Pfeifkonzerte in Zakopane, Schneebälle und Bierdosen in Harrachov: Skiflug-Weltmeister Sven Hannawald hatte im vergangenen Winter einen schweren Stand in der Begegnung mit einer Gruppe besonders aggressiver Fans aus Polen.

Bei deutschen wie polnischen Athleten und Trainern lösen diese Hooligan-Attacken schlichtes Entsetzen und Unverständnis hervor. Weltcup-Gesamtsieger Adam Malysz appellierte an seine Landsleute, sportliche Fairness zu zeigen.
"Der Skisprung-Sport lehnt diese Aggressivität in den Stadien ab", erklärten einhellig der deutsche Bundestrainer Reinhard Heß und sein polnischer Kollege Apoloniusz Tajner. "Wir liefern Wettkämpfe auf hohem Niveau, die von der gegenseitigen Anerkennung der sportlichen Leistung geprägt sind."
An Situationen wie im Fußball, wo gewalttätige Auseinandersetzungen rivalisierender Fan-Gruppen an der Tagesordnung sind, wolle man sich im Skisprung nicht gewöhnen.

Um die besondere Bedeutung des sportlichen Miteinanders unter den Skisprung-Nationen hervorzuheben, haben beide Mannschaften beschlossen, ein deutsch-polnisches Jugendcamp durchzuführen, das von Sven Hannawald, Adam Malysz, Reinhard Heß und Apoloniusz Tajner mit betreut wird (wir berichteten).
Dazu wurden vom Deutschen Skiverband je zehn jugendliche Springer beider Nationen eingeladen, in Hinterzarten an einem Trainingslager teilzunehmen.
Hierbei steht der sportliche und kulturelle Austausch ganz im Mittelpunkt der 14- bis 16jährigen Sportler. Diese führen im Rahmen des "Rothaus FIS-Sommer-Grand-Prix" einen
Teamwettbewerb durch, wobei zehn Zweierteams bestehend aus Springern beider Nationen gebildet werden.

Der polnische Skiverband hat mittlerweile eine Gegeneinladung ausgesprochen. Ende August werden junge Sportler aus dem DSV zu einem großen Sportfest nach Zakopane reisen. "Unser Ziel ist es ein Zeichen zu setzen", fügt Bundestrainer Reinhard Heß hinzu. "Der Skisprung-Sport liegt uns zu sehr am Herzen, als dass wir die Begeisterung für ihn durch nationalistische Rüpeleien trüben lassen. Die Skisprung-Familie ergreift die Initiative - auch im Sinne des überwiegenden Teils unserer fantastischen Fans auf der ganzen Welt."

Unterstützung bekommt der Sport dabei auch von der Bundesregierung: der auch für den Sport zuständige Bundesinnenminister Schily hat die Schirmherrschaft für den deutsch-polnischen Sportleraustausch übernommen.
Schily: "Auch wenn die Auswüchse in Zakopane und Harrachov als Attacken einzelner Hooligans verstanden werden müssen - und ganz sicher nicht verallgemeinernd für das Verhalten polnischer Sportfreunde stehen - begrüße ich sehr, dass mit der gemeinsamen Aktion des Deutschen und des Polnischen Skiverbandes frühzeitig gegengesteuert wird.
Der dazu von den Organisatoren gewählte Ansatz, in deutsch-polnischen Jugendcamps die Nachwuchshoffnungen im Skisprung beider Nationen zusammenzuführen, wird auch im Verbund mit einer angemessenen Medienberichterstattung helfen können, gerade junge Menschen gegen nationalistische Auswüchse stark zu machen und den Fair-Play-Gedanken weiter zu festigen."

 

 

 

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