Anja Stubbe

Am heutigen Exkursionstag, dem 18.09.2001, wurden mehrere offizielle Einrichtungen besucht. Hierzu gehörten das „Mauritius Sugar Industry Research Institute“, in welchem einzelne Teilbereiche besichtigt wurden, die „Hotel School of Mauritius“, um die eine Art Cyber City errichtet werden soll, die „University of Mauritius“ und das Hauptquartier der „Central Water Authority“.

Standort: “Mauritius Sugar Industry Research Institute

Der erste Standort des Tages war das Zuckerforschungsinstitut von Mauritius. Nach einem kurzen Empfang mit Tee und Kaffee und dem dazugehörenden einheimischen Zucker, wurden wir durch einen Mitarbeiter des Instituts über diverse Arbeitsinhalte sowie den Aufbau der Einrichtung unterrichtet. Das Institut wurde 1953 zu Forschungszwecken gegründet. Finanziert wird es durch Beiträge der Zuckeranbauer, vor allem der „großen Pflanzer“, denen meist die Mühlen gehören und die „kleinen Pflanzer“ zum Teil noch unterstützen. Innerhalb der Einrichtung arbeiten ungefähr 150 Wissenschaftler und Techniker. Das Institut besteht aus 4 Sektoren mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen:

1. Ressource Management: Finanzen, Bibliothek, Wirtschaft ...

2. Engineering Sector: Technologie und Ingenieurwesen, Workshops und Management ...

3. Biological Sector: Biotechnologie, Zuckerrohr-Züchtung, Entomologie ...

4. Agronomy Sector: Landwirtschaftliche Chemie, Feldexperimente, Bewässerung ...

Das Problem, welches momentan besteht, ist, das nur noch 14 Fabriken mit Mühlen existieren, die auf nur 6 reduziert werden sollen. Die Zuckerrohrbauern mit kleinen Feldern werden so natürlich auch in ihrer Existenz äußerst stark bedroht, denn sie sind zum großen Teil von den Großgrundbesitzern, denen die Fabriken gehören, abhängig. Durchschnittlich werden pro Jahr etwa 600.000 bis 650.000 Tonnen Zucker produziert, wovon ca. 525.000 bis 540.000 Tonnen auf den Europäischen Markt gehen. Nachdem 1974 durch den Sugarboom der Preis enorm sank und der Aufkaufpreis trotz hoher Arbeitskosten immer niedriger wird, hat Mauritius mit Großbritannien einen Vertrag geschlossen. Bis 2006 wird der Zuckerpreis vermutlich um weitere 30 % sinken. Gegenmaßnahmen dafür sind eine verstärkte Mechanisierung, Bewässerung, Arbeitskräfteumverteilung, höhere Produktivität und eine höhere Anbauvielfalt. Die Energie für die Zuckerherstellung wird von März bis September durch die Verbrennung der Zuckerrohrreste gewonnen, ansonsten muss Kohle aus Afrika importiert werden. Es wurde uns versichert, dass keinerlei Insektizide – Mauritius ist das einziges Land, wo dies der Fall ist – eingesetzt werden. Auch gegen Herbizide und andere Pestizide sei das Zuckerrohr resistent, so dass sie nicht zum Einsatz kommen, was allerdings mit einem großen Fragezeichen zu sehen ist. 90 % der 142 Mitarbeiter des Institutes, das drei Außenstationen hat, sind Hochschulabsolventen, die sich sehr stark mit biologischen Modifikationen des Zuckerrohrs beschäftigen. Bisher wurden am Institut 800 Studenten ausgebildet. Nach dieser Einführung besichtigten wir mehrere Teilbereiche des Instituts, wo wir weitere Informationen erhielten.

