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Cimicifuga racemosa

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V I O L E T T     [Mittelbilder]

 

Actaea racemosa L. (Syn. Cimicifuga racemosa) D200 - Verordnung (2x im Abstand von 6 Wochen)

Unterklasse: Ranunculidae
Ordnung: Ranunculales
Familie: Ranunculaceae
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Actaeeae
Gattung: Actaea
Deutsche Namen: Trauben-Silberkerze, Amerikanische Schlangenwurzel, Schwarze Schlangenwurzel, Wilde Schlangenwurzel, Amerikanisches Christophskraut, Hohes Christophskraut, Staudiges Christophskraut, Frauenwurzel, Klapperschlangenkraut, Schwindsuchtwurzel, Traubenförmige Schwarzwurz, Wanzenkraut
Heimat: Osten Nordamerikas (westlich bis Missouri und Arkansas)
Standort: nährstoffreiche Waldgebiete, beschattet, 0-1500 m NN

Beschreibung

Die Trauben-Silberkerze ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von max. 2,50 m erreicht und einen aufrechten, beblätterten, glatten Stängel besitzt. Als Überwinterungsorgane dienen vor allem das Rhizom, aber auch die Wurzeln. Sie hat relativ große, gestielte, dreifach gefiederte Laubblätter; die Blättchen sind spitz und tief gesägt.
In einem langen, schmalen, aus mehreren traubigen Teilblütenständen zusammengesetzten Blütenstand sitzen zahlreiche Blüten. Die weißlichen Blüten sind klein. Die Blütenhülle besteht aus vier grünlich weißen Kelchbättern und kleinen Kronblättern, die sofort nach dem Aufblühen abfallen. In den Blüten sind zahlreiche Staubblätter mit weißen Staubfäden und -beuteln. Es ist nur ein Fruchtknoten vorhanden. Es werden eiförmige Kapseln gebildet. Die zahlreichen flachen, braunen Samen sind etwa 3 mm groß. Die Pflanze blüht im Sommer zwischen Juni und September.
Der Name Wanzenkraut bezieht sich auf den üblen Geruch der Art C. foetida, die giftig ist und unangenehm riecht; das getrocknete Laub wurde gelegentlich zum Vertreiben von Wanzen verwendet. Die Gattung umfasst gegen 20 Arten, welche in Osteuropa, Asien und Nordamerika auftreten. Die Blüten duften nach frischem Honig.

Pharmazeutische Bedeutung

Als Droge werden die unterirdischen Pflanzenteile verwendet: die Wurzeln und das Rhizom. Inhaltsstoffe: Triterpenglykoside, Cimicifugin, Alkaloide, Flavonoide. Die Droge besitzt östrogenähnliche Eigenschaften (SERM = selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren), Auszüge der Droge sind Bestandteile von Arzneifertigpräparaten, die als Stimulans bei Funktionsstörungen der weiblichen Geschlechtsorgane, besonders bei dysmenorrhoischen sowie klimakterisch bedingten neurovegetativen Beschwerden angewendet werden. In der Homöopathie Anwendung bei Muskelschmerzen, Herzschmerzen, Magen-Darm-Krämpfen, Gallenkrämpfen und bei Wechseljahresbeschwerden (auch Depressionen). Der Pflanzenwirkstoff kann den hormonell bedingten Haarausfall stoppen.
Das Wanzenkraut wird von den Indianern Nordamerikas schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von Schlangenbissen und zur Geburtshilfe eingesetzt.
Ein bitteres Kraut dessen Wurzeln fiebersenkend, hustenlindernd und schmerzstillend wirken. Ausserdem besitzt das Wanzenkraut östrogenähnliche Eigenschaften. Eine Überdosierung kann Übelkeit und Kopfschmerzen verursachen.

Quelle: Wikipedia

Homöopathisches Profil

Cimicifuga ist kein eigener Archetypus. Diese Konstitution ist eigentlich nur eine Pathologie. Ich vermute, dass ihr Mercurius zu Grunde liegt. Cimicifuga ist ein verhinderter Mercurius. Wenn das Quecksilber seines grenzenlosen Himmels beraubt und an einen massigen Wurzelstock in der Erde gefesselt wird, wird daraus eine Silberkerze.
Der alte botanische Name benennt die Pathologie: cimex: Wanze, fuga: Flucht.

Den Haien entrann ich
Die Tiger besiegte ich
Aufgefressen wurde ich
Von den Wanzen

Bertold Brecht

Wer wie Hermes, der Götterbote, in allen Sphären unterwegs ist, hat genügend Raum. Wer wie die Silberkerze an die Erde gefesselt ist, ist der Zudringlichkeit aller Insekten und Gliederfüßer schutzlos ausgesetzt. Cimicifuga fühlt sich von Wanzen belästigt, belagert, ausgesaugt. Sie kann ihnen nicht ausweichen wie Mercurius (und Tuberculinum und einige andere), sie muss sich dem Kampf stellen. Nichts hasst sie so sehr wie "die sieben kleinen Banalitäten des Alltags". Mäuse oder Schlangen lassen sie kalt - sie hat panische Furcht vor Insekten, vor allem, was schnell und unkontrollierbar krabbelt, rennt, flattert und fliegt: Ungeziefer, Falter, Schnaken, Käfer, Spinnen. Im täglichen Leben sind es Behörden und staatliche Restriktionen, die ihr das Blut aussaugen, aber ebenso Menschen, die sich zuhauf von ihr abhängig machen, wie selbstverständlich ihre Hilfe erwarten und in Anspruch nehmen. Wenn Cimicifuga eine Frau ist, ist besonders prädestiniert als Blutsauger ihre Familie und Verwandtschaft. Denn von einer Frau erwartet man schließlich, dass sie ihre eigenen Träume zurückstellt, um sich um ihre Angehörigen zu kümmern. Dazu ist eine Frau doch da. Dass diese hier eigentlich ein Zwitter ist, ein irdisch-geistiges Wesen? Wer den Himmel nie gesehen hat, hält Vögel für entgleiste Hunde. Denen man zu ihrem eigenen Besten schnellstens die Flügel beschneiden sollte.
Dem Wanzenkraut bleiben dann zwei Alternativen: Entweder es gelingt ihm, die Wanzen endgültig in die Flucht zu schlagen, oder es flieht selbst. Cimcifuga träumt ständig von Flucht. Sie fühlt sich eingesperrt, beengt, gefesselt. Im täglichen Leben heiratet sie einen Dreizentner-Partner, der sich fürsorglich auf sie draufsetzt. Dann bekommt sie zu wenig Luft. Oder sie wächst in einer Diktatur auf, in der ihr nach dem ersten misslungenen Fluchtversuch der Ausweis eingezogen wird, damit sie ihre Grenzen nicht mehr überschreitet. Cimicifuga erträgt keine engen, einschnürenden Kleider; wenn sie nach Hause kommt, wird sie sich schnellstens alles einschließlich BH vom Leibe reißen. Sie hat einen extrem geschrumpften Toleranzraum, sie gerät in Panik, wenn ihr Menschen oder Dinge zu nahe kommen. Vielleicht kompensiert sie irgendwann ihr Freiheitsbedürfnis mit Körpervolumen. Dann hat sie fast schon aufgegeben und verschmilzt allmählich mit ihrem verhassten Wurzelstock.
Oder sie reißt sich los und wird zur Steppenhexe. Dann stirbt sie. Aber sie verteilt im Tod ihre Samen über die Steppe.

 

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