Vergleichende Einführung
Bereits der erste Vergleich der demographischen Basisdaten beider Inseln
zeigt bemerkenswerte Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Gemeinsam ist beiden
Untersuchungsgebieten eine deutliche Konzentration der Bevölkerungsverteilung
auf die küstennahen Bereiche und die Hauptstädte sowie eine
sehr ausgeprägte ethnische und kulturelle Vielfalt. Auch die Geburten-
und Sterberaten liegen nicht weit auseinander und signalisieren, dass
wir es mit Regionen zu tun haben, die vom generativen Verhalten her dem
Typus der Schwellenländer zuzurechnen sind. Die Unterschiede liegen
vor allem in der höheren absoluten Bevölkerungszahl und der
Einwohnerdichte von Mauritius, die die Vergleichswerte von Reunion nahezu
um das Doppelte übersteigt. Mauritius zählt mit ca. 600 E/km2
zu den am dichtesten bevölkerten Ländern der Erde.
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Mauritius |

Abb. 8/1: Altersstruktur der mauritianischen
Bevölkerung
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Im Jahr 2000 wurden auf Mauritius 1.179.368 Einwohner
gezählt. Seit 1995 hat sich ihre Zahl damit um fast 57.000 erhöht.
Betrachten wir die räumliche Verteilung dieser Werte, zeigt sich
eine ausgesprochene Küstenständigkeit: die meisten Siedlungen
befinden sich in einem relativ schmalen Bereich an den Küsten,
vor allem in Städten. Hier leben 46 % der Einwohner, darunter 138.200
in der Hauptstadt Port Louis. Ein weiterer Konzentrationsbereich ist
die hochurbanisierte ProvinzPlaine Wilhelms, in der etwa 358.000 Menschen
oder jeder Dritte Mauritianer leben.
Hier und in den beiden Nordprovinzen (Pamplemousses und Riviere du Rempart)
finden sich die höchsten Bevölkerungsdichten, während
die übrigen Regionen deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt von
579 Einwohnern pro km2 (1999) liegen. Damit ist der kleine Inselstaat
weltweit eines der am dichtesten besiedelten Länder.Nach der Bevölkerungsstruktur
zeigt sich deutlich, dass Mauritius inzwischen ein mittleres Stadium
im Prozess des „Demographischen Übergangs“ einnimmt.
Es hat längst die hohen Geburten- und Sterberaten der Entwicklungsländer
hinter sich gelassen und entspricht damit den Kennwerten eines Schwellenlands
in Annäherung an die demographischen Strukturen der „ersten
Welt“. Dies dokumentiert sich auch im Altersaufbau und dessen
schmaler werdender Basis (Abb. 8/1) Dennoch handelt es sich um eine
relativ „junge“ Bevölkerung, denn 26 % sind im Alter
zwischen 0 und 14 Jahren. Die Gruppe der 15 bis 64jährigen nimmt
68 %, die der 65jährigen und älteren lediglich 6 % ein. Die
Hälfte der Mauritianer ist jünger als 20 Jahre und das Durchschnittsalter
beträgt 28,5 Jahre.
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Die weitere Betrachtung
der Kennwerte zeigt, dass sich die ehemals viel höheren Geburten-
und Sterberaten inzwischen deutlich reduziert haben. Dieser Rückgang
erfolgte jedoch erst, als es gelungen war, Malaria und andere Seuchen
wirksam zu bekämpfen. So betrug die Sterberate 1867 noch 247 Sterbende
pro 1.000 Einwohner. Heute liegt sie dagegen bei 6,8 Sterbenden pro 1.000
Einwohner. Die Bevölkerung wächst jährlich um 0,89 % und
die Geburtenrate beträgt 17,3 Geborene pro 1.000 Einwohner. Es sterben
jedoch 17,73 Geborene je 1.000 Lebendgeborene. Im Schnitt gebärt
jede Frau 2 Kinder. Die Heiratsrate beträgt 19,2 Heiraten pro 1.000
Einwohner. Die Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei 71 Jahren, wobei
die Frauen mit 74,6 Jahren älter als die Männer mit einer Lebenserwartung
von 66,8 Jahren werden (Abb. 8/2). Bei der Geburt beträgt das Geschlechterverhältnis
1 Junge zu 1 Mädchen. Mit zunehmendem Alter verändert sich diese
Proportion, so dass bei den 65jährigen und älteren nur noch
0,67 Männer je Frau zu verzeichnen sind. Die Nettoemigrationsrate
liegt bei -0,93 Migranten je 1.000 Einwohner. |
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Ethnische Struktur
Wegen der relativ späten Entdeckung und der kolonialen Vergangenheit
kann sich keine Bevölkerungsgruppe als „Ureinwohner“
bezeichnen. Die Vielfalt der ethnischen Bevölkerungsgruppen ist jedoch
beeindruckend. So leben auf Mauritius 69 % Indio–Mauritianer, 27
% Kreolen madagassischer oder afrikanischer Herkunft, 3 % Sino–Mauritianer
und 1 % Franko–Mauritianer. Durch Mischehen und –verbindungen
sind die Grenzen hier jedoch fließend. Jede der oben genannten Bevölkerungsgruppen
hat ihre Ober-, Mittel- und Unterschicht. Die Gruppen sind untereinander
recht stabil, was durch ihre Religionszugehörigkeit bedingt wird.
