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Selbstgebaute Oberleitung "Bergün" für die LGB
professionell und beständig - die Alternative zu angebotenen Artikeln
history
Seit Winter 1997 ist meine Eisenbahnanlage elektrifiziert. Die erste Version bestand aus im Wald gesammelten Holzpflöcken,
durch die ein entsprechend gebogener Maueranker gesteckt wurde. Ein verzinkter Rosendraht wurde von unten einmal um den
Ausleger gewickelt und zum nächsten geführt. Dieses System bewährte sich jedoch nicht, da der Fahrdraht schnell rostete
und außerdem keine Arretierung am untersten Punkt des Auslegers hatte. Von den damit verbundenen Unfällen wollen wir
deshalb gar nicht reden...
Somit wurde mir bald klar, dass eine Alternative gefunden werden musste. Heraus kam dabei eine professionelle Oberleitung,
die ich dem engagierten Modellbahnbauer nicht vorenthalten möchte und zum Nachbau anbieten möchte.
Genaue Beschreibung und Bauanleitung
Grundsätzliches
Die hier präsentierte Oberleitung „Bergün“ ist ein System, welches für den festen Aufbau konzipiert ist (Betonfundamente,
gelötete Bauweise). Es ist eine Oberleitung mit Holzmasten und Tragseil über dem Fahrdraht - also dem alten System der
RhB nachempfunden.
Wer ernsthaftes Interesse an einem Nachbau hat, den bitte ich, unbedingt mit mir Kontakt aufzunehmen, um weitere schwer
formulierbare Hilfen zur Konstruktion (besonders von Zusatzbauteilen wie Quertragwerken) der Oberleitung erhalten zu
können. Ich freue mich immer über Post zu dem Thema - immerhin habe ich die Oberleitung selbst entwickelt, und freue
mich über jegliche Verbreitung.
Außerdem gibt es andere Modellbauer, die eine solches System gegen Geld bieten würden, somit
ist also eine kurzes Feedback beim Erbauer nicht zuviel verlangt - auch über Kritik würde ich mich freuen! vielen Dank,
und nun viel Spaß beim lesen!
Beim Lesen (ausdrucken bietet sich zugunsten der Übersichtlichkeit an) sollte man die Texte immer wieder mit den
verschiedenen (nicht nur den angegebenen) Zeichnungen und Fotos vergleichen. Wie üblich sollte man den Text auch lesen
bevor man anfängt zu bauen...
Planungsarbeit:
Anzahl und Position der Masten ermitteln
Damit die Oberleitung im Betrieb keine Schwierigkeiten und auch einen optisch
guten Eindruck macht, muss vor dem Beginn der eigentlichen Arbeiten zuerst festgelegt werden, wo welcher Mast (oder
Quertragwerk) stehen soll, und wie lang der Ausleger sein muss. Dazu nimmt man sich am besten einen Zollstock und einige
kurze Holzpflöcke. An der Position des ersten Masten legt man den Holzpflock vom Maststandort zur Gleismitte (Darstellung
des Auslegers). In Kurven sollte der Mast an der Außenseite stehen und der Ausleger bis zur äußeren Schiene gehen (siehe
Abb. 1). Nun nimmt man den Zollstock, klappt ihn aus und legt ihn auf der Schienenmitte bis zum nächsten Masten
(Fahrdrahtdarstellung). Auf der Geraden sollte dieser Abstand nicht größer als 1,4m sein. In Kurven muss der
Zollstock von äußerem Gleis zu innerem Gleis zu äußerem Gleis verlaufen (siehe Abb. 1). Nur dadurch kann man auch in
Kurven die maximale Fahrdrahtlänge unter sicheren Betriebsvoraussetzungen erreichen. Als Faustregel kann man hier sagen,
dass etwa ein Kurvengleis (unabhängig vom Radius) einem Fahrdrahtsegment entspricht. Vorsicht sollte hier gelten, wenn
man überhöhte (Äusseres Kurvengleis liegt höher, der Zug "legt sich in die Kurve") Kurven hat. Steht der Stromabnehmer der
Loks dann immerhin nach innen über das Gleis. Die Auslegerlänge
muss jeder Modellbahner für sich selbst herausfinden. Mein Standart-Maß sind 15cm, die nur an baulich komplizierten Stellen
überschritten werden. Unterschreiten sollte man dieses Maß nach Möglichkeit nicht, da man sonst das Lichtraumprofil der
Fahrzeuge einschränkt. Zur Info: das Lichtraumprofil zur Seite für einen vierachsigen Güterwagen der RhB beträgt 2,7m ab
Wagenmitte - dies entspricht etwa 12cm bei LGB.
