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Ehrenburgertal
Ehrenburg
Geschichte der Ehrenburg (tabel.)
Geschichte der Ehrenburg (ausf.)
Eltz, Schöneck, Waldeck und Ehrenburg
Die Geschichte vom Schinderhannes
Sonnenwinkel
Vogelsang |
Ehrenburgertal
Das Haus Weiland wurde im Jahr 1821 erbaut und ist eines der vielen alten noch erhaltenen Wohnhäuser im Ehrenburgertal. Im Bereich der Daichgasse befand sich der gemeindliche Backes (Backofenhaus). Hier wurden die Teigwaren von den Einwohnern des Ehrenburgertals gebacken. JF Daichgasse Haus Firmenich und Weiland
Ehrenburgertal Haus Hammes
Das Wasser des Ehrbaches wird im Ortsteil Ehrenburgertal durch ein Überfallwehr gestaut und durch eine Einlassschleuse mittels eines offenen künstlich errichteten Obergrabens bis zur Mühle im Vogelsang (ca. 1500m talwärts) abgeleitet. Die Ableitung wird durch eine Abschlagsschleuse geregelt. Diese Anlage wurde von der Familie Mauer und Steffen zur erwerbsmäßigen Mühlenbetreibung gemeinschaftlich geplant, betrieben und unterhalten. Sie diente, nachweislich behördlicher Unterlagen, der Betreibung von zwei Mühlen, zur Bewässerung eines landwirtschaftlichen Betriebes sowie eines Backofenhauses. Die Anlage wurde am 20.03.1924 vom damaligen Bezirksausschusses Coblenz genehmigt. Aus den Antragsunterlagen geht hervor, dass die Anlage zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits mehrere Jahrzehnte betrieben wurde. Somit ist davon auszugehen, dass die Grabenanlage schon lange vor dem Jahr 1924 angelegt wurde. Seit Generationen wird der künstliche Mühlengraben als "Daich" bezeichnet. Die Gasse, an welcher der Graben vorbeiführt, bezeichnet man als die Daichgasse (siehe Foto). JF
Zwischen dem Haus Weiland und Mauer hat sie seit Jahrzehnten ihren festen Stand. Ihr Betrachter vermag bei ihrem Anblick an ein Denkmal oder ähnliches zu denken. Doch ist dies beim Anblick dieser Mauer sehr trügerisch. Die Mauer ist ein Relikt aus einer dunklen Zeit nachbarschaftlicher Feindseligkeit. Sie wurde erbaut um "feindliche" Blicke aus dem Hause Weiland in den Hof Mauer zu unterbinden. Durch die Errichtung wurde auf sehr effektive Art und Weise ein Wohnzimmerfenster "eingespart".
Als abschreckender Beweis für nachbarschaftliche Tiefschläge findet die Mauer trotzdem hier ihren "verdienten" Platz.
Historische Steinmauer
Diese Apfelmühle wurde bis in das Jahr 1920 von den Einwohnern des Tals zum Mahlen bzw. Pressen der Apfelfrucht verwendet. Die Frucht wurde auf eine große schüsselförmige Steinplatte gelegt und dort durch den Mühlstein zermahlen. Der Mühlstein wurde durch einen Ochsen oder durch Personen solange im Kreis gedreht bis die Frucht ausreichend zerkleinert war. Danach wurde die Flüssigkeit und die Frucht abgeschöpft und zu Apfelviez verarbeitet. Auf dem Mühlstein befindet sich die Zahl 1784. Im Jahr 1999 wurde die Apfelmühle aufwendig restauriert und erhielt auf dem oberen Holzbalken die Zahl "1784" für die Jahreszahl der möglichen Ersterrichtung und die Zahl "1999" für die Jahreszahl der Restauration. Da auch auf dem an der Mühle angebrachten Kreuz die Jahreszahl 1783 angebracht ist, dürfte die Anlage wohl tatsächlich aus dieser Zeit stammen.
