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Namibisches Tagebuch

wie war das: für den Inhalt der angegebenen Seiten sind wir natürlich NICHT verantwortlich ....

20.05.2004 - Containerverladung
Namibia ade! Unser gesamtes Hab und Gut wird innerhalb von drei Stunden in einen 40-Fuss-Container verladen und gen Deutschland verschifft. Den 300kg schweren Gewehrschrank müssen acht Mann in den Container hieven (eigentlich hatten wir dafür ausdrücklich einen Gabelstapler bestellt...). Alle Gullydeckel in unserem Townhouse Complex sind zerstört, aber ansonsten hat die Beladung recht problemlos geklappt. Wir campen noch ein paar Nächte mit geliehenem Bettzeug im leeren Haus, nehmen Abschied von unseren Freunden und fliegen Ende Mai gen Deutschland.

07.05.2004 - Ongongo Campus
Im Rahmen unseres Projekttrips haben wir den Ongongo Campus besucht, der auch zur University of Namibia gehört. Dieser Campus und die dazugehörigen Gebäude wurden eigens für eine Abteilung, das Department of Crop Science erbaut, mit besten Schieferfliesen und allem Schnickschnack. Allerdings funktionieren einige elektrische Einrichtungen nicht, da ein Elektriker angestellt wurde, der Angst vor Elektrizität hat (kein Spass, sondern bitterer Ernst). Es gibt fast täglich Ärger mit Studenten, die sich verbotenerweise im Tagungsraum aufhalten. Das liegt daran, dass die Tür für den riesigen luxuriösen Tagesraum (der etwa zweimal im Jahr benutzt wird) kein Schloss mehr hat. Der Principal und der Deputy Principal, die die einzigen Schlüssel für das Schloss hatten, haben diese beide verloren. Es wurden keine neuen Schlüssel für das Schloss angefordert, da nach Meinung des Principals die verlorenen Schlüssel wieder auftauchen und sich jemand ungefugterweise Zugang zum Tagesraum verschaffen könnte. Stattdessen liess er das Schloss komplett entfernen. Das ist afrikanische Logik.

03.05.2004 - Caprivi
Dank eines Projektes kam ich in den Genuss, nach Katima Mulilo in den äussersten Nordosten Namibias zu fahren. Bis vor einem Jahr konnte man den Caprivistreifen wegen des anhaltenden Krieges in Angola und diverser Heckenschützen nicht bereisen. Für mich hat sich diese Ecke als eine der ärmsten Gegenden Namibias dargeboten, vernachlässigt von einer Regierung, die aus Ovambos besteht und sich nicht um die Caprivianer kümmern will und wo sich die Caprivianer auch um nix kümmern. Ständig hört man von den Caprivianern, dass sie ein grosses Wasserproblem haben, was man angesichts der grossen Ströme (Zambezi, Kavango), die in kaum 30km Distanz vorbeifliessen, kaum nachvollziehen kann. Aber keiner kriegt es hin, ein Kanal- oder Bewässerungssystem aufzubauen, statt dessen wird lieber täglich Wasser in Tankwagen angekarrt.

24.04.2004 - keine 4. Legislaturperiode?
Momentan gibt es heisse Diskussionen: HE, Sam Nujoma, der amtierende Präsident, will für eine 4. Legislaturperiode nicht mehr zur Verfügung stehen. Damit er die 3. Legislaturperiode das Land regieren konnte, musste schon die Verfassung geändert werden, die ein Staatsüberhaupt eigentlich nur für 8 Jahre an der Spitze Namibias haben will. Aber wer wird Nachfolger? Gurirab, ein fähiger Mann in der Regierung, wurde vor ca. 1 Jahr zum Botschafter degradiert, alle anderen plappern mehr oder weniger nach, was HE vorgibt. Und wird Sam Nujoma das Staatshaus, das gerade für teures Geld erbaut wird, einem anderen überlassen?

17.04.2004 - WIKA
Wie schon letztes Jahr, so fand auch heute der alljährliche Faschingsumzug in Windhoek statt, dieses Jahr unter dem Motto "Im Narrenreich sind alle gleich". Prinzenpaar im Jahr 2004 sind Wolfgang II vom fliegenden Teppich und Silke I der Flaschengeist. Der Flaschengeist rührt wohl von der Tatsache her, dass Prinzessin Silke die Chefsekretärin bei den Namibia Breweries ist.

09.04.2004 - Epupa Falls
Gerade sind wir von der Tour in den Norden zurückgekommen. Wir sind über Palmwag und Sesfontein zu den Epupa und Ruacana Falls und über Oshakati und den Waterberg zurück nach Windhoek gefahren. Durch den starken Regen die letzten Wochen sind die Epupa Falls wirklich ein Schauspiel und die Tour - auch wegen der Himbas unterwegs - absolut lohnenswert.

