
WAS
IST AKIM ?
Ähnlich wie die „Lebenshilfe“ in Deutschland ist AKIM eine landesweite Elternvereinigung in Israel, die 1951 gegründet wurde, um sich für die Rechte geistig behinderter Menschen einzusetzen. Der Name „AKIM“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Bezeichnung der Organisation zusammen: agudah lekimum jeladim mefagrim (Vereinigung zur Rehabilitation von [wörtl. zurückgebliebenen] Kindern mit geistiger Behinderung). AKIM ist Mitglied in der ILSMH, International League of Societies for the Mentally Handicapped, und AAMR, American Association for Mentally Retarded. Über 50 Ortsgruppen, davon drei arabische Gruppen, sind über das ganze Land verteilt. Sie leisten jedoch nicht alle praktische Arbeit.
AKIM sieht seine Arbeitsschwerpunkte in folgenden Bereichen:
Öffentlichkeitsarbeit
Interessenvertretung gegenüber den Behörden
Elternberatung und Betreuung
Sozialarbeit und Nachsorge
Mitarbeit an gesetzgebenden Maßnahmen und an wissenschaftlichen Untersuchungen, Initiierung und Unterstützung von Werkstätten für Behinderte, Kindergärten und Tagheimen, Wohnstätten für arbeitende Erwachsene, Freizeitgestaltung in Clubs, Ferienlager, Sportveranstaltungen, Organisation von Spendensammlungen
AKIM arbeitet nach der Prämisse „Erziehung und Training seinen Fähigkeiten entsprechend ist das Grundrecht eines jeden Kindes. Die Rehabilitation des behinderten Menschen bedeutet gleichzeitig die Rehabilitation der gesamten Familie”. Die Adressaten der Hilfe werden mit dem Wort „Chevre” angeredet, was übersetzt soviel wie Gesellschaft oder Gemeinschaft heißt und eng verwandt mit dem Wort „Freunde” ist.
AKIM versteht sich nicht als verantwortliche Instanz, die für die Betreuung und Förderung geistig behinderter Menschen zu sorgen hat. Die Elternvereinigung gründete sich vielmehr aus der Unzufriedenheit über die mangelnde staatliche Versorgung behinderter Menschen. Da AKIM die Regierung nicht aus ihrer Verantwortung entbinden will, übt sie Druck auf die Knesset, öffentliche Ämter und kommunale Behörden zur Durchsetzung der Rechte geistig behinderter Menschen aus. AKIM finanziert sich aus den Unterstützungsgeldern, die sie für jeden seiner Bewohner vom staatlichen Sozialministerium erhält. Da diese Gelder jedoch bei weitem nicht für alle Projekte ausreichen, ist AKIM auf die Spenden des In- und Auslandes angewiesen.
Ziel der Elternvereinigung ist es, Pilotprojekte ins Leben zu rufen und bei deren Aufbau behilflich zu sein. Später jedoch sollen die Projekte den verantwortlichen Behörden übergeben werden. So wurden 1962/63 die ersten vier Werkstätten für Behinderte von AKIM aufgebaut. Mittlerweile ist es fast das Zehnfache. Ein Teil der Werkstätten sind privat, manche in der Hand der Gemeinde oder der Öffentlichkeit. AKIM vertritt die Ansicht, dass eine moderne Gesellschaft, wie sie in Israel existiert, verpflichtet ist, sich der Probleme von Menschen mit einer geistigen Behinderung anzunehmen. Daher kämpft die Vereinigung für ein möglichst großes Ansehen behinderter Menschen in der Öffentlichkeit und versucht, auf die Probleme dieser Minderheit aufmerksam zu machen. Dies ist in einem Land mit so komplizierten innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten und mit einer so großen ethnischen und religiösen Vielfalt eine sehr schwierige Aufgabe.

AKIM
ORTSGRUPPE HADERA
- bis1960 Hadera
ist als Kreisstadt gleichzeitig Verwaltungsbezirk in allen
öffentlichen und sozialen Belangen für ein Einzugsgebiet
von 200000 Einwohnern
-
1960 wird die Ortsgruppe AKIM in Hadera, heute etwa 82.000 Einwohner,
von einigen Eltern, die dringend erzieherische Hilfe für ihre
Kinder suchen, gegründet
- 1963 wird in einer alten Militärbaracke eine Werkstätte für Behinderte eröffnet. Nach den drei Großstädten Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa ist dies die vierte Werkstätte im Lande und bietet 50 geistig behinderten Menschen aus der näheren Umgebung einen Arbeitsplatz
- 1974 wird diese Werkstätte der Stadtverwaltung übergeben
- 1978 entsteht das erste Wohnheim für 16 geistig behinderte Menschen ab 20 Jahre
- 1980 wird ein Kindergarten mit 3 Kindergruppen für Kinder im Alter von 2 - 8 Jahren eröffnet
- 1981 Der eröffnete „Moadon“ (Freizeitklub) ist auch für Auswärtige geöffnet. Mittlerweile kommen 100 Besucher
- 1982 Insgesamt 6 betreute Wohnungen werden in den kommenden Jahren eröffnet für gemischte Gruppen
-
1990 Eröffnung der Trainingswohnung.Hier
soll der Wechsel vom Wohnheim in eine Außenwohngruppe
vorbereitet werden. Der Sonderkindergarten wird um