Auf Mauritius herrscht ein Klima der Toleranz und des Respekts gegenüber
Andersartigkeit. So sehen sich die Mauritianer als Einheit in der Vielfalt. |
Indio–Mauritianer
Fast 70 % der heutigen Bevölkerung von Mauritius sind indischer
Abstammung. Sie nehmen führende Positionen in Handel, Wirtschaft,
Politik und Kultur ein. Nach der Befreiung der Sklaven waren die Plantagenbesitzer
gezwungen, sich nach anderen Arbeitskräften umzusehen und holten
daher billige Arbeitskräfte ins
Land. So kamen zwischen 1835 und 1907 ca. 450.000 Inder aufgrund von
Arbeitsverträgen nach Mauritius. Die meisten kamen aus Bihar, Orissa
und Bengalen, einige wenige aus Bombay. Sie hatten verschiedene sprachliche
und religiöse Hintergründe, d. h. unter ihnen waren sowohl
Hindus, Christen als auch Moslems. Heute sind von den Indio-Mauritianern
51 % Hindus und 16 % Moslems. Mischehen mit anderen Bevölkerungsgruppen
sind eher selten. Die indiomauritianischen Frauen sind im Straßenbild
an ihren bunten Seidensaris zu erkennen und, wenn sie verheiratet sind,
an einem roten Punkt auf ihrer Stirn.
Kreolen
Sie sind mit den Europäern die ältesten Einwanderer der Insel
und bilden die zweitstärkste Bevölkerungsgruppe der Insel.
Schon die Holländer und Franzosen griffen für die harte Arbeit
auf den Plantagen von Anfang an auf Sklaven zurück, die sie aus
Schwarzafrika und Madagaskar verschleppten. Als die Engländer 1815
die französische Kolonie übernahmen, kamen auf 15.000 weiße
Europäer 63.000 Sklaven. Nach Abschaffung der Sklaverei waren die
Menschen schon in der zweiten oder dritten Generation auf der Insel
und blieben daher dort auch sesshaft. Sie sprechen Créole und
besitzen den römisch-katholischen Glauben.
Sino–Mauritianer (Chinesen)
Sie stellen das jüngste Element der mauritianischen Völkergemeinschaft
dar. Die ersten Chinesen kamen um 1800 als Kaufleute nach Mauritius.
Sie brachten Luxusgüter wie Seide und Porzellan mit und verkauften
dies an die weiße Oberschicht. In Port Louis entstand ein Chinesenviertel.
Auffällig war jedoch, dass nur wenige Frauen einwanderten. So waren
1900 unter den 3.500 Einwohnern chinesischer Herkunft nur 58 weibliche.
Besonders stark sind die Chinesen jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg
zugewandert. Sie sprechen vor allem Kantonesisch und sind häufig
als Kaufleute tätig. Franko–Mauritianer Heute gibt es nur
noch wenige Mauritianer, die eindeutig europäisch d. h. französischer
Herkunft sind.
Sprachen
Die Amtssprache auf Mauritius ist Englisch. Créole ist die Muttersprache
von vielen Mauritianern und gilt daher als Volkssprache. Auch Französisch
ist weit verbreitet. Andere Sprachen die zudem auftreten sind Hindu,
Urdu, Tamil, Telegu, Marathi, Gujarati und kantonesisches Hakka. In
den einzelnen Bevölkerungsgruppen wird meist die Sprache des Ursprungslandes
gesprochen. In den Büros und in der Verwaltung wird Englisch gesprochen.
