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Einer der Hauptvorwürfe, die Rudolf Steiner immer wieder gemacht werden, ist, dass er - quasi mit dem Anspruch "päpstlicher Unfehlbarkeit" - absolute, entgültige, abschließende Aussage habe tätigen wollen. Damit ist er in einer diskussionsfreudigen Zeit schnell gebrandmarkt. Aber kennen denn Menschen, die solches vorwerfen, was Steiner selber gesagt hat? Hier seine eigenen Statements dazu:

Zitate Rudolf Steiners über mögliche Irrtümer:
R. Steiner, Methodische Grundlagen der Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze zur Philosophie, Naturwissenschaft, Ästhetik und Seelenkunde 1884-1901, GA 30: "Die Philosophie in der Gegenwart und ihre Aussichten für die Zukunft", 12. März 1892: "Wir müssen den Mut haben, kühn in das Reich der Ideen einzudringen, auch auf die Gefahr des Irrtums hin. Wer zu feig ist, um zu irren, der kann kein Kämpfer für die Wahrheit sein. Ein Irrtum, der dem Geist entspringt, ist mehr wert als eine Wahrheit, die der Plattheit entstammt. Wer nie etwas behauptet hat, was in gewissem Sinne unwahr ist, der taugt nicht zum wissenschaftlichen Denker."

R. Steiner, Aus der Akasha-Chronik, GA 11, S. 23: "Um einem möglichen Irrtum vorzubeugen, sei hier gleich gesagt, daß auch der geistigen Anschauung keine Unfehlbarkeit innewohnt. Auch diese Anschauung kann sich täuschen, kann ungenau, schief, verkehrt sehen. Von Irrtum frei ist auch auf diesem Felde kein Mensch; und stünde er noch so hoch. Deshalb soll man sich nicht daran stoßen, wenn Mitteilungen, die aus geistigen Quellen stammen, nicht immer völlig übereinstimmen."

R. Steiner, Aus der Akasha-Chronik, GA 11,5.99-100: "Die Entzifferung der Akasha-Chronik auf diesem Gebiete ist nicht gerade leicht. Der das geschrieben hat, macht auch keineswegs Anspruch auf irgendeinen Autoritätsglauben. Er will lediglich mitteilen, was nach besten Kräften erforscht worden ist. Jede Korrektur, die auf Sachkenntnis beruht, wäre ihm lieb. [...] Eine wirkliche Selbsterkenntnis des Menschen ersprießt ja doch aus diesen 'Akasha-Aufzeichnungen', die für den Geheimforscher so sichere Wirklichkeiten sind wie Gebirge und Flüsse für das sinnliche Auge. Ein Wahrnehmungsirrtum ist natürlich dort wie da möglich."

R. Steiner, Geisteswissenschaß, Naturwissenschaß, Technik, Beiträge 107,17 Juni 1920: "Ich gebe gerne zu: Geisteswissenschaft kann in manchen Einzelfragen irren. Sie ist am Anfang. Aber darum handelt es sich nicht. Sondern es handelt sich darum, in welche Richtung gestrebt wird. [...] Und bedenken Sie, daß ich selbst heute gesagt habe: Im einzelnen kann geirrt werden, aber es handelt sich darum, eine neue Richtung zu zeigen; es braucht durchaus nicht so zu sein, daß in alle Einzelheiten das absolut Richtige dasteht. [...] Gewiß, jeder kann nachprüfen; und ich habe nie etwas anderes behauptet, als daß derjenige, der da will, geradeso die geisteswissenschaftliche Methode kennenlernen kann, wie er die Methoden der Chemie kennenlernen kann. Wenn sie aber erforscht, dann können die Methoden von jedem denkenden Menschen nachgeprüft werden. Und so kann auch das, was ich sage oder was ich schreibe und geschrieben habe aus der Geisteswissenschaft heraus, von jedem denkenden Menschen nachgeprüft werden. Da werden gewiß mancherlei Irrtümer enthalten sein, selbstverständlich, aber das ist genau so wie bei den anderen Forschungen. Es handelt sich nicht um diese Irrtümer im einzelnen, sondern um den Grundcharakter des Ganzen."

 

Genau in diesem Sinne fordert Rudolf Steiner selber, dass man ihm nicht aus einem Autoritätsglauben heraus zustimmt, sondern sich fragend und denkend mit seinen Gedanken und Ideen auseinandersetzt Auch dazu einige Textstellen:

Vortrag vom 17.6.1910, gehalten in Oslo, GA 121:”Schlecht wäre es für die Geisteswissenschaft, wenn derjenige, der noch nicht in das geistige Gebiet hineinschauen kann, auf blinden Glauben hin annehmen müßte, was gesagt wird. Ich bitte Sie, [...] nichts auf Autorität und Glauben hinzunehmen, was ich jemals gesagt habe oder sagen werde. Es gibt, auch bevor der Mensch die hellseherische Stufe erreicht, die Möglichkeit, dasjenige zu prüfen, was aus hellseherischer Beobachtung heraus gewonnen wird.“ ”Darauf rechne ich, daß die Mitteilungen, welche aus dem Rosenkreuzermysterium heraus gemacht werden, nicht geglaubt, sondern geprüft werden [...]“

