11. Monatsbericht aus Togo
Die Sonne scheint wieder
Denn die Regenzeit im Norden Togos ist endlich vorbei! Nach täglichem, stundenlangem Regen vorallem im Monat August ist die drückende Wolkendecke endlich aufgebrochen und lässt die Sonne wieder strahlen. Durch den enormen Regen stieg die Luftfeuchtigkeit wieder so extrem an, dass innerhalb weniger Wochen alles verschimmelt und versport ist, was nicht ständig bewegt oder gelüftet wurde. In meinem Zimmer lag die Luftfeuchtigkeit, durch den ungünstigen Bau und fehlender Fenster bedingt, immer zwischen 85 und 95 %!!
Und nochmal von vorne ...
Doch auch über meinem Arbeitsplatz lacht wieder die Sonne. Nachdem ich mich wieder etwas von dem Plan-Luxus verabschiedet hatte und zu einer Gastfamilie ganz zurück nach Togo gezogen bin, konnte ich anfangen mit der Arbeit. Ein letztes Problem stellte nur noch die Materialbeschaffung dar: Während ich in Kpalimé selbst durch die Stadt ging und mir die benötigten Materialien mal hier, mal dort mitnahm, fiel das hier nicht mehr in meinen Aufgabenberich. Hier gibt es andere Angestellte, die das nach folgendem Muster übernehmen: „Ich brauche das und das und etwas, was so aussieht..., wo du das herbekommst interessiert mich nicht..., ich komm morgen wieder und hole es ab!“
Aus dem Morgen wurde über eine Woche und letztendlich war ich dann doch selber vor Ort und erklärte z. B. dem Schweißer, was ich überhaupt wollte, und dass die Säge das und das nicht braucht und man auch hier und da etwas vereinfachen kann...
Mit den Laubsägen, welche im Endeffekt sogar besser als das Original waren, war dann auch das wichtigste Werkzeug fertig und es konnte endlich mit den Bastel- und Werkkursen losgehen. Den Arbeitsplan, den ich in Lomé erstellen sollte, konnte ich natürlich nichtmehr einhalten, aber das war (mir jedenfalls) von Anfang an klar. In der Zwischenzeit war auch ein Werkzeugnachschubpaket aus Deutschland, welches mir meine Mutter von Spendengeldern schickte, eingetroffen. Es beinhaltete hauptsächlich weitere Sägen und Sägeblätter.
Nachdem von unzählign Interessenten einige Arbeiter ausgewählt wurden, stellten wir uns im kleinen Kreis vor; mein Name wurde zu „Tonton Michael“, dem Onkel.
Letztendlich arbeitete ich mit drei Gruppen à zehn Personen, wovon zwei Gruppen aus Erwachsenen bestanden, welche die Kurse nach meinem Aufenthalt fortsetzen sollen. Die andere Gruppe waren Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, größtenteils puppertierende Mädchen, was die Arbeit nicht unbedingt leicht, dafür aber umso abwechslungsreicher und lustiger machte; so kamen am Markttag in der Pause z.B. Schuhe und Unterwäsche auf die Werkbank und wurden untereinader ausdiskutiert und verkauft...
Bei den Erwachsenengruppen musste ich erst darauf hinweisen, dass ich jetzt der Lehrer bin, wobei sich einige doch recht schwer taten. Auch schwer taten sich einige der alt eingesessenen Theoretiker damit, jetzt praktisch zu arbeiten und, da Hefteinträge jetzt im Hintergrund stehen, dementsprechend auch eine andere Kleiderwahl getroffen werden sollte (Achtung: Holzspäne, Kleber, Lacke, Farben...). Vielen wäre es lieber gewesen, stundenlang etwas von der Tafel abzuschreiben, wie einfach mal die Säge in die Hand zu nehmen, die Technik zu begreifen, und sie mit eigenen Worten ins Heft zu schreiben.
Bei der Selbstständigkeit gab es bei beiden Gruppen enorme Probleme, vermehrt aber tatsächlich bei den Älteren.
