Tafsir ( Islamische Koranexegese )
"Tafsir" heisst im Wörterbuch "zugedecktes verschlossenes zu Tage bringen,
öffnen und erläutern". Als Fachbegriff "innerhalb menschliches Vermögen das
Gemeinte Allahs in den Ayat (Koranvers) des Koran al karim zu verstehen."
"Mufessir" (Gelehrter des Tafsir) werden die genannt, die die Murad-i ilahi
(Gemeinte Beabsichtigte Allahs) im Wort Allahs des Erhabenen weiss, versteht und
mitteilt.
"Tawil" heisst lexikalisch "wenden" und "rückkehren". Als Fachbegriff bedeutet
es "von den verschiedenen Bedeutungen die konforme zu wählen".
Tafsir ist mit Riwayat (Überlieferung) und Tawil per Dirayet (menschliche
Deutung mit Hilfenahme sprachwissenschaftliche und sonstige
Hilfswissenschaften). Der Koran al karim ist die Quelle für endlose Weisheiten,
Wissen, Urteile und Erkenntnisse. Der erhabene Allah sandte ihn dem ranghöchsten
Menschen unser geliebter Prophet Muhammed (Friede Allahs mit ihm). Somit
verstand nur der Gesandte Allahs den Koran al karim gänzlich. Die schwierigen,
zugedeckten und schwerverständliche Ayats erläuterte dem Ashab-i kiram (die
grossartigen Gefährten des Propheten, Sahaba). jene Teile des Koran wo es
notwendig war zu erläutern wurde vom Propheten dem Gefährten erläutert. Dies
teilt uns Imam Suyuti (1) mit.
Daher ist der grundlegende Tafsir die Erläuterungen unseres ehrenwerten
Propheten, nämlich die Hadithe. Im Koran al karim in der Sura Nahl im Ayat 44
wird mitgeteilt: " Das was Ich den Menschen gesandt habe erläutere (Beyan)
ihnen." "Beyan" heisst die ayats , die von Allah stammen mit anderen Worten und
in anderer Art und Weise wiedergeben. Hätten die Gelehrten dieser Ummah
(Gemeinde, Muslime) die Ayats (gänzlich und oder stets richtig) erläutern
können, hätte der erhabene Allah Seinenm Propheten statt beyan nur teblig
vorgeschrieben und nicht aufgefordert zu erläutern. ("Teblig" heisst
Weitergabe.) Die Gefährten, die vom Propheten die Tafsir lernten bilden die
erste Generation von Tafsirgelehrten. Allem voran waren die vier ersten Kalifen,
Ibn-i Masud, Ubey bin Ka´b, Abu Musel Eshari, Abu Hureyre, Anas bin Malik und
Abdullah bin Abbas. Sie sind die grossen der Tafsirgelehrten unter den
Gefährten. Besonders ist Abdullah bin Abbas bekannt als einer der gelehrtesten
Gefährten. Die Tafsirgelehrten berichten dies und schmückten mit seinen
Erläuterungen ihre Tafsire. Sein Tafsir ist in den frühesten Tafsire vorhanden.
Er trägt den Ehrentitel "Terjuman ul Kuran" und "Reis ul Mufessirin" ,was
übersetzt "Dolmetscher des Koran" und "Anführer der Tafsirgelehrten" bedeutet.
Die überlieferte Tafsir welches auf den Prophet und Gefährten zurückgeht wird
als "Tafsir-i Riwayet" oder "Tafsir-i naqli" genannt. Zu diesen gehören : Tafsir
des Imam Tabari (2) "Jami ul beyan", Imam Begawi´s (3) "Mealim ut tenzil", Imam
Qurtubi´s (4) "Jami ul ahkam" und weitere.
Da im ersten Jahrhundert nach Hedschra die arabische Sprachweise und
Ausdrucksweise und Wortschatz als allgemeine Fähigkeit bei den Arabern vorhanden
war hatte man zunächst nicht für notwendig gehalten viele Werke hierzu
verfassen. Als aber mit der Zeit viele Länder erobert wurden und viele
arabisierte Bevölkerung Begriffe falsch aussprachen und langsam die arabische
Sprache in der Gefahr stand grosse Veränderungen zu erleben und ferner viele
Nicht-Araber Grammatik und andere Sprachwerke brauchten fing man an viele
Sprachwerke über die arabische Sprache zu verfassen. Sich am Riwayet-Tafsir
orientierend kam nun auch sprachwissenschaftliche und anderweitige Erläuterungen
des Korans hinzu. Solch Erläuterungen wurden "Tawil" genannt. Diese Art von
Tafsir werden Tafsir-i Dirayet" genannt. Ob ein Tawil annehmbar oder akzeptabel
ist wird am Riwayet-Tafsir gemessen.
Die Tafsir-Gelehrten bezeichneten Tawil auch als Tafsir aber Tawil von
Riwayet-Tafsir unterscheidend. Wenn Tawil naql (Überlieferung),
Religionsprinzipien und -Wissen widerspricht, nicht konform ist, gilt es als
induviduelle Meinung. Im ehrwürdigem Hadith des Propheten wird berichtet : " Wer
nach seinem eigenen Auffassung Koran al karim erläutert hat Fehler begangen."
