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Sepia officinalis




2. Tag

3. Tag


   


V I O L E T T     [Mittelbilder]

 

1. Tag

Es handelt sich um eine Kontaktprüfung. Ich habe vor dem Schlafengehen 4 Globuli Sepia officinalis C30 in einem Baumwollstrumpf unter dem Bezug auf meinem Kopfkissen platziert und zwei Nächte hindurch darauf geschlafen.

Prolog

Der vorangehende Tag war schlimm wie selten gewesen. Ich hatte einen Auftrag, der mich völlig überforderte, fühlte mich ausgenutzt, hatte bis zum Mittag nur eine halbe Seite geschafft, weil ich endlos Fachvokabeln suchen musste, und hatte den ganzen Tag über panikartige innere Angstzustände. Vormittags hatte ich auch Migräne gehabt und die letzte Sumatriptan nehmen müssen.
Um vier fuhr mich J. dann erst mal zur Neurologin, wo ich mir ein neues Rezept holte. Dort fiel der Sprechstundenhilfe auf, dass ich das letzte erst vor zwei Wochen geholt hatte, und schon bekam ich von der Ärztin zu hören, bei so einem Schmerzmittelverbrauch wolle sie mich mindestens zweimal im Jahr sehen. Sie machte richtig Druck, da ich ja meinen letzten Termin auch abgesagt hatte und momentan keinen habe und auch nicht wollte wegen der Arbeitsüberlastung. Ich fühlte mich hinterher noch viel schrecklicher, denn ich hatte ihr ja gesagt, dass ich keine allopathische Migräneprophylaxe mehr will, sondern mich in homöopathische Behandlung begebe. Was will sie also mit mir machen, wenn ich zur Behandlung komme? Am Ende ist sie im Stande, mir weitere Rezepte zu verweigern, die ich aber vorerst noch brauche, bis ich mit der Homöopathin das richtige Mittel gefunden habe, das meine Migräne überflüssig macht. Ich beschloss wütend und verzweifelt, meine nächsten Sumatriptan wieder von meiner Hausärztin zu holen.
Anschließend fuhren wir zum "Bürgerhaus", um uns unseren Leistungsbescheid auf der GEZ-Servicestelle bestätigen zu lassen. Die aber hatte heute Nachmittag geschlossen - es war Montag. Es gibt einfach nichts, aber auch wirklich nichts, was sich mal einfach, glatt und ohne zusätzlichen Aufwand erledigen lässt in diesem Staat!
Und dann brach der Zoff zwischen mir und J. aus, denn wenn ich schon am Boden liege, muss er ja immer noch draufhauen. Wir waren noch auf der Post im McPaper, wo um diese Zeit des dicksten Kundenverkehrs nur eine einzige Angestellte ganz allein sowohl Kasse als auch Postschalter bediente. Eine Frau zum Beispiel musste zehn Minuten warten, ehe sie ihre Fineliner abkassiert bekam. Da wurde mir klar, was "Dienstleistungswüste Deutschland" bedeutet. Und dann kauften wir noch eine PC-Maus, weil meine sich ausgerechnet an diesem Tag zu verabschieden begann.
Wegen des immer mehr eskalierenden Streits mit J. lief ich zu Hause für den Rest des Abends nur noch weinend herum, ich konnte einfach nicht aufhören. J. war dann schon bald wieder zur Besinnung gekommen, entschuldigte sich aber auch nicht, und bei mir war alles zu spät.

In dieser Verfassung und mit den nur noch stärker gewordenen Angstzuständen legte ich mich auf die Sepia schlafen.
Sofort, als ich meinen Kopf aufs Kissen legte, waren Panik, Verzweiflung und Unruhe wie weggeblasen. Ich wurde von einer großen inneren Festigkeit durchdrungen, die völlig unemotional war. Es war, als seien alle Emotionen mit einem Mal zu Fels erstarrt. Ich hatte das Gefühl, mit meinem Kopf im Schoß einer unvorstellbar starken, weisen und mächtigen Mutter zu liegen. Der Mutter, die ich nie hatte.

Träume

Ein sexueller Traum, aber fast ohne Erotik und ohne Vollzug - das ist ungewöhnlich.
Ich träumte davon, dass ich mit J. schlafen wollte, doch er entzog sich. Es stellte sich heraus, dass ihm irgendetwas an unserer Art, Sex zu haben, nicht gefällt, und er versuchte schließlich, mir zu vermitteln, was er meint. Doch dazu kam er nicht, denn plötzlich stand Rita zwischen uns. Sie war einfach da und ging nicht mehr weg, so dass wir nicht zusammenkommen konnten.
Rita ist in der Realität eine äußerst attraktive und sinnliche Frau, sehr stolz, sehr auf Partner fixiert und doch unabhängig. Ich erinnere mich, dass J. einmal sagte, er möge sie nicht, weil sie "die Männer benutze und dann wegwerfe". Dennoch ist Rita alles andere als ein Vamp - sie ist zu tiefen, ehrlichen Gefühlen fähig. Sie verliebt sich nicht schnell und schon gar nicht in jeden, und sie lässt sich nur mit dem Mann ein, den sie liebt. Ist die Liebe jedoch nach einigen Jahren erkaltet, trennt sie sich konsequent.

 

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