Erzbergbau

Anfänge des Erzbergbaus im Erzgebirge

Der Bergbau in Sachsen, speziell im Erzgebirge, war ein über Jahrhunderte hinweg bedeutender Wirtschaftszweig, der allerdings 1990 völlig zum Erliegen kam. Das erste Silbererz fand man im Jahre 1168 im Meißner Land, nahe dem heutigen Freiberg. Ob man das Silber durch Zufall gefunden oder gezielt danach gesucht hatte, ist nicht bekannt. Durch weitere Silbererzfunde wurde das Erzgebirge zunehmend besiedelt. Aber noch fehlten Fachleute und starke Männer, die die harte Arbeit über- und untertage bewältigen konnten. Marktgraf Otto von Meißen lockte deshalb viele (Berg-) Leute mit ihren Familien ins Erzgebirge. Er versprach beispielsweise die Freiheit der Person und die Befreiung von Grundlasten bei Abgabe des Fronteils. Außerdem durften sie schürfen, wo immer sie wollten. So dauerte es nicht lange bis viele ihr Glück im noch "unentdeckten" Gebirge, dem späteren Erzgebirge, machten.

Die noch unbekannte Arbeit mit einem kleinen Öllämpchen und mit Schlägel und Eisen im finsteren Berginneren eröffnete Vielen eine Welt voller Gefahren und Aberglaube. Dieser Aberglaube, der sich in den beiden Anfangsjahrhunderten des Silberbergbaus ausbreitete, spiegelt sich an vielen Stolln- und Schachtnamen wieder. Später drängte sich aber immer stärker der christliche Glaube vor, wie an den vielen prächtigen Kirchen in erzgebirgischen Städten zu sehen ist.

Innenansicht der Johanngeorgenstädter Kirche

Langsam bildeten sich auch Bergbrüder- und Knappschaften, um die Rechte des Bergmanns durchzusetzen. Bergleute waren dadurch sogar vom Soldaten und Kriegsdienst befreit.

Nach und nach wurden aus einfachen Bergmännern erfahrene Fachleute, sodass die erste Technik für Bergwerke entwickelt wurde, was nicht zuletzt durch den immer komplizierter werdenden Betrieb der Bergwerke wegen der zunehmenden Größe und Tiefe der Schachtanlagen ausgelöst wurde. Trotzdem blieb die Arbeit hart und schwer. Etwas später kamen die ersten Hunte und Haspeln zum Einsatz, die die Arbeit schon etwas leichter machten. Vereinzelt konnte man auch schon mit Pferden betriebene Göpel auffinden, die das gewonnene Erz zu Tage förderten. Die Aufbereitung der Erze wurde meist von Frauen und Kindern durchgeführt und war eine schlecht bezahlte und dreckige Arbeit. Arzt und Wissenschaftler Georgius Agricola (lat. Georg Bauer 1494- 1555) befasste sich um circa 1520 intensiv mit den Problemen des Bergbaus, fertigte Zeichnungen zu den Techniken des Bergbaus an und machte nützliche Vorschläge zu deren Verbesserung. Nach dem Rückgang des Erzbergbaus durch Seuchen und Kriege im 16. und 17. Jahrhundert, blühten die Silberbergwerke wieder auf. Es wurde immer fortschrittlichere Technik entwickelt, sodass dieser Aufschwung zur Gründung der weltberühmten Freiberger Bergakademie im Jahre 1765 führte, der ersten und ältesten bergbautechnischen Hochschule der Welt. So wurde Freiberg zum Zentrum der Bergwissenschaften. Zu den Schülern der Akademie zählten unter anderem Alexander von Humboldt, Freiherr von Stein und Clemens Winkler. Durch die Einführung von Goldmünzen als Zahlungsmittel im 19. Jahrhundert, den Verfall des Silberpreises, sowie den Rückgang der Ausbeute in den Silbergruben und den immer weiter steigenden Kostenaufwand für die Betreibung der Schächte, ging der Silberbergbau entgültig nieder. Nur in wenigen Gruben, wie in Johanngeorgenstadt, Freiberg und Schneeberg, fand noch Abbau von Buntmetallerzen statt. Aber Mitte des 20. Jahrhunderts kam es auch dort wegen Unrentabilität und zu hohen Kosten zum Erliegen des Berbaus. Als Zeitzeugen blieben Stolln, Schürfgruben und Halden zurück, die an die harte und schwere Arbeit erinnern, die viele Generationen von Menschen ausführten. Den Namen "Erzgebirge" hat sich dieses Gebirge nicht nur durch zahlreiche Silberfunde verdient. Auch durch Erze, wie Nickel, Kobalt und Wismut, erhielt es seinen Namen.