Die Oberschicht unterhält sich auf Französisch. Es ist jedoch
zu erkennen, dass Créole bei der jüngeren Generation zur
Umgangssprache wird. Die meisten Mauritianer unterhalten sich mit Fremden
am liebsten auf Französisch, obwohl Englisch schon seit einem Jahrhundert
die offizielle Amtssprache ist. Englisch wird in der Schule gelernt
und meist im Beruf benötigt. Eine Schulpflicht für Kinder
gibt es nicht. Trotzdem besuchen 95 % der Kinder die Schule. Fremdsprachen
wie Englisch und Französisch gehören zu den Hauptfächern.
Schul- und Universitätsprüfungen müssen in Englisch geschrieben
werden. Die Schulabschlussprüfungen werden nach Großbritannien
geschickt, wo sie dann korrigiert und benotet werden.
Religionen
In dem kleinen Inselstaat sind alle Weltreligionen vertreten. Das Schlagwort
vom „most cosmopolitan island in the sun“ trifft vor allem
auf religiösem Gebiet zu. Die Bevölkerung ist gläubig,
aber nicht so fanatisch, dass sie dem jeweils Andersgläubigen ablehnend
gegenüberstünde oder gar dessen Religion bekämpfen würde.
Es zeugt von Toleranz und kultureller Reife der Mauritianer, dass das
Land zeit seines Bestehens ohne Glaubenskämpfe existieren durfte
und dass Einheimische wie Besucher Moscheen neben katholischen Kirchen,
chinesische Pagoden neben anglikanischen Gotteshäusern, tamilische
Kovile neben hinduistischen Shivalas sehen und besuchen können.
So herrscht hier eine Vielfalt an Tempeln und Gotteshäusern.
Hindus
Unter den Gläubigen stellen die Hindus mit 52 % die absolute Mehrheit
dar. Daher begegnet man im Land besonders häufig hinduistischen
Tempeln und Festen. Die prächtigsten sind die Sakralbauten von
Triolet und Port Louis. Der Hinduismus ist weniger von festen Dogmen
und Riten geprägt als etwa das Christentum oder der Islam. Er kennt
jedoch bestimmte Grundsätze und Göttergestalten. Dazu gehört
z. B. die Lehre von der Seelenwanderung. Da der Mensch immer wiedergeboren
wird, seine Leistungen und moralische Integrität aber darüber
entscheidet, wie er auf die Erde zurückkehrt, ist das Verhältnis
von Schuld und Sühne für das religiöse Leben der Hindus
von ausschlaggebender Wichtigkeit.
Christen
Sie sind mit 31 % die zweitstärkste religiöse Gruppe der Insel.
Mit einer überwiegenden Mehrheit von 27 % sind die meisten von
ihnen römisch-katholischen Bekenntnisses. Dies ist darauf zurückzuführen,
dass es in der französischen Zeit selbstverständlich war,
dass die afrikanischen und madegassischen Sklaven ihre Naturreligionen
aufgaben und zum Katholizismus übertreten mussten. Unter den Engländern
durften sie ihren Glauben behalten und mussten nicht zur anglikanischen
Kirche übertreten. Neben Franko-Mauritianern und Kreolen überrascht
der hohe Anteil an chinesischen Katholiken. Dieser erklärt sich
aus den häufigen chinesisch- kreolischen Mischehen, die wegen des
Frauenmangels der chinesischen Kaufleute zustande kamen. Die christlichen
Sakralbauten sind auch auf der ganzen Insel zu finden.
Moslems
Die 16,6 % Moslems des Landes sind vor allem indischer oder pakistanischer
Herkunft. Der monotheistische Islam lebt von der genauen Einhaltung
bestimmter Regeln, den fünf Prinzipien (Gottesbekenntnis, Almosengeben,
Pilgerfahrt nach Mekka, tägliche Gebete, Fasten) und der Abstinenz
von Alkohol, Schweinefleisch und Glücksspielen. 90 % der Moslems
sind Sunniten, daneben gibt es etwa gleichviele schiitische Gläubige
und Anhänger der Ahmadeyyas-Sekte. Die Hauptmoschee befindet sich
in Port Louis und ist mit verschwenderischer Pracht ausgestattet.
