Tourismus auf Mauritius und La Réunion
Franziska Schmidt

Beide Inseln im Indischen Ozean besitzen ein großes touristisches Potenzial, das allerdings unterschiedlich ausgeprägt ist und auch in unterschiedlicher Intensität genutzt wird. Während auf Mauritius der Badetourismus an schönen Sandstränden vorherrscht, dominiert auf La Reunion der Aktivtourismus im Bereich der Vulkane und Cirques. Die jährlich 558.000 Touristen (1998) sind für Mauritius ein sehr wichtiger, die ca. 400.000 auf La Reunion eher ein randlicher Wirtschaftsfaktor.

Mauritius

Überblick
Der Tourismussektor entwickelte sich auf Mauritius eher spät im Vergleich zu den Nachbarinseln. Der größte Aufschwung fand hier in den 80er Jahren statt mit der Gründung des Mauritius Gouvernement Tourist Office, dem Ausbau des Flughafens und der Einführung von Direktflügen. Der Tourismus ist inzwischen zum drittgrößten Devisenbringer nach der Zucker- und Textilindustrie angewachsen. Dieses Wachstum lässt sich seit Ende der 70er Jahre sowohl in Steigerungen der Touristenzahlen erkennen als auch in den Steigerungen der Devisenumsätze. Der Tourismussektor auf Mauritius ist durch eine hohe Saisonunabhängigkeit gekennzeichnet. Die stärksten Besuchergruppen kommen aus Übersee, vor allem Franzosen und Südafrikaner. Aber auch die ca. 80.000 Besucher von der Nachbarinsel Réunion sind nicht zu vernachlässigen.

Abb. 13/1: Touristen-Entwicklung (Philip`s Atlas of Mauritius))

Abb. 13/2: Herkunftsgebiete der Touristen
Entwicklung der Touristenzahlen und Herkunft der Besucher Die Zahl der nach Mauritius einreisenden Personen stieg von 418.200 im Jahr 1990 auf 915.200 im Jahr 2000. Während 1990 noch 276.000 Touristen gezählt wurden, waren es im Jahr 2000 bereits 602.600, was mehr als eine Verdoppelung bedeutet. Die wichtigsten Herkunftsgebiete der Touristen sind Frankreich, Deutschland, Italien, Réunion, Südafrika und England.


Karte 13/1: Tourismus auf Mauritius ( Atlas of Mauritius)