Oder auch "Wer nach eigener Sicht Koran al karim deutet wird in der Hölle Qualen
erleiden." Nur am Verstand orientierend ohne auf Riwayet-Tafsir achtend tawil
machend kamen verschiedene Sekten (Ahl-i Bidah), Splittergruppen unter den
Muslime zu Tage. Beispielsweise leugneten manche Dinge des Jenseits wie die
Existenz der Sirat-Brücke oder Grabesbestrafung nur weil sie meinten , da man es
nicht nur-rational ermitteln könne müsste es falsch sein.
Die Ahl-i sunna (Sunniten) nehmen naql massgebend an und Ratio als ergänzend als
Hilfe dazu. Diesen Grundsatz treu bleibend schrieben sie Tafsir-werke. Über
diesen Grundsatz betrieben die grossen Gelehrten der Ahl-i sunna auch Ijtihad.
Somit sind Werke in Kalam, Ethik und Fiqh (islamsiche Rechtswissenschaft) auch
Tafsire des Korans.
Einige berühmte Tafsir-i Dirayet: Kadi Beydawi´s (5) "Anwar ut tenzil", Abu
Suud´s (6) "Irshad ul aql is selim" und das Tafsir des Imam Fahreddin Razi (7).
(1) Imam Suyuti “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Celâleddîn Abdürrahmân bin Muhammed,
geb. 849/1445 in Ägypten und 911/1565 ebenda gest. Er wuchs auf als Waise. Mit 8
Jahren wurde Hafiz. Er war Gelehrter in Tafsir, Hadithe, islamisches Recht (Fiqh)
und in Sprachwissenschaften. Sein Tafsir ist berühmt. Er unternahm
Forschungsreisen nach Damaskus, Hedschaz (Mekka-Medina), Jemen, Indien und
Marokko. Über 500 Werke hat er verfasst.
(2)Muhammed bin Djarir at-Tabari rahmetullahi teâlâ aleyh (838-923),berühmter
arabischer Historiker und Islam-Gelehrter. Er verfaßte neben einem umfangreichen
Korankommentar (Tafsir-i Tabari) eine vielbändige Universalgeschichte "Tarikh
ar-rasul wa´l muluk" - "Die Annalen der Propheten und Herrscher", die beginnend
bei der Erschaffung der Welt und bis Anfang des 10.Jh n.Chr. reichend, die
einzelnen Geschehnisse in der Art der Hadith-Literatur mit der Kette der
Überlieferer, jedoch ohne verbindenden und beschreibenden Text anführt. ( Imam
Tabari hat strenge Regeln der Hadithüberlieferung auf die Geschichte angewandt
und damit einen stabiles und vertrauungswürdiges Werk zustandegebracht. Die
türkische Übersetzung hat viele Fehler.)
(3) Hüseyn bin Mesud rahmetullahi teâlâ aleyh, Imam Begawi, geboren in "Bag" in
Horasan im Nord-osten des heutigen Irans und 516 (1122 n.Chr.) gestorben.
Rechtsgelehrter in Schafii-Rechtsschule.
(4) Abu Abdullah Muhammad ibn Abu Bakr Al-Andalusi Al-Qurtubi rahmetullahi teâlâ
aleyh (gest. 671 n.H.) lebte in Mariat Al-Hasib in Ober-Ägypten. Er führte das
Leben eines Asketen und widmete sich ganz dem Ibadach und seinem
schriftstellerischen Werk als Verfasser islamischer Schriften.
Al-Qurtubi selbst sagt in der Einleitung zu seinem Tafsir: "... der Segen der
Wissenschaft liegt in der Verknüpfung von Aussagen mit den entsprechenden
Personen und von Hadisen mit den entsprechenden Überlieferer. Deshalb werde ich
in diesem Buch keine Zitate verwenden, ohne die entsprechende Quelle anzugeben.
In einem zusammengefassten Kommentar werde ich die Ursachen für die Offenbarung
bestimmter Ajachs, die verschiedenen Lesarten des Qur'ans, die Grammatik und
Ajachs, die andere aufheben oder aufgehoben wurden berücksichtigen. Darüber
hinaus werde ich Stellung nehmen zu Angriffen der Irregeleiteten und meine
Argumente mit authentischen Hadisen stützen. "
(5) Kadi Abdullah bin Omar rahmetullahi teâlâ aleyh,Kadi Beydawi, geboren in
Beyda in der Nähe von Schiraz und gestorben in Täbriz in 685 (1286 n.Chr.). Er
war Oberrichter (Kadi) in Schiraz. Er ist einer der Grössten in
Tafsirwissenschaften. Er war auch Rechtsgelehrter in Schafii-Rechtsschule. Er
schrieb viele wertvolle Werke. In seinem "Tawali´ul enwar" erläutert er
ausführlich die Lehren griechischen Philosophen und schrieb darauffolgend
Widerlegungen.
(6) Ahmed bin Mustafa rahmetullahi teâlâ aleyh, 13. Scheich ul Islam des
Osmanischen Staates bekannt als "Abu Suud Efendi". Geboren 896 (1490 n.Chr.) und
982 (1574 n.Chr.) gestorben. Sein Grab befindet sich gegenüber vom Eyyub Ensari
Moschee in Istanbul. Seine Werke sind besonders wertvoll. Er schrieb sogar den
Jinnis Fatwas.
