Vorneweg noch etwas: Die Charaktere der Geschichte gehören nicht mir und ich versuche mit diesen auch kein Geld zu machen. Das einzige was mir, Kawari, gehört ist die Idee zu dieser Geschichte.

Bleed for me



Riiing. Riiiiing. Nach dem dritten Mal klingeln, schaffte es Yamato in seinem schlaftrunkenen Zustand den Hörer auf seiner Nachtkonsole zu erwischen und ab zu heben.

"Ja? Ishida", murmelte Yamato verschlafen.

"Yamato? Bist du das? Oh gut, ich muss dich unbedingt sprechen. Tut mir wirklich leid, wenn ich so spät abends noch anrufe."

Nun schaute er auf seine Armbanduhr, diese zeigte ihm, dass es definitiv zu früh für ein Telefonat war: 2.18 Uhr. Doch blieb er seinen Grundsätzen treu, immer für seine Freunde da zu sein.

"Nicht so schlimm Sora. Was gibt es denn?"

"Yamato, ich... ich hab schreckliche Angst Motorrad zu fahren. Ich hab nämlich heute Fahrstunde um halb sieben. Und... ich mein', ich hätte schließlich letztens wirklich einen Unfall gebaut. Weist du? Das hab ich dir doch erzählt, dass ich, weil ich dachte ich könnte noch vor dem Auto raus ziehen und es blöderweise auch getan habe, dass ich beinahe in dem Auto, das mit 70 km/h ankam gelandet wäre."

Yamato nickte am anderen Ende und bevor Sora noch weiter sprudeln konnte, unterbrach er sie mit einer ruhigen Stimme, die wie er hoffte, auch beruhigend wirkte.

"Jetzt beruhige dich erstmal. Um halb sieben hast du gesagt?", als am anderen Ende ein 'ja' ertönte, nickte er, "gut. Dann sieh das doch mal so: So früh morgens ist noch keiner auf der Straße, sprich du bist da ganz alleine. Weiterhin bringt es dir nichts, jetzt die Fahrstunde ab zu sagen. Du musst fahren, sonst überwindest du deine Angst nie. Und was hat dein Fahrlehrer zu dem Unfall und der ganzen Situation gesagt?"

"Der meinte, dass wir es beim nächsten Mal langsamer angehen lassen sollen."

"Na siehst du? Was soll denn dann noch groß passieren? Es läuft schon nichts schief."

"Ja. Ok. Du hast wohl Recht", kam es mit einem Seufzer aus der Leitung.

Nachdem sich beide 'Tschüss' gesagt hatten, legte Yamato auf.

All I ever wanted was to be at your service
But now I'm alone cause you were here and you're gone
And all I ever wanted was to feel I had a purpose
But now that's all gone
But if you could give me

Just one love, just one life
Just once chance to believe in my...
Just one love, just one life

Soras Anruf hatte ihn zum Nachdenken bewegt. Yamato lag auf dem Rücken, Hände hinter seinem Kopf verschränkt und starrte grübelnd zur Decke.

"Hmm... Ich hoffe bloß, dass Sora es kapiert."

Seit einiger Zeit schon verhielt sich Sora... netter. Ihre verbalen Gefechte, die sie zum Spaß austrugen, hatten nachgelassen. Sora rief öfter per Telefon an oder sie redete ihn im Internet per AIM an, obwohl sie früher AIM so gut wie nie benutzte. Auch schickte sie ihm Gedichte, die perfekt auf ihre Situation passten, unter dem Vorwand "lies es dir doch einfach mal durch und sag mir was du davon hältst". Als ob er ihr einfach nur ein Feedback geben sollte.

Wenn er mit Tai über Sora redete, erzählte dieser ihm, dass sie immer wieder auf ihn, Yamato, zu sprechen kam. Weiterhin hatte Tai ihm vor nicht kurzer Zeit erzählt, dass er mit Sora, welche betrunken gewesen war, geredet hatte und diese ihm ganz offen gesagt hatte, dass sie in Yamato verliebt sei, er aber nicht in sie.

Yamato seufzte. Für ihn war Sora nach wie vor nur eine sehr gute Freundin und so behandelte er sie auch.

"Ach was. Es bringt nichts sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Entweder sie versteht es und kann es akzeptieren oder sie versteht es nicht."

Er schloss die Augen, drehte sich auf die Seite, jedoch dauerte es noch lange bis er einschlief.

You bleed for me and I didn't get to notice you
Now I'm stuck out on a line
Bleed for me, I didn't get to be with you
Now you're stuck in my mind


Ein halbes Jahr später

Yamato schlenderte durch die Innenstadt, an verschiedenen Geschäften vorbei. Als sein Blick auf die gegenüberliegende Straßenseite fiel, sah er einen Schopf kurzer orange-blonder Haare aus der Menge auftauchen.

