Allahs Segen auf dieser Welt 

Allah gibt und seine Gunst, seinen Segen und seine Gaben. Seine Güte erreicht jeden Menschen, gleich ob gut oder böse, zu jedem Augenblick. Ohne Unterschied schenkt er uns Eigentum, Kinder, Nahrung, zeigt uns den Weg zum Islam, zu Rechtleitung und Sicherheit und zum Guten.

Die Menschen unterscheiden sich jedoch in der Art und Weise wie sie Allahs Gaben annehmen oder in ihrer Unfähigkeit dazu. Sure An-Nahl (16), Ayat 33, 34 sagt:

„...Allah war nicht ungerecht gegen sie, jedoch sie waren ungerecht gegen sich selbst. 
So ereilen sie die bösen Folgen ihres Tuns und das, was sie zu verhöhnen pflegten, umschloss sie von allen Seiten.“

Die Sonne scheint gleichermaßen auf den Wäscher wie auf das Leintuch. Das Gesicht des Wäschers bräunt sie jedoch, während sie das Leintuch bleicht.
Ebenso scheint sie gleichermaßen auf den Apfel und die Pfefferschote und lässt dabei ersteren erröten und süß werden, während sie letztere bitter macht. Obwohl Süße wir Bitternis durch die Strahlen der Sonne verursacht werden, ist ihre Unterschiedlichkeit nicht auf diese zurückzuführen, sie liegt in den Früchten selbst. 
Da Allah sich um die Menschen sorgt, mehr noch als eine Mutter um ihre Kinder, hat er im Koran erklärt, wie jeder Mensch, jede Familie und Gesellschaft, jede Nation in aller Welt zu jeder Zeit handeln sollte, wie sie ihr Leben meistern und wovon sie Abstand nehmen sollte, um in der diesseitigen wie auch in der jenseitigen Welt zu bestehen.

Die Gelehrten haben all das mit scharfem Verstand studiert und in Millionen von Büchern aller Welt mitgeteilt. Das bedeutet, dass Allah die Menschen nicht frei in ihren Handlungen gelassen hat. Demzufolge gibt es keinen Platz der Welt, an dem der Koran nicht übermittelt worden ist. Der Islam kann von weltlichen Angelegenheiten nicht getrennt werden. Dies zu versuchen, bedeutete den Islam zu zerstören und die Muslime von der Welt vertreiben zu wollen.

Der Grund, warum manche Menschen nicht den Segen des Jenseits erlangen werden ist der, dass sie sich von Allah abwenden. Wer das aber tut, wird verlieren. Ein bedeckter Behälter wird den Aprilregen nicht auffangen. Dennoch, viele Menschen, die sich von Allah abgewendet haben, scheinen die Früchte dieser Welt zu ernten und auf nichts verzichten zu müssen. Jedoch ist das was sie erhalten die Belohnung für ihre Anstrengungen in dieser Welt. Dinge, die aber als Segen in dieser Welt betrachtet werden, sind meist nichts als Katastrophen und Qualen. Es sind Unglücke, die Allah täuschend ihren Eigentümern reicht, welche sie als Glück missdeuten. Sure Al Muminun (23), Ayat 55, 56 sagt:

„Meinen sie denn, indem wir sie reichlich mit Glücksgütern und Söhnen versorgen, würden wir uns beeilen, ihnen Gutes zu tun? Nein, sie nehmen es nicht wahr.“

Daraufhin werden die weltlichen Dinge die jenen gegeben, die sich von Allah abgewendet haben, zu Trostlosigkeit und Unglück. Sie sind wie Süßigkeiten für Diabetiker. 

Das Herz ist eine Kraft, die in einem gleichnamigen Körperteil existiert. Die Seele hingegen lebt im ganzen Körper. Wenn das Herz dem nafs folgen und Unglauben oder Sünden begehen möchte, dann wird Gott, sofern er sich dieser Person erbarmt, nicht zulassen, dass sie Sünden begeht und sie wird daran gehindert sein. Hat Gott aber kein Mitleid, wird er den Menschen die Sünde begehen lassen und ihn dafür bestrafen. Ein Mensch wird also durch sein eigenes Handeln zu Qual und Unglück getrieben, sofern er seinem nafs folgt.

Frage: Hätte Gott nicht das nafs erschaffen, wären Menschen frei von Täuschung. Niemand würde Schlechtes tun und alle könnten ins Paradies gelangen. Wäre das nicht besser?