Vortrag vom 8.1.1911, gehalten in Frankfurt a.M, GA 127: ”Gerade unsere geisteswissenschaftliche Bewegung sollte die Menschen zu freiem Urteilen aufrufen, sollte hinwegfegen alles, was bloß auf äußeren Autoritätsglauben hin herrscht. Solange in der Gesellschaft noch das Gefühl herrscht, es käme auf den Mund an, durch den gesprochen wird, solange ist noch nicht unser Ideal erreicht.“

”[...] es geht durch unsere Zeit ein starker Zug, den man nennen kann: Bequemlichkeit in Bezug auf den Glauben. Durch die Bequemlichkeit des Glaubens werden der geisteswissenschaftlichen Bewegung große Hindernisse geschaffen.“

Vortrag vom 17.6.1912, gehalten in Hamburg, GA 130: ”Christian Rosenkreutz verlangt nie irgendwelchen Personenkultus und sieht darauf, daß die Lehren dem Verstande nahegebracht und eingesehen werden.“ ”[...] ist es Pflicht, stets seine Vernunft zu Rate zu ziehen und nichts auf Autorität hin für wahr zu halten. Viel bequemer ist es natürlich, auf Personenkultus zu schwören, denn die Vernunft muß man sich erarbeiten. Nur die, welche prüfend dem gegenüberstehen, was aus den geistigen Welten gegeben wird, können Christian Rosenkreutz die Treue halten.“

Vortrag vom 31.10.1912, gehalten in Berlin, GA 62: In diesem öffentlichen Vortrag zum Thema Wie widerlegt man Geistesforschung? befaßt sich Steiner u.a. mit der verbreiteten Leichtgläubigkeit, mit Autoritätssucht und Scharlatanerie.

Vortrag vom 21.11.1912, gehalten in Berlin, GA 62: ”[...] sollte die üble Gewohnheit, die so sehr die Wege zur übersinnlichen Erkenntnis verlegt, ganz und gar bei denen ausgetilgt werden, welche an solche Erkenntnis herantreten wollen: daß man den Geistesforscher, der in die geistige Welt hineinzuschauen vermag, deshalb, weil er dies kann, für eine besondere Autorität, für etwas Besonderes hält. Dadurch wird Autoritätsglaube und eine blinde Anhängerschaft hervorgerufen, die schon schlimm genug sind auf anderen Gebieten, die aber am allerschlimmsten sind auf dem Gebiete geisteswissenschaftlicher Forschung [...]”

Vortrag vom 18.10.1915, gehalten in Dornach, GA 254: ”Niemals sollte die Phrase auftreten, daß Wahrheiten nur aufgenommen werden, weil ich sie sage! Wir würden uns gegen die Wahrheit versündigen, wenn wir so etwas sagten. Es mag etwas auf Vertrauen beruhen; das kann aber niemals zum Grundsatz gemacht werden, weil es eine Grundlage sein soll, die jeder für sich behalten sollte, weil ein anderer vielleicht besser den Weg gehen könnte: nicht auf Vertrauen hinzunehmen, sondern zu prüfen.”

Vortrag vom 20.5.1917, gehalten in München, GA 174a: ”Für die Lehre braucht man dies nicht, denn sie kann geprüft werden. Nur für manche Dinge, die sich auf Einrichtungen beziehen, ist manchmal Vertrauen notwendig.“

Vortrag vom 2.5.1918, gehalten in München, GA 174a: Es ist ”notwendig, daß man die Beweglichkeit des Geistes entwickle, die es ermöglicht, aus dem Sektiererischen herauszukommen zu einer weltmännischen Erfassung dessen, was in unserer geisteswissenschaftlichen Strömung darinnen sein soll.“ ”Mit dem Autoritätsglauben geht es bei uns gar nicht, nur mit dem Aneignen eines freien, selbständigen Urteils.“

Vortrag vom 31. 8.1918, gehalten in Dornach, GA 183: Man sollte ”nachdenken, warum die Anthroposophische Gesellschaft in bezug auf so vieles [...] versagt.“ Es ist ”notwendig, daß, während auf der einen Seite mein Bestreben dahin geht, alles Geisteswissenschaftliche aus dem Sektiererischen herauszuheben, alles Sektiererische abzustreifen, die Anthroposophische Gesellschaft immer mehr und mehr in das Sektiererische hineinplumpst und eine gewisse Liebe gerade für das Sektiererische hat. Wenn irgendwo das Bestreben besteht, aus dem Sektiererischen herauszukommen, so haßt man gerade hier dieses Herauskommenwollen aus dem Sektiererischen.“

Vortrag vom 7.12.1919, gehalten in Dornach, GA 194: ”Solange man glauben wird, daß das Heil unserer Bewegung in irgendeiner Sektiererei zu suchen ist, wird man niemals den Sinn dieser Bewegung erkennen: Erst wenn man einsehen wird, daß wir es zu tun haben mit einer Weltangelegenheit, wird man den Sinn dieser Bewegung erkennen.“

Vortrag vom 23.3.1921, gehalten in Stuttgart, GA 324: ”Wir fürchten uns nicht vor dem Verifizieren. Wir haben nur einige Sorge vor demjenigen, was an unsere Anschauung sich heranmacht, ohne daß es prüft, ohne daß es sich einläßt gerade auf die Prüfung der Einzelheiten. Je sorgfältiger man prüfen wird, desto beruhigter können wir mit unserer Geistesforschung sein.“

 

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