Andrea Srugies & Matthias Seidel
Port Louis
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Der nächste
Exkursionsstandort des Tages lag unterhalb Fort Adélaide an der
Rue Sebastopol. Fort Adélaide wurde 1834 von den Engländern
zum Schutze vor den Franzosen errichtet. Der Bau wurde nicht vollständig
fertiggestellt. Dennoch wurde er wegen seiner erhöhten Lage für
Wachposten genutzt. Ende der 1980er Jahre wurde eine Freilichtbühne
geschaffen um Fort Adélaide für kulturelle Zwecke zu nutzen.
Heutzutage ist der Bau wegen Baufälligkeit geschlossen und wartet
auf neue Investoren für eine Renovierung. Unterhalb des Exkursionsstandortes
am Marsfeld liegt der Mauritius Turf Club. Dieser ist der älteste
Pferderennclub der Südhemisphäre. Der Pferderennsport genießt
auf Mauritius große Popularität und kann als Nationalsport
bezeichnet werden.
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Auch das Wetten im Rahmen des Pferderennens erfreut sich großer Beliebtheit. Zwischen Mai und November werden die Pferderennen, bei denen volksfestartige Stimmung herrscht, auf dem Marsfeld ausgetragen. Ursprünglich war dies ein französischer Exerzierplatz. Neben den Pferderennen werden dort heutzutage noch Militärparaden und größere Feierlichkeiten abgehalten. Da Fort Adélaide auf einem der Port Louis umrahmenden Höhenzüge liegt und somit vom Exkursionsstandort aus die Stadt überblickt werden konnte, bot es sich an, auch die Geschichte von Port Louis zu behandeln. Die Anlage des Hafens erfolgte im 16. /17. Jahrhundert durch die Holländer. Der Hafen wurde als „Noordvester Haven“ bezeichnet. In den Jahren 1735/36 ist dann ein orkansicherer Hafen angelegt worden. Gleichzeitig wurde an der Stelle, wo heute Port Louis steht durch den Franzosen Bertrand François Mahé de Labourdonnais eine militärische Befestigungsanlage erbaut. Diese bildete das französische Hauptquartier. Neben der militärischen Befestigungsanlage wurde auch die Stadt selber planvoll angelegt. Dementsprechend besteht der Siedlungsgrundriss aus einer Reihe von parallelen sowie senkrecht kreuzenden Straßen. Im Jahre 1744 gab es bereits erste Zuckerraffinerien, der Hafen und die Regierungsgebäude waren fertig gestellt und die Bevölkerung von Port Louis konnte sich selbst versorgen. Nach der Rückbeorderung Mahé de Labourdonnais nach Frankreich 1746 endete die erste Blütezeit Port Louis. Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Franzosen und Engländern, welche die Franzosen zunächst erfolgreich für sich gestalten konnten. Port Louis, das Stützpunkt für die handeltreibenden Schiffe im Indischen Ozean war, hatte zur damaligen Zeit die Funktion und Bedeutung eines Welthafens vergleichbar mit Bombay, Madras, Kalkutta und Jakarta. Im Jahre 1816 wurden 2/3 Port Louis‘ durch Feuer zerstört. Unter der folgenden englischen Herrschaft begann die Wirtschaft gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wieder zu florieren. Ausschlaggebend dafür waren die Öffnung des Hafens auch für nicht englische Schiffe, die Fertigstellung des Suez Kanals 1869, technische Neuerungen wie die Dampfschifffahrt, die florierende Zuckerproduktion und die Entdeckung der ersten Goldvorkommen in Australien, wofür die notwendigen europäischen Güter auf Mauritius umgeschlagen wurden. In den folgenden Jahren wurde Port Louis von Feuer und Zyklonen heimgesucht und überprägt, so dass das Stadtbild heute gekennzeichnet ist durch Zweckbauten, modernen Verwaltungshochhäusern, verfallenen Kolonialbauten und Schnellstraßen. Die Geschichte Port Louis‘ stand natürlich in einem engen Zusammenhang zur Geschichte der gesamten Insel Mauritius. Die Insel war schon vor 1500 den Arabern bekannt, wie aus alten Karten hervorgeht. Es wurden durch die Araber jedoch keine Spuren auf Mauritius hinterlassen. Die ersten Europäer betraten 1507 Mauritius, als der portugiesische Seefahrer Domingo Fernandez Pareira dort anlandete. Es erfolgte durch die Portugiesen jedoch keine Besiedlung. Sie hinterließen jedoch Schweine, Ziegen und auch Ratten. 1598 wurde die Insel dann offiziell von der Holländisch-Ostindischen Gesellschaft für Holland in Besitz genommen. In dieser Zeit erhielt die Insel zu Ehren des regierenden Stadthalters Moritz von Nassau den Namen Mauritius. Während der Zeit der Holländer wurde die Insel ausgebeutet und heruntergewirtschaftet. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts begannen auch die Franzosen, Mauritius zu nutzen. Die wirkliche französische Besiedlung begann jedoch erst mit der Übergabe der Ile de France an die Französisch - Ostindische Gesellschaft im Jahre 1721. In dieser Zeit entwickelte sich die Kolonie sehr rasch und zahlreiche Siedlungsanlagen wurden errichtet. Die Zuckerindustrie wurde aufgebaut und die Bevölkerung der Insel konnte sich selbst ernähren. Es folgte nach 1746 eine Phase der Stagnation aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen Engländern und Franzosen über Vorherrschaft im Indischen Ozean, aber auch wegen innerfranzösischer Streitigkeiten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebte Mauritius wegen seiner Funktionen für den Handelsschiffverkehr eine erneute Blütezeit. 1810 wurden die Maskarenen von den Engländern nach einer Seeblockade erobert. Die Verwaltung wurde der englischen angepasst und zahlreiche Namengebungen sind ebenfalls geändert worden. So wurde die Stadt Port Napoleon in Port Louis umbenannt. Ab 1815 nach dem Wiener Kongress gehörte dann Mauritius offiziell England.
