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Project "S8"

Seit Juni 2003 haben wir ein neues "Projekt", zur Abwechslung in Deutschland. Wir sind stolze Besitzer eines Hauses mit Scheune und relativ grossem Garten, müssen allerdings an unserer Hütte einiges renovieren, da seit Jahr(zehnt)en nicht geschehen. Daran und an unseren positiven und negativen Erfahrungen wollen sind wir Euch natürlich teilhaben lassen.

Als erstes haben wir die Scheune in Angriff genommen. Hier konnten wir feststellen, dass kleine Ursachen oft grosse Wirkungen nach sich ziehen...


Westseite der Scheune vor der Renovierung (alte Bretter z.T. schon entfernt)

Die Farbe war seit X Jahren nicht mehr erneuert worden und praktisch nicht mehr vorhanden. Dadurch waren die Bretter schutzlos der Witterung ausgeliefert (Westseite = Wetterseite) und entsprechend morsch. Löcher mit einem Durchmesser bis zu 10 cm hatten sich schon gebildet. Unter der eindringenden Feuchtigkeit hat der Firstbalken dahinter gelitten. Die Regenrinne wurde einige Jahre nicht repariert, obwohl sie ganz schön leckte. Deswegen ist der Balken auf der rechten Scheunenseite unmittelbar neben der Rinne ziemlich vermodert. Also: wenn ihr solche vergleichsweise kleine Schäden habt, repariert sie schnellstmöglich. Sonst zieht das Ganze einen Rattenschwanz nach.


links: Balken neben der Regenrinne - rechts: Firstbalken

Wir beschlossen, alle Bretter komplett auszutauschen. Zuerst mussten die alten entfernt werden. Bei der Firsthöhe von 11m war ein Gerüst unumgänglich, da eine Leiter viel zu wackelig und auch umständlich ist. Das Gerüst wird aus Stabilitätsgründen an Ankern befestigt, die wiederum im Gebäude verankert werden. Die Auswahl dieser Verankerungsstellen ist wichtig, es kann vorkommen, dass sie je nach Baufortschritt versetzt werden müssen (bei uns war's so - als die Bretter wegkamen, wurden die Anker an den Balken befestigt; als wieder Bretter drauf waren, an ebendiesen). Wir haben uns das Gerüst ausgeliehen, ausserdem diverses Werkzeug und Material besorgt. Und dann ging's los.


Bruder Martin und Kumpel Tobi auf dem Gerüst

Vorher hatten wir beim Sägewerk Fichtenbretter bestellt, sägerauh, mit unterschiedlichen Breiten (226mm und 165mm) und Längen. Unterschiedliche Breiten, da die Bretter überlappend angenagelt wurden; die breiteren unten, die schmäleren obendrauf. Unterschiedliche Längen, da wir am First 5.5m und sonst 4.5m lange Bretter benötigten. Zum Bestellen braucht man die Fläche der Bretter (bei uns 4.5m*11m +0.5*11m*5.5m = 79.75m2 - ohne Überlappung). Die neuen Bretter haben wir mit Vater Steppichs Anhänger in drei Touren geholt. Vor dem Annageln stand das Grundieren und Lasieren. Alle Bretter wurden 1x mit Imprägniergrund gestrichen, um sie vor Bläue zu schützen, und 2x mit einer Holzlasur in der Farbe "Eiche Hell". Wir haben uns für eine Lasur entschieden, da sie natürlicher aussieht und nicht irgendwann abblättert (letzteres konnte man an diversen alten Stellen der Scheune sehen), eine relativ helle Farbe gewählt, da das Holz sowieso noch etwas nachdunkelt und 2x lasiert, damit wir die z.T. recht unzugänglichen Stellen nicht so schnell wieder streichen müssen. Der Imprägniergrund ist übrigens nur bei Nadelhölzern notwendig.


