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Selbstgebaute Oberleitung "Bergün" für die LGB
professionell und beständig - die Alternative zu angebotenen Artikeln


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Seit Winter 1997 ist meine Eisenbahnanlage elektrifiziert. Die erste Version bestand aus im Wald gesammelten Holzpflöcken, durch die ein entsprechend gebogener Maueranker gesteckt wurde. Ein verzinkter Rosendraht wurde von unten einmal um den Ausleger gewickelt und zum nächsten geführt. Dieses System bewährte sich jedoch nicht, da der Fahrdraht schnell rostete und außerdem keine Arretierung am untersten Punkt des Auslegers hatte. Von den damit verbundenen Unfällen wollen wir deshalb gar nicht reden...

Somit wurde mir bald klar, dass eine Alternative gefunden werden musste. Heraus kam dabei eine professionelle Oberleitung, die ich dem engagierten Modellbahnbauer nicht vorenthalten möchte und zum Nachbau anbieten möchte.


Genaue Beschreibung und Bauanleitung

Grundsätzliches

Die hier präsentierte Oberleitung „Bergün“ ist ein System, welches für den festen Aufbau konzipiert ist (Betonfundamente, gelötete Bauweise). Es ist eine Oberleitung mit Holzmasten und Tragseil über dem Fahrdraht - also dem alten System der RhB nachempfunden.

Wer ernsthaftes Interesse an einem Nachbau hat, den bitte ich, unbedingt mit mir Kontakt aufzunehmen, um weitere schwer formulierbare Hilfen zur Konstruktion (besonders von Zusatzbauteilen wie Quertragwerken) der Oberleitung erhalten zu können. Ich freue mich immer über Post zu dem Thema - immerhin habe ich die Oberleitung selbst entwickelt, und freue mich über jegliche Verbreitung. Außerdem gibt es andere Modellbauer, die eine solches System gegen Geld bieten würden, somit ist also eine kurzes Feedback beim Erbauer nicht zuviel verlangt - auch über Kritik würde ich mich freuen! vielen Dank, und nun viel Spaß beim lesen!

Beim Lesen (ausdrucken bietet sich zugunsten der Übersichtlichkeit an) sollte man die Texte immer wieder mit den verschiedenen (nicht nur den angegebenen) Zeichnungen und Fotos vergleichen. Wie üblich sollte man den Text auch lesen bevor man anfängt zu bauen...

Planungsarbeit:

Anzahl und Position der Masten ermitteln

Damit die Oberleitung im Betrieb keine Schwierigkeiten und auch einen optisch guten Eindruck macht, muss vor dem Beginn der eigentlichen Arbeiten zuerst festgelegt werden, wo welcher Mast (oder Quertragwerk) stehen soll, und wie lang der Ausleger sein muss. Dazu nimmt man sich am besten einen Zollstock und einige kurze Holzpflöcke. An der Position des ersten Masten legt man den Holzpflock vom Maststandort zur Gleismitte (Darstellung des Auslegers). In Kurven sollte der Mast an der Außenseite stehen und der Ausleger bis zur äußeren Schiene gehen (siehe Abb. 1). Nun nimmt man den Zollstock, klappt ihn aus und legt ihn auf der Schienenmitte bis zum nächsten Masten (Fahrdrahtdarstellung). Auf der Geraden sollte dieser Abstand nicht größer als 1,4m sein. In Kurven muss der Zollstock von äußerem Gleis zu innerem Gleis zu äußerem Gleis verlaufen (siehe Abb. 1). Nur dadurch kann man auch in Kurven die maximale Fahrdrahtlänge unter sicheren Betriebsvoraussetzungen erreichen. Als Faustregel kann man hier sagen, dass etwa ein Kurvengleis (unabhängig vom Radius) einem Fahrdrahtsegment entspricht. Vorsicht sollte hier gelten, wenn man überhöhte (Äusseres Kurvengleis liegt höher, der Zug "legt sich in die Kurve") Kurven hat. Steht der Stromabnehmer der Loks dann immerhin nach innen über das Gleis. Die Auslegerlänge muss jeder Modellbahner für sich selbst herausfinden. Mein Standart-Maß sind 15cm, die nur an baulich komplizierten Stellen überschritten werden. Unterschreiten sollte man dieses Maß nach Möglichkeit nicht, da man sonst das Lichtraumprofil der Fahrzeuge einschränkt. Zur Info: das Lichtraumprofil zur Seite für einen vierachsigen Güterwagen der RhB beträgt 2,7m ab Wagenmitte - dies entspricht etwa 12cm bei LGB.