(7) Imam Fahreddin Razi “rahmetullahi teâlâ aleyh”: Muhammed bin Omar. Grosser
islamischer Gelehrter in Tafsir, Hadithe, Fiqh, Kalam, Physik, Mathematik und
Medizin. Er war in der Schafii-Rechtsschule.544/1149 in Rey (in Iran) geb. und
606/1209 gest in Herat (in Afghanistan).
Tafsir und die Naturwissenschaften
Die Ayats im Koran al karim, die Bezug haben auf Naturwissenschaften und Natur
diese nach sicheren Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften und
Technikwissenschaften zu deuten ist erlaubt und nötig. Imam Ghazali schreibt
dass wenn ein Ayat dem Wortsinn nach gegen eine sichere Erkenntnis aus der
Naturwissenschaft stösst dann solle man das Ayat eine diesem Wissenschaft
konforme Deutung geben. Mit sicherer Erkenntnis ist gemeint dass die Erkenntnis
experimentell gesichert bewiesen sein muss. Hypothesen, Vermutungen und Theorien
sind ausgeschlossen hierin.
Der Islam schreibt vor Tatsachen die der Verstand naturwissenschaftlich
eindeutig erkennt daran zu glauben z.B Die meisten Muslime all die Jahrhunderte
glaubten schon früher dass die Erde rund ist. Abu bakr Razi, Ghazali, Biruni und
viele mehr schrieben dass die Erde rund ist. im 10. Jh rechneten Muslime die
Meridiane aus. Biruni hatte fast exakt den Äquator ermittelt usw.
Im Sura Neml Vers 88 ist davon die Rede dass die Berge sich wie die Wolken in
Bewegung sind. Imam Fahreddin Razi (13Jh.) erläutert dahingehend in Sura Enbiya
Vers 33 ,dass Erde, Sonne, Sterne, Mond um ihren Achsen drehen und auf
Umlaufbahnen sich befinden.
Anderes Beispiel : Der grosse Gelehrte Dawud-i Kayseri (1258-1350), der erste
Rektor der osmanischen Hochschule in Iznik (Nicäa) schreibt, dass alles aus dem
im Koran "Duhan" genannten (Sura Fussilet Vers 11) etwas entstanden ist, genauer
alles sei eine Erscheinungsformen vom Duhan. Wir wissen ja seit Einstein , dass
Materie eine Form der Energie ist und Energien umwandelbar sind sind, bzw.
verschiedene Erscheinungen haben.
Imam Fahreddin Razi erläutert den 29.Ayat der Sura Bakara des Koran al karim ,
worin er den Islamgelehrten und Naturwissenschaftler Asiruddin-i Abhari zitiert.
Abhari, Verfasser des Physikwerkes Hidaya und Übersetzer des Logik-Buches
Eisagoge, wurde gefragt warum er den Werk des Plotemäus den muslimischen
Studenten beibringt, sowas sei unduldbar. Abhari antwortete er würde dadurch den
6. Ayats der Sura Kahf erläutern, worin es heisst "Sehen sie denn nicht wie
schön Ich die Erde , die Himmel, die Sterne und die Planeten erschaffen habe ?"
Imam Razi fügt hinzu , dass Asiruddin Abhari recht habe und dass die
Naturwissenschaft sein Platz hat in der Exegese.
30.12.2004: aus www.islamische-Zeitung.de :
Schlagwort „Islam“ - Die muslimische Position zur „Qur’anexegese“
Die Offenbarung als ewiges Buch im Spiegel moderner Herausforderung - Von Abdurrahman Reidegeld, Köln
Mit der Reihe „Schlagwort
‘Islam’“ möchte die IZ-Redaktion einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte
über den Islam und zu einem besseren Verständnis des selben leisten. Da
insbesondere in Deutschland nur selten gelehrte und praktizierende Muslime zu
Wort kommen, die authentisch und fundiert hierzu beitragen können, möchten wir
in diesem wichtigen Feld Abhilfe schaffen. Dass sich nicht selten die
rechtlich-islamischen Grundlagen von der Tagespolitik oder auch von
kulturellen Gewohnheiten unterscheiden, macht die Notwendigkeit dieses
„Beitrages“ umso drängender. In der aktuellen und polemischen Debatte wird
immer wieder und immer häufiger an Muslime die Forderung erhoben, den Qur’an
„neu auszulegen“ oder ihn gar mit einer „kritischen Analyse“ neu zu lesen.
Dass dabei Unkenntnis und gezielter Wille eine Rolle spielen wird ersichtlich,
da den meisten dieser Stimmen nicht wirklich bewusst ist, was der Qur’an ist
beziehungsweise welche Meisterung der unterschiedlichsten Wissenschaften nötig
sind, um überhaupt Bedeutungen und Handlungsanweisungen aus dem Qur’an - dem
unerschaffenen Wort Allahs - zu ziehen. Nur wenige - auch Muslime, die aus dem
Qur’an zitieren - sind nach islamischem Verständnis überhaupt befähigt, dies
zu tun.
Was ist der Qur’an?
