|
Haus Weiland
Das Haus Weiland wurde im
Jahr 1821 erbaut und ist eines der vielen alten noch erhaltenen Wohnhäuser
im Ehrenburgertal. Im Bereich der Daichgasse befand sich der gemeindliche Backes
(Backofenhaus). Hier wurden die Teigwaren von den Einwohnern des
Ehrenburgertals gebacken.
Daichgasse
Haus
Weiland
Zurück
Die
Daichgasse
Das
Wasser des Ehrbaches wird im Ortsteil Ehrenburgertal durch ein Überfallwehr
gestaut und durch eine Einlasssc
Sie diente, nachweislich behördlicher Unterlagen, der Betreibung von zwei Mühlen,
zur Bewässerung eines mehrere
Jahrzehnte betrieben wurde. Somit ist davon auszugehen, dass die
Grabenanlage schon lange vor dem Jahr 1924 angelegt wurde. Seit
Generationen wird der künstliche Mühlengraben als "Daich"
bezeichnet. Die Gasse, an welcher der Graben vorbeiführt, bezeichnet man
als die Daichgasse (siehe Foto).
Daichgasse
Haus Firmenich
Zurück
Historische
Steinmauer
Zwischen
dem Haus Weiland und Mauer hat sie seit Jahrzehnten ihren festen Stand. Ihr
Betrachter vermag bei ihrem Anblick an ein Denkmal oder ähnliches zu
denken. Doch ist dies beim Anblick dieser Mauer sehr trügerisch. Die Mauer
ist ein Relikt aus einer dunklen Zeit nachbarschaftlicher Feindseligkeit.
Sie wurde erbaut um "feindliche" Blicke aus dem Hause Weiland in
den Hof Mauer zu unterbinden. Durch die Errichtung wurde auf sehr effektive
Art und Weise ein Wohnzimmerfenster "eingespart".
Als
abschreckender Beweis für nachbarschaftliche Tiefschläge findet die Mauer
trotzdem hier ihren "verdienten" Platz.
Historische
Steinmauer
Zurück
Die
Apfelmühle
Diese
Apfelmühle wurde bis in das Jahr 1920 von den Einwohnern des Tals zum
Mahlen bzw. Pressen der Apfelfrucht verwendet. Die
Frucht wurde auf eine große schüsselförmige Steinplatte gelegt und dort
durch den Mühlstein zermahlen. Der Mühlstein wurde durch einen Ochsen
oder durch Personen solange im Kreis gedreht bis die Frucht ausreichend
zerkleinert war. Danach wurde die Flüssigkeit und die Frucht abgeschöpft
und zu Apfelviez verarbeitet. Auf dem Mühlstein befindet sich die Zahl
1784. Im Jahr 1999 wurde die Apfelmühle aufwendig restauriert und erhielt
auf dem oberen Holzbalken die Zahl "1784" für die Jahreszahl der
möglichen Ersterrichtung und die Zahl "1999" für die Jahreszahl
der Restauration. Da auch auf dem an der Mühle angebrachten Kreuz die
Jahreszahl 1783 angebracht ist, dürfte die Anlage wohl tatsächlich
aus dieser Zeit stammen.
Apfelmühle
und Lorenz
Zurück
Dähler
Wasserpumpe
Die
Einwohner des Ehrenburgertals hatten sich schon sehr früh und nachhaltig um
die ausreichende Grundversorgung gekümmert. Die Wasserpumpanlage zeigt noch
heute auf eindrucksvolle Art und Weise, wie wichtig für das damalige Leben
sauberes kühles Wasser war. Der Wasserpumpe liegt ein neun Meter tiefer
gemauerter Wassergraben zugrunde. Dieser wurde früher einmal im Jahr von
Schlamm gereinigt. Dabei musste jedes Haus im Ehrenburgertal einen Helfer
stellen.
Wasserpumpe
Zurück
Kreuz
an der Apfelmühle
Vermutlich
sollten die Götter schon beim Pressen der Frucht den Segen geben um Unheil
vom Wein fern zu halten und der weiteren Verarbeitung die notwendige Güte
zuführen. Glaube und Weinherstellung waren früher untrennbar miteinander
verbunden. Das heutige Kreuz trägt die Jahreszahl 1783.
Kreuz
an der Apfelmühle
Zurück
Die
Dorfkapelle
Es
liegen bisher keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, wann und von wem
die Dorfkappelle gebaut wurde. Der Baustil lässt jedoch den Schluss zu,
dass die Kapelle aus der Zeit des Barocks stammt. Hierfür sprechen u.a. die
Wandmalereien mit Engel- und Heiligenfiguren. Bis ins 18 Jh. nutzen viele
Einwohner des Ehrenburgertals die Kapelle der Ehrenburg und die Kirche in
Herschwiesen. In der Zeit nach 1798 wurde die Kapelle der Ehrenburg nicht
weiter genutzt und verfiel. Im Jahr 1748 begann man in Herschwiesen
mit dem Bau der neuen Sankt Pankratius Pfarrkirche. Es liegt daher die
Vermutung nahe, dass die Einwohner eine alternative Gebetsstätte nutzten.
