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Namibisches Tagebuch 2002
wie war das: für den Inhalt der angegebenen Seiten sind wir natürlich NICHT verantwortlich ....
25.12.2002 - Weihnachten in Windhoek
Weihnachten in Windhoek, eine beschauliche Sache. Man ist fast alleine in der Stadt, denn während der "festive season" fährt die dunkelhäutige Bevölkerung in abenteuerlich vollgeladenen Fahrzeugen gen Ovamboland in den Norden und die weisse Bevölkerung in nicht weniger vollen Autos nach Swakopmund an die kühlere Atlantikküste. Aus Mangel an Kundschaft schliessen viele Geschäfte und Restaurants. Die Nationalarmee rückt in diverse Stadtteile ein, da die Zahl der Einbrüche rasant ansteigt. Will man nach Swakopmund, muss man Monate im voraus Unterkunft und Tage im voraus Tische in Restaurants reservieren. Aber will man wirklich dorthin? Die gleichen Nasen wie in Windhoek, Stau in dem kleinen Ort, übervolle Geschäfte, etc. Wir setzen uns lieber nach Kapstadt ab.16.12.2002 - Perlhuhn (Guinea fowl, Numida meleagris)
Der Benz hat ein Perlhuhn erlegt, wahrscheinlich ein suizidgefährdetes, denn normalerweise sind Perlhühner nicht so dämlich, mitten auf der Strasse stehenzubleiben. Wer uns kennt, weiss, dass das Perlhuhn keinem Schakal zum Opfer fiel, sondern im Kofferraum landete, waidgerecht gehäutet und ausgenommen wurde und nun in Wein eingelegt darauf wartet, verzehrt zu werden. Zum Glück wurden wir noch rechtzeitig von einem Namibier informiert, dass Perlhühner dazu tendieren, zäh zu sein und dass man sie deswegen einige Zeit abhängen und marinieren sollte. (Hintergrundinfos zur Zubereitung dieses fasanenähnlichen Tierchens)
12.12.2002 - Himbas im Pick'n Pay
Wozu noch in das Kaokofeld fahren (Annette, das ist nur eine rhetorische Frage - wir wollen da auf jeden Fall hin)? Die Himbas kommen mitten nach Windhoek in den Supermarkt Pick'n Pay! Angeblich, weil sie beim Meteoritenbrunnen einen Stand haben. Sie verbringen die Zeit damit, Rolltreppen runter und Aufzüge hochzufahren, was vielleicht das eigentliche Ziel ihres Ausflugs in die City ist. Die Leute amüsieren sich über das "rote" Volk, das in seine traditionelle Tracht gekleidet (Christoph, sie sind wirklich topless) den Supermarkt auf den Kopf stellt. (hier ein paar Himbabilder)09.12.2002 - Verkehrsunfälle
Wieder ein schwerer Autounfall, bei dem eine Deutsche starb. Ein trauriger Beweis dafür, dass nicht Schlangenbisse oder Raubüberfälle, sondern Autounfälle die bei weitem häufigste Todesursache bei Touristen sind. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
- In Namibia ist Linksverkehr. Auch wenn die Strasse auf der linken Seite noch so schlecht ist und man "sicher" ist, dass keine Auto entgegenkommt, sollte man nie auf der rechten Seite fahren!
- Die Einheimischen fahren z.T. schlecht bis verheerend Auto, besonders die Taxis verursachen sehr viele Zusammenstösse in den grösseren Orten; es wird hirnrissig überholt; Unfälle wegen Alkohol nehmen zu.
- Wild (z.B. Kudu) kreuzt immer wieder die Strassen. Deswegen nicht nachts fahren!
- Die Strassenverhältnisse sind nicht gut. Fast alle Strassen sind Schotterpisten, auf denen man wie in Schnee fährt und sich wegen der spitzen Steine leicht einen Platten holt. Auch die geteerten Strassen sind nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen, da sie sehr schmal und uneben sind.
