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Margaretha Rebecca Hopfner
Beiträge zum Thema Adoption
im Diskussionsforum von adoption.de
2003
Seine persönliche Herkunft gehört zum Menschen und sie gehört dem Menschen!
Herkunft darf dem Menschen nicht vorenthalten, enteignet, geraubt werden! Herkunft darf niemals vernichtet werden!!!
Jeder Mensch hat das Recht auf seine Herkunft!
Adoption ist kein Instrument zur Familienplanung!
Die Anonymisierung eines Menschen und Inkognito-Adoption sind menschenverachtend!
Adoption kann ein Weg sein, einem verwaisten Kind eine Familie zu geben.
Adoption muss national und international rechtlich derart geregelt werden, dass die Menschenwürde aller Betroffenen gewahrt bleibt!
"DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR." Ingeborg Bachmann
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Einige Jahre beteiligte ich mich an den Diskussionen im Forum von adoption.de. Es existieren dort bereits über Tausend registrierte Beiträge von mir, und die inhaltlich mir wichtigsten präsentiere ich ebenfalls seit Jahren auch hier. Die Beiträge habe ich im originalen Wortlaut sowie der von mir im Forum verwendeten Orthographie übernommen, Verschreibungen wurden absichtlich nicht wegkorrigiert. Es handelt sich bei meinen Beiträgen um jene Bruch-Stücke der "Dinge meines Lebens", die im fortgesetzten Prozess ihres vorläufigen und schließlichen "Erkennens" buchstäblich aus mir herausgebrochen sind! Mein Mitschreiben im Forum hatte wesentlichen Anteil am unumgänglichen Verarbeitungsprozeß zur Geschichte meiner Adoption. Ein Dankeschön an das Ehepaar Fasen, welches die so wichtige Webseite zum Thema Adoption geschaffen hat und betreut und an all jene Diskussionsteilnehmer, die im Lauf der Jahre einen Austausch zum Thema Adoption mit mir gepflegt haben. Nur in der direkten Kommunikation mit anderen Betroffenen war mir mein eigener Ausdruck in dieser Form erst möglich!!!
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08.10.2003 - 20:08: Re: vorher? - Ergaenzung
noch eine ergaenzung zu meinem posting ist mir wichtig: diese umgebung (nicht meine a-eltern) erwartete dann auch unausgesprochen aber dennoch recht deutlich, dass ich froh und dankbar sein muesse, dass ich es so gut getroffen habe ... margaretha
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07.10.2003 - 23:41: Re: vorher?
liebe irma, von meinen (a-)eltern habe ich persoenlich nichts darueber erfahren. meine (a-)mama starb auch zu frueh, da war ich gerade einmal 8 1/2. und reden ueber diese dinge war nicht das, was mein (a-)vater getan haette. aber viel spaeter (auch nach seinem tod) habe ich dann erfahren, dass meine (a-)mama siebenmal (!!!)schwanger war ... vergeblich ... eine (a-)\"verwandte\" zu mir: ja, das haette man heute alles medizinisch \"machen\" koennen; im unterton mitgeschwungen hat dann in meine richtung: dann haette man ja dich nicht gebraucht! dies aus meiner sicht margaretha
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05.10.2003 - 13:42: An Nadya
liebe nadya, ich danke dir fuer deine ausfuehrliche antwort, und ich kann dir versichern, dass mir nun einiges klarer geworden ist von dem, was du EIGENTLICH sagen wolltest. sei mir nicht boes', dass ich dich in richtung einer bestimmten aussage regelrecht angegriffen habe, aber dieses thema (erbanlagen) ist auch bei mir nach wie vor aeusserst emotional besetzt, und ich denke, dass da ein ungeheurer unfug damit getrieben werden kann. uebrigens dazu: auch ich denke mir selbstverstaendlich, dass erbanlagen eine gewichtige rolle spielen, allerdings bin ich sehr, sehr vorsichtig damit, phanomene im psycho-sozialen, intellektuellen und kulturellen bereich hier eindeutig zuzuordnen. wie heisst es so schoen: nix ist fix ... (so sehe ich es jedenfalls) ... sag mir dennoch, worauf du das bezogen hast: \"where you come from ...\" (weisst du, dass mein leiblicher vater amerikaner ist?:-))) noch etwas: ich habe dich mit keiner silbe als \"verabscheuungswuerdig\" beschimpft, bitte, hier reagierst DU nun sehr extrem ... im gegenteil, ich habe sogar gesagt, dass ich dir nicht nahe treten und deine redlichen bemuehungen um deine a-kinder nicht in frage stellen will ... (mich hat einfach eine bestimmte passage in deinem posting - will aber nicht mehr darauf herumreiten - erschrocken!!!) ich wuensche dir also noch einen schoenen erholsamen sonntag und gruesse dich lieb margaretha
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06.10.2003 - 09:21: Re: An S(...)
und ich habe NEUN halbgeschwister, mit einer einzigen schwester entsteht so etwas wie ein geschwisterlicher kontakt seit gut zwei jahren, nachdem diese mehrfach den kontakt zu mir gesucht hat. und sie gehoert nicht zu jenen, mit denen ich anlaesslich der sog. reunion 1986 ausgiebiger kontakt haben konnte, sie war damals naemlich noch zu jung. der kontakt zu allen anderen hat sich im lauf der jahre wieder \"verlaufen ... trotz anfaenglich da und dort vorhandener \"genetic attraction\" ... also nicht die quantitaet macht's ... sondern die kontinuitaet des sozialen kontaktes ... aus meiner pers. sicht jedenfalls ... margaretha
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04.10.2003 - 14:05: Re: An Nadya
liebe nadya, 1. dies ist ein oeffentliches forum, und du kannst zu jedem der beitraege deine stellungnahme abgeben, ohne jegliche einschraenkung. 2. zum thema dankbarkeit fuer das rein physische leben: fakt ist und bleibt, dass das jeweilige konkrete kind von seinen jeweiligen konkreten leiblichen eltern das leben erhalten hat und von niemandem sonst (gut im fall von repro-medizin haben da noch einige mediziner etc. ihre haende im spiel) ... im interesse des kindeswohles sollten die leiblichen eltern - so schwer dies auch fallen mag - geachtet werden. ich als adoptierte bin als religiöser mensch dafuer dankbar, dass ER mir durch meine leiblichen eltern das leben geschenkt hat. haette ich ein besseres verhaeltnis zu ihnen, waere ich ihnen wahrscheinlich ohne zu zoegern dafuer dankbar, so aber habe auch ich meine probleme damit ... dennoch sind meine konkreten leiblichen eltern von meiner existenz nicht wegzudenken. dies sollten auch saemtliche a-eltern bedenken, die kinder fremder menschen - von welchen auch immer - bei sich aufnehmen. 3. ein satz in deinem statement hat mich nicht nur erschreckt, sondern auch entsetzt: \" ... bin ich mal froh, dass sie deshalb nicht unbedingt schlechte Menschen sein muessen, es sind halt nur ihre Anlagen etwas fragwuerdig ...\" also, nadya, hier muss ich dir sagen, genau an der einstellung, die hinter so einem satz steckt, habe ich jahre, wenn nicht jahrzehnte UNSAEGLICH GELITTEN ... zum glueck waren es nicht meine a-eltern, die diese haltung in sich getragen haben, es waren andere ... WIR ALLE (auch du, nadya) haben gute und schlechte seiten in uns, gute und weniger gute anlagen, die einer kultuvierung beduerfen ... es drueckt mir einfach die kehle zu, dieses \"heruntersehen\" auf das \"schlechte blut\", und ich muss zugeben, dass ich beinah fassungslos bin ... immer besser verstehe ich die schreie der empörung von s(...) hier herinnen, und ich begreife immer besser, in welche richtung sie gerichtet sind ... ich will dir nicht nahe treten, nadya, will auch nicht dein redliches bemuehen um deine a-kinder gaenzlich in frage stellen (zumal ich ja aus einem einzigen statement kein bild ueber eine gesamtsituation erlangen kann), aber denke dran, auch deine a-kinder haben konkrete leibliche eltern (mit eigenen geschichten, die ja auch sehr traurig und dramatisch verlaufen sein koennen), und bestimmt haben sie wegen fehlern, die diese ihre leiblichen eltern gemacht haben, kein \"schlechtes blut\" (=andere bezeichnung fuer biologisches erbe). sie sind vielleicht mit einer schweren psycho-sozialen hypothek belastet, aber das praedestiniert sie nicht zum \"schlecht sein\" von der disposition her u.s.f. mfg margaretha
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03.10.2003 - 22:22: Re: An Martina
liebe ..., mir ist es ziemlich egal, wo deine beitraege erscheinen, hauptsache sie ERSCHEINEN ... :-))) zu deinem vorigen posting an mich: schau, wenn menschen gerne ihr wissen demonstrieren, sollen sie das nach meinem dafuerhalten auch tun. wen's nicht interessiert, kann sich ja rasch aus den beitraegen wegklicken. ich handhabe das jedenfalls so. mir persoenlich gefaellt es sogar, wenn da ein wenig mit wissen und wissenschaft geprahlt wird, und immer wieder stelle ich fest, dass manche leute hier tatsaechlich ueber ein enormes wissen verfuegen, suse gehoert fuer mich zweifellos zu diesen, auch harald und so manch andere ... ich für mich habe da ein wenig \"abstand\" gewonnen. auch für mich war frueher wissenschaft, der \"rationale diskurs\" geradezu eine \"heilige kuh\" ... deshalb hab ich auch grosses verstaendnis fuer menschen, die dies praesentieren moechten ... heute jagen mir allerdings die begriffe \"wissenschaft\" oder gar \"naturwissenschaft\"(=leitwis senschaft etc.) nicht mehr den kalten schauer heiliger ehrfurcht ueber den ruecken, wiewohl ich nach wie vor groessten respekt vor wissenschaftlichem erkenntnisgewinn habe ... wittgenstein hat in seinem tractatus (dem sinn nach) gesagt: wenn alle wissenschaftlichen fragen geloest sind, sind die eigentlichen lebensprobleme noch gar nicht beruehrt (kann gerne das zitat heraussuchen ...) ... in dieser aussage steckt eine grosse wahrheit, um sie auszudrücken, brauchte es einen grossen philosophen ... auch für mich ist wissenschaft nicht mehr die allerkläererin für alle \"dinge\" \"meiner welt\" ... was du zu dieser adoptierten sagst: ja, es immer wieder erschütternd, was da so \"vorgefunden\" wird an kinderschicksalen ... allerdings ist es gerade solchen kindern gegenueber dann einmal sehr, sehr wichtig, ihre leiblichen eltern nicht zu menschenlichen negativa zu stilisieren, im interesse des kindes sollte auch solchen eltern wuerde zugestanden werden (sogar dann noch, wenn sie nur noch in ihrer zerstoerung erkannt werden kann), achtung entgegengebracht werden, liebevolles gefunden werden ... kann schwierig werden, aber ich halte das fuer sehr wichtig. auch ich selber will mir die GUTEN seiten meiner leiblichen eltern vergegenwaertigen, und auch die kann ich in meinen leiblichen eltern finden und mich ihrer erfreuen ... nun, ..., hoffe ich, dass ich deine geduld nicht ueber gebuehr strapaziert habe ... :-))) ich wuensche dir einfach ein schoenes wochenende und gruesse dich lieb aus wien margaretha
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03.10.2003 - 10:58: Re: Adoption
hallo s(...), du hast ganz recht, mir ist sonnenklar dass zwischen wunsch und wirklichkeit mitunter - wenn nicht zumeist - ein abgrund klafft. dennoch ist es legitim, solche wuensche zu artikulieren, denkanstoesse zu geben, die vielleicht beim einen oder anderen hellhoerigen ein wenig des nachdenkens in die aus meiner sicht richtige richtung bewirken koennen, denn wie schon ingeborg bachmann sagte (nicht woertlich jetzt): im spannungsfeld zwischen dem möglichen und dem unmöglichen erweitern wir unsere möglichkeiten ... es ist fuer mich auch deshalb legitim, dies zu artikulieren, da ich mir über den weg der - fortgesetzten - artikulation auch klarer darueber werde, was fuer mich persoenlich als adoptierte hier wichtig ist und wichtig werden koennte ... sei herzlich gegruesst margaretha
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02.10.2003 - 23:28:Re: offene Adoption und so ein paar Gedanken
...
liebe patty, dein gedicht gefaellt mir, und ich habe mir auch deine homepage ein
wenig angesehen. ist wirklich sehr ansprechend geworden. zudem muss ich sagen,
dass ich dich sehr bewundere dafuer, wie offen du mit adoption und mit
deiner/eurer geschichte umgehst! ich selber habe mich oft gefragt, wie ich
selber als adoptivmutter handeln wuerde, und ich kann nicht bestaetigen, dass
ich zu dieser form der offenheit bereit gewesen waere, denn sie waere für mich
auf dauer wahrscheinlich zu \"anstrengend\" geworden. was ich bestimmt gemacht
haette, waere, das kind als kind seiner konkreten, mir namentlich bekannten
eltern anzunehmen. ich haette bestimmt die abgebende mutter kennenlernen wollen,
ihre sicht der dinge anhoeren wollen, mich selber vergewissern wollen, wo sie
steht, wie sie zur freigabe steht (wenn ich es denn auch wirklich erfassen
haette koennen!) ... ich haette dieses kind als das kind konkreter leiblicher
eltern mit eigener geschichte, die schon vor meinem eintritt in sein leben
begonnen hat, mein kind werden lassen wollen, aber ich haette bestimmt nicht so
tun wollen, als waere dieses kind ganz und gar nur mein kind ... ich haette mich
wohl sehr bemueht, ihm ein gefuehl fuer seine wuerde mitzugeben, als der mensch,
der es nun einmal (inklusive seiner konkreten leiblichen herkunft mit allem, was
da eben hineinspielt) ist ... aber da ich nichts davon in die tat umgesetzt
habe, bleibt all mein diesbezuegliches ueberlegen spekulation, und ich kann
nicht sagen, ob auch nur eins meiner vorhaben, meiner realitaet standgehalten
haette ... deshalb meine grosse achtung vor dir, dass du diesen deinen/euren weg
tatsaechlich eingeschlagen hast ... ich wage auch keine aussage darueber, ob
offene adoption wirklich als generelle loesung gut waere, da sind schon ganz
triftige argumente dagegen vorgebracht worden, auch hier herinnen. und darueber
koennen bestimmt jene mehr sagen - wie ... beispielsweise -, die in diesem
bereich taetig sind, paare begleiten, kontakte zu diversen sozialarbeitern etc.
haben u.s.f. ... dir und deiner familie und den leiblichen eltern deiner/eurer
kinder von herzen alles gute margaretha
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02.10.2003 - 12:13:Re: An Margaretha
hallo, liebe ..., herzlichen dank fuer deinen beitrag und dass du auch ueber
deine persoenliche erfahrung berichtest. ich denke, dass sich im umgang mit
adoption in den letzten jahrzehnten doch ein positiver prozess eingestellt hat.
dass es ein forum wie dieses gibt, ist doch ein kleines beispiel fuer den
wandel!!! das ist nicht der einzige bereich!!! leider sehen wir im zuge zur
diskussion und handhabe der anonymen geburt bzw. babyklappe leider auch einen
trend in die gegenrichtung, so empfinde ich dieses thema jedenfalls .... ich
kann es mir gut vorstellen, dass du/ihr \"blauäugig\" (dein wort!) in die ganze
adoption hineingegangen bist/seid. sicher seid ihr damit nicht allein gewesen!!!
auch meine (a-)eltern haben im guten glauben gehandelt, das richtige zu tun und
mir gutes zu tun, als sie das thema adoption ganz einfach nicht berührten. zum
teil war es gut, denn ich denke, es sollte im alltag einer a-familie auch nicht
überstrapaziert werden, um sich nicht in permanenz als ausserhalb der
\"normalität\" (allerdings was ist normalität?) zu erfahren, andererseits hat
dieses ausblenden des faktums zu massiven störungen in meinem innenleben
gefuehrt und jenen kraeften tuer und tor geoeffnet, die - hinter den kulissen -
gerade auf diesem hintergrund ungehindert ihren dreck in mich hineinkippen
konnten. (auch die anonymitaet der geburt oeffnet ja taetern aller coleur im
grunde tuer und tor, und - provokativ formuliert - sind sie eigentlich die
grossen profiteure einer anonymisierung!!!) allerdings finde ich es in deinem
fall wirklich beachtlich, wie weit du dich dem GESAMTEN problembereich geöffnet
hast, dafuer hast du meine uneingeschraenkte hochachtung, und hier hat doch bei
dir/euch eine enorme entwicklung stattgefunden! was deinen (a-)sohn anbelangt,
so lass ihn doch die schritte in richtung leiblicher herkunft SELBER gehen, lass
ihn tempo und zielrichtung bestimmen. er ist zudem erwachsen und sollte auch
deswegen diese angelegenheit allein in seine hände nehmen. ein wenig erstaunt
mich, dass - wenn ich richtig informiert bin - in deutschland amtlicherseits die
zustimmung der a-eltern erforderlich ist für die nachforschungen. würde ich das
noch bis zur volljährigkeit des kindes als sinnvoll akzeptieren, so empfinde ich
das für den erwachsenen adoptierten einfach als entwürdigende bevormundung, wenn
nicht gar als partielle entmündigung (ich argumentiere nicht juristisch, sondern
subjektiv aus meiner position als adoptierte). jedenfalls bin ich mir 100%
sicher, dass du deinem sohn hier keine hindernisse in den weg legen würdest, und
ich denke, das hast du ihn doch bestimmt auch schon wissen lassen ... so viel
fuer heute ... alles liebe aus wien margaretha
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01.10.2003 - 19:10:Adoption
an alle diskussionsteilnehmerInnen mit grossem interesse habe ich die beitraege
zum thema offene adoption gelesen und festgestellt, dass das meinungsspektrum
doch recht breit ist. wunderbar ... ich stelle fuer mich fest, dass ich mich
einzelnen standpunkten (personen, die beitraege gegeben haben) nicht fix
zuordnen koennte, und so argumentiere ich -wie immer schon - aus meiner
subjektiven sicht als adoptierte: bei all meiner liebe und achtung fuer meine
(a-)eltern habe ich dennoch schrecklich darunter gelitten, nichts ueber meine
leibliche herkunft zu wissen (dieses wissen erhielt ich erst nach dem tod meiner
a-eltern), besonders in der pubertaet war ich uferlosen phantasieen in alle
richtungen ausgeliefert, ALLES (ursachen fuer weggabe, soziale zuordnungen,
erbanlagen etc.) war einfach moeglich und nichts konkret ... jede/r, der ueber
meine adoption bescheid wusste konnte auch in mich hineinphantasieren, was immer
er/sie wollte, der gute das gute, der boese die uebelsten zumutungen. besonders
letztere habe ich auch in voller wucht abbekommen: meine stiefmutter im o-ton:
\"du wirst schon von so einem gesindel kommen\" u.v.m. schon in diesen jahren
habe ich mir gesagt: auch wenn ich von bettlern und gar verbrechern abstammen
sollte, wenn ich das ergebnis eines inzestes waere, muesste ich einen weg
finden, um dazu ja sagen zu koennen ... jede wahrheit ist mir lieber als die
ungewissheit, denn nur das wissen um die wahrheit (warum, wer, wie etc.)