Abb. 1:

Auf diese Art muss die gesamte Strecke vermessen werden und in einer zu erstellenden Liste Mast-Nr., Auslegerlänge und
Fahrdrahtlänge zum nächsten Masten eingetragen werden. In der Liste muss außerdem noch eine zusätzliche Spalte vorhanden
sein - Sie ist später noch vonnöten. Die Mastpositionen entlang der Strecke werden mit weiteren Holzpflöcken markiert.
Dann ist man soweit, dass man zum nächsten Arbeitsschritt übergehen kann.
Aller Anfang ist leicht
Das Betonfundament
Damit die Masten später einen guten Halt haben, müssen entsprechende Fundamente
gegossen werden, auf denen die Masten befestigt werden können. Dazu wird mit einem 50mm-Abfluss-Rohr an der Mastposition
ein Loch in den Boden geklopft (Rohr mittig über der Markierung auf den Boden setzen und mit Fäustel abschnittweise
insgesamt ca. 30cm tief in den Boden rammen). Sind alle Mastpositionen „gelocht“ wird aus dünnem Pappkarton
(Schreibblockrückseiten) die Gussform über dem Boden hergestellt. Sie sollte im Durchmesser etwas größer als das Loch sein
und muss unbedingt mit der Schienenoberkante (SOK) der zu überspannenden Strecke abschließen.Sind diese Arbeitsschritte
gemacht, muss der
Oberleitungsbauer erst einmal in der Werkstatt tätig werden: Als Befestigung für die Masten werden vier, 4cm weit aus dem
Boden ragende Rundeisen benötigt. Hierfür verwende ich Maueranker. Dabei handelt es sich um meist Edelstahlstäbe (ältere
Versionen aus verzinktem Stahl - neigt zum rosten) im Durchmesser von 3mm. Sie werden beim Hausbau zur Verbindung von
Innen- und Außenmauer
benötigt, und sind in verschiedenen Längen im Baumarkt erhältlich. Alternativ könnte man hier sicherlich auch Messingstäbe
mit etwas größerem Querschnitt verwenden. Mit Schraubstock und Hammer entstehen aus zwei solchen Mauerankern die
Befestigungen. Die beiden Enden des Mauerankers sollten etwa einen Abstand von 1,2cm haben (siehe Abb.2). Um die Arbeitszeit
zu optimieren sollte man alle benötigten Eisenteile auf einmal biegen, zumal man dann auch immer von einem Muster ausgehen
kann - immerhin ist das Biegen nach Maß nicht gerade einfach! Sind alle Teile gebogen, kann man endlich mit dem Gießen
anfangen. Dazu benötigt man ziemlich flüssigen Beton, der von allein das gesamte Loch ausfüllt, andererseits nicht zu
flüssig sein darf, da sonst die Metallteile im Beton „untergehen“. mit einem Probemasten oder einer anderen Testeinrichtung
(die ein Durchmesser von 1,5cm hat) sollte man die in den Beton gedrückten Metallstäbe ausrichten. Da es sich nicht als
einfach erweist mit einer Wasserwaage zu arbeiten, ist es ratsam, diesen Arbeitsschritt mit zwei Personen durchzuführen.
Dieser kann dann aus einigen Metern Entfernung Korrekturanweisungen zur Ausrichtung der Metallteile geben. Zu der
Ausrichtungsarbeit sei noch zu sagen, dass die Masten auch beim Aufbau noch ausgerichtet werden können, sofern die vier
Stäbe den Masten minimal von allein klemmen.
