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Eine
Reise durch die Welt der Bleichen Berge

Die Matten der Seiseralm im Frühlingsrausch
Bergerlebnisse
in den Dolomiten
Wanderungen
Höhenwege
Klettersteige
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Der Sellagipfel an einem schneereichen Oktobertag
Die
"Bleichen Berge" werden sie genannt, jene Gipfel hoch im Norden
Italiens. Bleich ist allerdings nur das Gestein. Die Gipfel
selber erheben sich mit filigraner Leichtigkeit in den tintenblauen
Himmel. Andere Wettergebilde sind mir zwar auch zur Genüge
bekannt, doch dann hat diese Landschaft noch immer etwas Verwunschenes
und Geheimnisvolles an sich. Ich bin erst recht spät auf diese
Berge aufmerksam geworden; doch nun besuche ich sie schon
mehr als 20 Jahre. Einige von meinen Erlebnissen schreibe
ich hier auf. Kleine, unspektakuläre Geschichten, die nicht
den Anspruch des Heroischen erheben. Meine Kamera ist immer
dabei, ohne diese wäre ich " nur" ein halber Mensch. Früher
war es die Filmkamera, heute die für's Dia. (mehr
als 6000 Aufnahmen)
Die Aufnahmen
in diesem Bericht stammen alle vom Verfasser - bis auf das
Luftbild vom Antelao
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Nacht breitet sich über die Seiseralm,
nur der Langkofel erhellt noch den frühwinterlichen Abend
| Dieses
Buch ist kein Wanderführer oder Ratgeber; weder ist es eine
Anleitung für Klettersteige noch dient es zur Auflistung
von Schutzhütten oder gar Gehzeiten dorthin; dieses Buch
ist rein der Verbindung Mensch und Natur gewidmet -
nicht mehr und nicht weniger. |
P r o l o g
Liebes(v)erklärung an einer
Vielgeliebten...
In
vielen Hütten die dort in den “Bleichen Bergen“ stehen habe
ich übernachtet. Als Einzelgast war ich dort gut aufgehoben
und wurde wohl bewirtet. Doch zumeist war ich einer von Vielen,
bei bedrängender Enge, dann war ich nie sehr glücklich. Oft
habe ich in jenen blechernen Biwakschachteln übernachtet, hoch
am Berg, beengt und ohne Komfort; bei Sturm Schneetreiben und
Gewitter, immer alleine – dort war ich glücklich. Auf allen
Pässen habe ich übernachtet, befreit vom Tagesrummel,
fern vom Lärm der Autoschlangen - ich habe mich wohl gefühlt. Die
Dolomiten sind beliebt, sehr beliebt! Vor lauter Liebe
werden sie fast erdrückt. Und irgendwann werden sie an dieser
Liebe wohl sterben. Todesursache: Zu Tode geliebt.
Die
Drei Zinnen gehören wohl zu den bekanntesten, beliebtesten,
markantesten und deshalb meist besuchtesten Bergen der Welt.
Allmorgendlich saugen sie Motorisierte auf breiter Mautstraße
hoch, falls schlechtes Wetter nicht gerade gnädiges Einsehen
zeigt. Parkplätze auf mehreren Ebenen ordnen “Bergruhe“ an.
An deren Ende lädt ein Motel zu Speis‘ und Trank. An der Frontseite
prangt noch der Name “Auronzo-Hütte“. Längst Nostalgie! Zur
Zinnen Schauseite hin, ebenen Wegs und recht breit, ist die
Hütte gleichen Namens bald erreicht. Rucksäcke sind in den Gasträumen
nicht erwünscht, nehmen sie doch die Plätze weg für die, die
da kommen. Und es kommen viele, vielleicht mehr, als die berühmten
“Drei“ an einem Tage an Steinen polternd abwerfen. Die Umgebung
zwar karg, doch ergreifend schön, falls Wolken - wie so oft
- nicht alles verhüllen. Nun kreist die Maß, die Schönheit wird
gefeiert. Ein Biergarten ist die Hütte eh!
Der Rosengarten! Welch' Gebirge kann sich schon mit solchem
Namen schmücken; hoch über Bozen gelegen und seltsam lockend
- und viele erliegen der Verlockung. Dank mannigfaltiger Aufstiegsmöglichkeiten
und dank lückenlosem Hüttenangebot lassen sich in “König Laurins
Reich“ die Feste feiern. Und wer dann ein frisches Bier in der
Hand vor der Vaiolet-Hütte sitzend zum Gartl hoch schaut, braucht
nicht zu befürchten schon doppelt zu sehen, die Menschen sind
echt, der Lärm beweist es. Was kann der Rosengarten denn dafür,
dass er so schön...
Die Seiseralm, die größte weit und breit, Wander- und Blumenparadies
zugleich. Almen sind schön und Almen vermitteln Idylle, doch
auf der Seiseralm ist alles zugleich schön. Und geboten wird
viel: Hat man erst mal einen Parkplatz ergattert, kann man wählen
zwischen Pizzerias und Pommesbuden, Restaurants für den gepflegten
Gast sowie viele Hotels für die Nacht - oder mehr. Andenkenkitsch
für die häusliche Kommode und warme Strickpullover sind obligatorisch,
an Ständen herrscht wenig Mangel. Und wenn das Täschl nichts
mehr hergibt - gleich nebenan ist die Bank für Bares. Eben eine Alm für glückliche Kühe und
glückliche Wanderer - lila, rot und kariert gestylt. Gewandert
wird Schuhe schonend - und immer öfters - auf asphaltierten
Wegen; falls man nicht vom Auto eines Hotelgastes verdrängt
wird. An einer der vielen Jausenstationen darf man sich laben:
Kuhmilch frisch, Speck vom Tiroler oder Grappa vom Feinsten.
Wenn man dann nach Südosten schaut, dort wo sich der Langkofel
aus den wellenförmigen Hügeln empor hebt, stolz, unnahbar und
ergreifend schön, dann ist man mit sich und der Welt wieder
im Reinen.
Schlichtheit
ist kein Merkmal dieser Berge, so wenig schlicht wie deren Namen.
Wo anders wetteifern die Vokale schon so klangvoll, als in denen,
die dort heißen: Marmolada und Marmarole; Pala, Pelmo, Lagorai
und Tofane; Antelao, Cristallo, Cadini oder Sorapis. Diese klangvollen
Namen waren es schließlich nicht zuletzt, die mich in die Dolomiten
hineinlockten, um deren Geheimnisse zu erkunden. Während eines
Familienlurlaubs 1980 lernte ich die Dolomiten lieben; nicht
ahnend, dass Leidenschaft daraus entstehen würde. In den folgenden
Jahren machte ich mich auf, diese Welt aus Stein und Blumenlust
auf meiner Art zu erobern – alleine. Einsamkeit, im Sinne von
Verlassenheit habe ich dabei nie verspürt. Eroberungsdrang ist
mir fremd geblieben, ich wollte erobert werden. Und ich wurde
erobert! Diese Welt verzaubert, indem sie Harmonie schafft.
Der schwere, drückende Rucksack entlockte mir so manchen Fluch,
wenn die Hitze vom hellen Fels mal wieder recht arg zurückprallte,
wenn die Füße nicht mehr wollten oder meine Schritte im Geröll
keinen Halt mehr fanden. Doch alle Plagen waren spätestens dann
ausgeflucht, wenn ich eine sonnendurchflutete Scharte erreichte
und sich vor mir eine Landschaft ausbreitete, bei deren Beschreibung
die Lippen gemeinhin stumm bleiben - weil Worte nicht ausreichen
sie in Bildern fassbar zu machen. Waren es zunächst die bekannten
Höhenwege, die mehr oder weniger von Nord nach Süd diesen gewaltigen
Bergraum durchmessen, wollte ich schon bald die viel besungenen,
viel gerühmten Klettersteige mit einbeziehen. Wenn klamme Finger
sich am kalten Stahlseil klammerten, den Blick genau in der
waagerechten Position haltend und das Denkbare möglichst nicht
denken, dann war die Luft schon recht dünn unter dem Hosenboden.
Doch irgendwann wurde der Gang lockerer. Es ging voran! Bekannte
Gipfel zu besteigen ist ein Muss, doch immer mehr wurde mir
bewusst, dass mich das Unbekannte, das Abenteuerliche reizte.
Waren es nun die Erlebnisse auf hohen Gipfeln in den nördlichen
Dolomiten oder die auf kaum fußbreiten Pfaden in den wilden,
schluchtartigen Tälern des Südens. Den Wechselbädern erregter
Anspannung folgten Stunden der Muße. Freude über versteckte
Blumenoasen, abseits aller Wege, so schillernd bunt wie die
Schmetterlinge, die lautlos durch das Licht gondeln, Hummeln
die sich von Blüte zu Blüte brummeln, Murmeltiere die sich in
den höchsten Tönen üben, erregt schnaufende Gämsen, aufgeschreckt
vom unachtsam hinab gestoßenen Stein und kreisende Dohlen
unterm Tintenhimmel, dort wo Flugzeuge weiße Girlanden zeichnen.
Zuviel der kitschigen Harmonie? Für wenig sensible Menschen
möglicherweise, für andere so wichtig wie die tägliche Nahrung.
Für mich kleine Fluchten vom täglichen Einerlei und große Schritte
hin zur erlebten Sinnlichkeit.
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Im nachfolgenden Teil werde ich
meine persönlichen Erlebnisse schildern und diese in unbestimmten
Zeitabständen aktualisieren
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1. Die Stille…
Um mich herum
tief atmende Ruhe. Ich erhebe mich von meinem Nachtlager. Greife
suchend nach Hose und Jacke. Vorsichtig tastend steige ich über
Rucksäcke, die da und dort den Raum zwischen den Nachtlagern
füllen. Noch ist es Nacht - fast. Ein erster zarter Schein bildet
einen blassen Lichthof auf die atemfeuchten Fenster des Rifugio
Lagazuoi. Draußen vor der Eingangstür - frostige Kühle. Ich
ziehe den Kragen meiner Jacke hoch. Ostwärts gehend entferne
ich mich ein gutes Stück von der Hütte weg, Richtung Tofane.
Um mich herum Stille… nichts weiter als Stille! Transparenz
erfüllt den Raum. Das kaum merkbare Geräusch meines Atems erlebe
ich fast als störend. Ganz langsam vergeht die Nacht, die Morgendämmerung
setzt ein, so sanft, dass mir die Grenze zum Tag kaum bewusst
wird. Schemenhaft, dunkel, mächtig und auch geheimnisvoll zeichnen
sich die Konturen der Tofana di Rozes gegen den östlichen, noch
fast unmerklich erhellten nachtdunklen Himmel ab. Aus der Leere
der Nacht, von Westen kommend, ein dunkles Etwas - streift mich
fast - und gleitet lautlos vorüber. Ein einziger Flügelschlag
bricht die Stille... ganz wenig nur. Für einen winzigen Augenblick
wallt die morgenkühle Luft auf - kaum messbar. Eine Bergdohle
nur, doch sie erscheint mir wie ein Wesen aus Urzeiten - fremd
und bedrohend. Sie entschwebt in die steinernen Kulissen. Erst
allmählich, dann jedoch rasch dominant verwandelt sich die Nachtschwärze
in ein tiefdunkles Glutrot; bald wird daraus ein Helles. So
als wäre ein himmlischer Schmidt am Werk, der nun Sauerstoff
in die scheinbar kalte Glut pustet. Die Tofana umgibt sich mit
einer Aura, die betörend wirkt und zugleich nach Demut verlangt.