ermoeglicht mir eindeutige zuordnungen zur welt um mich ... und: erst seit ich
die GANZE wahrheit kenne - so entsetzlich sie auch in manche richtungen auch ist
- , fange ich an, ruhiger zu werden, kann ich mich und meine verfassungen,
verhaltensweisen besser verstehen, einordnen und auch eine distanz dazu aufbauen
... (ein anonym geborener mensch ist davon fuer immer abgeschnitten, und das ist
eine katastrophe aus meiner sicht ... ganz abgesehen von den
gesamtgesellschaftlichen konsequenzen im moralischen, ethischen, rechtlichen
bereich, hier sehe ich bei einer legalisierung der anonymen geburt in vieler
hinsicht sehr sehr schwarz!) ... meine sehr persönliche ansicht, unter welchen
voraussetzungen eine adotpion gelingen kann, habe ich weiter unten dargelegt.
ich kopier' sie einfach noch einmal herein, weil ich keine lust habe, alles noch
einmal zu tippen: ADOPTION MACHT SINN ... wesentliche voraussetzungen scheinen
mir die folgenden zu sein: - dass die leibliche mutter bei ihrer entscheidung
ausreichend unterstuetzung erhaelt und ihre entscheidung zur freigabe nach
moeglichkeit wirklich frei vom einwirken massiver aeusserer zwangseinwirkung
treffen kann und dass sie VORHER ausreichend ueber die alternativen
moeglichkeiten, die ihr zur verfuegung stünden, unterrichtet wurde ... UND eine
nachbetreuung erhaelt ... - dass - so der fall - die künftigen adoptiveltern
ebenfalls VORHER ihre eigene leibliche kinderlosigkeit so gut es geht
verarbeitet haben, damit der/die adoptierte nicht lediglich zum psychischen und
sozialen \"platzhalter\" (hier tut mir auch die juristische diktion weh: \"an
kindes statt\")degradiert wird ... - dass die adoptiveltern VORHER AUSREICHEND
vorbereitet werden auf die \"spezialitaeten\" der ganzen situation ... - dass
den adoptierten jede - auch rechtliche - möglichkeit an die hand gegeben wird -
so sie dies einmal wuenschen - , informationen (so viele als moeglich) ueber
ihre abstammung zu erhalten ... und dass die adoptierten die möglichkeit
erhalten, so sie katastrophales unrecht durch ihre adoptiveltern erfahren
mussten, das adoptionsverhaeltnis auch wieder aufzulösen, wenn sie dies
wuenschen ... - dass es den adoptierten selbst ueberlassen bleibt, ob sie sich
auf die suche nach dieser ihrer abstammung machen, den leiblichen eltern
begegnen wollen ... - dass den adoptierten ein wuerdiger platz in der
rechtsordnung geschaffen wird, der sie als vollwertige familienmitglieder (im
grossen familiaeren zusammenhang) der adoptivfamilie integriert, damit sie auch
in dieser rechtsordnung nicht lediglich der \"nur\"-mensch sind ... - dass die
adoptiveltern bereit sind, die abstammungseltern zu achten und dem wunsch nach
wissen seitens des a-kindes offen und unterstuetzend im laufe seiner entwicklung
begegnen ... - dass die adoption selbst im naeheren familiaeren umfeld nicht
gesellschaftlichen tabus unterliegt ... ADOPTION MACHT AUCH SINN, - weil damit
das a-kind in einem familiären umfeld aufwachsen kann ... - weil es eine starke
familiäre zugehörigkeit aufbauen kann ... - weil durch den rechtlichen schutz
und status sicherheit geschaffen wird ... ADOPTION MACHT NUR SINN, WENN DAS KIND
UM SEINER SELBST WILLEN MIT ALLEM, WAS ES MITBRINGT AN EIGENSCHAFTEN UND
GESCHICHTE, GELIEBT WIRD!!! so viel dazu von mir ... ich gruesse alle lieb
margaretha
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26.09.2003 - 20:04:Re: An Martina
hallo, liebe ..., sooooo schweigsam war ich doch nicht, in letzter zeit,
oder :-)))) na ja, wie ich schon sagte, manchmal brauche ich ein wenig abstand
zu den ado-agenden. dieses sehr tiefe eintauchen in meine eigene geschichte hat
mich doch auch ein wenig hergenommen ... aber es ist ja beabsichtigt von mir ...
ich wuensch' dir/euch ein schoenes und glueckliches geburtstagsfest und einen
angenehmen und erholsamen sonntag es gruesst dich sehr lieb aus wien margaretha
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23.09.2003 - 14:06:Re: An Sylvia
hallo sylvia, mir erging es genauso wie dir, als ich die ersten kontakte zu
anderen adoptierten und von adoption unmittelbar betroffenen zu knüpfen und zu
pflegen begann: lichter gingen an im saal und ich sah, dass ich mit meinen
adoptionsbedingten problemen nicht allein war vereinfacht gesagt. aber immer
noch habe ich phasen, in denen ich mich mehr und auch weniger mit diesem thema
befasse, und ganz ehrlich gesagt wuerde ich gerne einmal einen stand erreichen,
wo ich mir sagen kann, das thema adoption dominiert nicht mehr meine tage! ich
habe mich sehr lange dagegen gestraeubt, eine psychotherapie zu machen, aus
genau den gedanken heraus, die du eingebracht hast. es ist auch immer wieder gut
möglich, dass störungen (wenn sie als solche empfunden werden) durch
kommunikation mit menschen des wohlwollens (freunde, familie, lebensbegleiter im
weitesten sinn) gemildert und sogar aus der welt geschaffen werden können. bei
mir war es nicht so, und deshalb habe ich mich schliesslich fuer den
psychotherapeutischen weg entschlossen, der fuer mich keinerlei
\"merkwuerdigen\" beigeschmack mehr hat. gerade die \"distanz\" des
therapeuten/der therapeutin verknüpft mit seiner/ihrer tiefen menschlichen
solidaritaet mit meiner person ermoeglichte mir, in die bereiche meines innern
vorzudringen, die ich bis dahin - weil ich sie allein oder mit anderen nicht
aushalten konnte - gezielt weggedrängt, ausgeblendet etc. hatte. psychotherapie
muss nicht für jede/n heilmittel sein, aber in vielen fällen kann sie helfen,
mir jedenfalls hat sie geholfen. und fuer mich zaehlt sie mittlerweile zu den
genauso selbstverständlich anzwendenden therapeutischen methoden wie wir sie ja
in anderen bereichen (medizinischen) ebenfalls ohne zu zögern akzeptieren (wenn
ein bein gebrochen wurde, kommt ein gips i.d.r., wer ein krankes herz hat,
laesst es behandeln etc.etc.etc.). es liegt einzig und allein bei dir, dich fuer
oder gegen eine psychotherapie zu entscheiden. was dein zugehen auf deine erste
lebenszeit und deine leibliche herkunft anlangt, auch hier kann ich dir nur die
empfehlung geben: horche genau in dich hinein und gehe genau so weit, wie diese
innere stimme es dir sagt, ueberfordere dich nicht gewaltsam, denn ... alles
braucht seine zeit ... alles liebe margaretha
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23.09.2003 - 12:25:Re: Verlustängste
liebe sylvia, was du zum thema verlustangst im zusammenhang mit adoption sagt,
kann ich als adoptierte sehr gut nachvollziehen. auch in meinem leben hat sich
diese verlustangst massivst bemerkbar gemacht. ich persönlich gehe den weg einer
psychotherapie, um u.a. damit besser zurechtzukommen. ich kann nun nicht
behaupten, dass verlustaengste keine rolle mehr in meinem leben spielten, aber
ich kann sie einfach klarer einordnen und mein verhalten in diversesten
situationen besser darauf abstimmen. ich wuensche dir alles gute margaretha
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22.09.2003 - 22:16:Re: Adoption Brasilien
liebe melanie,
ich bin adoptierte und habe mich durch deinen eintrag in keiner
weise gekraenkt gefuehlt. leider kenne ich mich in den fuer auslandsadoptionen
erforderlichen wegen nicht aus. hier und - so nehme ich an - auch im ausland ist
das alles ueber die zustaendigen behoerden (anlaufstelle jugendamt) zu
erledigen, die euch genau sagen werden, welche unterlagen ihr braucht.
jedenfalls gehe ich davon aus, dass ihr euren weg in korrekter weise gehen
werdet! es ist immer eine traurige angelegenheit, wenn eine frau, eine familie
aus materieller not heraus ein kind nicht selber aufziehen kann! und ich denke,
gerade im falle von auslandsadoption ist eine besonders gründliche vorbereitung
auf die adoption von besonderer wichtigkeit, u.a. damit dem a-kind im zuge der
adoption nicht jegliche moeglichkeit, spaeter einmal die eigene herkunft in
erfahrung bringen zu koennen, genommen wird, aber auch dahingehend, was es
bedeutet, einen so dramatischen wechsel der kulturen herbeizufuehren. ich
wuensche euch beste ratgeber und begleiter, kraft und mut fuer die bewaeltigung
einer grossen herausforderung. der mutter des kindes wuensche ich jemanden, der
ihre traenen trocknet ... margaretha
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17.09.2003 - 21:50: Re: hallo Sabeth
liebe sabeth,
es hoert sich sehr beruhigend an, wie du ueber deine beziehung zu
deinen leiblichen eltern schreibst. ich freue mich, dass du innerlich an einem
ort bist, wo du dich so sehr aufgehoben fuehlst, dass du einigermassen ruhig und
ueberlegt die kontakte zu deinen leiblichen eltern und verwandten gestalten
kannst. ja, vielleicht kann auch dir der austausch mit anderen adoptierten (wie
uns) den umgang mit gerade in diesem zusammenhang auftauchenden gefuehlen und
gedanken etwas leichter machen. sabeth, bei mir haben sich diese dinge einfach
in einer dichte und dramatik abgespielt, dass ich von den ereignissen regelrecht
wie von einem tsunami durch seebeben ausgeloeste riesige flutwelle) erfasst
worden bin, und das gleich mehrere male. ich habe eine mehrheitlich schwierige
adoptionsgeschichte gehabt und bin nach dem tod meiner (a-)eltern zweimal im
abstand von 10 jahren gefunden worden (zuvor war ich schon krank geworden)...
ist zweimal nicht gut ausgegangen ... und heute erst (bin heuer 47 geworden)
fange ich an zu begreifen, warum das alles. deine schilderung bestärkt mich in
meinem wunsch, ich haette selber nach meinen leiblichen eltern gesucht, denn
dann haette ich suche und aufeinander zugehen sowie den kontakt dann viel, viel
besser auch auf meine befindlichkeit und meine möglichkeiten abstimmen koennen.
ich waere vermutlich genauso vorsichtig an die dinge herangegangen wie du!!!
aber ich bin einfach zweimal - so fuehle ich es jedenfalls - regelrecht
\"ueberfallen\" worden, noch einmal waren es primaer die interessen der anderen
seite, die zaehlten (wiewohl natuerlich das interesse um mich vorgeschoben wurde
und z.t. sicher auch in den ueberlegungen der anderen eine rolle spielte, aber
wichtiger waren immer sie, wie schon am anfang meines lebens!), und zweimal bin
ich im endeffekt in einem scherbenhaufen zurueckgelassen worden, den ich gerade
dabei bin, wegzuraeumen, damit auch ich endlich einmal freier von diesen dingen
wieder atmen kann. uebrigens: erst seit gut zwei jahren ist es mir moeglich, mit
einer meiner geschwister (schwester) eine kontinuierliche beziehung aufzubauen,
das aber fange ich allmaehlich an wirklich zu geniessen, und ich freue mich
darueber, DIESE leibliche schwester, die mir wirklcih eine schwester geworden
ist, zu haben!!! ich wuensche dir weiterhin so viel besonnenheit, geduld,
einfuehlsamkeit und ... glueck ... einfach glueck im kontakt mit deinen
leiblichen verwandten ... und sonst auch natuerlich :-))) alles alles liebe
margaretha p.s.: schoen, von dir zu lesen!!!
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17.09.2003 - 20:35: Re: An Jule
liebe jule, schoen, dass du uns allen geantwortet und uns ein wenig ueber dich
erzaehlt hast. ich denke, deine gefuehle der zerrissenheit, angst und
traurigkeit kennen wir adoptierte so ziemlich gut. mir sind sie jedenfalls ganz
und gar nicht fremd. auch besonders deine angst vor zurueckweisung ist hier wohl
typisch fuer \"uns\". schoen finde ich, dass du einen lieben freund und eine
liebe familie hast (hoffe, ich habe es richtig verstanden), und schoen auch,
dass du dich anfaengst, dich mit deinem grossen thema adoption zu befassen.
sollte es dir aber emotional zu dicht werden, wuerde ich an deiner stelle
eventuell auch an eine psychotherapeutische begleitung denken. ich mache so eine
psychotherapie und bin wohl um lichtjahre nach \"vorn\" gekommen, hat mir
wirklich sehr, sehr gerade beim ado-thema geholfen. psychotherapie zu machen ist
kein makel, kein stigma, keine schande, denn es ist doch ganz
selbstverstaendlich, dass schwere - auch seelische -verletzungen fuer ihre
heilung eine fachkundige betreuung benoetigen. aber ich will dir, weiss gott,
nichts einreden, aufschwaetzen u.s.w. ... ich wuensche dir einfach alles gute
und mut und kraft ... wird schon werden ... liebe gruesse margaretha
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16.09.2003 - 21:01: An Sabeth
Nun, liebe Sabeth, dann weisst Du ja, wovon ich spreche, wenn ich Therapie
erwaehne. Ich bin grad mitten drinnen in diesem Prozess, und auch mir erging es
so, dass mir erst dabei klar wurde, wie wichtig doch die Auseinandersetzung mit
meiner leiblichen Herkunft ist. Erst jetzt war es mir moeglich, zu einer von
neun Geschwistern eine kontinuierliche Beziehung aufzubauen. Sabeth, hast Du
vielleicht auch leibliche Geschister, Halbgeschwister ... Ich habe im Handling
dieser Dinge vielleicht ein anderes Naturell als Du, denn ich sage mir, wer sich
nicht fuer mich interessiert, soll bleiben, wo er/sie ist, nachlaufen tu' ich
aus prinzip schon gar niemandem. aber wir alle haben unterschiedliche
charaktere, persönlichkeiten, geschichten etc. (gott sei dank!), sodass wir doch
sehr unterschiedlich auf aehnliche situationen reagieren. es waere auch
interessant zu erfahren, wie du gesucht und gefunden hast, wie sich die
kontaktnahmen gestaltet haben zwischen dir und deiner leiblichen mutter. ich -
und das bitte gilt nun nicht fuer dich!!! - bin gerade dabei, ein grosses adieu
zu meinen leiblichen eltern zu sagen, obwohl ich sie sehr wohl noch das eine und
andere mal mit mir befassen werde, aber das ist dann ihr problem und nicht mehr
meines. ich habe mich im grossen und ganzen von meinem wunsch verabschiedet, von
meinen leiblichen eltern akzeptiert und gemocht zu werden (wiewohl
wahrscheinlich irgendwo im innern auch dieser wunsch fortleben wird), auch das
hat mich viele, viele traenen gekostet, auch wut ist hochgekocht ... aber ich
habe mir gesagt, es muessen andere kinder mit noch viel fuerchterlicheren
tatsachen, die ihnen durch die leiblichen eltern angetan worden sind,
fertigwerden, mein schicksal ist nicht das allerschlimmste!!! dir wuensche ich
allerdings noch kraft und geduld, und ... vielleicht noch die eine und andere
gute therapiestunde :-))) alles liebe margaretha
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16.09.2003 - 20:12: Re: An Martina
Hallo, liebe ...! Wieder einmal mein herzliches Dankeschoen, dass Du mir so
viel Deiner wertvollen Zeit schenkst, dass Du Dich so tief mit meinem
Geschriebenen befasst. Du bist mir hier wirklich eine ganz besonders wertvolle
Hilfe in jenem Prozess, bei dem ich - ganz bewusst so gewollt von mir - lerne,
die Kommunikation meiner Biografie in der Öffentlichkeit \"auszuhalten\". Im
Grunde ist das ein ungeheurer Schritt fuer mich, denn bis vor nicht allzu langer
Zeit waere mir das geradezu unvorstellbar erschienen. Aber ich spuehre, wie mir
in diesem ganzen Vorgang Kraft zuwaechst. Dies fuer's erste. Spaeter dann noch
mehr. Alles Liebe, einen schoenen Abend noch und einen sonnigen Mittwoch.