Die Kapelle im Ehrenburgertal dürfte somit aus der Zeit des Barocks stammen
(17 bzw. 18 Jh.) Auch andere historische Bauten (Apfelmühle, Kreuz an der
Apfelmühle, Wasserpumpe) und viele Wohngebäude entstanden in dieser Zeit.
Dorfkapelle
Zurück

Kapelle
Zurück

Dähler
Glockenturm
Zurück
Judenfriedhof
Brodenbach/Ehrenburgertal
Auch im
Ehrenburgertal findet man historische Hinweise darauf, wie ausgeprägt der jüdische
Glaube in Deutschland einmal war. So betrieben die Brodenbacher Juden eine
eigene Synagoge (Haus der ehemaligen Metzgerei Etzkorn), einen eigenen
Metzger, einen eigenen Viehmarkt (Beulich) und hatten auch einen eigenen
Friedhof. Dieser befindet sich auf dem ehemaligen Landbesitz der Ehrenburg
im Ehrenburgertal. Hier fanden Mitbürger jüdischen Glaubens ihre letzte
Ruhestätte.
Jüdischer
Friedhof
Zurück
Die
Ritter von Ehrenberg - Kämpfer, Helden und Beschützer
Einer
fremden Macht unterwerfen - nicht mit den Ehrenbergern!
Fast alle Schlösser und Burgen im Rheinland standen im Lehen der mächtigen
Erzbischöfe. Als ein Unterlehen des Pfalzgrafen Hermann von Stahlheck wollte
man die Ehrenburg 1161 nach Christus an die Ritter von Ehrenberg abgeben. Doch
diese Ritter unterwarfen sich nicht und beanspruchten die Burg als ihr eigenes
Herrschaftsgebiet.
Sie
unterwarfen sich auch nicht als im frühen 14. Jahrhundert
Balduin von Luxemburg, Erzbischof und Kurfürst von Trier, begann, sein
Territorium bis nach Koblenz hin zu erweitern und abzusichern. Die freie
Reichsritterschaft und mit ihnen die Ritterschaft von Ehrenberg widersetzten
sich diesen Bestrebungen. Zusammen mit den Nachbarburgen Waldeck, Schöneck
und Eltz bildeten die Ritter von Ehrenberg ein Schutz- und Trutzbündnis
gegen den Kurfürsten (sog. "Eltzer Fehde"). 1331 begann Balduin
mit der Niederwerfung dieses Bündnisses.
Zunächst versuchte Balduin mit Hilfe
des ersten nachgewiesenen Kanonenangriffes die Burg Eltz von der Westseite
her im Sturm zu erobern. Die ältesten erhaltenen Kanonenbolzen der Welt künden
noch heute von diesem militärgeschichtlich denkwürdigen Ereignis. Nachdem
dieser Angriffsversuch misslang ließ Balduin gegenüber von Burg Eltz eine
Belagerungsburg bauen – die Trutz (Baldeneltz). Von dort wurde die Burg
Eltz durch Katapulte mit Steinkugeln beschossen, eine damals übliche
Kriegstechnik. Die Belagerung dauerte mindestens vier Jahre. Ob die Anlage
im Sturm erobert oder erst nach längerer Belagerung eingenommen wurde, ist
nicht bekannt. Auch Verhandlungen könnten zur Beendigung der Fehde geführt
haben. Im Jahre 1336 wurde schließlich der Eltzer Frieden (sog. "Eltzer
Sühne") zwischen dem Erzbischhof und den Rittern von Waldeck, Schöneck,
Ehrenburg und Eltz geschlossen.
Die Ritter von Ehrenberg waren nicht
mit allen wohlgesonnen. Auch vor der Festung Coblenz schreckten sie nicht
zurück. Die Ehrenberger stehen (standen) mit den Bürgern von Coblenz in
Fehde und zerstörten dort 1397 mehr als 200 Häuser. Dieser Angriff stellt
zugleich den größten Angriff auf das Stadtgebiet von Coblenz bis zum
zweiten Weltkrieg dar.
Selbstverständlich stand das Tal der
Ehrenburg und insbesondere das auf alten römischen Ruinen erbaute
Brodenbach unter der Verwaltung der Ehrenberger. Die Bürger von Brodenbach
standen lange unter dem Schutz- und Arbeitszwang der Ehrenburg. Die
Herrschaft über Brodenbach dauerte bis Ende des 18. Jahrhunderts an.
