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Der nachfolgende Text stammt aus
Friedrich Benesch,
"Zur Äthergeographie der Erde"
Verlag Urachhaus
ISBN 3-87838-976-0
S. 88 - 93
Dr. Benesch entwickelte in einer Vortragsreihe vom 13.11.1978 bis zum
17.11. in 5 Vorträgen den Begriff des Ätherischen und der ätherischen
Welt, wie sie in der Anthroposophie verwandt werden um die Erscheinungen
der Welt zu verstehen. Hier in dem hier zitierten Abschnitt vom Ende des
5. Vortrages entwickelt er nun das Zusammenwirken, das gegenseitige Sich-Durchdringen
der Weltenkräfte. Es mag - auch wenn es vielleicht nur im Zusammenhang
der Vorträge zu verstehen ist, deren Studium dem interessierten Leser
an Herz gelegt werden darf - doch eine Eindruck vermitteln, wie und auch
warum die Weltenphänomene so schwer aus einer Perspektive "fest-zu-stellen"
sind und vielmehr eine immer wieder lebendig neue Entwicklung, Entfaltung
aus den in ihnen wirkenden Kräften und Begriffen verlangen:
"......Ich darf Sie in diesem Zusammenhang auf zwei Bücher aufmerksam
machen: "Erscheinungsformen des Ätherischen" mit mehreren
Autoren, wo Sie im Untertitel finden: "Wege zum Erfahren des Lebendigen
in Natur und Mensch". Die notwendigen Gesichtspunkte sind alle der
Reihe nach entfaltet: Elemente und Äther, der Erscheinungszusammenhang
des Weltbildes im Licht, die Strömung, das Bild des Ätherischen,
die Bildebewegung der Pflanzen, das Denken, ein Schlüssel zum Ätherischen,
das war ja das, womit wir uns hauptsächlich hier befasst haben. Zur
Doppelnatur des menschlichen Ätherleibes (also Lebensorganisation,
Gedankenorganisation) und dann schließlich Begriff- und Wirkungsweise
des menschlichen Ätherleibes. Also alles, was ich hier nicht gesagt
habe, das finden Sie dort. Und alles, was ich gesagt habe, finden Sie
außerdem noch da, vielleicht mit ein bisschen anderen Worten.
Und das zweite Buch, das ich Ihnen an das Herz legen möchte, ist
von Ernst Marti, "Die vier Äther", wo, wie schon erwähnt,
diese ganz wichtige Unterscheidung zwischen Element und Äther auf
der einen Seite und zwischen Äther und Bildekraft auf der anderen
Seite gemacht ist.
Nun, warum stimmt das alles und stimmt doch nicht? Wenn man denkt und
Begriffe bildet, und man bildet die Begriffe von einem bestimmten Gesichtspunkt
aus, dann stimmt alles. Wenn man sie aber von einem anderen Gesichtspunkt
aus entwickelt, stimmt es wiederum nicht, und dann muss man es anders
herum stimmend machen - das ist eben das Vertrackte bei der Anthroposophie.
Und damit möchte ich diese ganze Betrachtung hier abschließen
mit der letzten Frage, die darin besteht: Wie verhalten sich nun eigentlich
die Elemente zu den Äthern? Was sind im Grunde die Elemente? Das
war mir etwas von dem Wichtigsten, dass die Elemente eben nicht mit den
Äthern identisch sind, also Feuer, Luft, Wasser, Erde als Elemente
nicht dasselbe sind wie Wärmeäther, Lichtäther, chemischer
Äther und Lebensäther. Sondern die Elemente sind eben Gesetzmäßigkeiten,
die den ganzen Kosmos durchziehen. Ich möchte noch einmal die betreffenden
Sätze zusammenfassen:
1. Gesetzmäßigkeit innerhalb des irdischen Daseins, eingeschlossen
ist die mineralische Welt und die äußerlich bewegte Welt.
2. Gesetzmäßigkeit innerhalb des kosmischen Daseins, eingeschlossen
sind die pflanzliche Welt und die inneren Bewegungen im Menschen, also
im Organismus. Wir haben also in uns drin, in der Haut drin nicht irdische
Gesetzmäßigkeiten, sondern kosmische Gesetzmäßigkeit.
