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Späte Vergeltung
Im Haus waren noch deutlich die Spuren der Kriminaltechniker zu sehen.
Sie hatten wohl versucht alles möglichst ordentlich zu hinterlassen,
dennoch sah man ihre Spuren. Oltmanns und Brunken standen im Arbeitszimmer
und sahen durch die Dachluke auf den Dachboden hoch. Sie konnten den
Balken sehen, an dem er hing.
Brunken schüttelte sich.
>>Was ist?<<, fragte Oltmanns.
>>Es ist der Ort.<<
Brunken verschwand in den Flur. Oltmanns blieb noch stehen und sah nach
oben zu dem dicken, dunklen Balken. Er wußte was Brunken verspürte.
Schauplätze von Morden hatten immer etwas seltsames an sich, etwas
magisches, mystisches. Auch hier, in einem ganz gewöhnlichen Zimmer
konnte man es spüren. Das Verbrechen würde für immer auf diesem Zimmer
lasten und bei jedem, der es betrat dieses Gefühl hervorrufen.
Er trat an die Leiter heran. Die Holzsprossen knarrten bei jedem Schritt,
den er auf ihnen nach oben stieg. Das Gefühl wurde immer stärker. Als er
oben stand, hielt er sich am Dachbalken fest. Er war jetzt ungefähr auf
derselben Höhe, auf der Stefan Winkler hing. Nur gehalten von einem Seil,
daß sich um seinen Hals legte, ganz eng und ihm die Luft raubte.
Oltmanns stieg wieder herunter. Er schüttelte sich unwillkürlich, als er
die Tür verschlossen hatte und sich auf dem Flur nach Brunken umsah. Er
konnte hören, wie unten eine Tür geöffnet wurde. Er folgte dem Geräusch.
Brunken stand draußen im Garten und betrachtete die Blumenbeete. Oltmanns
trat dazu.
>>Was suchst du hier?<<
>>Ich wollte mich nur mal umsehen.<<
>>Laß uns fahren.<<, sagte Oltmanns.
>>Wohin?<<
© 2003 Ivo Nils Stahmer
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