Apfelmühle und Lorenz
Die Einwohner des Ehrenburgertals hatten sich schon sehr früh und nachhaltig um die ausreichende Grundversorgung gekümmert. Die Wasserpumpanlage zeigt noch heute auf eindrucksvolle Art und Weise, wie wichtig für das damalige Leben sauberes kühles Wasser war. Der Wasserpumpe liegt ein neun Meter tiefer gemauerter Wassergraben zugrunde. Dieser wurde früher einmal im Jahr von Schlamm gereinigt. Dabei musste jedes Haus im Ehrenburgertal einen Helfer stellen. JF
Wasserpumpe
Vermutlich sollten die Götter schon beim Pressen der Frucht den Segen geben um Unheil vom Wein fern zu halten und der weiteren Verarbeitung die notwendige Güte zuführen. Glaube und Weinherstellung waren früher untrennbar miteinander verbunden. Das heutige Kreuz trägt die Jahreszahl 1783. JF
Kreuz an der Apfelmühle
Es liegen bisher keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, wann und von wem die Dorfkappelle gebaut wurde. Der Baustil lässt jedoch den Schluss zu, dass die Kapelle aus der Zeit des Barocks stammt. Hierfür sprechen u.a. die Wandmalereien mit Engel- und Heiligenfiguren. Bis ins 18 Jh. nutzen viele Einwohner des Ehrenburgertals die Kapelle der Ehrenburg und die Kirche in Herschwiesen. In der Zeit nach 1798 wurde die Kapelle der Ehrenburg nicht weiter genutzt und verfiel. Im Jahr 1748 begann man in Herschwiesen mit dem Bau der neuen Sankt Pankratius Pfarrkirche. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass die Einwohner eine alternative Gebetsstätte nutzten. Die Kapelle im Ehrenburgertal dürfte somit aus der Zeit des Barocks stammen (17 bzw. 18 Jh.) Auch andere historische Bauten (Apfelmühle, Kreuz an der Apfelmühle, Wasserpumpe) und viele Wohngebäude entstanden in dieser Zeit.
Dorfkapelle
Kapelle
Dähler Glockenturm
Die Ritter von Ehrenberg - Kämpfer, Helden und Beschützer
Sie unterwarfen sich auch nicht als im frühen 14. Jahrhundert Balduin von Luxemburg, Erzbischof und Kurfürst von Trier, begann, sein Territorium bis nach Koblenz hin zu erweitern und abzusichern. Die freie Reichsritterschaft und mit ihnen die Ritterschaft von Ehrenberg widersetzten sich diesen Bestrebungen. Zusammen mit den Nachbarburgen Waldeck, Schöneck und Eltz bildeten die Ritter von Ehrenberg ein Schutz- und Trutzbündnis gegen den Kurfürsten (sog. "Eltzer Fehde"). 1331 begann Balduin mit der Niederwerfung dieses Bündnisses. Zunächst versuchte Balduin mit Hilfe des ersten nachgewiesenen Kanonenangriffes die Burg Eltz von der Westseite her im Sturm zu erobern. Die ältesten erhaltenen Kanonenbolzen der Welt künden noch heute von diesem militärgeschichtlich denkwürdigen Ereignis. Nachdem dieser Angriffsversuch misslang ließ Balduin gegenüber von Burg Eltz eine Belagerungsburg bauen – die Trutz (Baldeneltz). Von dort wurde die Burg Eltz durch Katapulte mit Steinkugeln beschossen, eine damals übliche Kriegstechnik. Die Belagerung dauerte mindestens vier Jahre. Ob die Anlage im Sturm erobert oder erst nach längerer Belagerung eingenommen wurde, ist nicht bekannt. Auch Verhandlungen könnten zur Beendigung der Fehde geführt haben. Im Jahre 1336 wurde schließlich der Eltzer Frieden (sog. "Eltzer Sühne") zwischen dem Erzbischhof und den Rittern von Waldeck, Schöneck, Ehrenburg und Eltz geschlossen. Die Ritter von Ehrenberg waren nicht mit allen wohlgesonnen. Auch vor der Festung Coblenz schreckten sie nicht zurück. Die