Margaretha
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16.09.2003 - 11:22: Re: Kontakt
liebe ...! auch ich habe seinerzeit die erfahrung gemacht, dass meine
leibliche mutter sich mit ihren antworten - für mein gefuehl - übermaessig viel
zeit liess. dann kenne ich eine adoptierte, der es ganz aehnlich ergeht wie dir.
vielleicht ist ein solches verhalten leiblicher muetter, die von ihren zur
adoption freigegebenen kindern kontaktiert werden, darin begruendet (wie ...
es einmal auf einen beitrag von mir formuliert hat), dass diese frauen dadurch
an nicht verarbeitete mitunter auch sehr negative erfahrungen aus ihrer
persönlichen vergangenheit erinnert werden. diese kontaktnahmen sind immer eine
art \"gratwanderung\", die für alle beteiligten anstrengend sind. vielleicht
könnte es dir helfen, wenn du deine nun auftauchenden gefuehle und gedanken auch
in therapeutischer begleitung aufarbeitest. mir hilft diese form der begleitung
sehr, besser mit meinem ado-thema zurechtzukommen. auch will ich eines tages ein
stadium erreichen, wo ich mir sagen kann, nun ist dieses thema nicht mehr nr. 1
in meiner tagesordnung. ich wuensche dir alles liebe und viel kraft und vor
allem noch antworten von anderen betroffenen hier herinnen ... margaretha
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14.09.2003 - 14:02: An Martina
hallo, liebe ...! vorweg an alle anderen: wen's nicht interessiert, wem's zu
dumm ist, wer seine zeit besser nutzen will, bitte sich einfach aus diesem
beitrag gleich wieder wegklicken!!!!! danke!!!! nun, ..., wieder zu dir!
weisst du, dass ich mich mein leben lang nie, wirklich niemals als \"halbe
amerikanerin\" empfunden habe. ich habe mich absolut als die tochter meiner
(a-)eltern gefuehlt, ihren familien, ihrer kultur zugehoerig, eigentlich wollte
ich nie etwas anderes sein, als ihre tochter. dies wahrscheinlich auch deshalb,
weil irgendwo in mir das wissen um die radikalnegation meiner person am anfang
meines lebens noch praesent war und ist, und weil ich von meinen (a-)eltern, die
in alle ewigkeit meine ELTERN bleiben werden, eine liebe erfahren habe (und von
einigen wenigen anderen menschen auch), die bis zum heutigen tag das negative in
meinem leben UEBERWOGEN hat. und weil ich mich so sehr als tochter meiner eltern
fuehlte, habe ich eigentlich nie den hass und die radikale gleichgültigkeit
verstanden, die mich von verschiedenen seiten nach deren tod (meiner eltern)
verfolgt haben. irgendwelche leute haben schon frueher mir gegenueber
andeutungen gemacht, dass ich am lebensanfang sehr, sehr schlecht behandelt
worden sei (meine eltern haben darueber keine silbe jemals verloren, fuer sie
war ich ihre tochter), aber ich habe dem keine weitere beachtung geschenkt. ich
dachte: ich hatte/habe gute eltern, ich hatte/habe ausreichend
kulturzugehörigkeit, das muss doch einigermassen genuegen fuer ein
menschenleben. nachdem auch die wiederbegegnungen mit meinen leiblichen eltern
nicht zufriedenstellend verlaufen sind (wahrscheinlich auch deshalb, weil sie
meine enge bindung an meine a-eltern festgestellt haben vielleicht, aber mit
sicherheit auch deshalb, weil sie miteinander noch nicht \"fertig\" waren und
ihr altes \"spiel\" noch einmal auf meinem rücken ausgetragen haben), habe ich
mir gesagt: ich baue auf das, was meine (a-)eltern mir mitgegeben haben, und ...
damit habe ich mich schliesslich auch tatsaechlich aus meinem gesamten
lebenswirrwarr wieder herausarbeiten können. noch lange nach ihrem tod also
haben mir meine (a-)eltern mein leben erfolgreich organisieren und bewahren
helfen. aber dennoch bin ich von meiner adoptionsgeschichte nicht losgekommen,
bin ich innerlich nicht aus meinen bedrückenden verfassungen herausgekommen, bis
ich mich schliesslich im rahmen einer psychotherapie dieser ganzen angelegenheit
noch einmal zugewandt habe. erst jetzt war es mir das erste mal möglich, mich
den ersten lebensmonaten noch einmal zuzuwenden, ich kontaktierte die behörde
und wollte akteneinsicht, ich bekam sie, und was ich zu sehen bekam, war nicht
allzuviel, aber es warf ein vollkommen neues licht auf alles, was ich bisher
gewusst zu haben schien, ja es war, als wenn plötzlich lichter angingen und
diverseste \"dinge meines lebens\" plötzlich \"sinn\" erhielten. und erst jetzt
wurde mir klar, dass es sehr wohl eine unglaublich negative bedeutung hatte
damals (und auch weiterhin), diese \"halbe amerikanerin\" zu sein. ich habe
zudem herausgefunden, dass ich ZWEIMAL getauft worden bin: meine leibliche
mutter hatte mich - bevor sie davongelaufen ist - taufen lassen (kann so und so
interpretiert werden, das weiss ich, es werden traditionelle motive eine grosse
rolle gespielt haben) und meine (a-)eltern haben mich einige wochen, nachdem sie
mich als PFLEGEkind aufgenommen hatten, in unkenntnis der ersten taufe, noch
einmal taufen lassen (ich habe also nun zwei taufscheine ... entbehrt ja auch
nicht einer gewissen komik, nicht?:-))) das wichtige an der zweiten taufe aber
ist das faktum, dass mir meine (a-)eltern zusaetzlich zu meinen geburtsvornamen
noch weitere gegeben haben, die dann auch in weiterer folge als die eigentlichen
vornamen verwendet wurden. dies haetten sie zu diesem zeitpunkt (ich war ja noch
nicht einmal pflegekind mit dauerpflegevertrag, adoption erfolgte ja erst zwei
jahre spaeter) bestimmt nicht getan, wenn sie nicht ein ABSOLUTES ERFORDERNIS
darin gesehen haetten. in ihren augen war es demnach notwendig, meine
geburtsidentität zu verbergen/verstecken (eine meiner a-verwandten einmal zu
diesem thema mit nicht zu ueberhoerender verachtung im unterton: ja, was glaubst
denn, wer haette zu dir schon rebecca gesagt) ... rebecca war damals und dort
also absolut kein gesellschaftsfaehiger name, und das kind eines ami-soldaten zu
sein offenbar auch nicht ... was nun meine leibliche mutter anlangt: ich gebe
dir recht, ..., eine ihrer ueberlegungen mag gewesen sein, auf meinen
leiblichen vater zu warten, und der name \"rebecca\" sollte mich wohl in den usa
\"sympatisch\" machen; andererseits hatte sie einen zweiten plan, naemlich
jenen, nach daenemark auszuwandern, (davon habe ich erst aus jenen dokumenten
erfahren, davon hat mir meine leibl. mutter nichts erzaehlt), und in diesem
zweiten plan hatte ich bestimmt keinen platz!!! und je laenger mein leiblicher
vater sich nicht einfand, umso mehr duerfte meine l. mutter auf plan 2
orientiert haben und möglicherweise damit spekuliert haben, dass ich die
katastrophale pflege nicht ueberlebe. dann noch diese unterschrift zum
dauerpflegeantrag zu einem zeitpunkt als ich schon in miesester verfassung war,
nachdem sie mich zuvor zwar getauft, aber nicht krankenversichert und ohne das
vereinbarte pflegegeld zu bezahlen zurueckgelassen hatte. gelegentlich denke ich
auch jene variante an, dass da geradezu ein \"familiärer wille\" an plan 2
mitgewirkt hat, es gibt indizien, die dafuer sprechen. wie du richtig sagst,
meine leibliche mutter war damals noch nicht volljährig mit ihren 20 jahren, ihr
onkel war nach wie vor ihr erziehungsberechtigter, und er hat ihr nicht
geholfen, das hat sie selber auch mir gesagt. ALLE diese leute wußten, WO ich
war ... vielleicht haben sie auch - GEGEN MICH - alle zusammengewirkt,
vielleicht! denn aufgewacht sind sie plötzlich, als ich im spital (wo man mich -
lt. mdl. aussage - auch systematisch unterernährt hat!!!) und nach der grossen
katastrophe bei meinen (a-)eltern war, da haetten sie mich plötzlich in die
familie aufgenommen. warum erst jetzt? sollte diese nunmehr demonstrativ
bekundete bereitschaft von etwas ablenken? wer weiss, denkbar ist vieles! auch
dies lehnte die behoerde mittlerweile ab, auch dies wohl mit gutem grund! und
natuerlich mache ich mir so meine gedanken ueber die rolle der behörde davor!
warum wurde monatelang zugesehen und nichts getan, oder ist man nie nachschauen
gegangen? mußte erst eine beinahe-katastrophe passieren, bis man etwas tat? so
kann ich nicht anders, als meinen lebensanfang auf allen moehlichen ebenen als
gegen mich und mein leben gerichtet sehen. ich werde wohl noch einige
gedankenvarianten ausprobieren und bestimmt werde ich all die möglichen
varianten thematisieren, denn nur ueber diesen weg des aussprechens werde ich
ruhiger werden. eines kristallisiert sich allerdings in diesem prozess auch
heraus: seit ich weiss, dass ich dort, wo ich hineingeboren wurde, fuer das, was
ich war, unerwünscht war, von ein paar menschen gerettet und bebleitet zwar,
distanziere ich mich zunehmend auch von der umgebung, in der ich aufgewachsen
bin, ich bekenne mich zunehmend zu jenem anteil in mir, dessetwegen ich in eine
derartige gefahr geraten bin, fuer den ich so viel hass, ablehnung und
gleichgueltigkeit (von allen seiten und jahrzehnte lang) einstecken mußte. ich
fange an, mich zu der \"halben amerikanerin\" in mir zu bekennen, und es ist mir
recht herzlich wurscht, ob sich meine amerikanischen leiblichen verwandten nun
zu mir bekennen oder nicht (eine meiner schwestern steht zu mir; mein leiblicher
vater will die vaterschaft offiziell nicht anerkennen und meine leibliche mutter
ist nicht faehig und bereit, zu bestaetigen, wer der leibliche vater ist, obwohl
sie ihn nach meiner geburt der behoerde genannt hat). auch wenn alle diese
leutchen, die da meine leiblichen verwandten sind, sich einmauern mir
gegenueber, auch dann fange ich mich an, mich zu den tatsachen meiner abstammung
zu bekennen, gerade deshalb, weil ich einmal dafuer beinahe gestorben bin!!! und
wo war waehrend dieser zeit damals mein leiblicher vater? das ist ganz einfach
zu beantworten: er bereitete sich bereits auf die heirat vor: mir wurde gesagt,
dass er bereits die ersten weihnachten 55 (also unmittelbar nach seiner
rueckkehr aus europa) mit seiner zukuenftigen frau (der er schon lange
versprochen war)verbrachte, und soviel ich weiss, hat er diese im dez. 56 (ich
bin im juli 56 zur welt gekommen) geheiratet. er konnte keine frau mit einem
kind gebrauchen, denn er wollte noch auf das college gehen, da hatte ich keinen
platz, und meine l. mutter auch nicht!!!! er wollte offenbar einfach noch ein
paar schoene monate verbringen, bevor fuer ihn der \"ernst des lebens\" so
richtig begann. fuer ihn duerfte wohl von vornherein klar gewesen sein, dass er
meine leibliche mutter niemals in die usa holen wuerde. (dies geht u.a. auch aus
einer bemerkung eines ehemaligen kameraden meines l. vaters hervor, der meine l.
mutter offenbar warnen wollte, indem er ihr klar sagte, dass mein l. vater nicht
die absicht habe, sie zu heiraten). er hat ihr das blaue vom himmel
herunterversprochen, sie hat sich betören lassen, weil sie sich geliebt fuehlte,
und weil sie weit weg in ein besseres leben wollte (wie du gesagt hast,
...!) ... und was wollte sie mehr, nachdem, was sie selbst schon
durchgemacht hatte, als geliebt sein und ein besseres, gluecklicheres leben ...
wer von uns will das nicht!!! man koennte sagen, beide meiner leiblichen eltern
waren einfach jung und unglaublich dumm, und im schmelzofen des lebens kamen
dann - mir gegenueber jedenfalls - auch ihre hoechst negativen eigenschaften zum
vorschein und zum tragen. ja, ..., ich weiss, es wird allem anschein nach
keine \"versoehnung\" mehr zwischen mir und meinen leiblichen eltern geben.
beiden wollen sie mit dieser von ihnen verursachten geschichte nichts mehr zu
tun haben. so gehe ich meinen weg, so werde ich eben oeffentlich aussprechen,
was mir widerfahren ist in meinem leben, und das eine und andere noch ueber den
gerichtlichen weg klaeren lassen, wie die vaterschaftsfeststellung eben
beispielsweise ... ich weiss heute eines mit absoluter gewissheit: ich werde
niemals wieder weghoeren, wenn jenes 8 monate alte maedchen in mir mit mir ueber
seine geschichte sprechen will, denn auch alles, was ich spaeter getan habe in
den wichtigen bereichen meines lebens, habe ich aus jener erfahrung heraus
getan, alles negative, was man mir spaeter noch angetan hat, hat man im prinzip
jenem maedchen angetan. jenes mädchen soll nun auch leben und sich ausdruecken
duerfen, vielleicht wird dann endlich alles leichter fuer mich werden und ich
ruhiger werden ... hoffen wir's ... nun ist's aber wieder lang geworden, ...
... ich danke dir, wie immer fuer's lesen und fuer dein intersse und dein
beistehen ... alles liebe und einen guten start in die neue woche margaretha
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13.09.2003 - 17:24: Re: Hallo Rod
lieber rod, freilich hast du recht, auch ich bin von so manchen beitraegen
schlicht angewidert, moechte sie am liebsten gar nicht gelesen haben ... ich
verstehe gut, wenn du dich nur sparsam oder gar nicht mehr einbringen willst.
auch ich habe das eine zeitlang praktiziert, und vielleicht kommt die zeit, wo
ich es wieder tun werde! vorlaeufig aber habe ich mich entschieden, hier
mitzuschreiben. ich tu' es fuer mich, weil ich noch weiter dazulernen kann in
verschiedenster hinsicht, ich tu es fuer die leute hier herinnen, mit denen ich
gerne kommuniziere eben hier herinnen, und ich freu mich nach wie vor, neue
leute kennenzulernen. auch lerne ich, konflikte auf eine andere weise
auszuhalten, als ich das frueher getan habe, und ich lerne \"oeffentlichkeit\"
auszuhalten, auch das ist mir - fuer andere meiner vorhaben - wichtig. so, rod,
muss jeder seine entscheidung finden und treffen. ich respektiere die deine,
waere trotzdem schoen, hie und da von dir hier zu lesen ... liebe gruesse von
wien nach barcelona margaretha p.s.: mehr im mail
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12.09.2003 - 00:32: Re: Ach nee, Kinderchen, so geht es wohl
nicht!