Buddhisten
Während viele Chinesen zum römisch-katholischen Glauben übergetreten
sind, haben sich andere ihren buddhistischen Glauben bewahrt. Mit Magie,
Beschwörungen und Opferabgaben an Buddha versuchen sie, ihr Leben
mit dem Kosmos in Übereinstimmung zu bringen und böse Dämonen
abzuwehren. Dies geschieht zum Teil in sehr farbenprächtigen und
aufwendigen Festen. Die buddhistischen Tempel sind weniger präsent.
Das schönste Beispiel ist die Thien Thane Pagode in Port Louis.
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| La Reunion |

Abb. 8/3: Altersstruktur der Bevölkerung
von La Réunion
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Bevölkerung
Wie erwähnt, liegt La Réunion mit 720.934 Einwohnern und
einer Bevölkerungsdichte von bei 278 Einwohnern je km2 etwa 50
% unter den Vergleichswerten von Mauritius. Zwischen 1990 und 1999 ist
ein Bevölkerungszuwachs von 18,7 % zu verzeichnen, der zu 85 %
auf natürliche Bevölkerungsgewinne zurückgeht. 73 % der
Bevölkerung leben in Städten, wobei die Hauptstadt St. Denis
(132.000 E.) knapp ein Fünftel der Gesamtbevölkerung beherbergt.
Wegen der vielen schwer zugänglichen Regionen, in denen nur wenige
Menschen leben, ist der flache und nutzbare Teil der Insel stark bewohnt.
In den Küstenregionen befinden sich daher die kleinen Städtchen.
Vom Altersaufbau her entspricht La Réunion noch eher dem Idealbild
einer Pyramide. So ist die Basis der jüngeren Jahrgänge deutlich
ausgeprägter als auf Mauritius: 32 % der Bevölkerung sind
zwischen 0 und 14 Jahren. Die Gruppe der Erwachsenen (zwischen 15 und
64 Jahren) ist mit 62 % der Bevölkerung geringer vertreten; die
65jährigen und älteren repräsentieren lediglich 6 % (Abb.
8/3).
Die Daten des generativen Verhaltens erklären diese im Vergleich
zu Mauritius etwas dynamischere Bevölkerungsweise bei offensichtlich
stärker konsolidiertem medizinischem Versorgungsstand. 1999 liegt
die Wachstumsrate bei 1,63 %. Die Geburtenrate beträgt 21,84 Geburten
pro 1.000 Einwohner, die Gesamtfruchtbarkeitsrate 2,61 geborene Kinder
je Frau.
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Die Säuglingssterblichkeit lag 1998 bei
9 je 1.000 Lebendgeborene, die Sterberate bei 5,55 pro 1.000 Einwohner.
Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 72,68 Jahre, für
Männer jedoch nur 69,28 Jahre und für Frauen 76,24 Jahre.
Das Geschlechterverhältnis bei der Geburt beträgt 1,05 Jungen
pro 1 Mädchen.
Ethnische Struktur
Ähnlich wie auf Mauritius finden sich auf der Insel unterschiedlichen
Ethnien. Seitdem alle Réunionais Franzosen sind, kümmert
man sich kaum noch um eine statistische Erfassung der einzelnen Bevölkerungsgruppen.
Zudem gibt es eine immer größer werdende Zahl von Mischlingen.
Die Bevölkerung besteht aus 63 % Mischlingen, 28 % Indern, 3 %
Afrikanern, 2 % Chinesen und 1 % Europäern (Franzosen). Auf Réunion
dominiert der römisch-katholisch Glaube mit ca. 90 %, weiterhin
sind der Hinduismus, der Islam und der Buddhismus als Religionen vertreten.
Die Amtssprache ist Französisch, die Volkssprache aber Créole.
Die Analphabetenrate beträgt bei Männern 24 % und bei Frauen
20 %.