"Hey Sora! Was machst du denn hier?", rief er während er, über die Straße rannte.

Als Sora seine Stimme hörte, blieb sie stehen und wartete auf Yamato. Keuchend kam dieser vor ihr zu stehen.

"Ich bin einfach nur ein wenig bummeln. Nichts Besonderes und du?"

"Auch. Wenn du sowieso nichts vorhast, wie wär's dann mit Kino?"

Sora nickte. "Das hört sich gut an."

Beide machten sich auf in Richtung Kino um schon einmal die Karten zu besorgen, damit sie an der Abendkasse nicht anstehen mussten.

Während sie durch die Fußgängerzone gingen, legte Yamato seinen Arm um Sora, welche daraufhin ihrerseits ihren Arm um seine Taille legte. Yamato war völlig in Gedanken versunken. Er genoss die Nähe von Sora. Sora hatte vor mehreren Monaten akzeptiert, dass er nichts für sie empfand. Er hatte immer gesagt, dass er sich nicht in seine beste Freundin verlieben könnte und nun, nach Monaten war es doch passiert. Er, Yamato Ishida, der immer felsenfest davon überzeugt gewesen war, dass er sich nicht in seine beste Freundin verlieben könnte, hatte sich in sie verliebt. Ironie des Schicksals, he?

All I ever wanted was to be what you needed
Cause something so strong, it could never be wrong
And all I can promise, is to say what I'm feeling
We've made it so long
But if you could give me

Just one love, just one life
Just one chance to believe in my...
Just one love, just one life

Nachdem er sich bewusst geworden war, dass er Sora liebte, hatte er eine Zeit lang darüber nachgedacht, ob er es ihr erzählen sollte. Sein Stolz hatte es verneint, da er immer geglaubt hatte, sich nie in sie zu verlieben und er nun nicht zugeben konnte, dass es doch passiert war. Aber sein Verstand war bald als Sieger aus diesem inneren Kampf heraus gegangen, da er sich sagte, dass man solche Chancen nicht oft im Leben kriegt und man sie nutzen sollte, so lange sie da waren.

'Ich werde es ihr heute im Kino sagen. Oder vielleicht danach? Hmm... mal schauen, wann sich eine gute Gelegenheit bietet. Wenn ich Glück habe... vielleicht... vielleicht liebt sie mich ja doch noch.'

Als die beiden beim Kino ankamen und die Kinokarten für die Abendvorstellung kauften, redeten sie darüber, was sie wohl bis zur Vorstellung machen könnten.

"Also... ich bin dafür, dass wir 'was essen gehen. Ich hab nämlich Hunger Yamato."

Yamato verzog das Gesicht. Auf Essen hatte er jetzt nun wirklich keine Lust. Dem entsprechend fiel auch seine Antwort aus.

"Muss das sein? Ich hab eigentlich gar keinen Hunger. Du kannst dir doch irgendwo Pommes oder eine Currywurst kaufen."

"Och komm schon. Wenn wir in einem Café 'was essen, dann ist doch auch schon die Zeit um. Wir brauchen dann nicht so lange warten bis der Film anfängt. Wir müssen schließlich auch erstmal zum Café hinlaufen und hinterher wieder zurück zum Kino. Da geht doch die Zeit viel schneller rum."

Yamato überlegte still. Er hatte wirklich, wirklich keine Lust jetzt erst bis zu Soras Lieblingscafé zu laufen und von dort wieder zurück zum Kino. Er sah Sora erneut an, dann seufzte er. Er konnte Sora diesen kleinen Gefallen einfach nicht abschlagen.

"Ok, dann gehen wir Essen."

You bleed for me and I didn't get to notice you
Now I'm stuck out on a line
Bleed for me, I didn't get to be with you
Now you're stuck in my mind

Just one love in my life

Gesagt, getan. Im Café, setzten sie sich nach draußen, bestellten Getränke und Sora bestelle sich noch etwas zu Essen.

Nachdem Sora fertig gegessen hatte, saßen sie noch eine halbe Stunde da und redeten. Dann mussten sie sich auch schon wieder auf den Rückweg machen, sonst finge der Film ohne sie an.

Nach 20 Minuten erreichten sie das Kino, quetschten sich anschließend an den Kassenschlangen vorbei, um dann im hinteren Bereich, wo die einzelnen Kinos lagen, ihre Kinokarten abreißen zu lassen.

Sie betraten den Kinosaal und setzten sich auf ihre Plätze und warteten darauf, dass die Werbung anfing.

