Islamophobie
Auch im Zeitalter der Information im Zeiten des Internets mangelt es den Bürgern und auch dem Intellektuellen der befriedigende Kenntnis über die Grundlagen des Islams. Wegen Unwissenheit lassen sich Menschen eher manipulieren. So werden die Terrornachrichten auch dahingehend mancherorts missbraucht zu Islamophobie, was so wie heisst "Ängste schüren Hass schüren über Islam". Vorurteile und Klischees verfestigen sich. Mehr noch eine Kultur des Intoleranzes und Fremdenfeindlichkeit wird dadurch gefördert. In Schulbüchern sogar wurde und wird zum Teil noch heute Vorurteile und falschen Informationen weitergegeben. (siehe z.B Falsche Informationen in Schulbüchern )
Aus www.derislam.at : von Carla Amina Baghajati :
Islamophobie
- Versuch einer Definition
Um die vorherigen Überlegungen zu einem vorläufigen Abschluss zu bringen, soll
der Begriff „Islamophobie“ hier in der Weise umrissen werden, wie wir ihn für
unsere Arbeit verstehen. Dabei greifen wir auch einzelne Elemente der Studie des
Runnymede Trust auf:
Islamophobie bezeichnet ein Verhältnis zum Islam als Religion und mehr noch den
Menschen dieses Glaubens, das durch heftige emotionsgeladene Abneigung
gekennzeichnet ist. Dabei wird durch tiefsitzende Ängste gegenüber dem Islam
eine Dimension erreicht, die eine Einstellungsänderung sehr schwierig gestaltet
und einen offenen Zugang zum Thema vorerst so gut wie unmöglich macht. Sehr
viele Facetten können eine Rolle spielen und der jeweilige Grad der
Islamophobie variieren. Islamophobie ist zudem mehr als nur ein Defizit des
einzelnen durch die Beschränkung seines Horizonts, das den spannungsfreien
Austausch mit dem Islam behindert. Aggressionen können leicht soweit führen,
dass Menschen in der Beschränkung durch Islamophobie nicht nur zu ihrem eigenen
Opfer werden, sondern auch aktiv ihre Einstellung weitertragen. Polemisieren und
Agitieren gegen den Islam und gegen Muslime im persönlichen Umfeld kann genauso
die Folge sein wie eine systematische Instrumentalisierung der in der Bevölkerung
verbreitet anzutreffenden Islamophobie zu eigenen Zwecken. Islamophobie begünstigt
auf fatale Weise die Konstruktion von Sündenböcken. Die Dimension, in der die
Islamophobie auf den sozialen Frieden in der Gesellschaft, auf die Wirtschaft,
die Forschung, die Politik und andere Segmente negativ einwirkt, wird bisher
noch unterschätzt. Dabei ist Islamophobie ein sehr ernstzunehmender Störfaktor
und kann zur Blockade vieler Potentiale führen.
Die Position einer entschiedenen Anti-Haltung gegenüber dem Islam wird als
berechtigt angesehen, da dieser als statisch und unfähig sich auf neue
Situationen einzustellen betrachtet wird. Von der übrigen Welt aus eigenem
Selbstverständnis und Willen abgekapselt, wären Muslime nach dieser
Betrachtungsweise unfähig zu Kontakten und einer echten Auseinandersetzung unwürdig,
was auch in ihrer per se gegebenen Minderwertigkeit begründet liege. So seien
Muslime nun einmal nicht zur kritischen Vernunft befähigt, grausam,
menschenverachtend, frauenfeindlich, rückwärtsgewandt, schicksalshörig und
mehr oder weniger offensichtlich darauf ausgerichtet, anderen Menschen ihre
Religion auch noch aufzuzwingen oder die Herrschaft über sie an sich zu reißen.
Diese Sichtweise wird durch tradierte Feindbilder, Klischees, Stereotype und
Vorurteile gespeist, die scheinbar durch Nachrichten aus der islamischen Welt
oder durch negative Einzelvorkommnisse, die auf den gesamten Islam übertragen
werden, ihre Bestätigung finden. Gravierend ist auch das Problem, dass aufgrund
mangelnder sachlicher Information über den Islam der eigene kulturelle und
soziologische Erfahrungshintergrund oder historische Prozesse aus dem eigenen
geschichtlichen Kontext einfach auf den Islam und die Muslime übertragen
werden, was beispielsweise in hohem Maße für das Thema „Stellung der Frau im
Islam“ gilt. Aus dieser Perspektive heraus ist allein das Herantragen des
Gedankens, eine kritische Reflexion über die eigene Sichtweise könnte auch im
eigenen Interesse lohnend sein, mit Unverständnis und Ablehnung verbunden. Die
Begegnung mit dem Islam ist von Widerwillen begleitet und der soziale Umgang mit
Muslimen blockiert oder erschwert. Als gleichberechtigter Gesprächspartner käme
der Islam nicht in Betracht. Feindseligkeiten gegenüber dem Islam werden vor
diesem Hintergrund häufig heruntergespielt oder als berechtigt eingeordnet.