Eine wortwörtlich offenbarte Schrift, das direkte Wort Allahs an die Menschen,
herabgesandt von Allah, durch den Engel Gabriel von der Ebene des göttlichen
Throns herabgetragen zur Erde, zu Muhammad, Allahs Segen und Friede mögen auf
ihm sein, Sohn des Abdullah, aus der Familie Haschim, aus dem Stamme der
Quraisch, der dadurch zu einem der größten Gesandten Allahs auf Erden erweckt
wurde. Der Qur’an ist aber zugleich nach muslimischer Überzeugung die einzige
Offenbarungsschrift, die bis zum heutigen Tag unverändert durch Menschenhand
erhalten ist, und da mit dem Gesandten Muhammad, Allahs Segen und Friede mögen
auf ihm sein, die Reihe der Propheten und Gesandten abschließt, ist der Qur’an
zugleich das historisch letzte authentische Offenbarungswort Allahs an die
Menschheit. Der Begriff „Qur’an“ selbst kann als „Rezitation“ beziehungsweise
„stückweise Herabsendung“ verstanden werden. Dabei meint das Wort „Qur’an“ den
eigentlichen Wortlaut, während die schriftliche Niederlegung der
Offenbarungsworte als „Mushaf“ (etwa: „gebundene Seiten“) bezeichnet wird.
Durch seinen Ursprung aus der göttlichen Seinsebene ist der Qur’an rein, und
demnach muss ein Muslim ihn im Rahmen der täglichen Gebete sowie bei anderen
gottesdienstlichen Handlungen in ritueller Reinheit und Ehrfucht rezitieren.
Wer ist qualifiziert, den Qur’an zu interpretieren? Und was muss dabei
berücksichtigt werden? Welche Methodik wird hierbei angewandt?
Erforderlich ist eine bestimmte Form des Wissens und der Gelehrsamkeit; als
Grundvoraussetzungen gelten folgende Punkte: Sehr gute Kenntnis des
Arabischen; das Wissen, welche Verse im Qur’an in ihrer Norm-Bestimmung (Hukm)
aufhebend beziehungsweise aufgehoben sind; welche Begriffe in den
Qur’an-Versen allgemein, eingeschränkt, speziell beziehungsweise allgemein
usw. verstanden werden müssen, in der direkten Diktion des Propheten Muhammad
und der ersten Generation der Muslime; welche Dinge in Übereinstimmung einen
bestimmten Sinngehalt haben und über welche Verse es hinsichtlich der
Sinngebung und Interpretation Freiraum gibt. Auch ist unbedingt die Kenntnis
erforderlich, welche Verse des Qur’an überhaupt für die Pflichtenlehre (Fiqh)
Relevanz besitzen (es sind bekanntlich nur ca. 10 Prozent der Textmasse, also
ungefähr 600 von etwa 6.200 Versen). Der Qur’an-Exeget (arab. „Mufassir“) mag
in seinem Kommentar („Tafsir“) entweder von einem bestimmten Aspekt ausgehen,
zum Beispiel heutige naturwissenschaftliche Phänomene und Erkenntnisse mit
Aussagen des Qur’an vergleichen, oder er kann Vergleiche zwischen
verschiedenen Fachdisziplinen wie Traditionswissenschaft (‘Ilm Al-Hadith) und
Geschichtskunde aufgrund bestimmter Verse anstellen. Auch kann er den gesamten
Qur’an-Text hinsichtlich sprachlicher Gesichtspunkte verständlich machen,
praktische Handreichungen aufgrund speziell zusammengefasster Versgruppen
vornehmen, kurz: Es ist ein sehr weites und vielseitiges Feld. Als wichtigste
Methodiken werden üblicherweise folgende herangezogen: o Vergleich von
Qur’an-Versen mit anderen Qur’an-Versen, da oftmals eine Textstelle einer
anderen ähnelt beziehungsweise in einem identischen Kontext steht. •
Kommentierung durch Hadith (Prophetenüberlieferung). • Untersuchung durch
grammatische Betrachtung. • Heranziehen von altarabischen Sprachzeugen
(Dichtung). • Beleuchtung im Rahmen von Logik, Hermeneutik und Kosmologie.
Wo liegen die Gefahren einer Interpretation durch dafür nicht qualifizierte
Personen?