Entwicklung des Beherbergungsangebotes
Das Beherbergungsangebot nahm ebenfalls wie die Touristenzahlen in den letzten zehn Jahren zu. Die Mehrzahl der lizenzierten Hotels der Insel befindet sich in Karte 13/1: Tourismus auf Mauritius ( Atlas of Mauritius) Küstennähe, die Anzahl dieser Hotels ist in den letzten Jahren um ein Drittel gestiegen. So wuchs die Zahl von 75 im Jahr 1990 auf 92 im Jahr 2000 an. Ebenfalls verdoppelte sich die Zahl der Zimmer auf 8.255 und die Bettenzahl auf 16.947 im Jahr 2000. Auch die Auslastungsraten nahmen in den letzten zehn Jahren zu. Entsprechend verdoppelten sich die Ausgaben der Touristen auf der Insel. Zu den Unterkünften allgemein ist zu sagen, dass man keine offiziellen Jugendherbergen oder Campingplätze vorfindet, dafür aber Hotels unterschiedlichen Standards. Außerdem stehen auf der Insel noch Bungalowanlagen oder Privatunterkünfte, so genannte Chambres d’hôtes, zur Verfügung. Die Hotels sind meist von gehobenem Standard mit sehr gutem Service, liegen direkt am Meer und sind zum größten Teil für Bade- und Erholungstourismus ausgelegt. In den letzten Jahren wurden auch die Auflagen für neue Hotels verschärft, vor allem in Bezug auf Architektur, Größe und Bauhöhe. Somit soll das kreolische Flair der Insel erhalten bleiben.
La Réunion
Geschichtlicher Abriss
Die Anfänge des Tourismus auf Réunion liegen im Kur- und Gesundheitswesen als Folge des Vulkanismus und sind eng mit der Entdeckung der Thermalquellen
bei Cilaos 1815 und Hell-Bourg 1832 verbunden. Es handelt sich bei diesen Thermalquellen um 31°-38°C warmes natriumkarbonathaltiges Wasser. Dort begann die Entwicklung einer touristischen Infrastruktur für die reiche Oberschicht. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts setzte durch die Verkehrserschließung der Insel der eigentliche Boom ein. Im Jahre 1948 zerstörte ein Zyklon die Thermalquelle von Hell-Bourg. Der Kurtourismus verringerte sich und ging seit den 70er Jahren in Bade- und Erholungstourismus über, den so genannten tourisme bleu. Dieser wurde durch die endgültige Zugehörigkeit zu Frankreich gefördert. In der weiteren touristischen Entwicklung stellte der Vulkanismus auf der Insel auch ein Hemmnis dar. So bietet die Insel neben langen Küstenabschnitten aus Basalt nur vereinzelt Badebuchten. Auch die Reisemotive der Touristen änderten sich im Laufe der Jahre. Somit verlagerte sich der Tourismus vom Inselinneren in die Hauptstadt St. Denis (Geschäftsreise- und Tagungstourismus) und an die Küste (Badetourismus). Eine Zunahme der Touristenzahlen steht in enger Verbindung mit der Erweiterung des Flugverkehrs. In den letzten Jahren entwickelte sich zudem ein neues Segment, der tourisme vert – naturnaher Aktivurlaub. Aufgrund der wachsenden Bedeutung des Tourismus wurden 1989 die Tourismusorganisation des Departements und der Region vereinigt. Es entstand das Comité du Tourisme de la Réunion mit Sitz in St. Denis. Die Aufgaben des Comité bestehen darin, Tourismusanalysen zu erstellen und Marketingstrategien zu entwickeln. 109 Entwicklung des touristischen Angebots Die eigentliche Entwicklung des Tourismus setzte in den 1960er Jahren und damit später als auf den Nachbarinseln ein. Ursachen hierfür sind unter anderem in den ungünstigeren Rahmenbedingungen zu sehen (Klima und Topographie). Die Bedeutung des Wirtschaftszweiges Tourismus ist geringer als zum Beispiel auf Mauritius. Die Regierung begann erst in den 1980er Jahren damit, den Tourismus gezielt zu fördern, um die allgemeine Wirtschaftslage zu verbessern. Der Massentourismus setzte erst mit der Einführung und des Ausbaus des Flugverkehrs ein. So zählte man 1965 nur 1.352 Flüge und in den 70er Jahren bereits 1.959 Flüge und die Anzahl der Flüge stieg weiter an. Bis 1995 unterhielt Air France ein Beförderungsmonopol, das inzwischen aufgelöst wurde.

Abb. 13/3: Entwicklung der Zahl klassifizierter Hotels
Beherbergungsangebot
Dieses kann unterschieden werden in ein klassifiziertes Angebot und ein alternatives Beherbergungsangebot.

1.Klassifiziertes Angebot
Im Jahr 1967 beschränkte sich das Angebot lediglich auf 7 klassifizierte Hotels,
welche sich in St. Denis und im Inselinneren befanden. Bis 1987 verdreifachte sich die Zahl der Hotels auf 25. Im selben Zeitraum stieg auch die Anzahl der Zimmer von 148 im Jahr 1968 auf 977 im Jahr 1987 an. Bis 1997 versiebenfachte sich die Zahl der Hotels auf 49 und stieg auch in den Folgejahren weiter an. Im Allgemeinen ist der Hotelbestand auf der Insel sehr jung. Etwa 23 der 60 Hotels entstanden zwischen 1991 und 2000. Nur 24 Hotels sind älter als 13 Jahre. Auf der Insel herrscht ein hoher Konzentrations- und Verdrängungswettbewerb.
Die wichtigsten Standorte des Beherbergungsangebotes sind St. Denis und St. Gilles. In St. Gilles fand man von vornherein gute natürliche Bedingungen für den Tourismus vor, wie Badestrände, günstiges Klima und die Lage auf der windabgewandten Seite. Belegt ist dies durch die Anzahl und die Qualität der Hotels. Von 20 Drei-Sterne-Hotels der Insel befanden sich 1997 allein acht in St. Gilles. Hotels niederen Standards findet man häufig im Inselinneren (petit hotellerie). Vorherrschend sind auf der Insel Hotels der Mittelklasse. Hierzu zählten im Jahr 1993 insgesamt 29 der 42 Hotels (Zwei- bis Drei- Sterne-Hotels), drei besaßen nur einen Stern und lediglich fünf Hotels gehörten zur Oberklasse. Die restlichen fünf Beherbergungsmöglichkeiten waren Feriendörfer. Die erste Klassifizierung der Hotels wurde 1984 vorgenommen. Kriterien dafür waren und sind unter anderem die Anzahl der Zimmer, die Ausstattung mit Bad und WC etc. Zum damaligen Zeitpunkt entsprachen ca. 60 % der Hotels der Ein- und Zwei-Sterne-Kategorie. Bis 1990 sank der Anteil dann bis auf 45 %. Zwischen 1993 und 1997 stieg der Anteil dann wieder auf 50 % und mehr. Der Anstieg der Anzahl der Hotels in der Ein- und Zwei-Sterne-Kategorie ist nicht durch Neugründungen zu erklären, sondern durch die Rückstufung der Klassifizierung. Diese Rückstufung geschah meist freiwillig als Anpassung an die gehobenen Qualitätsansprüche – externes oder internes Downgrading. Auf der Insel sind breit differenzierte Qualitätsunterschiede vorzufinden und eine lokal stark konzentrierte Verteilung. Sie beschränkt sich wie bereits erwähnt aufgrund der klimatischen Gunstlage auf die Westküste und auf St. Denis. Die Ostküste und der Süden dagegen profitieren nur in geringerem Maße vom Tourismus.