Eine bewusste Diskriminierung von Muslimen erscheint Menschen, die als
islamophob zu bezeichnen wären, oft sogar angebracht. Zumindest aber wird für
den Versuch einer gesteuerten und geförderten Anpassung der muslimischen Bevölkerung
plädiert, die mit ihnen im gleichen Lande lebt, an die Art, wie sie ihre eigene
Lebensweise einschätzen. Durch die bis jetzt mangelnde Ausformung und
differenzierte Verwendung der Begriffe „Integration“ und „Assimilation“
entstehen hier zusätzlich Unschärfen, die zu Lasten der Muslime gehen.
Der offene Zugang würde dagegen eine differenzierte Sichtweise des Islam
beinhalten, die diesen als neben dem eigenen anderen Glauben oder einer anderen
Lebensanschauung genauso respektwürdig wahrnimmt. Der Blick auf dynamische
Prozesse innerhalb der islamischen Welt und der Gemeinschaften der Muslime in
Europa, Amerika oder Australien würde nicht verstellt und die Fähigkeit des
Islam zu anderen Religionen und Kulturen positiv in Beziehung zu treten
geachtet. Mehr Wissen um die Vielfalt innerhalb des Islam bei einer gleichzeitig
sehr ausgeprägten gemeinsamen islamischen Ethik könnte diese ausgeglichene
Haltung bestärken. So kann durch den offenen Zugang der Weg hin zu einem Dialog
eröffnet werden, der Muslime als Partner in Betracht zieht und Kritik am
jeweils anderen dabei nicht nur zulässt, sondern ernsthaft diskutiert, weil der
Austausch als bereichernd bewertet wird. Die Neugier auf den anderen steht im
Vordergrund. Verständnis als Basis gemeinsamen Handelns kann sich entwickeln,
weil gegenseitig nicht die Vermutung im Raum steht, der eine wolle durch den
Aufbau dieses Verständnisses letztlich doch nur die Abkehr des anderen von
seinem Glaubenshintergrund und seiner Lebensweise erreichen.
Der von uns angestrebte offene Zugang zum Islam würde mehr als nur ein sich
gegenseitiges Tolerieren mit sich bringen, sondern ehrlichen Respekt füreinander
bedeuten, der ein Leben miteinander und nicht nur nebeneinander begünstigt, in
dem man sich nicht nur „aushält“, sondern das Andere als allgemeine
Bereicherung zulässt.
In diesem Sinne unterstreichen auch wir, dass Islamophobie eine Herausforderung
für uns alle bedeutet. Diese ernsthaft anzunehmen, bedeutet einen ersten und möglicherweise
zukunftsbestimmenden Schritt auf dem künftigen Weg. Allein das gemeinsame
Erarbeiten von Strategien und Aktionsplänen könnte hier bereits eine sehr
positive Dynamik schaffen und die aufgeschlossene Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
gewinnen.
Die Überwindung von Islamophobie als gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Die Beschäftigung mit Islamophobie ist eine gesamteuropäische Aufgabe. Der
jeweilige nationale Kontext soll aber nicht aus den Augen verloren werden.
Islamophobie kann in den jeweils verschiedenen Milieus auch unterschiedliche
spezielle Ausprägungen haben. Der rege Austausch und vergleichende Ansätze
sind in der Arbeit dabei gewiss sehr fruchtbar. Das Sammeln von „best
practices“ im Umgang mit Islamophobie könnte garantieren, dass gute
Erfahrungen mit Strategien und Programmen auch für andere leicht zugänglich
werden und zur Adaptierung im eigenen Rahmen einladen. Im folgenden einige
Vorschläge, die sich direkt an unserer Arbeit orientieren:
- Analyse der Abwehrreaktionen gegen den IIslam auf Basis des Materials, das
Diskriminierungserfahrungen von Muslimen spiegelt. Durch diese Beschäftigung können
die Punkte ins Blickfeld rücken, die am häufigsten den Anstoß zu negativen
Reaktionen liefern. Ängste müssen sichtbar gemacht werden, um zu ihrer Überwindung
beitragen zu können.