Abb. 1:

Auf diese Art muss die gesamte Strecke vermessen werden und in einer zu erstellenden Liste Mast-Nr., Auslegerlänge und Fahrdrahtlänge zum nächsten Masten eingetragen werden. In der Liste muss außerdem noch eine zusätzliche Spalte vorhanden sein - Sie ist später noch vonnöten. Die Mastpositionen entlang der Strecke werden mit weiteren Holzpflöcken markiert. Dann ist man soweit, dass man zum nächsten Arbeitsschritt übergehen kann.

Aller Anfang ist leicht

Das Betonfundament

Damit die Masten später einen guten Halt haben, müssen entsprechende Fundamente gegossen werden, auf denen die Masten befestigt werden können. Dazu wird mit einem 50mm-Abfluss-Rohr an der Mastposition ein Loch in den Boden geklopft (Rohr mittig über der Markierung auf den Boden setzen und mit Fäustel abschnittweise insgesamt ca. 30cm tief in den Boden rammen). Sind alle Mastpositionen „gelocht“ wird aus dünnem Pappkarton (Schreibblockrückseiten) die Gussform über dem Boden hergestellt. Sie sollte im Durchmesser etwas größer als das Loch sein und muss unbedingt mit der Schienenoberkante (SOK) der zu überspannenden Strecke abschließen.

Sind diese Arbeitsschritte gemacht, muss der Oberleitungsbauer erst einmal in der Werkstatt tätig werden: Als Befestigung für die Masten werden vier, 4cm weit aus dem Boden ragende Rundeisen benötigt. Hierfür verwende ich Maueranker. Dabei handelt es sich um meist Edelstahlstäbe (ältere Versionen aus verzinktem Stahl - neigt zum rosten) im Durchmesser von 3mm. Sie werden beim Hausbau zur Verbindung von Innen- und Außenmauer benötigt, und sind in verschiedenen Längen im Baumarkt erhältlich. Alternativ könnte man hier sicherlich auch Messingstäbe mit etwas größerem Querschnitt verwenden. Mit Schraubstock und Hammer entstehen aus zwei solchen Mauerankern die Befestigungen. Die beiden Enden des Mauerankers sollten etwa einen Abstand von 1,2cm haben (siehe Abb.2). Um die Arbeitszeit zu optimieren sollte man alle benötigten Eisenteile auf einmal biegen, zumal man dann auch immer von einem Muster ausgehen kann - immerhin ist das Biegen nach Maß nicht gerade einfach! Sind alle Teile gebogen, kann man endlich mit dem Gießen anfangen. Dazu benötigt man ziemlich flüssigen Beton, der von allein das gesamte Loch ausfüllt, andererseits nicht zu flüssig sein darf, da sonst die Metallteile im Beton „untergehen“. mit einem Probemasten oder einer anderen Testeinrichtung (die ein Durchmesser von 1,5cm hat) sollte man die in den Beton gedrückten Metallstäbe ausrichten. Da es sich nicht als einfach erweist mit einer Wasserwaage zu arbeiten, ist es ratsam, diesen Arbeitsschritt mit zwei Personen durchzuführen. Dieser kann dann aus einigen Metern Entfernung Korrekturanweisungen zur Ausrichtung der Metallteile geben. Zu der Ausrichtungsarbeit sei noch zu sagen, dass die Masten auch beim Aufbau noch ausgerichtet werden können, sofern die vier Stäbe den Masten minimal von allein klemmen.

