge Tiere (Ziegen, Hühner, kleine Hunde, kleine Katzen), die in einem friedlichen Miteinander zusammenleben. Man erkennt die Kinder, die zur Schule gehen, an der ‚Schuluniform. Es gibt aber auch ärmere Kinder, die zu Hause mithelfen müssen, auf ihre kleinen Geschwister aufpassen oder schon Waren anbieten müssen. Aber alle sind fröhlich und lachen die Fremden an. Zu uns Weißen rufen sie „burunie“ und freuen sich, wenn man ihnen zuwinkt, mit ihnen lacht oder sie ein Stückchen an der Hand führt. Viele rufen uns „How are you“ zu. Die größeren Jungen wollen immer wissen, wie man heißt, woher man kommt und wenn sie Deutschland hören, wollen sie gleich die ganze Adresse.

Die Tiere der Familien werden im Normalfall nicht gefüttert. Sie laufen überall herum, suchen sich Abfälle und fressen den Unrat aus den Straßengräben. Alle besagten Tiere sind wesentlich kleiner und zierlicher als bei uns. Die Familien haben ihre Tiere mit Bändchen gekennzeichnet oder mit Farbe angesprüht (z. B. rosafarbenes Huhn), um sie auseinander halten zu können und sie vor Diebstahl zu schützen.

Nach unserem Rundgang setzten wir uns in eine „chop – bar“, tranken Fanta und aßen die am Straßenrand gekauften Koliko. Da sagte Michael: „Da lachen gerade 2 Leute über dich. Du isst mit der linken Hand. Das tut man hier nicht. Man isst mit der rechten und mit der linken putzt man sich den Hintern“. Naja, aß ich eben mit der rechten Hand weiter.

 

Unser nächstes Ziel war      * Takoradi, wo wir am Abend einen Zug  (Schlafwagen) buchten. Von Takoradi – ebenfalls am Meer gelegen – ging unsere Fahrt Richtung Norden ins Landesinnere in das 270 km entfernte    * Kumasi. Auf unserer Fahrt fuhren wir durch dichten, tropischen Wald, und an vielen Dörfern und früheren Goldgräberstädten vorbei. Auf einem entgegenkommenden Güterzug sahen wir gefällte Urwaldriesen. Für die 270 km lange Strecke brauchten wir fast 17 Stunden, weil jede Menge Waren an den Stationen verladen wurden. Auf dem Bahnhof standen Paletten mit tausenden von Hühnereiern. Die Waggons waren übrigens in Deutschland, in Görlitz gebaut. Der Zug kam in Kumasi, mitten im größten Markt Westafrikas an. Hier wird in Blechdachbuden in riesigen Mengen alles angeboten, was man sich denken kann. Mir ist besonders die „second hand“ Ware aus Europa aufgefallen. Es gibt dort Frischfleisch, angefangen von Ochsenköpfe, Ochsenschwänze, Geflügel über Gemüse, Fische, lebende Weinbergschnecken, lebende Krebse, Schuhe, Stoffe, Autoreifen, Gaskocher, … einfach alles.

Da dort nichts gekühlt wird, sind die Gerüche sehr vielfältig und stark. Neben den Markthütten gibt es auch gemauerte Markthallen, in denen im 1. Stock Handwerker, Schumacher aber vor allem Schneiderinnen in Nähstuben gleich die bunten Stoffe verarbeiten.

 

Am nächsten Morgen fuhren wir mit einem Intercitybus ca. 5 Stunden weiter nach Norden nach      * Tamale. Als wir gegen 13.00 Uhr dort ankamen, war gerade Mittagsgebet der muslimischen Bevölkerung. In den Moscheen und sogar auf Gehwegen beteten reihenweise die Menschen kniend auf ihren Gebetsteppichen. Nachdem wir den Anschlussbus, ein überfüllte Tro- Tro gefunden hatten, ging es Richtung Nord – West weiter. Zum ersten Mal fuhren wir über Sandpisten an vielen Rundhüttendörfern vorbei. Überall steigen Leute mit Waren ein und aus. Wir sitzen zu 5. vorne auf einem Kasten über dem Getriebe welcher immer heißer wurde, desto länger wir fuhren.