Antwort: Die Erschaffung des nafs ist für das Leben des Menschen vorgesehen, um ihn zur Vervielfältigung und Arbeit in dieser Welt anzuspornen und um thawab (Verdienste) des djihad (Anstrengung) für das Jenseits zu erlangen. 
Gott hat das nafs aus vielen Gründen erschaffen. Andererseits hat er aus Mitleid zum Menschen aql (Vernunft) in ihn gesetzt. Außerdem hat er uns Gebote und Verbote herabgesandt, so dass jeder sich von seinem nafs befreien, es kontrollieren, seinen Schaden abwenden und so in Ruhe leben kann. Vernunft ist eine Kraft, welche die guten und schlechten Einflüsse des Hirns, Satans und des nafs prüft und unterscheidet. Während dieses Vorgangs wird es, sofern es das Gute wählt, aql as-salim genannt. Durch das Senden von Propheten hat Gott seinen Dienern außerdem das Gute und Nützliche nahegebracht, das Schlechte und Schädliche deutlich gemacht und ihnen gezeigt, dass die Begierden des nafs schädlich sind. Die Vernunft kann zwischen den Begierden des nafs und den Dingen, die von den Propheten als nützlich bestimmt wurden, unterscheiden und dies dem Herzen übermitteln. Wenn das Herz die Gedanken des aql vorzieht, so werden die Wünsche des nafs nicht erfüllt, das bedeutet, man wird seinen Körper die Handlung nicht ausführen lassen. Wenn man vorzugsweise diejenigen Handlungen durchführt, die nach der sharia (religiöses Recht) als gut und richtig gelten, wird man Zufriedenheit erlangen. Der Vorgang der Entscheidung des Herzens für etwas gutes oder schlechtes wird kasb genannt. Die Bewegung menschlicher Glieder hängt vom Gehirn ab und das Gehirn hängt vom Herzen ab. Die Glieder handeln also in Übereinstimmung mit dem Herzen. Das Herz ist das Zentrum, in welchem sich alle Einflüsse der Sinnesorgane, des Geistes, des nafs und Satans ansammeln. Wenn sich also das Herz nach dem Verstand richtet, wird das nafs den Menschen nicht davon abhalten, ewigen Segen zu erlangen.

(Übersetzt von Schwester Iman aus dem Buch Endless Bliss)

Nafs  

(f.), pl. nufûs: Seele, Psyche, Gemüt, Wunsch, Verlangen, Appetit; eigentliches Wesen; Selbst, eigene Person; (m.) Person, Individuum (...)

 Bedeutung im islâmischen Kontext:

 Im Quran im Sinne von menschliche Seele, Seele; selbstsüchtiger diesseitsbezogener Antrieb im Menschen; die Seele des Muslims durchläuft drei Stufen der seelischen Entwicklung seiner verschiedenen Eigenschaften. Die erste Stufe wird vom Quran folgendermaßen charakterisiert:

„Und ich rechtfertige mich nicht selbst; denn die Seele gebietet oft Böses; davon sind jene ausgenommen, derer mein Herr sich erbarmt. Wahrlich, mein Herr ist Allverzeihend, Barmherzig“ (12:53). Diese Stufe wird nafsi ammara, „die zum Übel antreibende Seele“ genannt. Beginnt der Mensch an seiner moralischen Entwicklung zu arbeiten, betritt er die Stufe der „nafsi lawwame“, „die sich selbst anklagende Seele oder die tadelnde Seele“, wie der Quran sagt: „Und ich schwöre bei der sich selbst verklagenden (reumütigen) Seele“ (75:2). Denn beginn des spirituellen Stadiums des Lebens beschreibt der Quran mit den Worten: „O du ruhige Seele! Komm zufrieden zurück zu deinem Herrn und mit (Allahs) Wohlwollen; so schließ dich dem Kreis  Meiner Diener an. Und tritt ein in Mein Paradies“ (89: 27-30). Dieser Bereich der Seele wird nafsi mutma’inne genannt, „die Seele im Ruhestand oder die Seele, die in Frieden mit Gott lebt“. Wenn ein Muslim sagt „dem nafs folgen“ meint er seinen Gelüsten nachgehen. Sagt er hingegen seinen nafs brechen, meint er „seine Gelüste bezwingen, sich beherrschen, sich bezähmen. (Möge Allah Ta’ala diese Tugenden jedem Seiner Diener -´abd- zukommen lassen. Âmin.)

Quelle: Wörterbuch islâmischer Begriffe von Muhammet Mertek

 

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