Geologische und tektonische Entwicklung
von Mauritius / Vulkanismus auf La Réunion
Madeleine Dubiel, Bastian Bauer, Katrin Wolfer
![]() Phasen der geologischen Entwicklung auf Mauritius |
Geologische und tektonische Entwicklung von Mauritius Die Insel Mauritius liegt im Indischen Ozean
etwa 800 km östlich von Madagaskar. Sie hat eine Fläche von
1.865 km² bei einer Länge von 65 km und einer Breite von 47
km. Sie gehört zur Inselgruppe der Maskarenen, zusammen mit ihrer
circa 180 km entfernten Nachbarinsel Reunion. Die Bildung beider Inseln
basiert auf Vulkanismus durch einen Hot Spot. Dabei werden heiße
basaltische Magmen aus dem Erdmantel nach oben in die Lithosphäre
transportiert. Beim Lavaaustritt im marinen Bereich entstehen Seamounts,
die beim Wachstum über den Meeresspiegel hinaus zu Inseln werden.
Durch die tektonisch verursachte Bewegung der Lithosphärenplatte
überden ortsfesten Hot Spot hinweg werden Inselketten gebildet,
wie die der Maskarenen. Mauritius begann vor 10 Mio. Jahren auf einer
Unterwasserplattform als Schildvulkan zu wachsen. Dies geschah in vier
Phasen (siehe Abb.)Die älteste Phase stellt die so genannte Brekkzien-Serie
dar, die im Zeitraum von 10 bis 5 Mio. Jahren vor heute gebildet wurde.
Vor etwa 8 Mio. Jahren tauchte Mauritius dann aus dem Meer auf. Vor
7,6 bis 5 Mio. Jahren folgte die Alte Lava Serie, die ebenfalls einen
Vulkanschild formte. Daran schloss sich eine 1,5 Mio. dauernde destruktive
Phase an, während der die Erosion angreifen und das Relief formen
konnte. Zwischen 3,5 und 1,7 Mio. Jahren vor heute bildete sich die
Frühe Lava Serie und schließlich folgte die Rezente Lavaserie.
Diese kann noch unterteilt werden in die mittlere Serie, die vor 0,7
bis 0,5 Mio. Jahren entstand, und die jüngste Serie, die |
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Die älteren Serien sind
vor allem in den hügeligen Bereichen der Insel im Norden, Nord-Osten
und Süd- Osten zu finden. Aufschlüsse der mittleren Serien sind
im südwestlichen Teil der Insel zu finden. Die jüngeren Serien
treten hauptsächlich auf dem zentralen Plateau und in den Ebenen
auf. Grundsätzlich vollzieht sich die Reliefgenese vulkanischer Schilde
in drei Phasen, die nach dem jeweils dominierenden Erosionsprozess benannt
werden. Zunächst kommt es zu der Zerschneidung des vulkanischen Schildes
durch fluviale Prozesse. Aufgrund der hohen Wassergängigkeit des
vulkanischen Gesteins dauert es jedoch Jahrtausende, ehe sich ein oberflächlicher
Abfluss etablieren kann, während chemische Verwitterung sehr viel
schneller angreifen kann. Es bildet sich ein radiales Entwässerungssystem
konsequenter Flüsse. Bei den geradlinig verlaufenden Flüssen
überwiegt zunächst die Tiefenerosion, so dass Kerbtäler
eingeschnitten werden und den Vulkanschild in Zylindersegmente teilen.
Im weiteren Verlauf gewinnen die Prozesse der Hangrückverlegung an
Bedeutung. Die Kerbtäler werden lateral erweitert und die Zylindersegmente
verkleinert. Es entstehen scharfe Grate, die wiederum weiter erniedrigt
werden. Schließlich wird die Erosion bestimmt durch den Lösungsabtrag
und die ursprüngliche Schildform sukzessive eingeebnet. |
Vulkanismus auf La Réunion Die Insel La Réunion gehört
zur Inselgruppe der Maskarenen und geht auf vulkanische Aktivität
zurück. Der Vulkanismus, dem die Insel seine Entstehung erdankt,
wird jedoch nicht durch eine Plattengrenze bestimmt, sondern beruht auf
einem Hot Spot. Die Hotspot-Hypothese wurde 1963 von Tuzo WILSON entwickelt
und später von James MORGAN (1972) erweitert und verallgemeinert.