1. Bereich: Soil and Environment

Die Böden Mauritius’ haben sich aus vulkanischen Laven entwickelt (siehe Referat Boden). Ältere Laven bilden „mature“ („reife“) Böden , jüngere „immature“ („unreife“) Böden. Latosole sind die häufigsten Böden auf Mauritius. Zwischen der Höhenlage und der Bodenfruchtbarkeit besteht eine direkte Abhängigkeit. In höheren Lagen ist die Anzahl der Niederschläge weitaus höher als in flacheren Regionen und mit abnehmender Höhe steigt die Bodenfruchtbarkeit. Innerhalb der Abteilung Soil and Environment werden Untersuchungen zu einzelnen Bodenbestandteilen, wie Stickstoff (N), Phosphor (P), Calcium (Ca) und Kalium (K), und ihrem Gehalt im Boden durchgeführt, denn Zuckerrohr benötigt viel N (110 kg/ha), P2O5 (40 kg/ha) und K20 ( 240 kg/ha). Das heißt, es muss gedüngt werden, aber so, dass keine Überdüngung stattfindet. Dafür werden Untersuchungsergebnisse der chemischen Zusammensetzung des Boden und entsprechende Empfehlungen an die Bauern weitergegeben. Extraktionen, Elementbestimmungen, KAK und Pestizidbestimmungen sowie Pflanzenanalysen, bei welchen die Blätter gesammelt und analysiert werden, um die N- und P-Gehalte zu prüfen, gehören zu den Untersuchungsmethoden. So können Rückschlüsse auf stattfindende Bodenprozesse und Nährstoffverluste durch Niederschläge oder durch die Ernte gezogen werden. Da gegen Unkräuter Herbizide eingesetzt werden, werden die Niederschläge und Einzugsgebiete der Flüsse besonders untersucht. Die Spitzen an N und P liegen im November (1987), im September (1998) und Januar (1999), was eine Bodendegradierung zur Folge hatte. Die Herbizide werden dahingehend überprüft, wie lange sie Boden verbleiben, welchen Einfluss sie auf die Wasserqualität haben. Vorgestellte Resultate, die allerdings sehr kritisch zu betrachten sind, waren folgende:

- die Konzentration kann höher sein als empfohlen, vor allem einen Monat nach der Ausbringung der „Schadstoffe“ kommt es zu einer Überschreitung der Grenzwerte (nur dann ?),

- es gibt nur wenig Beweise für eine Anreicherung im Boden (?),

- der Nitratwert ist akzeptabel und das GW wird nicht beeinflusst (?),

- die Kontamination ist kurzweilig, aber es kommt zu keinerlei größeren Schäden für die Umwelt und den Menschen,

- Langzeitstudien zeigen keinerlei Nitrat-Anstieg (?) und

- es gibt keine Unterschiede bei ändernder Farmgröße und Produktionsweise.

Weiterhin bestehen große Unterschiede in der Trinkwasserqualität (hier werden Konzentrationen, die keinen Einfluss für 65 bis 70 Jahre auf den Menschen hatten, genutzt) und den Umweltstandards, welche weitaus höher liegen.

 

2. Bereich: Irrigation Department

Auf Mauritius werden 15.000 ha an Zuckerrohrfeldern bewässert. Es werden besonders Gebiete unter der 1600 mm Isohypse und zu bestimmten Zeiten auch höhere Regionen bewässert. Am Institut werden Bewässerungsprogramme entwickelt, die später an die Farmer ausgehändigt werden. Auch die Ermittlung der optimalen Wassermenge, die für die Bewässerung gebraucht wird, ist ein Forschungsschwerpunkt. Es soll eine höhere Effektivität, dass heißt Wasser sparen und trotzdem höhere Erträge erzielen, erreicht werden. Es werden verschiedene Bewässerungssysteme genutzt. Zum einen das Centre pirot system, bei welchem die Ausbeute, d.h. das ankommende Wasser, bei 77-86 % liegt.

Dieses System ist sehr populär, da es mechanisch funktioniert, und die langen Bewässerungsreihen automatisch weiter-wandern. Die Tröpfchenbewässerung wird ebenfalls, allerdings in weitaus geringerem Umfang aufgrund ihres Kostenfaktors, genutzt. Des weiteren wurde innerhalb dieses Institutsbereiches etwas zur Bodenerosion gesagt. Der Boden, der auf Mauritius im Jahr verloren geht, beläuft sich auf durchschnittlich 2 Tonnen pro Hektar. Es können aber auch Werte bis zu maximal 10 t/ha & a abgetragen werden. Die Risikofaktoren hierfür sind die Niederschläge, die Niederschlagsintensität sowie -dauer, die durchgeführten Arbeitsgänge auf den Feldern und die Bodenbedingungen. Die Forschung beschäftigt sich deshalb mit Niederschlagssimulationen, die Aussagen über den stattfindenden Bodenabtrag bei unterschiedlichen Niederschlagsintensitäten geben sollen.