Insofern als der Qur’an eine Rechtleitung an die Menschen ist, ist natürlich
auch eine große Anforderung an die Menschen erhoben, die ihn auslegen; dies
darum, weil die im Qur’an enthaltenen Ge- und Verbote, die Richtlinien, direkt
auf das tägliche Leben der Gesellschaft der Muslime einwirken. Ja, tatsächlich
wird im Qur’an eine bestimmte, als Grundmuster verstandene Gesellschaftsform
dargelegt, die zur Lebzeit des Gesandten Allahs und seiner Gefährten in ihren
Grundzügen eingerichtet wurde, und darin liegt auch die besondere Aktualität
des Qur’an. Da aber eine Fehlinterpretation ebenfalls direkte Auswirkung auf
Muslime hat, wird eine Auslegung in verbindlichen Aspekten der Grundlagen des
Iman (‘Aqida) und der Pflichtenlehre (Fiqh) nur von Gelehrten akzeptiert,
während davon unabhängige Bereiche wie historische Ereignisse, Medizin,
Naturwissenschaft und Sozialwissenschaften auch von Forschern untersucht
werden können, die nicht zum traditionellen Gelehrtenkreis gehören. Wenn
allerdings nicht qualifizierte Personen, ohne jegliche Fachkenntnis im
Arabischen und der islamischen Geistesgeschichte, sich ihre ganz persönliche
Meinung durch scheinbar passende Qur’anverse absegnen wollen oder sich gar
anmaßen, in der Öffentlichkeit als „Islamexperten“ und zugleich als „Qur’anexperten“
den Muslimen vorzuschreiben, was sie zu tun oder zu glauben haben, kann das
nur zu peinlichen, und, wenn ernst genommen, zu katastrophalen Dummheiten
führen, die jeglicher Grundlage entbehren und daher weder von muslimischen
Normalbürgern, noch muslimischen Gelehrten ernst genommen werden können. Das
Problem liegt aber in der Medienpräsenz solcher selbsternannter Islamexperten,
und darin, dass deren Aussagen von Entscheidungsträgern der nicht-muslimischen
Mehrheitsgesellschaft meist für bare Münze genommen werden, wohingegen bis
heute muslimische Gelehrte in der hiesigen Medienlandschaft gar nicht gehört
werden.
Heute fordern manche, den Qur’an „zeitbedingt“, also wie ein „historisch
bedingtes Buch“ zu interpretieren, ähnlich wie die Bibel. Was ist dazu aus
islamischer Sicht zu sagen?
Der Qur’an steht in einer Reihe anderer Offenbarungsschriften, von denen die
ursprüngliche Thora des Moses, Friede sei auf ihm, und das ursprüngliche
Evangelium des Jesus, Friede sei auf ihm, die herausragendsten sind. Einem
jeden der großen Gesandten Allahs wurde eine eigene Offenbarungsschrift
zuteil, durch welche wiederum die jeweilige Gemeinschaft des betreffenden
Gesandten in ihrer Art zu leben definiert wurde. In diesem Sinne zeigt der
Qur’an den Muslimen ihre Lebensweise auf, nach der sie sich richten, da diese
Richtlinien von Allah dem Erhabenen selbst festgelegt, und durch den Gesandten
Allahs, Muhammad, den Menschen erläutert wurden. Im Gegensatz etwa zu den
heute vorliegenden Formen der Evangelien, die ja durchaus auch aus Sicht
heutiger christlicher Forscher keine wortwörtliche Überlieferung der Worte und
Taten des historischen Jesus sind, sondern Um-Interpretationen späterer
Schreiber als der ursprünglich angenommenen Evangelienschreiber, kann die
Ur-Fassung des Qur’an bis auf den Propheten Muhammad auch historisch eindeutig
belegt werden. Auch richten sich etwa die Evangelien nicht an rechtliche
Aspekte des Gesellschaftslebens, oder nennen Vorschriften, die sich konkret in
einer dezidierten Pflichtenlehre verbindlich niederlegen ließen - ganz im
Gegensatz zum Qur’an, der sehr wohl konkrete Einzelvorschriften beinhaltet und
keinen Zweifel daran lässt, dass diese zur Durchführung im Alltag, nicht als
Methapher, gedacht sind. So stellt sich eine Neuinterpretation des Qur’an in
anderer Hinsicht, als dies von Nicht-Muslimen und speziell Christen oft
vermutet wird: Während Nicht-Muslime - aus ihrer geschichtlichen Erfahrung -
eher zu einer Libertinage von religiös festgelegten Normen hin tendieren, und
daher auch zur Aufhebung der angeblich „veralteten“, ihrer Meinung nach „nicht
zeitgemäßen“ Regeln des Qur’an aufrufen, wünscht sich der Muslim eine
praktische Anwendungsmöglichkeit der variablen Grundregeln der islamischen
Pflichtenlehre, worin er übrigens von den Gelehrten grundsätzlich unterstützt
wird.
Welche Spielräume gibt es für die Auslegung?
Im Bereich der Glaubensdinge (Iman-Ebene) sind allerdings per definitionem
keine Varianzen möglich: Wenn im Qur’an von Erde und sieben Himmeln, von
Paradies und Hölle, von der absoluten Einheit und Einzigartigkeit Allahs
gesprochen wird und die benutzten Begriffe im Arabischen zur Zeit der
Herabsendung so verstanden werden mussten, gibt es hier keine Möglichkeit
einer Neuinterpretation. Überraschende Neu-Interpretationen werden in zwei
Gebieten deutlich: • Im Bereich der Naturwissenschaften, wo viele Erkenntnisse
der Jetzt-Zeit eindeutig durch Qur’an-Verse wiedergegeben werden. Oft waren
diese Textstellen in früheren Jahrhunderten unverständlich und werden erst
heute in ihrem Sinngehalt offenbar. • Im Bereich der Pflichtenlehre, wo
moderne Erfordernisse wie etwa neuartige Geschäftsarten oder neuen
gesellschaftlichen Entwicklungen auch zeitgemäße Regelungen erfordern.