Ehrenberger stehen (standen) mit den Bürgern von Coblenz in Fehde und zerstörten dort 1397 mehr als 200 Häuser. Dieser Angriff stellt zugleich den größten Angriff auf das Stadtgebiet von Coblenz bis zum zweiten Weltkrieg dar. Selbstverständlich stand das Tal der Ehrenburg und insbesondere das auf alten römischen Ruinen erbaute Brodenbach unter der Verwaltung der Ehrenberger. Die Bürger von Brodenbach standen lange unter dem Schutz- und Arbeitszwang der Ehrenburg. Die Herrschaft über Brodenbach dauerte bis Ende des 18. Jahrhunderts an. JF
Die Geschichte der EhrenburgDie jahrhundertelang als Raubritterburg bekannte Ehrenburg thront auf einem steilen Bergkegel über dem Ortsteil Ehrenburgertal und ist umgeben von den Wäldern des Hunsrücks. Sie ist eine ausgedehnte mittelalterliche Anlage mit Vorburg und Hauptburg, breitem Halsgraben, mächtigem doppeltürmigem Bergfried und großem Rundturm. Von der Burg aus hat man einen schönen Blick ins Ehrenburger Tal, in der sich eine barocke Kapelle mit Fachwerkgiebel und Dachreiter befindet. Die Ehrenburg wurde um 1120 auf römischen Fundamenten zum Schutz des Moselübergangs bei Brodenbach errichtet und war schon im Jahre 1161 Streitobjekt zwischen dem Erzbischof von Trier, Hilin v. Fallemaigne (Erzbischof Jan. 1152, † 23. Oktober 1169) und dem Pfalzgrafen Hermann von Stahleck, der die Ritterburg als Unterlehen an die Ritter von Ehrenberg abgeben sollte. Friedrich I. Barbarossa schlichtete schließlich den Streit, und die Burg ging nach dem Tod von Hermann von Stahleck ein Jahr später im Namen des Kaisers als pfälzisches Lehen an seinen Halbbruder, Konrad von Hohenstaufen. In der Zeit der "Eltzer Fehde" im 14. Jahrhundert schlossen sich die Ritter Waldeck, Schöneck, Eltz und Ehrenberg zusammen, um gegen den Erzbischof von Trier, Balduin von Luxemburg (* 1285, Kurfürst 7. Dezember 1307, † 21. Januar 1354), ins Feld zu ziehen. Als 1335 Frieden zwischen den Streitenden geschlossen wurde, wurde auch der Lehensbrief über die Ehrenburg von Barbarossa erneuert. Nach dem Aussterben des Rittergeschlechts Ehrenburg ging die Ritterburg als Erbfolge an Johann von Schönberg. Auch in den folgenden Jahren wechselten öfters die Besitzer. Unter ihnen waren Kuno III. von Pyrmont im Jahre 1426, Philipp von Eltz im Jahre 1526, die Herren Quadt von Landskron im Jahre im Jahre 1561 und das Geschlecht von Hoensbroich im Jahre 1621. Während des Dreißigjährigen Krieges besetzten die Spanier die Ehrenburg. 1668 ging die Burg in den Besitz des Freiherrn von Clodt über. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg besetzten französische Truppen Ludwigs XIV. im Jahre 1688 die Ehrenburg und zerstörten sie schließlich, wie viele andere Burgen in dieser Zeit, im Jahre 1689, indem sie große Teile der Burganlage sprengten. Nur die Burgkapelle blieb unzerstört.
Die historische Burgkapelle wurde vom Reichsfreiherrn aufgegeben. Stein lag als preußischer Jurist, hoher Beamter und Staatsminister keinen Wert auf das kirchliche Geschehen auf der Ehrenburg. 1831 ging die Burg an das Geschlecht von Kielmannsegge, verwandte des Reichsfreiherrn von Stein, über. 1867 an den Grafen von Kanitz. 1991 kauften Gerhard Kurz und Thomas Schulz-Anschütz die Burg, und 1992 erwarb der "Freundeskreis der Ehrenburg e.V." die Ritterburg. Sie sorgen bis heute für die Erhaltung und die Restauration der Ehrenburg.
