zurück zur Seite Pressestimmen

 

(Konzepte, 6/91)

Zwei Seemänner sitzen in Barcelona und essen einen Albatros

Sonja Leithe über das Prosa-Debüt von Mattis Manzel

"Zwei Männer sitzen in Barcelona und essen einen Albatros", so der Titel einer Geschichtensammlung von Mattis Manzel, erschienen im Berliner Gatza Verlag.
Das erste Buch von Mattis Manzel, laut Verleger Ex-Philosoph, Sinfoniker, Wikinger und Bassist einer Post-Punk-Hippie-Popband, mutet auf den ersten Blick skurril und ein wenig verschroben an, und nachdem das Auge auf alle 200 Seilen geblickt hat, verfestigt sich dieser Eindruck. Der Autor, der sich übrigens auch gern in Königsrobe zeigt, hat seine Texte unter dem Eindruck eines Tierbuchs aus dem 15. Jahrhundert in Pflanzen- Tier- und Menschengeschichten aufgeteilt. Was in diesen Geschichten passiert, ist stets der Irrsinn des Alltags, das verkleidete Normale. Da schreibt jemand einen Standardbrief an seine Verehrerinnen, lebt mit einer Krake auf dein Magen oder philosophiert, warum er, wenn sich andere zum Werwolf verwandeln, sich als Hase in den Blumenrabatten einer öffentlichen Grünanlage wiederfinden muss. Über Phantasielosigkeit kann man sich bei Manzel wahrlich nicht beschweren. Den ungewöhnlichen Blick auf Normalitäten könnte man es wohl nennen, was dem Leser z.B. mit der Geschichte über die Wespe, die Gewissheit über den nächsten Sommer gibt, unter die Augen gelegt wird.
Vor allem jedoch, und das ist das Schöne, zieht sich durch Mangels Geschichten ein ironischer, leicht augenzwinkernder Unterton. So z.B. bei seinem Text über die Planung einer Performance mit künstlichen Lungen: "Anfangs Bewegungslosigkeit, dann allmählich vereinzelte Lungen, die leicht zu atmen anfangen. Es atmen immer mehr Lungen. Phasen kollektiven Hüstelns treten ein, vereinzelte halten für eine Weile die Luft an." Dann weiter unten, gibt er Finanzierungstipps: "Neben den üblichen Gremien zur Kulturförderung empfiehlt es sich, die folgenden potentiellen Sponsoren auf finanzielle Unterstützung hin abzuklopfen: Hersteller von Hustenbonbons, Gasmasken, Tauch- und Atemschutzgeräten,... Firmen die Filter für Müllverbrennungsanlagen bauen,... außerdem das Bundesumweltministerium" - und er weiß noch einige mehr.
Vielleicht ist es eine Selbsteinschätzung, wenn Manzel in einer Geschichte schreibt: "O.K. Immerhin wurden Wörter aneinandergereiht: Es fallt mir eben leicht, sie aneinanderzureihen. Außerdem ist die Gefahr kleiner, auf halber Strecke von dem Gedanken überrannt zu werden: Was tue ich hier eigentlich?"
Sicherlich keine Literatur von der Stange ist das, was Mattis Manzel hier vorlegt, wohl eher amüsante Sprachvirtuosität und wie die Berliner Zeitung schreibt "professionelle Verwirrungen".

Mattis Manzel: Zwei Seemänner sitzen in Barcelona und essen einen Albatros. 120 Seilen / l Ausklappseite. 23 DM. Gatza Verlag.

zurück zur Seite Pressestimmen


1