Anschließend müssen die Fundamente unbedingt durchtrocknen. Vorsicht, auch mit dem Abnehmen der Schalpappe (es trocknet doch
schneller...) sollte man lange warten - mit dieser Ungeduld habe ich mir ein Fundament zerstört. Den Zugehörigen Masten
muss ich nun mit Draht stützen!
Abb.2
Anordnung der U-Eisen im Fundament. Der grüne Strich gibt die Erdoberkante an, der graue die Betonoberkante (und damit die
SOK). Die Eisen werden so eingegossen, dass die vier Stäbe bei der Draufsicht auf das Fundament die Eckpunkte eines
Quadrates mit den Seitenlängen ~ 1,2cm bilden.

es geht zur Sache
Mastenbau
Nun beginnt der komplizierteste Teil der Arbeit: Die Mastenanfertigung. Liegt
die Liste vor, kann man mit der Arbeit anfangen. Abb. 3 zeigt den genauen Plan eines Mastes. Zum besseren Verständnis
sollte man die hier genau beschriebenen Arbeitsgänge immer mit der Zeichnung vergleichen.
Abb. 3: Genauer Plan eines Standart-Masten (Typ N)
Wem diese Abbildung qualitativ zu schlecht ist, kann hier die hochaufgelöste Version downloaden

Man beginnt mit dem Hobeln der Rohhölzer. Dies sollten Vierkantleisten 1,5x1,5cm aus Lerche (beim Sägewerk als „Abschnitt“
erhältlich) sein. Im Baumarkt angebotene Rundleisten sind meistens nicht zu gebrauchen, da sie oftmals aus Kiefernholz sind.
Ein Holz welches überhaupt nicht wetterbeständig ist. Viele andere Hölzer neigen dazu, sich nach kurzer Zeit im Freien zu
biegen. Die Rundhölzer werden jetzt „fast rund“ gehobelt. Das heißt, dass man den Masten leicht kantig lässt - halt so,
wie er tatsächlich an den Bahnstrecken steht.
Abb. 4: Hobelarbeit - Die Mastenrohlinge entstehen

Der rundgehobelte Mast wird nun auf die benötigte Länge gekürzt (normale Masten haben eine Standart-Länge, Endmasten und
Quertragwerke sind kürzer bzw. länger). Das Holz muss nun gemäß dem Bauplan (Abb. 3) Bohrungen erhalten. Es sind die
Löcher zur Durchführung des Tragseilträgers. Je nach Durchmesser sollte die Bohrung 2,5 bis 3 mm groß sein. In angegebener
Höhe muss weiterhin ein geköpfter Nagel als Krampe in den Masten geschlagen werden. Es ist die Aufhängung für den später
frei beweglichen Ausleger. Dieser umgebogene Nagel/Krampe muss unbedingt einen cm über der Fahrdrahthöhe sein, damit der
Lötpunkt zur Oberleitung der tiefste Punkt des Auslegers ist. Weitergearbeitet wird nun mit dem Tragseilausleger. Auch er
wird aus Mauerankern hergestellt (Preiswert und Wetterfest weil aus Edelstahl). Dieses schwierige Bauteil sollte mit
besonderer Sorgfalt hergestellt werden und in folgender Weise am Masten befestigt werden: Als erstes wird der Maueranker
geradegeklopft. Dann wird er an einem Ende gemäß Abb. 3 in die Form gebogen, die im Mast fixiert wird. Jetzt wird er von
der Mastrückseite durch den Mast gesteckt und mit einem Hammer ordentlich festgeklopft. Sollte der Bügel etwas zu passend
gebogen sein ist dies kein Grund zur sorge. Schon nach kurzer Zeit im Freien dehnt sich das Holz aus, und klemmt den Ausleger
ganz automatisch fest. Das lange Ende nach vorn heraus wird jetzt gemäß dem Plan
(Länge) gebogen und der Überstand anschließend abgesägt. Wichtig ist die Doppel-Biegung an der
Schienenseite. Sie muss steil genug sein, damit die Tragseilträgerdiagonalverbindung im oberen Knick verlötet werden kann
(siehe Abb. 3) - mit dem Maueranker lässt sie sich nicht verlöten (hält nicht). Dieses Bauteil ist auch das nächst
folgende nach dem Tragseilausleger. Die Tragseilträgerdiagonalverbindung ist aus Kupferdraht (Querschnitt 0.252). Die
Befestigung erfolgt mit der Alu-Abdeckplatte in einem Arbeitsschritt wie folgt: Nachdem die Alu-Platte (Achteckig mit ca.