"Ich bin ja gespannt wie sie Troja verarbeitet haben. Mimi meinte, dass der Film so gut wie gar nicht mit der Legende oder auch nur den Fakten übereinstimme. Zum Beispiel dauert der Krieg im Film keine zehn Jahre sondern nur zwei Wochen. Die haben wohl einiges verhunst. Sie meinte auch, dass sie die Götter nur andeutungsweise rein gebracht hätten und dass die Leute überlebten, die in Wirklichkeit bzw. der Legende nach gestorben seien und umgekehrt."

"Was willst du erwarten? Das ist Hollywood."

"Stimmt. Aber wahrscheinlich werde ich mich den ganzen Film über kaputt lachen, weil man das nur noch verarschen kann", lachte Sora.

In diesem Augenblick verdunkelte sich der Raum und die Werbung begann. Nach fast einer halben Stunde begann der Hauptfilm, welcher nach Yamatos Geschmack, zwar soweit gut gemacht geworden war, aber äußerst wenig mit der Vorlage gemeinsam hatte.

Nachdem der Film zu Ende war, machten sie sich auf den Weg zum Ausgang des Kinos. Dort angekommen schaute Sora auf ihre Armbanduhr.

"Du, Yamato, ich muss jetzt. Wir haben mittlerweile nach elf und bis ich zu Hause bin ist es garantiert zwölf."

Yamato nickte.

"Ok", nach einer kleinen Pause, hatte Yamato genügend Mut zusammen genommen, um fort zu fahren, "Sora... ich... ähm... ich... wie soll ich bloß anfangen? Ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll. Das hört sich alles so... nach einem schlechten Film an."

"Was denn?", fragte Sora ahnungslos, "vielleicht kann ich ja helfen?"

Yamato schüttelte den Kopf.

"Nein, das muss ich selber machen. Ich... also...", mit einem Seufzer gab Yamato auf es mit Worten ausdrücken zu wollen und lies lieber Taten sprechen. Er beugte sich zu Sora runter und küsste sie flüchtig auf die Lippen.

Soras Augen weiteten sich kurz vor Überraschung. Dann schaute sie ihn nur traurig an.

"Yamato... ich dachte mir so etwas schon, nachdem du mich heute andauernd in den Arm genommen hast", ihr Blick fiel zu Boden, "aber es tut mir leid. Ich empfinde nichts mehr für dich außer Freundschaft." Sie schaute auf und sah ihn nur an. Versuchte seine Reaktion zu erkennen.

Yamato war geschockt als er ihre Worte hörte. Er hatte so sehr gehofft, dass sie doch noch etwas empfinden würde. Und nicht einmal eine Sekunde später spürte er wie ein zerreißender Schmerz durch seine Brust fuhr. Es fühlte sich schlimmer an als alle bisherigen Wunden, die er von Leuten erhalten hatte, zusammen genommen, denn diese Wunde war anders. Es war nicht nur Schmerz, den er empfand. Diese Wunde schien tiefer zu gehen, viel tiefer. Er war nicht in der Lage zu antworten und die Sekunden schienen sich zu Minuten zu dehnen.

"Ich muss jetzt gehen. Es tut mir wirklich leid. Gute Nacht", murmelte sie mehr als das sie es laut sagte, den Blick wieder zu Boden gerichtet.

Dann drehte sie sich um und ging. Yamato stand da wie erstarrt und sah ihr nach, wie sie hinter einer Hausecke verschwand. Daraufhin machte auch er sich auf den Weg nach Hause. Sein Inneres fühlte sich an wie betäubt. Er empfand nichts. Als ob eine innere Schutzvorrichtung eingeschaltet worden wäre, die ihn vor dem Schmerz bewahrte.

Zu Hause angekommen, schloss er die Tür auf, begab sich in sein Zimmer. Er legte sich auf's Bett, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, starrte er zur Decke. Nach einiger Zeit, die er so auf seinem Bett lag, kam der Schmerz wieder. Bei weitem nicht so schlimm wie das erste Mal, aber dafür permanent, ohne eine Schutzvorrichtung die ihn abschaltete. Als er so da lag, den Schmerz spürend, gab es nur eine Frage, die ihm immer wieder durch den Kopf ging. Nach einer Weile sprach er diese Frage aus, zur Decke starrend, als ob diese ihm eine Antwort geben könnte.
"Warum habe ich nicht früher erkannt, dass ich mich in sie verliebt hatte? Dann wäre vielleicht alles anders gekommen."

You bleed for me and I didn't get to notice you
Now I'm stuck out on a line
Bleed for me, I didn't get to be with you
Now you're stuck in my mind

Just one love in my life
Just one love in my life


~owari~ 1