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Den Abschluss des Tages bildete ein Stadtrundgang durch Port Louis unter der Führung von S. Kranepuhl und Prof. Dr. Friedrich. Den Anfangspunkt des Stadtrundganges bildete der Company Garden. Diese Grünanlage wurde ursprünglich von der Französisch - Ostindischen Gesellschaft angelegt. Im Verlaufe seiner Geschichte unterlag er verschiedenen Nutzungen angefangen vom Garten über den Friedhof bis hin zum öffentlichen Markt. Auch heute noch werden zwischen Banyan - Bäumen, Flamboyants und Flaschenpalmen verschiedenste Produkte angeboten. Zudem sind zahlreiche Statuen und Büsten berühmter Personen der mauritianischen Geschichte zu bewundern. Beispielhaft seien hier nur die Namen von Remy Ollier und Leoville l´Homme genannt. Vom Company Garden aus führte der Stadtrundgang weiter zu dem gegenübergelegenen Mauritius Institute. |
Das Gebäude
wurde 1880 errichtet und erinnert in Architektur und Farbgebung an das
Stadttheater. Das Mauritius Institut beherbergt zum einen die Staatsbibliothek
von Mauritius und zum anderen das Naturhistorische Museum. Es handelt
sich dabei um ein relativ kleines, aber wichtiges Museum. So ist darin
neben zahlreichen Schmetterlingen, Muscheln, historischen Wasserfunden
sowie einheimischen Vögeln und Fischen auch eine Nachbildung der
Dronthe ausgestellt. Die Dronthe, die das Symbol von Mauritius und langläufig
auch als Dodo bekannt ist, war ein flugunfähiger Vogel, der vor der
beginnenden Besiedlung weit verbreitet war auf der Insel bzw. auf den
Maskarenen. Durch den Siedlungsfortgang verbunden mit der direkten Jagd,
aber auch durch die Einführung von Ratten wurde es innerhalb kurzer
Zeit geschafft diese Art auf Mauritius verschwinden zu lassen. Das Naturhistorische
Museum vermittelt also ein Bild von der Natur Mauritius, wie es sich noch
den ersten Besuchern darbot. Einige hundert Meter nordöstlich des
Mauritius Institut befindet sich das Regierungsgebäude. Es bildet
den Abschluss der Sookdeo Bissoondoyal einer Prachtstraße von Port
Louis. Das Regierungsgebäude ist das älteste erhaltene Gebäude
von Mauritius. Es wurde bereits 1736 errichtet. Damals fehlte allerdings
noch das zweite Stockwerk, welches erst 1806 unter dem letzten französischen
Gouverneur General Decaen aufgesetzt wurde. |
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Trotzdem war das Gebäude
zur Zeit seiner Erbauung ein weithin wahrnehmbares Gebäude, da die
Häuser damals üblicherweise klein und sehr niedrig waren. Heutzutage
wirkt das Gebäude in Anbetracht der umliegenden hohen Straßenzüge
fast verloren. Das Gebäude trotzte in der Vergangenheit allen Bränden
und Zyklonen und ist nicht zuletzt auch wegen des Einsatzes des Denkmalschützers
Jules Koenig in einem guten Zustand. Die Funktion des Regierungssitzes
verlor es zwar bereits im Jahre 1748, es wird aber immer noch zu Staatsempfängen
genutzt. Am nordwestlichen Ende der Prachtstraße Sookdeo Bissondoyal
am Place du Quai steht die Statue des Francois Bertrand Mahé de
Labourdonnais. Der am 11. Februar 1699 in St. Malo geborene Mahé
de Labourdonnais fand seinen Weg über die Französisch-Ostindische
Gesellschaft nach Mauritius. Im Jahre 1733 erreichte er erstmals als Kapitän
eines portugiesischen Schiffes die Insel Mauritius. |