3mm Überstand über den Masten) mit einem verzinkten (!) Nagel durchstochen ist und dessen unterstes Ende im Masten steckt,
wird der Draht unter der Platte um den Nagel gewickelt (etwa 7-8 Mal rundherum). Nun wird der Nagel komplett in den Masten
geklopft (Achtung: Nagel darf nicht zu lang sein, ansonsten springt das Holz!) bis die Alu-Platte glatt auf dem Masten
aufliegt. Der Draht wird nun gespannt und um den oberen Knick des Tragseilauslegers gewickelt. Unter mechanischer Spannung
wird der Draht in sich jetzt verlötet. Überstehende Drahtenden werden abgekniffen. Jetzt fehlt dem Masten nur noch der
eigentliche Fahrdrahtausleger. Auch dieses Bauteil stellt eine Schwierigkeit für sich dar: Der Ausleger besteht aus Kupfer
-Draht normaler NYM-Kabel (Querschnitt 1,,5mm2). Um an diesen Draht in blanker Form heranzukommen, muss man jedoch zuerst
die einzelnen Drähte aus der Kunststoff-Ummantelung herausziehen und komplett abisolieren. Dies geschieht am einfachsten
so: Man trennt sich ein Kabelstück von ca. 4m von der Rolle ab (Vorausgesetzt, der Bastelraum ist so lang...). Ein Ende
eines Drahtes isoliert man ab und spannt es in einen Schraubstock. Mit einem Tuch in der Hand umfasst man nun das Kabel
und versucht es von dem einzelnen Draht herunterzuziehen. Dies nimmt einige Zeit und vor allem „Handkraft“ in Anspruch,
doch kann man beruhigend sagen, dass es von Draht zu Draht leichter geht... Die so erhaltenen Einzeldrähte werden wieder
eingespannt und mit einem Messer auf der Oberseite abisoliert. Die übrigbleibende Halbschale kann man per Hand einfach
abziehen. Nun ist der Draht frei, jedoch krumm wie ein Stück Garn. Um dem zu begegnen ist die große Länge der Drähte
wichtig: Am Schraubstock kräftig eingespannt und um eine Kombi-Zange sicher herumgewickelt zieht man mit aller Kraft an
dem Draht. Doch sollte auch hierbei Vorsicht walten: Unbedingt viel Platz nach hinten lassen. Falls der Draht doch reißt,
fliegt man mit ungeahntem Schwung rückwärts.
Wer stark zieht, wird auch feststellen, dass sich der Draht streckt - nicht zu weit strecken, sonst reißt er zu leicht.
Die so erhaltenen 3-5 Drahtenden müssen nach Möglichkeit in voller Länge gelagert werden können, um keine neuen Knicke zu
verursachen.
Das für den Ausleger benötigte Ende wird jetzt nach Listenmaß + ca. 1cm abgeschnitten. Es wird im vorderen Bereich
(Schienenseite) gemäß Abb. 3 mit einem Knick nach unten versehen. Am hinteren Ende wird eine Öse gebogen, die in die
Krampe am Masten gesteckt wird und dann vollständig geschlossen wird.
So, nun ist der rohe Mast fertig!
Als letztes muss er nun noch mit einer Teerlösung behandelt werden, um ihn haltbar für den harten Außeneinsatz zu machen.
Ich verwende dafür einen Bitumen-Schutzanstrich der normalerweise bei außenliegenden Fundamenten und Mauerwerken unter
der Erde zum Einsatz kommt (Im Baumarkt als "Schutzanstrich für Fundamente - Bitumen" erhältlich).