Anschließend müssen die Fundamente unbedingt durchtrocknen. Vorsicht, auch mit dem Abnehmen der Schalpappe (es trocknet doch schneller...) sollte man lange warten - mit dieser Ungeduld habe ich mir ein Fundament zerstört. Den Zugehörigen Masten muss ich nun mit Draht stützen!

Abb.2
Anordnung der U-Eisen im Fundament. Der grüne Strich gibt die Erdoberkante an, der graue die Betonoberkante (und damit die SOK). Die Eisen werden so eingegossen, dass die vier Stäbe bei der Draufsicht auf das Fundament die Eckpunkte eines Quadrates mit den Seitenlängen ~ 1,2cm bilden.

es geht zur Sache

Mastenbau

Nun beginnt der komplizierteste Teil der Arbeit: Die Mastenanfertigung. Liegt die Liste vor, kann man mit der Arbeit anfangen. Abb. 3 zeigt den genauen Plan eines Mastes. Zum besseren Verständnis sollte man die hier genau beschriebenen Arbeitsgänge immer mit der Zeichnung vergleichen.

Abb. 3: Genauer Plan eines Standart-Masten (Typ N)

Wem diese Abbildung qualitativ zu schlecht ist, kann hier die hochaufgelöste Version downloaden

Man beginnt mit dem Hobeln der Rohhölzer. Dies sollten Vierkantleisten 1,5x1,5cm aus Lerche (beim Sägewerk als „Abschnitt“ erhältlich) sein. Im Baumarkt angebotene Rundleisten sind meistens nicht zu gebrauchen, da sie oftmals aus Kiefernholz sind. Ein Holz welches überhaupt nicht wetterbeständig ist. Viele andere Hölzer neigen dazu, sich nach kurzer Zeit im Freien zu biegen. Die Rundhölzer werden jetzt „fast rund“ gehobelt. Das heißt, dass man den Masten leicht kantig lässt - halt so, wie er tatsächlich an den Bahnstrecken steht.