Zurück

| Ehrenburg
Südansicht |
Geschichte
der Ehrenburg: |
|
|
| um 50
v.Chr. |
Die Römer
erobern das Gebiet der Untermosel. |
| um 70
n.Chr. |
Als
letzte Zuflucht vor revoltierenden keltischen Stämmen erbauen die Römer
ein Refugium. |
| um
1125 n.Chr. |
Bau
der Ehrenburg |
| 1161
n.Chr. |
Friedrich
I. Barbarossa schlichtet einen Streit um den Besitz der Burg
zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Pfalzgrafen Hermann von
Stahleck. Der Pfalzgraf soll die Burg als Unterlehen an den Ritter
von Ehrenberg geben. Der ganze Streit ist Theorie, denn die
Ehrenberger denken nicht an Unterwerfung. |
| 1162
n.Chr. |
Nach
dem Tod des Stahleckers gibt der Kaiser die Ehrenburg als pfälzisches
Lehen an seinen Halbbruder, Konrad von Hohenstaufen. |
| 1331
n.Chr. |
Gegen
den Erzbischof Balduin von Trier schließen sich die Häuser
Waldeck, Schöneck, Eltz und Ehrenberg zur "Eltzer Fehde"
zusammen. |
| 1335
n.Chr. |
In der
"Eltzer Sühne" verpflichten sich die Streiter zum
Frieden; der Lehensbrief Barbarossas wird erneuert. |
| 1397
n.Chr. |
Der
letzte Ehrenberger steht mit den Bürgern von Koblenz in Fehde und
zerstört dort mehr als 200 Häuser. |
| 1398
n.Chr. |
Die
Ehrenburg geht in Erbfolge an Johann von Schönberg, |
| 1426
n.Chr. |
an
Kuno III. von Pyrmont, |
| 1526
n.Chr. |
an
Philipp von Eltz, |
| 1561
n.Chr. |
an die
Herren Quadt von Landskron, |
| 1621
n.Chr. |
an das
Haus von Hoensbroich. |
| 1640
n.Chr. |
Im
Zuge des 30jährigen Krieges besetzen die Spanier bis 1651 die Burg. |
| 1668
n.Chr. |
Die
Ehrenburg geht in den Besitz des Freiherrn von Clodt über. |
| 1688
n.Chr. |
Am 1.
November besetzen französische Soldaten unter Ludwig XIV. die Burg. |
| 1689
n.Chr. |
Am 30.
April sprengen die Franzosen Teile der Burganlage; die Kapelle
bleibt gänzlich verschont. |
| 1798
n.Chr. |
Die
Burg geht in den Besitz des Freiherrn vom Stein über; die Kapelle
wird aufgegeben. |
| 1831
n.Chr. |
geht
die Ehrenburg an das Haus von Kielmannsegge, |
| 1867
n.Chr. |
in den
Besitz des Grafen von Kanitz, |
| 1991
n.Chr. |
in den
Besitz von Gerhard Kurz und Thomas Schulz-Anschütz über. Seit |
| 1992
n.Chr. |
wird
die Ehrenburg durch den gemeinnützigen Freundeskreis der Ehrenburg
e.V. aus privaten Mitteln erhalten und wiederaufgebaut. |
| Quelle:
www.ehrenburg.de |
|
Zurück
Die
Geschichte der Ehrenburg
Die jahrhundertelang
als Raubritterburg bekannte Ehrenburg thront auf einem steilen Bergkegel über
dem Ortsteil Ehrenburgertal und ist umgeben von den Wäldern des Hunsrücks.
Sie ist eine ausgedehnte mittelalterliche Anlage mit Vorburg und Hauptburg,
breitem Halsgraben, mächtigem doppeltürmigem Bergfried und großem
Rundturm. Von der Burg aus hat man einen schönen Blick ins Ehrenburger Tal,
in der sich eine barocke Kapelle mit Fachwerkgiebel und Dachreiter befindet.
Die Ehrenburg wurde
um 1120 auf römischen Fundamenten zum Schutz des Moselübergangs bei
Brodenbach errichtet und war schon im Jahre 1161 Streitobjekt zwischen dem
Erzbischof von Trier, Hilin v. Fallemaigne (Erzbischof Jan. 1152, † 23.
Oktober 1169) und dem Pfalzgrafen Hermann von Stahleck, der die Ritterburg
als Unterlehen an die Ritter von Ehrenberg abgeben sollte. Friedrich I.
Barbarossa schlichtete schließlich den Streit, und die Burg ging nach dem
Tod von Hermann von Stahleck ein Jahr später im Namen des Kaisers als pfälzisches
Lehen an seinen Halbbruder, Konrad von Hohenstaufen.
In der Zeit der
"Eltzer Fehde" im 14. Jahrhundert schlossen sich die Ritter
Waldeck, Schöneck, Eltz und Ehrenberg zusammen, um gegen den Erzbischof von
Trier, Balduin von Luxemburg (* 1285, Kurfürst 7. Dezember 1307, †
21. Januar 1354), ins Feld zu ziehen. Als 1335 Frieden zwischen den
Streitenden geschlossen wurde, wurde auch der Lehensbrief über die
Ehrenburg von Barbarossa erneuert.
