Freitag,
22. März 2002:
Ralf:
Der Freitag
war ziemlich anstrengend.
Wie immer,
wenn man mal was vor hat, passieren die ungewöhnlichsten Dinge auf der Arbeit,
mehrere Computer, für die ich verantwortlich bin, streikten.
Wie von
Geisterhand sind bei vielen PC’s plötzlich keine Druckertreiber mehr
vorhanden. Die Administratoren des Netzwerkes beim Rechenzentrum, an dem meine
100 PC dran hängen, streiten wie immer alles ab, irgend etwas neu installiert
oder geändert zu haben.
Um die
Sekretärinnen ruhig zu stellen, installiere ich schnell noch die Treiber und verschwinde schnell nach Hause, damit ich endlich in meinen verdienten
Kurzurlaub mit Danie fahren kann.
Danie:
Na, bei mir
war es auch nicht weniger stressig, war es doch eine Überredungskunst meine
Kinder so schnell als möglich in den mir wohlverdienten Papaurlaub zu schicken
und für alle die Taschen zu packen und dann auch noch schnell nach Jena zu
fahren, gut eingekauft wie immer kam ich dann gegen 17 Uhr in Jena an.
Wir
beschließen noch am Abend loszufahren und packen meinen kleinen Peugoet 106 bis
oben hin voll, die Rücksitze sind nach vorne geklappt.
Wir hatten
uns ausgemacht, uns am Steuer abzuwechseln, aber ich fuhr dann doch die ganze
Strecke alleine durch. (Anm. Danie: selbst schuld hihihi)
Eine erste
Rast zum Pinkeln und was zu trinken legten wir an der Raststätte im Frankenwald
hinter Nürnberg ein.
Die
Autobahn war in unserer Richtung überall frei, wir kamen gut voran.
Den
Autobahntunnel durch Österreich sparten wir uns, der ist nachts ohnehin
gesperrt, und nahmen den Weg über Lindau und Bregenz.
An der
Schweizer Grenze drängte uns der Zollbeamte noch die Vignette auf, die schon
wieder einmal teurer geworden ist. Jetzt zahlt man schon 40 Sfr.
Die
Schweizer Autobahn wie immer schön frei und keiner rast wie irre.
Entspanntes
Fahren ist also gesichert. (Anm. Danie: ja, das kann man wohl sagen, ich habe
wunderschön geschlafen)
Kurz vor
dem St. Bernhardt-Tunnel waren die Strassen knöchelhoch schneebedeckt, es ging
nur noch mit maximal 60 km/h weiter. Es schneite stark, man sah kaum noch was.
Nur gut,
dass ich die Winterreifen noch drauf hatte.
Danie neben
mir schlief, sie bekam davon kaum etwas mit. (Anm. Danie: hat er eine Ahnung,
ich habe einmal die Augen aufgemacht und sah ein Schneegestöber nach Maß...
grauenvoll, ich wollte doch in die Sonne??!!!)
Nach dem
Tunnel wurde es talabwärts zunehmend wärmer und milder.
In Lugano
entschlossen wir uns in Richtung des kleinen idyllischen Örtchens Morcote zu
fahren und wollten oberhalb des Dorfes unser Zelt notdürftig aufschlagen. (Anm.
Danie: mir war es irgendwann egal wo wir schlafen konnten, ich wollte nur einmal
gerade liegen...)
Samstag,
23. März 2002
Am Morgen
stellten wir fest, dass wir unmittelbar neben einer Wallfahrtskirche
(wahrscheinlich San Giorgio) im Wald gezeltet hatten und brachen fluchtartig das
Zelt ab und fuhren in Richtung Grenzübergang nach Italien in Stabio. Danie
hatte Angst, wir könnten von Pilgern überrascht werden und Schwierigkeiten
bekommen.
Die sehr
kurze Nacht (gegen 4 Uhr konnten wir erst in den Schlafsack kriechen) war recht
kühl. Aber der herrliche Ausblick am Morgen gleich neben der Kirche hinüber zu
den anderen Bergen lies uns das schnell vergessen. Ein himmlischer Ausblick auf
den Luganer See und die gegenüberliegenden Berge tat sich uns auf. Im
Hintergrund die mächtigen Alpenmassive, wolkenlos. (Anm. Danie: es war eisekalt!!!)
Der Monte
Generoso strahlte in der Morgensonne. 
Schnell
packten wir wieder alles ein, stopften einfach alles
unüberlegt ins Auto und fuhren erst mal wieder den Berg hinab.
Auf halber
Strecke in Carone an der großen Parkanlage versuchten wir erst mal wieder etwas
System in unsere Utensilien zu bringen. An einem sonnigen Plätzchen parkten wir
und räumten alles noch mal aus und wieder ein.