1945-Neue Bergbautechnik im Erzgebirge

Ab dem Jahre 1945 forschten deutsche und russische Geologen in den Stolln und Schachtanlagen von vergangenen Jahrhunderten, denn sie vermuteten dort das früher fast unbekannte radioaktive Erz Uran, das man hauptsächlich zum Bau von Atombomben brauchte. Jetzt lockte das große Berggeschrei, wie es vor 700 Jahren schon einmal aufkam, wieder Tausende von Menschen ins Erzgebirge, nicht zuletzt wegen reichlich Nahrung und Geld, das nach dem 2. Weltkrieg ziemlich rar war. Allerdings wurden zu Beginn der Wismutzeit auch viele Menschen zwangsverpflichtet, im Bergbau zu arbeiten. Wo in alten Schächten schon Uran gefördert wurde, früher zu Färbungszwecken, fing man an diese Schächte wieder in Gang zu bringen und das reichlich vorhandene Uranerz zu fördern. So zum Beispiel in Johanngeorgenstadt, was im Laufe der Zeit zum Uranbergbauzentrum mit über 80000 Bergleuten heranwuchs, aber heute nur noch rund 6000 Einwohner hat. Natürlich musste schnell abgebaut werden, das heißt es mussten auch neue Maschinen entwickelt werden, die die Arbeit erträglicher und schneller machten. Doch die Maschinen russischer und schwedischer Bauart erwiesen sich noch als äußerst primitiv und aufwendig.

Da aus allen Gebieten Männer, Frauen und Kinder ins Erzgebirge kamen, entstand ein völlig bunt zusammengewürfeltes Volk, was natürlich auch eine hohe Kriminalität verursachte, die sich aber nach einigen Jahren wieder legte. Die Wismut, eine sowjetische (SAG), später sowjetisch deutsche Aktiengesellschaft (SDAG), war der Betreiber des Uranbergbaus. Der Bergbaubereich im Erzgebirge wurde zum Speergebiet erklärt und Ortsfremde durften nur noch mit einer Sondergenehmigung einreisen. Untertage gab es durch die neuen Maschinen, wie beispielsweise E- Loks und Bohrmaschinen, eine erhebliche Erleichterung der Arbeit, es entstanden aber auch neue Krankheiten, wie kaputte Gelenke und Knochen, Taubheit, Staublunge und wie vor 700 Jahren auch, die sogenannte "Schneeberger Krankheit", der Lungenkrebs, der durch das radioaktive Gas Radon verursacht wird.

Fast alle neuen Maschinen wurden mit Druckluft betrieben, die umgangssprachlich als Pressluft bezeichnet wird.

Bergmann nach 1945 mit Karbidlampe und Schlägel

1989 und damit mit der Wende wurden alle Bergwerke im Erzgebirge entgültig geschlossen. Man bekam Erze billig aus dem Ausland, die Bergwerke wurden zu teuer und verloren an Bedeutung. Heute sichert die inzwischen zur Wismut GmbH umstrukturierte Firma nur noch alte Stolln, wobei Russland nicht mehr daran beteiligt ist. Jeder Bergmann erinnert sich mit Freude an die schönen Zeiten zurück, die er mit Liebe zu seiner Arbeit verbracht hat. Dieses über Jahrhunderte andauernde Handwerk wird für immer in guter Erinnerung bei all denen bleiben, die in irgendeiner Weise mit dem Bergbau verbunden sind oder es noch werden.

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