Abb. 4: Hobelarbeit - Die Mastenrohlinge entstehen

Der rundgehobelte Mast wird nun auf die benötigte Länge gekürzt (normale Masten haben eine Standart-Länge, Endmasten und Quertragwerke sind kürzer bzw. länger). Das Holz muss nun gemäß dem Bauplan (Abb. 3) Bohrungen erhalten. Es sind die Löcher zur Durchführung des Tragseilträgers. Je nach Durchmesser sollte die Bohrung 2,5 bis 3 mm groß sein. In angegebener Höhe muss weiterhin ein geköpfter Nagel als Krampe in den Masten geschlagen werden. Es ist die Aufhängung für den später frei beweglichen Ausleger. Dieser umgebogene Nagel/Krampe muss unbedingt einen cm über der Fahrdrahthöhe sein, damit der Lötpunkt zur Oberleitung der tiefste Punkt des Auslegers ist. Weitergearbeitet wird nun mit dem Tragseilausleger. Auch er wird aus Mauerankern hergestellt (Preiswert und Wetterfest weil aus Edelstahl). Dieses schwierige Bauteil sollte mit besonderer Sorgfalt hergestellt werden und in folgender Weise am Masten befestigt werden: Als erstes wird der Maueranker geradegeklopft. Dann wird er an einem Ende gemäß Abb. 3 in die Form gebogen, die im Mast fixiert wird. Jetzt wird er von der Mastrückseite durch den Mast gesteckt und mit einem Hammer ordentlich festgeklopft. Sollte der Bügel etwas zu passend gebogen sein ist dies kein Grund zur sorge. Schon nach kurzer Zeit im Freien dehnt sich das Holz aus, und klemmt den Ausleger ganz automatisch fest. Das lange Ende nach vorn heraus wird jetzt gemäß dem Plan (Länge) gebogen und der Überstand anschließend abgesägt. Wichtig ist die Doppel-Biegung an der Schienenseite. Sie muss steil genug sein, damit die Tragseilträgerdiagonalverbindung im oberen Knick verlötet werden kann (siehe Abb. 3) - mit dem Maueranker lässt sie sich nicht verlöten (hält nicht). Dieses Bauteil ist auch das nächst folgende nach dem Tragseilausleger. Die Tragseilträgerdiagonalverbindung ist aus Kupferdraht (Querschnitt 0.252). Die Befestigung erfolgt mit der Alu-Abdeckplatte in einem Arbeitsschritt wie folgt: Nachdem die Alu-Platte (Achteckig mit ca. 3mm Überstand über den Masten) mit einem verzinkten (!) Nagel durchstochen ist und dessen unterstes Ende im Masten steckt, wird der Draht unter der Platte um den Nagel gewickelt (etwa 7-8 Mal rundherum). Nun wird der Nagel komplett in den Masten geklopft (Achtung: Nagel darf nicht zu lang sein, ansonsten springt das Holz!) bis die Alu-Platte glatt auf dem Masten aufliegt. Der Draht wird nun gespannt und um den oberen Knick des Tragseilauslegers gewickelt. Unter mechanischer Spannung wird der Draht in sich jetzt verlötet. Überstehende Drahtenden werden abgekniffen. Jetzt fehlt dem Masten nur noch der eigentliche Fahrdrahtausleger. Auch dieses Bauteil stellt eine Schwierigkeit für sich dar: Der Ausleger besteht aus Kupfer -Draht normaler NYM-Kabel (Querschnitt 1,,5mm2). Um an diesen Draht in blanker Form heranzukommen, muss man jedoch zuerst die einzelnen Drähte aus der Kunststoff-Ummantelung herausziehen und komplett abisolieren. Dies geschieht am einfachsten so: Man trennt sich ein Kabelstück von ca. 4m von der Rolle ab (Vorausgesetzt, der Bastelraum ist so lang...). Ein Ende eines Drahtes isoliert man ab und spannt es in einen Schraubstock. Mit einem Tuch in der Hand umfasst man nun das Kabel und versucht es von dem einzelnen Draht herunterzuziehen. Dies nimmt einige Zeit und vor allem „Handkraft“ in Anspruch, doch kann man beruhigend sagen, dass es von Draht zu Draht leichter geht... Die so erhaltenen Einzeldrähte werden wieder eingespannt und mit einem Messer auf der Oberseite abisoliert. Die übrigbleibende Halbschale kann man per Hand einfach abziehen. Nun ist der Draht frei, jedoch krumm wie ein Stück Garn. Um dem zu begegnen ist die große Länge der Drähte wichtig: Am Schraubstock kräftig eingespannt und um eine Kombi-Zange sicher herumgewickelt zieht man mit aller Kraft an dem Draht. Doch sollte auch hierbei Vorsicht walten: Unbedingt viel Platz nach hinten lassen. Falls der Draht doch reißt, fliegt man mit ungeahntem Schwung rückwärts.

Wer stark zieht, wird auch feststellen, dass sich der Draht streckt - nicht zu weit strecken, sonst reißt er zu leicht.

Die so erhaltenen 3-5 Drahtenden müssen nach Möglichkeit in voller Länge gelagert werden können, um keine neuen Knicke zu verursachen.

Das für den Ausleger benötigte Ende wird jetzt nach Listenmaß + ca. 1cm abgeschnitten. Es wird im vorderen Bereich (Schienenseite) gemäß Abb. 3 mit einem Knick nach unten versehen. Am hinteren Ende wird eine Öse gebogen, die in die Krampe am Masten gesteckt wird und dann vollständig geschlossen wird.

So, nun ist der rohe Mast fertig!