Letztlich wurden durch die Forderung, dass die Schari’a als islamische
Lebensweise der menschlichen Verwirklichung dienen solle, und dazu, dass der
Mensch in Diesseits und Jenseits erfolgreich sein solle, immer schon in den
Grundlagenwissenschaften (Usul Al-Fiqh) Methodiken bereitgestellt, durch die
die Meisterung der alltäglich auftretenden Dinge des menschlichen Lebens
gelingen kann. (Artikel Ende)
Annähernde Koranübersetzungen sind nicht der glorreiche Koran
Der Koran al karim ist wie ein Grundgesetz. Im Grundgesetz steht nicht jedes Einzelheit. Im Grundgesetz stehen allgemeine Regeln und Prinzipien. Die Einzelheiten stehen in anderen Gesetzbüchern. Beispielsweise steht in unseren Grundgesetz „jeder muss gemäss seines finanziellen Bedingungen Steuern zahlen.“ Aber dort steht nicht wieviel und wie Steuern bezahlt werden muss. Diese werden in anderen Gesetzbüchern festgelegt. Zum Beispiel ein Gesetz welches die Dorfbewohner betrifft schickt die Regierung nicht direkt den Dorfbewohnern. Diese könnten das Gesetz auch nicht (meist) verstehen in der juristischen Fachsprache. Das Gesetz wird an die an die Gouverneure geschickt, die fügen Erläuterungen dazu und senden es an Bezirksbeamten, die wiederum erläutern die Texte den Bürgermeistern. Der Bürgermeister erläutert den Dorfbewohnern in der Art dass die sie es auch verstehen. So ist auch der Koran al karim göttliche Gesetze. Ein jeder kann es nicht verstehen. Der erhabene Allah hat Seinen Dienern den Weg der Glückseligkeit gezeigt und Sein Wort an den höchsten Menschen gesandt. Die Bedeutung des Koran al karim versteht nur Muhammed aleyhisselam. Andere können es nicht ganz verstehen. Die Ashab (Gefährten des Propheten) obwohl sie arabisch sehr gut konnten und die Feinheiten der Sprachkunst kannten verstanden nicht manche Koranstellen und pflegten den Gesandten Allahs - Friede und Segen Allahs mit ihm- hierüber zu fragen. Ein Beispiel : Eines Tages sah Hz.Ömer dass Rasulullah (Gesandter Allahs) dem Hz.Ebu Bekir etwas erzählte. Er ging zu ihnen und hörte zu. Manch andere sahen dies auch aber sie scheuten sich dazu zugesellen. Am Tag darauf als sie Hz.Ömer sahen „O Ömer ! Gestern hat der Gesandter Allahs euch etwas erzählt. Berichte damit wir es auch lernen.“ Der Prophet Aleyhisselam sagte nämlich „das was ihr von mir erfährt leitet es euren Geschwistern in Religion weiter !“ Hz.Ömer „Gestern fragte Ebu Bekir über die Bedeutung eines Ayat im Koran welches er nicht verstand und Rasulullah war dabei ihm die Bedeutung zu erklären. Ich habe eine Stunde zugehört und nichts verstanden.“ Die Erläuterungen waren dem Niveau des Hz. Ebu Bekr entsprechend. (Der Prophet pflegte jedem nach seinem verstand zu reden). Hz.Ömer hat aber ein solche grosse Rangstufe , dass eines Tages Rasulullah sagte „ich bin der letzte Prophet. Nach mir kommt kein Prophet mehr. Würde nach mir eins kommen so wäre Ömer Prophet.“ Obwohl er solche grossen Rang hatte und arabisch exzellent kannte konnte er die Tafsir des Korans nicht verstehen. Denn der Rasulullah pflegte jedem dem Niveau (des Verstandes) gemäss zu lehren. Der Rang des Ebu Bekr war sehr viel höher als die des Omars. [Ohne Studium der islamischen Wissenschaften kann viele Stellen im Koran und Hadithen missverstehen und sein Glaube womöglich ins Gefahr bringen. Nur arabisch-Kenntnisse reichen nicht aus oder nur annähernde „Übersetzungen“ lesen um den Koran zu verstehen. Die Gefahr des gravierenden Missverständnisses und sogar die Gefahr den Islam zu verfälschen ist gegeben. Daher sollte man sich streng an die Kriterien halten die die islamischen Gelehrten berichten. Als erstes müssen Muslime Werke über die Glaubenslehren , islamisches Recht und Ethik studieren und danach leben, denn diese Werke schöpfen aus dem Koran und Hadithen und beinhalten jenes Wissen