Freitod
Freitod der Ehefrau macht Kohl zu
schaffen
Ludwigshafen. Der Freitod seiner Frau Hannelore macht Altkanzler Helmut
Kohl (CDU) nach Darstellung eines Freundes auch nach einem Jahr noch zu
schaffen. „Er ist noch lange nicht drüber weg“, sagte Monsignore Erich
Ramstetter in Ludwigshafen. „Es ist wie bei allen Menschen, die jemand
Liebes verloren haben: Es gibt Zeiten, wo es gut geht, und dann kommt
wieder ein tiefes Tal“, schilderte Ramstetter, der früher Stadtdekan in
Ludwigshafen war, Kohls Verfassung.
Der Altbundeskanzler selbst sagte in einem Interview, er werde diesmal
nicht wie früher üblich im Urlaub an den Wolfgangsee nach Österreich
reisen. Die vielen Erinnerungen an die gemeinsamen Aufenthalte mit seiner
Frau in St. Gilgen seien „einfach noch zu schwer zu bewältigen“.
Kohl sagte, er wolle weiter an seinen Memoiren arbeiten. Das Buch solle im
Frühjahr fertig sein und seiner Frau gewidmet werden. Die 68-jährige
Hannelore Kohl hatte sich am 4. Juli 2001 im Haus der Familie in
Ludwigshafen-Oggersheim mit Tabletten das Leben genommen.
Quelle:
Nordwest Zeitung 4.7.2002
Mutmaßlicher Terrorist kündigt
Freitod an / Vertrauliches Gespräch mit Hamburger Imam löst große
Durchsuchungsaktion in der Stadt aus
Der umfassende Schlag der Hamburger Polizei und der Bundesanwaltschaft
gegen eine weitere, mindestens achtköpfige mutmaßliche terroristische
Gruppierung in Hamburg ist trotz fehlender konkreter Hinweise auf neue
Anschläge durch ernst zu nehmende Befürchtungen vor weiteren Attentaten
ausgelöst worden. So haben Mitglieder der am frühen Mittwochmorgen
festgenommenen Gruppe nach Informationen der WELT nicht nur den so
genannten Märtyrerschwur abgelegt. Vielmehr soll sich ein Mitglied der
Gruppe auch gegenüber dem Hamburger Imam, dem geistlichen Oberhaupt von
Moschee und islamischer Gemeinde, offenbart und konkret angekündigt haben,
dass er jetzt „mit dem Leben abschließen werde“.
Nach dieser Erklärung habe – eingedenk des Testaments des Hamburger
Todespiloten Mohammed Atta – nicht mehr ausgeschlossen werden können, dass
ein weiteres Selbstmordattentat bevorstehe. Daher seien die
Durchsuchungsbeschlüsse auf Antrag der Bundesanwaltschaft beim
Bundesgerichtshof erlassen worden, ohne dass ein konkreter Verdacht auf
kommende Anschläge bestehe.
Gleichzeitig zu der Durchsuchungsaktion in dem islamischen Buchladen in
St. Georg und den Wohnungen der Beschuldigten in Eimsbüttel, Altona,
Wilhelmsburg, Borgfelde, Neugraben-Fischbek und Winterhude sowie einem
Objekt in Italien sei auch in Hamburg ein Fernschreiben des
Bundeskriminalamtes eingegangen, in dem vorsorglich vor einem
möglicherweise bevorstehenden Anschlag in Baden-Württemberg gewarnt werde.
Zwischen der BKA-Mitteilung und den Hamburger Erkenntnissen bestehe jedoch
keinerlei Verbindung, hieß es. Der Buchladen wurde unterdessen am
Nachmittag nach einer Verfügung des Bezirksamts Mitte geschlossen.
Offen ist nach Informationen der WELT unterdessen weiterhin, welche
Verbindungen der Vater des mutmaßlichen Kopfs der ersten Hamburger
Terrorgruppe, Mohammed El Amir Atta Senior, zu Hamburg hat. Wie die WELT
erfuhr, soll Atta Senior nach dem Selbstmordattentat seines Sohnes in New
York mehrfach in der Hansestadt gewesen sein. Dabei soll er von einem
weiteren Verwandten begleitet worden sein. Zudem soll Attas Vater auch in
Verbindung mit der jetzt öffentlich gewordenen zweiten Gruppierung
gestanden haben. Mohammed El Amir Atta Senior und der Verwandte stünden
weiterhin „unter Beobachtung“, hieß es.
