Susanne Kranepuhl & Sandra Zukunft

Standort: Vanillekooperative in Bras - Panon

Die Vanille ist eine kletternde Orchideenart (vanilla planifolia) mit dicklichen, grünen Blättern und weißen Blüten. In ihrer Ursprungsregion Mittelamerika wächst sie im Unterholz und wird von Kolibris bestäubt. Die Rankpflanze gedeiht bei Temperaturen von 25 – 28°C und Niederschlägen von ca. 1500 mm/a, weswegen sie im passatexponierten Bereich der Insel angebaut wird. 1819 wurden die ersten Setzlinge nach Réunion eingeführt. Allerdings fehlten auf der Ile Bourbon Kolibris oder Insekten zur Bestäubung der Gewürzpflanze. 1841 fand der Sklave Edmond heraus, wie die Vanilleblüte künstlich zu befruchten ist. In den Blütenblättern trennt eine Membran die Staubgefäße von der Blütennarbe. Diese Membran wird von Hand entfernt. Dann werden die Staubgefäße auf die geöffnete Blütennarbe gedrückt.
An dieser Befruchtungsmethode hat sich seit der Erfindung der künstlichen Befruchtung nichts geändert. Daher wird diese Arbeit häufig von Frauen oder Kindern übernommen, weil ihre Finger schmal genug für die Blüten der Vanille sind. Da der Arbeitsaufwand so hoch und die Arbeitskraft zu teuer ist, stammen nur etwa 10% der Weltproduktion an Vanille aus Réunion. Die größten Vanillehersteller der Welt sind nun Madagaskar und Indonesien. Die Vanille wird teilweise im Unterholz von Wäldern angebaut, andererseits zwischen Zuckerrohrfeldern, wo künstliche Beschattungsanlagen angebracht sind. Die Vanille wächst an Stützbäumen empor. Die Blüte der Vanillepflanze lebt nur einige Stunden, so dass in der Blütezeit zwischen November und Januar die Plantagen täglich nach blühenden Pflanzen durchsucht werden. Nach der Befruchtung benötigen die Schoten 8-9 Monate bis sie erntereif sind. Das typische Aroma entwickeln die Schoten aber erst in einem etwa 9 Monate dauernden Veredelungsprozess.
Die zunächst grünen Schoten werden 3 Minuten in 65°C heißem Wasser abgebrüht. Danach schwitzen sie in mit Wolle gefütterten Kisten. Hier nehmen sie durch die Einwirkung von Enzymen die typische braune Farbe an, nun beginnen auch die biochemischen Reaktionen, die zum typischen Vanille-Aroma führen. Anschließend trocknen die Schoten im Ofen, in der Sonne und im Schatten, bevor sie das erste Mal nach dem Feuchtigkeitsgehalt geordnet werden. Sind die Schoten dann getrocknet, werden sie zur Aromaentwicklung für 8 Monate in sogenannte Verschlusskörbe gelegt. Am Ende werden die fertigen Vanilleschoten nach Größe und Qualität sortiert und verkaufsfertig gemacht. In der Vanillekooperative schlossen sich 1951 etwa 750 Vanillepflanzer zu einer Genossenschaft zusammen.
Heute kommen über 90% der Inselernte zur Weiterverarbeitung nach Bras-Panon. In der Kooperative arbeiten lediglich 6 Personen, die jährlich zwischen 20 und 30 t Vanille produzieren. Früher wurden teilweise mehr als 100 t Vanille pro Jahr produziert. Der Weltmarktanteil der Vanilleproduktion ist aufgrund der Konkurrenz Madagaskars und Indonesiens stark zurückgegangen. In diesen Ländern begünstigen geringe Lohnkosten niedrige Preise auf dem Weltmarkt. Hauptabnehmer der Vanille aus Réunion sind große Cola-Hersteller. Ein weiterer großer Teil der Produktion wird als Andenken von Touristen abgenommen.
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