Abb. 13/4: Die Verteilung der Bettenkapazität nach Beherbergungsarten im Jahre 1996

2. Alternatives Beherbergungsangebot
Die alternativen Übernachtungsmöglichkeiten werden dem tourisme vert zugeordnet. Dazu zählen 21 gîtes, so genannte Wanderhütten in den Bergregionen, 124 gîtes ruraux, 310 chambres d’hôtes und drei Jugendherbergen (auberge de jeunesse). Die gîtes ruraux sind meist im ländlichen Raum angesiedelt und werden nur an Familien und geschlossene Gruppen vermietet. Die chambres d’hôtes sind privat vermietete Zimmer mit Frühstück. Die Anzahl solcher Übernachtungsmöglichkeiten stieg in den 90er Jahren stark an. So erhöhte sich die Anzahl der gîtes von 12 im Jahr 1994 auf 21 im Jahr 2000. Dies entspricht einem Zuwachs von 75 %. Auch die Zahl der chambres d’hôtes wuchs im gleichen Zeitraum um 96,2 % auf 310. Diese Zahlen spiegeln vor allem die wachsende Nachfrage nach Abenteuerurlauben wieder. Das alternative Angebot konzentriert sich vorwiegend auf den Süden und die Gebirgsregionen. Der Einfluss internationaler Hotelketten dagegen ist auf Réunion rückläufig, da die meisten Investitionen als unrentabel betrachtet werden. Derzeit sinkt auch die Auslastungsquote bei gleichzeitiger Verschärfung der Konkurrenz, da sich der Ausbau der Beherbergungsinfrastruktur schneller vollzieht als die reale Nachfrage der Touristen.

Entwicklung der Touristenzahlen und Herkunft der Besucher

Die Touristenzahlen wurden erstmals 1987 auf Réunion ausgewiesen. In diesem Jahr besuchten die Insel bereits 155.000 Touristen. Ein geringer Rückgang war
während des Golfkrieges zu erkennen. Mitte der 90er Jahre erreichte die Dynamik ihren Höhepunkt. Das Maximum wurde aber 1998 mit 400.000 Touristen erreicht. Danach setzte eine Sättigungsphase ein, welche mit einem leichten Rückgang verbunden ist. Der Aufschwung des Tourismus in den 90er Jahren ist eng mit der Flughafenerweiterung zu sehen. Es wurde eine weitere Start- und Landebahn gebaut, welche Non-Stop-Flüge großer Flugzeuge ermöglichen. Der Seeweg dagegen spielt heute für Touristen als Anreisemöglichkeit kaum noch eine Rolle. Hauptquellgebiet ist vor allem Frankreich. Gründe hierfür liegen zum einen in der Affinität zum Mutterland und zum anderen im Fehlen der Sprachbarriere. Der Anteil der Touristen aus der EU und von Mauritius steigt jährlich, der Anteil der aus Madagaskar kommenden Touristen sinkt demgegenüber.