Das Leibeigene Fräulein Walrabe des Grafen Isenburg und die Raubritter der Ehrenburg
Zur Zeit der Kreuzzüge lebte ein Ritter namens Friedrich auf der Ehrenburg. Da er kinderlos blieb, nahm er den Sohn eines Lehnsmannes an Kindesstatt an. Eines Tages ritt Walter, so hieß der Stiefsohn, nach Koblenz zum Fasching. Wie es der Zufall wollte, bezog er im gleichen Gasthaus Quartier wie sein größter Feind, der junge Graf von Isenburg. Als das junge Fräulein Walrabe, eine Leibeigene des Grafen von Isenburg, Walter warnen wollte, tauchte auch der Graf selbst auf. Es kam zu einem Schwertgefecht, bei dem Walter der Sieger blieb. Es gelang ihm auch, mit Walrabe auf die Ehrenburg zu fliehen. Eine Erstürmung der Ehrenburg, die von den Isenburgern aus Rache geplant wurde, konnte vereitelt werden. Allerdings wurden Burgherr Friedrich und Walrabe nach Koblenz entführt. Mutig machte sich Walter auf den Weg nach Koblenz. Es gelang ihm, seinen Stiefvater und die Leibeigene zu befreien. Ob er jedoch mit dem schönen Fräulein Hochzeit gehalten hat, darüber ist nichts bekannt.
Die Festungsanlage der Ehrenburg Die Ehrenburg wurde bis zum 16. Jahrhundert ausgebaut. Die Ritterburg aus romanischer Zeit lag im höchsten und breitesten Abschnitt des Bergringes. Erhalten davon sind noch der Bergfried und Reste eines mehrfach veränderten Wohntraktes. Der gotische Doppelturm des Bergfrieds wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Er ist mit einer kaminbeheizten Wächterstube ausgestattet. Beide Einzeltürme verfügen jeweils über einen Einstieg. Dem Bergfried vorgelagert ist der sogenannte Rampenturm. Diesen sagenhaften Turm mit seiner spiralförmigen Auffahrt für Geschütze erbaute man gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Somit zählt er zu den frühesten Bastionstürmen in Deutschland. Auch eine Besonderheit der Ritterburg war die für Reiter und Wagen benutzbare Wendeltreppe im Inneren eines mächtigen Rundturmes, die bis hinauf in den Rittersaal führte. Der ehemalige Marstall ist heute das Burghotel mit fünf Doppelzimmern. In den Zimmern kann man ritterlich wohnen und die frühere Burgeinsamkeit nachempfinden. Das Burghotel ist ganzjährig geöffnet
Eltz, Schöneck, Waldeck und Ehrenburg Die freie Reichsritterschaft zu Eltz, Ehrenburg, Schöneck und Waldeck unterwarfen sich nicht als im frühen 14. Jahrhundert Balduin von Luxemburg, Erzbischof und Kurfürst von Trier, begann, sein Territorium bis nach Koblenz hin zu erweitern und abzusichern. Das Territorium reichte am Rhein entlang bis an die Tore von Coblenz und an der Mosel bis an das Territorium des Kölner Bistums, welches eine gemeinsame Grenze in Alken an der Mosel fand. Die freie Reichsritterschaft und mit ihnen die Ritterschaft von Ehrenberg widersetzten sich diesen Bestrebungen. Zusammen mit den Nachbarburgen Waldeck, Schöneck und Eltz bildeten die Ritter von Ehrenberg ein Schutz- und Trutzbündnis gegen den Kurfürsten (sog. "Eltzer Fehde"). Zunächst wurden die Versorgungslieferungen nach Pyrmont (Eifel), Alken, Koblenz und Boppard von den Raubrittern angegriffen. Dabei wurde große Beute gemacht und sehr häufig die Hochzeit mit Weibsleuten des Adels gefeiert. Die Region war Balduin ein Dorn im Auge. Im standen die Kölner in "seiner" Stadt Alken gegenüber, die hier einen ihrer Landresidenzen aufbauten und das eigene Herrschaftsgebiet war unsicher und wurde nur mit sehr massivem Eigenschutz durchquert. Deshalb sah sich Balduin 1331 genötigt einen aufwendigen Belagerungskrieg gegen das Bündnis zu führen. Manche Quellen besagen, dass die Rauschenburg und die Baldeneltz nur zum Schutz der Truppen aus Trier gebaut worden sind, weil sich die Truppen bisher in der Region den ständigen Angriffen der Raubritterschaft nicht schutzlos erwehren konnten. Noch heute erzählt man die Geschichte vom Schinderhannes, einer der grausamsten und gefährlichsten Raubritter seiner Zeit.
Die Geschichte vom Schinderhannes
Der Räuberhauptmann Schinderhannes ist in unserer näheren und weiteren Heimat den meisten ein Begriff. Das es aber zur gleichen Zeit außer der Hunsrückräuberbande auch eine "Eifelbande" und eine "Moselbande" gab, wissen nur wenige. Es sind nun rund 190 Jahre her, dass diese Banden ihr grausames Handwerk betrieben.
