Wirtschaftsentwicklung und -struktur
auf Mauritius und La Reunion
Michael Lehmann, Christiana Mühlner
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Mauritius Auf Mauritius hat sich seit den 70er Jahren eine
Umstrukturierung der Ökonomie vollzogen, die das Land in wenigen
Dekaden von einem agrarisch dominierten Entwicklungsland zu einem der
reichstenLänder Afrikas gemacht hat. Dabei war wichtig, dass es
gelang, die ehemalige Abhängigkeit von „kolonialer“
Produktion (Agrarsektor, Zuckerrohr) abzuschütteln. In einem beispiellosen
Modernisierungsprozess rückte stattdessen die Diversifizierung
der Volkswirtschaft in den Vordergrund. Mit einem BIP vom ca. 13.300
$ pro EW (1995) liegt es in einer vergleichbaren Größenordnung
wie Griechenland und Portugal und steht besser da als die meisten Nachfolgestaaten
der ehemaligen Sowjetunion. Die ökonomische Prosperität geht
einher mit einer bemerkenswerten sozialen Entwicklung (Arbeitslosenrate
< 3 % in den 1990er Jahren, Einkommen). Damit zahlt sich die offensive
Reaktion auf die wirtschaftlichen Herausforderungen des globalen Wandels
aus. Die Beziehung zur EU ist eng durch die bestehende Assoziation von
Mauritius. |
Der Inselstaat hat dabei in den letzten Jahren
seinen Anteil der Agrarproduktion am Exportaufkommen deutlich zu Gunsten
der Textil- und High-Tech-Industrie bzw. als internationales Freihandels-
und Bankenzentrum (Lagegunst zwischen Afrika/Asien/Australien) verringert.
Gleichzeitig
erfuhren der (weitestgehend saisonunabhängige) Tourismus sowie
der Export in das südliche Afrika einen großen Aufschwung. Wie bereits erwähnt, nimmt der Zuckerrohranbau
den größten Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche
der Insel an. Davon befindet sich ungefähr die Hälfte |
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La Reunion Das Überseedepartement ist wirtschaftlich abhängig vom Mutterland Frankreich. Die finanzielle Unterstützung, die in den 1960ern dazu diente, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, reißt bis heute nicht ab. Sie ist vielmehr zum Grundpfeiler avanciert. Die soziale und ökonomische Struktur ist heute ohne die finanzielle Unterstützung der EU kaum verständlich. So wurde in der letzten Periode der Strukturfonds der EU um 51% auf 9,22 Mrd. FF erhöht (vgl. Afrika- Jahrbuch 1999, S. 289). Infrastruktur, soziale Absicherung (durch Arbeitslosengeld und Sozialhilfe), medizinische Versorgung etc. entsprechen europäischen Standards, werden aber finanziell von Frankreich gestützt. La Réunion trägt sich wirtschaftlich nicht selbst. Das spiegeln auch die Importe 83,5 % (1998) und Exporte 16,5 % (1998) wieder (vgl. Afrika-Jahrbuch 1998, S. 279). In den letzten 30 Jahren ging die Bedeutung des primären Sektors zurück. Heute ist der Anteil am BIP auf 6 % (1999) zugunsten des tertiären Sektors geschrumpft. 74 % entfallen auf den Dienstleistungsbereich, 20 % auf den sekundären Sektor. Die Beschäftigtenzahlen zeichnen ein ähnliches Bild. So arbeiten heute weniger als 6 % in der Landwirtschaft, dafür aber über 80 % im tertiären Bereich. Nur circa 14 % sind in Industrie und Produktion beschäftigt. |
Primärer Sektor Der Weltmarktpreis deckt dabei nicht die Kosten
der Pflanzer, er wird durch französische Preissubvention erhöht.
Die Zuckerindustrie der Insel steht und fällt mit dem Preis, den
die EU festlegt. Weitere landwirtschaftliche Produkte sind Vanille,
Tabak und Parfümöle, welche aus Geranium und Vétyver
gewonnen werden. Die Bourbon- Vanille und die Parfümessenzen stehen
in Konkurrenz mit den Billiglohnländern der Dritten Welt. Das gilt
auch für tropische, schnell verderbliche Früchte wie Ananas
und Lychees. Außerdem wird zunehmend Obst und Gemüse angebaut,
um die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung zu decken
und den europäischen Markt zu beliefern. |
![]() La Réunion - Landnutzung (Atlas of Mauritius) |
![]() Schlüsselindustrien La Réunions 1997 (Association for the Industrial Development of Réunion – 1997 nach www.webmaster@newafrica.com) |
Sekundärer Sektor Aufgrund des Reliefs sind die Küstenzonen die potenziellen Industriestandorte. In St. Denis und St. Pierre ist außerdem das notwendige Arbeitspotential konzentriert, so dass sich die Industrieansiedlungen vor allem hier befinden. Der Hafen in Le Port bietet die erforderlichen Umschlag- und Transportmöglichkeiten. Der sekundäre Sektor wird von der Nahrungsmittelindustrie dominiert, gefolgt von Baubranche und Stromproduktion. Andere wichtige Zweige sind Metallverarbeitung, chemische und Kunststoffindustrie sowie Druckereigewerbe. Die Rumherstellung, als ein ehemaliges Abfallprodukt der Zuckerverarbeitung, ist heute so ergiebig und lukrativ, dass Rum exportiert wird. |
Tertiärer
Sektor Die folgende Tabelle unterstreicht die Dominanz des tertiären Sektors. Tourismus, Handel und der umfangreiche Verwaltungsapparat stellen ca. 80 % der Arbeitsplätze und des Bruttoinlandprodukts dar. Die Verwaltung entspricht der Frankreichs und wurde mit der Eingliederung in den Staat installiert. Eine stabile politische Situation und soziale Ruhe sind notwendiges Fundament für Réunion. Mit einer regionalspezifischen Politik gelingt es möglicherweise, die Wirtschaft zu stabilisieren. Jedoch müssen neue, einheimische Produkte forciert werden. Allein auf Zuckerrohr und Zucker zu setzen, macht die Wirtschaft stark abhängig vom „Wohlwollen“ der EU. Der sekundäre Sektor spielt auf der Insel nur eine untergeordnete Rolle. Es gilt, diesen zu stärken, um die Abhängigkeit zu Frankreich abzuschwächen. Die finanzielle Fessel zur Metropole (und der EU) lässt die Industrie stagnieren. Der Bedeutungsrückgang in der Landwirtschaft seit den 1960er Jahren und die damit verbundenen Arbeitsplatzverluste gingen mit einem direkten Wachstum des tertiären Sektors einher. Die Investitionen flossen hauptsächlich in die Entwicklung des Tourismus. Dieser spielt heute eine zunehmend tragende Rolle und ist das positive Vorzeigebeispiel. |
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