31.03.2004 - Grün
Namibia sieht zur Zeit nicht aus wie Namibia, eher wie Kenia oder Schottland. Alles ist grün, sogar die Dornenbüsche. Die letzte Zeit hat es zwar nicht viel, dafür aber regelmässiger geregnet. Zimbabwe dagegen, in dem sonst Ackerbau betrieben werden kann, leidet unter einer langanhaltenden Dürre.

17.03.2004 - Farmparty
Das letzte Wochenende waren wir zu einer Farmparty eingeladen - übrigens in einem sehr schönen, alten Farmhaus. Es ist wohl Sitte, dass Frauen und Männer die Party im wesentlichen getrennt verbringen. Die Männer sitzen um das Feuer herum, grillen ein Warzenschwein und ein Lamm am Spiess und trinken Bier. Die Frauen verschanzen sich im Farmhaus und schiessen sich mit Pampelmusengesöff (brr), rooi (rot) Cooldrink (darunter versteht man eigentlich alkoholfreie Getränke, in diesem Fall war es süsser Rose aus Schnapsgläsern, ebenso brr) und anderen Alkoholika ab. Anscheinend sind sie aber nicht auf braunen Tequila geeicht. Dieses traditionelle Mitbringsel von uns (ich sag nur Wohnheim-I-Parties, gell, Weihenstephaner!) hat das Fest für einige frühzeitig beendet, leider. Bis dahin war es sehr lustig mit den Mädels. Getanzt wurde auch. Nebenbei konnten wir feststellen, dass Wolfgang Petri und DJ Ötzi im fernen Namibia jede Menge Fans haben.

08.03.2004 - Farmenteignungen
Momentan wird wieder heiss über Farmenteignungen diskutiert. Angeblich gibt es eine Liste mit 192 Farmen, die enteignet werden sollen. Die Besitzer sind hauptsächlich Ausländer, die ihre Farmen nicht selbst betreiben und nur zum Urlaub nach Namibia kommen. Bisher liefen die Landverteilungen nach dem Prinzip "williger Verkäufer - williger Käufer", d.h. sobald eine Farm zum Verkauf stand, hatte der Staat das Vorkaufsrecht und konnte sie an Landlose abgeben. Interessanterweise sehen sich die Minister selbst häufig als landlos - die besten Farmen haben die Regierungsmitglieder sich gegenseitig zugeschanzt. Andererseit finden Farmen im Süden, wo das Klima sehr trocken und die Viehwirtschaft schwierig ist, keine Käufer. (Anbei ein Statement einiger betroffener Farmer)

01.03.2004 - Buren
Die Buren sind für mich die Niederbayern des südlichen Afrikas - in der rechten Hand den Rosenkranz und in der linken das Messer. Die Buren sind ein Volksstamm, der aus einer Mischung von Holländern, Deutschen und ein paar Franzosen (und man munkelt einigen Schwarzen und Malaien, aber das wollen die Buren nicht wahrhaben) entstanden ist. Afrikaans ist die Sprache der Buren. Die meisten Buren kann man daran erkennen, dass sie - egal ob männlich oder weiblich - riesengross und fett sind und dementsprechend unglaubliche Mengen an Essen, v.a. Fleisch, vertilgen. Viele Buren sind sehr religiös; es gibt im Fernsehen Ratespiele, ähnlich dem 'wer wird Millionär', bei denen die jeweiligen Bibelstellen genannt und exakt zitiert werden müssen und wo sich Buren besonders hervortun - soviel zum Rosenkranz. Das Messer zeigt die unfreundliche Seite der Buren, von denen viele insbesondere die Engländer (aufgrund der Burenkriege) und auch die Jerries (die zugezogenen Deutschen) nicht mögen. Und das Messer ist auch ein Indiz für die Skrupellosigkeit, mit der manche Buren andere in die Pfanne hauen und intrigieren.

23.02.2004 - Eingeschlossen
Vergangenes Wochenende ist es uns tatsächlich passiert: wir sind von laufenden Revieren auf einer Farm eingeschlossen worden. Wir waren dort abends beim Grillen und wollten eigentlich später gen Windhoek fahren, als es wie aus Eimern zu schütten begann. Eine Stunde später begannen die Reviere (trockene Flussläufe) zu laufen (d.h. sie waren nicht mehr so trocken). Es kam soviel Wasser, dass wir mit dem Bakkie (Pickup) nicht mehr durchfahren konnten. Also mussten wir dort übernachten. Odin, der bei strömendem Regen in Windhoek in seiner undichten Hütte sass, fand das nicht so toll. Aber er hatte Glück: unsere Nachbarn retteten und beherbergten ihn für die Nacht. Am nächsten Morgen war der ganze Spuk wieder vorbei.