die wir dringend benötigen. Das heisst diese Werke lesen heisst die Bedeutung des Korans lesen. Diese Wissenschaften sind in ihren Grundlagen uns allen Muslimen Fard (Pflicht) und die Tiefe deren und die Tafsir und Hadithwissenschaften nur für bestimmte Pflichtig und nicht für jedermann. Nicht jeder kann Gelehrter werden. Im Islam muss man zuerst das Fard erfüllen und danach wenn man die Gelegenheit hat nafila (zusätzliches) erlernen. Ohne notwendiges Wissen über die koranischen Wissenschaften, Hadithwissenschaften , islamisches Rechtswissenschaft und Sprachwissenschaften ist der umfassende Weg zum Koran versperrt. Wer nur die „Übersetzungen“ des Korans nimmt und versucht sich dem Koran zu nähern scheitert. Es kann keine Übersetzungen geben und das was als „Übersetzung“ vorliegt ist das was der Übersetzer je nach Wissen und Vermögen versucht hat zu übersetzen und das was er aus den Tafsiren stark reduziert erläutert. Genauso wie man kein Gedicht gänzlich übersetzen kann kann man auch den Koran nicht übersetzen. Hinzu kommt dass der Koran nicht chronologisch geordnet ist und nicht so lesbar ist wie ein uns übliches Buch. Das und weitere Faktoren können bewirken dass der Leser meint dass der Koran zu verwirrend sei und sich davon abwendet. Werke über die Glaubenslehren , islamisches Recht und Ethik ist der Schlüssel zum Koran. Dem folgend ist Vertiefung in den islamischen Wissenschaften von nöten damit Tafsire umfassend verständlich werden.] Jahrhundertelang bis zum zweiten Teil des 20.Jh lernten die Muslime zuerst das notwendige (Fard) so dass sie zunächst Werke über Glaubenslehren, Recht (Fiqh) und Ethik (Tasawwuf) lernten (Werke die alle drei beinhalten wurden „Ilmihal“ genannt, z.B ein berühmtes ist das „Ihya“ des Imam Ghazali und viele mehr). In den Madrassa genannten Hochschulen oder durch Privatstudium bei einem Gelehrten lernten Muslime danach zusätzliche Wissenschaften wie Tafsir, Hadithe und Sprachwissenschaften. Später im 20.Jh nachdem islamische Staaten untergegangen waren und vielerorts die Gelehrsamkeit zurückgezogen oder gar ganz verschwunden war tauchten Halbgebildete auf die meinten es bedürfe nicht Ilmihals zu lesen sondern man solle direkt aus den annähernden Übersetzungen des Korans seine Religion lernen und islamische Werke und Gelehrten gering schätzend. Leider hat sich in vielen Gegenden solche Irrungen sich verbreitet indem diese stets wiederholt wurden und junge Muslime getäuscht wurden. Ein Teil solcher jungen Menschen wurden Extremisten manche sogar verliessen ihre Religion weil sie vieles falsch lernten oder nur teilsweise. Andere wiederum bastelten aus ihren eigenen Interpretationen ihren eigenen „Islam“. In der Türkei wurde die annähernde Übersetzung des Korans erst im 19.Jh von einem arabischen Christen namens Zeki Megamiz veröffentlicht und danach von einem Armenier Mihran Efendi. Islamische Gelehrte haben statt "meal" genannten annähernden Übersetzungen umfassendere Tafsire vorgezogen und gelehrt bis ins 20Jh hinein. Kurz : nur mit „Koranübersetzungen“ und ein wenig Hadithe auswendiglernen und lesen kann man nicht islamische Gelehrsamkeit erreichen und wer darauf beharrt der läuft gefährlichem Glatteis. Es sei noch erwähnt dass annähernde Übersetzungen niemals Koran sind und es niemals ersetzen können. Es sind Bücher die nicht Koran sind ! Koran ist nicht übersetzbar.
Shir at ul Islam, Muhammed Bin Ebu Bekir (gest. 1177) kommentiert von Seyyid Alizade (gest. 1524), Istanbul,1979, S.73 f. :
Frage: Rasulullah (sallallahu aleyhi wessellem) sagte „Ziehet aus Beispielen Lehren!“ Ausserdem in Sura Hashr Ayat 2 steht wird mitgeteilt „Nun O ihr Verständigen und Besitzende des Basiret ziehet Lehren“. Dies geht nur durch Re´y (Vernunftschlüsse). Warum wurde dann gedroht über mittels Re´y Gedanken zu äussern ?
