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Einer der Hauptvorwürfe, die Rudolf Steiner immer wieder gemacht werden, ist, dass er - quasi mit dem Anspruch "päpstlicher Unfehlbarkeit" - absolute, entgültige, abschließende Aussage habe tätigen wollen. Damit ist er in einer diskussionsfreudigen Zeit schnell gebrandmarkt. Aber kennen denn Menschen, die solches vorwerfen, was Steiner selber gesagt hat? Hier seine eigenen Statements dazu: Zitate Rudolf Steiners über mögliche Irrtümer:
Genau in diesem Sinne fordert Rudolf Steiner selber, dass man ihm nicht aus einem Autoritätsglauben heraus zustimmt, sondern sich fragend und denkend mit seinen Gedanken und Ideen auseinandersetzt Auch dazu einige Textstellen: Vortrag vom 17.6.1910, gehalten in Oslo, GA 121:Schlecht wäre es für die Geisteswissenschaft, wenn derjenige, der noch nicht in das geistige Gebiet hineinschauen kann, auf blinden Glauben hin annehmen müßte, was gesagt wird. Ich bitte Sie, [...] nichts auf Autorität und Glauben hinzunehmen, was ich jemals gesagt habe oder sagen werde. Es gibt, auch bevor der Mensch die hellseherische Stufe erreicht, die Möglichkeit, dasjenige zu prüfen, was aus hellseherischer Beobachtung heraus gewonnen wird. Darauf rechne ich, daß die Mitteilungen, welche aus dem Rosenkreuzermysterium heraus gemacht werden, nicht geglaubt, sondern geprüft werden [...] Vortrag vom 8.1.1911, gehalten in Frankfurt a.M, GA 127: Gerade unsere geisteswissenschaftliche Bewegung sollte die Menschen zu freiem Urteilen aufrufen, sollte hinwegfegen alles, was bloß auf äußeren Autoritätsglauben hin herrscht. Solange in der Gesellschaft noch das Gefühl herrscht, es käme auf den Mund an, durch den gesprochen wird, solange ist noch nicht unser Ideal erreicht. [...] es geht durch unsere Zeit ein starker Zug, den man nennen kann: Bequemlichkeit in Bezug auf den Glauben. Durch die Bequemlichkeit des Glaubens werden der geisteswissenschaftlichen Bewegung große Hindernisse geschaffen. Vortrag vom 17.6.1912, gehalten in Hamburg, GA 130: Christian Rosenkreutz verlangt nie irgendwelchen Personenkultus und sieht darauf, daß die Lehren dem Verstande nahegebracht und eingesehen werden. [...] ist es Pflicht, stets seine Vernunft zu Rate zu ziehen und nichts auf Autorität hin für wahr zu halten. Viel bequemer ist es natürlich, auf Personenkultus zu schwören, denn die Vernunft muß man sich erarbeiten. Nur die, welche prüfend dem gegenüberstehen, was aus den geistigen Welten gegeben wird, können Christian Rosenkreutz die Treue halten. Vortrag vom 31.10.1912, gehalten in Berlin, GA 62: In diesem öffentlichen Vortrag zum Thema Wie widerlegt man Geistesforschung? befaßt sich Steiner u.a. mit der verbreiteten Leichtgläubigkeit, mit Autoritätssucht und Scharlatanerie. Vortrag vom 21.11.1912, gehalten in Berlin, GA 62: [...] sollte die üble Gewohnheit, die so sehr die Wege zur übersinnlichen Erkenntnis verlegt, ganz und gar bei denen ausgetilgt werden, welche an solche Erkenntnis herantreten wollen: daß man den Geistesforscher, der in die geistige Welt hineinzuschauen vermag, deshalb, weil er dies kann, für eine besondere Autorität, für etwas Besonderes hält. Dadurch wird Autoritätsglaube und eine blinde Anhängerschaft hervorgerufen, die schon schlimm genug sind auf anderen Gebieten, die aber am allerschlimmsten sind auf dem Gebiete geisteswissenschaftlicher Forschung [...] Vortrag vom 18.10.1915, gehalten in Dornach, GA 254: Niemals sollte die Phrase auftreten, daß Wahrheiten nur aufgenommen werden, weil ich sie sage! Wir würden uns gegen die Wahrheit versündigen, wenn wir so etwas sagten. Es mag etwas auf Vertrauen beruhen; das kann aber niemals zum Grundsatz gemacht werden, weil es eine Grundlage sein soll, die jeder für sich behalten sollte, weil ein anderer vielleicht besser den Weg gehen könnte: nicht auf Vertrauen hinzunehmen, sondern zu prüfen. Vortrag vom 20.5.1917, gehalten in München, GA 174a: Für die Lehre braucht man dies nicht, denn sie kann geprüft werden. Nur für manche Dinge, die sich auf Einrichtungen beziehen, ist manchmal Vertrauen notwendig. Vortrag vom 2.5.1918, gehalten in München, GA 174a: Es ist notwendig, daß man die Beweglichkeit des Geistes entwickle, die es ermöglicht, aus dem Sektiererischen herauszukommen zu einer weltmännischen Erfassung dessen, was in unserer geisteswissenschaftlichen Strömung darinnen sein soll. Mit dem Autoritätsglauben geht es bei uns gar nicht, nur mit dem Aneignen eines freien, selbständigen Urteils. Vortrag vom 31. 8.1918, gehalten in Dornach, GA 183: Man sollte nachdenken, warum die Anthroposophische Gesellschaft in bezug auf so vieles [...] versagt. Es ist notwendig, daß, während auf der einen Seite mein Bestreben dahin geht, alles Geisteswissenschaftliche aus dem Sektiererischen herauszuheben, alles Sektiererische abzustreifen, die Anthroposophische Gesellschaft immer mehr und mehr in das Sektiererische hineinplumpst und eine gewisse Liebe gerade für das Sektiererische hat. Wenn irgendwo das Bestreben besteht, aus dem Sektiererischen herauszukommen, so haßt man gerade hier dieses Herauskommenwollen aus dem Sektiererischen. Vortrag vom 7.12.1919, gehalten in Dornach, GA 194: Solange man glauben wird, daß das Heil unserer Bewegung in irgendeiner Sektiererei zu suchen ist, wird man niemals den Sinn dieser Bewegung erkennen: Erst wenn man einsehen wird, daß wir es zu tun haben mit einer Weltangelegenheit, wird man den Sinn dieser Bewegung erkennen. Vortrag vom 23.3.1921, gehalten in Stuttgart, GA 324: Wir fürchten
uns nicht vor dem Verifizieren. Wir haben nur einige Sorge vor demjenigen,
was an unsere Anschauung sich heranmacht, ohne daß es prüft,
ohne daß es sich einläßt gerade auf die Prüfung
der Einzelheiten. Je sorgfältiger man prüfen wird, desto beruhigter
können wir mit unserer Geistesforschung sein. |