Wir arbeiteten Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.00 und von 15.00 bis 17.30, was für afrikanische Verhältnisse ein wirklich langer Stundenplan ist; auch ich war zu Beginn leicht überfordert und war eigentlich nur zum Schlafen und Essn zu Hause. Da ich hier aber nur zwei Monate hatte und es eine Menge zu zeigen gibt, arbeiteten wir die letzten Wochen auch vermehrt die Samstage durch. Dennoch war der Kurs eher ein Crashkurs! Wir hatten eine Menge Ideen, es fehlte uns aber hinten und vorne an Zeit, um mehr als nur die Grundtechniken zu studieren!
Nachdem alle den Umgang mit der Laubsäge und Sperrholz begriffen hatten, fingen wir mit einfachen Puzzlen an, z.B. Schlangen, Schmetterlinge, Elefanten, ... die in verschiedene Teile zersägt wurden. Anschließend konnte sich jeder ein Motiv auswählen, wovon die meisten die Togolandkarte wählten, wobei die einzelnen Puzzleteile die Regionen und Unterregionen darstellten.
Nach den Puzzles haben wir die Technik für Klettertiere gelernt: wir bastelten z.B. einen Schmetterling, der zu einer Blume fliegt, eine Maus, die zu einem Apfel klettert um ihn zu Essen, oder einen Mann, der auf eine Palme steigt, um Kokosnüsse zu ernten.
Auch kann jetzt jeder ein Kugellabyrinth selbstständig herstellen, wobei die Schwierigkeit hier mehr beim Verkleben der vielen Teile liegt, als beim Sägen.
Ähnlich ist es beim „Klipp-Klapp“, einer Holzschlange, welche sich ständig zu verlängern scheint. Da hier noch nie jemand dieses Spielzeug zuvor gesehen hatte und „Klipp-Klapp“ mehr als nur langweilig klingt, nannten meine Kinder es die „Magie Allemande“ (Deutsche Magie).
Recht entspannend im Vergleich zu den Holzarbeiten welche aufrund ihrer Funktionalität doch recht genau hergestellt werden mussten, empfanden viele die Arbeit mit Pappmasche (zu irgendetwas muss die „freie“ Togopresse ja brauchbar sein!). Als wir stapelweise die Togopresse zerkleinerten haben uns alle Vorbeikommenden recht schräg angeschaut und gefragt, was uns denn einfällt! Als wir aus dem Schnippselbrei dann Tiere wie Lezarde, Kröten, Schlangen, oder auch kleine Püppchen oder Früchte modellierten, waren die Leute begeistert. Diese Arbeit war aber eher ein Reinfall, da die großen Gegenstände selbst nach vier Tagen Trockenzeit aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit immernoch klatschnass waren; dennoch ergaben sich ein paar sehr schöne Modelle.
Besser lief es mit Masken oder Fischen aus Pappmasche, welche als Grundgerüst einen Luftballon haben und deshalb weniger Schichten des Papierbreis benötigen und schneller trocknen.
... dieses Mal mit Erfolg!
Ca. in der Hälfte meines Aufenthaltes besuchte uns einmal die Chefin von Plan-Togo, redete mit den Kindern und ließ sich von ihnen ihre Arbeiten zeigen und erklären. Sie war positiv überrascht und mit uns sehr zufrieden; auch sie kannte die „Magie Allemande“ noch nicht und war sehr davon angetan. Sie teilte uns mit, dass Plan versuchen wird, die Kurse nach meiner Abreise entweder an Schulen als eine Art Technikunterricht, oder an einem Zentrum, wahrscheinlich dem CEFRET, fortzuführen. So können auch in Zukunft andere Kinder spielerisch gefördert werden und sich beispielsweise für die Freizeit einfache Spiele zum Zeitvertreib herstellen. Desweiteren könen die Schulen selbst ihre eigenen Materialien für den Untericht herstellen, so z.B. für den Geographieunterricht Togokarten mit den ganzen Regionen, Afrikapuzzle mit allen Ländern, aber auch Mehrschichtpuzzle mit dem Aufbau des menschlichen Körpers für den Biounterricht, Skelette aus Holz ...
