Alisa Marcuk ist 1,60 Meter groß und wiegt knapp 50 Kilo. Victor Levitskiy bringt knapp das doppelte auf die Waage und überragt die schlanke Moldawierin um anderthalb Köpfe. Plötzlich greift der 29-Jährige die junge Frau an. Alisa weicht elegant aus, wehrt mit ihren Händen die Attacke des Russen ab. Eine kurze Drehung, ein clever angesetzter Hebel und die 16-Jährige schickt ihren vermeintlich übermächtigen Gegner auf die Matte. Trainer Gennady Kustanovich hat die Szene verfolgt. Der in Minsk geborene Kampfsportler nickt zufrieden: „Gut gemacht Alisa. Führe beim nächsten Mal den Angreifer noch weiter nach vorn.“
Freitag Abend in einer Turnhalle in der Heinrich-Schütz-Straße. Die Aikido-Gruppe des TuS Makkabi Rostock trainiert. „Mit Aikido wird die Angriffsenergie des Gegners nutzlos gemacht. Seine Attacke läuft ins Leere. Er wird außer Gefecht gesetzt“, erklärt Kustanovich. Der 33-jährige Weißrusse trainiert zwölf Sportler im Alter zwischen vier und 33 Jahren. Es ist eine eine Multi-Kulti-Truppe. Ukrainer, Russen, Weißrussen, Deutsche und Moldawier bringen Körper und Geist ins Gleichgewicht. Aikido ist wahrscheinlich die jüngste der asiatischen Kampfsportarten. Sie entstand Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Morihei Ueschiba entwickelte Aikido aus Ju-Jutsu- und Schwertkampftechniken. Und der bärtige Japaner wacht noch heute über jede Trainingseinheit in der Turnhalle. Sein Bild wird zu jeder Übungsstunde aufgehangen. Zu Beginn verneigen sich die Athleten zweimal vor dem Meister und zum Abschluss sagen sie laut „Domo agito“ – „Danke schön“.
Aikido kann jeder ausüben. Man braucht keine besonderen sportlichen Fähigkeiten. „Beim Aikido entwickeln die Sportler ein Gespür dafür, die Kraft des Gegners zu nutzen. Die Abwehrbewegungen laufen kreis- oder spiralförmig ab“, sagt Gennady Kustanovich, der über Karate und Ju-Jutsu zum Aikido fand. Der Weißrusse betreibt seit sechs Jahren die Kampfkunst und hat den ersten Dan. „Frauen sind übrigens die besseren Aikido-Kämpfer“, sagt der angehende Arzt Victor Levitskiy, „weil sie es besser verstehen, die eigenen Kräfte nicht einzusetzen.“
Die Kampfsportler von Makkabi trainieren in Reutershagen dienstags von 19 bis 20 Uhr und freitags von 18 bis 20 Uhr.
MAIK EHRLICH
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