3. Gesetzmäßigkeit innerhalb der Weltenseele, eingeschlossen
die Seelen der Tiere und die rhythmischen Vorgänge. Es ist ja immer
wieder das Problem: Seele gleich Rhythmus und aus der Seele heraus dann
auch Äther gleich Rhythmus. Seele gleich Zeit und aus der Seele heraus
dann auch Äther gleich Zeit, aber Äther auch gleich Raum, aber
was für ein Raum: kosmischer Raum, nicht irdischer Raum. Also entschuldigen
Sie, aber die Anthroposophie ist kompliziert.
4. Gesetzmäßigkeit innerhalb des Weltengeistes, eingeschlossen
der Mensch als Ichwesen und alle Nerven-Sinnes-Vorgänge, also Denken,
Wahrnehmen, Vorstellen, Erinnern. Es waltet also in unserem Denkorganismus
das Ätherische nach den Gesetzen des Weltengeistes, und es waltet
in unserem Seelenleben das Ätherische nach den Gesetzen der Weltenseele,
erst im Ätherischen selber waltet das Ätherische nach den kosmischen
Gesetzmäßigkeiten. Und das sind die eigentlich ätherischen
Gesetzmäßigkeiten.
Also die vier Gesetzmäßigkeiten wirken alle im Ätherischen,
aber das eigentlich Ätherische, die Gesetzmäßigkeit des
eigentlich Ätherischen ist die Gesetzmäßigkeit des kosmischen
Daseins, das heißt des Wasserelementes. Darum kann man auch sagen,
alles Ätherische ist Wasser, insofern in ihm das Wasserelement wirkt.
Und jetzt kommt die entscheidende Frage, die ich eben an den Schluss dieser
Betrachtungen stellen möchte: Was sind nun die charakteristischen
kosmischen Gesetzmäßigkeiten im Gegensatz zu den irdischen
und zu den seelischen? Denn das ist das eigentlich Ätherische vonseiten
der Gesetzmäßigkeit her angeschaut. Und da haben wir ja kosmisch
gesehen die Sternenwelt - die Planeten, die Fixsterne -, und was haben
wir auf der Erde? Die Pflanzenwelt und das Innere des menschlichen Leibes
in seiner gesamten Physiologie - kosmische Gesetzmäßigkeit.
Und nun kann man versuchen herauszufinden: Was ist das Wesen dieser kosmischen
Gesetzmäßigkeit? Das Wesen dieser kosmischen Gesetzmäßigkeit
ist eben zwar auf der einen Seite das nach außen strömende,
nach außen wirkende Geistige, das in den Kräften der Durchdringung,
der Offenbarung, der Harmonisierung und der lebensschaffenden Tätigkeit
ätherisch ist, aber dieses Ätherische hat ganz bestimmte charakteristische
Züge seiner ureigensten Gesetzmäßigkeit.
Und das ist wiederum einer der großartigen Punkte, an denen Goethe
mit seinem gesunden Lebensinstinkt dran war und von denen er nicht gelassen
hat. Das ist zunächst etwas sehr Einfaches, zum Beispiel wenn ich
aus einem Menschen den Oberschenkelknochen herausnehme, dann hat der einen
Kopf, er hat einen Hals, er hat Schulterblätter, eine Brust, einen
Bauch, und er hat zwei dicke kurze Beine. Was heißt das? In dem
Oberschenkel steckt der ganze Mensch! Dasselbe gilt aber auch für
das Herz. Das Herz hat einen Kopf, es hat Ohren, Nasenspitzen, Schulterblätterflügel,
es hat einen dicken Bauch, und es hat zwei Zappelbeinchen, die zu einer
Spitze zusammengelaufen sind und fortwährend hin und her zappeln.