Hi Rod, nein, nein, nicht wieder gleich verschwinden. DAS bitte tu uns nicht an,
ok :-))))) Ist wichtig, Dich hier zu vernehmen!!!!! Hast ganz recht mit dem, was
Du sagst. Es geht hier um Adoption, und wir alle sitzen im Grunde im gleichen
Boot. Und alle wichtigen Aspekte im Zusammenhang mit diesem grossen Thema sollen
an- und ausgesprochen werden duerfen. Auch jene Stimmen sollen gehoert werden,
die Kritisches einbringen. Es kommt aber - wie bei allem - auf das WIE an, und
da ist doch gerade hier, die wir Betroffenen alle so unsere \"Päcklein\" (die
schwer sind, die uns Schmerzen verursachen etc.) mit uns durchs Leben schleppen,
eine gewisse Rücksichtnahme im gegenseitigen Umgang miteinander angebracht und
ein grundsätzliches Wohlwollen füreinander. Was ich hier erschreckend
festgestellt habe bei manchen, ist das völlige Fehlen einer positiven
Kommunikationskultur: da wird in einem Masse brutalst \"ausgeteilt\", dass einem
gelegentlich die Spucke wegbleibt. Da werden Menschen fertiggemacht, die einfach
Rat und Hilfe hier gesucht haben. (Und Du hast ganz recht, man möchte diese
Leute einfach davonjagen!) Vor MOnaten habe ich mich, wie Du weisst, u.a. aus
diesen Gründen vom Forum zurückgezogen, bin aber dann wieder eingestiegen, als
ich gesehen habe, dass da gewisse einige wenige nur noch Angst und Schrecken
verbreitet haben. Jeder soll sich hier in der für ihn wichtigen Art einbringen
können, wir alle können so viel voneinander lernen. Ich zumindest habe schon
sehr, sehr viel gelernt in diesem Forum. Von ... erhalte ich eine mir
ungemein wichtige Stütze und Unterstützung bei der Artikulierung ganz spezieller
eigener lebensgeschichtlicher Aspekte in eben dieser von mir bewusst gewählten
Form von Öffentlichkeit, und das ist sehr, sehr wichtig für mich. Ohne das Forum
hätte ich Dich nicht kennengelernt, ..., ..., ..., ..., ..., Irma,
... etc. etc. Und weil ich eben schon so viel von diesem Forum \"profitiert\"
habe und weil ich dazu beitragen will, dass hier dem Thema Adoption und den
davon Betroffenen wieder etwas mehr Achtung gezollt wird, deshalb mache ich
wieder mit ... und gehe nicht mehr so rasch davon ... :-))) Ich hoffe, Du
bleibst auch ... Alles Liebe von Wien nach Barcellona Margaretha
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10.09.2003 - 22:43: An Martina
hallo, liebe ..., heute noch ein wenig mehr zu deinem letzten posting an
mich. indem du so gruendlich auf das von mir gesagte eingehst, tust du mir
wirklich etwas gutes, denn du gibst mir einen spiegel, in dem ich das, was ich
geschrieben habe, wieder besser erkennen kann, mir auffaellt, wo ich noch
genauer nachdenken muss, praeziser formulieren muss, wo voellig neue aspekte zu
beachten sind!!! vielen dank, dass du dir diese muehe mit mir gibst, mir deine
zeit schenkst. es ist wichtig fuer mich, diesen kommunikationsprozess hier
herinnen zu fuehren, denn dadurch lerne ich \"öffentlichkeit\" auszuhalten, das
ist eine gute uebung, und gerade hier bist du mir eine wunderbare stuetze
geworden. alles liebe, ..., einen schoenen tag morgen margaretha
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10.09.2003 - 13:23: Re: An Martina
Liebe ...! Wieder ein herzliches Danke fuer Dein differenziertes Eingehen
auf meine Postings. Es hilft mir beim Verstehen und Artikulieren dessen, was mir
an dieser meiner Geschichte so wichtig ist. Ich werde Dir bald ausfuehrlicher
antworten. Nur so viel fuer den Beginn: Die Klagelieder unter dem Titel \"Meine
arme leibliche Mutter\" habe ich schon vor Jahren gesungen, aber - aus meiner
heutigen Perspektive - waren sie nur z.T. in dieser Form \"berechtigt\". Meine
leibliche Mutter war eben nicht nur Opfer der Umstaende und eines grossen
Verrates, sie war - in meine Richtung - auch kein Engel, ihr ganzes Leben nicht.
Und nach österreichischen Recht waere sie nach dem Tod meiner A-Eltern sehr wohl
zur Hilfestellung verpflichtet gewesen (mein l. Vater detto), aber sie hat - wie
immer - den Weg des Davonlaufens, \"Sich-aus-dem-Staub-machens\" gewaehlt, und
wie damals schon, hat sie stets gewusst ... Und noch eines: TOTALES OPFER damals
war ICH, und erst heute kann ich mir diese Tatsache wirklich vor Augen führen
und es auch aushalten. Meine leibliche Mutter konnte ihre sieben Sinne
zusammennehmen und davonlaufen, ich war fuerchterlichen Menschen ausgeliefert
und konnte gar nichts tun ausser zu bruellen und nicht aufzuhoeren zu leben.
Meine Mutter verfuegt ueber eine unglaubliche Verdraengungskapazitaet, ich
musste jahrzehntelang fuer ihr Versagen (und das meines Vaters) mit Kranksein
bezahlen. Meine Mutter hat es geschafft in jenes Land zu kommen, wo sie durch
meinen leiblichen Vater hinwollte. Ich mußte - weil ich eine halbe Amerikanerin
war - damals hierzulande nach allen Regeln der Kunst versteckt werden, damit ich
eine Chance auf ein einigermassen normales Leben bekomme (was ja auch einiges
ueber die damalige geistige Verfasstheit der dortigen Sozietaet aussagt! Und wie
ich heute weiss, habe ich immer und immer wieder im Laufe meines Lebens dafuer
bezahlt, diese halbe Amerikanerin zu sein (z.B. durch den totalen Hass, den
meine Stiefmutter sieben lange Jahre - ich war zwölf, als sie meinen A-Vater
geheiratet hat - auf mich geschuettet hat, Morddrohung eines Bruders meiner
A-Mama nach ihrem Tod, vollstaendiges Fallengelassen-Werden durch die A-Familien
nach dem Tod meiner A-Eltern und und und) ... Ich habe die Probleme ausgebadet
ueber JAHRZEHNTE, deren sich meine leiblichen Eltern in meiner Person entledigt
haben. Und nun ist die Zeit gekommen, wo das beginne zu artikulieren und wo ich
beginne, Gerechtigkeit einzufordern. Marina, bis zu dem Punkt, wo ich meine
leiblichen Eltern als Opfer erkennen kann, in ihren guten Zügen, haben sie nach
wie vor auch meine Sympathie, wo sie allerdings mir gegenueber zu Tätern
geworden sind, dort endet mein Verstaendnis, denn von dem Punkt an muss ich mich
nun selber um mein eigenes Wohlergehen kümmern. (Auch Mörder und Missbraucher
haben kein grosses Interesse, ihre Taten mit Hinblick auf Verstaendnis in
Richtung ihrer Opfer zu verarbeiten!!!) Ich weiss heute, dass ich - unter
Mitschuld meiner leiblichen Mutter und deren Verwandten - am Beginn meines
Lebens eben nicht leben sollte. Erst jetzt fange ich an, das zu begreifen!!!
Aber spaeter schreibe ich noch mehr! Liebe Gruesse Margaretha
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07.09.2003 - 21:19: An Martina
liebe ...! nun versuche ich, dir auf dein letztes laengeres posting an mich
zu antworten. es war wieder sehr lieb von dir, wie genau du dich mit dem
meinigen befaßt hast. es klingt schrecklich (und ich will wirklich keine der
hier mitlesenden und mitschreibenden herkunftsmuetter kraenken, ihnen weh tun
etc.), aber auch fuehle mich von meiner leiblichen mutter \"abgetrieben\", sie
hat es geschafft, dies ein leben lang zu tun (und dies kann ich ihr wohl am
wenigsten verzeihen!!!), auch und gerade hinter einer zum grossen teil zur schau
gestellten freundlichkeit (wahrscheinlich ist sie gelegentlich in ihren
gefuehlen mir gegenueber doch ein wenig ambivalent, denn ich gestehe ihr auch
partiell positive gefuehle zu mir zu !!!). aber durch ihr verhalten hat sie - da
hast du ganz recht - jegliches moralisch-ethische \"recht\" der elternschaft
verwirkt. das bin ich dabei, als emotionale etc. tatsache zu akzeptieren, wenn
dies auch meinerseits nicht heisst, dass ich sie sang- und klanglos ziehen
lasse, denn in der einen und anderen sache wird sie sich schon noch mit mir
befassen muessen. mit heutigem stand sage ich mir: ich hasse sie nicht, aber ich
liebe sie auch nicht, als glaeubiger mensch ueberantworte ich sie \"dem
hoechsten\". allerdings bemuehe ich mich nach wie vor um ein verstehen der
gesamten situation damals, in der sie sich befunden hat, und hier kann man ja
den leiblichen vater auch nicht so ohne weiteres ausser acht lassen, denn der
hat sie nach strich und faden belogen und betrogen und hinters licht gefuehrt
und sie auf das alleruebelste sitzengelassen. sie war ein blutjunges mädchen
(zum zeitpunkt meiner zeugung gerade einmal 19 jahre alt), das eine schwierige
kindheit und jugend hinter sich hatte, auch von den eltern buchstaeblich
verstossen wurde (sie wuchs bei ihrem onkel, der ihr erziehungsberechtiger war,
auf). mein leiblicher vater hat sie aus einer einigermassen guten und sicheren
umgebung herausgelockt (offenbar wollte er einfach noch einige schoene monate
vor seiner rueckkehr nach hause verleben ... stichwort beziehung mit
ablaufdatum), mit einem heiratsversprechen zu sich nach heidelberg geholt, mit
ihr dort zusammengelebt (habe ein foto des hauses gemacht!!!), sie vor seiner
abreise zu ihr nach hause (österreich gebracht), ihr versprochen, sie so bald
als möglich in die usa zu holen, und ... ward nicht mehr gesehen ... schrieb ihr
auf die mitteilung, dass sie schwanger sei, die trostreichen worte, sie solle
eine gute mutter sein ... und es duerfen zeit und unmittelbares umfeld nicht
ausser acht gelassen werden: gut zehn jahre war es gerade einmal her, dass auch
mit us-amerikanischer hilfe die nazis niedergekämpft wurden in europa, amis
waren bei den meisten leuten hier ja verhasst, ami-soldaten noch mehr, und ...
meine mutter war in ihrer familie wohl so etwas wie ein \"soldatenliebchen\",
und noch dazu eines von einem ami, ihre innerfamiliäre beliebtheit duerfte wohl
unter null gewesen sein ... umso dramatischer fuer sie die situation, als mein
l. vater sie nicht zu sich holte, da war einfach familiär kein mensch mehr fuer
sie da!!! und wer von ihren bekannten und freunden wollte sich denn mit einer
ledigen mutter abgeben, die einen amerikanerbalgen (ich) mit sich durchs leben
schleppte. genauso brutal stelle ich mir die situation meiner leiblichen mutter
damals vor. extremsituationen machen aus den wenigsten menschen heilige, meine
l. mutter ist ebenfalls moralisch-ethisch an ihr zerbrochen, und sie duerfte
sehr, sehr weit gegangen sein in ihren ueberlegungen und plaenen, sich von mir
zu distanzieren. de facto hat sie meinem zugrundegehen tatenlos zugesehen, de
facto haette sie mich leuten auf dauer ueberlassen, die mich schon schwerst
vernachlaessigt hatten ... sie muss sich wohl gedacht haben, niemand wird dieses
kind wollen, also ueberlasse ich es seinem schicksal und bringe mich selber in
sicherheit. meine l. mutter hatte also in einer extremsituation nicht die
moralisch-ethische und emotionale kraft, zu mir zu stehen, vielleicht wollte sie
sich meiner auch gezielt entledigen, um dorthin zurueckzukehren, von wo sie mein
leiblicher vater geholgt hatte, nach daenemark, denn mir erzaehlte sie, dass sie
dort einen nicht schlecht situierten verehrer gehabt hatte, vielleicht wollte
sie zu ihm zurueck (und da waere ich ja tatsaechlich nur im weg gewesen!!!).
..., viele, viele jahre habe ich mich bemueht, die agenden meiner adoption
zu verdraengen, habe ich mir gesagt, ich bin geliebt worden und habe die besten
eltern der welt (gehabt) und einige wenige wunderbare menschen als begleiter
gehabt, was will ich also noch mehr. aber ebenso bin ich aus bestimmten inneren
verfassungen nicht herausgekommen, haben mich traeume und gefuehle verfolgt, die
ich nicht deuten konnte. deshalb habe ich beschlossen, diese ganze
adoptionsangelegenheit noch einmal - systematisch therapeutisch - aufzuarbeiten,
und dies mit einigem erfolg, denn dass ich hier herinnen mitschreibe, auch das
ist eines der ergebnisse meiner psychotherapie!!! erst mit therapeutischer
begleitung war und ist es mir moeglich, mich diesen erfahrungen noch einmal zu
stellen, gehe ich sie immer und immer wieder durch, wende sie von allen seiten,
bis ich eines tages sagen können werde, so nun kann ich mit dem was ich weiss,
denke und fuehle einigermassen beruhigt und freier als bislang weiterleben. ich
erwarte mir nicht totale befreiung, denn gewisse dinge werden ein leben lang weh
tun, das liegt einfach an der dichte der faktizitäten ... dann muss ich noch
eine richtigstellung vornehmen: nicht meine leibliche mutter hat illegale
methoden bei der suche nach mir angewandt (sie hat nicht gesucht, ihr onkel, der
immer wußte, wo ich war, hat mich nach dem tod meines vaters kontaktiert),
sondern mein leiblicher vater und eine der suchagenturen, die in seinem auftrag
gearbeitet haben. und hier bin ich schon der meinung, dass dies der
öffentlichkeit mitgeteilt werden sollte, WIE hier u.U. (nicht von allen
wohlgemerkt!) gearbeitet wird. auch wuerde ich nicht den involvierten behoerden
die schuld in die schuhe schieben, denn die haben ja - aus meiner sicht - keine
der ges. auflagen verletzt, sie bekamen ja originalunterschriebene briefe,
konnten sich im glauben wiegen, eine tochter suche informationen zu ihrer
mutter. (mittlerweile sind diese dinge im original alle in meinem besitz!!!,
denn die behoerden haben ihre antwort auf den eingabeschreiben deponiert und
diese zurueckgesandt!). mein leiblicher vater hat illegale methoden angewendet
und anwenden lassen!!! aber ueber ihn und seine rolle ein ander mal ... hab nun
deine geduld wieder strapaziert, aber danke fuers lesen und eingehen ... alles
liebe, ..., und einen schoenen einstieg in die kommende woche margaretha
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05.09.2003 - 21:08: Hallo Lucie
Liebe Lucie! Ich als Adoptierte will Dir sagen, dass ich Deine Entscheidung zur
Adoptionsfreigabe Deines Kindes in höchstem Maß achte, denn Du hast aus Liebe
und Verantwortungsbewußtsein für Dein Kind gehandelt. Dir hier geheuchelten
Altruismus usw. vorzuhalten tut mir persönlich weh und ich erachte das sowohl
als übelste verbale Entgleisung und auch als einen Akt beispielloser Rohheit,
überall, aber auch gerade hier herinnen in diesem Forum. Ich kann Dir nur
empfehlen, gewisse Äusserungen nicht an Deine Gefühle heranzulassen, denn diese
Gefühle sind zu kostbar. So halte ich es jedenfalls und fahre ganz gut damit!
Ich hoffe auch von Herzen, dass ich Dich (und auch alle anderen Herkunftsmütter)
mit den Darstellungen meiner eigenen Geschichte (leibliche Eltern) nicht
verletzt und gekraenkt habe. Das taete mir naemlich sehr, sehr leid. Für mich
ist es einfach so, dass ich meine eigene Wahrheit auch aussprechen können muß!
Ich gruesse dich lieb und wünsche Dir ein schönes Wochenende. Margaretha P.S.:
Waere wirklich schoen, oefters von Dir zu lesen!!!
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03.09.2003 - 17:30: An Suse
hallo, liebe suse! hab mich ueber deine antwort gefreut!! und gut zu hoeren,
dass dein juengster sich wieder einigermassen eingekriegt hat!!! ich hab dich
das mit dem psychologie-studium deshalb gefragt, weil ich selber sehr wohl mein
studium als eine art \"vergangenheitsbewaeltigung\" (auch privat) betrieben habe
(hat sich aber in dieser deutlichkeit erst im nachhinein herausgestellt!) ist ja
keine schande, nicht :-))) ausserdem ist mir noch etwas zu einer deiner
frueheren wortmeldungen an mich eingefallen: deine einschaetzung hinsichtlich
des reaktionsspektrums meiner leiblichen mutter mir gegenueber scheint mir ins
schwarze zu treffen, genau das vermute ich auch bzw. nehme ich an!!! sie hat
sich auf ihre weise \"eingebunkert\" und laesst keine anderen versionen der
geschichte - als die ihre - mehr an sich heran, und sie sitzt es ganz einfach
jenseits des ozeans aus ... gut ... weisst, ich bin schon mit so vielem fertig
geworden, mit so vielen (wie du auch), dass ich auch in dieser richtung
eigentlich sehr zuversichtlich bin, was meine \"verarbeitungs\"-kapazitaet
anlangt. zudem bin ich gut begleitet ... wer ist den der kleine stubenhocker in
der windel ... :-))) liebe gruesse margaretha
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03.09.2003 - 15:39: Re: angst
liebe biene, ich bin zwar \"nur\" adoptierte, moechte dir und deinem mann aber
mitteilen, dass ich eure \"angst\" durchaus nachvollziehen kann. es werden das
einfach viele, viele fragen sein, die auf euch einstuermen, die ihr euch stellt,
wenn ihr den weg auf eine mögliche adoption zu geht. so viel mir aus dem
mitlesen in diesem forum bekannt geworden ist, gibt es da ja auch eine reihe von
begleitenden beratungsangeboten für werdende adoptiveltern. so nehme ich an,
dass da auch diesbezüglich über das jugendamt auskünfte zu bekommen sein müßten.
aber viel lieber wuerde ich die antwort auf euer posting hier jenen überlassen,
die einen solchen prozess schon selber durchlaufen haben. meine empfehlung: holt
euch so viel als möglich qualifizierten unterstützenden rat, da werden dann wohl
eine ganze menge eurer fragen beantwortet werden können. liebe gruesse
margaretha
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02.09.2003 - 22:32:An Suse
liebe suse, wie immer, schoen von dir zu lesen ... auch dein gutes wissen in
diversesten bereichen erstaunt mich ... du kannst dir ja denken, wo ich ein
wenig von deinen ansichten abweiche :-))) aber genauso vertraue ich darauf, dass
du dich in dem, was du denkst und tust, an die \"guten spielregeln\" haeltst,
deshalb will ich da gar nicht mehr allzu viel federlesens daraus machen ...