Als letztes muss er nun noch mit einer Teerlösung behandelt werden, um ihn haltbar für den harten Außeneinsatz zu machen. Ich verwende dafür einen Bitumen-Schutzanstrich der normalerweise bei außenliegenden Fundamenten und Mauerwerken unter der Erde zum Einsatz kommt (Im Baumarkt als "Schutzanstrich für Fundamente - Bitumen" erhältlich). Dieses Mittel ist gleichzeitig auch optische Optimierung der Masten. Wer der Optik wegen nicht zu dick aufträgt, weil die Masten im Original auch nicht alle rabenschwarz waren, muss sich darüber im Klaren sein, dass nach etwa zwei Jahren der nächste Schutzanstrich fällig ist. Wichtig ist beim Streichen der Schutz der Unteren Schnittseite: Diese wird zukünftig immer knapp einen cm über dem Boden hängen, und ist als Holzstirnseite gleichzeitig auch noch empfindlichste Stelle des Masten - hier also extra viel Teer drauf!

entspannende Einfachheit:

Aufstellen der Masten

Zwischendrin folgt nun diese einfache Arbeit: Die fertiggestellten Masten werden entlang der Strecke aufgebaut. Sie werden so zwischen die vier Metallstäbe gesteckt, dass zwischen unterem Mastende und Fundament etwa 1cm Platz bleibt. Diese Maßnahme ist erforderlich, um die Masten gegen Feuchtigkeit von unten zu schützen. Auch hier gilt: Regelmäßig den Dreck entfernen - hier sammelt er sich sehr leicht - mit einer Zahnbürste kann aber schnell Abhilfe geschaffen werden. Ist der Mast in Richtung und Auslegerstellung in Position gebracht, muss eine Draht-Schlaufe um die Metallstäbe gelegt werden und mit einer Kombi-Zange festgedreht werden. Nun dürfte sich der Mast nicht mehr allzu leicht bewegen lassen.

Jetzt sollte man nochmals die Fahrdrahtlänge von Ausleger zu Ausleger messen und mit den Messdaten vom Anfang vergleichen. Ggf. müssen diese korrigiert werden. Außerdem muss nun die Strecke zwischen Tragseilausleger und Fahrdrahtausleger bestimmt werden. Dies geschieht mit dem später auch zum verlöten nötigen Montagefahrzeug. Es ist ein Waggon, der einen Aufbau mit Feuerfestem, großflächigen und ebenen Dach erhalten muss. Beim Bau dieses Waggons/Dienstfahrzeuges sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt... Das Dach sollte man in der Höhe verstellen können, doch sollte es eine einfach einstellbare „Standart-Oberleitungshöhe“ haben, damit sich der Pantograph der Lok später nicht ständig auf und ab bewegt. Dieses Fahrzeug wird zum Messen unter den Masten gefahren, auf Optimalhöhe eingestellt und der Fahrdrahtausleger daraufgelegt. Der dabei entstehende Abstand zwischen Fahrdrahtausleger und Tragseilausleger wird gemessen und in der oben genannten Zusatzspalte der Liste festgehalten. Nun ist der Weg frei für den nächsten Arbeitsschritt.

Zweiter komplizierter Teil:

Die Fahrdrahtsegmente werden zusammengelötet

Jetzt, wo die Fahrdrahtliste komplett ist und die Masten aufgestellt sind, kann mit dem löten der Fahrdrahtsegmente begonnen werden. Hierfür sind jedoch einige Vorbereitungen zu treffen: Als erstes muss man sich eine „Lötschablone“ basteln (Abb. 5 u. 6). Man benötigt dafür eine etwa 1,5m lange und 20cm tiefe Platte und eine gleichlange Leiste mit den Maßen 2x2cm. Diese Beiden Holzteile sollten aus relativ feuerunempfindlichem Holz hergestellt werden, da man sie später sonst noch öfter mit Wasser kühlen muss... Die Leiste wird am hinteren längsseitigen Ende, oben auf der Platte aufgenagelt - die entstehende Ecke ist Andruckpunkt für den Fahrdraht. Die Leiste erhält nun in der Mitte einen Strich, von dem ausgehend man in beide Richtungen cm-Einteilungen macht. An dem Nullpunkt in der Mitte kann man nun die verschiedenen Tragseil-Abstände zum Fahrdraht in der Mitte eines Fahrdrahtsegments vorgeben. Dies geschieht mit kleinen Nägeln, die man in die Platte klopft. Genauso muss man die „Bewegungsfreiheit“ des Fahrdrahtes entlang der geraden Leiste einschränken, indem man Nägel im Abstand eines Drahtes von der Leiste einschlägt. Wichtig hierbei: Nägel nie tief einschlagen, oft müssen sie während der Arbeit versetzt werden! Die richtungsvorgebenden Nägel für das Tragseil müssen immer den geforderten Längen und Fahrdrahtausleger-Tragseilausleger-Entfernungen entsprechend gesetzt werden.