Antwort: Der Hadith „Wer Kuran al karim mit eigenem Re´y erläutert soll sich vorbereiten auf sein Platz in der Hölle.“ hat ein Bezug auf Wortsinn und Semantik. Zum Wortsinn : Dieses Wort Y bedeutet nicht so sondern dies oder die Ausdruck des Wortes lautet so oder wie „dies ist die Aussprachweise des X“. Vom Semantik her gibt es zwei Teile : Erstens : Tafsir. Vom grossen Gefährten (Allahs Wohlgefallen sei mit ihnen) Ibni Abbas und andere hatten wie vom Rasulullah gehört die Offenbarungsanlässe , so manche Überlieferungen und Probleme erläutert. Katade (Allahs Wohlgefallen mit ihm) sagte „Es gibt kein Ayat worüber ich nicht nichts gehört hätte.“ Nach dem Gefährten kommende wahre Tafsir-Gelehrte haben in ihren Werken das festgehalten was von den Gefährten berichtet worden ist. Wenn jemand ein Ayat erläutert anders als die Tafsir-Gelehrten berichteten , nur nach seinem eigenem Kopf anmassen zu erläutern oder wenn er (nach eigenem Überlegung) den Offenbarungsanlass kundtut wird er Kafir (Nicht-Muslim). In ehrwürdigen Hadithen werden solche genannt. Der Zweite ist Tawil. Tawil ist Zuwenden an Erläuterung vom Keshf (Sichtung; Vernunftschlüsse) herrürend. Beispielsweise : Wenn man fragt „Was bedeutet „La raybe fihi“ ?“ ist zu beantworten „Darin gibt es kein Zweifel“ welches ein überliefertes Tafsir (Tafsir-i Riwayet) ist. Wenn du aber „du hast den zweifel beseitigt obschon die Kafir darüber Zweifel hatten“ sagst ist damit gesagt „Im Wesen Kurans gibt es kein Zweifel, wenn man gut bedenkt wird dies klar“ somit ist dies Tawil. Kurz: Tafsir wendet sich zu Riwayet (Überlieferung) und Tawil dem Dirayet. Das Akzeptablere ist die Erforschung von Imamül eimme. Über den Kuran al karim nur Überliefertes zu berichten passt nicht dem Ziel. Würde solch ein Bedingung existieren müsste man einige Worte der Tafsirgelehrten der Gefährten Ibni Abbas und Ibni Masud und andere (Allahs Wohlgefallen mit ihnen) widersprechen und von sich weisen. Sie hatten auch Tafsir nach ihrer eigenen Re´y. Nicht alles was sie überlieferten hörten sie vom Rasulullah (sallallahu aleyhi wessellem). Bei manchem Ayat-Deutung gibt es Nicht-Übereinstimmung unter den Tafsirgelehrten. Sie sagten Worte die nicht im Einklang zu bringen sind. Wie kann man sagen dass alle diese überliefert sei (vom Propheten)? Im Gebet des Propheten (sallallahu aleyhi wessellem) zu Ibni Abbas Allahs Wohlgefallen mit ihm) heisst es „O Schöpfer ! Mach ihn zum Faqih (Rechtsgelehrter) in der Religion und bring ihm Tawil bei.“ [...]
Denkbar sind zwei Herangehweisen zum Verbot der Deutung des Kurans nach eigenem Sicht:
1- Der nach eigenem Sicht Kurandeuter hat ein Zeil und Absicht. Sein Herz neigt daraufhin. Um sein Wunsch bestätigt belegt zu wissen versucht er Tawil zu machen. Hätte er nicht dieses Begehren und Wunsch käme nicht in seinem Sinn den Kuran so zu deuten. Solch Tawil kann mit wissenschaftlichen Mitteln geschehen. Obwohl die Bedeutung der ehrwürdigen Ayat nicht dem entspricht was sie sagen sind die Ahl-i Bidah in dieser Art indem sie versuchen ihre verirrten Ansichten mit Kuranstellen als Beleg aufzuführen. Manchmal geschieht dies auch aus Unwissenheit. Wenn ein ayat mehrfach deutbar ist nimmt er nur jene die seinem Ansicht konform ist. Somit deutet er den Kuran nach seinem Ansicht. Denn diese Wahl kommt aus seinem Begehren. Hätte er dieses Begehren nicht würde er nicht diese spezielle Deutung vorziehen. Manchmal hat einer sahih (echte,wahrhaftige) Absicht Ziel und sucht ein Beleg aus dem Kuran al karim. Obwohl er weiss das das beabsichtigte und Bedeutung nicht zutrifft versucht er es dennoch als Beleg aufzuführen. Beispielsweise weiss er schon dass der Hadith „Wacht am Ende des Nachts auf, denn bei Sahur dem Nachtessen gibt es Baraka (Segen).“ sich auf das Essen bezieht aber er versucht statt „Essen“ „Zikr „(Gedenken) herauszulesen. Ferner jemand der ruft Selbstkritik und Selbstzucht zu üben und als Beleg „Geh zu Pharao. Denn er hat wahrhaft extrem übergetreten.“ (sura Taha 24) aufführend und dabei „Pharao“ mit „Nefs“ (Selbst,Ego) gleichsetzend. Um ihre Worte zu verschönern und als Motivation zu ihren Worten verhalten sich manche Prediger so. Aber solche Tawil sind verboten. [..]
2- Nur arabische Sprache und Grammatik beherrschende Korandeuter irren oft an vielen Stellen und reihen sich somit jenen an die nach eigenem Sinn Tafsir machen. Nach die Arabische Sprachlehre erlernt ist muss man gut erlernen was vom Rasulullah überliefert ist und die lafz,ihtisar,takdim und tehir darin gut erlernen. [..]
(Auszug Ende)
Einfach sind des Qur´ans Worte,
doch zu ihren Tiefen hin
Führt durch der Erkenntnis Pforte
Anderer, geheimer Sinn.
Nun, auch dies ist nicht der letzte,
der des Wissens Drang erfüllt;
noch ein dritter Sinn, ein vierter
liegt darin, Nur Allah enthüllt.
Siebenfacher Sinn, verborgen,
ruht in Allahs hehrem Wort,
einer baut sich auf dem andren
bis zur Endbedeutung fort.
Hafte nicht (stets) am äußren Wesen:
Adam ist Erdenkloß.
Nein, im Innern mußt du lesen.-
Du entdeckst der Seele Schoß.
So, die äußere Erscheinung
Des Our´ans liegt auf der Hand,
aber seine wahre Meinung
birgt sich menschlichem Verstand.
Mewlana Dschalal-Din Rumi (um 1250)