Nach dem Aussterben
des Rittergeschlechts Ehrenburg ging die Ritterburg als Erbfolge an Johann
von Schönberg. Auch in den folgenden Jahren wechselten öfters die
Besitzer. Unter ihnen waren Kuno III. von Pyrmont im Jahre 1426, Philipp von
Eltz im Jahre 1526, die Herren Quadt von Landskron im Jahre im Jahre 1561
und das Geschlecht von Hoensbroich im Jahre 1621.
Während des Dreißigjährigen
Krieges besetzten die Spanier die Ehrenburg. 1668 ging die Burg in den
Besitz des Freiherrn von Clodt über.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg
besetzten französische Truppen Ludwigs XIV. im Jahre 1688 die Ehrenburg und
zerstörten sie schließlich, wie viele andere Burgen in dieser Zeit, im
Jahre 1689, indem sie große Teile der Burganlage sprengten. Nur die
Burgkapelle blieb unzerstört.
1798
gelangte die Ehrenburg in den Besitz des Freiherrn vom und zum Stein.
Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein wurde am 25.10.1757
geboren. Er studierte in Göttingen Jura und war später im preußischen
Staatsdienst tätig. Im Jahr 1784 wurde er Direktor der westfälischen Bergämter.
1804 fungierte er als preußischer Finanz- und Wirtschaftsminister. Freiherr
vom Stein war bemüht, das alte System Preußens aufzubrechen. Sein Denken
und Handeln war von preußischer Tradition geprägt. In Westfalen und im
Rheinland hatte er freies Bauerntum und Bürgerfreiheiten in den Städten
und Dörfern kennen und schätzen gelernt Ihm schwebte ein System der Bürgerfreiheit
und gemeindlicher Selbstverwaltung vor. Das heute noch gültige und
verfassungsrechtlich garantierte Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, fand
in diesem Überlegungen seinen ersten bedeutenden Ursprung. Interessant ist
in diesem Zusammenhang, dass sich der Freiherr bei seinen Bestrebungen vom
Bauerntum und den Bürgerfreiheiten unserer Region leiten ließ. Er
stieß leider schnell auf den Widerstand konservativer Adelskreise um den König
Friedrich Wilhelm III. Aber selbst die Niederlage des preußischen Heeres
gegen Napoleon (14.10.1806) mit ihren katastrophalen Folgen für den preußischen
Staat führten bei ihnen zunächst nicht zum Umdenken. Im Gegenteil: Stein
wurde im Januar 1807 vom König entlassen. Er war dem König und den
Konservativen zu fortschrittlich! Auf Wunsch des französischen Kaisers
wurde er im September 1807 preußischer Regierungschef. Napoleon versprach
sich davon die Durchsetzung von Reformen im französischen Sinne. Der
Freiherr hatte jedoch ganz andere Vorstellungen vom Ziel seiner
Reformpolitik: er wollte Preußen für die Befreiung von Frankreichs
Vormundschaft stabilisieren. Leider war er so unvorsichtig, das auch
aufzuschreiben. Die französische Geheimpolizei fing einen Brief des
Freiherren ab. Daraufhin wurde er im November 1808 ein weiteres Mal vom preußischen
König entlassen. Diesmal musste er emigrieren. Er floh nach Rußland, wo er
Zar Alexander als Berater diente. Dort leitete der Freiherr vom Stein das
ein, was heute als die "Stein-Hardenbergschen Reformen" bezeichnet
wird. Mit ihnen wurde die Grundlage für ein moderneres Preußen geschaffen.
1815 zog er sich aus der Politik zurück. Am 29.6.1831 starb er.
Die historische Burgkapelle wurde vom
Reichsfreiherrn aufgegeben. Stein lag als preußischer Jurist, hoher Beamter
und Staatsminister keinen Wert auf das kirchliche Geschehen auf der
Ehrenburg. 1831 ging die Burg an das Geschlecht von Kielmannsegge, verwandte
des Reichsfreiherrn von Stein, über. 1867 an den Grafen von Kanitz.
1991
kauften Gerhard Kurz und Thomas Schulz-Anschütz die Burg, und 1992 erwarb
der "Freundeskreis der Ehrenburg e.V." die Ritterburg. Sie sorgen
bis heute für die Erhaltung und die Restauration der Ehrenburg.
Zurück
Das
Leibeigene Fräulein Walrabe des Grafen
Isenburg und die Raubritter der Ehrenburg
Zur
Zeit der Kreuzzüge lebte ein Ritter namens Friedrich auf der Ehrenburg. Da
er kinderlos blieb, nahm er den Sohn eines Lehnsmannes an Kindesstatt an.
Eines Tages ritt Walter, so hieß der Stiefsohn, nach Koblenz zum Fasching.