Alleine die Vorstellung, dass uns das nun die ganzen Tage hindurch so
gehen wird, nichts zu finden und das alles im Auto wild durcheinander liegen
wird, verursachte bei mir schon wieder Frustration.
Danie
schien dies überhaupt nicht zu stören, sie zog mich sogar wegen meiner Manie,
für Ordnung sorgen zu wollen, auf. (Anm. Danie: ich drohte ihm einen Schrank zu
kaufen hihi)
Mein
Vorschlag, nun nach Orta zu fahren und dort einen Zeltplatz zu suchen, wurde
auch von Danie wohlwollend aufgenommen. Also fuhren wir los.
Die Sonne strahlte, aber es wehte ein frischer Wind.
Der Luganer
See erstrahlte blau in der Morgensonne und es roch nach Wasser, die Möwen
kreischten und es war wie Sommer, endlich war es so wie wir es haben wollten..
Rundherum
die Berge die an ihren Spitzen weiß schimmerten, es war ein wunderschöner
Morgen.
In Morcote
holten wir uns erst einmal ein paar frische leckere Paninis und verzogen uns dann an
eine ruhige Ecke, irgendwie kam uns das noch gar nicht komisch vor, als sich ein
Auto in die Fabrikruine neben uns begab, als der Mann aber immer wieder um uns
herumschlich und uns beobachtet, telefonierte und dann noch ein paar Autos
hinzukamen, die Männer hatten lange schwarze Mäntel und eine Sonnebrille auf,
beschlossen wir unser ruhiges Frühstück zu beenden und uns dann ohne ein
Kommentar zu verziehen und lieber nicht nachzudenken... 
Nach dem
Grenzübergang in Stabio wählte ich die mir von einer früheren Reise bekannte
Route über Varese aus. Am IPER, einem riesigen Einkaufscenter in Varese,
tankten wir wieder voll und fuhren nach Laveno zur Autofähre, um hinüber nach
Verbania zu kommen.
Da es
Samstag ist, haben wir Gelegenheit den Markt von Verbania
zu besuchen. Die gesamte Altstadt ist mit Ständen bedeckt und es gibt so
viele Schuhe und vor allem lecker Käse, der Geschmack liegt uns immer noch auf
der Zunge. Für Danies Mädchen finden wir zwei schöne Taschen als
Ostergeschenk , aber für die Jungs war nichts
dabei.
Über
Omegna fuhren wir nun nach Orta.
Am Ortasee
angekommen, entdecken wir am anderen Ufer ein Feuer am Berg. Ein Hubschrauber
war damit beschäftigt, das Feuer zu löschen. 
Erst am nächsten
Tag konnte das Feuer ganz gebändigt werden.
Wir setzten
uns auf eine Wiese und machten uns über den leckeren Käse her und genossen
einfach die Sonne ein wenig.
Auf dem
Zeltplatz vor Orta wurden wir freundlich aufgenommen und konnten uns selbst
einen schönen Platz aussuchen. Wir fuhren ganz nach oben an den Hang und waren
ganz für uns alleine. 
Am nächsten
Morgen wußten wir warum. Die Sonne kommt erst recht spät dort oben herum, die unten liegenden Plätze wurden damit früher
bedacht.
Dafür
hatten wir den herrlichsten Ausblick zum See. 
Wir konnten
uns sogar Fahrräder ausleihen und so machten wir uns noch am Abend auf den Weg
Orta ein wenig zu erkunden. (Anm. Danie: Das Eis ist ja so lecker, ich hätte
den ganzen Tag welches verspeisen können. Wenn ich aber jemanden einen Rat
geben darf, bitte niemals!! im Dunkeln um den Ort am Wasser entlang laufen, der
Weg ist nicht beleuchtet und die Buchten für die Boote kann man kaum erkennen.
Platsch-gefahr) Orta ist eine kleine Stadt mit einem romantischen Flair, im
Sommer sicherlich noch ein wenig stärker bevölkert, dafür aber zu dieser
Jahreszeit sehr ruhig und verträumt, die kleinen Gassen und die wunderschönen
Ausblicke auf das Wasser und die vorgelagerte Insel San Giulio laden immer
wieder zu einem Verweilen ein und es gibt für jeden genügend Motive zu
fotografieren. Zu unserer Zeit blühten die Magnolien so wunderschön und es
duftete an allen Ecken.
Nach dem späten
Frühstück machten wir uns wieder auf nach Orta.
Oberhalb
des Ortes auf dem Hügel befinden sich mehr als 10 Wallfahrtskirchen, welche
immer wieder ein lohnendes Ziel für wunderschöne Ausblicke sein dürften. 