auch, wenn's um das verzeihen geht, driften unsere ansichten wahrscheinlich
auseinander. das ist fuer mich aber nicht tragisch oder dramatisch, denn gerade
unterschiedliche auffassungen koennen zu guten diskussionen fuehren, und wir
alle koennen davon lernen ... ja, du musst auch am eigenen leib schreckliches
mitgemacht haben und fuerchterliche erinnerungen in dir herumtragen. ist dein
psychologie-studium eine der formen, mit denen du auch deine eigene
vergangenheit besser in den griff bekommst?!!! nur eines noch: ich denke, die
\"problematiken\" von adoptierten und misshandelten sind doch unterschiedlichen
typs. es mag bereiche geben, die aehnlich sind, aber es gibt sicher eine menge
unterschiede. das nicht-wissen ueber die leibliche herkunft schafft eine eigene
fragen-, ideen- und gefuehlswelt im adoptierten, und umgekehrt sehe ich nicht
jeden adoptierten automatisch als psychisch oder körperlich misshandelten (dass
dies vorkommen kann, wissen wir). aber dazu koennen wohl gerade ... und
... mehr sagen, die - im unterschied zu mir - in diesen sozialen bereichen
tätig sind ... so, nun bin ich mued' und geh' zu bett ... ich gruess' dich lieb
margaretha
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02.09.2003 - 22:16: An Monika
liebe ..., ich freue mich wirklich sehr, dass du hier wieder mitschreibst,
denn auch deine beiträge sind für mich immer bereichernd und wichtig, und
wahrscheinlich nicht nur fuer mich!!! ja, unsere lebensbejahung erhalten wir von
jenen, die uns mit ihrer liebe bejahen, ob das nun leiblichen verwandte,
adoptivverwandte sind oder gute freunde, wichtig ist die tiefe bindung, die wir
zu diesen menschen entwickeln koennen. allerdings muss ich einfach auch sagen,
wie positiv ich es erlebe, dass ich via therapeutischen prozess ja zu meiner
leiblichen herkunft sagen kann, trotz allem negativen, ich fange an, ja dazu zu
sagen! und mit meiner schwester erlebe ich einen wunderschoenen prozess des
beziehungsaufbaues (wie ich es nie mehr fuer moeglich gehalten haette zuvor),
und ich freue mich einfach, dass sie auch meine leibliche schwester ist! und:
meine liebe ..., du wirst noch ein dickes buch schreiben mit vielen
kapiteln!!!! ich wuerde es jedenfalls sofort kaufen und mit grossem interesse
lesen!!!!!! aber auch deinen vorschlag in richtung gemeinschaftswerk finde ich
wert, angedacht zu werden!!!!!!! ich gruesse dich lieb aus wien margaretha
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02.09.2003 - 16:27: Re: an Georg
lieber georg! mit einiger bestuerzung habe ich dein posting nicht nur einmal,
sondern gleich mehrere male gelesen und mir eure dramatik in alle richtungen
vorgestellt! vergewaltigung ist eine entsetzliche sache, vergewaltigung eines
kindes (eines heranwachsenden mädchens), eurer tochter ... grauenhaft!!!! als
mutter einer mittlerweile erwachsenen tochter habe mich einige male gefragt, was
ich wohl tun würde, wenn ... hier ist noch dazu ein neuer mensch entstanden, der
leben und geliebt sein will!!! wie schoen ist es fuer mich (als adoptierte),
dass ihr als grosseltern so ohne wenn und aber ja zu diesem kind sagt.
allerdings wuerde ich an eurer stelle sehr wohl auf den rat des psychologen
hoeren, der einfach ueber erfahrungswerte in derartigen dingen verfuegt. und
wenn er meint, es sei eurer tochter nicht zumutbar, mit dem kind gemeinsam zu
leben, dann wird er mit sicherheit wissen, wovon er spricht! adoption kann in
eurem fall eine durchaus gute option sein, noch dazu bei so viel wohlwollen und
kommunikationsbereitschaft (auch fuer die zukunft) von euerer seite zu diesem
kind). auch dieses kleine soll zunaechst einmal - meinem gefuehl nach -
unbelastet von den umstaenden seiner zeugung heranwachsen koennen, und dann
einmal den eigenen weg zur eigenen geschichte finden. und gerade in diesem fall
sollte es wirklich dem kind eines tages ueberlassen bleiben, OB UND WIE NAHE ES
AN DIESE SEINE AUSGANGSSITUATION HERANGEHEN WILL. auch dahin werden die gedanken
des psychologen gegangen sein vielleicht. Denn könnte das kleine bei einer
derartigen (mir absolut verständlichen) aversion seiner leiblichen mutter
einigermassen unbelastet heranwachsen? ich für meinen teil will es vorsichtig
bezweifeln! und eure tochter braucht offenbar auch einen grossen abstand, um
ihren weg in ein eigenverantwortetes leben dereinst finden zu koennen, auch sie
ist ja noch mitten drinnen im aufwachsen!! und auf dieses erlebnis hinauf
braucht sie gerade euch. ich denke, das kleine bekommt auf jeden fall eure liebe
mit auf seinen lebensweg, und das spührt es schon jetzt, und ihr kennt ja die
menschen, in deren hände ihr es legt, und ihr seid fuer es da, wenn ihr
gebraucht werdet. das ist schon einmal so unendlich viel. und nach jahren, wer
weiss, kann auch eure tochter zu einer freundlicheren einstellung zu diesem kind
finden, vielleicht ... ich wuensche euch allen von herzen alles gute margaretha
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02.09.2003 - 00:55: Familie ... für Laura und ...
liebe laura, bestimmte aussagen zu \"familie\", die hier getroffen wurden, kann
ich so nicht einfach unwidersprochen lassen bzw. will ich sie ein wenig
ergaenzen um meine sicht dieser fuer mich so wichtigen sache: ich denke mir,
familie ist viel, viel mehr, als lediglich durch genetische gemeinsamkeit
entstehen kann. familie erleben wir dort, wo wir uns geliebt, vertraut,
angenommen fuehlen, wo wir unterstützung finden für unser wachsen, wo wir
aufgefangen werden in schwierigen phasen. familie ist nicht einfach ein fuer
alle mal da, sondern wird gelebt mit anderen menschen und wird beständig neu
geschaffen durch das miteinander und füreinander. familien schaffen sich
menschen in allen moeglichen situationen, um ihr überleben und leben auf allen
möglichen lebensebenen zu gewährleisten. familien entstehen nicht bloss durch
abstammung, das KANN (und ist es in der regel auch) ein sehr wichtiges
identifikationsmerksmal sein, ist aber nicht zwangläufig für jede
familienkonstellation. es ist auch nicht richtig, dass durch
abstammungsverwandschaft sich automatisch familiengefuehle einstellen. ich bin
adoptierte, bei mir war und ist das nicht der fall. von neun (!!!)
halbgeschwistern entwickelt sich bei mir \"so etwas wie\" ein familiengefühl
erst allmählich mit einer einzigen (!!!) leiblichen halbschwester, erst
allmählich fange ich an, sie als \"schwester\" zu empfinden. was ich allerdings
sehr wohl beim kennenlernen der leiblichen verwandten zunaechst einmal spührte
war die (auch in der fachliteratur als solche bekannte) \"genetic attraction\",
ein verbundenheits- und sympathiegefühl, das ausgelöst wird dadurch, dass
fundamentale gemeinsamkeiten (in der äußeren erscheinung, bei diversen
charakterzügen etc.) zum ersten mal in dieser form als biologisch fundiert, als
einfach vorgegeben, als DA, erlebt werden. (ist jedenfalls meine interpretation
von genetic attraction) mein sein hatte plötzlich einen handfesten grund,
nämlich zwei menschen, die meine eltern sind, und ich darf mich über ebensolche
fundamentale ähnlichkeiten mit weiteren leiblichen verwandten erfreuen ... bei
mir klang dann die genetic attraction spaetestens auch in jenem prozess wieder
ab, als vor allen dingen die kulturellen unterschiede im verhalten zueinander
(werthaltungen, lebensorientierungen, lebensqualitäten etc.) zum tragen kamen.
also ich hab bei gott nicht erlebt, nun endlich (in meinem fall wieder)
\"familie\" zu haben (so gerne ich welche gehabt hätte, denn meine a-eltern
waren ja schon tot!!!), als ich meine leiblichen verwandten kennenlernte, im
gegenteil, ich habe erkennen muessen, dass dies gerade NICHT MEINE FAMILIEN
waren und sind. dennoch hat mein reines dasein durch das kennenlernen der
leiblichen verwandten eine selbstverständlichkeit (die offenbar durch die
tatsache des biologischen daseinsgrundes, der biol. daseinsgemeinsamkeit gegeben
ist) erhalten, die es vorher in dieser form nicht hatte, und das empfinde ich
nach wie vor wie eine \"erlösung\" aus einer existentiellen beliebigkeit. so
habe ich es erlebt, laura, aber du wirst dir deinen eigenen weg bahnen zu deiner
leiblichen herkunft, wirst deine eigenen lernprozesse durchleben und deine
eigenen unteilbaren erlebnisse haben, und du wirst fuer dich herausfinden, zu
wem du auf welche weise gehoerst und wen die auf welche weise in DEIN
familienverständnis integrierst! ich wuensche dir einfach alles gute auf deinem
weg margaretha
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01.09.2003 - 21:36: Re: An Martina
liebe ...! meinen herzlichen dank, dass du so ausfuehrlich auf mein posting
eingegangen bist. ja, es stimmt, das verhalten meiner leiblichen eltern mir
gegenueber hat mir sehr, sehr weh getan, insbesondere jenes nach den sogenannten
reunions, denn so genau wußte ich ja bis vor etwa zwei jahren nicht, was damals
waehrend meiner ersten lebensmonate mit mir passiert ist. ich hatte ja dann sehr
früh meine adoptiveltern verloren (mit 8 1/2 meine mama und mit 18 1/2 meinen
vater) und war - auch auf grund der oesterreichischen rechtssituation - fortan
ohne jeglichen familiaeren rueckhalt. und wie ich schon sagte, ich haette mich
erst dann - vielleicht - auf die suche nach meinen leiblichen eltern gemacht,
nachdem ich mein leben gefestigt gehabt haette. meine (a-)eltern und meine
lebensbegleiter haben mich zu einem sehr lebensbejahenden menschen werden
lassen, und ich haette das bestimmt alles geschafft, wie ich es ja (unter
aufbietung so ziemlich meiner allerletzten kraefte) es unter noch viel
schwierigeren bedingungen dann auch geschafft habe, denn trotz uebelster
widrigkeiten habe ich doch noch einiges erreichen koennen, habe ich den guten
kurs immer wieder gefunden, allein!!! und weil ich durch diese reunions noch
einmal massiv geschaedigt worden bin, zweimal, deshalb vertrete ich so
nachdrücklich, dass ich nicht gefunden hätte werden sollen, dass ich beschützt
davor haette sein sollen, dass ich selber, und nur ich selber, mich auf die
suche haette machen sollen. wie gesagt, ich haette mein leben schon geschafft!
aber es kam wie's eben kam, und heute befinde ich mich in einer phase der
rueckschau (die nicht ewig andauern soll, denn dazu habe auch ich keine
lust!!!), ich fuehre mir meinen gesamten lebensverlauf noch einmal vor augen und
\"verarbeite\" \"systematisch\". und dazu gehoert eben auch, dass ich alles in
erfahrung bringen will, was mir noch an wichtigen informationen zu meinem leben
fehlt. und nun bin ich es, die position bezieht und die distanzen bestimmt ...
ich habe immer schon viel geschrieben (war eine ueberlebenstechnik!), so habe
ich also hunderte geschriebener seiten zur verfuegung, die nur noch auf eine
letzte durchstrukturierung warten, um publiziert werden zu können. aber damit
will ich warten, bis laufende verfahren zu einem (welchem auch immer) ergebnis
gekommen sind, damit ich auch diese dinge dann einarbeiten kann. jetzt brauch
ich auch keine eile mehr zu haben, niemand macht mir druck! die
recherchearbeiten habe ich z. grossen teil schon erledigt. ich war in jenem
haus, in dem sich meine tragödie abgespielt hat. (dass dann die tragoedie auch
noch im spital ihre fortsetzung fand, steht auf einem andern blatt, und da
laesst sich gar nichts mehr \"beweisen\", dafuer habe ich nur eine muendliche
aussage) ich habe mit dem arzt gesprochen, der mich seinerzeit mehrfach ins
spital eingewiesen hat (der konnte - oder wollte - sich aber an mich nicht mehr
erinnern. er sagte mir allerdings definitiv, dass jenes haus in jeder hinsicht
eine sehr schlechte umgebung war!! karteikarten aus jener zeit hat er angeblich
auch nicht mehr!). meine krankenhausakte existiert nicht mehr, da schon zu lange
zurueck, wurde mir gesagt. ich habe auskünfte bei sozialarbeiterinnen (auch aus
damaliger zeit) eingeholt, um in erfahrung zu bringen, wie in den 50er jahren
behoerdlicherseits mit ledigen kindern, pflegekindern etc. umgegangen wurde ...
und natuerlich versuche ich immer und immer wieder nachzuvollziehen, in welch
dramatischer situation sich meine leibliche mutter damals befunden haben muss
(das verhalten meines leiblichen vaters damals ist ja eine eigene
geschichte!!!), von ihrer familie restlos im stich gelassen, mit dem kind eines
\"amis\" im leib ... und ich versuche nachzuvollziehen, wann und wie ihre
beziehung zu mir zerbrochen ist, wann sie sozusagen aufgrund des situativen
druckes \"kippte\", davonlief und mich - ich kann es nicht anders sagen - wie
ein stueck dreck im dreck liegen liess. sie sah offenbar keine andere lösung
mehr fuer sich, als davonzulaufen, augen und ohren zu verschliessen und nicht
mehr an mich zu denken. dass sie das unmittelbar nach meiner geburt getan hat
koennte ich ihr vielleicht verzeihen, denn ... aber dass sie ein halbes jahr
spaeter noch ihre unterschrift unter einen antrag auf dauepflege setzte, zu
einem zeitpunkt, als ich in so schlechter gesundheitlicher verfassung war, dass
ich mich knapp vor der wiedereinweisung ins spital befand, und ich mich fragen
muss, ja, hat denn diese junge frau mich nicht angesehen, hat sie oder wollte
sie nicht bemerken, dass ich am zugrunde gehen war, oder wollte sie das
vielleicht insgeheim, ja auch diesen gedanken bin ich erst durch diese ihre
unterschrift unter jenem antrag gekommen, und sie zeigt mir auch ein negatives
kalkül mir gegenüber und läßt mich das eine und andere in ihrem verhalten
unmittelbar nach der geburt in einem anderen licht erscheinen (z.b. der hinweis
im behördlichen fragebogen anlaesslich meiner geburt, sie wolle nach dänemark
auswandern!!!! da kann ich mir nicht vorstellen, dass sie mich mitnehmen
wollte!!!). sie ist einfach abgehauen, hat das vereinbarte pflegegeld nicht
bezahlt und mich nicht krankenversichern lassen, und sie taucht nach monaten
wieder auf, um einen antrag auf dauerpflege bei leuten zu unterschreiben, denen
sie (nach ihrer eigenen aussage) entfliehen wollte!!!! das alles geht mir durch
den kopf, seit ich die bedeutung jener unterschrift studiere und nach und nach
entschlüssele, seit ich die behördlichen unterlagen aus jener zeit vergleiche
mit dem, was sie mir mitgeteilt hat, und was mir ihr onkel dazu mitgeteilt hat.
und erst jetzt glaube ich, verstehen zu koennen, warum sich meine leibliche
mutter in den vergangenen jahrzehnten so und nicht anders zu mir verhalten hat,
als sie es eben getan hat!!! meine leibliche mutter ist kein ungeheuer, sie hat
mir nur gezeigt, dass sie unter dem druck einer fuer sie wohl als extrem
empfundenen situation, bereit war, mein leben auf's spiel zu setzen und dass sie
nur sich selber \"in sicherheit\" bringen wollte. und natuerlich frage ich mich,
warum hat sie nicht wenigstens dazu geschaut, dass ich zu anderen leuten komme,
das muesste doch damals auch moeglich gewesen sein. den weg zur behoerde, um den
fragebogen auszufuellen, hat sie doch gemacht, sie haette doch dort gleich
mitteilen koennen, dass sie einen pflegeplatz sucht. sie hat gezeigt, dass sie
in der lage war, sich selber aus einer miesslichen lage zu befreien, sie war
also handlungsfaehig, konnte situationen offenbar richtig auf ihre qualitaet hin
einschaetzen. warum bloss hat sie mich so konsequent im stich gelassen, und ich
werde ein gefuehl immer weniger los, naemlich jenes, dass sie insgeheim gar
nicht wollte, dass ich ueberlebe ... sie hat mich in sich abgetoetet, damals
schon. ich habe zudem auch jenes dokument gesehen, in welchem sie um die
us-staatsbuergerschaft ansuchte und mich nicht in der liste der \"living
children\" nannte. sie hat mich gezielt verschwiegen, war also wieder in der
lage zu luegen, und indirekt habe ich es noch einmal wie eine todeserklaerung in
meine richtung empfunden, als ich das so schwarz auf weiss sah. ihre - von ihrem
onkel betriebenen - schritte im zuge der sog. reunion waren wohl weniger solche
in meine richtung, denn vielmehr eine art kosmetik an ihrem eigenen selbstbild,
denn in meine richtung ist sie gezielt \"blind\" und \"taub\" geblieben. heute
sage ich mir aus meiner perspektive: meine leiblichen eltern mussten
zusammenkommen, um mich zu zeugen, und es ist - unabhaengig von ihrem verhalten
mir gegenueber - gut, dass ich in der welt bin. sie haben mir auch gute
eigenschaften mitgegeben, aber von ihren negativen botschaften will ich mich
fuer immer befreien!!! ich erhalte meinen wert als mensch nicht von meinen
leiblichen eltern, sondern von jenen menschen, die mich geliebt haben und die
mich lieben, wenn dies meine leiblichen eltern nicht koennen, ist das nicht
meine schuld, es ist ihr problem, und ich muss mich im grunde nicht mehr damit
befassen. wenn ich in richtung meiner leiblichen eltern schaue, habe ich mir oft
schon gewuenscht, nicht am leben zu sein, zu negativ empfinde ihre
\"botschaften\" in meine richtung. dass ich dennoch ein lebensbejahender und
ueberaus positiver mensch bin, der das schoene in der welt sucht und auch
findet, das danke ich \"meinen\" menschen, meinen (a-)eltern, meinen
lebensbegleitern und allen, die mir positives in mein leben geben!!! und in
meinen gefuehlen und gedanken hat immer das ja zum leben ueberwogen, und so wird
es auch immer sein. da gibt es also genug zu schreiben :-))))) liebe ...,
ich danke dir fuer's zuhoeren und eingehen, du kannst das wirklich wunderbar ...