In einem Lehmhüttendorf namens     *  Larabanga steigen wir aus. Hier hat der Dorchef ein „Hotel“, wo wir übernachten. Dass Haus, ein Lehmgebäude mit mehreren Zimmern, mit Strom, der aber an diesem Tag ausgefallen ist. Die Dusche, ein kleiner Raum, mit Abflussloch in der Wand, die Toilette, ein Loch im Boden. Als Waschwasser gibt es Regenwasser und davon nicht mehr viel. Trinkwasser kann man im Dorf als Beutelwasser kaufen. Es gibt eine Speisekarte, die Hausfrau kocht für uns. Die Zimmer haben flache Dächer und unser Wirt empfiehlt, auf dem Dach zu schlafen, was wir auch tun. Es ist fast Vollmond. Mit uns sind noch 3 Schweizer angekommen.

6 km weiter ist der    *  Mole – Nationalpark mit richtigem Hotel. Aber wir entschieden hier zu bleiben, um am nächsten Tag mit gemieteten Fahrrädern die 6 km zum Park zurück zu legen. Wir wollen Badesachen mitnehmen, weil es im Hotel einen Swimmingpool gibt, das möchten wir uns doch gönnen.

Die Nacht unter freiem Himmel wird nicht sehr lang. Abends war noch Totengetrommel, morgens um 5 Uhr schreien Hähne und Ziegen und die Menschen beginnen auch schon mit der täglichen Arbeit, die ersten Busse und LKWs kommen mit lautem Gehupe und der Gebetsrufer schreit. Um 6 Uhr fahren wir dann mit den Fahrrädern zum Mole. Noch nicht am Ziel angekommen, sehen wir 2 Elefanten direkt neben uns am Straßenrand. Vom Swimmingpool des Hotels aus sieht man das Wasserloch, in dem die Elefanten baden. Wir nehmen an einer 2-stündigen Führung durch den Busch teil. Am See sitzend beobachten wir, wie gerade 28 Elefanten darin baden, sehen Warzenschweine, Antilopen und ein paar Affen. Hier gibt es plötzlich jede Menge Weiße: Amerikaner, Holländer, Deutsche, Schweizer. Nach dem Mittagessen und Baden im Pool fahren wir mit den Rädern zurück zu unserem Dorfchef. Der hat heute viele Besprechungen mit wichtigen Einheimischen. Wir verbringen noch eine Nacht dort, wo wir aber durch ein Gewitter vom Schlafplatz auf dem Dach vertrieben werden.

 

Die Nacht endet um 4.30 Uhr, weil wir mit dem Linienbus (diesmal ein richtiger) um 5 Uhr nach Tamale zurückfahren. Dort suchen wir ein Tro- Tro, das uns ganz nach Norden, nach  *  Paga, der Grenzstadt zu Burkina Faso fährt. In Paga gibt es einen See mit ca. 200 Krokodilen. Man bezahlt Eintritt und den Preis für ein Huhn. Mit dem Huhn wird 1 Krokodil aus dem Wasser gelockt und gefüttert. Danach kann man es für Fotos am Schwanz anfassen.

 

Nach diesem Erlebnis geht es wieder zurück Richtung Süden. In    * Bolgatanga übernachten wir in einem Gästehaus der kath. Mission. Am nächsten Morgen bringt uns ein Taxi zu den   *  Tongo – Hills.

Tongo – Hills liegt, wie der Name sagt, in den Bergen. Es gibt dort viele aufeinander liegende, abgerundete Riesensteine, eine bizarre Felslandschaft. Außerdem gibt es einen Volksstamm, der wie vor hunderten von Jahren in Rundburgen lebt. Der Häuptling hat 7 Frauen und 30 Kinder. Die Rundburgen sehen wie Gehöfte aus mit mehreren Zimmern, Innenhof, „Küche“, „Dusche“, die mit einer Mauer umschlossen sind. Wenn man durch die Burgen geht, kommt man sich vor, wie in einem Labyrinth.