Tief unten zieht ein erstes Gefährt in määnderförmiger Bewegung
zum Passo Falzarego hoch; lautlos noch, die Entfernung ist zu
groß. Und noch immer nimmt mich der sonderbare Zauber dieses
Bergmorgens gefangen, den ich hier auf der Gipfelfläche des
Lagazuoi erleben darf - hoch über Cortina d'Ampezzo. Für Augenblicke
schließe ich die Augen, als die Sonne jäh hinter der Tofana
hervorbricht und den Tag endgültig ausleuchtet. Unweit von mir,
erste Laute in der Stille: Geschirr scheppert und blecherner
Klang von Töpfen und Pfannen. Wortfetzen dringen zu mir herüber
- italienisch, deutsch und wienerisch. Das Inventar der Lagazuoi-Hütte
regt sich, die Gästeschar erwacht, der Tag nimmt seinen Lauf.
In ein paar Stunden wird die Seilbahn wieder Unruhe hochsaugen
- sieben, acht Stunden lang; bis dann wieder Stille einkehrt.
Ich packe meine Sachen, stecke ein paar Happen des kargen Hüttenfrühstücks
in die Backen, ein Schluck Tee noch, dann bin ich wieder bereit
den Steinen zu folgen, die mich südwärts führen, tiefer und
tiefer hinein in die Welt der Bleichen Berge.

Aufstieg zur Civetta. Links im Anschnitt,
der Monte Pelmo
2.
Frühling, Sommer, Winter – und 30.000
Lire
Wenn
die Sonne im Jahreslauf beinahe ihren Scheitelpunkt erreicht
hat und schon recht senkrecht steht; und wenn die Sonne auf
den Almen und in den Bergschründen an den Resten des Winters
leckt, dann befällt dem Bergwanderer eine gewisse Unruhe,
die ihm nach Rucksack und Bergschuh schielen lässt; umso
sehnlicher das Bedürfnis dann, wenn man am fernen Niederrhein
wohnt.
Der
Juni hat so gerade den Monat geteilt, als ich Richtung Dolomiten
steuere. Die Berghütten dürften nun nach und nach
ihre Türen und Fensterläden öffnen. Darauf hoffend,
hatte ich meine Touren geplant. Auf jeden Fall waren sehr viele
Wanderungen in der sprießenden Bergnatur gewollt; aber
auch Weitwanderungen mit eingeschobenen Hochtouren. Einmal ganz
bewusst den Bergfrühling erleben und dem Massentourismus
keine Chance geben, der unweigerlich und unabänderlich
im Juli einsetzen würde. Darauf meine ganze Hoffnung setzend,
erreiche ich an einem halbwegs sonnigen Sonntagnachmittag das
Grödnertal. Doch aus aus dem Frühling wurde ein Frierling…
Tau
liegt auf den Gräsern, als mich ein strahlender Montagmorgen
begrüßt. Doch diesmal liegt der Tau in fester Form
und weißem verschwenderischem Glanze auf die noch jungen
Gräser. Alles brilliert und leuchtet. Saukalt aber herzerwärmend
kann ich es auch umschreiben. Das Grödnertal mit seinen
Bergen ringsum war mir zwar über die Jahre recht bekannt,
doch immer noch gibt es Ecken und Winkel, die ich nie gesehen.
So auch die Steviahütte und deren Umgebung. Über den
schattigen, teils vereisten Aufstieg, werden die Beinmuskeln
nach und nach erwärmt. Ein Almbauer, der mit mir ein Stück
Wegs gemeinsam geht, schimpft mir die Ohren über das Sauwetter
voll. Dabei habe ich überhaupt keine Sorgen, ich empfinde
das Wetter als Genuss. Mit stetem Anstieg hebt sich auch der
Langkofel höher, der nun nach und nach über der Seiseralm
dominant seine Felsgestalt so recht ins Morgenlicht rückt.
Ein Bild voll seltener Anmut und Schönheit. Schon freue
ich mich auf ein schönes Getränk in der Steviahütte.
Nichts da - außer Kaninchen. Diese tummelten sich in der
nun wärmenden Sonne vor der Hütte. Die Hütte
selber hält ihre Öffnungen noch dicht verschlossen.
Dafür hat die Regensburger Hütte die Saison bereits
eröffnet, wo ich mich dann später für eine gute
Weile niederlasse.
Nächsten
Tages starte ich vom Grödner Joch ausgehend zur Puezhochfläche.
Es liegt noch eine Menge Schnee auf dem zerfurchten Plateau.
Der Weg zur Puezhütte zieht sich hin. Jeder Eile fern dauert
es, bis ich mich vor der kleinen, alten Puezhütte auf der
Holzbank niederlassen kann. Das Gesicht zur Sonne gedreht, träume
ich von vergangenen Zeiten. Damals, auf dem Höhenweg 2,
war hier ein lebhaftes Völkchen in gelöster Stimmung
in der voll gepfropften Mini-Hütte versammelt. Voller Enthusiasmus
befand ich mich auf meiner ersten Weitwanderung.
Doch während ich noch die herrliche Stille voller Genuss
verinnerliche, ist plötzlich ein Dröhnen in der Luft.
Ein Hubschrauber setzt in aller Eile unweit von mir direkt vor
der neuen Puezhütte auf. Heraus springen eine Menge Leute,
die augenblicklich in der Hütte verschwinden. Sofort werden
die Fensterläden aufgestoßen. Erneut erscheint der
„Hublärmer“ und bringt in einem großen
Netz Konserven und Getränkekästen. Recht grimmig über
die geraubte Stille steige ich etwas weiter bergan, zum Col
Muntejela. Für die weiteren Stunden genieße ich den
beruhigenden Blick über die weiten Almwellen, die erst
vor dem Peitlerkofel im Norden enden.
Erstaunt bin ich doch, als ich auf dem Rückweg wieder an
dem unschönen Hütten-Neubau vorbeikomme. Alle Bänke
vor dem Haus sind nun besetzt. Wanderer trinken, essen und schwatzen.
So, als könnte man die Öffnung riechen, kommen die
Leute in nicht minderer Zahl aus dem Langental empor. Nun scheint
die Saison endgültig eröffnet.
Die Beinmuskeln nun etwas gestärkt, starte ich zu meinem
vorgesehenen Hauptziel in die Sextener Dolomiten. Am Misurinasee
biege ich ab auf die „Zinnenautobahn“. Eine Schranke
gebietet mir augenblicklich Halt. Diese öffnet sich erst,
als ich einem uniformierten „Wegelagerer“ 30.000
Lire in die fordernd aufgehaltene Amtshand drücke. Die
Auronzohütte befindet sich noch im geschlossenen Zustand,
als ich diese am späten Nachmittag erreiche. Über
den großen Parkplätzen liegt noch eine gespenstige
Ruhe. Auf der obersten Parkebene, direkt unter den Zinnen und
mit hervorragendem Panoramablick auf die Cadini, richte ich
mich in meinem Wagen für die Nacht ein.
Für die nächsten Tage habe ich mir folgenden Plan
vorgelegt: Morgen soll es zunächst auf die Schusterplatte
gehen. Für den Wochenrest ist dann der Rucksack für
eine größere Tour zu packen. Über die Klettersteige
des Paternkofels hoch, will ich diesen queren. Dann zur Zsigmondyhütte,
um dort zu übernachten. Über die Carduccihütte
will ich dann zur Zwölferkofelumrundung starten. Eine Nacht
im Bivacco Toni ist eingeplant. Dann wieder zurück zum
Ausgangspunkt.
Doch zunächst starte ich jetzt am Donnerstagmorgen bei
freundlichem aber recht kühlem Wetter Richtung Schusterplatte.
Ganz vereinzelt sind Wanderer unterwegs. Über den Dreizinnenboulevard
wandere ich den Paternsattel an. Es ist schon ein traumhaft
schönes Bild, das sich von dort auf die nördlichen
Sextener bietet. Und inmitten aller Pracht steht die Dreizinnenhütte,
deren rotes Dach schon von weitem anheimelnd lockt. Nun, auch
diese ist noch geschlossen. Was aber gar nicht weiter schlimm
ist. Wer die Hütte im geöffneten Zustand kennt weiß,
was er nicht verpasst hat. Die Schusterplatte ist ein Beinahe-Dreitausender.
Wenn auch gar nicht schwierig besteigbar. Der Blick vom Gipfel
schweift über das wilde, zerklüftete Felsdrama der
nördlichen Sextener. Dunkle Wolken sind aufgezogen, ein
eisiger Wind heult über die Gipfelebene. Gewölbte
Schneereste ergeben zusammen mit dem rötlichen Fels ein
faszinierendes Maler-Stillleben. Eine knappe Stunde bin ich
oben - zum Schauen, zum Fotografieren. Den Winterraum der Zinnenhütte
erreiche ich dann aber schon im platschnassen Zustand, weil
ein Gewitter schneller war. Als ich später mein Auto wieder
erreiche, bricht die Abendsonne durch. Das Zackengewirr der
Cadinigruppe wird nun zum abendlichen Hauptfilm, der sich in
diesem Autokino durchaus empfiehlt.
Freitag
ist es. Mein Rucksack für drei Tage gepackt, wartet aufs
Aufschultern. Das Wetter ist durchaus sonnig, wenn mich da nicht
im äußersten Westen der kleine, dunkle Wolkensaum
stören würde. Also warte ich noch ab, was sich ergibt.
Vermehrt ziehen Wolken auf; und vermehrt ziehen nun Wanderer
an meiner Parkbucht vorbei. Das anbrechende Wochenende lässt
so manchen Berggast hier erscheinen. Ich liege richtig mit meiner
Vermutung, dass ich sie in Kürze wieder sehen werde. Und
siehe da, um 11.00 Uhr hasten sie alle wieder durchnässt
zu ihren Wagen zurück. Der frühmorgens ausgemachte
Wolkensaum hat sich mittlerweile nämlich zu einem ausgemachten
Sauwetter entwickelt. Für mich heißt das –
warten. Ins Tal runter und morgen wieder 30.000 Lire abdrücken
– nicht mit mir! So eine Mautstraße wird ja nicht
gebaut, um die Dolomiten mit dem zu entrichtenden Obolus zu
retten, sondern um die Gesellschafter zu erfreuen. Um die nun
genügende Zeit auszufüllen, betreibe ich Anschauungsunterricht.
Trotz Regenwetter zieht es ein Wagen nach dem anderen die Maustraße
hoch. Alles aussteigen, Weib und Kind vor die Zinnen befohlen,
ausgerichtet und in die Sucherkamera smilen lassen. Klappe zu,
Wagen weg. Somit kostet jeder Schnappschuss hochgerechnet 30.000
Lire.
Ein kalter, windiger Abend gibt mir zumindest die Hoffnung,
dass ich morgen aufbrechen darf. Heute war Sommeranfang!
Samstagmorgen! Der Wächter über Parkbuchten und Mautgebühren
erscheint wieder, zur Überprüfung der rechten Ordnung,
um wie gestern früh auch schon, die Mautkarte auf ihre
Gültigkeit hin zu überprüfen. Er dient ebenso
wenig zur Erhellung meiner Stimmung, wie das Wetter. Wenn nun
auch zwei blassblaue Wolkeninselchen auszumachen sind. Diese
sind nach dem ganznächtigen Regen immerhin ein Lichtblick.
Und was kommen muss, das kommt! Regen setzt wieder in gewohnter
Form ein. Meine Stimmung sinkt auf den absoluten Tiefpunkt.
Nun bin ich bereits den 4. Tag hier droben, und harre hier mit
einer geradezu engelshaften Geduld. Doch nun werde ich trotzig.
Im Tal kann ich nichts anfangen, hier oben auch nicht. Die 30.000
Lire werde ich deshalb bis auf die letzte Lira auskosten. Heute
werde ich noch bleiben, morgen entscheide ich dann weiter. Es
ist erstaunlich, wie viel man schlafen kann. Kaum habe ich ein
paar Seiten gelesen, bin ich schon wieder müde. Die Wärme
des Schlafsacks bietet fast komfortable Gemütlichkeit.
Zwischendurch wird aus dem großen Aldi-Sortiment eine
Konserve herausgegriffen. Zum Nachtisch eine Tafel Schokolade.
