Hautfarbe und Rasse im Islam
- A.
Sahin -
Bilal
Habaschi ( Allahs Wohlgefallen auf ihn) gehörte zu den Wegbereitern des Islam.
Er war lange Sklave von Umaija Ibn Chalaf, einer der führenden Persönlichkeiten
des polytheistisch orientierten Stammes der Quraisch. Nachdem er den Islam schon
in dessen ersten Tagen angenommen hatte, musste er unerträgliche Quälereien über
sich ergehen lassen. Man zwang ihn, sich in den heißen Wüstensand zu legen und
legte schwere Steine auf seine Brust. Dann ließ man ihn in der heißen Sonne
schmoren. Man peitschte ihn ständig aus, er aber reagierte auf die Folterungen
mit den Worten: „Einer! Einer! Allah ist Einer!" Nach Jahren der Qualen kaufte
ihn Abu Bakr (möge Allah an ihm Wohlgefallen haben!) von seinem Besitzer und
entließ ihn dann unverzüglich in die Freiheit. Nach der Hijra, der Auswanderung
der Muslime nach Medina, ernannte ihn Gottes Gesandter (Friede und Segen seien
mit ihm!) zum Muezzin - zum Gebetsrufer. Von seinen Gefährten wurde Bilal so
geschätzt, dass 'Umar, der zweite Kalif, von ihm sagte: „Bilal ist unser
Meister, und unser Meister (womit er Abu Bakr meinte) hat ihn
freigelassen."
Im Koran wird Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen
nachdrücklich eingefordert und als Ideal gepriesen. Diskriminierung auf der
Grundlage von Zugehörigkeit zu einem Volk, zu einer Rasse oder zu einem Stamm
wird dagegen unmissverständlich abgelehnt:
O ihr Menschen! Wir haben
euch fürwahr von Mann und Frau erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und
Stämmen gemacht, damit ihr euch einander kennen lernet. Fürwahr, der
Angesehenste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Fürwahr,
Allah ist allwissend und allkundig. (Der Koran, 49:13)
Abu Dharr(
Allahs Wohlgefallen auf ihn), der Anführer des Stammes der Ghifar und ebenfalls
einer derjenigen, die den Islam schon in dessen ersten Tagen angenommen hatten,
berichtet: „Ich hatte einmal eine Diskussion mit Bilal. Aus unserem Gespräch
entwickelte sich ein Streit. Weil ich mich über ihn ärgerte, kam mir folgende
Beleidigung über die Lippen: ‚Du kannst das nicht verstehen, du Sohn einer
schwarzen Frau!' Weil der Islam alle Arten von Diskriminierung auf Grund von
Rasse, Stamm und Hautfarbe ausdrücklich verbietet, war Bilal einerseits sehr
bestürzt andererseits aber auch zutiefst verärgert. Kurz darauf kam ein Mann zu
mir und teilte mir mit, der Gesandte Gottes wünsche mich zu sprechen. Ich begab
mich sofort zu ihm. Er sagte zu mir: ‚Man hat mir mitgeteilt, dass du Bilal als
den Sohn einer schwarzen Frau bezeichnet hast.' Ich schämte mich sehr und konnte
nichts darauf erwidern. Der Gesandte Gottes aber fuhr fort: ‚Das bedeutet, dass
du immer noch an den Prinzipien und Bewertungskriterien der vor-islamischen Tage
der Unwissenheit festhältst. Der Islam hat all jene falschen Standards und
Maßstäbe, auf Grund derer Menschen nach ihrer Abstammung, ihrem Ruhm, ihrer
Hautfarbe oder ihrem Reichtum beurteilt werden, verworfen. Er hat festgelegt,
dass der beste und ehrenwerteste Mensch derjenige ist, der am gottesfürchtigsten
und rechtschaffensten in seinem Verhalten ist. Ist es etwa legitim, einen
Gläubigen zu diffamieren, nur weil er eine schwarze Hautfarbe hat?'" Abu Dharr
empfand tiefe Reue. Er ging direkt zum Hause Bilals. Er legte seinen Kopf auf
die Türschwelle und sagte: „Dieser Kopf wird sich nicht von hier erheben, bis
die gesegneten Füße von Bilal auf das Gesicht des dummen, unhöflichen Abu Dharr
treten." Bilal entgegnete ihm: „Dieses Gesicht verdient es, geküsst zu werden,
und nicht, dass jemand darauf tritt." Damit vergab er Abu Dharr.
Zaid Ibn
Haritha ( Allahs Wohlgefallen auf ihn) gehörte zu den ersten vier Menschen, die
den Islam annahmen. Sklavenhändler hatten ihn seinen Eltern entführt und ihn auf
dem Markt von Mekka verkauft. Chadidscha, die spätere Frau des Propheten
Muhammad, erwarb ihn und machte ihn bei ihrer Hochzeit ihrem Gatten zum
Geschenk. Der Prophet ließ Zaid frei und akzeptierte ihn als seinen Sohn. Nach
Jahren der Suche fanden die Eltern Zaid in Mekka. Dieser zog es jedoch vor, beim
Propheten zu bleiben. Auch Zaid war ein Schwarzer. Der Gesandte liebte ihn sehr.
Er gab ihm Zainab Bint Dschahsch( Allahs Wohlgefallen auf ihr), die für ihre
Schönheit und ihren Mut bekannt war, zur Frau. Er ernannte Zaid zum Kommandanten
der muslimischen Armee in der Schlacht von Mu'ta, in der die Muslime erstmals
mit den Römern zusammentrafen. In diesem Kampf fand Zaid den
Märtyrertod.
Zaid hatte einen Sohn namens Usama( Allahs Wohlgefallen auf
ihn). Der Prophet liebte auch ihn über alle Maßen. Als Usama noch ein Kind war,
ließ der Prophet ihn auf seinem einen Knie sitzen, während Umama, die kleine
Tochter eines seiner Gefährten auf dem anderen Platz nahm. Nach dem Tode des
Propheten teilte der Kalif 'Umar Usama ein höheres Gehalt als seinem eigenen
Sohn 'Abdullah zu, obwohl beide gleichaltrig waren und sich gleich große
Verdienste erworben hatten. 'Umar begründete dies 'Abdullah gegenüber so: „Mein
Sohn! Allahs Gesandter liebte Usama mehr als dich und dessen Vater mehr als
deinen Vater."
Kurz vor seinem Tode stellte der Prophet eine Armee gegen die
Römer zusammen, zu der auch alle führenden Gefährten einschließlich Abu Bakr und
'Umar gehörten. Usama aber bestimmte er zum Kommandanten dieser Armee, obwohl
dieser doch noch ein Jüngling war. Er sagte: „Da sein Vater die erforderlichen
Qualitäten besaß um eine Armee zu befehligen, ist auch Usama in der Lage, ein
Kommandant zu sein."
Aus der Zeitschrift "Die Fontäne" Nr.11