einen Neubau erweitert. Extraräume sind
speziell für
individuelle Therapien ausgestattet
- 1994 AKIM weiht gemeinsam mit der Stadt ein neues Schwimmbad mit Fitnessraum und Cafeteria ein. Es ist für Bewohner und die Öffentlichkeit zugänglich und im Winter beheizt
-
1995 Bezug des neu gebauten Jugendhauses
- 2000 Das Hostel wird um
eine 2. Etage aufgestockt mit behindertengerechter Ausstattung für
älter werdende Bewohner. Das Hostel hat jetzt 40 Plätze
-
2004 Der Kindergarten ist in der Händen und Räumen der
Stadt
- 2006 Eröffnung von 2 Wohnungen mit je 6 Bewohnern in
den Räumen des ehem. Büros und Kindergartens
- 2007 Mit
dem Nachlass der im Tsunami in Thailand verstorbenen Volontärin
Martina Illig wird ein weiteres Schwimmbad für Hydrotherapie
eröffnet, in dem monatlich 400 Anwendungen stattfinden
Was
wird geplant:
- Neuer Gebäudekomplex für älter
werdende Behinderte
- Einrichtung von Kurzzeit- und
Tagesbetreuung
- neuer Club und Bücherei
- Errichtung
einer Tagesstruktur für ältere, nicht mehr in die Werkstatt
gehende Bewohner
Im wesentlichen wurden die Arbeitsfelder, in denen auch Volontäre eingesetzt werden, eben schon erwähnt. Zunächst einmal ist da das Hostel, ein Wohnheim für 40 erwachsene Menschen. Die Bewohner des Hostels arbeiten fast alle in der Werkstätte im Industriegebiet und kehren am Nachmittag zurück. Betreut werden die Hostelbewohner von vier Hausmüttern, von denen tagsüber mindestens eine immer da ist. Bei vielen Arbeiten im Haus und Garten werden die Bewohner mit eingebunden.
Die Adressaten der Hilfe werden mit dem Wort „Chevre” angeredet, was übersetzt soviel wie Gesellschaft oder Gemeinschaft heißt und eng verwandt mit dem Wort „Freunde” ist.
In den Außenwohngruppen leben jeweils 5 - 7 Menschen zusammen, von denen viele einen Arbeitsplatz auf dem freien Arbeitsmarkt haben. Die anderen arbeiten ebenfalls in der Werkstätte. Die Bewohner der Wohnungen versorgen sich weitestgehend selbständig und werden dabei unterstützt und angeleitet von einer Madricha (Betreuerin). In den Außenwohngruppen arbeiten nur selten Volontäre.
Um die zukünftigen Bewohner einer Außenwohngruppe auf das recht selbständige Leben vorzubereiten, hat AKIM in der Nähe des Hostels einen Neubau errichtet, in dem sich drei Trainingswohnungen befinden. Hier werden die Bewohner schwerpunktmäßig in den Bereichen der Orientierung und Sicherheit gefördert. Erst wenn ein Bewohner der Trainingswohnungen in „brenzligen“ Situationen sicher handeln kann, ist die Basis für ein Leben in der Außenwohnung geschaffen. Weitere Förderungsschwerpunkte liegen in den Bereichen des selbständigen Ankleidens, der Körperpflege, Verrichten der Hausarbeiten usw. Angeleitet werden die Bewohner von zwei Madrichot.
In den Nachmittags und Abendstunden macht der „Moadon“, der Freizeitclub, eine Reihe von Angeboten, an denen sowohl die Hostelbewohner als auch die Bewohner der Außenwohngruppen und natürlich auch alle Freunde von außerhalb teilnehmen können. Die Freizeitangebote reichen von Basteln, Singen, Tanzen über Sport und Theater bis zu Computer und Orgelspielen (und sicherlich noch einiges mehr, woran ich mich nicht mehr genau erinnern kann). Die Volontäre, die im Hostel oder in den Trainingswohnungen arbeiten, unterstützen meist auch den einen oder anderen Bereich des Freizeitclubs.
An der Spitze des Personals steht der Direktor, der selbst ausgebildeter Sozialarbeiter ist und diese Funktion auch schon vor seiner Übernahme der Leitungsposition ausgeübt hat. An seiner Seite arbeitet ein professioneller Mitarbeiterstab: Eine Sozialarbeiterin als Fachbereichsleiter, ein Psychologe, ein Psychiater, eine Krankenschwester usw.; außerdem werden Dienste von außerhalb in Anspruch genommen, wie Rhythmik, Sprach- und Reittherapie usw. Eine Mitarbeiterin der Direktion ist die deutsch sprechende Bezugsperson für die Volontäre. In den verschiedenen Wohnstätten von AKIM in Hadera arbeiten Hausmütter und Madrichot. Insgesamt sind vier Hausmütter und 15 Madrichot für die Betreuung der Bewohner zuständig. Außerdem arbeiten noch hauswirtschaftliche Fachkräfte, Reinigungs- und Küchenpersonal, sowie ein Hausmeister bei AKIM.
Kontinuierlich werden Förderprogramme für die Bewohner ausgearbeitet und weiterentwickelt. Auch für die Mitarbeiter werden Fortbildungsmaßnahmen angeboten.
Die Volontäre aus Deutschland (und auch Europa) nehmen einen wichtigen Platz in der Einrichtung ein und unterstützen die Mitarbeiter in vielen Bereichen.
Für die Anliegen der Volontäre hat jeder immer ein offenes Ohr!