Das wiederholt sich in dieser oder ähnlicher Form - und
immer öfters. Die weiteste Wanderung ist die zur Mülltonne
- 10 Meter! Wagen kommen hoch, Wagen fahren runter. Der Tag
leiert dahin, die Abenddämmerung sinkt hernieder. Schneefall
hat seit geraumer Zeit die Umgebung in weißgrauer Einheitsfarbe
getunkt. Ein heftiger Wind verwirbelt die Flocken. Um die Drei
Zinnen toben die Elemente. Aus dem Autoradio grüßt
Elvis Presley mit der amerikanischen Version von „O Sole
mio“. Längst bin ich schon wieder tief im Schlafsack
verschwunden, zwei Wolldecken obenauf. Warm ist mir nicht, frieren
tue ich so direkt aber auch nicht. Es ist so eine eigenartige
Restbehaglichkeit vorhanden, die mir verbietet, den Schlafsack
überhaupt jemals wieder zu verlassen. Längst ist die
Dunkelheit hereingebrochen, obwohl ich diese nur ahnen kann.
Die Scheiben des Wagens haben sich nämlich derweil mit
einer dicken Schnee/Eisschicht überzogen. Der starke Wind
entwickelt sich zum Sturm. Böen schütteln an meinem
Auto und habe dabei das Gefühl, einem stürmischen
Transatlantikflug ausgesetzt zu sein. Viel Schlafen tue ich
in dieser Nacht recht wenig. Etwa 300 Mal wechsle ich die Lage
im Schlafsack. Hin und wieder dämmere ich weg. Eine leichte
Erhellung am Autofenster lässt den beginnenden Morgen erahnen.
Der Sturm ist etwas sanfter geworden. Doch nun muss ich, ob
ich will oder nicht, an die Luft. Nur wie? Die Wagentüren
lassen sich nicht öffnen, ebenso wenig die Scheiben. Alles
ist eingefroren. Mit dem einsetzenden Licht kommt mir dann die
erhellende Idee, den Wagen zu starten und die Heizung auf volle
Pulle zu stellen. Die Batterie hat noch Saft, der Wagen startet.
Nur das Gebläse kommt nicht in Gang. Die Einlassöffnungen
müssen verstopft sein. Nach einer guten Viertelstunde und
mit ein wenig Gewalt, lässt sich die Tür widerwillig
aufdrücken. Der Schnee hat die Höhe des Türholms
erreicht, die Konturen des Wagens sind fast verschwunden. Ein
Wintermärchen? Wohl kaum! Ist doch jetzt bereits der 5.
Tag angebrochen, wo ich auf diesem Flecken verharre. Und jetzt
will ich endlich runter und weg aus diesen „verfluchten“
Sextener Dolomiten. Doch wie? Die Mautstraße ist dick
eingeschneit. Nun sage ich mir, Mautstraße = Geldstraße
– und ohne Moos nichts los. Also würde in Kürze
ein Schneepflug erscheinen, der den Tagesgästen die Bahn
spuren wird und mir eine schöne Abfahrt. Gegen 9.00 Uhr
tauchten dann tatsächlich die Lichter der Räummaschine
auf. Der Weg ins Tal ist frei. Die Bauern treiben ihre Kühe
von den Sommerwiesen abwärts, die Tiere haben nichts zu
fressen im Schnee. Auf den Bäumen liegt weihnachtliches
Gepuder. Am Misurinasee ist der Spuk dann vorbei. Verwundert
schaute man auf die dicke Schneeschicht auf dem Dach meines
Wagens.
Nach weiteren zwei Tagen und weiteren frustrierenden Beinah-Touren,
lenke ich meinen Wagen auf die Autobahn. Soweit ein Sommeranfang
in den Dolomiten!

Die Gipfel der Sextener "Sonnenuhr unweit der Drei Zinnen
gesehen
3. Almgeschichten
Der
Monat mit dem O ist mir der liebste geworden. Er spendet noch
die Wärme, von der sich die Haut geschmeichelt fühlt. Und er
spendet Farbe, von der sich die Seele geschmeichelt fühlt. Wenn
er denn Regen bringt, macht er nun öfters Schnee daraus, der
sich in den Höhen schon gerne anhaftet. Morgens tanzen Eiskristalle
zu flimmernden Lichtern illuminiert auf den gelben Gräsern,
auf Herbstzeitlose und auf Lärchenzweigen. Und wenn die Morgennebel
von der wärmenden Oktobersonne sich so nach und nach von weißblauer
Wischtechnik zu tiefstem Blau verflüchtet haben, tut sich endlich
die Welt auf, die Maler nach dem Pinsel greifen lässt - andere
nach Nikon oder Canon. Ich fühle mich der letzteren Sorte behaftet
und kann mich so wieder dem ganzen „Kitsch“ hingeben, der verschwenderisch
und im vollen Breitwandformat die Dolomitennatur durchflutet.
An wintertrüben deutschen Abenden dürfen sich Zuschauer im trübgrauen
Einheitslook gewandet, die Ergebnisse als bunte Dias anschauen.
Der Dolomiten-Oktober hüllt ein, schafft Szenerien die traumhaft
wirken, Träume wecken, Träume erfüllen. Farbe quillt aus den
Wiesen, aus den Büschen; Farbe rieselt aus den Bäumen; Felsen
zieren sich in Ockergelb und Rostrot, oder auch in Weiß und
hellem Grau - darüber Himmel aus Azur. Nie zu bunt, alles passt,
alles harmonisiert, alles voller praller Farbe. Vincent van
Gogh war niemals hier. Hätte er die Dolomiten nur gekannt!
Als
ich im Oktober 2002 an einem Spätnachmittag Predazzo erreiche,
wird es im Fleimstal schon dunkel. Ich biege auf die Forststraße
ab, die ins Val di Maggiore führt, um dann gut 600 Meter höher
die gleichnamigen Alm zu erreichen. Zwischen mächtigem, altem
Gehölz bricht die Abendsonne blendende Schneisen, und der hochgewirbelte
Staub leuchtet goldfarben auf. Auf 1600 Metern erreiche ich
den großen ebenen Almboden; an dessen Ende die Malga. Diese
hat die Sommerbewirtschaftung eingestellt. Aber es befinden
sich noch kleine Gruppen Nutztier’ auf den Wiesen. Die dunklen
Berge der umgebenden Lagoraikette wirken nun ernst. Nur gegen
Nordwesten zeichnet sich der helle Fels der Latemargruppe ab.
Ich bin etwas müde von der langen Tagesfahrt und möchte nach
einem leichten Abendbrot den Schlafsack aufsuchen. Dieser wird
für die kommende Nacht in meinem Wagen ausgebreitet. Schon bald
schleicht sich eine Gruppe Esel heran. Neugierig und aufdringlich
beobachten sie, was diese komische Gestalt wohl treibt und vor
allen Dingen da futtert. Und da sie nicht zu vertreiben sind,
schlage ich die Heckklappe zu und ziehe mir den Schlafsack um
die Ohren. Nacht legt sich über die Lagoraiberge, dieser Insel
der Stille.
Hin und wieder besuche ich sie gerne, weil es in deren Hochlagen
noch keine Hütten gibt; ebenso wenig finden sich Liftanlagen.
Im Sommer wandert man gerne hier, doch der Zustrom ist endlich.
Und jetzt im Oktober, kann ich nur mich entdecken.
Ich fröstele etwas in meiner Hülle und schlafe etwas unruhig.
Doch dann um 3.30 Uhr in der Früh hebt ein Geläut an. Schnaufend
kommt eine Horde Pferde näher, glaube ich zu hören. An den Ritzen
des Kofferraumes saugen sich schnüffelnde Nüster fest. Die eingesaugte
Luft signalisiert wohl Essbares. Leichte Erdstöße erschüttern
mein Anwesen, wenn der mächtige Hintern des rangoberen Gruppenpferdes
die Karosserie walkt. Ich kann alles nur ahnen, was draußen
in der kalten Nachtluft abläuft. So auch, als nun ein hässliches
Schmirgelgeräusch anhebt. Mit Genuss leckt der alte Sauerbraten
den Raureif vom Lack meines Wagens weg. Schließlich kommt das
grausame Geräusch fräsender, breiter Pferdezähne dazu. Ich kann
es nur so einordnen, dass der Hengst die Außenspiegel nun vollends
ins Maul genommen hat. Vergleichbare Töne machen sich nun auch
im Heckbereich bemerkbar. Das Schlimmste befürchtend, brülle
ich gegen die Nacht an. Ohne Erfolg! Schließlich schäle ich
mich unwillig aus Sack und Decke, verwinde mich zum Fahrersitz,
starte den Motor und schalte das Fernlicht hoch. Nun weicht
das Pferderudel doch wenige Meter zurück. Doch sehr beeindruckt
scheint es nicht zu sein. Auf jeden Fall haben sie von meiner
Gastfreundschaft genug und wenden sich nun endlich ihrer gewohnten
Kost zu.
Der Lack ist zwar an einigen Stellen recht unschön abgefräst,
doch wiederum nicht so stark, wie ich zunächst befürchtete,
stelle ich dann bei meinem morgendlichen Rundgang fest.
Vom
vielen Schnee in den oberen Regionen des Lagorai, war ich dann
doch etwas überrascht. Zuviel war in den letzten Septembertagen
heruntergegangen. So wurde mein Besuch dort auch kürzer als
geplant. Deshalb startete ich nächsten Tages vom Passo Vallez
ausgehend zu einer gemütlichen Almwanderung. Jenseits, südlich,
recken sich die mächtigen aber doch so filigranen Spitzen der
nördlichen Palagruppe in den grauen Himmel. Die zum Naturpark
Paneveggio gehörende große Alm- und Hügelflache, die zwischen
Pelegrinotal und den Palabergen eingelagert ist, möchte ich
nun per Rundwanderung erleben. Die Hütten sind bereits geschlossen;
wohl auch deshalb, weil sich für meine Dürftigkeit ohnehin keiner
mehr interessiert. Einsam ist es aber doch nicht. Immer wieder
sausen Jeeps über die breiten Kieswege. Um den großen See -
Lago di Cavia - herum ist es recht laut. Einer der Lifte wird
gewartet und aufgerüstet für den Winteransturm. Eine andere
Gruppe werkelt an der Staumauer des Sees. Als See macht er sich
auch nur auf der Karte gut, denn bei Augenschein ist der Zweck
desselben bald erkannt: die Schneekanone braucht Futter. Und
als ich mich etwas genauer umschaue, entdecke ich inmitten der
Hügel viele pistenartige, breitgewalzte Flächen. Diese sind
nun mit einem leichten Flaum aus Schnee bedeckt, der etwas Erbarmen
gibt aber nicht deren Hässlichkeit zu verstecken vermag. Zu
verstecken gibt es allerdings sehr viel, wie ich auf meiner
halbtägigen Wanderung sehe. Pisten, Stromkabel, Masten, Lifte
und breite Wege, alles gilt es im Winter zu verstecken. Sollte
der Winter dann nicht so recht wollen - wie so oft - hat der
Kanonier wieder harte Akkordarbeit zu erledigen. Eine hässlichere
Alm als diese kommt mir momentan nicht in den Sinn. Leise rieselt
der Schnee!
Um
wieder eine geordnete Behaglichkeit für die folgende Woche zu
haben, wende ich mich dem Alta Badia zu. Aus dem düsteren, nun
meist sonnenlosen Gadertal biege ich ab nach Wengen. Wenn unten
im Tal schon alles im Schattenreich versunken ist, räkelt sich
dieser beschauliche Ort noch in der Abendsonne. Hier hat alles
noch eine natürliche, gewachsene Ordnung: Kirchgang, Friedhof,
dann Wirtshaus - in dieser Reihenfolge. Gebaut wird auch, doch
(noch) in Grenzen. Zwei, drei oder auch vier Häuser mehr, werden
es auch im folgenden Jahr wieder sein. Doch Lifte wird man vergeblich
suchen, und Pisten auch nicht. Drüben dort, unter der Sella,
in Corvara, wird man Sicherheit dererlei nicht entbehren müssen.