Keiner der vielen Räuber wurde berühmter als der "Schinderhannes", dem vor 165 Jahren französische Behörden das Handwerk legten. Dieser Johannes Bückler, wie Schinderhannes hieß, wurde 1778 als Sohn eines armen "Wasenmeisters", d. h. Abdeckers geboren. Mühlen (Miehlen) im Taunus ist der Geburtsort. Sein Vater stammte aus Merzweiler (nördlichster Teil der Rheinpfalz), wo die Familie seit 1787 wieder lebte. Aber weil der Schinderssohn (d. h. Abdeckerssohn) Johannes (daher: "Schinderhannes") für ein lustiges Leben unter den Altersgenossen Geld brauchte, geriet er auf Abwege. Hannes, der schon als Kind und Halbwüchsiger "Mein" und "Dein" verwechselte, verlegte sich eines Tages auf systematischen Hammeldiebstahl als "Nebeneinnahmen". Nagel, ebenfalls Abdecker und sein Lehrmeister zu Bärenbach im Hunsrück, erstattete u. a. 1795 Anzeige und ließ Hannes in Kirn an der Nahe verhaften. Aber der Sechzehnjährige entwich nachts über das Dach des Rathauses. Schinderhannes war damit ein ausgebrochener Dieb, dem die Rückkehr in die geordneten Lebensformen der bürgerlichen Gesellschaft verschlossen blieb. Das abenteuerliche Räuberleben der Jahre 1796 bis 1802 im Raum zwischen Saarbrücken und Mainz begann. Erst nachdem Schinderhannes die Zeit von Januar bis August 1799 im Gefängnis der Hunsrückstadt Simmern verbrachte, das heute als "Schinderhannesturm'' Jugendherberge ist, plant er eine größere Bande. Was Kaiser Napoleon zu seiner Zeit im großen als Emporkömmling in Frankreich ist, will er im kleinen für "seine" unwegsamen Waldberge im Winkel von Nahe und Rhein sein: ein "Gebieter" mit "Heer" und "Untertanen". Als er endlich den Gefängniswärter überlistet, bricht er sich beim Sprung aus dem Turm ein Bein. Ein langes Krankenlager folgt und verzögert zunächst die Pläne. So zeigt erst der Herbst 1800 Schinderhannes - seit Ostern im Lebensbunde mit der bildhübschen Musikantentochter Julia Bläsius, zwar ohne Segen der Kirche - als "Räuberfürsten". Die Schlupfwinkel Kallenfels, Hahnenbach und Birkenfeldermühle an der Nahe gleichen zeitweise kleinen Residenzen, in denen Feste und Gelage mit "Damen" einander folgten. Schildwachen patroullieren vor den Wohnstätten ihres Hauptmanns. Leibschneider verarbeiten gestohlene Tuche zu kostbarer Kleidung, darunter zu den für Schinderhannes so typischen Jägeranzügen. (Trotzdem bleibt Schinderhannes in seinem Wesen ein Räuber, keineswegs wird er ein politischer Rebell: er will ja die staatlichen Verhältnisse auf dem französisch besetzten linken Rheinufer nicht ändern, sondern sich persönlich bereichern. Darüber hinaus erfüllt ihn oberflächliches Geltungsbedürfnis.) Freigebigkeit oder Drohbriefe des Schinderhannes und seiner Gesellen halten viele Dörfer in Schach, so dass sie die Räuber nicht anzeigen, wenn sie die Räuber nicht sogar als "Werkzeug der Gerechtigkeit" verehren, weil diese auf "Anzeige" Wucherer überfallen.
Auch im Ehrenburgertal findet man historische Hinweise darauf, wie ausgeprägt der jüdische Glaube in Deutschland einmal war. So betrieben die Brodenbacher Juden eine eigene Synagoge (Haus der ehemaligen Metzgerei Etzkorn), einen eigenen Metzger, einen eigenen Viehmarkt (Beulich) und hatten auch einen eigenen Friedhof. Dieser befindet sich auf dem ehemaligen Landbesitz der Ehrenburg im Ehrenburgertal. Hier fanden Mitbürger jüdischen Glaubens ihre letzte Ruhestätte.
Jüdischer Friedhof
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