- Und der häufigste Grund: Viele Touristen fahren zu schnell. In fast allen Autoverleihfirmen kann man Fotos von Autos sehen, die gerollt sind (sich überschlagen haben). Zu Beginn des Urlaubs fahren die meisten noch langsam und vorsichtig, nach ein paar Tagen "hat man das Auto im Griff" (?!). Und dann kommt ein Schlagloch, eine sandige Stelle oder man hat einen Platten und schon ist es passiert. Man sollte die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 120km/h für Teerstrassen nicht überschreiten und auf Schotterpisten nicht schneller als 80km/h fahren! Lieber ein paar Kilometer weniger am Tag "abreissen" und die Landschaft geniessen... (mehr? Noch mehr?)02.12.2002 - Monatsanfang
Jedes Mal am Monatsanfang das Gleiche: die Kaufhäuser werden gestürmt. Man quetscht sich mit Hunderten von Leuten durch die Gänge, an den Kassen sind meterlange Schlangen, viele Sachen sind ausverkauft. Am schlimmsten ist es, wenn der 01. auf einen Freitag oder Samstag fällt. Da wird eingekauft, bis die Kreditkarte glüht, wahre Massen an Lebensmitteln gen Auto geschleppt und abends ist Party angesagt. Als vorausschauender Mensch meidet man an solchen Tagen die Supermärkte, zumal die Geschäfte am 06./07. schon wieder deutlich leerer sind und man entspannter einkaufen kann. Kleinere Gedränge gibt es noch mal am 15. des Monats, wenn Mitarbeiter der Regierung (wie UNAM) ihr Gehalt bekommen, aber gegen Ende des Monats kann man wirklich unbesorgt gen Supermarkt fahren und sich für die nächsten Tage eindecken.14.11.2002 - Ohrenschlackern
Unsere Tage beginnen mit Ohrenschlackern. Das ist das Signal von Odin, dass er wach ist und (raus) muss. Oder spielen will. Wenn es gut läuft, schlackert Odin gegen sechs mit den Ohren und dient als Weckerersatz, manchmal aber auch deutlich früher. Weitere nächtliche Aktivitäten: nach Wolfsmanier sucht der Hund nachts hin und wieder einen anderen Schlafplatz ausserhalb seines Korbes; beschliesst, nachts um halb drei das Moskitonetz anzunagen; versucht, in unser Bett zu springen, oder schlackert nur so aus Spass mit seinen Ohren. Das kann im Stundenrhythmus geschehen. Aber glücklicherweise schläft er seit ein paar Tagen alleine im Wohnzimmer und schlackert dort vor sich hin. Jetzt stehen wir nicht mehr gerädert auf und beneiden ihn, wenn er tagsüber gemütlich ausschläft. Hund müsste man sein. (kennt Ihr Helge Schneider's "es gibt Reis, Baby- schüttel Dein Haar für mich"?)06.11.2002 - Weihnachtsvorbereitungen
Die ersten Nikoläuse sind in den Supermärkten aufgetaucht. Auf den Strassen werden diverse Weihnachtsbeleuchtungen installiert. Irgendwie unwirklich. Draussen hat es über 30Grad und strahlenden Sonnenschein und es will keine weihnachtliche Vorfreude mit Teetrinken, Bratäpfeln und Geschenkekaufen aufkommen. Mittlerweile kann ich den Ausspruch eines befreundeten Namibiers verstehen, der sagte, dass man sich das Plätzchenbacken sparen kann, da man erst beim Backen in der heissen Küche fast eingeht und später die Plätzchen bei der Hitze nur herunterwürgt oder mit kühlen Getränken herunterspült. (ein Link für alle, die sich auf Weihnachten einstimmen wollen)30.10.2002 - Uniklatsch
Mein Chef (Head of Department) hat ein Verfahren gegen die University of Namibia, unseren Brötchengeber, angestrengt. Er war für die Uni ein paar Wochen in Japan und die Uni ist nicht bereit, ihm die per-diem Ausgaben für z.B. Essen zu ersetzen, obwohl es dafür uni-interne Vorgaben gibt. Und er hat vor Gericht - schon aus formalen Gründen (die Uni und ihre Vertreter hielten diverse Fristen nicht ein; soviel zur Qualität des UNAM-Jurastudiums) - gewonnen. Die Uni muss per-diem + Anwalt vom Chef + eigene Anwälte zahlen. Nun liegen neue Punkte an: a) Prüfungsunterlagen, die per DHL eilig nach Kenia geschickt hätten werden sollen, blieben über 3 Wochen am Main Campus liegen. Das Ganze flog nur auf, weil Freitag die Noten eingereicht hätten müssen und der Korrektor noch nicht mal die Post erhalten hatte. b) Zweieinhalb Monate vor Jahresschluss darf nichts mehr bestellt werden, obwohl noch jede Menge Geld budgetiert ist (Frage: was passiert mit dem übrigen Geld?? Anfang des nächsten Jahres dürfen wir nicht mehr darüber verfügen). (wer interessiert ist, hier gibt's mehr Infos zur UNAM)23.10.2002 - Bauigel