Und wunderschöne Wanderwege gibt es hier auch. Die Augen erblicken
den Peitlerkofel und die Puezberge, an der langen Flucht des
Kreuzkofelmasivs entlang haften die Augen schließlich auf den
Hausberg - der Neunerspitze. Nicht ganz 3000 Meter hoch, dafür
aber schöner. Wenn man dann etwas höher steigt, zur Kreuzspitze
vielleicht, schaut man schon bis zum Großglockner; oder ganz
nah, auf die Fanesberge.
Doch es stinkt im Wengental! Alle Bauern wollen zugleich in
den ersten Oktobertagen ihre in reichhaltiger Fülle übers Jahr
angesammelten Opfergaben gegen Himmel senden. So beschließe
ich umgehend, die opferfreie Schutzzone der Fanesalm aufzusuchen.
Der Wetterbericht meldet für heute durchwachsendes Wetter: wolkig
mit etwas Aufheiterungen, etwas Regen möglich. Unbeeindruckt
davon steige ich in den Wagen und fahre die Valparolajoch-Paßstraße
hinan. An der Capana Alpina sammeln sich erste Automobile. Zunächst
ist es noch kühl, doch dann setzt sich die Oktobersonne durch.
Der blaßblaue Himmel färbt sich zu dem Blau, was ehedem gerne
Könige zu tragen pflegten. Linkerhand zum Aufstieg, das pralle
Gefüge der Conturinesspitze. In deren Ausbrüche fangen sich
die Schatten der Morgensonne. Der gelbrote Fels zieht immer
wieder magisch das Objektiv meiner Kamera an. Drüben, zum Südwesten
hin, räkelt sich die Wucht der Sella aus den Almwellen. Nach
dem treppenartigen Anstieg zur ersten Einsattelung wird die
Jacke endgültig in den Rucksack geschoben. Vor mir die weite
Fläche von Großfanes. Zum wiederholten Male bin ich dort - nie
bereut. Mit jedem Schritt wird die Aussicht schöner. Deshalb
muss man sich diese auch erwandern. Schäfchenwolken sammeln
sich am Himmel, Flugzeuge bringen wiegende Seidenschals dazu.
Ein kurzer Fluch, wenn ich mal wieder über einen Stein stolpere.
Doch die "Hansguckindieluft"-Verrenkung erfordert dies. Ich
habe die Dias noch nicht gezählt, die hier von mir fotografiert
wurden, doch es dürften mittlerweile mehrere Hundert sein. Müde
nach Perspektiven zu suchen und müde, die Ergebnisse anzuschauen,
ist mir bislang noch fern. An der Brücke über dem Fanesbach,
unweit der kleinen Jausenstation, tut sich nach Osten hin ein
Panorama der Extraklasse auf. Frischschnee lagert in den Furchen
der Felswände, auf Buckeln goldgelbene Lärchen im Herbstlicht
strahlen, und dazwischen rauscht der Fanesbach. Kann „Kitsch“
noch schöner sein? Es ist dies so ein Edelschinken, wie er ehemals
(und auch heute noch) in den muffigen Wohnstuben der
arbeitenden Bevölkerung gerne den Raum schmückte und dabei etwas
Wärme brachte und der Sehnsucht Flügel verlieh. Nur - hier ist
der Kitsch Wirklichkeit. Wer dann vor Ort diese Umschreibung
tatsächlich in den Mund nimmt, ist ein elender Banause. Basta!
Und so steige ich weiter über Lichtwege und Märchenwiesen und
auch hoch zum sagenumwobenen Limosee. Dampfend habe ich ihn
allerdings nur einmal gesehen, vor vielen Jahren, auf dem Dolomitenhöhenweg
1, früh am Morgen. Es war August, und da war er noch gut gefüllt;
doch nun ist er ein elender Tümpel unansehbar, eher jämmerlich.
Ein älterer Herr kommt über die Kante hoch geschnauft, die zum
touristischen, wenn auch nicht minder schönen Abschnitt der
Fanesalm abbricht, von Klein-Fanes. "Grüß Gott! Wo ist denn
hier der Limosee und wie komme ich dahin?" "Na, sie stehen schon
direkt davor", antworte ich. "Ach?" Ob er nun enttäuscht sei,
versuche ich fragend in seinem Gesicht zu lesen; oder gibt er
sich damit zufrieden, nun abhaken zu dürfen, was der Fremdenführer
in Buchform gemeinhin als sehenswert einstuft? Sei es drum,
ich beobachte noch ein Weilchen von erhöhter Warte das quirlige
Leben auf den beiden Hütten; welches sich aber aus dieser Entfernung
recht friedlich darbietet. Das Licht der Nachmittagssonne fordert
auf, ein Dia ans nächste zu reihen. Dann wieder Innehalten -
Schauen. 30 Wanderer mögen es schon gewesen sein, denen ich
während dieses schönen Tages begegnete, doch fühlte ich mich
nie eingeengt. Inmitten der Wellen der weiten Alm fallen sie
kaum ins Gewicht. Fanes ist meine Lieblingsalm.
In Deutschland regnet es saumäßig, erfahre ich später per Handy
von meiner Frau. Na, das ist aber schade!
4. Der König (Antelao) und ich...
...fast
20.00 Uhr! Ich muss mir die Augen reiben und die kleine Taschenlampe
einschalten, um die Uhrzeit am Arm überhaupt erkennen zu können.
Es ist düster, fast lichtlos in meiner winzigen und engen Behausung.
So nach und nach wird das zusammenhanglose Gefüge meiner Sinne
wieder zu einer geordneten Einheit...
Ich
befinde mich im Biv."Cosi", eine von diesen kleinen, rotgestrichenen,
tonnenförmigen Blechbehausungen. Diese stehen verstreut in den
Bergen - meist in größeren Höhen - um dem Bergsteiger einen
bescheidenen Schutz vor den Unbilden des Bergwetters zu gewähren.
Diese "Iglus" sind aber auch als Unterkunft bei mehrtägigen
Bergwanderungen bestens geeignet. In der Regel sind acht bis
neun Klappbetten eingefügt; und wenn man Glück hat, sind diese
auch mit Schlafdecken ausgestattet. Sollte es aber ausgerechnet
mal 9 Leuten danach lüsten sich dort wohnlich einzurichten,
dann Gute Nacht! Doch - was ein Glück, ich bin alleine hier
auf 3111 Meter Höhe, etwa 150 Meter unterhalb des Antelao Gipfels.
Am
Morgen hatte ich mit dem Aufstieg auf den "König der Dolomiten"
begonnen. Nach der Marmolada ist der Antelao der zweithöchste
Gipfel in den Dolomiten. Mein bester Tag war das ganz und gar
nicht heute: etwas müde, etwas träge - und Schwüle lag in der
Luft. Über dem Gipfelaufbau bauten sich bereits allmählich mächtige
Wolkentürme in den blassblauen Himmel. An Umkehr dachte ich
aber nicht - war ich doch schon zu hoch. Trotz aller bleiernen
Trägheit, die den Füßen jegliche Lust nahm weiter zu steigen,
hatte ich es aber auch nicht allzu eilig, den Gipfel zu erreichen.
Es war von mir fest eingeplant, auf dem höchsten Punkt zu übernachten.
Es sollte das ganz große Erlebnis werden: Alleine mit der Welt,
plus Sonnenuntergang und -aufgang. Dafür schleppte ich dann
nebst Foto- und Filmausrüstung auch noch den Schlafsack mit
über die steile, geröllbedeckte Nordflanke des Berges hinan.
So wurde es dann auch 14.00 Uhr, ehe ich die kleine Biwakschachtel
erreichte.

Im
Kreis die Lage des Biv. Cosi
Hier
wollte ich nun vorerst bleiben und der Dinge harren, die sich
mit mäßigem Grollen ankündigten. Erst noch recht sanft und verhalten,
doch dann immer mächtiger dröhnte es mit gewaltigen Paukenschlägen
über die riesigen Plattenschüsse des Antelao. Die wenigen Bergsteiger,
die den Gipfel heute besuchten, hasteten mit enormer Eile gen'
Tal, um dem Gewitter zu entfliehen. Nun war ich mit dem Antelao
alleine! Und alleine wollte ich ja schon sein, die Übernachtung
war eingeplant, doch nicht unter diesen Bedingungen. Die Schönheit
eines Abends auf dem Berg erleben, eine sternklare Nacht genießen
und bei Sonnenaufgang das Erlebnis krönen - so hatte ich mir
das ausgedacht. Doch nun rüttelten bereits erste Windböen an
meiner Zuflucht. Und diese steht äußerst hart am Abgrund, hoch
über dem Antelaogletscher. Die schlaff dahin baumelnden Stahlseilchen
sollen dem Biwak Standfestigkeit geben und mir das Gefühl, dass
sie auch noch für die kommende Nacht hier am Platze haften bleibt.
So begebe ich mich gefügsam in der Obhut meines kleinen, roten
Häuschens. Erste Blitze erhellen für Augenblicke den Ort, der
sich nun anschickt schaurig zu wirken. Ich schließe die knarrende
Tür und lege den schweren Metallriegel vor, schlage die Luke
zu. Das Stakkato beginnt! Sturm, Blitz, Donner, Hagelschlag
rütteln an meine Behausung, und mehr noch an dem Mensch, der
dort im Schlafsack steckt. Es knirscht, ächzt und stöhnt, und
die Halteseile schlagen auf die Blechhaut ein. Tiefer drücke
ich mich in den Sack, der Schlaf verheißt und doch nicht kommen
will - bewegungslos und bibbernd.

Schon bald wird ein mächtiges Unwetter um das
Biv. Cosi 3111 m toben
...
Stunde um Stunde tobte sich die Welt aus. Ich weiß nicht wie
lange - vielleicht drei, vielleicht vier Stunden. Irgendwann
muss es dann ruhiger geworden sein, und irgendwann muss ich
wohl gnädig weggedämmert sein. Wie gesagt, nun ist es 20.00
Uhr. Teils ist es ein natürliches Bedürfnis, teils ist es Neugier,
was mich mehr als unwillig aus der Hülle meines Schlafsackes
treibt, die nun doch ein erträgliches Maß an Wärme bot. Die
Tür dreht sich widerwillig und stöhnend nach außen ...und...
befinde mich im großartigsten Theater der Welt.
Lichtkaskaden
ergießen sich durch nun öffnenden Wolkenschichten. Kein helles,
blendendes Licht, nein es ist ein sanftes, durch den Raum schwebendes
unwirkliches Leuchten. Aufsteigende Talwolken verwirbeln zu
filigranen Schleiern, getönt in den warmen Farben des späten
Sonnenrots. Der Gletscher tief unter mir hat eine rosa Färbung
erhalten. Neuschnee leuchtet in den Karen, Eisglätte schimmert
auf den Felsen - darüber bildet sich ein Baldachin aus feurigem
Rot. Im Osten wölbt sich ein Halbkreis zum Farbenring, fast
zum Greifen nah. Ein Regenbogen, der als solcher zu bezeichnen
ein geringschätziger wäre. Vor mir recken sich Gipfel hoch,
in milder Lichtwärme leuchtend. Am Morgen hatten sie noch einen
Namen, doch nun ist die Welt jungfräulich, so als wäre sie soeben
erst erschaffen.