alles liebe margaretha
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01.09.2003 - 16:02: Re: komisches Gefühl
liebe laura, fuer mich ist es das normalste auf der welt, dass du deine
leibliche mutter gefuehlsmaessig vermisst (habe selber aber viele jahre
gebraucht, um dieses gefuehl in mir wieder ausfindig zu machen). sie ist deine
leibliche mutter, du hast u.a. ihr leibl. erbgut in dir, du warst neun monate in
ihrem bauch, hast ihre herztoene gehoert, ihre stimme gehoert, ihre stimmungen
gespuehrt. wer weiss, vielleicht hat sie viel mit dir gesprochen waehrend der
schwangerschaft und vielleicht auch noch nach der geburt, vielleicht hat sie
auch bis zum heutigen tag sehnsucht nach dir!!! genauso gut kann ich verstehen,
wenn du sagst, dass du deine a-eltern liebst (bei mir kein bisschen anders!!!!).
h-eltern und a-eltern haben einfach UNTERSCHIEDLICHE plaetze in unserem leben,
sie sind KEINE KONKURRENTEN. (so jedenfalls sehe ich es!) im gluecklichen fall
lieben wir beide!!!! liebe gruesse margaretha
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31.08.2003 - 20:22: Re an Sabeth
liebe sabeth! ich verstehe dich vollkommen in deinem beduerfnis nach schutz!!!
du brauchst dich hier auch nicht ueber jenes mass hinaus zu \"offenbaren\", wo
es dir unangenehm würde, dir unannehmlichkeiten verursacht werden koennten. es
freut mich aber zu hoeren, dass du deine leiblichen eltern gefunden hast. ich
nehme an, du hast sie selber gesucht. noch mehr freut mich, dass da offenbar
auch zum teil sehr positive kommunikation moeglich ist. auch fuer deine
leiblichen eltern ist das ja keine einfach situation!!! ich fuer meinen teil
habe viele jahrzehnte gebraucht, um in der weise offen ueber meine geschichte zu
sprechen, wie ich es nun tue. und nun stehe ich dazu, mit allem drum und drann,
und mir bringt das mehr sicherheit, gewissheit meiner selbst ... aber es muss
einfach ein jeder SEINEN weg finden, um mit diesen dingen zurechtkommen zu
koennen! liebe sabeth, ich wuensche auch dir einen guten einstieg in die neue
woche! margaretha
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31.08.2003 - 20:06: Re: An Martina
Liebe ...! Wie in anderen Fällen auch, sehe ich wieder einmal, wie tief und
genau Du Dich in die Situation eines anderen Menschen hineinzuversetzen
versuchst! Allein das tut schon gut, zu bemerken!!! Weißt Du, wenn ich Dir auf
all Deine Fragen nun ausführlich antworten wollte, müßte ich Dir mein Leben
erzaehlen, und damit könnte ich nicht nur ein Buch füllen, sondern mehrere!
Komprimiert gesagt: 1. Ich wünsche, dass mir meine leibliche Mutter über jene
ersten Monate die Wahrheit sagt. Ich würde es gerne aus ihrem Munde vernehmen.
Das hat sie nämlich bislang NICHT getan (die von ihr getroffenen Aussagen und
die nachträglich von mir eingesehenen Dokumente belegen den WIDERSPRUCH), sie
weigert sich allerdings tiefer und genauer auf jene Zeit einzugehen und meinte
(vor ca. eineinhalb Jahren) telefonisch (auf meine konkrete Frage hinauf), sie
hätte mir schon alles gesagt, und sie wünsche nicht mehr mit mir zu sprechen!!!
Sie hat also - auch aus ihrer Sicht - etwas zu verheimlichen. Da aber in jenen
Monaten offenbar mehr geschehen ist, als ich bis vor kurzem angenommen hatte,
will ich einfach ALLES darüber wissen, und ich wuerde meine leibliche Mutter
gerne auf irgeneinem Weg \"verpflichten\", mir Auskunft zu geben. Diese Frau
weiss genau, dass sie Schuld auf sich geladen hat, und sie will einfach ihre
Ruhe haben. Eine Ruhe, die mir auf Grund ihres (und meines leiblichen Vaters
Verhaltens) trotz meines Wollens ein Leben lang nicht vergönnt war! Denn während
sie (und mein leiblicher Vater)IM WISSEN um meinen aeusserst schwierigen
Lebensverlauf (den ich mir nicht selber ausgesucht und verursacht hatte) sich
einfach immer und immer wieder \"aus dem Staub machte\", sie beide ihre normalen
Familienleben (auf Mom und Dad machten) lebten, soviel ich weiss keine groeberen
Störungen ihres gesundheitlichen Befindens hinnehmen mußten (im Unterschied zu
mir), konnte ich die Probleme ausbaden, die mir meine leibliche Mutter und mein
leiblicher Vater zum wiederholten Mal verursachten und hinterließen. 2. Es gibt
eine Form von Gerechtigkeit, die ich so hergestellt sehe, dass die Wahrheit
gefunden und ausgesprochen wird. Ich kann das auch selber tun, und ich habe mich
bereits ans Werk gemacht. Das kann ich mir sogar in der Form vorstellen, dass
ich eines Tages alles Wesentliche veröffentliche, was ich an Dokumenten zu
meinem Fall besitze. Und hier denke ich auch an Deinen seinerseits mir gemachten
Vorschlag, ev. den Petitionsausschuss des Dt. Bundestages einzuschalten, um die
gewaltigen rechtlichen Ungereimtheiten im Zuge der Suche nach mir durchforsten
zu lassen. (Es wurden ja an dt. Städte Briefe unter meinem Geburtsnamen und mit
gefälschter Unterschrift - meiner - abgeschickt. Eine Behörde hat daraufhin auch
sensible Daten herausgegeben.)Natuerlich muessen diverse Rechtsfragen bedacht
werden! 2. Habe ich ein Vaterschaftsanerkennungsverfah ren bei Gericht
angestrengt. Und unabhängig von seinem Ausgang besteht für mich die \"Therapie\"
hier einfach darin, dass ICH DIESEN SCHRITT GESETZT HABE. Ich bin damit nicht
mehr bloss das herumgestoßene wimmernde Nichts, das um das Leben und
Angenommensein bettelt, sondern nun sage ich einmal in die dafuer richtige
Richtung - auch rechtlich - ICH WILL! 3. Und wenn ich mich einmal ausreichend zu
meiner Geschichte zu Wort gemeldet haben werde, möchte ich jenen Punkt
erreichen, wo ich mir sagen kann: Gut ich weiß, gewisse Dinge werden ein Leben
lang weh tun, ich finde mich darin ein, aber ich werde wieder - wie schon in den
Jahrzehnten zuvor - mit aller Kraft sagen: dieses Thema dominiert nicht mehr
meinen Alltag. Meine grosse Hoffnung ist, dass ich diesen Zustand wirklich
erreichen werde!!!! Dazu gehoert auch - wie Ina schon sagte - das Verzeihen, und
auch für mich ist es ein Ziel, das zu können. Ich weiß heute schon, dass meine
leiblichen Eltern irgendwann mit sich selber \"ins Reine\" kommen müssen, und
dass sie sich - wann immer - jener \"höheren Instanz\" (nennen wir's Gott, die
Liebe etc.) stellen müssen, und da bleibt ihnen auch ihre eigene Erinnerung
nichts schuldig! Da müssen dann auch sie durch, wenn sie Vergebung erlangen
wollen!!! Ich habe mir schon vor Jahren gesagt: Verzeihen kann auch bedeuten,
auf Rache zu verzichten, auch dabei bleibe ich!!! 4. Einzig eine leibliche
Verwandte, eine Halbschwester väterlicherseits, ist in der Lage, mit mir ueber
die Dinge meines Lebens zu kommunizieren. Dass auf der mütterlichen Seite
sämtliche Kontakte entgegen meinem Wollen wieder abgebrochen sind, duerfte auch
das Werk dieser leiblichen Mutter sein, die eines meisterhaft beherrscht: in
allen Lebenssituationen ihre eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen,
und dies in meine Richtung IMMER auf meine Kosten!!! So normal und freundlich
sie einerseits zu mir und und und auch gewesen und in ihrem Lebenskreis immer
noch sein mag. Schon deshalb ist mir jeder Radikalegoismus in welcher Form auch
immer zutiefst zuwider! Aber ich will auch meine Schwester nicht dauerbelasten
mit dieser Thematik, ich will ja mit ihr in erster Hinsicht Positives
kommunizieren und aufbauen. Wichtig ist mir hier lediglich, dass ich hie und da
etwas \"rüberbringen\" kann, dass ich bei meiner Wahrheit bleiben kann und diese
nicht verstecken muß. So, das wär's einmal fuers erste ... Wir werden ja sehen,
wie die Dinge sich entwickeln! Nun grüße ich Dich einfach lieb und wünsch Dir
heute schon einen guten Start in die neue Woche. Margaretha
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29.08.2003 - 21:45: Re: An Roswitha
Meine liebe Roswitha! Deine Zeilen haben mich sehr tief berührt!!! Danke! Sei
getrost, ich hasse meine leibliche Mutter nicht! Und ich weiss, dass Menschen,
die mich geliebt haben und lieben, an meiner Seite sind! Wie sehr wuensche ich
allen Menschen, die in einer Notlage sind, dass ein Mensch kommt und die Hand
reicht! (Bei wie vielen ist das nicht der Fall!!!!) Was ich sehr wohl wuensche
Roswitha, ist, dass meine leiblichen Eltern sich auch einmal MEINER
Lebensrealität stellen und erkennen müssen, welche Qualität sie darin verursacht
haben. Heilung seelischer Verwundung geht m.E. nur ueber die Erkenntnis der
gesamten Wahrheit (und das tut noch einmal weh, wie du weißt), über den Ausdruck
dieser Wahrheit und - wenn massives Unrecht geschehen ist - über das Einfordern
der Verantwortung dafür (für mich zumindest ist das so!!!) mit Hilfe jener
Instanzen, die die Gesellschaft für diese Fälle eingerichtet hat. Vielleicht
kann man dann einmal verzeihen, ich würde es auch mir wünschen, dass ich eines
Tages meinen leiblichen Eltern wirklich verzeihen kann für den Schaden, den sie
meinem Leben verursacht haben, nachdem sie es in diese Welt geworfen haben!
Heute weiss ich nur: Ich will meine leiblichen Eltern nicht hassen, aber ich
will sie in jene Verantwortung genommen wissen, vor der sie ein Leben lang
davongelaufen sind! Und damit meine ich nicht, dass ich die Freigabe zur
Adoption schlecht für mich gewesen wäre, im Gegenteil, das war ein guter
Schritt! Ich meine ganz andere Dinge, vor denen ich nicht mehr - wie ich viele,
viele Jahre, Jahrzehnte versucht habe - die Augen verschließen kann! Du,
Roswitha, hast insofern mehr Frieden in dieser Hinsicht in mein Leben gebracht
(DANKE!), als ich in Deinem Fall erkennen konnte, wie sehr Du Dich nach Deinem
zur Adoption freigegebenen Kind (die Art, wie das passiert ist, hat mich auch
zutiefst erschüttert!!!!!) sehnst! Wie gerne wäre ich einer leiblichen Mutter
wie DIR begegnet!!!! Alles Liebe, Roswitha, und ein schönes Wochenende
Margaretha P.S.: Dein Mail ist angekommen, ich hoffe, meine Antwort drauf auch
bei Dir!
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29.08.2003 - 08:48: Ich hätte mir gewünscht ...
Ich als Adoptierte hätte mir gewünscht, dass meine leibliche Mutter mich nach
meiner Geburt in den Arm genommen und gestreichelt hätte, dass sie mir in die
Augen geschaut hätte und mir \"erklärt\" hätte, warum sie mich nicht bei sich
behalten kann. Ich hätte mir auch gewünscht, dass sie auch später noch
gelegentlich ein wenig Sehnsucht nach mir verspührt. Bestimmt hätte ich mir
nicht gewünscht, dass sie deswegen ein Leben in Kummer und Gram zubringt! Ich
weiss es nicht, vielleicht ist das \"zuviel\" verlangt von meiner leiblichen
Mutter, von einer leiblichen Mutter, die ihr Kind fortgibt, aber dennoch hätte
ich mir diese kleinen Liebeserweise von ihr zu mir gewünscht ... Margaretha
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27.08.2003 - 10:15: Re: Keine Racheengel
liebe suse, wie du weisst, habe ich deine beitraege immer geschaetzt. deine
gradlinigkeit, dein humor, dein grosses wissen, dein einsatz fuer deine kinder
und ... dass du selber so viel ueberstanden und in den griff bekommen hast.
allerdings teile ich deine ansichten zu \"rache\" nicht, ich teile sie auch
nicht in hinsicht \"guter ton\". und ... vorzuwerfen, sie lade ihre
aggressionen via fürsorglichkeit ab (vorausgesetzt ich habe dich hier wirklich
richtig verstanden), also das geht mir zu weit. denn ich habe ... hier
kennengelernt als einen menschen, der sich wirklich - wie kaum ein anderer -
bemueht, differenziertest auf die probleme einzelner einzugehen. ich habe in ihr
auch eine adoptivmutter kennengelernt, die sich in einer breite und tiefe der
diversesten anliegen adoptierter annimmt, wie ich es noch kaum einmal in dieser
form und bei einer a-mutter angetroffen habe. ich habe ... auch als - in
sehr konstruktivem sinn - \"streitbare\" frau kennengelernt, mit der man
durchaus einen konflikt fruchtbringend austragen kann (hab ich auch schon mit
ihr). all diese eigenschaften von ... haben in mir ueber das vergangene jahr
hinweg bewirkt, dass ich sie sehr schätzen gelernt habe und dies ungebrochen
tue! was meinen persönlichen umgang mit meinen eigenen negativerfahrungen
anlangt (und da war auch gewalt im spiel auf verschiedenen ebenen), habe ich in
meinem beitrag an ina/beate geschrieben. suse, verzeihen ist fuer mich immer
auch noch eine kategorie ... man soll es nicht vorweg verlangen, wenn's
psychodynamisch einfach nicht moeglich ist, aber als eine schließliche
möglichkeit, frieden zu finden, sollte das verzeihen nicht ganz aus den augen
verloren werden. klingt fuer dich, suse, vielleicht nicht so toll, kann ich mir
schon vorstellen, nichtsdestotrotz sehe ich's in dieser weise ... ich gruesse
dich lieb margaretha
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27.08.2003 - 09:24: An Ina
Liebe Ina/Beate! Mir geht es aehnlich wie Dir. Ich denke, verzeihen ist auch ein
sehr wichtiger Schritt, um mit sich Frieden zu finden. Auch meinen leiblichen
Eltern gegenueber habe ich keine Rachegefuehle, auch nicht meiner Stiefmutter
gegenueber, obwohl ich RachePHANTASIEEN sehr wohl kenne, zur Tat bin ich
allerdings ganz bewusst NIE geschritten. Was ich mir persoenlich allerdings
gelegentlich sehr wohl wuensche, ist GERECHTIGKEIT! Es sollen diejenigen, die
einem Unrecht angetan haben, zur Verantwortung gezogen werden, aber von einer
von der Gesellschaft dafuer beauftragten Instanz! Margaretha
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24.08.2003 - 22:00: Re: An Martina
Liebe ...! Es ist doch noch der Abend geworden! Ich habe meinen
Margaretha-Tag (der Herr ruhte ja bekanntlich am siebenten Tag, warum soll ich's
nicht auch tun :-))) schön entspannt verbracht und hab nun Dein liebes Posting
vorgefunden! Herzlichen Dank! Genau in dieser Funktion sehe ich dieses Forum
auch, genau wie Du es beschreibst: wir sollten einander akzeptieren trösten,
stützen, aufbauen, beraten ... Es gibt natuerlich immer wieder Leute, die
gezielt schlechtes Klima erzeugen muessen, mit ihrer eigenen Frustration auf so
verletzende Weise auf andere einschlagen muessen ... instinktiv bzw. wohl
wissend, WO genau es dem/n anderen jeweils besonders weh tut!!! Gegen diese
Grausligkeiten werde ich mich hinkuenftig einfach so schuetzen, dass ich sie
rueckstandslos an mir abrinnen lasse und nicht mehr direkt darauf reagiere. Dazu
bin ich mir ehrlich gesagt zu schade!!! (Eine Haltung, die mir meine Mama schon
sehr frueh beigebracht hat!!!) Es gibt so unendlich liebenswuerdige Personen
hier herinnen, die genau das tun, was du dir von Teilnehmern dieses Forums
wuenschst, und auf die werde ich mich einfach konzentrieren. Und ich werde
weiterhin - so ich es fuer sinnvoll erachte - meine Beitraege in genau der
Laenge abfassen, die mir gut und richtig erscheint!! Wen sie anoeden, der
braucht sie ja wirklich nicht zu lesen, so einfach ist das, wie wir alle
wissen!!! Deine grosse, scheinbar grenzenlose Geduld, habe ich nicht. Bei mir
ist es so, dass mein Bemuehen, aufzuklaeren, zu helfen genau dort endet, wo ich
\"angespuckt\" werde dafuer und ueberhaupt. Da sage ich mir eben, GENAU das habe
ich ebenfalls nicht mehr noetig, haben auch schon Leute ausreichend getan in
meinem Leben, jetzt eben nicht mehr, mit meinem Einverstaendnis schon gar
nicht!!! Es gibt inzwischen Fronten, an denen ich nicht mehr kämpfe, auch das
ist eine Lehre, der ich seit einigen Jahren treu bin! Ich freue mich auf jeden
Fall ueber einen weiteren Austausch mit Dir und jenen, denen gutes
Gespraechsklima hier einen Wert darstellt. Eine schoene Woche wuensche ich Dir
und gruesse ganz lieb aus Wien Margaretha
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21.08.2003 - 20:22: An Martina
Meine liebe ...!