Tipp: Nach dem Zusammenlöten eines Segments nicht sofort die Nägel entfernen - auch wenn sie geringfügig stören - sie können oft für andere Segmente gebraucht werden.

Hat man nun Lötbrenner (oder leistungsstarken Lötkolben), Kombi-Zangen, Lötfett (Jede Strebe einmal vor dem Löten eintauchen), Lötzinn und vor allem eine Sprühflasche mit Wasser bereitgestellt hat, kann man sich am ersten Segment versuchen. Dazu legt man den Draht (den man nach oben beschriebener Art und Weise abisoliert hat) in die „Fahrdraht-Ecke“ der Schablone (Achtung: der Draht muss überall auf der Holzplatte aufliegen!!!) ein. Die Enden sollten an jeder Seite etwa 5cm länger sein als nötig. Wichtig ist auch, dass man die Länge des Segments erst durch zwei teilt und dann an der Schablone abliest! Jetzt wird das Tragseil auf die Schablone gelegt, an den Segment-Endpunkten mit jeweils zwei Nägeln im notierten Abstand und alle weiteren 10cm arretiert. An den gewünschten Stellen werden nun die Streben zwischen Fahrdraht und Spannseil angepasst, in Lötfett getaucht und auf die Schablone gelegt. Nun wird es ernst: Der Lötbrenner in die Hand (alles Brennbare im Umkreis von ca. 3m wegräumen!!!), gezündet, Lot in die Hand und los geht’s. Beim Verlöten sollte man unbedingt darauf achten, dass nicht zu viel Lot die beiden Drähte verbindet, da diese Punkte die einzigen sind, die auch nach Monaten im Freien noch sichtbar sind. Andererseits muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Lötstellen sicher verbunden sind - sollen sie doch auch den ein oder anderen Crash überleben... Nach ca. 3-4 gelöteten Segmenten wird die Schablone an einigen Stellen bereits schwarz, nach 5-6 brennt sie auch schon mal. Doch dafür ist ja der Wassersprüher, der immer für Kühlung sorgt... Sind alle Segmente fertig, steht die Tür zur Montage endlich offen!

Abb. 5: Die Fahrdraht-Lötschablone während der Arbeiten - schon jetzt sieht sie teilweise gewaltig mitgenommen aus... Hinter dem Schraubstock kann man zwei kupferfarbene Drähte auf dem Holz ausmachen - Das vordere ist das Spannseil, das hintere der Fahrdraht. Er liegt wie im Text beschrieben in der „Ecke“.

Abb. 6: Hier wird gerade gelötet! Die Striche auf dem Holzbrett zeigen, dass ich mir zum einfacheren Arbeiten auch eine Höheneinteilung auf dem Holz eingezeichnet habe - stark zunehmend größer werdende schwarze Flecken machen die Benutzung jedoch immer schwerer...
Wie man erkennen kann, arbeite ich auch nicht mit Feinlot, sondern mit dickem Lot aus dem Sanitärsfachgeschäft (Fittingslot).

es geht in die Endrunde:

Montage der Oberleitung

Hat der Modellbahnbauer alle Segmente erfolgreich erstellt, wird endlich mit der Installation der Oberleitung begonnen. Dazu wird wieder der vorhin erwähnte Wagen benötigt. Am ersten Masten wird das Spannseil einmal um den Ausleger gelegt (die zusätzliche Länge beachten!). Am zweiten Masten ebenfalls. Nun wird das zweite Segment zum nächsten Masten auf gleiche Art und Weise eingehängt. An der somit ersten entstehenden Übergangstelle mit zwei Drähten werden die beiden nebeneinanderliegenden Spannseile miteinander verlötet (Lötfett nicht vergessen!). Nun kommt der Waggon zum Einsatz: Er wird unter den Ausleger gefahren, beide Fahrdrahtenden dicht nebeneinander daraufgelegt und darauf der Ausleger. Dessen Spitze muss nun den tiefsten Punkt des Auslegers bilden - wenn nicht, dann muss man das Fahrdrahtniveau senken - ansonsten wird die Unfallgefahr zu hoch! Liegen alle drei Drähte in Position, werden sie zuerst mit Lötfett „verklebt“ (geht nur im Winter, wenn das Fett kalt und steif ist...). Dann wird der Brenner gezündet und auf die Drähte gehalten. Erst wenn die Drähte heiß genug sind, darf ein wenig Lot darauf tropfen. Man muss erkennen können, dass alle Drähte miteinander verbunden sind. Nach kurzem Abkühlen fährt man den „Lötwaggon“ zur Seite und prüft mit dem Finger den Übergang (Vorsicht - heiß!). Nach Möglichkeit sollte man die überstehenden Drahtenden (Fahrdraht) erst jetzt ein wenig nach oben biegen und unmittelbar nach dem Knick abkneifen. Wie eine Lötstelle aussehen sollte, zeigt Abb. 7.

Abb. 7: Foto einer Lötstelle. So müssen die Drähte um den Tragseilausleger gewickelt werden und miteinander verlötet werden. Am Fahrdrahtausleger erkennbar: Die Drahtenden der endenden Fahrdrähte sind hinter der Lötstelle hochgebogen

Ist die ganze Oberleitung montiert, darf unter strengen Sicherheitsvorkehrungen (Langsamfahrt, nach Möglichkeit ein Lokführer und ein Beobachter) die erste Probefahrt beginnen!

Erwähnt werden sollte jedoch auch die Empfindlichkeit dieser Modelloberleitung: Da es sich um ein komplett verlötetes System handelt, wird jedes Hängenbleiben an Draht oder Mast auf der gesamten Anlage bestraft... - Also sollte man auf seiner Anlage schon sicher zu Fuß sein. Weiterhin gibt es Gefahren durch Tiere - besonders, wenn diese riesig groß sind, und einer anderen Tierart hinterherrennen... Wenn der Hund die Katz jagt, dann wird der Draht schnell übersehen - die Folgen sind auf dem Bild 8 zu sehen. Hier wütete unser übermütiger Neufundländerrüde durch die Anlage.
Diese Folgen können sehr weitreichend sein... Meistens werden Masten in der nächsten Kurve krumgebogen, der Fahrdraht in sich verbogen und schlimmstenfalls sogar Fundamente gebrochen. So kann man zwar die meisten Schäden beheben, aber so gerade wie bei der Installation wird der Fahrdraht nie wieder hinzubiegen sein.

Abb. 8: Die Oberleitung will vorsichtig behandelt werden - Wenn große Haustiere sie durchqueren, gibt es schnell Probleme. Kleine Anmerkung am Rande: Katzen haben die Oberleitung hingegen gern - man kann so hervorragend daran schmusen.. :-)

Wer sich nun durch diese ganze Anleitung durchgekämpft hat, die, wie schon erwähnt, nur andeuten kann, wie es richtig gemacht wird, und ernsthaftes Interesse an einem Nachbau hat, der wende sich bitte an mich. Ich beantworte gerne jede Frage und verrate dann auch noch, wie man Quertragwerke, Abzweigungen und Endmasten baut. Ich bitte in jedem Fall von Interesse am Nachbau um Kontaktaufnahme!

Hier eine kleine Bildergalerie - Aufs Bild klopfen und es wird größer...

© 13. August 2001 by Georg Wagner
letzte Aktualisierung: 17. August 2003

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