Dieses Mittel ist gleichzeitig auch optische Optimierung der Masten. Wer der Optik wegen nicht zu dick
aufträgt, weil die Masten im Original auch nicht alle rabenschwarz waren, muss sich darüber im Klaren sein, dass nach etwa
zwei Jahren der nächste Schutzanstrich fällig ist. Wichtig ist beim Streichen der Schutz der Unteren Schnittseite: Diese
wird zukünftig immer knapp einen cm über dem Boden hängen, und ist als Holzstirnseite gleichzeitig auch noch empfindlichste
Stelle des Masten - hier also extra viel Teer drauf!
entspannende Einfachheit:
Aufstellen der Masten
Zwischendrin folgt nun diese einfache Arbeit: Die fertiggestellten Masten werden
entlang der Strecke aufgebaut. Sie werden so zwischen die vier Metallstäbe gesteckt, dass zwischen unterem Mastende und
Fundament etwa 1cm Platz bleibt. Diese Maßnahme ist erforderlich, um die Masten gegen Feuchtigkeit von unten zu schützen.
Auch hier gilt: Regelmäßig den Dreck entfernen - hier sammelt er sich sehr leicht - mit einer Zahnbürste kann aber schnell
Abhilfe geschaffen werden.
Ist der Mast in Richtung und Auslegerstellung in Position gebracht, muss eine Draht-Schlaufe um die Metallstäbe gelegt
werden und mit einer Kombi-Zange festgedreht werden. Nun dürfte sich der Mast nicht mehr allzu leicht bewegen lassen.
Jetzt sollte man nochmals die Fahrdrahtlänge von Ausleger zu Ausleger messen und mit den Messdaten vom Anfang vergleichen.
Ggf. müssen diese korrigiert werden. Außerdem muss nun die Strecke zwischen Tragseilausleger und Fahrdrahtausleger bestimmt
werden. Dies geschieht mit dem später auch zum verlöten nötigen Montagefahrzeug. Es ist ein Waggon, der einen Aufbau mit
Feuerfestem, großflächigen und ebenen Dach erhalten muss. Beim Bau dieses Waggons/Dienstfahrzeuges sind der Fantasie keine
Grenzen gesetzt... Das Dach sollte man in der Höhe verstellen können, doch sollte es
eine einfach einstellbare „Standart-Oberleitungshöhe“ haben, damit sich der Pantograph der Lok später nicht ständig auf und
ab bewegt. Dieses Fahrzeug wird zum Messen unter den Masten gefahren, auf Optimalhöhe eingestellt und der Fahrdrahtausleger
daraufgelegt. Der dabei entstehende Abstand zwischen Fahrdrahtausleger und Tragseilausleger wird gemessen und in der oben
genannten Zusatzspalte der Liste festgehalten. Nun ist der Weg frei für den nächsten Arbeitsschritt.
Zweiter komplizierter Teil:
Die Fahrdrahtsegmente werden zusammengelötet
Jetzt, wo die Fahrdrahtliste komplett ist und die Masten aufgestellt sind, kann
mit dem löten der Fahrdrahtsegmente begonnen werden. Hierfür sind jedoch einige Vorbereitungen zu treffen: Als erstes
muss man sich eine „Lötschablone“ basteln (Abb. 5 u. 6). Man benötigt dafür eine etwa 1,5m lange und 20cm tiefe Platte
und eine gleichlange Leiste mit den Maßen 2x2cm. Diese Beiden Holzteile sollten aus relativ feuerunempfindlichem Holz
hergestellt werden, da man sie später sonst noch öfter mit Wasser kühlen muss... Die Leiste wird am hinteren längsseitigen
Ende, oben auf der Platte aufgenagelt - die entstehende Ecke ist Andruckpunkt für den Fahrdraht. Die Leiste erhält nun in
der Mitte einen Strich, von dem ausgehend man in beide Richtungen cm-Einteilungen macht. An dem Nullpunkt in der Mitte
kann man nun die verschiedenen Tragseil-Abstände zum Fahrdraht in der Mitte eines Fahrdrahtsegments vorgeben. Dies geschieht
mit kleinen Nägeln, die man in die Platte klopft. Genauso muss man die „Bewegungsfreiheit“ des Fahrdrahtes entlang der
geraden Leiste einschränken, indem man Nägel im Abstand eines Drahtes von der Leiste einschlägt. Wichtig hierbei: Nägel
nie tief einschlagen, oft müssen sie während der Arbeit versetzt werden! Die richtungsvorgebenden Nägel für das Tragseil
müssen immer den geforderten Längen und Fahrdrahtausleger-Tragseilausleger-Entfernungen entsprechend gesetzt werden.