Touristentypen
Aufgrund der periodisch durchgeführten Touristenbefragungen von CTR und INSEE kristallisierten sich drei Touristentypen heraus. Die einzelnen Typen unterscheiden sich vor allem in der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer, in der Beherbergungsart und in den von ihnen getätigten Ausgaben. Der erste Typ umfasst die Geschäfts- und Kongressreisenden, die touriste d’affaires. Diese konzentrieren sich auf die Hauptstadt St. Denis und nutzen vorwiegend hochwertige Hotels. Zum zweiten Typ gehören die so genannten „Heimkehrer“, die touriste affinitaires. Sie sind meist ehemalige Inselbewohner, die die Hotels im Landesinneren nutzen oder bei Bekannten übernachten. Der dritte Typ, die Erholungstouristen, die so genannten touristes d’agrément besuchen hauptsächlich die Westküste. Ein Großteil der Heimkehrer arbeitet heute in Frankreich und nutzt die Ferien, um ihre Familien und Freunde zu besuchen. 1990 arbeiteten noch 150.000 Réuniesen in Frankreich. Dieser Touristentyp hielt 1999 die Spitzenstellung mit durchschnittlich 23 Aufenthaltstagen auf der Insel. Auch ökonomisch ist dieser Typ aufgrund seiner langen Aufenthaltsdauer nicht zu vernachlässigen. Die Geschäftsreisenden dagegen machen mit 10,4 % einen geringeren Anteil aus, sie haben allerdings die höchsten Tagesausgaben. Die Hauptgruppe der Touristen bilden aber nach wie vor die Erholungstouristen mit 51 %. Sie sind auch die Zielgruppe der Marketingstrategen der Insel.
Vergleichsweise gering ist die Bedeutung von Réunion als Touristenziel gegenüber seinen Nachbarn Mauritius und den Seychellen. Daher muss sich die Insel ein eigenes unverkennbares Image schaffen. Durch seine naturräumliche Ausstattung bietet sie sich nicht primär als Badeziel an, als Ziel des tourisme vert ist die Insel dagegen sehr gut geeignet. Die Voraussetzungen für den Badetourismus sind an der Westküste deutlich besser als an der Ostküste, da die Temperaturen höher und die Winde nicht so stark sind. Die Süd- und Ostküste sind durch steile felsige Küstenabschnitte und höhere Niederschläge geprägt. Der Wander- und naturnahe Tourismus findet vor allem im Landesinneren um den Piton de la Fournaise und den Piton de Neiges statt.

Tourismusmarketing
Zu allererst entwickelte man ein Logo mit dem man die Insel heute vermarktet. Es repräsentiert den tourisme bleu und den tourisme vert. Das Logo ist dem zur Folge blau und grün und wird in Verbindung mit dem Slogan: Réunion - L’ile intense gebraucht. Die Insel wird erst seit einigen Jahren selbständig als Destination vermarktet und nicht mehr als Departement. Probleme im Bereich des Tourismus sind vor allem in der Hotellerie zu finden, da sich das Preisniveau am europäischen Standard orientiert, der Service allerdings qualitativ viel schlechter ist. Daher entstand auch ein erheblicher Wettbewerbsnachteil gegenüber Mauritius. Um den Qualitätsstandard zu sichern, wurde 1994 die Initiative Réunion qualite de tourisme ins Leben gerufen. Der Beitritt zu diesem Gütesiegel ist freiwillig. Im Jahr 1993 wurde im Hinblick auf neue Märkte ein strategischer Plan durch das CTR entworfen. Diese Märkte wurden in 4 Kategorien unterteilt. Die erste Kategorie umfasst die marches prioritaires. Diese sind Belgien, Deutschland, Südafrika und die Schweiz. In diesen Ländern existiert Réunion bereits im Angebot der Reiseveranstalter, jedoch herrscht noch ein Informationsdefizit vor. Die zweite Kategorie umfasst die marches en devenir (mit Italien, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden), wobei hier bei den Reiseveranstaltern Unkenntnis herrscht. Die dritte Kategorie sind die marches neufs. Zu diesen zählen Dänemark, Österreich, Portugal, Australien und die skandinavischen Länder, hier herrscht völlige Unkenntnis, sowohl bei den Reiseveranstaltern als auch bei der Bevölkerung. Die vierte und letzte Kategorie bilden die marches de l‘ Ocean Indien. Hierbei handelt es sich vor allem um die Abschöpfung der Touristenströme von der Insel Mauritius. Durch Inselhopping versucht man, den Badetourismus auf Mauritius mit dem Aktivurlaub auf Réunion zu verbinden.
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