Schon zwei Jahre später, am 4. Juni 1735, wurde er der erste Gouverneur der Ile de France, wie Mauritius damals genannt wurde. Unter seiner Herrschaft nahm die Kolonie und Port Louis eine rasche Entwicklung. Doch 1746 wurde er nach Streitigkeiten mit dem indischen Generalgouverneur nach Frankreich zurückbeordert und vor Gericht gestellt. Infolge seiner Gefangenschaft starb Francois Bernard Mahé de Labourdonnais wenige Jahre nach seinem Freispruch als verarmter Mann. Den nächsten Standort bildete das Municipal Theatre. Dieses 1820 – 22 errichtete Kolonialgebäude war das erste Theater der Südhemisphäre. Die größte Bedeutung hatte es allerdings in der Vergangenheit als zahlreiche internationale Künstler hier auftraten. Mit dem Bau eines großen Saales in Rose Hill. Heutzutage werden indische und chinesische Tanzveranstaltungen durchgeführt und treten Folkloregruppen auf. Es folgte der Besuch eines Viertels, das als Chinatown bezeichnet wird. Chinatown erstreckt sich beiderseitig der Sir Seewoosagur Ramgoolam Street. Dort findet man viele kleine traditionelle Geschäfte, dennoch erscheint Chinatown als Mischung aus moderner Großstadt und asiatischem Markt. Die Chinesen haben an der Gesamtbevölkerung von Mauritius zwar nur einen Anteil von 3 %, konzentrieren sich aber auf Port Louis. Sie sind zu großen teilen im Kleinhandel beschäftigt. So verwundert es auch nicht, dass 60 % aller Gemischtwarenhändler in Mauritius chinesischer Abstammung sind. Inmitten von Chinatown befindet sich die Jummah Moschee an der Chaussée Royal. Die Moschee stellt das religiöse Zentrum der etwa 200.000 Moslems Mauritius dar. Der Islam wurde erst 1805 auf Mauritius als Religion zugelassen. Im Zeitraum von 1850 bis 1895, also über 35 Jahre hinweg, wurde die Moschee von Baumeistern aus Indien und Pakistan errichtet. Die Moschee bildet eine Insel der Ruhe und Einkehr inmitten des geschäftigen Treibens Chinatowns. Die muslimische Bevölkerung, welche die Moschee nutzt, wohnt selber jedoch überwiegend westlich des Marsfeldes. Die verschiedenen religiösen Gruppen aus Moslems, Chinesen, Tamilen und Christen haben zwar jeweils ihr bevorzugtes Wohnviertel, welches dementsprechend geprägt ist, die religiösen Zentren befinden sich jedoch oftmals außerhalb. Ohnehin ist das Leben in Port Louis geprägt durch ein friedliches Miteinander der vielfältigen ethnischen und religiösen Gruppen. Der letzte Standort des Tages war der Place de Armes mit seinen Markthallen. Die Institution des Zentralmarktes ist älter als die meisten Gebäude der Stadt. Früher wurde der Markt jedoch an anderer Stelle abgehalten. Erst 1838 wurde an den Place de Armes verlagert. Der Markt ist täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet und in den unter Denkmalschutz stehenden eisernen Markthallen bieten Bauern indischer, chinesischer, kreolischer und europäischer Abstammung ihre Produkte an. Das Spektrum an Waren reicht dabei von Obst und Gemüse über Gebrauchsgegenstände, Gewürze und Tee bis hin zu Stoffen, Kleidungsstücken, Spielzeug und Kunstwaren. Abschließend wurde den Exkursionsteilnehmern die Gelegenheit gegeben, individuell Eindrücke vom Viertel und vom Markttreiben zu sammeln.
Standort: Postmuseum |
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Im Postmuseum der mauritianischen Hauptstadt sind Duplikate der weltberühmten „Blauen Mauritius“ und „Roten Mauritius“ ausgestellt. Die erst vor einigen Jahren vom mauritianischen Staat mit einem Wert von 5 Millionen DM zurückgekauften Originalmarken liegen im Safe der Nationalbank. Die Geschichte, dass es sich bei den Marken um Fehldrucke eines unwissenden mauritianischen Druckers handelt, kann wahrscheinlich als Legende gewertet werden, da es durchaus in der Zeit ihrer Entstehung üblich war, die Worte „Post office“ aufzudrucken. Erst später wurde einheitlich „post paid“ gedruckt. |