Die Weißen
Die mit Abstand kleinste Gruppe des Landes besitzt wirtschaftlich und
politisch überproportional viel Macht. Sie sind Nachfahren der
Zuckerbarone. Einige von ihnen, auch „große Weiße“
genannt, bewohnen noch immer die prächtigen Kolonialvillen in der
Nähe der Zuckerplantagen, besitzen einen Großteil des Bodens
und beherrschen den lokalen Zuckermarkt. Sie halten sich für etwas
Besseres und bleiben im engen Kreis der eigenen Gruppe. Den Namen „große
Weiße“ erhielten sie von den Sklaven nicht nur wegen ihrer
Machtstellung, sondern auch wegen ihrer Statur, die den durchschnittlichen
Sklaven wirklich überragte. Die „kleinen Weißen“
dagegen sind Nachfahren jener verarmten Bauern, die mit den Zuckerbaronen
und deren riesiger Anzahl von Sklaven nicht konkurrieren konnten. Sie
wanderten im 17./18. Jahrhundert meist aus der Bretagne nach Réunion
ein. Sie waren zwar frei und besaßen eventuell selbst einige schwarze
Arbeiter, befanden sich aber immer in wirtschaftlicher Abhängigkeit
von den Großgrundbesitzern. Nach Abschaffung der Sklaverei, als
sie auf dem Arbeitsmarkt mit den viel billigeren Freigelassenen und
Vertragsarbeitern aus Indien und China konfrontiert wurden, hatten sie
keine Chance mehr und zogen sich daher in das unwegsame Inselinnere
zurück. Hier ‘auf der Höhe‘ fanden sie durch Anbau
von Gemüse und Geranien ein bescheidenes Auskommen. Heute besteht
diese immer noch einkommensschwache Schicht der „kleinen Weißen“
aus etwa 100.000 Menschen. Sie leben zum Teil bis heute unvermischt
in kleinen Gemeinden.Daneben gibt es auch ca. 10.000 Franzosen, die
als Facharbeiter, Verwaltungsbeamte und Spezialisten direkt aus Frankreich
gekommen sind und oft nur für begrenzte Zeit bleiben.
Die Inder
Auch hier ist wie auf Mauritius der Zuzug indischer Gastarbeiter durch
den Arbeitskräftemangel nach der Sklavenbefreiung zu erklären.
Auf Réunion sind allerdings nur knapp 30 % der Bevölkerung
indischer Abstammung. Sie sind aus unterschiedlichen Gebieten Indiens
eingewandert und wurden zunächst nicht viel besser als die Sklaven
behandelt. Einige von ihnen blieben ihrer tamalischen bzw. hinduistischen
Religion treu, andere konvertierten zum römisch-katholischen Glauben.
Sie werden als Tamoul oder Malabar bezeichnet und leben vorwiegend auf
den Zuckerrohrplantagen und in den großen Küstenstädten.
Eine weitere Gruppe westindischer Abstammung sind moslemische Inder,
die als Z’arabes in die Städte zogen und sich dort als geschickte
Händler niederließen. Vor allem St. Denis und St. Pierre
sind ihre Hochburgen, erkennbar an den großen Moscheen. Ihr Lebensstandard
liegt deutlich höher als der der anderen Inder oder der „kleinen
Weißen“.
Die Afrikaner
Die afrikanische Bevölkerungsgruppe sind die Nachfahren der Sklaven.
Ihre Herkunftsgebiete liegen in zwei völlig verschiedenen Teilen
des afrikanischen Kontinents: Madagaskar und Mocambique im Südosten
und Senegal im Westen. Die Madegassen, auch Malgaches genannt, stellen
die ältere und mit etwa 85.000 Menschen die größere
Gruppe ehemaliger Sklaven dar. Mit ca. 70.000 Menschen stellen die ehemaligen
Sklaven aus Mocambique und Senegal, die so genannten Cafrès,
einen relativ kleinen Teil der Gesamtbevölkerung dar. Die Malagaches
und die Cafrès leben sowohl in den Städten als auch auf
dem Land. Sie arbeiten vorwiegend in der Landwirtschaft, vor allem im
Zuckerrohranbau, als Kleinbauern oder in den Fabriken.
Die Chinesen
Die knapp 20.000 Chinesen sind nach den „großen Weißen“
die zweitkleinste Bevölkerungsgruppe auf Réunion. Sie sind
meist kantonesischer Herkunft und kamen wie die Inder in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts als Vertragsarbeiter nach Réunion,
wo sie bei der Erschließung der Insel durch Strassen, Brücken
und Tunnels Enormes leisteten. Heute sind sie meist selbständige
Kleinunternehmer, denen der überwiegende Teil der Läden, Supermärkte
und Lebensmittelgeschäfte sowie etliche Restaurants gehören.
Sie leben hauptsächlich in den größeren Orten und sind
wirtschaftlich sehr erfolgreich. Die meisten von ihnen sind Katholiken.
Einige von ihnen haben jedoch ihre buddhistischen, konfuzianischen und
taoistischen Riten bewahrt.
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