Vorneweg noch etwas: Die Charaktere der Geschichte sowie die Idee zu dieser gehören rechtmäßig mir, Kawari.

Wir werden sehen



"Verdammt!", dachte sich Jason. Er wusste in dem Moment, als die Alarmsirenen los gingen, dass sie ihn entdeckt hatten. Schnell schnappte er sich die Ledergebundene Mappe mit den Unterlagen, die sein Vater ihm hinterlassen hatten und wegen denen er an diesen gefährlichen Ort gegangen war und kletterte auf einen, an der Wand stehenden, Aktenschrank. Von dort aus löste er das Gitter des Lüftungsschachts. Panik begann sich in ihm auszubreiten als er mehrere paar Füße den Gang draußen entlang laufen hörte. Füße, die direkt in seine Richtung liefen. Jason schob die Mappe in den Lüftungsschacht und kletterte hinterher. In dem Moment als fast sein gesamter Körper in dem Schacht verschwunden war, öffnete sich die Tür des Raumes und mehrere bewaffnete Soldaten traten ein. Einer der Soldaten sah noch wie Jasons rechter Fuß gerade in dem vermeintlichen Zufluchtsort verschwand und handelte so, wie sein Befehl in solch einer Notsituation lautete: Er schoss.

Jason erschreckte sich als die Kugel genau neben ihm in das Metall des Schachtes einschlug. Ihm bleib keine Zeit sich von seinem Schrecken zu erholen, denn da packten ihn schon zwei starke Hände an den Fußknöcheln und zogen ihn aus dem Schacht.

Nun stand Jason zwischen zwei Soldaten, die ihn an den Armen festhielten, um einen weiteren Fluchtversuch zu vermeiden.

"Verdammt, verdammt, verdammt!", hämmerte es in Jasons Kopf als er den vor ihm stehenden Soldaten mit vor Wut lodernden Augen und gefletschten Zähnen ansah, "mein Vater hat sein Leben für die Beschaffung der Unterlagen gegeben und ich bin so dämlich und lass mich erwischen! Und da nenn ich mich einen Profidieb! Tz…"

Er ließ ein wütendes Knurren hören. Weniger, weil er wütend auf diese Menschen war, die unzählige Unschuldige für ihre Zwecke geopfert und ermordet hatten, sondern viel mehr, weil er wütend auf sich selbst war, sich schnappen zu lassen.

"So so… wenn ich bitte Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit haben könnte Hr. Sheldon?"

Jason wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ihn plötzlich jemand ansprach. Er zwinkerte überrascht, da er nicht bemerkt hatte, wie die Soldaten ihn durch den riesigen Gebäudekomplex in dieses große Büro eskortiert hatten. Das Büro hatte an der Rückwand anstelle einer Wand ein Panoramafenster mit Aussicht auf die Stadt. An den Seiten standen vereinzelt Regale mit Büchern oder kostbaren Elfenbeinskulpturen darin. Vor dem Fenster stand ein mächtiger Eichenholztisch, hinter dem eine, in einem eleganten schwarzen Anzug gekleidete, Person in einem ebenfalls schwarzen Ledersessel saß.

Als Jason den Mann vor sich sah, wusste er sofort mit wem er es zu tun hatte. Mit Anthony Slein, dem mächtigsten Industrieboss in der genetischen Forschung. Anthony Slein, ein leidenschaftlicher Glücksspieler, der jedoch was das Geschäftliche betraf, niemals etwas dem Glück überlies und ein Frauenheld war. Und: Der Mann, der seinen Vater ermorden lies.

"Sie! Sie verdammter Drecksack haben meinen Vater auf dem Gewissen!" "Ah ja, ich erinnere mich. Ihr werter Herr Vater arbeitete doch in der Keimbahntherapie wenn ich mich nicht irre oder?"

"Er hat für Sie mit genetischem Material von Menschen experimentiert, um Ihre kranke Idee einen Supersoldaten zu erschaffen, in die Tat um zu setzen! Und als er endlich genügend Beweise gegen Sie und diese Experimente in der Hand hatte, haben Sie ihn ermordet!"