Das amerikanische Peace – Corps unterstützt dieses Dorf seit Jahren, auch mit der Idee als Touristenattraktion Eintritt zu verlangen. Es gibt dort ganz moderne Solaranlagen zur Stromversorgung, sogar Straßenlaternen stehen zwischen den Burgen.

Danach geht’s noch mal zurück nach        *  Tamale, wo wir übernachten und Michael verzweifelt versucht, seine Fotos auf eine CD brennen zu lassen, um neue Bilder machen zu können. Aber es klappt nicht und wir müssen aufbrechen in Richtung      *  Volta –Stausee, wo wir eine 400 km lange Strecke zurück legen wollen.

Der Volta – Stausee wurde 1965 gebaut. Damals war er der größte Stausee weltweit. Heute ist er immer noch der 6. größte. Die weiße und schwarze Volta wurden aufgestaut und dienen der Elektrizitätsgewinnung und Bewässerung. So hat ganz Ghana eine Stromversorgung und es wird auch noch Strom nach Togo und Benin verkauft.

 

Yapei – Queen, Schifffahrt auf afrikanisch!

 

Aber zuerst mussten wir die Anlegestelle erreichen. Wieder ging es über Sandpisten zu einem Dorf namens      *  Salaga. Da es schon Nachmittag war, hatte man uns vorher gewarnt, dass es dort kein Anschluss – Tro- Tro geben wird. So war es dann auch, aber es gab noch mehr Einheimische, die auf die Weiterfahrt warteten. So setzten wir uns zu ihnen, auf unsere Rucksäcke im staubigen Sand und warteten. Da wir mitten auf dem Dorfplatz waren, konnten wir in Ruhe das Geschehen beobachten. Die älteren Männer des Dorfes saßen für ein Pläuschchen zusammen. Sie trugen bunte lange Hemden, ähnlich den Herrennachthemden bei uns und bunt bestricke kleine Käppchen. In dem Dorf gab es jede Menge Fahrräder, Mopeds und Geländemotorräder. An der Bekleidung der Menschen sah man, dass es ein muslimisches Dorf war. Auch trugen Frauen Kopfbedeckung. Das Erscheinungsbild war ganz gemischt von ganz arm, schmutzig und zerlumpt bis ganz modern und supergestylt. Entlang der Straße gab es kleine Läden und Kinder boten auf ihren Kopfläden Eßbares, Wasser und Säfte an. Hotel oder ähnliches gab es nicht. Wir saßen da und ich schaute mich um, auf welche Ladentheke wir uns in der Nacht legen könnten.

Auf einmal kamen mehrere LKWs angefahren, für deutsche Verhältnisse unmöglich. Die LKWs hier sehen aus wie große Trucks aus Amerika mit überhöhter Ladefläche. Sie sind immer zum Brechen vollgeladen, aber damit nicht genug: obendrauf sitzen noch die Menschen. An diesem Abend kamen sie wohl irgendwoher vom Markt. Es kletterten zig Menschen an den hohen LKWs herunter, Männer, Frauen mit und ohne Baby auf dem Rücken. Es war unbeschreiblich. Nachdem die meisten herunter geklettert waren, wurde abgeladen, alles wurde erstmal mitten auf den Dorfplatz gelegt. Yams, große, schwere Säcke, Körbe, Schüsseln usw. Plötzlich hieß es, es gibt ein Tro- Tro zu unserem nächsten Ziel, das Ufer des    *  Volta – Stausees.

Uns Weißen sagte man diesmal, wir sollen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Ich sah dann auch warum: das Auto war dermaßen überfüllt. Erwachsene und Kinder wie in eine Sardinenbüchse gepresst. 3 Ziegen, unsere Rucksäcke, Körbe und Säcke wurden aufs Dach geladen. Vielleicht saßen auch Menschen oben, ich konnte nur die sehen, die sich seitlich und hinten drauf stellten und festhielten. Man muss sich dazu die Straße vorstellen. Es sind im Grunde breite Feldwege mit tiefen Schlaglöchern, ausgewaschene Querrillen, über die dann losgeholpert wird. Wir kamen an mehreren Siedlungen vorbei, wo Ladung und Menschen reduziert wurden.