Tipp: Nach dem Zusammenlöten eines Segments nicht sofort die Nägel entfernen - auch wenn sie geringfügig stören - sie
können oft für andere Segmente gebraucht werden.
Hat man nun Lötbrenner (oder leistungsstarken Lötkolben), Kombi-Zangen, Lötfett (Jede Strebe einmal vor dem Löten
eintauchen), Lötzinn und vor allem eine Sprühflasche mit Wasser bereitgestellt hat, kann man sich am ersten Segment
versuchen. Dazu legt man den Draht (den man nach oben beschriebener Art und Weise abisoliert hat) in die „Fahrdraht-Ecke“
der Schablone (Achtung: der Draht muss überall auf der Holzplatte aufliegen!!!) ein. Die Enden sollten an jeder Seite etwa
5cm länger sein als nötig. Wichtig ist auch, dass man die Länge des Segments erst durch zwei teilt und dann an der
Schablone abliest! Jetzt wird das Tragseil auf die Schablone gelegt, an den Segment-Endpunkten mit jeweils zwei Nägeln
im notierten Abstand und alle weiteren 10cm arretiert. An den gewünschten Stellen werden nun die Streben zwischen Fahrdraht
und Spannseil angepasst, in Lötfett getaucht und auf die Schablone gelegt. Nun wird es ernst: Der Lötbrenner in die Hand
(alles Brennbare im Umkreis von ca. 3m wegräumen!!!), gezündet, Lot in die Hand und los geht’s. Beim Verlöten sollte man
unbedingt darauf achten, dass nicht zu viel Lot die beiden Drähte verbindet, da diese Punkte die einzigen sind, die auch
nach Monaten im Freien noch sichtbar sind. Andererseits muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Lötstellen sicher
verbunden sind - sollen sie doch auch den ein oder anderen Crash überleben... Nach ca. 3-4 gelöteten Segmenten wird die
Schablone an einigen Stellen bereits schwarz, nach 5-6 brennt sie auch schon mal. Doch dafür ist ja der Wassersprüher, der
immer für Kühlung sorgt... Sind alle Segmente fertig, steht die Tür zur Montage endlich offen!
Abb. 5: Die Fahrdraht-Lötschablone während der Arbeiten - schon jetzt sieht sie teilweise gewaltig mitgenommen aus... Hinter
dem Schraubstock kann man zwei kupferfarbene Drähte auf dem Holz ausmachen - Das vordere ist das Spannseil, das hintere
der Fahrdraht. Er liegt wie im Text beschrieben in der „Ecke“.

Abb. 6: Hier wird gerade gelötet! Die Striche auf dem Holzbrett zeigen,
dass ich mir zum einfacheren Arbeiten auch eine Höheneinteilung auf dem Holz eingezeichnet habe - stark zunehmend größer
werdende schwarze Flecken machen die Benutzung jedoch immer schwerer...
Wie man erkennen kann, arbeite ich auch nicht mit Feinlot, sondern mit dickem Lot aus dem Sanitärsfachgeschäft
(Fittingslot).

es geht in die Endrunde:
Montage der Oberleitung
Hat der Modellbahnbauer alle Segmente erfolgreich erstellt, wird endlich mit der
Installation der Oberleitung begonnen. Dazu wird wieder der vorhin erwähnte Wagen benötigt. Am ersten Masten wird das
Spannseil einmal um den Ausleger gelegt (die zusätzliche Länge beachten!). Am zweiten Masten ebenfalls. Nun wird das
zweite Segment zum nächsten Masten auf gleiche Art und Weise eingehängt. An der somit ersten entstehenden Übergangstelle
mit zwei Drähten werden die beiden nebeneinanderliegenden Spannseile miteinander verlötet (Lötfett nicht vergessen!).
