V I O L E T T [Mittelbilder]
4. Tag
Heute im Wechsel wieder ein Paniktag. D.h. es war weniger die diffuse Angst im Unterleib als eine große Gereiztheit und ein immenses inneres Gehetztsein, ganz an der Oberfläche. Ich fühlte mich den ganzen Tag lang auf diese unangenehme Weise unausgeschlafen wie mit einem Kater. Ich konnte es kaum erwarten, die drei Stunden Korrektur zu beenden, um endlich an meine Arzneimittelbilder zu kommen, nichts anderes schien mir möglich zu tun.
1. Verhaltensänderung: Nachdem um zehn E. angerufen hatte, reagierte ich sehr gereizt und fast wütend, als auch J. später am Telefon mein Plan für Leipzig nicht richtig passte. Ich sagte, ich mache so ein Familientreffen nicht noch einmal mit, weil alles sich jedesmal furchtbar kompliziert und jede Spontaneität und Leichtigkeit verloren geht. Dort, wo ich mich sonst immer in Gelassenheit übe, ließ ich meinem Ärger dieses Mal richtig Luft.
2. Planänderung: Es gibt vier Tätigkeitsgruppen für mich:
1) Besorgungen und Erledigungen, der Alltagskram, die Insekten meines Lebens – kein Spaß, keine Motivation.
2) die Lohnarbeit, das Übersetzen: mäßig Spaß, reichlich Motivation
3) die Entspannung, Kunst, Natur und Genuss - viel Spaß, kaum Motivation
4) das jeweilige Studienobjekt, z.Z. die Homöopathie – viel Spaß, viel Motivation
Solange ich mich in dieser Krise, die mit dem Mittel wieder ausgebrochen ist, befinde, werde ich
1)schnellstmöglich abarbeiten, was aktuell anliegt und dann nichts mehr
2)tun, was anliegt und von selbst kommt, ohne mich um Neues oder Weiterführendes zu bemühen
3)nur tun, wenn ich gerade wirklich Lust dazu habe
4)tun.
Ich hatte zweimal Stuhlgang, früh wieder ganz wenig, abends dafür mal wesentlich gründlicher.
Der Hunger ist vorbei, aber die Disziplin ist auch wieder weg. Ich esse wieder zwanghaft unregelmäßig und viel Süßes.
Träume
Ich kann mich an nichts Zusammenhängendes erinnern.
Ich war beim Vogelzüchter, um für M. noch einen Vogel zu kaufen, doch es war Sonntag früh und die ungünstigste Zeit, was er mir auch sagte, weil er in seiner Familie beschäftigt war. So schob ich vor, nur eine kurze Frage zu haben, als ich dann aber auf den Zettel sah, den M. mir mitgegeben hatte, waren es unglaublich viele Fragen, die sie mir aufgeschrieben hatte und die ich unmöglich alle stellen konnte. Es stellte sich allerdings heraus, dass er gerade noch einen Vogel übrig hatte, einen weißen Nymphensittich, den M. auch sehr gern haben wollte.
Dann war da noch etwas mit Vögeln in einem Käfig oder einer Voliere, das weiß ich überhaupt nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ein Vogel ein großes Insekt war, eine Art Riesengrille. Er bzw. sie war ausgebüchst, ich musste sie wieder einfangen und fing sie mit der Hand. Ich hielt dieses große Insekt ganz fachmännisch in meiner Hand, ohne ihm wehzutun oder es zu zerquetschen, und staunte über mich selbst, dass mich das gar nicht in Panik versetzte.