Wie es der Zufall wollte, bezog er im gleichen Gasthaus Quartier wie sein größter
Feind, der junge Graf von Isenburg. Als das junge Fräulein Walrabe, eine
Leibeigene des Grafen von Isenburg, Walter warnen wollte, tauchte auch der
Graf selbst auf. Es kam zu einem Schwertgefecht, bei dem Walter der Sieger
blieb. Es gelang ihm auch, mit Walrabe auf die Ehrenburg zu fliehen. Eine
Erstürmung der Ehrenburg, die von den Isenburgern aus Rache geplant wurde,
konnte vereitelt werden. Allerdings wurden Burgherr Friedrich und Walrabe
nach Koblenz entführt. Mutig machte sich Walter auf den Weg nach Koblenz.
Es gelang ihm, seinen Stiefvater und die Leibeigene zu befreien. Ob er
jedoch mit dem schönen Fräulein Hochzeit gehalten hat, darüber ist nichts
bekannt.
Zurück
Die
Festungsanlage der Ehrenburg
Die Ehrenburg wurde
bis zum 16. Jahrhundert ausgebaut. Die Ritterburg aus romanischer Zeit lag
im höchsten und breitesten Abschnitt des Bergringes. Erhalten davon sind
noch der Bergfried und Reste eines mehrfach veränderten Wohntraktes. Der
gotische Doppelturm des Bergfrieds wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Er ist
mit einer kaminbeheizten Wächterstube ausgestattet. Beide Einzeltürme verfügen
jeweils über einen Einstieg. Dem Bergfried vorgelagert ist der sogenannte
Rampenturm. Diesen sagenhaften Turm mit seiner spiralförmigen Auffahrt für
Geschütze erbaute man gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Somit zählt er zu
den frühesten Bastionstürmen in Deutschland. Auch eine Besonderheit der
Ritterburg war die für Reiter und Wagen benutzbare Wendeltreppe im Inneren
eines mächtigen Rundturmes, die bis hinauf in den Rittersaal führte.
Der
ehemalige Marstall ist heute das Burghotel mit fünf Doppelzimmern. In den
Zimmern kann man ritterlich wohnen und die frühere Burgeinsamkeit
nachempfinden. Das Burghotel ist ganzjährig geöffnet
Zurück
Eltz,
Schöneck, Waldeck und Ehrenburg
Die
freie Reichsritterschaft zu Eltz, Ehrenburg, Schöneck und Waldeck
unterwarfen sich nicht als im frühen 14. Jahrhundert Balduin
von Luxemburg, Erzbischof und Kurfürst von Trier, begann, sein Territorium
bis nach Koblenz hin zu erweitern und abzusichern. Das Territorium reichte
am Rhein entlang bis an die Tore von Coblenz und an der Mosel bis an das
Territorium des Kölner Bistums, welches eine gemeinsame Grenze in Alken an
der Mosel fand. Die freie Reichsritterschaft und mit ihnen die Ritterschaft
von Ehrenberg widersetzten sich diesen Bestrebungen. Zusammen mit den
Nachbarburgen Waldeck, Schöneck und Eltz bildeten die Ritter von Ehrenberg
ein Schutz- und Trutzbündnis gegen den Kurfürsten (sog. "Eltzer
Fehde"). Zunächst wurden die Versorgungslieferungen nach Pyrmont
(Eifel), Alken, Koblenz und Boppard von den Raubrittern angegriffen. Dabei
wurde große Beute gemacht und sehr häufig die Hochzeit mit Weibsleuten des
Adels gefeiert. Die Region war Balduin ein Dorn im Auge. Im standen die Kölner
in "seiner" Stadt Alken gegenüber, die hier einen ihrer
Landresidenzen aufbauten und das eigene Herrschaftsgebiet war unsicher und
wurde nur mit sehr massivem Eigenschutz durchquert. Deshalb sah sich Balduin
1331 genötigt einen aufwendigen Belagerungskrieg gegen das Bündnis zu führen.
Manche Quellen besagen, dass die Rauschenburg und die Baldeneltz nur zum
Schutz der Truppen aus Trier gebaut worden sind, weil sich die Truppen
bisher in der Region den ständigen Angriffen der Raubritterschaft nicht
schutzlos erwehren konnten. Noch heute erzählt man die Geschichte vom
Schinderhannes, einer der grausamsten und gefährlichsten Raubritter seiner
Zeit.
Zurück
Konrad
von Boppard hat, als Reichsministerialer des Bopparder Reiches, im Auftrag
des Kaisers, die Burg um 1200 auf dem Felsen bauen lassen. Schloss Schöneck
soll zur prunkvollen Vogtei des Bopparder Reiches werden. Ob die Anlage
durch frühere Bauten oder Nutzungen schon vorgegeben war, die Quellen erwähnen
Hinweise auf solche Nutzungen, oder ob er einen eigenen Plan oder gar einen
Festungsbaumeister hatte, ist den Quellen nicht zu entnehmen. Wahrscheinlich
hat er den s-förmigen Zugang anlegen lassen, gegen die Schanze den ca. 10 m
tiefen Einschnitt in den Felsen herstellen lassen und auf der Talseite, der
tiefsten Stelle der Allee eine Zugbrücke zum ersten Tor gebaut. Nach diesem
ersten Tor auf dem Parkplatz und der weiteren horizontalen Fläche unterhalb
der Westmauer können Pferdeställe angelegt gewesen sein. Danach kommt das
zweite innere Tor und auf der Ostseite das dritte Tor. Der Zugang zur Burg
war also über eine Strecke von über 100 m immer von oben zu kontrollieren.