Ich
löse mich aus meiner Starre und falle wieder dem alten Jagdfieber
anheim, Bilder machen zu müssen. Ich weiß, dieses Schauspiel
wird von kurzer, irdischer Dauer sein. Hastig greife ich zu
Foto- und Filmkamera, um ein Ereignis festzuhalten, das später
bei Betrachtung doch nur ein unbefriedigendes sein wird. Den
Eindruck des unmittelbar Dabeigewesenseins, kann ein Filmstreifen,
ein Foto, niemals vermitteln. Kurze irdische 30 Minuten sind
vergangen, die Schatten der aufziehenden Nacht nehmen dem Leuchten
die Kraft. Ein letztes Grummeln des Gewitters verebbt orientierungslos
zwischen dem Felsgeschröff, ein zartes Rosa noch, dann senken
sich die Sterne herab - funkelnde Irrlichter überziehen die
Welt. Ich ziehe mich zurück in mein Bergschneckenhaus, ziehe
mich noch tiefer in den Schlafsack. Aus meinem Walkman tönen
Beethovens 5. Symphonie und die schönen Klänge der Musik von
Kitaro. Nie habe ich Musik eindringlicher empfunden, und vielleicht
war ich nie gelöster, als in dieser Nacht am Berg.
Lange
liege ich noch wach und habe so einige Mühe, gegen 5.00 Uhr
aufzustehen. Bei Sonnenaufgang möchte ich auf dem Gipfel des
Antelao stehen. Hastig winde ich mich aus meiner Schlafhülle,
stopfe irgend etwas in den Mund und steige an. Die Gipfelfelsen
sind recht steil und Eisglätte schimmert im frühen Licht. Nach
30 Minuten stehe ich am höchsten Punkt. Gerade rechtzeitig,
um die Sonne hinter den östlichen Bergen hochsteigen zu sehen.
Ein Rausch aus warmen Farben ergießt sich raumgreifend über
die Gipfel. Die wunderschöne Gestalt des Monte Pelmo dort im
Westen - nun zum Greifen nah - wird noch von der Pyramide des
Antelao beschattet. Doch dann windet er sich mehr und mehr aus
der düsteren Umklammerung des Königs. Cortina d'Ampezzo tief
unten im Boitetal liegt noch im Dunkeln; die Straßenlaternen
funzeln ein schwaches Licht herauf. Wind setzt ein und treibt
mir Feuchte in die Augen; und ich spüre, dass die Feuchte auch
bei Windstille nicht weg ist. Die Strahlen der Sonne erwärmen
mich dann äußerlich - innen bin ich es schon längst.
Dieses
Erlebnis am Morgen steht dem am vergangenen Abend in seiner
Schönheit fast nicht nach - und doch ist es anders. Als der
Tag vollends ausgeleuchtet ist, steige ich hinab. Ich räume
mein Biwak auf, trage mich im Hüttenbuch ein und schultere den
Rucksack. Mit Gemach und einer tiefen, inneren Befriedigung
steige ich talwärts. Später, als ich die ersten Tagesgäste begrüße,
die sich im Aufstieg befinden, fühle ich bei aller Freundlichkeit
doch eine gewisse befremdliche Skepsis über den sonderlichen
Einzelgänger zu spüren , der dort am frühen Morgen den Berg
hinunter stolpert. Nun, mein Erlebnis werden diese Tagesgäste
nie haben. Das teile ich nur mit "König" Antelao.

5. Abenteuer
Lagorai
Das
patschende Geräusch, das aus meinen Schuhen dringt, ruft in
mir alles andere als angenehme Gefühle hervor. Bei jedem Schritt,
wird der am Schaft meiner Bergschuhe eingedrungene Schnee zu
kalter, unangenehmer Flüssigkeit zermatscht - und an Schnee
herrscht kein Mangel. Der Sommer ist erst wenige Tage jung,
die Ausmaße der Schneefelder noch gewaltig, nackter Fels eher
spärlich. Nun stehe ich am oberen Rand einer Steilrinne und
bin soeben im Begriff, etwas Blödsinniges zu tun…
Ich
befinde mich in den Lagorai-Bergen, einem Randgebirge der Dolomiten.
Einsam und menschenleer! Seit 8 Tagen bin ich bereits unterwegs.
Wieder hatte mich das Fieber gepackt, um in abenteuerlicher
Natur meine innere Balance zu finden. In den vergangenen Jahren
hatte ich mehrere Dolomiten-Höhenwege durchwandert. Sie waren
für mich sehr schöne Erfahrungen, die ich auf keinem Fall missen
möchte. Doch immer störte mich etwas daran: Die Wegführung war
vorgeschrieben. Nicht zwingend - doch bei zuviel Abweichung
auf denselben, wäre der Charakter dieser Wege nicht gewahrt.
So saß ich dann viele Wochen zuvor zuhause über einem Haufen
Kartenmaterial und vollführte geistige Wanderungen. Endlich,
so schien mir, hatte ich eine geeignete Route ausgearbeitet.
Eine Rundtour plante ich, die mich in etwa 15 - 20 Tagen zur
Seiseralm zurückführen sollte. Vor einer Woche nun stieg ich
von dort hinauf zum Schlern. Weiter über den Klettersteig zur
Tierser Alpl Hütte und dann hinüber in den Rosengarten. Dieser
wurde über verschiedene Spitzen und Scharten durchquert. Über
den Karerpaß hinweg dann in das mir noch unbekannte Latemargebirge.
Durch ein wildromantisches Hochtal stieg ich hinab ins Fleimstal.
Gegenüber erhob sich der langestreckte Zug der Lagoraiberge.
(von der Gesteinsart her sind diese Berge nicht den Dolomiten
zugehörig) Dort, vom Latemar, hatte ich schon einen guten
Ausblick zu diesen düster wirkenden, mit großen Schneefeldern
gesprenkelten Bergen. Absolut unbekannt war mir diese Berggruppe.
Noch nicht mal deren Namen hatte ich vorher gehört. Die Nacht
verbrachte in der kleinen Cauriolhütte, am Westrand des Gebirges.
Fast gänzlich ist diese Hütte mit Utensilien des Gebirgskrieges
ausstaffiert. Als einziger Gast der Herberge wurde ich zum Schlafen
in dem Verschlag über dem Schankraum untergebracht. Nach der
Verabschiedung vom kleinen Hüttenjungen - er regelte alles in
der Hütte alleine, weil der Senior meist mit der Flasche zu
tun hatte (im übrigen war das auch die billigste Übernachtung
in meinem Hüttenleben bisher) - stieg ich aufwärts ins Reich
der Stille. Es begann die Ouvertüre der Einsamkeit für die kommenden
Tage. Düster, eher verwunschene Stimmung vermittelnd, wölbte
sich der Himmel flach über die Gipfel. Nebel steigen von den
vielen kleinen Seen hoch, die sich inmitten dieser Bergkette
verstecken. Diese Bilder rufen geradezu auf, nach Berggeistern,
Kobolden und Feen Ausschau zu halten. Leichter Regen setzt ein,
ein paar Schneeflocken mischen sich dazu. Mühsam versuche ich
einer Spur zu folgen, die dann meistens doch keine ist, weil
der Altschnee alles verdeckt. Nach einer letzten Biegung werde
ich dann am Nachmittag meiner Unterkunft gewahr. Eine kleine
Holzhütte (Paolo e Nicola), dunkel und ganz unüblich
der anderen Biwakschachteln, die blechern und von roter Farbe,
verstreut im Gebirge herumstehen. Es folgt eine lange Nacht,
nur der Wind pfeift seine schaurige Melodie. So begebe ich mich
dann am Morgen auch schon recht früh auf die Etappe, die mich
hoffentlich heute zum Rollepass in der Palagruppe bringen soll
(die Pala soll in einer Rundtour durchstiegen werden, dann
nordwärts zu den Ausläufern der Marmolada, zum Langkofel, und
endlich zurück zur Seiseralm). Doch bis dahin ist es noch
recht lange, und habe auch dafür überhaupt noch keine Gedanken.
Der Morgen beginnt recht sonnig. So fällt es mir nicht schwer,
als erstens den Cece (2754m) zu besteigen. Es ist dieser
die höchste Spitze in der langen Lagoraikette. Etwas leichtsinnig
steige ich hernach über die steile, brüchige und vermeintlich
kürzere Nordflanke weglos ab. Eine weitere Erfahrung folgt dann
umgehend am Fuße des Cece, als ich dort auf einem langgestreckten,
leicht abfallendem Altschneefeld den Halt verliere. Mehr als
hundert Meter rutsche ich auf dem Ellbogen talwärts, nur weil
ich meine Filmkamera schützen möchte. Dass der Schnee zu dieser
Jahreszeit kristallscharf ist, sehe ich bei Augenschein meines
Armgelenks - total durchgescheuert! Der Schmerz wird aber erträglich
dadurch, dass ich mich nun gänzlich auf den Weg konzentrieren
muss. Ausrüstung für Schnee habe ich dafür nicht im Rucksack
- eben weil die Erfahrung noch fehlt. So wird der eingedrungene
Schnee in den Schuhen rasch zur Qual. Die Füße haben das Aussehen
eines mehrstündigen Badaufenhaltes angenommen. Immer wieder
breche ich im Tiefschnee in die nicht sichtbaren Aushöhlungen
bis zu den Schultern ein. So nach und nach wird nicht nur mein
Körper müde, sondern auch die Psyche hat ihr Selbstvertrauen
schon längst eingebüßt. Hätte ich das Biwak bemerkt, das irgendwo
in der Nähe stehen musste, wäre ja noch alles gut geworden.
Dann hätte ich noch eine Nacht im Lagorai verbracht, um dann
am nächsten Morgen ausgeruht den Rollepass zu erreichen. (Vom
Biwak wusste ich derzeit nichts, weil es recht neu und in meiner
Karte noch nicht eingezeichnet war)
…
wie eingangs erwähnt - ich bin soeben dabei, etwas Blödsinniges
zu machen. Zermürbt wie ich nun bin, will ich durch diese sehr,
sehr steile Schneerinne, etwa 20 Meter breit, absteigen. Deshalb
eben, weil die Orientierung weitgehend weg ist, der Nachmittag
bald endet und das Ziel vermeintlich südöstlich der Gebirgskette
liegen muss. Etwa fünfmal starte ich den Versuch einzusteigen.
Um dann jedes Mal - eine Restvernunft in mir sagt, mach das
nicht - einen Rückzug zu machen. Und dann mache ich es doch!
Nach
wenigen Metern Abstieg bin ich mir der Dummheit und des Wahnwitzes
voll bewusst, dessen ich mich aussetze. Ich bin nun hellwach.
Etwa 180 Meter tiefer liegen riesige Felsbrocken. Ich male mir
aus, dass ein Ausgleiten unweigerlich an diesen Brocken enden
würde! Einige Steine vom stark verwitterten Randbereich stürzen
mit enormer Wucht und Geschwindigkeit an mir vorbei. Gottlob
vorbei, denn der Versuch des Ausweichens würde für mich auch
nur den Weg der Steine folgend bedeuten. Rechts und links ragt
der Fels steil hoch; ein Ausweichen ist also auch sinnlos. Nach
Ausmalung aller schrecklichen Szenarien steige ich sofort wieder
an. Langsam rutscht mein Fuß weg. Zu riskant! Also trete ich
die Flucht nach vorne an, das heißt in diesem Fall: nach unten!
So kläglich mir auch zumute ist, nehme ich nun alles an Disziplin
zusammen, die ich momentan noch besitze. Und ich wundere mich
sogar in dieser Situation, dass ich weitaus mehr davon habe,
als jemals angenommen. Und die Disziplin wächst sogar! Schrittchen
für Schrittchen, unendlich langsam, den Steigfuß jeweils dreimal
kräftig in den Schnee rammend, bevor ich ihn belaste. In den
Fingern verspüre ich heftigen Kältescherz, die sich Halt suchend
im Schnee festklammern. Die körperliche und geistige Anspannung
lässt den Schmerz aber bald gnädig vergessen. Das Leichtstativ
meiner Filmkamera benutze ich als stützenden Pickel; dessen
Lächerlichkeit in seiner unbrauchbaren Wirkungsweise bin ich
mir in meiner Lage sogar voll bewusst. Es ist halt der berühmte
Strohhalm - wirkungslos, doch psychisch ungemein wichtig. Der
Schnee über den Felsen ist nicht mehr sehr mächtig, deshalb
die Gefährlichkeit darauf wegzurutschen. Eine dunkle Wolke schiebt
sich vom Schluchtgrund hoch. Diese schickt mir ein Grollen entgegen,
das sich schaurig in den Felswänden bricht. Erste dicke Tropfen
klatschen in den Schnee, Blitze erhellen für Momente das Geschehen
- ich versuche meinen Abstieg zu beschleunigen. Doch sogleich
schlage ich meinen alten Schritt-Rhythmus wieder an, als die
Füße ein Gleiten signalisieren. Die Lage bleibt leidlich kalkulierbar.