Slein tat überrascht: "Ach ja, der Unfall… Wirklich sehr bedauerlich." Slein machte eine kleine Pause und fuhr dann fort:

"Sie wissen, ich bin Geschäftmann und als Geschäftsmann sollte man über die Aktivitäten in der eigenen Firma bescheid wissen. Es stimmt, Ihr Herr Vater stellte einige… Fragen. Wie Sie von Ihrem Beruf wissen, zu viele Fragen zu stellen kann… ungesund sein. Nun, ich ließ Nachforschungen anstellen, Ihres Vaters betreffend selbstverständlich und stieß dabei auf Sie, Hr. Sheldon. Warum ich Ihnen dies alles erzähle? Ich weiß von Ihren … beruflichen Aktivitäten und weiß deshalb warum Sie hier sind."

Plötzlich änderte sich seine Stimme von elegant zu aggressiv: "Wo sind die Dokumente?! Wo haben Sie, sie versteckt?!"

Jason war innerlich überrascht, zeigte es jedoch äußerlich nicht. Er überlegte fieberhaft. Die Dokumente waren, Sleins Aussage zu urteilen, immer noch in dem Lüftungsschacht. Wie konnte er dies zu seinem Vorteil nutzen? Er entschied sich dafür den Dummen zu spielen und auf eine Fluchtmöglichkeit zu hoffen.

"Ich habe keine Ahnung von welchen Dokumenten Sie reden."

Slein lächelte, ein unechtes Lächeln.

"Oh… Sie wissen es nicht. Wie Sie wollen", damit wandte er sich an die Soldaten, die immer noch Jason flankierten und während des Gesprächs still schweigen zugehört hatten, "zeigt unserem Gast doch bitte den Ausgang."

Die Soldaten verließen mit Jason das Büro und bald darauf war ein Schuss zu hören und ein Körper, der zu Boden fiel.





In der folgenden Woche wurde in den Zeitungen und Fernsehnachrichten nur über ein Thema berichtet: Dem großen Skandal in dem ein Angestellter von Firmenboss Anthony Slein verwickelt sein sollte.

Jason saß in einem Café und lächelte. Er war dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen. Statt ihn umzubringen, hatte der eine der beiden Soldaten seinen Partner umgebracht und war mit Jason zusammen geflohen. Sie hatten den ältesten Trick überhaupt angewandt. Jason hatte seine Kleidung mit der der Leiche getauscht und danach hatten er und Mike, der andere Soldat, die Leiche in eine Abstellkammer gelegt.

"Warum hilfst du mir?", hatte Jason mit leichtem Misstrauen in der Stimme gefragt.

"Ganz einfach", war die Antwort von Mike gekommen, "aus zwei Gründen. Erstens ich halte nichts von solchen Experimenten und zweitens ich weiß nun warum meine Schwester an Nierenversagen gestorben ist, obwohl sie noch nie irgendwelche Probleme mit ihrer Niere hatte."

"So?", Jason hatte nicht richtig verstanden worauf Mike hinaus wollte. "Sie arbeitete hier in der gleichen Abteilung wie dein Vater", hatte Mike ihm geantwortet.

Während des Gesprächs waren sie im schnellen Schritt zu dem Raum gegangen, in dem die Unterlagen im Lüftungsschacht lagen. Sie hatten nicht riskieren wollen doch noch getötet zu werden, so waren sie durch den Lüftungsschacht geflohen und anschließend jeder für sich seiner eigenen Wege gegangen.

Jason hatte die Dokumente anonym an die Polizei weiter gereicht, so wie an die Presse. Jedoch schien es so, dass Slein auch dort seine Leute hatte und diese hatten anscheinend nach dem ersten Pressebericht sofort reagiert und Sleins Weste rein gewaschen.





Anthony Slein saß in seinem Arbeitszimmer, wo die Vorhänge zum Teil zugezogen waren und las den Brief durch, den er so eben erhalten hatte. Dann zerknüllte er ihn und stand auf. Sein Gesicht eine Maske von unbändiger Wut.

"Du willst also in jedem Fall verhindern, dass der Supersoldat erschaffen wird und mich bekämpfen und vernichten Jason?!"

Dann atmete er ein paar Mal tief durch, bis sein Atem wieder ruhig war. Slein stand nun neben einer Gestalt, welche vom Schatten eines Schrankes unkenntlich gemacht wurde. Anthony Slein lächelte kalt und sprach vor sich hin:

"Kannst du das Jason?"

In dem Moment trat die Gestalt ins Licht - ein Soldat; muskulös, ohne jegliche Regung im Gesicht und starrem Blick. Slein ließ ein kaltes Lächeln über seine Züge huschen.

"Wir werden sehen…"







Fine
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