Nach dem Anschlag seines Sohnes hatte der Vater zunächst eine Verwicklung
seines Sohnes in den Anschlag auf das World Trade Center bestritten. Auch
sei sein Sohn nicht tot, behauptete er. Atta Junior sei „sehr geistreich“
und „so zart wie ein Mädchen“, so der Vater.
Innensenator Ronald Schill hat unterdessen den Hamburger
Ermittlungsbehörden und dem Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz
seine Anerkennung für ihre Erkenntnisse und Ermittlungsergebnisse
ausgesprochen. Hamburg habe durch die Arbeit der Sonderkommission
„Netzwerk“ und des Verfassungsschutzamts belegt, dass die Stadt
terroristischen Bedrohungen nicht schutzlos ausgesetzt sei. Vielmehr sei
nach dem Regierungswechsel „alles getan worden, damit die Stadt Terror
stärker und besser begegnen kann“, betonte der Senator gegenüber der WELT.
Dass Hamburg erneut im Visier der Ermittlungen sei, stehe dem nicht
entgegen. So sei die Hansestadt durch Fehleinschätzungen von
Vorgängerregierungen und „fehlinterpretierte Weltoffenheit“ auch für
Extremisten und Fundamentalisten ein „behagliches Nest“ und „sehr
attraktiv“ geworden. Hamburg müsse jetzt zeigen, dass die Stadt „für
Terroristen immer unattraktiver wird“. Gleichzeitig belegten die neuen
Erkenntnisse der Hamburger Sonderkommission und des Generalbundesanwalts,
dass die „terroristische Bedrohung unverändert anhält“. Deutschland und
die Welt dürfe sich daher nicht in falscher Sicherheit wiegen.
Auch der innenpolitische Sprecher der CDU und kommende Chef des
Landesamtes für Verfassungsschutz, Heino Vahldieck, warnte davor, die
Bedrohung durch Fundamentalisten und Extremisten zu unterschätzen. „Wir
müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Gefahr, die von islamistischen
Kräften ausgeht, gerade auch für Hamburg noch nicht überwunden ist“, so
Vahldieck. Der Einsatz von Mittwoch zeige jedoch, „was für ein wertvolles
polizeiliches Instrument die Rasterfahndung ist“. „Wir werden dafür
sorgen, dass dieses Fahndungsmittel der Polizei weiterhin zur Verfügung
stehen wird“, erklärte der Innenexperte.
„Wenn durch diesen Einsatz schlimme Straftaten verhindert worden sind, ist
das ein Erfolg der Rasterfahndung“, sagte auch Hamburgs SPD-Chef und
früherer Innensenator Olaf Scholz. Nach den Terroranschlägen vom 11.
September sei Hamburg das erste Bundesland gewesen, das die Rasterfahndung
angeordnet habe. „Sie ist nach wie vor ein angemessenes und notwendiges
Mittel, auf das die Polizei nicht verzichten kann.“
Quelle: Die
Welt 4.7.2002
Rätsel um Freitod des
Likör-Milliardärs
Familie und Freunde verstehen nach
dem Freitod von Carl Hubertus Underberg die Welt nicht mehr. Der
61-jährige Likör-Milliardär erschoss sich am 22. Juni in seinem Haus im
schweizerischen Luzern, ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen, wie die
Zeitschrift „Bunte“ am Mittwoch berichtete.
Ein enger Freund der Familie sagte dem Blatt: „Er war das Musterbeispiel
eines Bonvivants. Ein Genießer, der mit seinem vielen Geld eigentlich ein
glückliches Leben zu führen schien.“ Bei der Hochzeit seiner Tochter
Carolin im April habe „nichts, aber auch gar nichts“ auf Probleme
hingedeutet. „Die Familie wirkte immer sehr harmonisch, nie hörte man von
Streitereien untereinander, wie sie zwischen den Zweigen der Underbergs
sonst üblich waren“, so der Freund.
Hintergrund: Underberg war 1981 aus der Leitung der Getränkefirma
in Rheinberg bei Düsseldorf ausgeschieden und nach Luzern gezogen. Mit
seiner Frau Heide hatte er vier Kinder.
Quelle:
Focus
4.7.2002
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