Etwa
90 Minuten mögen vergangen sein. Das Zeitgefühl habe ich beim
Abstieg längst verloren - doch ich bin unten! Nachdenklich schaue
ich auf die gewaltigen Gesteinsblöcke, die von oben gesehen
Horror vermittelten - doch nun können sie mir nichts mehr anhaben.
Nach oben hin ist die Sicht durch die Gewitterwolken gnädig
zugedeckt. Viel empfinde ich nicht mehr zu diesem Zeitpunkt;
ich haste talwärts, bar jeder Orientierung. Mal meine ich eine
Spur zu sehen, mal ein Pfad - doch stets ist es Täuschung. Keinerlei
Rücksicht mehr auf körperliche Unversehrtheit nehmend, treibe
ich mich über glitschigen Boden abwärts. Ich orientiere mich
an einem Rinnsal, folge ihm... das führt schließlich zu
einem Bergbach... und endlich stehe ich auf einem Weg.
Zwei
Stunden später: Wohlig warm, bei einer Flasche Wein, sitze ich
in einer Holzfällerbehausung. Ein kräftiges Abendessen mit großer
Fleischbeilage hilft mir wieder recht bald zu Kräften zu gelangen.
Die Unterhaltung ist eher karg. Die bärtige Fällertruppe schaute
mich zwar etwas eigenartig an - wohl aufgrund meines abgewrackten
Erscheinungsbildes - doch diese haben wohl andere Sorgen und
legen sich bald Schlafen. Ich selber habe eine tiefe und traumlose
Nacht. Erst die folgende wird ein einzig Grauen...
...einen
ganzen Tag habe ich zu Fuß und per Anhalter gebraucht, den Rollepaß
zu erreichen. Im Lager der Passhütte erlebe ich mein Abenteuer
dann in einem schlaflosen Dahindämmern noch einmal - ausgiebig
und in beklemmender Scheinrealität. Am folgenden Morgen, beim
Aufstieg in die Palagruppe bekomme ich bei jeder Überquerung
eines Schneefeldes Brechreiz. Dort im Lagorai ist etwas Tiefes
und Einschneidendes mit mir passiert, was mich auch in Zukunft
wohl noch eine ganze Weile beschäftigten wird. Kurz entschlossen
wird die Palagruppe dann ausgeklammert, um keinen Schnee mehr
sehen zu müssen. Als ich dann beim Abstieg nach Falcade bei
Überquerung eines Bergbaches auf einem glitschigem Steg ausrutsche
und in denselben falle - und dabei dann auch noch die Filmkamera
den Nässetod erleidet - ist es endgültig um meine Moral geschehen:
Abbruch und per Bus zurück nach Seis.
Später
dann sah ich mein Erlebnis nur noch als positiv an. War ich
doch nie zuvor und nie danach in meinem Leben so konzentriert
und diszipliniert, als an jenem Tag in den Bergen der Lagorai-Gruppe.

Der Monte Cauriol inmitten der einsamen
Lagoraigruppe
6. Das Leuchten am Pass
Ich
war auf dem Dolomitenhöhenweg 2 unterwegs, meiner ersten großen
Gebirgswanderung. Diese Tour wurde für mich das prägende Erlebnis
für viele zukünftige Jahre. Deshalb hat die folgende Schilderung
für mich auch sehr viel Bedeutung erlangt. Eigentlich ein Erlebnis,
so klein und bescheiden, dass es für einen Außenstehenden überhaupt
nicht bemerkt wurde - ein Mosaiksteinchen nur. Vielleicht auch
nur, weil dieser Tag für mich ein besonderer war. Der 9. Tag
auf meiner langen Wanderung neigte sich bereits…
Begonnen
hatte alles an einem Montagmorgen in Brixen, im Eisacktal. Dort
am nordwestlichen Rande der Dolomiten, hatte ich meine Tour
gestartet, mit viel, viel Gepäck im großen Sack, der meinen
Rücken zur Gänze ausfüllte. So war ich nun im Begriff, meine
erste Weitwanderung zu starten, die mich in etwa 12-14 Tagen
quer durch die Dolomiten bis nach Feltre an deren Südrand führen
sollte. Da stand ich nun auf der großen Almfläche des Plose-Gipfels
vor jenem Markierungsstein, der den Anfang des Höhenweges anzeigte.
Etwas verzagt stieg ich in eine Welt ein, die voller, für mich
ungelöster Rätsel steckte. Grau der Himmel, grau das Gestein
und ein kühler Wind trieb mir Feuchte in die Augen. Die Bergschuhe
eine Nummer zu klein - hatte mir doch niemand gesagt, dass im
Laufe des Tages die Füße an Umfang zulegen. Schmerz, Einsamkeit
und Ermattung legten sich aber bald, als ich den Anstieg zur
Schlüterhütte geschafft hatte. Der Raum füllte sich rasch mit
Wanderern, die ebenso meinem Ziel folgten, dem Höhenweg 2. Die
Stimmung beim Wein stieg mächtig an. So wurde mein erster Hüttenaufenthalt
eine prägende Erinnerung. Später konnte ich schon differenzieren,
wer als angenehmer Gesprächspartner einzustufen und wer gerne
den Prahlhans und Wichtigtuer spielte. Das hatte ich schon schnell
begriffen!
In
der übernächsten Nacht durfte ich dann einen ausgemachten Nachtfrost
durchzittern, und in der darauf folgenden einen Sturm im Hochgebirge;
und wiederum Tage weiter, schon jenseits der Marmolada, als
ich völlig geschlaucht von der Tagesmüh schon reichlich deprimiert
die Tour deshalb abbrechen wollte, weil die italienische Hotelmanagerin
am Pelegrinopass mich als Scheissdeutschen bezeichnete. Ich
hatte mir die Frechheit herausgenommen, in deren Hotel nächtigen
zu wollen. Wohlgemerkt - Rucksackgäste gehörten nicht zur bevorzugten
Klientel in der aufstrebenden Bergwelt mit Pauschaltourismus.
So hatte ich in meinem kurzen Bergler-Leben in wenigen Tagen
schon viel gelernt. Aber auch, dass man nicht so schnell aufgibt,
denn am nächsten Morgen schien die Sonne schon wieder so prächtig,
dass mich die Landschaft förmlich aufsog. Hinauf ging es in
die Palagruppe - ein wundervolles Reich. Die Reihen derer, die
sich aufgemacht hatten nach Feltre zu marschieren, waren bereits
soweit gelichtet, dass sie nur noch aus einem Ehepaar und meiner
Person, dem Bergsolisten, bestand. Das hatte ich dann auch schnell
gelernt, dass zwischen Wollen und Tun gewaltige Lücken klaffen
können.
Bisher
hatte sich die Bergsonne in fröhlichster Laune gezeigt und lud
geradezu ein, weiter in das Reich der "Bleichen Berge" einzudringen.
Doch nun am Südrand der Palagruppe wurde auch die Sonne bleich.
In der lückenhaft gefüllten Trevisohütte tat dann der brennende
Kamin für den Körper schon etwas Gutes. Und die Seele ließ sich
auch recht angenehm baumeln; dafür sorgte schon der Geist aus
der Flasche.
Die
Luft stand bleiern am nächsten Morgen und es tröpfelte. Im schon
fortgeschrittenen Tagesverlauf und nach Prüfung aller Unwägbarkeiten,
die ein schlechtes Wetter am Berg mitbringen kann, entschloss
ich mich, den Weg zum Ceredapass doch noch am gleichen Tage
zu gehen. Dieser führt recht lange und durch eine bei dieser
Wetterstimmung trostlos wirkende Einsamkeit über den Kamm der
d'Oltro-Berge. Alle Tage hatte ich es vorgezogen tagsüber alleine
meinen Weg zu machen. Ich wollte meinen Gedanken nachgehen,
Zeit zum Filmen haben und vor allem die Seele ausloten. Doch
nun zog ich es vor, mich dem Ehepaar anzuhängen. Es wurde düster
und düsterer…, und auf den Graten wurde es sogar fürchterlich.
Ein Gewitter war mittlerweile dermaßen grauslich aufgezogen,
dass selbst bei aller vorantreibenden Anstrengung, stille Verzagtheit
und Ergebenheit ins Schicksal, die Abenteuerlust merklich ausbremste.
Der Weg erschien mir endlos, und der fehlenden Sicht wegen glaubte
ich mich im Kreise zu bewegen. Es dauerte Stunden, doch dann
standen wir total verdreckt vor der Herberge am Ceredapass.
Platz
war genügend in dem pensionsartig geführten Haus. Der Sommer
hatte sich bereits verabschiedet. Hier fühlte ich mich sofort
aufgenommen: gedämpftes Licht, beschlagene Scheiben; draußen
tobte das Unwetter, drinnen anheimelnde Wärme. Die Wirtsleute
strahlen eine stille, unaufdringliche Ruhe aus - fast scheu.
Wir sind naß bis auf die letzten Fetzen Stoff und noch ein bisschen
mehr. Zwischen den Vorräten im Keller, an der Heizanlage, dürfen
wir unsere Sachen ausbreiten, zum Trocknen. Nach und nach treffen
noch einzelne kleine Bergwandergruppen ein, die ebenso wie wir
dem Unwetter entkommen sind. Nach der Aufwärmphase hat sich
dann in unserer Zuflucht doch noch eine kleine gesellige Gruppe
zusammen gefunden. Allerlei Erzählbares gilt es auszutauschen;
und so manches Tröpfchen gilt es noch zu süffeln.
Im Halbdunkel des Aufganges zum Schlaftrakt war mir vorher,
eher so beiläufig, ein unscheinbares Poster aufgefallen. Doch
nun schaute ich es mir etwas genauer an: eine Fotografie, schwarzweiß
belichtet, im Hintergrund und etwas verschwommen, mächtig aufragendes
Gebirge; im Vordergrund, auf einer blumengesprenkelten Almwiese,
ein Holzkreuz mit Heiligenfigur - so wie man sie oft im Gebirge
findet. Davor ein Bergbauer, schmächtig in seiner Gestalt, schon
recht bejahrt, den Rücken etwas gekrümmt, die Hände zum Gebet
gefaltet und den Kopf halb hoch gewendet zum blumengeschmückten
Wegkreuz. Alles eigentlich nicht so sehr beeindruckend für mich,
bin ich in meiner Frömmigkeit doch eher erdverbunden. Aber -
und das irritiert mich - es geht ein sonderbares Leuchten von
diesem Bildnis aus und fordert mich dazu auf, ganz nahe heranzutreten,
um dessen Szenerie zu verinnerlichen. Es sind die Augen des
alten Bergbauern: flehend schauen sie hoch, mit eindinglicher
Kraft und doch mit einer Geste, die viel, viel Demut vermittelt.
Nie vorher habe ich solch' flehenden Blick gesehen. Mir läuft
diese Gänsehaut über den Rücken, die man bei einem besonderen
Erlebnis bekommt. Warum betet der alte Mann so eindringlich?
Ist seine Frau verstorben, hat er möglicherweise ein Kind verloren
- oder welch' anderer großer Schaden mag sein Leben verändert
haben? Mich beschäftigt diese Frage noch sehr oft am Abend.