Ich danke Dir fuer Deine klare Haltung hinsichtlich der
\"Wienerin\" :-))) Deine Unterstuetzung und Standfestigkeit habe ich schon in
frueheren Diskussionen zu schaetzen gelernt!!! (Nur ein Detail am Rande: Ich
verfuege ueber eine vollstaendige Dokumentation all meiner Mails, sowohl der
erhaltenen, als auch der von mir versendeten. Deren sittliche Qualitaet kann ich
jederzeit dokumentieren!) Es hat mir auch gut getan, was Du ueber Adoptierte
gesagt hast, und das, worin sich der sittliche Wert eines Menschen zeigt (ist
HAARGENAU MEIN STANDPUNKT!!!) Ich lasse mich nicht mehr durch \"gewisse\"
Aeusserungen so sehr beeindrucken, auch wenn sie verletzen zunaechst (aber
bitte, davon habe ich - und nicht nur ich - schon zur Genuege einstecken muessen
im Leben, sooo neu ist das dann auch wieder nicht!!!). Es geht um die Sache, und
es geht um die Menschen, die guten Willens sind, es geht mir hier auch um
Menschen, die ich eben nur hier kennengelernt habe, und die mir teuer geworden
sind: Du, .......... Euch
will ich auch nicht mehr so rasch aufgeben!!!! Es stimmt schon, ich gebe
\"Einblicke\", ich zeige auch - bewusst - Gefuehle, auch wenn es die traurigen
sind. Das Traurige, die Trauer gehoeren zum Leben ebenso dazu wie das Glueck,
die Freude, die Neugier etc., auch sie darf nicht ausgeblendet werden. (Dies zu
erkennen, hat mich allerdings auch Jahre gekostet!!!) Dieses zur Trauer, zu den
traurigen Ereignissen stehen (genauso selbstverstaendlich wie zu den
freudvollen), eben nicht systematisch wegsehen, weder bei sich noch bei anderen,
hat nichts mit Selbstmitleid und demuetigendem Bemitleiden zu tun, das gehoert
zu unserer emotionalen \"Landschaft\" und zu unseren - eigentlich ganz normalen
- altruistischen Fähigkeiten, gehoert zu unserem Menschsein. \"Die mit Traenen
saen, werden mit Jubel ernten.\" (AT) Du weisst, es hat Jahrzehnte bei mir
gedauert, bis ich mich dem Adoptionsthema stellen konnte, und es ist immer noch
ein zur Sprache finden, aber es wird doch leichter mit der Zeit. Begonnen habe
ich damit im Kontakt mit einem Adoptiveltern-Ehepaar (die offen mit dem Thema
umgehen), mit einer lieben Freundin, einer Adoptierten aus Hamburg, die mir
ueber Monate hinweg geduldig meine Mails gelesen hat und immer wieder
geantwortet hat (sie hat wahrlich \"Entwicklungshilfe\" geleistet, durch meine
Praesenz dann hier in diesem Forum ganz besonders!! Auch ihr alle hier habt mir
so wertvolle und bereichernde Einsichten in Eure Leben gegeben. Danke ...!
Und ein Danke an alle!!! Ich gruesse Dich von Herz zu Herz Margaretha
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21.08.2003 - 13:33: Re: An Ina
Liebe Ina! Ich danke Dir ganz herzlich fuer Deine Antwort. Selbstverstaendlich
verstehe ich Deine Bedenken und ich respektiere sie!!! Ich denke, jedes sich
Artikulieren zu einem schmerzhaft erlebten Thema ist auch einfach ein
Gehen-Lernen, sich Einüben (ist bei mir genauso!!!), ein Feststellen, unter
welchen Bedingungen kann ich, will ich ueberhaupt etc. Du tust es zuerst fuer
Dich, und wir duerfen dann einfach bei dem, das Du bereit bist, mitzuteilen,
dabei sein!!! Über einen privaten Austausch mit dir wuerde ich mich sehr freuen!
Meine mail: m-r.hopfner@gmx.at. Alles Liebe Dir Margaretha
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21.08.2003 - 10:40: Gene
Gene sind - auch lt. wiss. Erkenntnissen - nicht deterministisches Mass aller
Dinge. Zweifellos sind sie von grosser Bedeutung, denn ohne sie koennten wir
unser Leben nicht realisieren. Wichtigste Eigenschaften sind in ihnen
grundgelegt, z.B. gerade auch unsere äussere Erscheinung betreffend,
gesundheitliche Dispositionen, aber auch unsere Fähigkeiten, Kultur zu
produzieren und uns anzueignen. Aber die Gene fuer sich allein sind
lebensunfaehig, vielmehr brauchen sie entsprechendes Umfeld, um sich entfalten
zu koennen, und WIE sie sich entfaelten, welche Wirkungen sie erzeugen, haengt
gerade im kulturellen Bereich besonders stark vom jeweiligen konkreten Umfeld,
ihrer Umwelt ab. Unlaengst habe ich einmal gelesen, dass diverse Gene keine
starre Entwicklungsdisposition haben, sondern sich auch so oder so, je nach
Umweltbedingungen, entwickeln bzw. verkümmern koennen, dies wurde jüngst
zumindest fuer das Tierreich schon in Fallstudien experimentell nachgewiesen.
Vereinfacht gesagt: die \"besten\" (wonach wird gemessen, ob \"gut\" oder
\"schlecht\", auch das ist ja zu hinterfragen)Gene in eine verheerende Umwelt
gesetzt, muessen verkommen, und die \"schlechtesten\" in ein guenstiges Umfeld
gesetzt, haben noch beachtliche Entwicklungschancen. Schliesslich ist
hinsichtlich des Menschen zu sagen, dass er wohl mehr darstellt als die Summe
seiner Gene, mehr als alle anderen Lebewesen wird er im fortwährenden
Austauschprozess mit seiner Umwelt geformt, formt er sich selber, nimmt er
selbst bewußt gestaltend Einfluß auf seine Umwelt. Der Mensch als
kulturpartizipierendes und kulturschaffendes Wesen, sich seiner selbst, seiner
Vergänglichkeit bewusstwerdendes Wesen bedarf zwar seiner Gene, um dies zu
bewerkstelligen (nehme ich an, wie weit da die Genforschung tatsaechlich schon
bzw. noch nicht ist, weiss ich nicht, so viel ich weiss, hat man mit dem
entschluesselten menschlichen Genom erst einmal die uninterpretierte
Gen-Landschaft, die Gen-Landkarte, man kann mit den meisten einzelnen Genen aber
noch nicht definitiv Eigenschaften verknüpfen), aber die einzelnen kulturellen
Leistungen werden wahrscheinlich schwerlich einzelnen Genen zugeordnet werden
koennen. So sind wir ja auch in der Lage, an Kulturen zu partizipieren, deren
ueberwiegenden Trägern wir genetisch nicht entstammen, sodass mir hier
genetische Tatsachen einfach einige Grunddispositionen fuer die Kulturfähigkeit
des Menschen (Spracherwerb z.B.) zu enthalten scheinen, deren Konkretisierung
eines konkreten Umfeldes bedarf. So betrachte ich mich als Adoptierte durchaus
als zugehoerig zur Kultur meiner Adoptiveltern, wiewohl fuer mich auch
interessant war zu sehen, welche Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten zwischen
mir und meinen leiblichen Verwandten existieren, deren Interpretation fuer mich
allerdings noch weit offen ist. Gene sind tatsaechlich sehr, sehr wichtig, sie
liefern Lebensgrundlagen, allerdings haben sie keine absolut deterministischen
Auswirkungen in die kulturellen Bereiche unseres Menschseins. Gene gut und
schoen, wichtig, dass wir sie haben, aber JEDER MENSCH, JEDES KIND verdient ein
Umfeld, in dem es geliebt wird, in dem es sich koerperlich, emotional und
kulturell gut entwickeln und vor allem sein kreatives Potential entfalten kann.
Es gibt nicht wertvollere und weniger wertvolle Menschen auf Grund genetischer
Basis ... Aber dahin geht ein wesentlicher Mainstream in heutiger Zeit, und da
gehe ich ganz bewusst nicht mit!!! Margaretha
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20.08.2003 - 20:18: Re: Hi Suse
Gleich vorweg: ich freu mich, dass ihr in Genf eine schoene Zeit hattet!!!!
Braucht frau, wenn sie tapfer durch den Alltag muss!!! Auch Deinem Kommentar
kann ich mich inhaltlich anschliessen. Auch ich kann dem Konzept der \"Frau als
Brutkasten\" und einem Gen-Wahn nicht allzuviel abgewinnen. Womit ich nun nicht
die fuer den Menschen notwendige Kenntnis seiner eigenen Abstammung relativieren
will! Das ist sehr wohl von groesster Bedeutung auf den verschiedensten Ebenen!
Wenn ich einem Menschen begegne, nehme ich ihn zuerst in seinen geistigen,
emotionalen und seelischen Dimensionen wahr, als kulturfähiges Wesen (auch das
hat genetische Basis, aber konkrete kulturelle Inhalte werden nicht ueber die
Gene weitergegeben), und diese Kulturfähigkeit, die Fähigkeit zu Moral und Ethik
spreche ich nun einmal grundsätzlich JEDEM Menschen zu. Das lasse ich mir auch
von Gen-Süchtigen und -Apologeten nicht nehmen!!! Suse, lass mich Dir einmal ein
Kompliment aussprechen: die Art wie Du Dich hier einbringst und was ich daraus
auch über Dich als Mutter wahrnehme, gefällt mir einfach gut. Du bist ein
gradliniger Mensch, mit Intelligenz und Witz und ... dem Herz auf dem rechten
Fleck ... Ich denke, ALLE Deine Kinder haben eine phantastische Mutter!!! Mach
weiter so ... Und dann will ich Dir ebenso einmal sagen, dass mir Deine schwere
Kindheit auch nahegeht. Aber Du hast das alles in einer so grossartigen Weise in
den Griff gekriegt, dass sich der eine und andere so einiges von Dir abschauen
kann. Gratulation!!! Das mein' ich ernst und ehrlich! Nun sei lieb gegruesst aus
Wien Margaretha
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20.08.2003 - 19:32: Re: In höchstem Maße unseriös und illegal
liebe ..., ich bin in dieser frage nun ganz und gar deiner meinung. ich will
mit katjas \"angebot\" hier herinnen nicht konfrontiert werden, ich habe kein
verstaendnis, wenn ein beabsichtigter gesetzesbruch relativiert wird. was sehr
wohl interessant ist, und da ist ja ein wenig diskussion in gang gekommen, aus
welchen verschiedenen perspektiven die reproduktionsmedizin gesehen werden kann
und muss, obwohl ich damit auch nicht nicht den hohepriestern des mir
unertraeglichen gen- und med-kultes huldigen will. interessant ist es allemal,
auch fuer mich als adoptierte ... hoffe nur, dass es nicht zu einem
\"wettstreit\" zwischen \"fremd-genen\" und \"eigen-genen\" kommen wird ... oder
ist der vielleicht schon laengst entbrannt ... habe ich mich jetzt undeutlich
genug ausgedrueckt :-))) ... und immer mehr elternlose kinder auf der strecke
bleiben ... wenn ich es recht verstanden habe, allerdings weiss ich darueber
wissenschaftlich gesehen nicht wirklich viel, schoepfen wir genetisch doch alle
so ziemlich aus dem gleichen grossen tool ... mir geht gelegentlich dieses
theater um die \"eigenen gene\" ein wenig \"auf die nerven\" ...
margaretha |
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19.08.2003 - 20:12: Re: Meine Fragen an Dich
liebe ina/beate, wie alt ist denn deine tochter jetzt und wie ist der kontakt
zwischen euch ueberhaupt zustandegekommen? es mag fuer dich schwer sein, aber
ich denke einmal, lass deiner tochter ihre eigene zeit, ihr eigenes tempo. ich
denke mir, du hast schon unendlich viel fuer sie getan, indem du ihr dein
wohlwollen ihr gegenueber und deine bereitschaft fuer einen kontakt signalisiert
hast. ich wuerde mich zudem auch fuer deine persoenliche geschichte
interessieren, wenn du ueberhaupt davon etwas preisgeben willst hier.
anscheinend hast du auch eine nicht gerade einfache jugend und kindheit gehabt!
wo bist du aufgewachsen, in deiner leiblichen familie, bei pflegeeltern, bist du
eventuell auch adoptiert worden? hast du kontakt zu deiner leiblichen mutter?
warum hat sie dich damals verlassen? was hat dich seinerzeit bewogen, deine
tochter zur adoption freizugeben? ich will dich keinesfalls bedraengen mit
meinen fragen, aber ich wuerde mich sehr freuen, wenn du uns auch von dir mehr
erzaehlen wurdest. ganz liebe gruesse margaretha
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19.08.2003 - 00:41: Re: Ergaenzung
Liebe Ina/Beate! Ich will noch eine nicht unwichtige Ergaenzung hinsichtlich
meiner \"Beziehung\" zu meiner leiblichen Mutter anbringen. Erst seit ca. einem
Jahr weiss ich DEFINITIV, dass ich in den ersten Lebensmonaten beinah verhungert
bin, und dass meine leibliche Mutter noch 4 (!!!) Tage vor meiner erneuten
Spitalseinweisung (ich war mittlerweile sechs (!!!) Monate alt - ohne Druck der
Behoerde - ihre Unterschrift unter einen Antrag auf Dauerpflege bei jenen
Leuten, jenem Gesindel, setzte, die/das mich ZUM WIEDERHOLTEN MAL in
krankenhausreifen Zustand brachte/n. Innerhalb einer Woche wurde dieser Antrag
seitens der Behoerde abgelehnt mit der Begruendung, dass die
\"Erziehungsverhaeltnisse\" in jenem Haus \"unguenstig\" seien, und das will
fuer die 50er Jahre sehr viel heissen, da war man nicht gerade zimperlich, was
die Unterbringung von unerwuenschten ledigen \"Bälgern\" anlangte, die noch dazu
von verhassten Besatzungssoldaten zurueckgelassen wurden!(Diese Dokumente
besitze ich.) Es handelte sich um ein Haus und eine Umgebung, aus der meine
leibliche Mutter nach eigener Aussage herauswollte, weil sie es als nicht die
\"richtige Umgebung\" (ihre Wortwahl!) für sich ansah. Meine leibliche Mutter
gab bei der Behoerde - fuenf Wochen nach meiner Geburt an, sie wolle \"nach
Daenemark\" \"auswandern\". Nachdem dies jenes Land war, in dem sie bis zu ihrem
Umzug nach Heidelberg (dorthin hatte sie mein leiblicher Vater geholt, dort hat
sie mehrere Monate mit ihm zusammengelebt, ich habe sogar das Haus gesehen, in
dem ich gezeugt wurde) in einer Familie Hausmaedchen war, nehme ich stark an,
dass sie nicht mit mir gemeinsam auswandern wollte. Heute gehe ich mitunter
soweit, dass ich sage, meine leibliche Mutter und vielleicht auch ihr naeheres
und weiteres Umfeld wollten gar nicht, dass ich die Katastrophenbedingungen bei
jenen Alkoholikern, die meine \"Pflege\"-\"Eltern\" waren, ueberleben sollte.