Gudrun beim Streichen

Wir haben die Bretter vor dem Annageln gestrichen, da das Streichen auf den Böcken einfacher ist als auf dem Gerüst herumzuklettern. Ausserdem kann man die Kanten streichen. Bei sonnigem, windigem Wetter, wie wir es hatten, trocknen der Imprägniergrund und die Lasur deutlich schneller als vom Hersteller angegeben. Bei uns war recht praktisch, dass wir die Bretter an der Südseite der Scheune aufstellen konnten. Ich fand es am besten, batchweise zu arbeiten. 4*20 Bretter sind nicht so abschreckend wie 80 Bretter ;-).

Die trockenen Bretter wurden von Harald und seinem Vater Hermann angenagelt. Dabei war Massarbeit angesagt - kein Problem für die beiden Perfektionisten. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Scheune/Balken/das Holz im Lauf der Zeit verzogen und gesenkt hat, so dass wirklich jedes Brett gemessen und auf unterschiedliches Mass abgesägt werden musste, um eine einheitliche Stosskante zu bekommen.


links: Hermann beim Messen - rechts: beim Anbringen der Bretter

Zwischendurch stellten wir fest, dass beim Abreissen der alten Bretter Dachplatten beschädigt worden waren - dummerweise auch eine am First, die einbetoniert gewesen war. Also hiess es diese Platte austauschen, die neue anbohren, einschrauben und wieder einbetonieren. Und das alles in luftigen 11m Höhe. Wir konnten dem Hermann kaum zuschauen. Ausserdem waren die Dachlatten auf der Westseite total morsch und mussten erneuert werden. Das übernahm Bruder Martin. Und um die angegriffenen Balken für das nächste Jahr zu konservieren, brachten wir eine Speziallasur auf.


links: Harald beim Lasieren - rechts: Martin beim Latten-Erneuern

Auch die Blendleisten und die Bretter direkt unter der Dachvorderseite waren nicht mehr die Besten und wurden durch neue ersetzt. Doch letztendlich haben wir es geschafft und wir finden, dass die Scheune nun viel besser und freundlicher aussieht. Sogar ein von Hermann konstruierter Starenkasten ist jetzt unter dem First!

Einige Schlussfolgerungen aus diesem Teilprojekt:
- man braucht sicher mehr Zeit, als man ursprünglich eingeplant hat - schliesslich sind wir nur Hobby-Handwerker und machen das nicht jeden Tag.
- ein bisschen Glück in Hinblick auf das Wetter ist vorteilhaft: bei Regen wird es auf dem Gerüst recht glitschig und gefährlich, Wind ist auch nicht toll.
- ein paar schwindelfreie Menschen sind unumgänglich - sonst ist es besser, das Ganze zu vergeben.
- mit dem Streichen der Bretter anfangen - das Abtrocknen dauert und man sollte die Bretter 3x streichen.
- das Gerüst ist echt wichtig: letztendlich spart es Zeit, weil man viel besser arbeiten kann als auf einer Leiter. Es ist besser, das Gerüst von einem Fachmann aufbauen zu lassen, damit es wirklich sicher steht, sonst kann das Ganze fatal enden. Das Gerüst lieber grosszügiger als zu klein planen - wir mussten nachrüsten, da wir an ein paar Stellen nicht hinkamen.
- wenn man das Holz selbst transportieren will, muss die Ladung gut gesichert, z.B. mit Spanngurten, und zwecks Verkehrssicherheit mit einem roten Wimpel versehen werden.
- viel Bier und andere Getränke kaufen - wer will schon eine trockene Baustelle? Ausserdem für reichhaltiges Essen sorgen, damit die Mannschaft mit voller Energie arbeiten kann.

Einige Fakten:
- wir haben etwa 1 Tonne (!) Holz an die Westseite genagelt.
- dafür haben wir ca. 2000 Nägel gebraucht.
- die Bretter wurden mit 15l Imprägniergrund und 25l Holzlasur gestrichen.
- je 2 Kisten Wasser und Bier (Augustiner) wurden verzehrt.

Seit Juni 2004 gab es einige Fortschritte.

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© G. Steppich, 2004

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