Mehrmals stehe ich an diesem späten Tag noch im Zwielicht des
Treppenhauses, um dieses Bild eindringlich zu betrachten. Seine
Leuchtkraft füllt seltsamerweise die düstere Umgebung seines
Platzes voll aus.
Der
nächste Tag ist ebenso düster, und der Regen prasselt unaufhaltsam
weiter auf die Natur nieder. Ich lungere herum, man lungert
herum, trinkt etwas, man schläft etwas, vertritt sich im Regen
etwas die Füße - und hofft endlich auf den Sonnenstrahl, der
dazu auffordert, den Höhenweg fortzusetzen. Nun, dieser Strahl
lässt sich auch am 3. Tag nicht sehen. So steht dann schnell
fest, dass ein jeder den Weg sucht, der irgendwann nach Hause
führt - per Bus und Bahn oder Auto. Beim Verlassen der Herberge
werfe ich noch einen Blick auf "mein Bild" - es hat seine Leuchtkraft
behalten. Und in den Jahren danach leuchtet es in meiner Erinnerung
still weiter.
Jahre
später... Mittlerweile war ich schon so manchen Höhenmeter durch
die Dolomiten gestapft, hatte so manche Erfahrung gesammelt
und hatte auch schon etwas von jener Unschuld verloren, die
so ein Bergunerfahrener noch hat, der am Beginn großer Wanderungen
steht. Wieder habe ich mich der Palagruppe genähert. So Recht
mit Absicht war ich auf verschlungenem Weg zur Trevisohütte
gelangt. Geplant war, den Höhenweg 2 nun endlich zu Ende zu
führen. Nochmals wollte ich über den d'Oltro-Kamm zum Ceredapass
steigen, um diesen Weg bewusst im Sonnenschein zu erleben; von
dem ich doch nichts anderes in Erinnerung hatte, als jenes schreckliche
Unwetter damals. Hochsommer ist es und drückende Schwüle liegt
in der Luft. Schon bald riecht es wieder nach Gewitter. Schon
blitzt und donnert es in den umliegenden Bergen. Wiederum muss
ich meine Füße in die Hand nehmen und haste Richtung Ceredapass.
Doch diesmal erreichen mich die ersten Tropfen erst, als ich
die Türe des Passhauses schon gesichtet habe. Alles so unbekannt
- bin ich auch richtig hier? - schaue ich mich fragend um, und
lasse meine Augen schweifen, um Orientierung zu finden. Der
Gastraum ist umgestaltet, Wände sind umgesetzt, alles wirkt
etwas moderner - und auch heller. Die Wirtsleute sind nun jünger
und italienisch forsch. Lebhaftes Gemurmel und Gläserklang hallt
durch den Gastraum. Kinder schreien, und alles ist sonntäglich
prall gefüllt. Noch ist es Mittagszeit. Ich finde irgendwo ein
freies Plätzchen, bestelle mein Mahl und einen Trank. Doch dann
pocht in mir eine leise Ungeduld: Ist "mein Bild" noch am Ort
- oder vielleicht doch wahrscheinlicher, ist es in der Zwischenzeit
der modernen Umgebung zum Opfer gefallen? Endlich stehe ich
auf, um meinem Unbehagen und der Ungewissheit ein Ende zu bereiten...
Ja, es hängt noch an seinem Platze im schummrigen Aufgang; etwas
angestaubt, doch scheinbar unverändert. Doch so sehr ich das
Bild nun auch aus allen Blickwinkeln betrachte, die Faszination,
die damals davon ausging und die ich in all den vergangenen
Jahren verinnerlicht hatte, sie ist verschwunden. Ich suche
nach einem erklärbaren Grund? War es die anheimelnde Wärme und
Geborgenheit meiner damaligen Zuflucht, die nun verloren gegangen
scheint; oder war es die zur Melancholie neigende frühherbstliche
nasse und nebelige Stimmung, die nun doch so ganz fehlt? Draußen
scheint die Sonne schon wieder in nachmittäglicher, blendender
Pracht. Die Umgebung stimmt ganz einfach nicht mehr mit dem
Damals überein. Etwa so, wie bei einem Kalenderblatt aus vergangenen
Zeiten, das man vergaß, zu entfernen. Das Bild hatte seinen
angestammten Platz, seine Heimat verloren! Ja, so musste es
wohl sein.
Zufrieden
bin ich mit meiner Erklärung jedoch nicht. Irgendwie spüre ich
tief in meinem Inneren, dass ich womöglich selbst der eigentliche
Grund bin. Damals war ich erfüllt von den Ereignissen meiner
ersten langen Bergwanderung, und war wohl auch benommen von
der Stille und Einsamkeit, der ich mich auf meiner Wanderung
oft ausgesetzt fühlte; und war wohl auch erfüllt von einer leisen
Demut, die man nur zu bestimmten Zeiten und in gewissen Situationen
erfühlt und verinnerlicht. So ein Tag muss gewesen sein. Und
all das zusammen musste wohl das Licht erzeugt haben, welches
ich eindrücklich erlebt hatte. Und ich spüre - das war der wahre
Grund für das "Leuchten" am Pass.

Von der Rotwandwiese beugt sich dieser
Baum zum Sextener Tal runter
7. Val di San Lucano
- Traum und Alptraum
Die
Spitze des Monte Agner steht wie eine Laterne über dem Val di
San Lucano. Diese zündet ihr Licht jedoch erst am frühen Morgen,
wenn die Sonne sich anschickt, den Tag freundlicherweise auszuleuchten.
Etwas griesgrämig schaue ich aus verquollenen Augen dem neuen
Tag entgegen. Die Nacht hatte wenig Schlaf gebracht. Widerwillig
würge ich zum Frühstück einen Happen hinunter; ein Schluck kalter
Milch fördert das ganze schließlich abwärts. Meine Gedanken
sind auf jener großen Schlucht fixiert, die hinauf zum Biv.
Bedin führen soll - der Boral delle Besausega.
Es ist
dies der dritte Versuch der letzten Tage. An den beiden vorhergehenden
hatte der Himmel mehr Nässe denn Sonne gebracht. Und hatte deshalb,
um nicht am Fleck verharren zu müssen, per Auto jene Berge aufgesucht,
die sich östlich der Dolomiten erheben. Bestiegen habe ich diese
dann auch nur per Auto. Einige Dörfer abseits der Hauptstraßen
wurden ebenso Programm, wie einige schmucke Kirchen. Einen weiteren
verregneten Tag verbrachte ich dann damit, Bergblumen im Nässeglanz
zu fotografieren. Und es regnete weiter, so als hätte die Natur
panische Angst, dass ohne ihre Ergüsse die gesamte Menschheit
verdursten würde. In meinem mitgebrachten Buch "Herr der Fliegen",
kam ich deshalb den besonderen Umständen entsprechend recht
gut voran.
Das Val
di San Lucano begeisterte mich erstmals, als ich wenige Jahre
vorher über die Berge der östlichen Palagruppe jenseits vom
Val Gares herüber kam. Sogleich fielen mir diese jäh gegen Himmel
strebenden Berge auf, die mit ihren Steilwänden das Tal gegen
Norden abschotteten. Etwas düster wirkten sie; und bei wenig
Sonnenlicht schauten diese auch nicht ganz so freundlich aus.
Ganz anders dagegen die südliche Talbegrenzung. Dort stehen
die Wände des Agner-Gruppe. Höher noch als ihre jenseitigen
Nachbarn und im hellen Dolomit-Mantel leuchtend. Inmitten aller
Schroffheit breitete sich der freundlich anmutende Talgrund
von San Lucano aus. Den Schweiß des Tages hatte ich bereits
unter paradiesisch anmutenden Kaskaden abgewaschen, die etwas
versteckt im ansteigenden Talschluss herunterrauschten.
Man mag dieses Tal links liegen lassen, wenn man von Agordo
kommend das Dörfchen Taibon durchfährt. Doch neugierige Menschen
(ich gehöre dieser Gattung an), spüren gerne Unbekanntes
auf. So lenkte ich meinen Wagen, bereits wohlwissend um dessen
schönes Geheimnis, taleinwärts. Ein Wirtschaftsweg jenseits
des Talschlusses erlaubt mir die Fahrt bis zu einer Parkbucht
auf ca. 1200 m Höhe fortzusetzen. Es ist dies' eine wunderschöner
Sonntagmorgen. Ein recht steiler Waldpfad leitet mich auf meinen
Profilsohlen höher und höher. Ich dampfe mit der Feuchte, die
nun aus den Gräsern hochsteigt um die Wette. Bei Höhe 2000 durchsteige
ich durch die Forc. Gardes. Darüber breitet sich eine überaus
herbliebliche, teils holprige Hochebene aus. Alpenrosenfelder
leuchten in schwelgerischer Pracht. Eine aufgescheuchte Viper
nimmt vor meinen klobigen Bergschuhen hastig schlängelnt Reißaus.
Weglos steige ich höher, bis ich die Abbruchkante dieser dunklen
Felsgestalten erreiche. Jäh stürzt der Blick von dort ins Leere.
Halt suchend tasten sich die Augen an steilsten Felsmassen abwärts,
die schließlich tief unten im Talgrund ihren Endpunkt finden.
Durch üppig wuchernden Latschenbewuchs und kleinen verwunschenen
Alminseln versuche ich entlang der Abbruchlinie zu wandern.
Ab und an bricht polternd ein Brocken aus den Wänden, der dann
mit hohlem, grollenden Klang die Tiefe sucht. Gegenüber im hellen
Licht räkelt sich der Monte Agner in den Sonntagshimmel - und
die Croda Grande zeigt sich nicht minder eitel. Ich versuche
den Orsa-Klettersteig auszumachen, der dort hinauf führt. Zwei
Jahre vorher hatte ich dieses wenig berührte Stück Natur der
östlichen Palagruppe durchstiegen. Im weiteren Verlauf wurde
der Tag nun recht warm; flirrend und träge lag die Luft über
den Gräsern. Erst als die Wolken massiger wurden und für nicht
ferner Stunde ein Gewitter versprachen, stieg ich hinunter ins
Tal. Irgendwann wollte ich wohl wiederkommen, um von diesen
Bergen mehr zu erfahren.
… der
Beginn des Pfades liegt unscheinbar und etwas versteckt am Ende
einer großen Kiesgrube. Über diesen steige ich nun an, durch
dichtes Laubwerk und Gräsern. Manchmal kaum fußbreit und arg
steil. Alles ist voller Nässe; zuviel Feuchtigkeit hat sich
in den vergangenen Tagen angesammelt. Nass und träge kleben
die Hosenbeine an den Schenkeln. Hin und wieder leuchtet der
Monte Agner herüber, wenn sich das Baumwerk etwas lichtet. Mein
Rucksack ist für zwei Tage gepackt. Die Nacht möchte ich gerne
im Bivacco Bedin verbringen. Anstrengend zieht der Pfad höher.
Das Rauchen habe ich gottlob schon vor langen Jahren aufgegeben
und habe deshalb zumindest mit der Luft keine Schwierigkeit.
Nach ca. 500 - 600 Metern Anstieg verliert sich die Pfadspur.
Ich versuche Markierungen ausfindig zu machen. Blasse, rötliche
Flecken sind augenscheinliche Wegweiser; doch diese erweisen
sich nur als Farbschattierungen im Gestein. Über grobes Blockwerk
steige ich höher. Eine schluchtartige Einbuchtung leitet auf
natürlicher Weise bergan. Diese endet nach etwa 300 Metern vor
einem leicht gestuften Steilaufschwung als Sackgasse. Irritiert
schaue ich mich fragend um: keine Markierung, keine Pfadspur
- nichts? Wenn das so weitergeht komme ich in Zeitnot. Der Weg
zum Bivacco Bedin ist sehr weit. Dort oben möchte ich zwar übernachten,
aber ich möchte auch nicht zuviel der Zeit verplempern, da mir
der Weg dorthin nicht bekannt ist. Nun werde ich etwas ärgerlich!