Nun kommt der Waggon zum Einsatz: Er wird unter den Ausleger gefahren, beide Fahrdrahtenden dicht nebeneinander
daraufgelegt und darauf der Ausleger. Dessen Spitze muss nun den tiefsten Punkt des Auslegers bilden - wenn nicht,
dann muss man das Fahrdrahtniveau senken - ansonsten wird die Unfallgefahr zu hoch! Liegen alle drei Drähte in Position,
werden sie zuerst mit Lötfett „verklebt“ (geht nur im Winter, wenn das Fett kalt und steif ist...). Dann wird der Brenner
gezündet und auf die Drähte gehalten. Erst wenn die Drähte heiß genug sind, darf ein wenig Lot darauf tropfen. Man muss
erkennen können, dass alle Drähte miteinander verbunden sind. Nach kurzem Abkühlen fährt man den „Lötwaggon“ zur Seite
und prüft mit dem Finger den Übergang (Vorsicht - heiß!). Nach Möglichkeit sollte man die überstehenden Drahtenden
(Fahrdraht) erst jetzt ein wenig nach oben biegen und unmittelbar nach dem Knick abkneifen. Wie eine Lötstelle aussehen
sollte, zeigt Abb. 7.
Abb. 7: Foto einer Lötstelle. So müssen die Drähte um den Tragseilausleger gewickelt werden und miteinander verlötet
werden. Am Fahrdrahtausleger erkennbar: Die Drahtenden der endenden Fahrdrähte sind hinter der Lötstelle hochgebogen

Ist die ganze Oberleitung montiert, darf unter strengen Sicherheitsvorkehrungen (Langsamfahrt, nach Möglichkeit ein
Lokführer und ein Beobachter) die erste Probefahrt beginnen!
Erwähnt werden sollte jedoch auch die Empfindlichkeit
dieser Modelloberleitung: Da es sich um ein komplett verlötetes System handelt, wird jedes Hängenbleiben an Draht oder Mast
auf der gesamten Anlage bestraft... - Also sollte man auf seiner Anlage schon sicher zu Fuß sein. Weiterhin gibt es
Gefahren durch Tiere - besonders, wenn diese riesig groß sind, und einer anderen Tierart hinterherrennen... Wenn der Hund
die Katz jagt, dann wird der Draht schnell übersehen - die Folgen sind auf dem Bild 8 zu sehen. Hier wütete unser übermütiger
Neufundländerrüde durch die Anlage.
Diese Folgen können sehr weitreichend sein... Meistens werden Masten in der nächsten Kurve krumgebogen, der Fahrdraht in
sich verbogen und schlimmstenfalls sogar Fundamente gebrochen. So kann man zwar die meisten Schäden beheben, aber so
gerade wie bei der Installation wird der Fahrdraht nie wieder hinzubiegen sein.
Abb. 8: Die Oberleitung will vorsichtig behandelt werden - Wenn große Haustiere sie durchqueren, gibt es schnell Probleme.
Kleine Anmerkung am Rande: Katzen haben die Oberleitung hingegen gern - man kann so hervorragend daran schmusen.. :-)

Wer sich nun durch diese ganze Anleitung durchgekämpft hat, die, wie schon erwähnt, nur andeuten kann, wie es richtig
gemacht wird, und ernsthaftes Interesse an einem Nachbau hat, der wende sich bitte an mich. Ich beantworte gerne jede
Frage und verrate dann auch noch, wie man Quertragwerke, Abzweigungen und Endmasten baut. Ich bitte in jedem Fall von
Interesse am Nachbau um Kontaktaufnahme!
Hier eine kleine Bildergalerie - Aufs Bild klopfen und es wird größer...

© 13. August 2001 by Georg Wagner
letzte Aktualisierung: 17. August 2003