Margaretha Rebecca Hopfner

Überlegungen zum Begriff "Offenbarung"
aus Sicht der christlichen Heilslehre

Prüfungsarbeit im Rahmen des Glaubenskurses der Erzdiözese Wien
„Im Glauben unterwegs“ 1991/92 für pfarrliche Angestellte

      

Der Begriff "offenbaren" entstammt dem Bereich der menschlichen Kommunikation. Er bezeichnet einen Kommunikationsvorgang. Etwas genauer gesagt, könnte man unter "offenbaren" eine Selbstmitteilung, eine Vermittlung der je eigenen Welt des Sich-Mitteilenden verstehen, welche auch unaufgefordert geschehen kann.

Wenn wir den Begriff "offenbaren" vernehmen, denken wir unwillkürlich auch an "Preisgabe von Geheimnis", "Hingabe", also an eine weitreichende Entäußerung einer innersten Welt. Wer sich "offenbart", so scheint es jedenfalls, kennt keine Rücksicht mehr gegen sich selbst. Unter einem vielleicht sogar als Zwang erlebten inneren Druck, das, was als "wahr" empfunden wird, auch auszudrücken und damit mitzuteilen, kommt diese "Offenbarung" als AUSDRUCK DER WAHRHEIT des Sich-Offenbarenden in Bezug auf die zur Darstellung drängenden Sachverhalte zustande.

Analog dazu verstehen wir unter "Offenbarung Gottes" eine Mitteilung Gottes. Adressat dieser Mitteilung ist der Mensch. Indem Gott sich offenbart, erzählt Gott, stellt er quasi "seine Sicht der Dinge" dar, je nach dem, worüber er sprechen will, zu welchem Thema er sich mitteilen will. Gott, von dem wir letztlich zutiefst innen vor aller bildhaften Erkenntnis nur "wissen", erleben können, dass er Liebe ist, läßt sein Sich-Offenbaren seinem Wesen gemäß AUS LIEBE und IN LIEBE geschehen.

Gottes Offenbarungen stellen Erkenntnisse dar, zu welchen der Mensch selber aus eigener Kraft nicht fähig wäre, sie sind ein Geschenk Gottes an den Menschen, welches von diesem niemals im menschlichen Sinn verdient worden ist oder verdient hätte werden können. Als ein Akt des nachmaligen Sich-Selber-Verschenkens an den Menschen sind sie einzig und allein göttliche Gnadengabe.

Und wiederum analog zu dem eingangs Gesagten können wir somit die "Offenbarungen Gottes" als DIE FÜR DEN MENSCHEN GESTIFTETE WAHRHEIT GOTTES ansehen. Als Handreichung Gottes an den Menschen, sein DA-SEIN beim Menschen, sein MIT-SEIN mit dem Menschen und sein SO-SEIN wie der Mensch. In Liebe.

Gegenstand der göttlichen Offenbarung ist nicht primär Gott selber, sondern sein aus Liebe geschaffenes Geschöpf, die Schöpfung in ihrem gesamten Werdegang, und somit auch der als Adressat des Kommunikationswunsches Gottes zu seinem Partner erhobene und auf diese Weise in die "Mitte" dieser Schöpfung gestellte Mensch.

Gott erzählt also dem Menschen über den Menschen und die ihn umgebende Welt, über seine Geschichte, welche in Gott selbst ihren Ursprung hat, seine Gegenwart und auch die Zukunft. Eine Zukunft, von der Gott wichtig ist, den Menschen mit Bestimmtheit wissen zu lassen, dass sie wieder in ihm münden wird.

Gott will den Menschen in seiner moralischen Unklarheit und Verwirrung, seinen Verirrungen behilflich sein, indem er ihm mit seinen Geboten Entscheidungshilfen für das "gute", moralisch gesehen "richtige," den Menschen schützende und fördernde Verhalten gegeben hat, sie sind ein Ausdruck der Sorge und Fürsorge Gottes. Hier allerdings als ein von Gottes vollkommenem Respekt getragenes Geschehen in absoluter Freiheit es wiederum dem Menschen überlassend, ob dieser bereit ist, seine Hilfe anzunehmen, oder aber nicht.

Die somit von Gottes Kommunikationsvorgaben her für den Menschen prinzipiell bestehende Möglichkeit zu sündhaftem Verhalten entspringt einem Freiheitskonzept, das angesichts der Not und des Elends, welches im Verlauf der Geschichte Menschen anderen Menschen verursacht haben, welches der Mensch heute in der Lage ist, der Schöpfung selbst zuzufügen, fast mit einem Erschrecken zur Kenntnis genommen wird, die letztlich aber in Gottes Liebe zum Menschen wurzelt und in seinem offenbar gewordenen Wunsch, mit dem Menschen in der Würde vollkommener Freiheit zu kommunizieren.