Die Theorie geht von einem im Mantel fest verankerten Schmelzbereich aus,
der aufsteigendes Material aus Tiefen des Erdmantels an die Erdoberfläche
befördert Diese Manteldiapire sind ca. 200 °C heißer als
der sie umgebende Mantel. In einem schmalen zylinderförmigen Bereich
steigt das aufgeschmolzene Material nach oben, durchdringt die Lithosphäre
und fließt an der Oberfläche als Lava aus. |
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Diese auch als Plumes bezeichneten
Gebilde sind im Mantel stationär verankert und somit unabhängig
von den Lithosphärenplatten. Die Quelle des Hot Spots muss sich in tiefen Bereichen des Erdmantels befinden. Als sicher gilt die Tatsache, dass Hot Spots relativ ortsfest sind. Dies wird beim Betrachten der vulkanischen Inselketten deutlich. Je weiter die Insel vom aktuellen Vulkanismus entfernt ist, desto älter ist sie. Entfernt sich eine Insel zu weit vom Hot Spot, reißt die Verbindung zum Manteldiapir ab und die Aktivität ist beendet. Das Hot Spot-System von Réunion stellt eines der größten linearen Hot Spot- Systeme der Erde dar . Es reicht von den Dekkan-Trapps über die Malediven, die Tschagos Inseln, den Saya de Malha Bänken des südlichen Maskarenenplateaus bis nach Mauritius und La Réunion. Der Indische Ozean wurde zwischen auseinanderstrebenden Kontinenten geboren. Am Boden des Indischen Ozeans erstrecken sich verschiedene Vulkangebirge. Die entstandenen Rücken bilden einen etwas zerknautschten dreiarmigen Stern, dessen Zentrum 2.200 km östlich von Madagaskar liegt. Von dort aus treiben die Afrikanische-, die Antarktische-, die Indo-Australische und die Arabische Platte auseinander. Nach geologischen Zeitbegriffen ist der Indische Ozean sehr jung. Vor rund 200 Millionen Jahren zerfiel der Superkontinent Pangäa in einen Nordkontinent „Laurasia“ und einen Südkontinent „Gondwanaland“. |
Als die Kontinente
weiter zerbrachen wuchs zwischen ihren Bruchstücken der Indische
Ozean heran. Den Beginn der Vulkankette, die den Maledivenrücken
und somit die Insel La Réunion bildeten, sehen Geologen auf dem
Dekkan-Plateau in Indien, wo vor rund 65 Millionen Jahren enorme Lavamassen
aus der Erde brachen. Zwischen den Trapp- Basalten des Dekkan und dem
aktiven Hot Spot von La Réunion besteht eine Verbindung in Form
von submarinen Vulkaninseln. Mit Hilfe der Paläomagnetik wurde herausgefunden,
dass der Dekkan-Trapp etwa 30° südlich gebildet wurde, also unweit
der heutigen Lage von Réunion. Die gesamte Kette , die sich über
5.000 km hinzieht, wird dem Hot Spot unter La Réunion zugeschrieben.
Auf Réunion bildete dieser Hot Spot zwei Vulkanberge, den Piton
des Neiges vor ca. 5 Millionen Jahren und den Piton de la Fournaise vor
ca. 53.000 Jahren, heraus. |
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Piton des Neiges Mit 3.070 m ist der Piton des Neiges der höchste Berg bzw. Vulkan der Insel. Seine Entstehung liegt etwa 5 Millionen Jahre zurück und erfolgte vorerst submarin. Vor ca. 2,1 Millionen Jahren erhob sich die Insel mit dem Piton des Neiges aus dem Meer. Er bildete sich durch 4 Förderphasen. 1. Phase: Sie ist gekennzeichnet durch das Entstehen der submarinen Basis. |
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![]() Die Entstehungsphasen des Piton de la Fournaise (schematisch) (MONTAGGIONI, L. 1988) |
Diese Gesteine sich noch heute im geologisch tiefsten Bereich der Insel, also den durch Erosion zerschnittenen Cirques zu finden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um sehr dunkle und olivinreiche Basaltagglomerate und basaltische Breccien. Dieses Basement wird auch als „Older Oceanite Series“ (UPTON 1982) bezeichnet und wird von zahlreichen Intrusionen durchzogen. Die Gesteine sind stark zeolithisiert, d. h. sekundär umgewandelt. Die Intrusionen, die in den Cirques teilweise zu Tage treten, sind Plutonite. Es handelt sich hierbei um Peridotit, Gabbro, Monzonit und Syenit. 2. Phase: Die unter subaerischen Bedingungen stattfindende Phase „Younger Oceanite Series“ begann vor ca. 2,1 Millionen Jahren und hielt bis ca. 450.000 Jahre vor heute an. Gefördert wurden Basalte, Olivinbasalte und Ozeanite. Die Eruptionen waren durch ruhiges Ausfließen der Laven gekennzeichnet. Sie erschufen einen ersten großen Schild, dessen Gipfel auf über 4.000 m Höhe über NN geschätzt wird (REINL 1986). Die Gesteine dieser Phase bilden den Kern des Massives und stehen unter anderem noch im Norden der Insel zwischen St. Denis und dem Cirque de Mafate an der Oberfläche an. Auch die Bildung der ersten Caldera mit einem Durchmesser von 30 km fällt möglicherweise in diese Phase. In der Folgezeit kam die vulkanische Aktivität für 100.000 Jahre zu einer reliefbildenden Ruhepause. 3. Phase: Diese Phase dauerte von 350.000 Jahren bis 70.000 Jahren vor heute und brachte vor allem Andesite, Trachyte und Basalte an die Oberfläche. Diese Gesteine resultieren aus der fortgeschrittenen Differentiation des Magmas. Die durch explosive Eruptionen gekennzeichnete Phase, auch als „Differntiated Series“ bezeichnet, erschuf einen neuen, zweiten Schildvulkan, dessen Gipfelhöhe wiederum auf ca. 4.000 m über NN geschätzt wird (REINL 1986). Die überwiegende Fläche der Hänge des heutigen Piton des Neiges besteht aus Gesteinen dieser Phase. In dieser Eruptionsphase kam es auch zur Bildung einer zweiten Caldera, mit einem Durchmesser von rund 15 km und 400 bis 600 m Tiefe. 4. Phase: Diese vierte und letzte Phase des Ausbruchszyklus war relativ kurz. Der jetzige Gipfel des Piton des Neiges stellt den zum Stromboli-Typ zählenden Vulkankegel dieser Eruption dar. |
Piton de La Fournaise |
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![]() Überwachungsnetz Piton de la Fournaise ( www. educeth.ch/stromboli) |
Überwachung des Vulkanes - das seismologische Netz |