Dasselbe gilt für die Lunge, für die Fingerspitze, für
den Bauch - für die Haare gilt es ebenfalls. Das Grundgesetz der
Goetheschen Auffassung vom Wesen des Organismus ist, dass in jedem Teilglied
das Ganze drinsteckt und dass in dem Teilglied nichts geschehen kann,
was nicht in dem Ganzen auch geschieht; und dass in dem Ganzen nichts
geschehen kann, was nicht in dem Teilglied auch geschieht, und zwar gilt
das für die einzelnen Teilchen bis zu den Zellen herunter, denn auch
eine einzelne Zelle ist ein ganzer Mensch. Nur sieht der äußerlich
allerdings ein bisschen anders aus als der Mensch mit seinem Kopf, seinem
Bauch und seinen Beinen. Damit haben wir aber einen Blick getan in einen
Raum, in dem vollkommen andere Gesetze herrschen als im äußeren
physischen Raum, denn im physischen Raum ist der Oberschenkelknochen ein
Stück von dem ganzen Leib und ist unten an der rechten oder linken
Seite. Ätherisch aber, in dem ätherischen Raum, in dem Raum,
in dem die kosmische Gesetzmäßigkeit gilt, da ist der Oberschenkel
im ganzen Menschen und der ganze Mensch im Oberschenkel, da ist eins im
anderen mit sich selbst verbunden. Da ist das Ganze nicht die Summe seiner
Teile, sondern der Inbegriff seiner Teile. Und die Teile tragen den Inbegriff
des Ganzen in sich.
Wir haben es also bei den ätherischen Kräften mit einem Raum
zu tun, in dem man überhaupt nicht mehr so denken kann wie im dreidimensionalen
irdischen Raum, wo die Stoffe und die Gegenstände und die Kräfte
nebeneinander und wechselweise aufeinander wirken, sondern wo eins im
anderen lebt und webt - ein Goethesches Wort. Wo eins im anderen, das
Ganze im Teil, der Teil im Ganzen, wo eins alles ist und alles eins. Ob
das nun die Kraft der Durchdringung des Wärmeäthers oder die
Offenbarung und Gestaltung des Lichtäthers oder die Harmonisierung
und Chemisierung des chemischen Äthers, des Klangäthers ist
oder gar die lebensschaffende Kraft des Lebensäthers, sie sind alle
ineinander und miteinander durchdrungen und durchwoben. Man versuche einmal,
sich das innerlich zur Empfindung zu bringen. Man wird erleben, dass man
selber dabei warm wird, wenn man versucht, von innen diese Einheitlichkeit
des eigenen Organismus zu erleben und sogar in der äußersten
Fingerspitze das Herz mit zu spüren und im Herzen die Fingerspitze,
und dass man im Kopf den dicken Zeh spürt und im dicken Zeh den Kopf.
Ja, das ist eben die ätherische Seite der Welt. Das ist eben das
Wesen dieser merkwürdigen Ätherkräfte und Ätherstoffe,
die diese ganz andere Eigenschaft haben als die physisch-sinnlichen, sichtbaren
Stoffe und Dinge. Natürlich erscheint das zunächst innerlich
im Denken - das haben wir ja versucht, ein bisschen deutlicher zu fassen
-, aber es erscheint auch in allen sinnlich-übersinnlichen Welterscheinungen,
zum Beispiel in allen Lichterscheinungen, aber auch in allen Gestalten,
also zum Beispiel in der Gestaltung und Umgestaltung des Blattorganes
in der Pflanzenwelt, siehe das Kapitel von Bockemühl über die
"Bildekräftebewegungen der Pflanzen" in dem Buch "Erscheinungsformen
des Ätherischen". Also dies ist eine kosmische und eben nicht
eine irdische Gesetzmäßigkeit, und sie besteht darin, dass
eins im anderen darin ist, der Teil im Ganzen, das Ganze im Teil, und
dass das Ganze erst recht darinnen ist im Weltzusammenhang. Denn nur im
rhythmischen Leibe haben wir eine begrenzte Haut, in unserem Ätherleib
leben wir das Leben und Weben des Jahreslaufes der Erde voll mit, so wie
wir in unserem astralischen Leibe das Leben und Weben der Seelengesetzmäßigkeiten
des Kosmos miterleben.