Auf der Südseite wurde ebenfalls ein Graben in den Felsen eingeschnitten,
wahrscheinlich nicht so tief wie auf der Nordseite, nur zwei Meter
Felseinschnitt sind noch zu sehen. Der Graben war aber mindestens genauso so
breit und wurde dann zur Burg hin durch eine hohe Mauer abgeschlossen. Der
jetzige Hang zur ersten südlichen Mauer hin ist wohl als Schutt der eingestürzten
südlichen Befestigungen entstanden. Anzunehmen ist, daß das durch die
grade Front zur Westseite und die zweigeteilte Front zur Ostseite mit der Südmauer
gebildete Dreieck äußere Mauern hatte, die mehr als einen Meter stark
waren. An diese Mauern nach innen wird sich eine Wohnbebauung angelehnt
haben. Im Zentrum der Anlage war auf einem viereckigen Fundament wohl der übliche
mächtige Bergfried. Die Außenmauern wurden wahrscheinlich als Zinnen
ausgebildet, so daß wohl im wesentlichen ein Bild wie bei der ca. 100 Jahre
vorher gebauten Ehrenburg anzunehmen ist, mit den aus der Topographie
bedingten Unterschieden. Die südliche Mauerfront wird wohl durch die drei Türme
aufgelöst gewesen sein. Die Nachkommen dieses Konrad von Boppard nannten
sich dann Ritter von Schöneck und ein Philipp von Schöneck wurde 1224
erstmals urkundlich erwähnt. Diese Schönecker konnten im 13. Jahrhundert
Ihren Einflussbereich erheblich ausweiten, es heißt bis nach Mayen in die
Eifel. Andererseits führte die Vermehrung der Schönecker auch zu Problemen
beim Zusammenleben auf der Burg, so dass vertragliche Regelungen mit
Absprachen über die Lage von Fenstern und Aborten erforderlich wurden bis
hin zum Burgfrieden. Die Zunahme der Schönecker führte aber auch zu der
Notwendigkeit, den Einflussbereich noch mehr zu vergrößern. Da die Aktivitäten
(Raubrittereien bzw. Raubzüge) der Schönecker auf kurtrierischem Gebiet
aber von Balduin behindert wurden, mussten sie sich mit Eltz, Ehrenburg und
Waldeck in einem Schutz- und Trutz-Bündnis zusammenschließen. Dieser Bund
wurde von Balduin durch Verstärkung seiner militärischen Kompetenz mit
Rauschenburg und Trutzeltz beantwortet. So konnte er die Ritter besiegen und
ihnen 1336 den Eltzer Frieden diktieren. Interessant ist, daß dieser
Friedensschluß nur von einem Teil der Schönecker unterzeichnet wurde, was
den Schluss nahelegt, dass nur diese auch als Raubritter tätig waren. Die
anderen hatten nach den Quellen sogar ein gutes Verhältnis zu Trier und so
kann es sein, dass durch deren Vermittlung die besiegten Schönecker
trotzdem auf Schöneck blieben, jetzt aber als Beamte o.ä. (Hausmayer,
Vogt, Burggrafen) des Trierer Erzbischofs. In der Folgezeit wurde die Burg
durch von verschiedenen Schöneckern und Nichtschöneckern bewohnt, immer
wieder auch aufgrund der vielfältigen verwandtschaftlichen Beziehungen von
Eltzern. Nachdem die Schönecker aber 1508 im Mannesstamm ausgestorben
waren, fiel die Burg vollständig an Trier. Sie wurde zwischen 1500 und 1800
verschiedentlich vermietet (verpfändet), mal für 4000 Pfund, mal für 6000
Reichstaler , aber scheint nach und nach doch verbrannt und verfallen zu
sein. Bezüglich des 30jährigen Krieges heißt es einerseits, die Schweden
wären unverrichteter Dinge wieder heimgezogen, andererseits, dass die Burg
komplett niedergebrannt wurde. So ganz hinüber kann die Burg nach dem 30jährigen
Krieg aber nicht gewesen sein, denn nach Kohlschmidt wurde sie 1646 von
Freiherrn von Soetern gekauft und seinem Familienfideikommiß einverleibt.