Gott, der dem Menschen kein Bild über sich selbst gestattet, an dessen Realität jede menschliche Begrifflichkeit scheitern muss, bedient sich zum Zweck seiner Mitteilung menschlicher Kommunikationsmittel. Er wählt Menschen aus, die als Menschen ihr Menschsein immer innerhalb eines konkreten historischen Umfeldes realisieren, also "historische Persönlichkeiten" sind, um seine Botschaften in jene Bilder zu kleiden, die dann von den sich ebenfalls in konkreten historischen Zusammenhängen befindlichen Menschen auch verstanden werden können.

Auf diese Weise betritt Gott die Welt des Menschen, kommt er ihm ganz und gar entgegen und verwandelt sein Mitzuteilendes in die Gestalten menschlicher Bilder. Die von Gottes Geist inspirierten und so beschenkten Menschen, seine Sprachrohre, nennen wir Propheten. Ihnen verdanken wir die für eine zeitlich und räumlich übergreifende Verfügbarkeit notwendige Abfassung der vom Geist Gottes "inspirierten Heiligen Schrift", der verschriftlichen, in Sprache gesetzten göttlichen Offenbarung.

Und am Ende des Offenbarungsgeschehens gibt Gott sich hin in die menschliche Gestalt selbt, um "äußerstes" DA-SEIN, SO-SEIN und MIT-SEIN bis hinein in allerletzte Grenzsituationen menschlichen Lebens, hinein in Leiden, Sterben und Tod, dem über alles geliebten Geschöpf zu dokumentieren, wird er Mensch in Jesus von Nazareth.

In Jesus geht Gott mit dem Menschen den Weg des Menschen, unterwirft er sich in Freiheit der möglichen Ohnmacht menschlicher Existenz, um diese in einem unfaßbaren Auferstehungsgeschehen wiederum aufzubrechen und auf diese Weise das restlos ungerechtfertigte Machtstreben des menschlichen Willens ad absurdum zu führen.

Hier wird dem Menschen sowohl die Endlichkeit seiner Existenz und aller seiner Willensbekundungen vor Augen geführt, wie auch seine gesamtpersonale Transzendenz in die Un-endlichkeit Gottes hinein. Es wird dem Menschen radikaler als jemals zuvor im Offenbarungsgeschehen seine personale Verantwortung für das gesamte je eigene Leben im Lichte der göttlichen Offenbarung aufgezeigt.

In der nun vom Menschen ebenso aus Liebe getroffenen Entscheidung - welche als integralen Faktor personale Freiheit und damit verbunden die Möglichkeit, Entscheidungen in Freiheit von allen als Zwang empfundenen Bindungen zu treffen, beinhaltet -, die Offenbarungen Gottes ernst zu nehmen und bejahend in den menschlichen Lebensvollzug einzubauen, erwidert der Mensch die Liebe Gottes mit Gegenliebe und beantwortet die göttliche Offenbarung mit der Gegengabe seines Glaubens und einem Leben aus diesem Glauben heraus.

Da aber der mit dem Beginn von Gottes Offenbarung einmal angetretene Weg Gottes mit dem Menschen durch die menschliche Geschichte mit der Auferstehung Jesu noch nicht zu Ende ist, das Ende dieser Welt in den mit menschlichen Begriffen faßbaren Dimensionen von Raum und Zeit und somit das Ende des innerhalb dieser Koordinaten sich realisierenden menschlichen Lebens noch nicht erreicht ist, bedarf es sowohl einer zielgerichteten Weitergabe der geoffenbarten und so dem Menschen zugänglich gemachten Erkenntnisse im Rahmen wiederum sich geschichtlich entwickelnder Traditionsformen, als auch einer bewußten Neuformulierung menschlicher Lebensgestaltung im moralischen und ethischen Bereich entlang dieser Erkenntnisse.

Diese Aufgaben - die Weitergabe der Offenbarung, deren zentraler Bestandteil die Verkündigung der Frohbotschaft Jesu ist, die Bildung der durch Jesus erneuerten und von ihm durch seine Liebe aus aller bisherigen Schuldverstrickung herausgelösten, so letztlich er-lösten Gemeinschaft, sowie die rituelle Ausübung der von ihm eingesetzten heiligen Handlungen, den Sakramenten, als ein stets sich fortsetzendes Mit-Sein mit ihm - übernimmt ab dem Zeitpunkt des von Jesus Christus gestifteten Neuen Bundes mit Gott bis zu der von ihm vorangekündigten Wiederkehr am Weltende die ebenfalls von Jesus Christus gestiftete nach erneuerten moralischen und sittlichen Maßstäben ausgerichtete menschliche Gemeinschaft, die Kirche.

Zum Abschluß noch einige weiterführende Links zu Jesus von Nazareth aus einer ZDF-Informationsreihe:
Fakt oder Fiktion
Jesu wundersame Geburt
Nachrichten aus der Kindheit
Zimmermann in Palästina
Jesus auf buddhistischen Pfaden
Heilsbringer in Jerusalem
Qualvoller Tod
Jesus in Indien
Große Vielfalt an Legenden
Entstehung der Jesusforschung
Kennzeichen der Jesusforschung
Epochen der Jesusforschung
Literatur und Links

Wien, 1991 bis 2007 1

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