Gestern hatten wir Handwerker im Haus. Ein Alptraum. Aufgrund der Mentalität ist es immer ein Trupp von vier Mann; einer arbeitet, drei beobachten das Ganze mehr oder weniger interessiert oder schlafen. Da wir einen Trupp für die Küchenschränke, einen für die Burglar Gates, einen für den Carport und einen für den Garten hatten, kann man sich die Anzahl der Leute ausrechnen. Unser Vermieter schickte sie uns auf den Hals, nachdem wir die (seiner Meinung nach) fällige Mieterhöhung nicht gezahlt hatten, da er wiederum die vor einem Jahr vereinbarten Reparaturen nicht ausgeführt hatte. Nun kann man unseren Garten nicht mehr betreten. Der Gärtner (?) hat überall Kompost ausgelegt, um das Gras zu "boosten" und der stinkt zum Himmel. Nicht mal der Hund will mehr raus. Wir können nur auf Regen hoffen, damit der das Zeugs vielleicht auswäscht.14.10.2002 - Auf den Hund gekommen
Es muss Schicksal gewesen sein, dass wir am Montag nach Okapuka gefahren sind. Sicher nicht, um Norbert Blüm zu treffen. Der war zwar auch dort und hat fasziniert die Kuhantilopen und Springböcke vor der Glasfront betrachtet. Die eigentliche Attraktion des Abends war aber Frieda, eine kleine Bayerische-Gebirgsschweisshunddame, ganze 6 Wochen alt, die ein Bekannter dabei hatte. Als wir erfuhren, dass der Besitzer noch drei Welpen aus dem Wurf abgeben will, gab es (fast) kein Halten mehr. Nach diversen Observierungen entschieden wir uns für Odin und nun "wohnt" er bei uns. Und hält uns nachtelang wach, zernagt Schuhe sowie alles andere, das er erwischen kann, will nicht alleine bleiben ... Diese Auflistung kann noch ewig so weitergehen, aber wir sind zuversichtlich, dass aaaaalles in ein paar Wochen besser wird und wir einen vorbildlichen Jagdhund haben werden. (ein paar Infos über BGS)29.09.2002 - Gäubodenfest in Windhoek?
Wären nicht die vielen schwarzen Gesichter gewesen, man hätte denken können, man befinde sich auf dem Gäubodenfest in Straubing: beiderorts gibt es Ausstellungen für Landmaschinen, Ersatzteile für den Landwirt, Fressstände und Hallen mit allerhand Schnickschnack, AMC-Töpfen und Hausgerätevorführungen. Sogar die Temperaturen in den Hallen waren authentisch. Das beste hier wie dort sind die Rindviecher und die Bokkies. Windhoek kann mit Brahmanen und Afrikanern aufwarten, dafür kommen die Verköstigungsstände nicht unbedingt an die Bierzelte heran. (zum Vergleich Windhoek Show - Gäubodenfest)21.09.2002 - Gelüste
Was das Land aus einem machen kann: nach jahrelanger Leberkäseabstinenz und dank drei- mal- in- der- Woche- mittags- Leberkäsesemmel- beim- Poiger geradezu Leberkäsehass habe ich am Samstag mit Genuss ca. 200g Leberkäse mit Senf und sauren Gürkchen vernichtet. Vorher hatten wir ein Pfund Maultaschen in unseren Einkaufskorb geladen und sind nur knapp an der Leberwurst vorbeigekommen. Ich sehe mich schon mit Dirndl im Biergarten in Tsumeb sitzen und zusammen mit Gottlieb Fischer heimatliche Liedchen jodeln. (und dabei gibt es diverse Cuisine- Empfehlungen für Windhoek)06.09.2002 - UNAM 10th Anniversary
Eigentlich waren die ganze KW36 Veranstaltungen am Main Campus. Dank der hervorragenden Organisation erhielt Otto Normalstaff aber erst Donnerstag das Programm für die letzten Tage zusammen mit der Verpflichtung, am Freitag am Sportplatz zum Bäumepflanzen durch HE (His Excellence) Sam Nujoma himself zu erscheinen. Ein Riesenspass: Durchsuchung am Eingang (meinen Pfefferspray fanden sie aber nicht!?!), brüllende Hitze, keinerlei Sonnenschutz, Refreshments erst nach der Veranstaltung, umzingelt von kalaschnikowtragenden Militärs und Bodyguards und dann kam er mit einer Stunde Verspätung. His Excellence. Und ermahnte die versammelte Studentengemeinde, nicht zu trinken, da man davon AIDS bekommt. Das sind Erkenntnisse. (man beachte den offiziellen Internet auftritt von HE)08.08.2002 - Kirchenlieder