3. Bereich: Herbarium

Bereits im 18. Jahrhundert wurden Pflanzen auf Mauritius gesammelt und bestimmt. Die Pflanzensammlung des Instituts wurde Anfang des 20. Jhr. begonnen, aber erst 1969 als Department in das Institut aufgenommen. Es handelt sich um eine Sammlung von Pflanzen der Maskarenen und der kleineren umliegenden Inseln. Im Herbarium befinden sich 25.000 in Papier gepresste Pflanzen, eine Frucht- und Samensammlung sowie zahlreiche Bücher und Manuskripte, Zeichnungen und Fotographien. Ein großes Projekt ist The Book of the Endemics. Innerhalb der nächsten 3 bis 4 Jahre soll die gesamte Maskarenen-flora aufgenommen sein und als Buch veröffentlicht werden.

Standort: „Hotel School of Mauritius“

Um die von der EU gesponserte „Hotel School“, an welcher Software, Design und Hotelmanagement studiert werden können, soll eine Art Cyber City erbaut werden. Damit wird der Sektor der Informationstechnologie einen weiteren Aufschwung erhalten. Das Gelände wird nach den Planungen einer ganzen Stadt mit Wohnungen, Hotels und entsprechender Infrastruktur gleichkommen.

Standort: „University of Mauritius“

Die Universität von Mauritius ist eine sehr junge Einrichtung, die erst mit der Unabhängigkeit im Jahr 1968 gegründet wurde. Die Philosophie bestand darin, sich an den neuen Bedürfnissen des Staates zu orientieren. Landwirtschaft, Engineering und Administration waren die ersten Fakultäten. Später folgten Natur-, Sozial- sowie Rechtswissenschaften und heute spezialisiert man sich auf Medizin. In den 80er Jahren kam es zu einem umfassenden Programm, bei welchem Wissen und Wissenschaft entwickelt werden sollten. Seit 5 Jahren gibt es eine vollkommen eigene Infrastruktur, entsprechende Ausstattung und Entwicklungen in der Forschung sowie eigenen Ressourcen. Es werden dringend qualifizierte Lehrkräfte gesucht, die allerdings nicht zu teuer sein dürfen, da die Universität nur begrenzte finanzielle Mittel hat. Deshalb werden junge Leute mit Unterstützung in ausländische Universitäten geschickt, damit sie bei ihrer Rückkehr der Universität von Mauritius zur Verfügung stehen. Viele bleiben jedoch im Ausland, da sie dort bessere Berufsperspektiven haben. Da diese Universität ihr Ziel erreicht hat, ist vor einigen Monat eine zweite Uni eröffnet worden - The University of Technology – die eine höhere Spezialisierung besitzt. Des weiteren gibt es die University of the Indian Ocean, in welcher einige Studenten von Mauritius, den Seychellen, Madagaskar und anderen Inseln ausgebildet werden. Es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen der Universität von Mauritius und Südafrika, Indien, der australischen Uni. Historisch bedingte Beziehungen bestehen natürlich zu den Universitäten in Frankreich und Großbritannien (das britische Universitätsmodell dient Mauritius als Grundlage), aber auch den USA. Im folgenden sollen einige Informationen zum Bildungssystem Mauritius’ erläutert werden. Das britische Modell dient auch hier als Basis. Nach 6 Jahren Primary School folgen 7 Jahre Secondary School (Gymnasium), wovon 5 Jahre in der Junior und 2 Jahre in der Upper Secondary School, die Voraussetzung für die Universität sind, absolviert werden. Es gibt auch einen privaten Bildungssektor, aber 90 % sind vom Staat kontrollierte Schulen. Das Bildungssystem ist stark eliteorientiert. Bereits nach der Grundschule muss ein schwieriges Examen bestanden werden. Nur 60 % der Schüler gehen danach auf die Sekundarschule. 10-15 % machen danach noch weiter. Die Universität kann kaum mehr als 5.000 Studenten aufnehmen, so dass die übrigen nach Frankreich, Großbritannien, Indien oder auch Deutschland gehen. Der Prozentsatz der zurückkehrenden Studenten liegt bei nur 5 %. momentan werden auch Austauschprogramme mit Deutschland im Bereich der Landwirtschaft, Medizin und den Wirtschaftswissenschaften aufgebaut. 15 ausländische Studenten besuchen dieses Jahr die Universität der Insel. Insgesamt gibt es 200 Lehrende in der Einrichtung, von denen weniger als 10 % aus dem Ausland kommen. Da es für Studenten keinerlei Wohnmöglichkeiten direkt um und auf dem Campus gibt, müssen die einheimischen Studenten ständig pendeln und die ausländischen Studenten kommen in kleinen Pensionen unter. Dieses Problem will man versuchen zu beheben. Obwohl es sich auf Mauritius um eine autonome Universität handelt, werden 90 % des Haushaltes vom Staat finanziert. Mit dem Bau der zweiten Universität wird eine Zusammenarbeit mit der Industrie angestrebt. Dies ist jedoch ein schwieriges Unterfangen, denn die Industrie investiert nur, wenn sie mit den Forschungsergebnissen entsprechenden Profit erzielen kann. Festzustellen ist jedoch, dass die meisten Absolventen in ihrem Berufsfeld Anstellungen finden.