Mittlerweile war des dunkel geworden und mitten im afrikanischen Busch gingen die Ortslampen an. An den Haltestellen waren es immer 5 – 6 gelbe Lampen. Schließlich kamen wir im Dorf an, in dessen Nähe uns eine Fähre zum anderen Ufer des Volta – Stausees bringen sollte. Das Tro- Tro fuhr zum Fähranleger, alle stiegen aus, aber Fähre war keine zu sehen. Alle warteten wie immer geduldig. Nach einer ½ Stunde hieß es, dass heute keine Fähre mehr fährt. Alle mussten bis zum nächsten Morgen warten, auch die 3 Ziegen auf dem Dach des Tro- Tro.

Ich wartete auch, während Michael mit Männern des Dorfes wegging, um einen Fischer zu fragen, ob er uns mit einem Fischerboot übersetzen könne. Es dauerte 1 Stunde bis er wieder kam. Inzwischen hatte schon jemand Mitleid und bot mir sein Haus zum Schlafen an, aber ich sagte, ich müsse hier auf meinen Sohn warten. Michael kam dann mit der Nachricht, dass uns 2 Fischer mit „menpower“ (Paddel) an das andere Ufer zum Schiffsanleger bringen würden. Also fuhren wir gegen 21 Uhr mit einem Fischerboot los. Es war gerade Vollmond. Das Wasser glänzte im Mondschein und links und rechts der Fahrrinne ragten Baumstümpfe, zum Teil noch mit Ästen aus dem Wasser. Die Fischer erzählten uns, dass hier früher ihre Reisfelder waren und wo früher die Straße verlief, bevor der Stausee geflutet wurde.  Gegen 22.45 Uhr stiegen wir glücklich am anderen Ufer aus. Nun konnten wir gleich auf unser Schiff, die „Yapei Queen“, das in der Nacht um 3 Uhr ablegte und wir ohne die Hilfe der Fischer nicht mehr erreicht hätten. Es fährt nämlich nur 1 mal in der Woche.

 

Da alle Beförderungsmittel in Afrika für Waren und Menschen gleichermaßen gebraucht werden, so auch dieses Schiff. Beim Hereinkommen über die Ladefläche sahen wir riesige Kisten in Reihen aufgestapelt, in denen sich schon Männer , Frauen und Kinder zum Schlafen hingelegt hatten. Am nächsten Morgen sollten  wir dann sehen, für was diese Kisten bestimmt waren. Das Schiff hielt an einer Anlegestelle, wo viele viele Menschen warteten. Dazu noch LKWs und jede Menge Ladung, die mit dürrem Gras abgedeckt war. Weil das Ufer zu seicht war, (der Pegel des Stausees schien 2 m niedriger zu sein, als normal) konnte die Yapei Queen nicht ganz am Ufer anlegen und so wurden Tonnen von Yams per Handarbeit verladen. Die Yams – Knollen wurden am Ufer in große Schüsseln gelegt, die die Frauen auf dem Kopf durch das knietiefe Wasser auf das Fährschiff trugen. Dort wurden die Knollen lageweise immer mit etwas Gras dazwischen in die großen Kisten, in denen nachts die Menschen geschlafen haben, eingelagert. Das Ganze dauerte 3 Stunden bis das Schiff weiterfuhr.