In dieser Zeit müssen wohl auch barocke Ausbauten vorgenommen worden sein,
denn seitdem wird die Burg als Schloß bezeichnet. Allgemein wird
angenommen, dass die Portalkrone mit dem Schönecker Wappen aus dieser Zeit
stammt. Um 1700 hat aber Trier das Schloss wieder zurückerworben und es im
18. Jahrhundert an die Bauern der Umgebung verpachtet, wobei diese wohl
weniger dort gewohnt haben, als vielmehr den Grund genutzt haben und
eventuell Ställe in den noch vorhandenen Mauern eingebaut haben. Die
napoleonischen Franzosen haben dann das Bistum Trier enteignet und unter
anderem Schloss Schöneck (vieux chateau ruine) 1805 versteigert. Für 705
Franken hat es dann der Hochgerichtsschöffe Burret gekauft. Ob dieser von
Berufs wegen soviel Geld bekam, oder geerbt hatte oder vielleicht weil er
das Vermögen des Schinderhannes oder anderer konfisziert hat, steht in den
Quellen nicht. Auf jeden Fall hat er Schöneck nicht nur gekauft, sondern
auch wiederaufgebaut. Aus dieser Zeit sollen die Försterei, die westseitige
Bebauung des oberen Hofes sowie die Kapelle stammen. Diese könnte aber auch
aus der von Soeternschen Zeit stammen. Eventuell kann auch die vollständige
Westbebauung bis zur Försterei und ein Querbau auf dem jetzigen
Trockenplatz dazu gehört haben. Die Kapelle wurde nach katholischem Ritus
geweiht. Warum ist nicht berichtet aber jedenfalls hat Burret das aufgebaute
und bewohnbare Schloss an den Forstmeister Andreae um 1815 verkauft. Ob
dieser das Schloss weiter ausgebaut hat oder nur in Schuß gehalten hat, ist
nicht bekannt. Allerdings muss das ganze Anwesen zu dieser Zeit zu großbürgerlichen
Leben getaugt haben, wie in der Familiengeschichte der Kaufmanns berichtet
wird. Spätestens der Reuter, ein Schwiegersohn der Andreae, der das Anwesen
Anfang der 40iger Jahre des vorigen Jahrhunderts übernommen hatte, hat das
Haupthaus dazugefügt. Er wollte eine Molkenkuranstalt, Sanatorium,
einrichten und an Holländern und Engländern verdienen. Es heißt, ein
angestellter Appenzeller Senner hat die Ziegenmolke unter Jodeln morgens auf
den oberen Burggarten gebracht. Aber dann ist das Querhaus und der mittlere
Bereich der Westseite vollständig niedergebrannt und damit war die geschäftliche
Grundlage zerstört und das Gewerbe war wohl auch nicht so gut, dass es noch
einmal aufgenommen worden wäre. Es werden auch die trockenen Hunsrücker
Sommer erwähnt, die verhinderten, dass ein Sanatorium sicher mit dem
erforderlichen Komfort betrieben werden kann. Er hat die Reste an einen
Fabrikanten Zinsen und der wieder an eine Familie von Rosenkrantz verkauft,
die die Oberburg als Jagdhaus nutzten. Die Försterei und der Garten gehörten
dem Fiskus, in der der Förster seine Dienstwohnung hatte. Von Fabrikanten
Zinsen hat es wohl dann 1910 unser Urgroßvater Wilhelm Steinhausen gekauft
aus dem Erlös eines Grundstückes, welches die Stadt Frankfurt für den
Palmengarten benötigte. Ob er durch Malerei auch soviel Vermögen gehabt hätte,
wissen wir nicht, aber jedenfalls hatte er noch genügend, um das Schloss
selbst wohnlich auszustaffieren und in den Sommermonaten hier zu leben und
Hunsrücklandschaften zu malen. Es heißt, dass die Kapelle sein Atelier
gewesen ist. Er überführte das Anwesen 1922 in eine Familienstiftung, die
bis heute Eigentümer ist. Die Familienstiftung erwarb 1929 die Försterei
und den Garten vom Fiskus dazu. In den dreißiger Jahren wurde das Haus
durch die Töchter Röse und Idel als Pension genutzt. 1937 wurde der
Bergfried aufgestockt. Von 1944 bis 1950 diente das Schloß den
Familienmitgliedern aus Frankfurt, Berlin oder dem Osten als Fluchtburg.
Aufgrund der guten Englischkenntnisse und der kosmopolitischen Einstellung
der Paquets konnten die anrückenden Amerikaner davon überzeugt werden, daß
es sich weder um eine SS-Burg handelt, noch dass es sinnvoll sei, hier
Quartier zu nehmen, denn die hygienischen Verhältnisse besaßen bei weitem
nicht amerikanischen Standard. Von 1952 bis 1965 wurde das Anwesen von der
Familie August Steinhausen von der Familienstiftung gepachtet und eine
Pension geführt. Die immer wieder auftretende Hunsrücker Trockenheit und
die wachsenden Ansprüche der Urlauber zeigten aber die Grenzen der
Wirtschaftlichkeit eines solchen Unternehmens. Von 1968 bis 1980 wurde das
Anwesen wiederum von einem Mitglied der Familie, Wilhelmine Woeller
gepachtet zur Durchführung der sogenannten Schönecker Konferenzen. Für
die Teilnehmer, die mehr an ganzheitlichen Lebenserfahrungen und der Schönheit
der Landschaft interessiert waren, waren die fehlenden Bequemlichkeiten
nicht so wichtig. Seit 1980 wird das Haupthaus durch die Mitglieder der
Familie turnusmäßig selbst genutzt. Die Försterei war von 1980 an
Dr.Peter Steinhausen vermietet, der dort mit Freunden aus Berlin und Kiel
eine Bilderbuch-Landkommune betrieb, mit Hühnern, Gänsen, Enten, auch mal
Schweinen und später Rindern. Nachdem Habichte und Marder den Grundbestand
an Federvieh dezimiert hatten, blieb zum Schluss nur noch eine reduzierte
Besetzung mit dem Hausverwalter Manfred Wehr und seiner Zucht schottischer
Hochlandrinder übrig. Der Mitteltrakt wird von Mitgliedern der Familie
Steinhausen bewohnt.