Menschen wie ich - Besatzungskind, exotischer Name, nicht krankenversichert, von
NIEMANDEM gewollt - wurden damals wohl von dem einen und anderen als unnützer
Esser eingestuft, sogar im Spital noch, wie ich auch erst seit kurzem weiss. Mit
wenigen Worten: Ich sollte mit größter Wahrscheinlichkeit GAR NICHT LEBEN. Meine
(A-)Mama hat also ein ABGEMAGERTES todkrankes Kind bei sich aufgenommen, sie HAT
mir demnach zweifelsfrei das NACKTE PHYSISCHE LEBEN GERETTET!!! Und seit ich das
so genau weiss, verstehe ich rueckblickend das Verhalten meiner leiblichen
Mutter mir gegenueber sehr, sehr klar. Da gibt es die Momente im Leben, wo es
einem vor tödlichem Schreck wie Schuppen von den Augen fällt, man möchte sie
wieder schliessen, fuer immer geschlossen halten, aber es geht nicht mehr, man
ist zum Schauen und Erkennen VERURTEILT! Heute weiss ich, dass ich meine
leibliche Eltern an eine de facto grosse Schuld erinnere, die sie mir gegenueber
auf sich geladen haben, das, und nur das erklärt ihr Verhalten über die weiteren
Jahrzehnte, erklaert bis zu einem gewissen Grad sogar, weshalb gesucht wurde,
und erklaert das gesamte weitere Verhalten bis zum heutigen Tag!!!! Und
Ina/Beate, wenn ich meine leiblichen Eltern dafuer hasse, was sie mit mir
gemacht haben, hasse ich im Grunde genommen mich selber. Ich will sie also nicht
hassen!!! (Was nicht heisst, dass ich mir nicht Gerechtigkeit wuenschen wuerde,
Gerechtigkeit, die es vielleicht niemals geben wird!) Meine leiblichen Eltern
stecken in mir drinn', ich bin durch sie und ausgestattet mit ihrem Genmaterial
in diese Welt gekommen. Ich MUSS einen Weg finden, sie AUCH gern zu haben,
(obwohl ich nichts vergessen kann und will!!! gar nichts!!!), denn sonst habe
ich keine Luft zum Atmen. Ihr leiblichen Eltern habt so eine ungeheure Bedeutung
im Grunde genommen fuer uns Adoptierte, für uns Kinder, dass mir fuer meinen
Fall sogar gelegentlich Angst und Bang darob wird. Deshalb ist m.E. JEDE
BOTSCHAFT DER LIEBE - in welcher Form auch immer - an Eure zur Adoption
freigegebenen Kinder eine Botschaft des Lebens selbst. Und noch etwas: mit
welchem intellektuellen und emotionalen Aufwand ich versucht habe, meine
leibliche Mutter, meinen leiblichen Vater zu verstehen, hat manchmal an
Selbstzerstörung gegrenzt! Wie ein Sog ziehen mich ihre potentiellen Beweggründe
jedweder Art für ihr Verhalten mir gegenueber an, mache ich mir immer wieder
Milliarden von Gedanken über sie als von mir unabhaengige Personen mit eigener
Geschichte, mit eigenem Umfeld etc. ... so viele, dass ich gelegentlich auch gar
nichts mehr davon wissen will, weil auch ich mich nach Ruhe und Frieden sehne
... Ich hoffe, ich habe Deine Geduld nicht ueber Gebuehr strapaziert, und ich
moechte klarstellen, dass ich nur ueber meinen eigenen Fall spreche, dass ich
gerade in diesem Forum gelernt habe, Herkunftseltern wahrzunehmen, bei denen so
viel Liebe zu ihren fernen Kindern sichtbar wird. Wenn ich diese Liebe bei Dir
nicht spueren wurde, haette ich Dir mit keiner einzigen Zeile jemals
geantwortet! Danke noch einmal, dass Du die Fragen gestellt hast, denn es tut
mir auch gut, meines auszusprechen ... wie ich hoffe, ohne Dir weh zu tun!!!
Liebe Gruesse Margaretha
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18.08.2003 - 21:10: Re: Fragen an Adoptierte
Liebe Ina/Beate! Ich freue mich, dass Du Deine Frage an uns gerichtet hast.
Soeben habe ich versucht, darauf zu antworten, stelle aber fest, dass ich nicht
in der Lage bin, dies in konsistenter Form zu tun. Ich wollte Dir etwas ueber
mich und meine leibliche Mutter erzaehlen, hatte schon viel geschrieben, daber
es kam nur ein Durcheinander dabei heraus, der Verwirrung stiften wuerde. Meine
leiblichen Eltern sind nach wie vor der wundeste, schmerzhafteste Punkt in
meiner Seele!!! Nun ganz kurz: Was haette ich mir von meiner leiblichen Mutter
erwartet? 1. Die WAHRHEIT ueber unsere Geschichte und auch nicht eine einzige
Luege! 2. Keine Dollars! (Obwohl sie nach österr. Rechtsordnung verpflichtet
gewesen waere, mir zu helfen!) 3. Wenn sie schon halbwegs freundlich ist, zu
Weihnachten und zum Geburtstag ein kleines Geschenk. (Kann mich nicht erinnern,
das von ihr erhalten zu haben!) 4. Da sie wusste, dass ich total allein bin, ein
etwas weitergehendes Interesse an mir, als das sie gezeigt hat. Dass sie mir das
eine Mal, wo ich sie um ihre HIlfe gebeten habe (war kein Geld!), auch zur Seite
steht! 5. Ich wollte nicht ihr Baby sein, waere aber gerne ihre Freundin
geworden. 6. Haette gerne GESPUEHRT, dass sie mich lieb hat! Wollte ihr das auch
von mir zu ihr zeigen! 7. Ich haette sie finden sollen. Niemand haette von
dieser Seite in mein Leben treten duerfen!!!!Denn ich hatte mir vorgenommen,
dass ich mich VIELLEICHT dann auf die Suche nach meinen leiblichen Eltern mache,
wenn ich mich im Leben gesettelt haette (Ausbildung abgeschlossen, abgesicherte
soziale Position etc.). Ich wollte ZUERST BEI MIR DIE DINGE GEREGELT BEKOMMEN!!!
8. Dass meine leiblichen Verwandten von sich aus in mein Leben getreten sind,
hat eine heillose Verwirrung in mein Leben hereingetragen, die - wie auch deren
Folgeprobleme - tatsaechlich vermeidbar gewesen waeren, haette ich eines Tages
selber gesucht!!! So habe ich eigentlich zweimal Jahre gebraucht, um mein Leben
wieder \"in den Griff\" zu bekommen!!! Ohne meine leiblichen Eltern und unsagbar
enttaeuscht von ihnen!!!! Ich bin mir an der Nase herumgefuehrt vorgekommen!!!
Ich hoffe, ich habe Dich mit keinem Satz verletzt, denn ich spreche wie gesagt
ausschliesslich aus meiner eigenen Sicht, auf Basis meiner eigenen
Erfahrungen!!! Sei ganz herzlich und lieb gegruesst Margaretha
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18.08.2003 - 09:35: Re: An Martina
Liebe ...! Lieben Dank fuer Deine netten Worte. \"Respektsperson\" will ich
allerdings nicht unbedingt sein! Ich finde einfach, dass das Thema Adoption
Achtung und Respekt abverlangt, da es einfach zu ernst ist, in alle Richtungen
hin ... Nein, das mit dem Geburtstag von Rod ist mir tatsaechlich auch
entgangen. Schade! Waere ja schoen, wenn er sich auch wieder hier einschalten
wuerde, denn seine beherzten Kommentare waren ja sehr, sehr wertvoll!!! Dein
Sohn, der ja sehr auf innerfamiliaer (und ueberhaupt) vorsichtigen Umgang mit
\"seinem\" Adoptionsthema bedacht ist, wird bestimmt SEINEN EIGENEN weg finden
und zeitpunkt und modalitaeten seiner suche selbst herausfinden wollen. Wichtig
ist, dass wenn er diesen Weg gehen will, er kein Doppelleben anfangen muss, weil
er ja weiss, dass Du (und Dein Mann) Dich nicht gegen diesen seinen Weg stemmst
und stellst. Aber meine Meinung ist, dass er lernt, diesen Weg in
Eigenverantwortung zu gehen!!! Natuerlich kann er auf Herkunftseltern stossen,
die in \"schwierigen\" Konstellationen leben, aber gerade dann ist es wichtig,
ihm aufrichtig zu vermitteln, dass man auf diese Menschen nicht herabsieht (was
ich Dir, ..., nicht unterstellen wuerde!!!). Ich beispielsweise habe mir -
bevor ich meine leiblichen Eltern gekannt habe - immer wieder gesagt: auch wenn
ich von Kriminellen, Prostituierten, Drogenabhaengigen etc. abstammen wuerde,
auch dann muesste ich irgendwie ja dazu sagen. Aber ich denke mir, die Regel ist
das doch nicht bei Adoptierten, dass sie aus solchen Milieus stammen. Vielmehr
kann man - wie Ina es fuer sich beschreibt - berechtigt darauf hoffen, Menschen
vorzufinden, die ihr Leben im Griff haben, die moralisch-ethisch intakt sind!!!
..., auch Dir noch eine schoene Woche ... Margaretha
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17.08.2003 - 13:48: Re: Korrektur-Ergaenzung
selbstverstaendlich sollte es heissen: die soziale tat sollte nicht
ununterbrochen \"an die grosse glocke gehaengt werden\"! es ist zu hoffen, dass
sie nicht \"an den grossen nagel gehaengt\" wird!!! war wohl ein \"freudscher\"
versprecher :-))) margaretha
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17.08.2003 - 12:46: Re: Eine Frage an die Adoptierten
Liebe Carla! Ich kann Deine Argumentation gut nachvollziehen, will Dir aber nur
noch sagen, (wahrscheinlich hast Du es ohnehin schon), dass ich (Adoptierte) in
der Tat zu den von den Adoptiveltern \"Geretteten\" gehoere, wenn ich nicht
gerettet worden waere, waere ich vermutlich nicht am Leben. Ich halte also -
neben anderen, die unabdingbar erforderlich sind, jene, die Du genannt hast -
auch das soziale Motiv fuer berechtigt, wuerde u.U. auch aus so einem Motiv
heraus selber adoptieren (nicht nur natuerlich). Allerdings gehoert es wohl zu
den sensiblesten Bereichen menschlicher Kommunikation, \"die soziale Tat\" nicht
ununterbrochen an den grossen Nagel zu haengen, denn das verletzt die Wuerde
jenes Menschen, der in ihre Gunst gekommen ist. Meine - von mir ueber alles
geliebten - Eltern haben dies mit keiner einzigen Silbe mir gegenueber getan.
Sie haben mich gerettet (und das habe ich erst Jahrzehnte nach ihrem Tod
erfahren), wollten mir aber nicht mehr und nicht weniger sein, als einfach
liebende Eltern. Gerade weil sie mir das Leben noch einmal gegeben haben, ist
die gegenseitige Liebe (meine Liebe zu ihnen konnte ich mir mitunter, was ihre
Intensitaet anlangt, nicht mehr erklaeren), vielleicht so innig ausgefallen.
Und: Ich wusste zunaechst nicht, dass ich nicht das leibliche Kind bin (auch das
sehe ich heute als eine ihrer Ruecksichtsmassnahmen mir gegenueber an!!!!), ich
wusste bis zu meinem beinah 18. Lebensjahr nicht, dass ich noch andere Namen
habe, als die ihrigen, denn auch die Vornamen wurden mir neu gegeben (auch das
eine Schutzmassnahme in der damaligen Zeit, denn mein Geburtsname war nicht
gerade \"gesellschaftsfaehig\" damals). Sie haben mich, meine Geburtsidentitaet,
- zu meinem Schutz - vor mir und vor der Gesellschaft versteckt und mir ihre
Identitaet wie einen Schutzmantel umgelegt. Meine Eltern haben mir damit auf
eine Weise geholfen und mich auf eine Weise an ihrem eigenen Leben teilhaben
lassen, die mir ein neues Leben erst ermoeglich hat. Sie haben mir IHR Leben
gegeben, und vielleicht liebe ich sie deswegen so sehr. Nachdem ich erfahren
hatte, dass ich adoptiert sei, war dies ein entsetzlicher Schock fuer mich, denn
zunaechst wollte ich doch ueberhaupt nichts anderes sein, als ihre leibliche
Tochter, ihr Kind. Diese innige Beziehung zwischen meinen (A-)Eltern und mir hat
deren Tod ueberdauert, sie existiert immer noch, auch das Kennenlernen der
leiblichen Eltern hat daran keinen Abbruch getan (nicht nur wegen deren
unmoeglichen Verhaltens mir gegenueber ... ich hab sie ja nicht in mein Leben
hereingerufen!!!!). Das Ja meiner Eltern zu mir, und das, was sie fuer mich
getan haben, naemlich mich gerettet und mir ein Leben in Wuerde (!!!!!!!!)
ermoeglicht, werde ich immer mit meiner Liebe zu ihnen (die einfach DA ist IHNEN
gegenueber) beantworten, da gibt es fuer mich keine Relativierung, kein Wenn und
Aber ... Denn, wenn \"nur\" an das schoene Familienleben gedacht wird, das halt
ueber den Weg der Adoption moeglich gemacht wird (das bitte will ich Dir, Carla,
nun nicht unterstellen!!!!), vergisst man leicht und mitunter \"gern\" die
Tatsache, dass die Freigabe zur Adoption ein trauriges Drama auf Seiten der
Herkunftsmutter und ihres Kindes zum Hintergrund hat. Diese potentielle
Traurigkeit kann nicht den Alltag in der Adoptivfamilie dominieren, aber sie
sollte auch nicht gezielt und restlos ausgeblendet werden. Auch hier will ich
Dir nicht unterstellen, dass Du dies tust!!! Liebe Gruesse Margaretha
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15.08.2003 - 20:28: Re: an Irma
liebe irma, auch dir ein dankeschoen fuer deinen willkommensgruss. ich denke,
ich habe in meinem ersten posting einigermassen klargemacht, welche gruende mich
bewogen haben, zurueckzukehren. ist aber immer schoen, wenn man zudem auch noch
willkommen ist :-))) auch finde ich es sehr dankenswert, dass du deine kraefte
zusammengenommen hast und einen so ausfuehrlichen beitrag gepostet hast. denn du
zeigst auch auf, wieviele facetten beim thema adoption etc. hereinspielen
koennen, welche traurigkeit und dramatik mitunter hinter den adoptierten stehen,
die - so meine vermutung - immer auch in das leben des/r adoptierten
hereinwirkt, sogar dann, wenn er/sie gar nichts davon weiss!!! jedenfalls fange
ich selber erst allmaehlich an zu begreifen, auf welche weise mich die
dramatische situation am anfang meines lebens ein leben lang massivst
beeinflusst hat in allen moeglichen bereichen, obwohl ich ihr keine beachtung
schenken wollte, mich dagegen - auch unbewusst - sperrte, mehr darueber zu
erfahren ... ich habe verdraengt und bin auf diese weise auf jahrzehnte hinaus
noch einmal zum \"opfer\" dieser meiner lebens-ausgangs-situation geworden ...
erst das kennenlernen (mithilfe therapeutischer begleitung, die offenbar dafuer
erforderlich war, um das aushalten zu koennen!!) ermoeglicht mir nun eine
verortung, verarbeitung des damals erlebten (einer lebensbedrohlichen
katastrophe!!!), so gut es eben noch geht ... ich will meine leiblichen eltern
nicht verteufeln, sie waren jung und auch ganz gehoerig dumm und egoistisch, wer
kann sich davon freisprechen (ich war auch einmal jung und dumm und egoistisch),
irgendetwas in mir will diese menschen immer noch lieb haben und von ihnen lieb
gehabt werden (das bleibt wohl ein leben lang in uns adoptierten zurueck), sie
haben auch sehr sympathische zuege gehabt und haben sie immer noch, sie sind
keine ungeheuer. nichtsdestoweniger haben sie mich in eine lebensbedrohliche
lage gebracht am anfang meines lebens, und: sie haben mich - nachdem sie mich
wieder in ihr leben hereingeholt haben und im wissen, dass ich alles verloren
hatte, krank war, niemanden mehr hatte etc. - noch einmal, und das mit einer
unglaublichen konsequenz, im stich gelassen, und das kann ich ihnen vielleicht
noch weniger verzeihen als ihr totalversagen an meinem lebensanfang, denn ...
ja, ich will einen weg finden, zu meinen leiblichen eltern ja zu sagen, denn
durch sie bin ich in diese welt, in dieses leben hereingekommen, aber ich will
auch nicht vergessen, was sie mir immer wieder angetan haben in ihrem extrem
radikalen egoismus, den sie mir gegenueber zu ihrem lebensprinzip gemacht haben.
und ich will, wenn es sich machen laesst, irgendeine form der gerechtigkeit,
rechtlich, moralisch, ethisch, walten sehen. ich kann und will nicht mehr so
tun, \"als ob nix g'wesen wär'\". (deshalb kann ich - in anderer richtung - auch
harald so gut verstehen, der die adoptionsaufloesung realisiert haben will!!!)
diesen drahtseilakt, irma, versuche ich, zu vollfuehren ... auch dir weiter viel
kraft fuer das vorwaertskommen auf deinem weg liebe gruesse und alles gute
margaretha
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19.08.2003 - 20:12: Re: Meine Fragen an Dich
liebe ina/beate, wie alt ist denn deine tochter jetzt und wie ist der kontakt
zwischen euch ueberhaupt zustandegekommen? es mag fuer dich schwer sein, aber
ich denke einmal, lass deiner tochter ihre eigene zeit, ihr eigenes tempo. ich
denke mir, du hast schon unendlich viel fuer sie getan, indem du ihr dein
wohlwollen ihr gegenueber und deine bereitschaft fuer einen kontakt signalisiert
hast. ich wuerde mich zudem auch fuer deine persoenliche geschichte
interessieren, wenn du ueberhaupt davon etwas preisgeben willst hier.
anscheinend hast du auch eine nicht gerade einfache jugend und kindheit gehabt!
wo bist du aufgewachsen, in deiner leiblichen familie, bei pflegeeltern, bist du
eventuell auch adoptiert worden? hast du kontakt zu deiner leiblichen mutter?
warum hat sie dich damals verlassen? was hat dich seinerzeit bewogen, deine
tochter zur adoption freizugeben? ich will dich keinesfalls bedraengen mit
meinen fragen, aber ich wuerde mich sehr freuen |