An der nächsten Anlegestelle das gleiche, Dauer 3 Stunden. Außer Yams wurden Säcke mit Holzkohlen,  (hier wird mit Holzkohlen auf ganz kleinen Ofen, ähnlich einem kleinen Grill gekocht) Fisch, Orangen, 3 Ochsen, Ziegen, Hühner und ein Hahn an Bord gebracht. Diesmal konnte man genau unterscheiden, welche die "Mamas“, die Geschäftsfrauen und Händlerinnen waren. Sie überwachten alles, während junge Mädchen, junge Frauen mit Babys auf dem Rücken und junge Burschen wie im Akkord die Ware herbei schleppten. Andere junge Männer schichteten wieder die Knollen auf. Die Afrikaner können auf dem Kopf wesentlich schwerere Lasten tragen, als mit beiden Armen. Beim Absetzen der Lasten hilft immer ein Zweiter dazu. Auf jeden Fall sind es die Frauen, die die Geschäfte machen. Die meisten Männer treten nicht so sehr in den Vordergrund.

Noch einmal musste das Schiff anlegen. Es wurde schon dunkel. Diesmal kam der Gabelstapler zum Einsatz, den unsere Yapei – Queen dabeihatte. Die drei hintersten Kisten des Laderaumes waren leer und diese mussten raus aufs Land. Also transportierte der Gabelstapler bei Scheinwerferlicht alle Paletten die davor standen, zur Seite bzw. aufs Land. Nachdem die leeren Kisten draußen waren, wurden die vollen auf engstem Raum geladen. Der neu geschaffene Raum diente neuer Ladung, Dauer ca. 5 Stunden.

An Land waren Stände aufgebaut, wo man sich mit Essen und Trinken versorgen konnte. Auf den Decks wurde es nun sehr eng für die Nacht. Überall auf Sitzbänken und auf dem Boden hatten sich Menschen zum Schlafen hingelegt. Um 23 Uhr legte das Schiff ab, es war jetzt übervoll und fuhr die 18 Stunden bis zum Staudamm

in    *  Akosombo ohne Zwischenstopp durch. Wir haben in 38 Stunden an Bord ca. 400 km zurückgelegt.

 

 

Ghanas Frauen

Das Aussehen und die Lebensart vieler afrikanischer Frauen faszinierte mich besonders. Es war super interessant, sie zu beobachten, wie sie sich kleiden, bewegen und ihre Kinder versorgen. Sie tragen den Kopf kerzengerade, balancieren darauf alles, was man sich denken kann und am Rücken , in ein Tuch gebunden, ihr Baby. Sie sind sehr selbstbewusst und die, die es sich leisten können, sind sehr chic angezogen mit Kostümen, langen Röcken, schönen Oberteilen und traditionellen Kleidern. Aus ihren Haaren lassen sie oft die reinsten Kunstwerke direkt am Straßenrand machen (eingeflochtene Kunsthaare zu Zöpfen, Bändchen, Farben). Viele lassen sich die Haare glatt machen oder lassen sich glatte Kunsthaare nach europäischem Vorbild einknüpfen. Die Kleinsten haben oft schon viele Zöpfchen mit eingeflochtenen Bändchen und Perlen. Zum Thema Kinder fällt mir auf, dass sie in überfüllten Tro- Tro’s stundenlang ohne zu weinen einfach bei ihrer Mutter sitzen, die sich nicht sonderlich mit ihnen beschäftigt, alles über sich ergehen lassen. Viele Mütter haben an der Straße ihre Arbeit. Sie bieten Waren feil, hauptsächlich Essen und Trinken, Fufu (=gekochte Yams), Koliko (=gebratener Yams), Reis mit Bohnen, gek. oder gebratener Mais.

Ihre Kinder sind immer dabei, entweder am Rücken oder sie sitzen daneben. Größere Kinder aus armen Familien , die nicht zur Schule gehen können, müssen der Familie zum Erwerb des Lebensunterhalts dazu helfen. Oft stehen sie an Kreuzungen mit Ampel oder an Staus und bieten ihre Waren an.

 

Währung

Die Währung in Ghana ist der Cedi, wird meist in Hunderter oder Tausender gerechnet. Ein Beutelwasser kostet zwischen 250 – 400 Cedis, das entspricht umgerechnet nichteinmal 3 Cent. Geldbeutel kennt man hier kaum. Die Tro- Tro – Fahrer haben immer ganze Geldbündel in der Hand, die sie während der Fahrt zählen. Die Händlerinnen benutzen meist ein großen Taschentuch, in das sie das Geld einknoten. Dieses sieht aus wie ein Herrentaschentuch und dient gleichzeitig als Schweißtuch.