Standort: „Central Water Authority” – Headquater of the CWA

Der letzte Standort dieses Tages war das Headquater of the Central Water Autority. Diese Einrichtung kontrolliert die Umweltverschmutzung, die durch Industrieabwässer verursacht werden und stark auf das Grund- und Oberflächenwasser einwirken. Um die Wasserverschmutzung in den Griff zu bekommen, werden Untersuchungen und Monitoring-Programme im Bezug auf die Qualität von Grundwasser und Oberflächenwasser durchgeführt. Hierbei werden vor allem die Industriezuflüsse in die größeren Flüsse kontrolliert. Es müssen festgelegte Standards und Normen für die Wasserqualität eingehalten werden. Die gesamte Insel besitzt Grundwasser. Allerdings benötigen einige Industriebereiche besonders viel Wasser, wozu z.B. die Textilindustrie zählt. Der Preis für einen Kubikmeter Trinkwasser liegt auf Mauritius bei 6 Rupees, was umgerechnet etwa 0.43 DM entspricht. Die bei den Untersuchungen festgestellte Nitratkonzentration ist von der Topographie abhängig. Im Norden der Insel ist die Nitratkonzentration im Steigen begriffen, denn hier befindet sich das Gebiet des Hauptzuckerrohranbaus. Die Konzentration soll aber immer noch unter dem einzuhaltenden Limit für Trinkwasser liegen, was jedoch sehr kritisch zu beurteilen ist. Die Nitrat-Konzentration im Grundwasser ist zudem unter den Zuckerrohrfeldern höher als die des Oberflächenwassers. Die kleineren Zuckerrohrbauern glauben, wenn sie den Böden viel Dünger zusetzten, wächst alles besser und sie erhalten höhere Erträge bei der Ernte. Nach Aussagen der CWA gelangen Pestizide ebenfalls verstärkt ins Grundwasser. Der Verkauf dieser Mittel wird allerdings kontrolliert und dokumentiert. Die Bauern müssen eine Erlaubnis vorlegen, um Pestizide in bestimmten Geschäften zu erhalten, denn der Verkauf sehr begrenzt ist. 20 % der privaten Haushalte auf Mauritius sind noch nicht an die Frischwasserversorgung angeschlossen. Durchschnittlich werden 150 Liter pro Tag und Einwohner verbraucht. Für die privaten Haushalte gilt ein Preis von 50 Rupees für 10 Kubikmeter Trinkwasser. Liegt der Verbrauch höher, werden auch die Preise höher veranschlagt. Für die Industrie und Hotelanlagen bestehen andere Preislevel. Um das Grundwasser auf seinem eigenen Land z.B. für landwirtschaftliche Bewässerung zu nutzen, brauch man eine Lizenz auf der Insel. Interessant ist, das geklärte Abwässer von Hotelanlagen zum Beispiel Wiederverwendung für die Bewässerung von Golfanlagen und Gärten finden. Generell kann folgendes gesagt werden: es gibt auf Mauritius 3 große Wasserversorgungssysteme. Dieses sind das Port Louis System, das Mare Aux Vacoas System, das in MAV upper und MAV lower untergliedert wird, und das District Water System, das in DWS-North und DWS-South unterteilt wird. Zwischen den Systemen bestehen jedoch keinerlei Verbindungen. Im Norden wird zu ~ 80% Grundwasser genutzt, das hier vorhanden ist. Es soll ein Kanal mit einer Kapazität von 25 Mio. Kubikmetern konstruiert werden, um Oberflächenwasser in dieses Gebiet zu bringen. Port Louise nutzt vor allem Flusswasser und die Region im Zentrum zu 50 % Grund- und zu 50 % Oberflächenwasser. Der Süden gewinnt sein Wasser aus dem Grundwasser und im Osten, wo sich viele Hotelanlagen befinden, wird zu 75 % GW und zu 25 % Oberflächenwasser genutzt. Das anfallende Abwasser wird, wie bereits erwähnt, zum Teil recycelt, allerdings erfolgen in die küstennahen Bereiche immer noch starke Einträge und das besonders im Norden, wo viele Hotels angesiedelt sind.

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