- Erstellung eines darauf aufbauenden Kataaloges von konkreten und immer
wiederkehrenden islamophoben Äußerungen
- Sichtung schon geleisteter Forschungstättigkeit auf dem Gebiet und Präsentation
für mögliche Multiplikatoren. Viele interessante Ergebnisse und spannende neue
Ansätze sind bisher nur einem Fachpublikum zugänglich. Wenn man mit viel Glück
mit zehn Jahren und mehr Wartezeit rechnen muss, ehe sich wichtige Erkenntnisse
auch der breiteren Öffentlichkeit erschließen, so ist dies zu langwierig.
- Gezielte Entwicklung von Programmen an SSchulen, die Heranwachsenden die Möglichkeit
eines vorurteilsfreien Zugangs erschließen. Viele Ursachen der Islamophobie können
in der Schulzeit liegen, wenn bereits die Schulbücher die üblichen
Anschauungen weiterführen. Die umfangreiche Studie von Frau Professor Susanne
Heine „Islam zwischen Selbstbild und Klischee“ leistete hier für den
deutschsprachigen Raum einen sehr wichtigen Beitrag. Neben der sorgfältigen Überprüfung
der Unterrichtsmaterialien sollte aber auch die Gelegenheiten zu einem direkten
Kontakt mit Muslimen, die ihre Sichtweise im Dialog einbringen, gegeben sein.
- Informationskampagnen für Erwachsene. Seei es im Rahmen der beruflichen
Weiterbildung, sei es durch Medien- und andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit.
Schon die Vermittlung einiger Tatsachen könnte, würde sie ins Bewusstsein
dringen, differenziertere Sichtweisen fördern: Dass Muslime sich schon aus
religiösen Gründen auf dem Boden der Verfassung des Landes , in dem sie leben
und das ihnen Religionsfreiheit zusichert, bewegen, dass ihre Moscheen nicht aus
Steuergeldern finanziert werden, dass die Frau im Verhältnis zum Mann als
gleichwertige Partnerin betrachtet wird, um nur einige Beispiele zu geben.
- Politische Partizipation von Muslimen. DDas aktive und passive Wahlrecht soll
wahrgenommen werden, damit auch auf dieser wichtigen Ebene immer mehr
verdeutlicht wird, dass ca. 34 Millionen Muslime in Europa Teil der Gesellschaft
sind.
- Beschäftigungsprogramme speziell für musslimische Frauen.
Mehrfachdiskriminierung führt oft zu einer so gut wie chancenlosen Situation am
Arbeitsmarkt. Muslimische Kleidung darf kein Hindernis für Berufstätigkeit
sein, denn gerade hier können gängige Klischees über die Rolle und den
sozialen Status der muslimischen Frau abgebaut werden und sich neue Perspektiven
für Frauen auftun.
- Maßnahmen in Richtung eines „empowermentt“ der zweiten und dritten
Generation. Junge Menschen aus Migrantenfamilien sind besonders geeignet, eine
Funktion als Brückenbauer übernehmen zu können. Ihre Qualitäten wie
Mehrsprachigkeit, soziale Kompetenzen im Bereich der Fähigkeit, verschiedenste
soziale Rollen ausfüllen zu können und sich in unterschiedlichen Kulturen
bewegen zu können, werden noch immer zu sehr unterschätzt.
- Tage der Offenen Tür an Moscheen. Diese Form der Begegnung hat sich als
besonders wirkungsvoll herausgestellt, weil hier vor Ort aus der Initiative der
Muslime selbst heraus Hemmschwellen beseitigt werden können.
- Einbeziehung von Muslimen in die Diskusssion von gesellschaftspolitischen und
allgemein interessanten Themen. Die Rede von der „gegenseitigen
Bereicherung“ muss so lange eine Worthülse bleiben, als Muslime in der Regel
höchstens dann um eine Stellungnahme gebeten werden, wenn es um eine
Katastrophe in der islamischen Welt geht. Die Erwartungshaltung, die damit
verbunden ist, löst dabei Unbehagen aus, denn nicht selten werden Muslime in
eine Lage gebracht, sich für Vorkommnisse außerhalb ihres eigenen
Lebenshintergrunds rechtfertigen zu sollen.
- Allgemein stärkere Sichtbarmachung von MMuslimen durch Teilhabe in allen
gesellschaftlichen Bereichen
(Artikel Ende)