Unten im
Ort angekommen, lassen wir uns mit einem Boot zur Insel hinüber fahren, auf dem
sich ein Kloster befindet. 
Dort gibt
es einen Rundgang, der mit kleinen Schildern versehen ist, der Weg der Stille
auch genannt. Auf den Schildern steht immer wieder ein kleiner Spruch zur
Stille. Komischerweise war es auf dieser Insel auch sehr still und ab und an kam
auch hier mal zwischen den Häusern ein kleiner Durchblick zum Wasser und auf
das Festland. 
Wieder in
Orta suchten wir uns ein Lokal, wo wir etwas essen konnten.
In einer
kleinen Bar an der Piazza um die Ecke gab es leckere
Nudeln, Ralf machte sich über Tortellini her und Danie gönnte sich
Nudeln mit Steinpilze, war das lecker, alles hausgemacht. Das Interessanteste
war aber das Klo, auf der gegenüberliegenden Seite des Weges hinter einer
Schuppentür versteckt lag und wunderschöne Balken an der Decke hatte. Danie
fand es einfach faszinierend.
Aufgewärmt
und satt schlenderten wir weiter durch Orta und schossen wunderschöne Fotos in
der Dunkelheit. Völlig durchgefroren tappten wieder zurück zum Zeltplatz,
setzten uns ins Auto und fuhren noch ein wenig durch die Nacht.
Ab Mittag
kam immer ein wenig Wind auf und des Nachts
war es ziemlich kühl, der Himmel war sternenklar und wolkenlos.
Morgens
beschlossen wir uns wieder mal um unser Chaos zu kümmern (Anm. Danie: das war ja
wieder mal was für Ralf.. aufräumen) wir räumten alles ein und machten uns
auf den Weg. Die Duschen ärgerten uns sowieso immer wieder, das Wasser war weg
und das Geld auch, na ja..
Wir fuhren
also Richtung Comer See, es war wie immer wunderschön und die Sonne strahlte
nur so vom Himmel und langsam schlichen wir uns entlang des Comer Sees. Die
Berge und das klare noch kalte Wasser die Sonne, es war einfach so wunderschön,
nur leider sollte auch diese Zeit mal wieder Abschied nehmen. Wir entschieden
uns noch am Tage nach Hause zu fahren, aber diesmal über den Pass und nicht
durch den Tunnel, nun wollten wir es wissen. In Mennagio machten wir noch einmal
Halt und genossen eine Pizza, die in einer kleinen Bar gefertigt wurde, es
dauerte nach der Zeitrechnung des Wirtes nur 5 Minuten, tatsächlich wurden aber
daraus mehr als 30 Minuten. Auf alle Fälle aßen wir diese am Ufer des Sees und
genossen die Sonne noch ein wenig. 
Als wir dann am Ende des Comer Sees nach
Norden ankamen, wurde es schon ein wenig kühler, immer karger und dann ging es
steil hinauf zum Pass, dumm nur, dass wir das Schild übersahen, dass der Pass
erst ab Mai offen war, oben in einem Schneegestöber angekommen, die Eiszapfen
in den etlichen Tunneln überstanden staunten
wir nicht schlecht, es war tiefer Winter und die Schneeräumer kamen uns schon
entgegen, es war eigentlich eine wunderschöne Winterlandschaft, wir trauten uns
nur nicht aus dem Auto, es war schon etwas eigenartig, von ca. 20 °C auf etwa 5°C
Minus.
Also
drehten wir und fuhren zum nächsten Pass über St. Moritz, welches wirklich
traumhaft liegt, es lag wieder überall Schnee und die riesigen Berge an deren
Spitze sich das Mondlicht so richtig in Szene setzte ragten links und rechts
neben uns empor. Wieder krauchelten wir die Pässe hoch und fuhren durch Orte
die eigentlich nur 2 Häuser waren irgendwo im Schnee, ab und an standen ein
paar Autos von Bergsteigern oder Skiläufern an den Hängen, sicher welche die
es wissen wollten. Mir, Danie, wäre es sicher zu kalt hier. Dieses mal
wechselten wir uns aber ab, also fuhr ich, Danie von St. Moritz bis nach Jena,
war schon ein ganz schöner Ritt. Aber mit ein wenig „Umfahrung“ von
Heidiland kamen wir auch noch an eine günstige Tankstelle in der Nähe von
Bregenz und fuhren dann in die Kälte nach Hause. Gegen 4 Uhr war dann der
Urlaub zu Ende und was uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird, das
haben wir ein wenig in Bilder und in diesen Text gepackt.