16.02.2004 - Sonntag in Windhoek
Gestern haben wir wieder Touris in der Innenstadt herumirren sehen, wahrscheinlich auf der Suche nach einem offenen Lokal und etwas Unterhaltung. Das zu finden ist am Sonntag in Windhoek wirklich nicht so einfach. Morgens sind noch einige Läden offen, aber spätestens ab 13 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt und die Einheimischen ziehen sich zur sonntäglichen Siesta zurück. Die unter der Woche recht umtriebige Innenstadt ist dann fast menschenleer. Und die Touristen suchen vergeblich nach einer Möglichkeit, ein kleines Mittagessen einzunehmen oder Souvenirs zu kaufen.

10.02.2004 - Baustellen
Zur Zeit kann ich täglich das Schauspiel einer namibischen Baustelle beobachten: 10 Leute sind dort beschäftigt, davon graben 2 und der Rest guckt den vorbeifahrenden Autos zu oder döst auf seine Schaufel gelehnt. Dennoch wuerde ich das nicht einfach so als arbeitsscheu abstempeln. In Namibia sind Bagger weitgehend unbekannt, statt dessen wird 10 Menschen eine Schaufel oder Spitzhacke in die Hand gedrückt und dann dürfen die riesige Löcher oder Gräben ausheben. Wer selbst schon mal einen Baum gepflanzt hat und dafür das Loch gegraben hat, weiss, dass man nicht den ganzen Tag ununterbrochen graben kann.

02.02.2004 - Allgemeine Zeitung
Namibia hat eine deutschsprachige Zeitung - die Allgemeine Zeitung. Diese Zeitung hat eher den Charakter eines Gemeindeblättchens (nun, die Zielgruppe ist ja nicht soo viel grösser) und berichtet über die Korruption im Strassenbau, Tätigkeiten des SKW (Sport-Klub-Windhoek, der ehemalige 'Deutsche Klub'), den Stand der Dämme und die Streitigkeiten innerhalb der Buschschule. Den internationalen Teil kann man abhaken; die Artikel reichen von Britney Spears' Ehe bis zum letzten Sieg von Schumi. Am besten ist noch der Anzeigenteil für Autos und Immobilien. Da können wir wirklich froh sein, dass wir dank der freundlichen Unterstützung unserer Nachbarn zur Linken jede Woche den 'Spiegel' zu lesen bekommen. (im Internet kann man sich unter www.az.com.na ein Bild von der Zeitung machen).

25.01.2004 - Daan Viljoen Game Park
Auf Anraten unseres Nachbarn Christoph habe ich mit Bruder Martin den Daan Viljoen Wildpark besucht - eine positive Überraschung. Der Park liegt etwa 25km ausserhalb von Windhoek und von verschiedenen Stellen aus kann man die Stadt sehen. Beim Herumfahren haben wir jede Menge Tiere beobachtet: Blue Wildebeester, Springböcke, Oryxe und sogar Elands und Hartmann'sche Bergzebras. Auf einem Wanderweg konnten wir bis auf 100m an eine Herde Kuhantilopen heranpirschen und in einer Entfernung von 10m (keine Übertreibung) einem Warzenschwein mit seinen 4 Überläufern beim Schlammbaden zuschauen. Und sogar drei Giraffen, davon eine mit Baby, gibt es dort. Kein schlechter Einstieg für weitere Wildparks in Namibia.

18.01.2004 - Rekordregen
Seit Tagen regnet es und zwar richtig. Morgens ist es zwar meist sonnig, aber spätestens ab Mittag türmen sich riesige Wolken am Himmel und nachmittags kommen Platzregen herunter. Man fühlt sich wie in den Tropen. Die Erde ist mittlerweile völlig nass und kann kein Wasser mehr aufnehmen. Deswegen rinnt das ganze Wasser in die Reviere, die Trockenflüsse, die sonst kein Wasser führen. Die werden zu reissenden Strömen und haben schon unvorsichtig geparkte Autos, ganze Bäume und leider auch Menschen mitgenommen. Mitten in Windhoek gibt es nun unpassierbare Flüsse und diverse Strassen existieren nicht mehr, da fortgeschwemmt. Die Staudämme sind so voll, dass sie z.T. geöffnet werden müssen, um das Überfluten von Vororten zu verhindern. Angeblich ist es die grösste Regenmenge in einer so kurzen Zeit seit 1936.

12.01.2004 - Badewannen
In Südafrika sind Badewannen weit verbreitet. Vor allem in den älteren Hotels und B&Bs gibt es nur selten Duschen. Diese Badewannen (und auch die Waschbecken) haben je eine Armatur für kaltes und heisses Wasser und verfügen so gut wie nie über den Luxus eines Duschkopfes. Das bedeutet, dass man jedes Mal eine Wanne einlaufen lassen muss, wenn man sonst nur kurz unter die Dusche gehen würde. Und das in einem Land, das nicht gerade üppige Niederschläge hat.

was vorher so passiert ist, gibt's im Namibischen Tagebuch 2003 und 2002

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© G. Steppich, 2004

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