Irgendwann bekam ich ein als "Simson S51 B" ausgeschriebenes Mokick geschenkt. Natürlich wollte ich dieses Mokick später einmal fahren. Doch als ich auf das das Typenschild schaute, war ich total erstaunt! Denn jenes Schild verriet:
Typ: S50 B
Baujahr: 1975
Mein Zweirad entlarvte sich vor meinen Augen als Möchte-gern-Umbau. In der darauffolgenden Zeit fielen mir immer mehr Unterschiede zwischen S50 und S51 auf und so entschloss ich mich, mein Mokick wieder in seine ursprüngliche Gestalt zu bringen.
So also sah meine "Fuffi" zu Weihnachten 2002 aus:


Und das ist mein Ziel:

Meine ersten Fahrversuche scheiterten, da nach ca. 15 min. mein geliebtes Gefährt nach einigen übelklingenden Fehlzündungen ausging. Anfangs dachte ich an eine falsche Zündeinstellung, doch nach einigen Versuchen bemerkte ich, dass das garantiert nicht der Fall sein konnte. Ich gab auf, den Motor selbst zu reparieren, da ich mich mit meinen bescheidenen Kenntnissen nicht traute, einen Motor auseinander zu nehmen. Ich brachte die "Fuffi" zu einer Simson-Instandsetzungswerkstatt und ließ den Motor reparieren. Aber nur den Motor, den Rest wollte ich dann doch selbst machen! Die Werkstatt wechselte übrigens nur die Zündspule, den Unterbrecher und einige Leitungsteile aus.
Hier ist die erste Besonderheit meiner S50 B:
Frisch, froh, fröhlich, frei machte ich mich nun ans Werk und wollte die "paar" Teilchen, die nicht dorthin gehörten, austauschen. Doch da fing es an. Jeden Tag erkannte ich mehr "Fehler".
So zum Beispiel:
Außerdem waren viele interessante Heimwerker-Bastelarbeiten zu erkennen.
Zum Beispiel:
Also fing ich Ende Februar 2003 damit an, das Mokick komplett auseinanderzunehmen, mit dem Ziel es neu zu verkabeln, neu zu streichen und original aufzubauen. Anfang März bot sich mir dieses Bild:

Da auch einige Schraubenköpfe und Muttern rund gedreht waren, mussten wir zu härteren Waffen greifen:

Schon beim Auseinandernehmen habe ich mich ein wenig mit der Elektrik beschäftigt und gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist an einen S50 B-Schaltplan zu kommen.
Da ich nur an den Wochenenden zu Hause sein kann (Ich wohne in einem Internat), geht die Reparatur nur langsam voran. Doch trotz der mangelnden Zeit schenkte mir die Fuffi schon Mitte April 2003 diesen wunderschönen Anblick.

Bei diesem Anblick gewann dann auch das Wort "Zentralrohrrahmen" eine völlig ungeahnte Bedeutung. Doch ich glaube das nächste Bild verdeutlicht die Rahmenbauart noch viel viel besser.

Und hier noch ein Bild bei dem ich immer ein bisschen schmunzeln muss. So einfach verteilt man ein Mokick auf circa 12 Quadratmeter.

Nachdem die Kleine nun komplett zerlegt war, ging es an die eigentliche Restauration des Rahmens. Dazu mussten alle Teile von dem Rost und der alten Farbe befreit werden. Was hier so einfach klingt, ist ganz schöne Knochenarbeit. Ich wollte mir ja das Geld fürs Sandstrahlen sparen und so gings mir einer Elektro-Drahtbürste frisch ans Werk. Leider war diese Arbeit so was von penetrant und nervig, dass sie sich so ziemlich ein Jahr hinzog. Es kam ja auch noch der Schulstress dazu! Nachdem die Teile also irgendwann rost- und farbfrei waren, wurden sie zweimal grundiert und zweimal lackiert. Hier muss ich einen besonderen Dank an meinen Vater aussprechen, der diese Tätigkeit für mich übernahm und die Teile in einen wunderbaren Zustand brachte. Hier gibts jetzt mal ein Zwischenstadium zu sehen:

Und dann war es endlich soweit. Die ersten Teile wurden mit Hilfe von nigel-nagel-neuen Schrauben zusammengefügt. Zuerst musste das kleine Mokick ja einen Kopfstand machen, weil wir die unteren Teile, wie Ständer und Fußrasten, zuerst montieren wollten um die Fuffi irdenwann wieder hinstellen zu können. Aber bis dahin stand sie eben Kopf in der gemütlichen Bastelecke in der Scheune.

Als der Unterbau dann weitgehend fertig war, musste natürlich auch ein Foto geschossen werden. Dazu wurde die Kleine sogar in den Hof ans Sonnenlicht gebracht. Ich muss sagen, dass man richtig stolz ist, wenn man so ein Gestell sieht und anderthalb Jahre damit beschäftigt war die Teile dafür herzurichten. Dieser Moment hat meine Motivation wiedererweckt, die beim elektro-drahtbürsten schon fast vergangen war.

Jetzt ging alles relativ schnell. Der Motor wurde wieder eingesetzt, ohne dass er weiterführend restauriert wurde. Dafür wurde die gesamte Elektrik überarbeitet und der Kabelbaum wurde weitgehend erneuert.
Danach wurden dann endlich die form- und farbgebenden Teile restauriert. Ich wählte für Tank und Seitendeckel ein schönes Kirschrot und für die Kotflügel ein glänzendes Silber. Diese Teile waren ebenfalls schnell montiert und fertig war ich :)
Jetzt fehlte nur noch der Führerschein!
Am 12. Oktober 2004 war es dann soweit. Ich hatte den Führerschein endlich in der Tasche. Genau an diesem Tag fuhr ich schon die erste Runde mit der Kleinen, obwohl es ein paar Startschwierigkeiten gab: Zum Beispiel wollten die Blinker erst nach 15 Minuten guter Zurede ihre Funktion vollstängig erfüllen. Ansonsten ging aber alles glatt und ich konnte die ersten Kilometer ohne weitere Probleme zurücklegen. Als sich während meiner Fahrt meine Mundwinkel immer weiter in Richtung Ohrläppchen verschoben, wusste ich, warum ich dem Vertreter meiner Versicherung auf seine entsetzte Frage "Du willst jetzt noch fahren???" mit einem schlicht entschlossenen "Ja, klar!" geantwortet hatte.
Nach ausgiebiger Testphase im näheren Umland fühlte ich mich zwei Wochen später dazu in der Lage von zu Hause ins Internat zu fahren: schlappe 75km am Stück. Die alten Hasen werden jetzt sagen, "Hach früher sind wir bis ... wenn nich sogar ...", aber wenn man das das erste Mal macht, ist es schon ein Erlebnis. Vor allem, weil man kurz vorm Ziel seine Arme nicht mehr so richtig spürt, weil der Rucksack mit dem Gepäck für eine Woche ganz schön nach hinten zieht. Zu meiner großen Freude hat die Fahrt nur eine Stunde und vierzig Minuten gedauert. Das ist ein Schnitt von spektakulären 45 Km/h. Leider blieb ich auf der Rückfahrt nach drei Vierteln der Strecke mitten in der Nacht bei Nieselregen liegen und musste mich abholen lassen. Grund dafür war eine halbe Tonne (natürlich weniger :) ) feiner Sand in meinem Tank, der da weiß Gott wie hinkam. Die nächste Fahrt ins Internat dauerte dann wiederum zweieinhalb Stunden, weil die Kleine irgendwie mit dem nun sauberen Vergaser nicht zurechtkam. Einige Test- und Reparaturfahrten wurde dann langsam Winter und somit war für dieses Jahr Schluss mit Mopedfahren.