Zurück
Die
Geschichte vom Schinderhannes
Der
Räuberhauptmann Schinderhannes ist in unserer näheren und weiteren Heimat
den meisten ein Begriff. Das es aber zur gleichen Zeit außer der Hunsrückräuberbande
auch eine "Eifelbande" und eine "Moselbande" gab, wissen
nur wenige. Es sind nun rund 190 Jahre her, dass diese Banden ihr grausames
Handwerk betrieben.
Keiner der vielen Räuber wurde berühmter als
der "Schinderhannes", dem vor 165 Jahren französische Behörden
das Handwerk legten. Dieser Johannes Bückler, wie Schinderhannes hieß,
wurde 1778 als Sohn eines armen "Wasenmeisters", d. h. Abdeckers
geboren. Mühlen (Miehlen) im Taunus ist der Geburtsort. Sein Vater stammte
aus Merzweiler (nördlichster Teil der Rheinpfalz), wo die Familie seit 1787
wieder lebte. Aber weil der Schinderssohn (d. h. Abdeckerssohn) Johannes
(daher: "Schinderhannes") für ein lustiges Leben unter den
Altersgenossen Geld brauchte, geriet er auf Abwege. Hannes, der schon als
Kind und Halbwüchsiger "Mein" und "Dein" verwechselte,
verlegte sich eines Tages auf systematischen Hammeldiebstahl als
"Nebeneinnahmen". Nagel, ebenfalls Abdecker und sein Lehrmeister
zu Bärenbach im Hunsrück, erstattete u. a. 1795 Anzeige und ließ Hannes
in Kirn an der Nahe verhaften. Aber der Sechzehnjährige entwich nachts über
das Dach des Rathauses. Schinderhannes war damit ein ausgebrochener Dieb,
dem die Rückkehr in die geordneten Lebensformen der bürgerlichen
Gesellschaft verschlossen blieb. Das abenteuerliche Räuberleben der Jahre
1796 bis 1802 im Raum zwischen Saarbrücken und Mainz begann.
Erst
nachdem Schinderhannes die Zeit von Januar bis August 1799 im Gefängnis der
Hunsrückstadt Simmern verbrachte, das heute als "Schinderhannesturm''
Jugendherberge ist, plant er eine größere Bande. Was Kaiser Napoleon zu
seiner Zeit im großen als Emporkömmling in Frankreich ist, will er im
kleinen für "seine" unwegsamen Waldberge im Winkel von Nahe und
Rhein sein: ein "Gebieter" mit "Heer" und
"Untertanen". Als er endlich den Gefängniswärter überlistet,
bricht er sich beim Sprung aus dem Turm ein Bein. Ein langes Krankenlager
folgt und verzögert zunächst die Pläne. So zeigt erst der Herbst 1800
Schinderhannes - seit Ostern im Lebensbunde mit der bildhübschen
Musikantentochter Julia Bläsius, zwar ohne Segen der Kirche - als "Räuberfürsten".
Die Schlupfwinkel Kallenfels, Hahnenbach und Birkenfeldermühle an der Nahe
gleichen zeitweise kleinen Residenzen, in denen Feste und Gelage mit
"Damen" einander folgten. Schildwachen patroullieren vor den
Wohnstätten ihres Hauptmanns. Leibschneider verarbeiten gestohlene Tuche zu
kostbarer Kleidung, darunter zu den für Schinderhannes so typischen Jägeranzügen.
(Trotzdem bleibt Schinderhannes in seinem Wesen ein Räuber, keineswegs wird
er ein politischer Rebell: er will ja die staatlichen Verhältnisse auf dem
französisch besetzten linken Rheinufer nicht ändern, sondern sich persönlich
bereichern. Darüber hinaus erfüllt ihn oberflächliches Geltungsbedürfnis.)
Freigebigkeit oder Drohbriefe des Schinderhannes und seiner Gesellen halten
viele Dörfer in Schach, so dass sie die Räuber nicht anzeigen, wenn sie
die Räuber nicht sogar als "Werkzeug der Gerechtigkeit" verehren,
weil diese auf "Anzeige" Wucherer überfallen.
Zurück
Sonnenwinkel
 
Zurück
|