Wie gesagt, Ideen waren zu hauf vorhanden, nur eben die Zeit nicht!
In der zweiten Septemberwoche fand am CEFRET ein Fest statt, an dem jeder der dort tätigen Lehrer seine Arbeiten vorstellte, auch wurden Sketche aufgeführt, in denen auf das heutige „moderne“ Leben, auf Gleichberechtigung der Geschlechter und Kinderrechte ... aufmerksam gemacht wurde. Zu diesem Fest waren außer den ortsansässigen Direktoren und Bürgermeister... auch wieder die Plan-Togo-Cheffin geladen, auch der Plan-Regionalchef für ganz Westafrika kam aus Senegal zu einem Besuch vorbei.
Dieses Fest wurde eröffnet mit einer Ausstellung von den hergestellten Gegenständen meiner Gruppen. Das Fest war ein voller Erfolg! Außer den geladenen Gästen, welche alle sehr begeistert von all den verschiedenen Sachen waren, war auch das togolesische Fernsehn TVT vor Ort, sowie einem „freien Mitarbeiter“ von TV5! An diesem Abend schüttelten mir mindestens 20 „wichtige“ Personen die Hand und gratulierten mir zur Ausstellung und fragten mich nach der Zukunft des Projektes in Sotouboua, ob ich denn nicht verlängern möchte. Diese Frage darf ich mir bis heute fast täglich von den unterschiedlichsten Leuten anhören.
Ich hatte bei meiner Arbeit mit den verschiedenen Gruppen zwar eine Menge Spaß und meine Schüler waren auch richtig interessiert und wollten ständig neue Sachen lernen, so dass ich mir ein Fortsetzen meiner Arbeit gut vorstellen konnte, da ich aber nach dem doch etwas turbulenten Jahr erstmal nach Hause möchte und mich schon fest darauf eingestellt habe, habe ich dankend abgelehnt. Über eine eventuelle Zusammenarbeit in Zukunft bin ich allerdings nicht abgeneigt und so haben wir die großen Semesterferien im kommenden Jahr ins Auge gefasst, in denen ich eventuell wieder nach Togo kommen und meinen Unterricht fortsetzen kann!
Da man hier aber nicht bis nächstes Jahr warten möchte, wird gerade eine Projektbeschreibung verfasst, welche an das Bundesamt für Zivildienst nach Deutschland weitergereicht wird und somit meine Stelle für weitere Zivildienstleistende in Zukunft anerkannt wird!!!!
Damit wäre also endgültig der erste Schritt getan und wenn alles gut läuft kann schon bald der nächste Zivi nach Togo kommen und die Arbeit hier fortführen; ein kleines Werkzeuglager ist jetzt ja bereits aufgebaut. Nach all den Anlaufschwierigkeiten in Kpalimé hat es also doch noch geklappt; gerade noch rechtzeitig.
Nach den großen Feierlichkeiten am CEFRET ging meine Arbeit ganz normal weiter, nur dass jetzt ein weiterer Interessent der Gruppe folgte: ein Kameramann! Zwei Tage lang begleitete und beobachtete er uns mit seiner Kamera bei der Arbeit und filmte mal hier und da. Schon ein seltsames Gefühl! Hier ist (mit etwas Unterstützung) eben alles möglich!
Seit dem 19. September hat in Togo wieder die Schule angefangen und ich habe meine Arbeit am vergangenen Wochenende erstmal eingestellt, da ich noch einiges an Vorbereitungen für meine Abreise treffen muss; mir bleiben nichteinmal mehr eineinhalb Wochen hier in Togo! Diese Zeit werde ich noch etwas genießen und einige Freunde und Bekannte in Kpalimé und Lomé besuchen, bevor es Abschiednehmen heißt und es züruck ins kalte (schwarze?) Deutschland geht.
In diesem Sinne, bis bald...