Warum zeichnet man Wanderwege in Karten ein, wenn dann doch
keine da sind? Da aber der Möglichkeiten nur zwei sind - vor
oder zurück - steige ich, dabei jeden Tritt auf lockeres Gestein
prüfend, die etwa 10 - 12 Meter hohe recht steile Stufung an.
Eine Felsnase lugt an deren oberen Ende aus dem erdigen Gesteinsboden
hervor. Prüfend drücke ich mit Handkraft dagegen, ob diese auch
genügend Festigkeit hat, mein Körpergewicht zu halten. Es gibt
keine Bedenken. Talseitig, auf dem rechten Bein das Gewicht
lagernd, ziehe ich mich hoch. Doch dann muss plötzlich irgendwie
sehr viel Verwunderung in meiner Mimik liegen, als sich so scheinbar
in Zeitlupe diese Felsnase löst. Die Gedanken sausen durch den
Kopf - in rasender Fülle. Warum hat Luft keine Haken… warum
stehe ich auf dem rechten Bein, warum nicht auf dem linken?
Wird der Aufschlag sehr wehtun…? Der Weg nach unten ist noch
kaum begonnen, und doch ist er innerlich bereits vollzogen.
Tausend Gedanken eilen den Geschehnissen voraus, die nun doch
unabänderlich werden. In einer Reflexbewegung stoße ich mich
vom Stein weg, der sich nun als ein etwa 70 cm starker Brocken
erweist. Nur nicht mit ihm zusammen aufschlagen, er wird dich
zerschmettern, fliegen die Gedanken durch das Hirn. Ich schlage
kurz auf - mal kopfunter, mal kopfober - ich weiß es nicht…
schlage nochmals an. Durch die Wucht des endgültigen Aufpralls
überschlage ich mich noch einmal. Dann liege ich inmitten des
grobschotterigen Abhangs. Stille! Nicht denken, nicht bewegen,
nicht atmen. Zwei- drei Minuten lang. Es ist dies eine wunderbare
Gnade der Natur, bei großem Körperstress keinen Schmerz zu verspüren.
So nach und nach lässt die Betäubung des Körpers etwas nach.
Und damit setzt auch das Denken wieder ein. Noch bewegungslos
liegend versuche ich eine Diagnose zu erstellen. Anhand der
Schmerzpunkte versuche ich meine Verletzungen aufzuspüren. Innere
Verletzungen… Brüche… Wunden? Ganz, ganz langsam versuche ich
meinen Gliedern mit kaum merkbaren Bewegungen Leben zu geben.
Ich taste mit den Fingern durchs Gesicht. Ist noch alles vorhanden?
Blut bleibt an der Hand zurück. Schmerz breitet sich nun im
Brust- und Bauchraum aus. Die Steine im Fußbereich färben sich
rot. Soweit es mir möglich ist, ziehe ich das linke Hosenbein
hoch. Im Wadenmuskel ist ein klaffendes Loch. Daraus hervor
blutet es unaufhörlich. Ein polterndes Geräusch von oben lässt
reflexartig die linke Hand über das Gesicht heben. Aus der Ausbruchstelle
kommt ein großer Stein auf meinen Kopf zu geschossen. Haarscharf
vorbei! Dieser bringt nun endlich etwas Leben in meine Glieder:
Mir scheint, soweit ich das nun erfühlen kann, dass nichts gebrochen
ist; zumindest nicht an den Gliedmassen. Mühsam versuche ich
den Rucksack hinter mir hervorzuziehen. Die Apotheke befindet
sich natürlich ganz unten. Mit Mullbinden versuche ich die Blutung
des Wadenmuskels zu stoppen. Ich ziehe mein Hemd aus der Hose,
um die Bauchfläche zu sichten. Oberkörper und Arme sind auf
der gesamten Hautfläche tief zerschrammt. Es fällt mir nun auf,
dass ich auch eine Brille hatte; diese sichte ich 3 Meter oberhalb
im Schotter liegend. Ich öffne die Kameratasche: Das Objektiv
steckt windschief, der Kamerakörper selber hat arge Blessuren.
Der Rucksack hat Löcher und Risse, meine Kleidung ebenfalls.
Kraftlos wie ich mich augenblicklich fühle, mache ich einen
ersten zaghaften Versuch eine aufrechte Stellung zu erreichen.
Langsam komme ich hoch - die Beine tragen. Und dann werde ich
ärgerlich: so ein blöder Felsbrocken verleidet mir den Tag.
Ich werde weiter hochsteigen und das Biwak erreichen - ja das
will ich! Die Mullbinde ist bereits wieder durchtränkt und wechsle
sie erneut aus. Nun bekomme ich Heißhunger und verschlinge hastig
einen Apfel. Wenn das geschieht, so weiß ich aus Erfahrung,
stimmt mit dem Kreislauf etwas nicht. Der Schmerz beginnt jetzt
überall. Mein Denkvermögen kommt nun nach und nach wieder zu
realistischen Betrachtungen. Und diese sagen mir nun deutlich,
dass es nur abwärts gehen kann, und nicht etwa nach oben. Langsam,
ganz langsam taste ich mich talwärts. Nach zwanzig Metern ist
wieder eine neue Mullbinde fällig. Diesmal stelle ich einen
ordentlichen Druckverband her. Endlich erreiche ich den Aufstiegspfad.
Immer schön an Zweige klammernd, schleife ich mich talwärts.
Nach guten weiteren 2 Stunden lasse ich mich erschöpft in die
Polster meines Wagens fallen. Im Geiste steige ich dann noch
mal hoch - wie konnte das passieren? Mein Glück - so denke ich
- war wohl mein Rucksack. Dieser muss mich letztlich beim Aufschlag
geschützt haben, und hat mich wohl so auch vor ärgsten Verletzungen
bewahrt. Die Wunde im Bein muss ein spitzer Stein verursacht
haben. Ich ziehe die zerlöcherte Kleidung aus, neue an, und
versuche ein wenig Pflege meinem geschundenen Körper angedeihen
zu lassen. Sollte ich den ADAC benachrichtigen, um den Wagen
nach Hause bringen zu lassen, überlege ich? Und fahre dann doch
selber, weil ich das Bedürfnis habe, auf dem schnellsten Wege
nach Hause zu eilen. Später auf der Autobahn kann ich mich im
Sitz kaum noch rühren - ich versteife förmlich. Das lädierte
Bein wird immer dicker, und das Treten der Kupplung wird zur
Tortur. Sehr spät am Abend und 900 km weiter liege ich in meinem
Bett.
Außer Narben nichts, weiß ich später. Kein Bruch, keine inneren
Verletzungen. Eine knappe Woche Bewegungslosigkeit, dann geht
es wieder aufwärts.
Zwei
Jahre später - wieder bin ich auf dem Weg zum Biv. Bedin. Ab
einer bestimmten Höhe halte ich intensiv Ausschau, weshalb ich
wohl falsch gelaufen war. Der richtige Weg, so dämmert es nun
bei mir, bog links weg; ich hingegen bin geradeaus weiter gegangen.
Der Grund dafür: der sehr schmale Pfad war fast gänzlich von
Gras überwuchert. Und ich muss wohl ganz viel geträumt haben
an jenem Morgen.
Nun, auf diesem Weg habe ich es immer noch nicht zum Biv. Bedin
geschafft, weil ich später, am Ende der großen Aufstiegsschlucht
ganz einfach keine Lust mehr hatte, weiter zu steigen. Sei es
nun aus natürlicher Müdigkeit oder vielleicht auch, weil ich
mittlerweile zuviel Respekt hatte vor diesem besonderen Weg
in den Bergen des Val di San Lucano.

Die Palagruppe mit Cima Vezzana und Cimone
della Pala
8.
Die Dolomiten-Höhenwege…
...
im klassischen Sinne führen jeweils mehr oder weniger von Nord
nach Süd durch das Hauptgebiet der Dolomiten. Ein weiterer verläuft
im östlichen Randbereich jenseits der eigentlichen Dolomiten.
Im Laufe der Jahre wurden weitere hinzugefügt - zumeist von
West nach Ost. So sehen die Strecken der Weitwanderwege auf
den Wanderkarten oftmals wie die Linien auf Schnittmusterbögen
aus. Über deren Sinn lässt sich streiten. Ich meine: es ist
genug! Für meinen Teil habe ich es so gehalten, dass ich nach
Begehung der klassischen "Fünf" - und auch schon zwischendurch
- eigene Wege gesucht habe. Alle Wege bin ich vom Grundsatz
her alleine gegangen, um meinen Gedanken und Gefühlen so möglichst
von jeder Störung fern zu halten.
Aufmerksam wurde ich auf dieser Art Weitwanderung im Jahre 1980,
als ich zum ersten Mal den Dolomitenraum betreten hatte. Begonnen
hat dann alles mit dem Höhenweg 2: weil mir Teilstücke des Wegs
bekannt waren, am einfachsten zu begehen sei; mich aber auch
wegen seiner Länge reizte. Meine Charakterisierungen sind natürlich
wie bei allen Beschreibungen subjektiver Art. Immer kommt es
auf den persönlichen Blickwinkel an. Und immer ist das Erlebte
auf solcherart Wanderungen sehr entscheidend: wie hat man die
Menschen erlebt, wie war das Wetter, wie die Unterkünfte, die
Schwierigkeiten und Strapazen. Also schreibe ich gänzlich aus
meinen ganz persönlichen Erinnerungen heraus. Diese würden dann
auch für ein ganzes Buch ausreichend sein, doch ich will mich
nur auf das Wesentliche beschränken. Für mich steht und stand
nie der sportliche Aspekt im Vordergrund, sondern ausschließlich
das sinnliche Erlebnis und die Schönheit des Weges.
Wettermäßig bedingt ist der Spätsommer bzw. Frühherbst zur Wanderung
vorzuziehen, weil die Gewitterneigung stark nachlässt, die Sicht
merklich klarer und der Bergtourismus in erträglichen Bereichen
abgesenkt ist. Hüttenübernachtungen sind auf solchen Wegen unabdingbar.
Deshalb - Erkundungen einholen, wie lange die einzelnen Hütten
geöffnet haben. Im Laufe der Jahre wurden aber viele Hütten
bis zum Herbst hinein offen gelassen. Dafür hat schon der massenhafte
Bergtourismus gesorgt.
Nun
kann es aber auch schon losgehen. Lust zum Laufen mitzubringen
ist obligatorisch. Luft auch, denn diese kann schon mal nicht
ausreichend sein. Und dann braucht man wiederum die Lust, die
Höhenwege auch zu Ende zu gehen. Nur Teilstrecken zu wandern
wird durchaus schön sein aber endlich ist es nur unbefriedigend,
weil das Erlebnis der Langzeitwanderung dadurch kaputt geht.
Was man im Rucksack tatsächlich braucht ist eher wenig: Ein
paar Klamotten zum wechseln, eine Rucksackapotheke und je nach
Höhenweg eine Klettersteigkombination. Am wichtigsten sind eigentlich
nur die Schuhe: fest und knöchelhoch; daran sollte wirklich
nicht gespart werden. Proviant nur mitschleppen, wenn unbedingt
gespart werden muss. Jedes Kilo mehr mindert etwas das Erlebnis.
Wer gerne und ausgiebig filmt und fotografiert hat natürlich
mehr auf seinen Schultern mitzuschleppen. Ich spreche da aus
leidvoller Erfahrung. Meistens sind die Wege gut ausgezeichnet.
Verlassen sollte man sich aber nicht darauf. Deshalb schon zur
Übersicht einige Karten mitnehmen. Zur Empfehlung nur soviel:
Die Tabacco-Karten sind von ihrer Handlichkeit her nicht immer
das Optimale, von der Qualität her fast immer einzigartig. Also
los! Am Anfang steht immer die Lust.
Höhenweg
Nr. 1
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