Aaaargh! Es ist wieder soweit. Diese schrecklichen Sänger von der Kirche gegenüber proben wieder. Nicht genug, dass sie für jedes noch so wenig geübte Lied ihr Mikro voll aufdrehen und Schlagzeug einsetzen müssen - nein, nun haben sie zu allem Übermass eine weibliche Vorsängerin. Als ob der Mann nicht schrecklich genug wäre! Nun trällern sie gemeinsam bzw. aneinander vorbei in übelsten Misstönen. Unser Nachbar hat schon eine Unterschriftenaktion gestartet, damit wir eines Sonntagmorgens gegen 8.30Uhr, wenn es normalerweise losgeht, ein Plakat entrollen mit der Aufschrift "das Gejaule ist auch ohne Mikro schlimm genug" bzw. " wir wollen andere Lieder hören". Uns wird noch das Richtige einfallen. Aaaargh. Jetzt verschandeln sie das schöne Lied "Time to say goodbye". Time for me, mit Bloodhound Gang voll gegenzuhalten, was die Lautsprecher hergeben! (manchmal habe ich das Gefühl, es gibt zu viele Religionsgemeinschaften in Windhoek)27.07.2002 - Kuki Gallmann
Ich habe Kuki Gallmann getroffen live und in echt! Zur Erklärung: sie hat das Buch "Ich träumte von Afrika" geschrieben, das wochenlang in den Bestsellerlisten war. Im Rahmen ihres Engagements für Tiere war sie auf der Veranstaltung Cheetah Conservation Fund Raising. Bei letzterer geht es darum, für die bedrohten Geparden gut zu essen und Dinge zu ersteigern, die in irgendeinem Zusammenhang zu Cheetahs stehen oder einfach nur so gespendet wurden (oder was hat ein Campingbesteckset mit einem Geparden zu tun??). Wer auch etwas zur Rettung der Geparden tun will: unter Cheetah Conservation Fund findet man erste Ansprechpartner. (und wer's nicht hat: das Buch ist wirklich lesenswert, am besten gleich bestellen)26.07.2002 - Geschafft!
Geschafft ich habe ein Papier für meinen Flitzer in Händen! Zwar stimmt die Fahrzeugnummer nicht mit der auf dem certificate überein, aber ich habe nicht die geringste Lust, das ganze Theater deswegen noch einmal mitzumachen. Das darf derjenige regeln, der dieses Auto von mir kauft.17.07.2002 - Benzi
Mittlerweile habe ich mir einen alten Benz, Baujahr 77 (so alt wie meine "kleinen" Geschwister), zugelegt. Da hier die Spritpreise auch noch günstig sind, ist es egal, dass das Auto ein benzinfressendes Monster mit Automatik ist. Jetzt muss ich ihn "nur' noch anmelden. Das ist der Haken. Der Papierkram ist unglaublich, man braucht eine police clearance, dass das Auto nicht gestohlen ist, eine traffic registration number, da ich Ausländer bin, etc. etc. Alles muss bei unterschiedlichen Ämtern beantragt werden. Freitag hatte ich endlich alles beisammen und fuhr bei dem letzten Amt vor, um ein roadworthy certificate zu erhalten (entspricht in etwa dem deutschen TUEV). Und das hat der gute Benz nicht bekommen! Ich habe zwei Stunden in einer Riesenschlange gewartet und das Auto ist durchgefallen, weil ein Rücklicht nicht gebrannt hat und die Handbremse nicht ausreichend zieht. Wenn man die schrottreifen Autos sieht, die auf den Strassen herumfahren, kann man das kaum glauben. Jetzt kann ich das richten lassen und wahrscheinlich den kommenden Freitagmorgen damit verbringen, dieses blöde certificate zu bekommen und das Auto vollends anzumelden. Bürokratie in Afrika ist wirklich ein Alptraum. (aber die Marke mit dem Stern hat ihren Reiz)08.07.2002 - Kälte
Nie hätte ich gedacht, dass es in Namibia so kalt sein kann. Wir mussten heute sogar morgens die Autoscheiben kratzen. Hier! In Afrika! Das war wirklich schockierend. Tagsüber hat es um die 23-26Grad, aber sobald die Sonne untergeht, wird es kalt. Und wir haben ja keine Heizung oder Kamin oder ähnliche Annehmlichkeiten im Haus. Abends hocken wir mit Wolldecke im Wohnzimmer, demnächst werden wir wohl aufs Federbett zurückgreifen müssen. So gegen vier bis fünf Uhr morgens kühlt es so richtig ab und morgens haben wir um die 10Grad in der Wohnung. Da kommt beim Aufstehen keine rechte Freude auf. Bis Mitte/Ende August soll es weiter so kalt sein, da müssen wir noch durch. (zum Vergleich das momentane Wetter in Windhoek)
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© G. Steppich, 2002