Also das Ganze und der Teil sind in der ätherischen Welt etwas anderes
als in der sinnlichen Welt. Das ist das Gesetz Nummer eins. Und das kosmische
Gesetz Nummer zwei besteht darin, dass das Ganze durch seinen Zusammenhang
mit den Teilen innerlich eigentlich eine Einheit ist, nämlich eine
Idee, eigentlich ein Gedanke. Aber ein Gedanke, der eben Willenskräfte
in sich trägt und dadurch sich als Idee ausbilden, ausgestalten,
ausleben kann. Und auch da muss man wieder sagen, dass Goethe mit unerbittlicher
Konsequenz da dran war: die Idee der Urpflanze, die Idee des Urtieres,
die Idee des Blattes, die Idee des Lichtes. Wir haben es also zu tun im
Ätherischen mit den Stoffen und Kräften, die dieser kosmischen
Gesetzmäßigkeit unterliegen, und diese zeigt sich eben am deutlichsten
auf Erden sowohl in dem, was die Pflanzen uns vormachen - darum war für
Goethe der Einstieg in diese ganze Welt das Pflanzenwesen -, auf der anderen
Seite in dem, was im Inneren des Menschen geschieht. Und wir können,
indem wir uns diese Dinge bewusst machen, indem wir mit ihnen etwas übend
umgehen, sozusagen von dem Erfassen der Innenseite des Ätherischen
in der Beobachtung der Denktätigkeit immer wieder übergehen
zum Erfassen des Ätherischen in seinen Äußerungen, in
die wir aber hineinschlüpfen können am stärksten in den
Lichtäußerungen, also in dem, was mit unseren Augen vor sich
geht.
Ebenso deutlich kann man es machen, wenn man Metamorphose der Pflanze
betreibt, wenn man also Blattmetamorphosen praktiziert. Aber auch da nützt
es gar nichts, wenn man einfach nur sagt: Also das Blatt sieht jetzt so
aus und hat sich in jenes verwandelt, sondern auch da ist es notwendig,
die Gestaltkräfte, die in dem Blatt wirksam geworden sind - Bockemühl
hat sie genau beschrieben -, herauszudenken, sich vorzustellen, im Vorstellen
sich umwandeln zu lassen und dann als das nächste Blatt wieder erscheinen
zu lassen. So taucht man also mit der Übung ein in den Blattbilde-
und Um-bildeprozess einer ganz bestimmten Pflanze; man sieht es, man stellt
es sich vor, wandelt es um und sieht es wieder, und zwar genau das, was
man selbst umgewandelt hat, was aber die Pflanze auch umgewandelt hat.
Und man kommt dadurch in den lebendigen Ätherstrom im Vorstellen
und erlebt doch nur wieder, jetzt äußerlich wahrnehmbar und
innerlich miterlebend und mitwebend, die vier Äther.
Und so dürfen wir sagen, die ätherische Welt ist auf der einen
Seite tief okkult, wir leben in ihr drin und schlafen. Versuchen wir uns
dafür zu erwecken, müssen wir denken. Im Denken ergreifen wir
die ätherischen Wesenheiten, die ätherischen Kräfte von
innen, von ihrer Innenseite, und dann finden wir sie wieder, erkennen
sie wieder in den sinnlich-übersinnlichen Bereichen, wo sie sich
nun sozusagen halb-direkt äußern, also in allem, was Hell-Dunkel
in der Welt ist, an dem dann Farbe und Form erscheint, in allem, was Gestalt
in der Welt ist. Man muss die Gestalt heraussehen aus der Pflanze, loslösen
von der Materie, an der sie zunächst erscheint, und mit dieser Erscheinung
einen Wirklichkeitscharakter verbinden, um zu sehen, dass die Gestaltkraft,
die Ätherkraft das umgebildet hat, was das eine Blatt von dem anderen
unterscheidet. Und man findet es drittens in allem, was lebendig strömt,
also nicht unlebendig-mechanisch bewegt ist, sondern wo in die mechanische
Bewegung fortwährend ein Strömungsbild hereinkommt, das selber
wiederum bereits sinnlich-übersinnlich ist."
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