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(Sonntagspost, 2/96)

Peinlich auf dem Weg zum Kultbuch?

Peinlich" hat das Zeug zum Kultbuch, denn zu schrill, verworren und wunderlich ist das, womit Mattis Manzel in seinem Roman den Leser überhäuft (Ammann-Verlag, Zürich, 264 Seiten, 38 Mark). Dabei sprüht der 35jährige Berliner Autor vor Witz und guten Einfällen, aber eine geradlinig erzählte Geschichte darf man von ihm nicht erwarten.
Mit seinem Helden Peinlich (nomen est omen) schweift man in die absonderlichsten Episoden ab. Das Ganze spielt mitten in Berlin, im dicksten Neuköllner und Kreuzberger Studentenmilieu, und was dieser Held dort erlebt, ist einfach nur peinlich. Er ist ein Schmarotzer an jedem Tische, den seine schwangere Freundin Margit gerade herausgeworfen hat. Steckt er einmal seinen Fuß in die Tür, wird man den Typ nicht mehr los. Seine Joghurtbecher liegen in jeder WG.
Im aufsässigen Tonfall des ewigen Jugendlichen bei dem Salinger und Bukowski schön grüßen lassen, und in großer Vielfalt der literarischen Formen läßt Manzel seinen Peinlich über Kunst und Welt, über Geschichte und Gebrauch des Kondoms und vieles, vieles mehr räsonieren. Wem dies alles zu viel Geschwalle ist, der mag offenbar keine Kultbücher - auch wenn es vielleicht niemals welche werden. ts

 

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