 

Religionen

Der Süden Ghanas ist überwiegend christlich orientiert: Katholiken, Protestanten, verschiedene spirituelle Gruppen. Man hört dort viel Musik mit christlichen Texten im Samba – Rhythmus aus dem Radio. Die Gottesdienste sind mit Liveband und Sängern. Es wird geklatscht, gesungen und gelacht. Am letzten Tag erlebte ich eine Beerdigungsfeier. Das war ähnlich wie bei uns bei einer Disco. Es waren alle sehr chic in den Farben weiß- schwarz, man tanzte zu sehr lauter Musik, aß und feierte im Dorfzentrum.

Ab der Mitte nördlich gibt es viele Moslems. Wir sahen viele Lehmhüttendörfer mit Moscheen, welche sich durch ihren gelben Anstrich sehr von den Lehmbauten abhoben. Jede Moschee hat einen Halbmond mit Stern als Zeichen.

Außerdem gibt es noch die Anhänger von Naturreligionen.

 

Rauchen

In Ghana raucht fast keiner. Ganz selten gibt es Zigaretten für Touristen.

 

Müllproblem

Da es in Ghana sehr warm ist, braucht man viel zu trinken, An jeder Straßenecke bzw. auf vielen Kopfläden gibt es gekühltes Beutelwasser zu kaufen. Es sind kleine Plastikbeutel, in die 0,5 l –Wasser eingeschweißt  sind. Da das „pure water“ sehr billig ist, kaufen es auch die Einheimischen. Man beißt die Ecke auf und trinkt es, meist gleich leer. Den Beutel lässt man fallen, wo man gerade geht. Wenn man pro Person/Tag 5 Beutel rechnet, kann sich jeder vorstellen, wie viele Beutel überall herumliegen. Auch wird alles, was man kauft, in dünne schwarze Plastiktaschen gesteckt. Diese lässt man ebenfalls fallen, wenn sie leer sind. Straßen und Wege sind gesäumt von Plastiktüten. Selbst ganz im Norden, wo das Gras schon braun und steppenähnlich ist, sieht es besonders hässlich aus, wenn überall Tüten ausgesät sind. Die schwarzen Tüten hängen auch oft, vom Wind hoch gewirbelt, in Zäunen und Bäumen. Ich konnte zusehen, wie ein Hotel – Boy den Müll, den wir ordentlich auf dem Tisch zurückließen, einfach über die Mauer auf die Straße warf.

 

Vegetation

Ghana ist ein überwiegend grünes Land. Die Vegetation ist im Süden üppig, die Menschen leben hier vom Fischfang und Handel. Es gibt Bananenstauden, Kokospalmen, Ölpalmen, Teak. In der Mitte Ghanas überwiegt die Landwirtschaft, man sieht viele Traktoren. Mais, Maniok, Erdnüsse, Yams werden angebaut. Außerdem ist Ghana reich an Bodenschätzen. Die wirtschaftliche Lage ist besser als in den meisten westafrikanischen Ländern.

 

Schlussbemerkung

Die Menschen in Ghana sind überwiegend sehr freundlich. Sie sind sehr geduldig und lassen vieles über sich ergehen, z. B. die Fahrten in den Tro- Tro’s eng zusammengedrängt bei großer Hitze, geduldiges Warten ohne Murren. Sie singen gerne und hören noch lieber Musik, lateinamerikanische, karibische Samba – Rhythmen.

Auf unserer Fahrt durchs Land sahen wir die verschiedensten Schilder, die auf  Entwicklungshilfe – Projekte hinwiesen. So z. B. in einem muslimischen Dorf im Norden überraschenderweise ein Projekt aus dem Iran.

An die sanitären Einrichtungen kann man sich nur schwer gewöhnen. Besonders schlimm sind öffentliche Toiletten in den Städten.

 

Ansonsten wird meine Reise nach Ghana für mich ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

 

 

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